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Central-Verein-Zeitung · 1935-12-24 · 52 (24.12.1935) · page 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
52 (24.12.1935)
Date
1935-12-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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„NEU-HEBRÄISCH“ Von unserem Palästina-Korrespondenten Tel-Aviv, den 13. Dezember 1935: . „Man kommt sehr gut mit Deutsch durch. -7- --- - Ohne perfektes Hebräisch kommt mair überhaupt nicht weiter." Zwischen diesen' beiden Ertremen bewegen sich die Aeüherungen der neuen Einwan. derer aus Deutschland, wenn sie die ersten A)ivnate der Einrichtung und der Berufswahl hinter sich haben. In dieser äußersten llcberspitznng sind natürlich beide Thesen falsch.-Aber die Wahrheit liegt doch näher bei dem zweiten Satz, so oft gelegentliche Einzclsalle — erfolgreiche Einordnung von Menschen, die nicht oder nicht viel Hebräisch können — oder zufällige Beobachtungen ans der Straße oder im Autobus dagegen sprechen mögen. Gewiß, man hört im Norden Tel-Avivs, in Rechoboth und Pctach Tikmah. in Rdchawiah bei Jerusalem und ans dem Hadar Hakarmel bei Haifa ausgesprochen sehr viel Deutsch ans der Straße. Aber in demselben Norden Tel-Avivs stelle man sich einmal abends vor das Beth Am (Volkshaus), , . wenn mehr als tausend Menschen zum Matatei. dem berühmten satirischen Kabarett, oder zu einer Versammlung oder einem Film strömen, man lausche einmal bei dem großen Abendbummel auf der AUenby-Straße nicht nur aus die bekannten deutschen Worte, die einem ans Ohr klingen, sondern ans das, was die überwältigende Mehrzahl der jungen Menschen dort spricht, man besuche einmal die Eafös. wo nicht die paar tausend neuen Einwanderer ans Deutschland, sondern die anderen 100 000 Tel-Avivcr verkehren, man gehe in die alten, konsolidierten Siedlungen oder in die Büros der großen Firmen und Organisationen — und man wird begreifen, daß Tel-Aviv eine hebräische Stadt lind das jüdische Palästina ein hebräische? Land ist. Die alten Einwohner klagen freilich, daß die große EinwanderungsN'elle der letzten Jahre den hebräischen Charakter des Landes verwischt habe. r Das ist' nicht etwa, wie man so oft hört, die Alleinschnld der deutschen Alisa. Bekanntlich hat die deutsche Alisa auch jetzt nicht den ersten Platz unter den verschiedenen Alija-Gruppen eingenommen. Die Einwanderung aus Polen z. B. war immer stärker als die Einwanderung aus Deutschland. Aber das Zahleuvcrhältnis zwischen neuer Eintvanderuiig und alter Bevölkerung war früher im gewissen Sinne günstiger. Alan darf nicht vergesscn, daß die jüdische Einwanderung der letzten beiden Jahre etwa 30 vom Hundert der Anfang 1934 vorhandenen jüdischen Bevölkerung betragen hat. Für eine immerhin noch junge und nicht ganz gefestigte Knlturgemeinscl)aft. wie sie selbst der damalige Jischnw darstellte, ist cs natürlich schwer, einen so geivaltigen Zustrom aufznsaugen nnd zu assimilieren. Auch in dieser Beziehung war die Entwicklung der vorangegaugenen Jahre zwar "schwerer, a.bcr doch auch ruhiger und solider. Je mehr aber die neuen nnd-nenesten Einwanderer ganze Gemeinden^ für sich bilden, in denen sie natürlich die Sprache ihres alten Landes sprechen, desto schwerer ,vird es für sie selbst, sich die nötige Routine in der hebräischen Sprache anzueigncn, desto mehr neigen Geschäfte und Behörde» dazu, den neuen Ankömmlingen auch sprachlich entgegenznkvmmen. Ein gewaltiger Teil der Juden aller Länder versteht und spricht ja ohnehin deutsch, sei es unmittelbar, sei es ans dem Ttzege über das Jiddisck>e. Für das Jiddische gilt übrigens in hohem Grade dasselbe wie für das Deutsche. ' Biele Einwanderer ans Polen sind windesteus ebenso schwer vom Jiddisclren znm Hebräischen zu bringen-wie manche Einwanderer ans Deutschland von, Deutschen zum Hebräischen.