Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 52 (24.12.1935)
- Date
- 1935-12-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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IV. Bibel, talmudisches Schrifttum und Literaturgeschichte A. Bibelausgaben Es gibt sehr viele Bibclausgaben in deutscher Sprache, von denen wir nur die wichtigsten nennen wollen. An erster. Stelle steht immer, noch die Uebersetzung von Luther, die.- trotz einzelner Nachteile cm gewaltiges .Werk ist; An j ü di s c hc n alteren und neueren ücbcrsclzungcn nennen wir die folgenden: 1. H. Zunz (Herausgeber) : Die. vier-■ undzwanzig Bücher der Heiligen "Schrift.; 17. Auflage. Berlin, Leo Alterthum, 1935 Diese etwa 100 Jahre alte Uebersetzung hat ihren sprachlichen Reiz auch heute noch nicht verloren, 2. S. Bernfeld: Die Heilige Schrift. 6. Auflage. Frankfurt a. M.,Kauffmann, 1935 3. Harry Torczyner (Herausgeber): Die Heilige Schrift neu ins Deutsche übertragen. Bd. 1. ThöralFünfbuch; Bd. 2. Nebiim Rischonim I Volksgeschichte. Frankfurt a.M., Kauff mann, 1934135 Diese neueste Ucbertragung wurde im Auftrag der Jüdischen Gemeinde Berlin geschaffen.- 4. Die Schrift, zu verdeutschen unternommen von Martin Büber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. —— Das Werk soll zwanzig Bünde umfassen, von denen vierzehn erschienen sind (einschl. des ,J$uchs der Preisangen**). Berlin, Schocken (o. J.) Die volle Gewalt der hebräischen Sprache in Geist und Form soll deutsch zum Ausdruck gebracht werden. 5. David Cassel: Die Apokryphen. 2. Au fl. Hamburg, Kramer, 1924 Die Apokryphen und Pseudoepigraphen (nicht in den Kanon der hebräischen Bibel aufgenommene , Schriften) sind in einigen Ausgaben der Luther-Bibel. zum Teil enthalten; Voll enthalten sind sie in der grossen wissenschaftlichen Ausgabe: 6. E. Kautzsch: Die Apokryphen und Pseudoepigraphen des Alten Testaments. Bde 1—-2. Tübingen, Mohr, 1921 7. Paul Riessler: Alt jüdisches Schrifttum ausserhalb der Bibel. Augsburg, Dr. Benno Filser, 1928 B. Literatur zur Bibel 1. Einleitungen Die Literatur zur Bibel ist unübersehbar gross. Wir nennen zu Beginn eine Reihe von wissenschaftlichen Einleitungen., die über die Entstehung, die Textverhältnisse und den Aufbau der Bibel in verschiedener Form unterrichten: 8. C. Steuernagel: Lehrbuch der Einleitung in das Alte Testament. Tübingen 1912 9. C. H. Cornill: Einleitung in die kanonischen Bücher des Alten Testaments.7. Auflage. Tübingen 1913 10. Ernst Sellin: Einleitung in das Alte Testament. 6. Au fl. Leipzig 1933 11. J. Meinhold: Einleitung in das Alte Testament. 2.Aufl. Giessen 1933 12. Otto Eissfeldt: Einleitung in das : Alte Testament, unter Einschluss . der Apokryphen und Pseudoepigraphen. \ Tübingen 1934 2. Kommentartüerke , Zur Bibel gibt es grosse wissenschaftliche Kommentarwerke, von denen die wichtigsten; im folgenden genannt werden: . 13. Nowack: Handkommentar zum Alten Testament. 1893 ff. . 14. Marti: Kurzer Handkommentar zum Alten Testament. 1890 ff. 15. Gunkel und Gressmann: Die Schriften des Alten Testaments in Auswahl. 2. Auflage, 1921 ff. 16. Sellin : Kommentar zum AltenTestament. 1913 ff. (Noch unvollendet.) 17. S. Bamberger: Raschis Pentateuchkommentar, vollständig übertragen mit einer Einleitung. 3. Auflage. Frankfurt ä. M., Käuffmann, 1935 Dieser alte jüdische Kommentar, erfüllt natürv lieh nicht die Aufgaben der neuzeitlichen christlichen Bibelkritik, kann dafür aber seinen alten Zweck, das Verständnis des Textes zu erleichtern und in schöner Weise zu vertiefen, auch heute noch erfüllen. 