Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jeschurun. 3 Oft gab die Gegenwart den Verkündern einer neuen Auffassung der Lehre scheinbar recht. Die Führer werben und gewinnen Anhänger und wollen durch den Hinweis auf die große Zahl ihrer Gefolgschaft, durch den gleißenden Schimmer der neuen Auffassung die Wahrheit der jungen Lehre bestätigt sehen. Darum das zweite Merkmal: „Auch wenn das Zeichen oder Wunder ein trifft, das er dir angekündigt hat“, sagt die Thora, „sollst du auf die Worte jenes Propheten oder Träumers nicht hören; denn der Ewige, Euer Gott, will euch nur prüfen, um zu erkennen, ob ihr wirklich den Ewigen, euren Gott mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele liebet. Dem Ewigen, eurem Gotte, sollt ihr nachgehen und Ihn fürchten, Seine Gebote sollt ihr halten und auf Seine Stimme hören, Ihm sollt ihr dienen und an Ihm hängen (Dt. 13,3 ff.). Wer an uns das Ansinnen stellt, wir sollen neben Gott eine andere Macht anerkennen, die Lehre dem Leben unterordnen, in uns selbst den Maßstab dessen suchen, was die Liebe zu Gott fordern darf, Seine Gebote nur halten, soweit sie uns einleuchtend und mit dem Geist der Zeit in Einklang erscheinen, der zeigt, daß seine neue Lehre „zum Abfall von dem Ewigen aufgefordert hat und uns von dem Wege ablenken wollte, den zu wandeln der Ewige, unser Gott, uns befohlen“. Das Ziel steht klar vor unseren Augen, und der W e g erscheint so eben und leicht. Ist es doch ein einziger Gedanke, der leicht faßbar ist, daß wir eben Gott angehören sollen mit Leib und Seele. Nun, ein Blick auf unsere Zeit lehrt, daß ihr dieser einfache Gedanke fremd geworden, daß ihr das Ziel in nebelhafte Ferne gerückt. Wir reden nicht von dem, der gegen alles Religiöse gleichgültig, dem die Erfüllung der Thorapflicht eine Last. Auch die, welche von den besten Wünschen beseelt sind, dem Ziele zuzustreben, sind von dem rechten Wege abgeirrt. Denn unser Wissen von Gott und seiner Lehre ist Stückwerk und Halbheit geworden. Der treugebliebene Rest innerhalb 1*