-.Zivar stellen die vsteuropärschen Länder eine besonders große Zahl von jungen Einwanderern, die mitausgezeichneten hebräischen Kenntnissen ins Land kommen Absolventen der hebräischen Schulen. und Gymnasien ,n Polen und Litauen —. aber in der mittleren - und älteren Generation sind cs gerade die Inden aus •- Deutschland, die mit nngehenrein Eifer Hebräisch lernen. Das Hebräisdic Seminar z. B.. das in Dcl-Aviv ans Kreisen deutscher Einivanderer hervvrgegangen ist. hat sich jetzt, ii, seinem zweiten Semester, schon zu einer kleinen Volks- Hochschule entivickelt. die auch zahlreichen Mensck)en anderer Kreise Anregung- und Belehrung bietet, und eben letzt ist ein interessantes Dokument sür die hebräischen Fortschritte-der deutschen Al,ja er- . schienen: Eine hebräisck)e Sammelpublrkation in , -der ^Schriftenreihe'' der Hitarhduth Olej Gerrnania", welche die im Frühiahr ans derersten, hebräisclien ^Landestagung der Einwanderer aus' Deutschland" gehaltenen Referate-und Disk,rssionsreden zur Kulturpolitik vereinigt. Man kann es heute kaum noch begreifen, daß erst vgr wenigen Jahrzehnten ernste Kümpfe darum geführt wurden, ob die Unterrichtssprache an der Technischen Hochschule Haifa Deutsch oder Hebräisch sein solle. Grundsätzlich ist die Sprachenfrage heute endgültig entschieden, und wer es. versucht, sie etwa aus Bequemlichkeit oder Interesse wieder auszurollen, stößt ans entschlossenen und radikalen Widerstand. Jüdische Siedlung in Palästina ist sinnlos und vor allem unhaltbar, wenn sie nicht gegründet ist ans der besonderen Verbindung des Juden mit gerade diesem Landewenn sie nicht — über ein bloßes Asyl hinaus — ein äntonvlncs Gebilde eigenen Rechtes und eigener Kultur sein will. Dazu gehört, daß auch sprachlich wieder angeknttpft wird an die Wurzeln der jüdischen Tradition, daß man - nicht die Sprache, die ein Teil der Judenheit von einem anderen Volke übernommen hat, sondern die für alle Juden gemeinsam gültige Sprache mit ihrer ganzen ehrwürdigen Autorität wieder belebt. Daß eine solche allgemein anerkannte gemeinsame Sprache schon ans praktischen Gründen eine Lebensnotwendigkeit für das jüdische Gemeinwesen nnd damit auch für jeden einzelnen ist, wnrdtz schon oft bewiesen. Man kommt auf die Dauer nicht durch, wenn man nicht die amtlichen; Anschläge an den Litfaßsäulen, die Verordnungen und Verbote nnd Bekanntmachungen lesen kann, wenn man nicht aus der hebräischen Presse, aus Vorträgen und Volksversammlungen erfährt, was in der Umwelt, die für das Schicksal des einzelnen entscheidend ist, vvrgeht. Man kann nicht in einem großen Betrieb arbeiten, wenn man nicht in der Lage ist, die hebräische Korrespondenz und die Akten zu lesen und mit seinen vielen jüngeren Kollegen, die ja als eingeborene Palästinenser oft nur hebräisch sprechen, sich zu verständigen. Man kann nicht Jahre lang Nachsicht verlangen und bei allen behördlichen oder gerichtlichen Handlungen von einem Dolmetscher abhängig sein. Es hat in letzter Zeit geradezu eine Offensive gegen das Ueberhandnehmen fremder Sprachen im öfsentlichen Leben eingesetzt. Man kann