18. Benno Jacob: Das erste Buch der Thora. Genesis. Vebersetzt und erklärte Berlin, Schocken, 1934 Hier liegt der erste grosse neuzeitliche jüdische Bibelkommentar in deutscher Sprache vor uns, der die gesamten Resultate der Wissenschaft verwendet und mit ihrer Hilfe und der der alten jüdischen Erklärer den schwierigen Fragen auf den Grund geht. Dieses Buch ist für jede Bibelarbeit ganz unschätzbar. Es bildet gemeinsam mit Jacobs kleineren Schriften den Beginn einer Epoche jüdischer Bibelwissenschaft. 3. Einzeldarstellungen Zu den einzelnen Teilen der Bibel gibt es eine reiche exegetische, literaturhistorische, kulturhistorische, rcligionsgeschichtliche und andere . Literatur. Auch hier kann nur eine Auswahl genannt werden. Bei der Beschäftigung mit jedem der folgenden Bücher wird der Leser aber auf die übrige Literatur verwiesen werden. Sehr viele wertvolle Abhandlungen finden sich in den Religionsgeschichtlichen Volksbüchern. II. Reihe. Tübingen, Mohr. . 19. Vom Buch, das tausend Jahrewuchs. Ein bibelwissenschaftliches Sammelbuch. Herausgegeben von Max Soloweitschik. Berlin 1925 Eine Sammlung ausgezeichneter Aufsätze zu verschiedenen Fragen der Bibel. 20. Elias Auerbach: s. unter 11,10 21. Max Soloweitschik: s, unter 11,11 (Fortsetzung folgt) Eigenarten seine? Talente?, seine (liebe m her hebräischen Sprache zu und schrieb, eine Reche Natur und seine Neigung für die Satire, bemerkvon ErzäHlunge.n, in denen er sich ats'Reformator bar. Bei der Talmud studierenden Jugend erdes Hebräiiästn zeigte. Ter alten biblischen warb er sich besondere Verdienste, indem er ihr Sprache schenkte er die. Einfachheit und die Gedie Naturgeschichte nahebrachte. Er bearbeitete nauigkeit der Mischna und Agada und die Frisck^e die Naturgeschichte von Harald Q. Lenz, den , und Elastizität der lebendigen jiddischen^pract-e. ersten Teil „Säugetiere' hat er überseht, die an- Ter einfache tmd doch sehr realistische -etil, mit deren zwei Teile „Vögel' und .Reptilien' hat er dem Mendele beide Sprack)en . bereicherte, blieb, -vollständig umgestaltet und mit zahlreichen Abtticht ohne Wirkung auf die Entwicklung der mobildungen versehen, wofnr cr vom russischen Staat dernen jüdischen Literatur, vor allem auf Bialik 50» Rubel als Stipendilun erhielt. Durch seine- , und Scholem Aleichem. bedeutenden Kenntnisse von Talmud und Midrasch In derselben Zeit, erschien auch die jiddische schuf er eine moderne.- naturwissenschaftliche Ter- . .- Erzählung „Die Reise Benjamtvs des - Dritten', muwlogie, seine Uebersetzung des Lenzschen Wereines jüdischen Don Quichotte.-wie ihn der Pulkes wat seinerzeit die beste Naturgeschichte in . ursche Dichter Klemens Junvsza nannte, der die hebräischer Sprache. Abramvwitsch war . besonders jiddische. Sprache erlernte,, lediglich um die „Reise bedacht, den' jüdischen Leser-mit positiven. Wissen^ . Benjamins des Dritten' und „Die Mähre' überschäftest bekannt zu machet» -ihn zu lehren, real setzen zu können. Dieses Werk' wurde dramatizudenken.tmd..unklare Vorstellungen durch wirk- ' lichkeitsnahe zu ersetzen. , Als Erzähler debütierte er im Jahre 18<>3 mit der hebräischen Novelle „Limdu heteb" als Bruchstück des spateren Romans „Väter und. Sohne", die die Tendenz Hatte, die Kontraste zweier Generationen zu schildern. Als Zeitgenosse der Aufklärungsepvche hat er die Idee der „Haskala" tiefer und realer begriffen, er war der größte Gegner dieser „Lichtbringer', die nur zu belehren, aber nicht zu helfen verstanden. Nicht nur Streiter war er, sondern auch Wegweiser. Er war der erste und einzige, der die Verelendung der jüdischen Volksmassen erkannte und begriff, daß ihr materieller und hygienischer