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Jeschurun · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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4 Jeschur im. der westeuropäischen Judenheit hat es in seiner überwiegenden Masse noch nicht verstanden, eine innige organische Verbindung zwischen Thorawissen und moderner Kultur zu gestalten. So haben wir viele gebildete Juden aber wenig jüdische Bildung. Daher die Übung der Pflichten nicht mit jener tiefen Selbstbesinnung auf die Grundlagen des Ganzen, auf die inneren Zusammenhänge, wie sie aus der vollen Kenntnis des Thorageistes entspringt. Auf den Schulen der Neuzeit vorgebildet, von moderner Wissenschaft genährt, für Kunst und Literatur in allen ihren Richtungen begeistert, von der Mode beherrscht, ist ihnen ihr Judentum nicht das Beherrschende in ihrem Denken. Aber ebensosehr Einseitigkeit und Verkennung des Gesamtgeistes des Judentums bei unseren Brüdern im Osten. Die Typen sind selten, welche in ihrem Denken Thorawissen und die wertvollen Errungenschaften der Zeit in inniger Gemeinschaft verknüpfen, die der Lehre Weisheit und Einsicht vor den Augen der Völker zu künden vermögen, wie es von den großen Gestalten in den Blüteperioden unserer Vergangenheit geschehen. Den Gründen nachzugehen, kann hier nicht unsere Aufgabe sein. Tief liegen hier die Ursachen, und nur allzu schwer erscheint hier jede Änderung. Aber nur in Zeiten der Ruhe mag man hier mit dem jüdischen Leben, dort mit dem „Lernen46 sich zufrieden geben. Heute, wo ringsum Stürme uns umtosen, die uns und vor allem unsere Jugend zu entwurzeln drohen, da müssen wir den Versuch machen, uns den rechten Weg zur vollen Erfassung des Judentums zu erkämpfen. Wegweiser seien uns die großen Lehrmeister im Judentum. Die Weisheit von unzähligen Generationen liegt aufgestapelt in den Bibliotheken, gelobt von vielen, von wenigen gelesen und gekannt. Sie denken in Bildern und Vorstellungen vergangener Zeiten, sprechen eine uns vielleicht fremd anmutende Sprache, aber reiche Schätze liegen auch für uns hier ungehoben. Es bedarf nur geringer Geschicklichkeit, das Gold in gangbares Geld umzumünzen. Wenn etwa R. Moses Isserlis in aristotelischen Gedankengängen die Opfergesetzgebung uuserem Verständnis näher zu bringen sucht, so werden wir ihm kaum in allen seinen

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