Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bevölkerungs- und Wirtschaftsfragen. 23 bringen muß. Auf der anderen Seite entsteht für unsere akademische Jugend, die groß wird in den Idealen eines glaubens- und überzeugungsstarben Judentums die wichtige Aufgabe, ihren Idealen praktisch zu dienen, indem sie, soweit die Ausübung ihres Berufes es ihnen ermöglicht, freiwillig den Freuden der Großstadt entsagt und in kleineren und mittleren Provinzgemeinden sich niederlässt und hier zu festen Stützen für die Erhaltung unserer Gemeinschaft wird. Ein weiterer Grund für den Rückgang der Geburtenhäufigkeit liegt in der Umwälzung, die innerhalb der letzten 30 Jahre in den wirtschaftlichen Verhältnissen der deutschen Judenheit vor sich gegangen ist und die man in die wenigen Stichworte zusammenfassen kann: Abnahme der selbständigen Existenzen, Entstehen eines zahlreichen mittleren Beamtenstandes und wachsendes Eintreten des weiblichen Elements in das Wirtschaftsleben. Die Gründe für diese Umwälzung zu erörtern, liegt nicht im Plane des Aufsatzes; wir konstatieren nur die Tatsachen und bemerken, daß sie auch bei den übrigen Bevölkerungs schichten in gleicher Weise sich zeigen, so daß man von einem wirtschaftlichen Assimilationsprozeß der Juden reden kann. Diese Änderung in der sozialen Schichtung hat zweifellos geburtenmindernd gewirkt. Der Angestellte, welcher mit einem begrenzten Einkommen zu rechnen hat, das zudem nicht immer sich parallel zu den sich steigernden Bedürfnissen aufwärts bewegt, wird im allgemeinen weniger reproduktionsfreudig sein als der selbständige Kaufmann, der Großindustrielle, der in einem freien Beruf als Rechtsanwalt, Arzt Lebende, der die Hoffnung auf Steigerung seiner Einkünfte hat. Diesen Einflüssen haben sich natürlich auch die Juden nicht entziehen können, auch jene nicht, die sonst in ihrem Leben dem Eindringen moderner Ideen, welche auf eine Zersetzung religiösen Denkens abzielen, sich kräftig entgegenstemmen. Und damit komme ich auf den Punkt, der mir für die Betrachtung all dieser Fragen vom Standpunkt des gesetzestreuen Judentums der wesentlichste zu sein scheint und der auch bei der