Mangel größer war als der an Wissen. Unter dem später so populären und beliebten Namen Mendele Mocher Sefarim (Mendele der Buchhändler) erschien im Jahre/186N zum ersten Male..in jiddischer Sprache das „Kleine Menschlciii'. Er ging von dem Wunsch aus, in einer Sprache zu schre^» den. die der großen'Masse zugänglicher war als die hebräische. Sein künstlerischer Geist trieb ihn, lebendige Bilder in der Sprache der Juden im Osten zu schassen. In der Erzählung „Das kleine Menschlein' schildert Mendele. wie ein Wanderbuchhändler die jüdisch Provinz besucht und seine Erlebnisse wiedergibt. Hier, wie in dem Drama „Die Tare', das im Jahre 1869 erschien, behandelte er auch die Uebelstände im jüdischen Gemeindeleben. ' Im Jahre 1869 kam der Roman „Fischke'der Krummer', eine Sammlung malerischer Landschaftsbilder, Kleinstadtmotive und Wundererleb- - nisse heraus. Der heimatlose Bettlertypus war ihm Symbol der politisch verfolgten, wirtschaftlich wurzellosen osteuropäischen Juden; in seiner ganzen Nacktheit ist dieser Roman ein Epos des jüdischen Lcbensdaseins. In seinem Roman „Die Mähre' gibt er 1873 in allegorischer Form eine ausgezeichnete Darstellung des jüdischen Lebens.. Der formale Gedanke, der dieser Erzählung zugrunde liegt, ist. das jüdische Volk, das er mit einer einst stolzen, nunmehr heruntergekommenen Stute, die von allen verachtet und geprügelt wird, vergleicht. Im Jahre 1875 erschien sein Gedicht „Das Jüdlein", das ebenfalls einen allegorischen Charakter hat, und das Motto, trägt: - „Ach Jüdlein, mein krankes Jüdlein, Tein Leben ist ein trauriges Liedlein.' Darin hat er die Geschichte der Juden seit 8er Ilebcrgabe der Tora bis zu der Zeit Moses Mendelssohns wiedergegeben. Das Jahr 1881 stellt eine neue Periode im Schaffen Mendeles dar. Er wandte sich wieder siert nmd mit großem Erfolg vor einigen Jahren in Ost- und Westeuropa' anfgeführE Diese ko-, mische Geschichte des jiddischen Ton Quichotte tmd seines Sanchv Pausa, die eine Reise unternehmen, um die lebenden zehn Stämme aufzufinden, ist ein humorvolles Gemälde, in dem das Phantastische im jüdischen Leben des Ostens eine klassische Wiederspiegelung findet. Ter künstlerische Humor Mendclcs hat hier die höchste Stufe erreicht. Nach einer großen Pause erschien schon Anfang des 20. Jahrhunderts die große Erzählung „Salvmon der Sohn Chaims', die den Charakter einer Autobiographie trägt und das herrlichste seiner Bücher ist. In ihm finden die Erlebnisse des bald 70jährigen Dichters den höchsten künstlerischen Ausdruck, Eine andere Erzählung „Der Wunschring' schildert den Werdegang eines jungen Juden. In dieser Erzählung, von der einige Teile im Jahre 1888,89 und die vollständig erst im Jahre 1911 herauskam — über 80 Jahre hat Mendele an ihr gearbeitet — versuchte der Dichter, ein vollständiges Bild des Levens im Osten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu geben. . In den letzten epischen Werken schildert Mendcle den llebcrgaug zweier Generationen, den Auszug aus dem Ghetto in ein neues Leben, in eine neue Epoche der jüdischen kulturellen Renaissance. -Mendele gewinnt, uns durch seinen Humor, seine tiefe Satire und seine Gabe, uns über den rauhen und schweren Alltag des jüdischen Lebens zu erheben. 