Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Ästhetische Gesichtspunkte im Religionsgesetz. 17 der durch Unachtsamkeit in seiner Kleidung Anstoß erregt, ist des Todes schuldig (ת״ה שנמצא רבב על בגדו חייב מיתה Sabbath 114a). Sogar deine Ausdruckweise, sagen die Talmudlehrer, sei so gewählt, daß sie dem ästhetisch empfindenden Menschen wohlgefallt (לעולם יספר אדם בלשון נקיה Pesachim 3 a). Der Talmud führt auch Beispiele von verschiedenen Lehrern an, die darauf besonderen Wert legten; so von Rab, der einen Schüler keiner Antwort würdigte, weil er sich eines häßlichen Ausdrucks bedient hatte, und von Hillel, der einem Schüler prophezeite, er werde einst ein großer Lehrer in Israel werden, weil er sich immer bemühte, jeden unschönen Ausdruck zu vermeiden. Die würdige, geschmackvolle Art, seine Gedanken zu äußern, läßt eben auf eine edle, vornehme Denkungsart schließen. Hier werden allerdings auch — und das ist charakteristisch — der Ästhetik ihre Grenzen gezogen: die gewählte Sprache darf nicht das besonders beim Unterricht wichtige Streben beeinträchtigen, sich kurz und präzis ausdrücken. (לעולם ישנה אדם לתלמידו דרך קצרה Chulin 63 b). Die Ästhetik verlangt jedoch nicht nur die Schönheit der äußeren Form, die geschmackvolle Formgestaltung soll vielmehr der Ausdruck einer inneren Harmonie sein, und die Weisen sehen in dieser Harmonie etwas dem Wesen der Thora Immanentes. Die ganze Anschauung der Thora ist vom Geist der Ästhetik getragen, denn sie will ja eine Übereinstimmung des Geistigen und Sinnlichen, des Menschlichen und Göttlichen herbeiführen, und deshalb heißt es von ihr: ״ דרכיה דרכי נועםIhre Wege sind die Wege der Anmut“. Der Talmud wendet diesen Schriftvers an verschiedenen Stellen an, um damit zu begründen, daß das Häßliche, den Geschmack Beleidigende dem Prinzip der Thora widerstrebt, und dieses Zitat ist nicht bloß eine Phrase, sondern es findet seine praktische Anwendung in halachischer Beziehung. Die Befreiung der Witwe von der Chaliza ist davon abhängig, ob beim Eintritt des Todes des Ehemanns Nachkommen vorhanden waren. Die theoretisch diskutierte Möglichkeit, daß beim Ableben der Nachkommen Chaliza notwendig sei, wird mit dem Hinweis auf דרכיה דרכי נועם zurückgewiesen. Eine 2