Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ästhetische Gesichtspunkte im Religionsgesetz. 13 großer Kreis von Gelehrten war. 1742 begann er seinen Kommentar zum Jeruschalmi zu drucken. Noch nicht 40 Jahre alt, wie er in der Vorrede schreibt, wurde er in Frankfurt a. 0. gewählt, da beeilten sich die Berliner 1743 ihm ihr Rabbinat anzutragen. (Fortsetzung folgt.) lütüiüünniiniüii Ästhetische Gesichtspunkte im Religionsgesetz. Von Dr. Isaak Unna, Rabbiner in Mannheim. Der weltgeschichtliche Gegensatz zwischen Hellenismus und Judentum ist bekanntlich auf dem Boden Palästinas zugunsten des letzteren entschieden worden. Das Griechentum mit seiner Verherrlichung des Sinnlich-Schönen und des heiteren Lebensgenusses mußte mit der streng sittlichen Lebensauffassung, wie sie das Judentum lehrt, notwendig in Widerstreit geraten und in dem heftigen Kampfe, der daraus hervorging, ist das Judentum siegreich geblieben. Ist aber deshalb das Judentum als ein Feind des Strebens nach äußerer Schönheit, nach wohlgefälliger Formgestaltung zu bezeichnen? Steht die ästhetische Lebensauffassung in einem inneren Gegensatz zur Weltanschauung des Judentums? Man hat dies oft behauptet, und einzelne Momente scheinen denjenigen, die dieser Meinung sind, recht zu geben. Die Thora verbietet die plastische Darstellung der Menschengestalt, und wenn auch die von manchen versuchte Erweiterung dieser Bestimmung und ihre Ausdehnung auf andere Gegenstände von den maßgebenden Autoritäten abgelehnt wurde, so ist doch durch jenes Verbot der bildenden Kunst ihr vornehmstes Objekt entzogen. Der Grund für das Verbot liegt klar zutage: es ist die Befürchtung, daß dadurch dem Götzendienst Vorschub geleistet werden könnte, eine Befürchtung, welche in der geschichtlichen Entwickelung volle Rechtfertigung findet. Das Motiv der Thora ist also nicht Feindschaft gegen die Kunst an sich, sondern das Bestreben die religiös-sittlichen Grundlagen des Volkslebens zu schützen. Die wichtigste dieser Grundlagen ist