3Jiit einer prächtigen Ironie setzt er sich über die Lächerlichkeiten des Lebens hinweg, so daß man sich wenigstens für einen Augenblick von der Enge des Lebens befreien könne. Er taucht hinab in die Tiefen des Seelenlebens der jüdischen Masse. In der Volkssprache, der er neuen Klang verleiht, malt er saftig und farbig die melvdienreiche Symphonie des jüdischen Lebens seiner Zeit. Meisterhaft verstand er in seiner Galerie jüdischer Gestalten, ihren Werdegang und ihr Dasein in jeder Einzelheit plastisch wiederzugeben. Mehr als 60 Jahre war er tätig, um uns die Krone seiner Werke, eine lebendige Sprache, einen modernen Stil und eine klassische Literatur zu hinterlassen. Gerade in den traurigsten Tagen des Weltkrieges, im Jahre 1917, hat er uns mit seinem gut-ironischen Lächeln verlassen. Sein 50jährkges literarisches Jubiläum, sein 75. Geburtstag wurden als ein Volksfest in aller Welt gefeiert. Tausende von telegraphischen Glückwünschen begrüßten damals den Nestor der jüdischen Literatur. Heute, zu seinem 100. Geburtstag, wird er im Herzen aller Freunde der jüdischen Literatur als dessen Schöpfer geehrt werden. , Georg Kosenbaum. künstlerische Relief des Abends. Erika Stör ms schöner, sensibler Sopran verschmolz zil inniger Klanggeineinfchaft mit der erlesenen Altstimme , Paula Lindbergs. Die makellose oratvrische Kunst Hermann S d) e l> s bedarf keiner charakterisiereilden Worte mehr. Ein junger lyrischer Tenor, -Herbert Heß. bemühte sich 'stimmbegabt um die Gestaltung seiner anspruchsvollem Partie.. Paul M e » e r am Flügel, Herbert F t u in m an der Orgel und das K u l t u r b n n d - Q r ch e st e r schufen die iiinriiinentalen Grundlagen für eine werfgerechte Aufführung. Die Veranstaltung des S t reichguarte11 s d e S K u 11 u r b u n d e s R Hein- Bi a i n mußte in den großen . Saal des Vereinshauses verlegt lverdeu: der schönste Beiveis für das starke Bedürfnis lveiler Kreist nach klassischer Kämmerklmst. In Werken von Haydn, Mozart, Beethoven konnte.-man sieh, von der Spie.lkultnr und Stilsicherheit der von Haus B a s f e r in a n n überlegen geführten Gemeinschaft überzeugen, die durch Ernst Drücker und Richard K a r P in den mittleren Stimmen ebenbürtig ergänzt wird. Der ehemalige Soloeellift der Frankfurter Oper. 1'lry Schuhe r. der ihr neu beigelreleu ist. fügt sich dem Ensemble spielgewandt und anpassungs- Als slillundiger. gesel,macksicherer Interpret ostjüdischer Vollslunst fand der" Bassist Ianko. K a u f f m a n n verdienten Beifall, - mit Zasckm Berge r als S precher besonders der humorvollen Skizzen aus dem jiidifehen'Atilieu. Werke für zwei .Nlavierc.weckten tviedcr ein-, mal die Frage" nach den Blöglielsteiteu einer Veröffentlichung für jüdische Autoren in Deutschland. Besonders die.frohgemute, klatlizistifch orientierte Suite von Rofn G e i g e r - K u l l m a n n hätte ein Anrecht auf Verbreitung. Biel Vergnügen be° —rettete den Hörern auch die effektvolle Bearbeitung des Straußfchen -Schapwalzers.vvn Willy Salomo n, dessen kompositorische Begabung noch durch ein „Präludium und Fuge (is-moU" unter Beweis. gestellt ivurde. Alle Novitäten erfuhren durch die^ Beranstaller.-Alieeo s e n b a u m und tküilly S a l o m o u, eine saubere und beschwingte Wiedergabe. Freuiidlielifleu -Beifall erntete die Pianistin in Solonuminern von Ehopin und Mendelssohn. - Au? drei für Deka L i p i n s k a j a angesetzten Veran'iallungen wurden ' süni: ein Beweis, wie stark die Sehnjncht des Publikums nach einer: Stunde des -Frohsinns ist. Tie Künstlerin-hatte klugeriveise einen völligen Programmwechscl vorgenommen und die Schläger der alten Serien in . die Gruppe der (stürmisch verlangten) Zugaben verwiesen. Tie Gruiidtypen sind geblieben. Tela Lipinstaja ist der Gefahr der Routine trotz der unüberbietbaren Präzisivnstcchnik ihres Vortrages nicht erlegen; sie ist zu seinnervig, zu reich an Ideen. Stimmungen und Ausdrucksnuancen, um in bewährten Klischees zu erstarren. An dem großen Beifall nahm mit Recht auch der Begleiter!Max-L a m m teil, der virtuose.