jetzt schon feststellen. daß diese Offensive erfolgreich sein wird. In erster Linie , richtet sich der Kampf natürlich gegen jede Ausschaltung des Hebräischen aus dem Gebiete der Kunst und Kultur. Der Versuch zum Beispiel, eine' deutschsprachige Tageszeitung für Palästina herauszugeben, ist in wenigen Wochen an der energischen Abwehr aller hebräischen Kreise gescheitert. Der Gedanke an ein ständiges nichthebräisches Theater hat dieselben Angriffe ansgelöst. Der Einwanderer vergißt zu leicht, daß es auch aus diesem Gebiete nicht immer so bleibt wiein der Uebergangszeit des ersten Jahres. Die splendid isolation der „Berliner Kolonie" läßt sich ans die Dauer nicht ausrechterhalteii, weder beruflich noch gesellschaftlich noch geistig. Palästina selbst ist zur Autarkie zu klein, und eine einzelne Gruppe innerhalb Palästinas erst recht. Daß die ganze hebräische Sprache doch ein ..krampfhaftes Kunstprodukt" sei. ist kein Einwand. Richtig ist freilich, das; vielen der Menschen, die mit Recht als Stützen der hebräischen Sprache, als Prototypen des hebräischen Lebens in Wort nnd Schrift gelten, das Hebräische noch heute viel schwerer fällt, als ihnen vielleicht vor zwanzig Jahren das Jiddisch oder Polnische oder Russische oder Deutsche gefallen ist. Aber diese tägliche Anspannung ist ihnen schon völlig zur zweiten Natur. geworden, nnd sic haben deshalb auch wenig Mitleid, wenn andere stöhnen, sie würden diese Sprache nie lernen. Gerade. weil diese Sprache noch nicht selbstverständlich geworden ist. muß sie ständig scharf bewacht werden. Gewiß kommen bei dieser Wacht schlimme Uebertreib,ingen und Härten vor- Aber ganz ohne Opfer geht es ans keinen Fall.. Schwierig ist die Sprache schon deshalb, weil es ja ein „Nknhebraisch" eigentlich nicht gibt. Wohl gibt es. entsprechend dem Bedürfnis des modernen Lebens, neue Vokabeln und Redewendungen. Aber, um nur ein Beispiel zu nennen: Die verbreitetste Zeitung des Landes, die Arbeiterzeitung „Dawar", schreibt in einen besonders gepflegten-Stil, und cl-arakteristisch für diesen Stil.ist es, daß er das ganze Sprachgut der.Bibel und der Mischna organisch zur Veredelung der täglichen Umgangssprache heranzieht. Und man merkt allmählich die Unterschiede: . Vom . flüssigen, aber primitiven Jonglieren mit -5oO Vokabeln bis zur wirklichen Beherrschnng. von der Konversation, die nach zehn Sätzen ins Jiddische abbiegt, bis zur wirklichen Es ist nicht zu leugneitz daß diese Hebrüisierung Palästinas nicht -nur sür den neuen Einwanderer, sondern in gewissem Maße für alle mit einem erheblichen Ausfall an geistigen Genüssen, an Anregnngen nnd Betätigungsmöglichkeiten verbunden ist und für eine lange Uebergangszeit verbunden sein wird. Auch dieser Ausfall gehört zu den Opfern, und zu den schmerzlichsten, die das Land von dem Neuling verlangt. Der Einwanderer muß sich deshalb immer klar machen, daß dieses Land niemals geworden wäre, was es heute ist, daß es niemals zur 'Aufnahme so vieler deutscher Inden fähig gewesen wäre, wenn nicht seiner Zeit der Alifban.beflügelt 'worden wäre von der Triebkraft eines j üd i s ch-h e b rä i s chen Jdea l; smns, der mehr vollbrachte, als man technisch, wirtschaftlich und politisch sür möglich gehalten hätte. Sicher aber ist es auch eine schwere Gefahr, daß man in diesem Augenblick, in dem eigentlich die hebräisch - palästinensische Kultur den Anschluß an die Weltkultur hätte suchen müssen, gezwungen ist, von neuem „einen Zaun um die Lehre zu machen", Die Gefahr der Verengung und der geistigen Inzucht, der bewußten Primitivisiernnj, nnd Isolierung, ist hier ohnehin nicht leicht zu nehmen. Aber auch für die neuen Einwanderer war es gut,, daß sie gewissermaßen mit Geivalt zur Hebräisiernng gezwungen wurden: Denn Versäumtes ist nachzuholen, Zerstörtes aber nicht noch einmal aufznbanen. * Die Palästina-Regierung hat eine Kommission zur . Auswahl eines hebräischen Ansagers für den palästinensischen Rundfunk ernannt. Der Kommission gehören Dr. Jizchak Epstein, Channa Rowina und A. Vellin an. Aufnahmen und Montage Herbert Sonnenfeld (Berlin) Kurze Nachrichten Das 15. Mandat im Tel-Aviver Stadtrat ist dem Listcnsührer der Sephardim. Benvenisti, zuerkannt worden. Es ist noch unbestimmt, ob Benvenisti sich der Koalition. der Arbeitergruppen oder dem Zentrum anschließen wird. Die sterblichen Ueberreste des Barons Edmond de Rothschild und seiner Gattin sollen in einer Begräbnisstätte in der nach dem Vater des Barons Edmond genannten Kolonie Sichron Jacob endgültig beigesetzt werden, lieber der Begräbnisstätte wird eine Synagoge errichtet werden, in der ein ständiges Minjen Kehillim und VUschnajvt sagen wird. . In einer Arbeit Jacob A d l e r s wird versucht, das „Nationalvermögen" nnd „Nationaleinkommen" Palästinas zahlenmäßig zu erfassen. Dieses .Vermögen ivird unter Außerachtlassung des Wertes von Grund nnd Boden auf 115 Millionen Pfund geschützt. Davon entfallen auf Jnvestitiviien in Orangenplantagen 18 Millionen, ans andere Zweige der Landwirtschaft 12 'Millionen, aitf Industrie nnd Handwerk 9 Millionen. auf Verkehrsmittel 10 Millivnen, auf den Handel 4 Millionen. aus Edelmetalle 1,5 Millionen, Wohnhäuser nnd öffentliche Gebäude 45 Millionen. Regierungsfonds im Ausland 1t Millionen. Privatkapital im Ausland 4 Millionen und verschiedene bewegliche Güter .9.5 Millionen. Der Anteil der Juden an dem gesamten Vvlksvermögen Ivird mit 56.5, der der Araber mit 39,5 und der der Regierung mit 11,5 Millionen angenommen: als „gemeinsamer Besitz" (Geldumlauf u. dgl.) wird ein Betrag von 6 Millionen eingesetzt, das. Vermögen der Kirchen, religiösen Körperscliasten usw. wird auf 1,-5 Millionen geschätzt. Als Durchschnittseigentum werden bei den Juden 162, bei den Arabern 46 Millionen Angenommen. Dieses Verhältnis ändert sich jedoch ivesentkich. wenn man auch Grund und Boden, der vorwiegend in arabischen Händen ist. berücksichtigt. . Das allgemeine Jahreseinkommen wird von dem Verfasser auf 18.5 Millionen Pfund geschätzt, und zivar beträgt der Ertrag der„Orangen-Pflanzimgen S Millionen, der der übrigen Landwirtschalt ebenfalls 3 Millionen. Industrie und Handwerk bringen 7.5 Millionen, das Einkommen der freien Berufe, der Banken, des Hausbesitzes usw. beträgt 5 Millionen.- Der. Anteilder Juden.an dem Gesamteinkommen wird-mit 10.8, der der -Araber mit 6,7und der der Regierung, mit 1 Million Pfund beziffert. Während aber das Gesamt- Einkommen 18,5 Millionen ansmacht, betragen-die Gesamtausgaben 22.5 Millionen. Das Defizit von 4 Millionen wird durch 'Kapitalznstrom gedeckt.' - Jabotinsky erhält kein Palästina-Visum Wie ans London gemeldet. hat der Präsident der Neuen Zionistischen Organisation, Wladimir Jabotinsky. vor kurzem ein zweites Mal um ein Palästina-Visum angesucht. Das Gesuch sei auch dieses Mal abgelehnt worden. o/?trb jtio * ****!% r " AN 7 7 ’^m/inruurP iTJmj HMÜTHOlfl GERMANIA'

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