- rhythmisch und harmonisch raffinierte Salvnmusik .mit seltenem Charme und höchster Anschlagskultur spielte. . A. H—e. Ludwig H o t d t sprach iin Rahmen der Gesellsckmft für jüdisck)e Volksbildung in Franksurt a.' M. nuS Werken von Heine, Kafka und Scholem Alechem. Die meisterhafte Vvrtragskunst des Künstlers versckxlstte den zahlreich erschienenen Zuhörern einige Stunden stiller Freude und Besinnung. W.S. M. Das F r e y - Q " a r t e 11, Berlin (Frey, Polischuk, Steuer und Aubcr)'spielten in Kassel Haydn, Mozart und Schubert.- Durch Präzision des Zu-. sammenspiels und tvnlich klangschöne, sein abgestufte Ausarbeitung machte besonders der abgeklärte Portrag von Schuberts -d-nioU, „Tod- und Blädchen" tiefen Eindruck. - T'- Bon den Mitgliedern des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr wurde das R Hein - Ät ain- Orchester mit Haus Wilhelm Steinbe'rg herzlich bewillkommnet. Sein Konzert, veranstaltet in Köln, Aachen, Dortmund, Essen und Krefeld,- ivurde mit der Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis' von Gluck eröffnet. Lebcndig^gestaltete der Tirigeut die ungemein wirksamen Gegensätze dieses Werkes. Mozarts ..Kleine Nachtmusik' mit ihrer lieVenswürdigeu Stimmung kommt in einem Raum, wie z.B.dein der Kölner Synagoge.aus akustischen Gründen nicht recht zur Geltung. Dagegen klang Schumanns 2. Sinfonie ausgezeichnet: mit straffem Rhythmus lenkt? Steinberg den krastvollleidenichäftlichen ersten Satz.- der zweiteHiMr°TWw elektrisierender Spritzigkeit, in dem Adagio erwies sich der Dirigent als Musiker von tiefem Gefühl, während die Darstellung des motivreichen Finales ihn als seinen Ansarbeiler subtiler Einzelheiten erkennen ließ. Ein großer, eindrucksvoller Abend! —va— - Walter H erz (bisheriger Künstlername: H e r t u e r), dem Publikum des Jüdischen Kultur, bundes Rhein-Ruhr nicht mehr fremd, gab einen Abend voll wechselnder Eindrücke, jedoch sinnvoll im Aufbau. Drei lltamen, repräsentativ im deutschen jüdischen Schrifttum, charakteristisch für drei verschiedene Epochen innerhalb etwa eines Jahrhunderts. machten das Programm aus: Heine. Franzos. Beer-Hofmann. Die schwebende Stimmung feinsinnigen Humors, ziselierter Ironie und.' eines Gefühls, das vor dem ilctzten Sichbekennen scheut, das Vielstrahlige der Reisebriefe, wurde durchaus lebendig. Erdhafter, bürgerlicher und überaus gütig die Szenen aus dem Pvjaz von Karl Emil Franzos. Der Reiz des Abends lag in der Klarheit der Gestaltung und in der Schlichtheit des Vortrags, die auch da noch gefiel und anzog, wo an sich div Möglichkeit theatralischer Gestaltung als neuer Faktor wirkte: in den iLzenen aus Jäakobs Traum von Beer- Hvfmann. Der Beifall bedeutete Dankbarkeit für das Programm. Anerkennung für die Leistung und der Wunsch, daß ähnlich gehaltvolle Abende im Kulturbundprogramm wiedcrkehren. L. 8. Zum Besten der Iüdisllien Winterhilfe sangen in der Dortmunder Synagoge 100 Kinder „Lieder für das südisck)c Han?' unter Leitung von Lehrer Nußbaum. Ruth Kisch- A r n d t, Köln, verschönte die Veranstaltung durch ihre herrliche Stimme. Der starke Besuch bewirkte einen sehr guten Ertrag. . Der Jüdische Kulturbund für Lstwestfalen und angrenzende Gebiete veranstaltete in den Orten Herford, Bielefeld. Detmold, Minden, Rheda, Hamm, Münster, Osnabrück und Oldenburg einen iliezitativnsabend mit Ludwig Hardt, der mit ge- - wvhntcr Meisterschaft Heine, Attenbergs Beer- Hoimann und Scholem Alechem vortrug und überall großen Erfolg hatte. In deni'clben Orlen erntete das Mendelssohn- Trio. Leipzig (Hella E h i t r i k. Leo Schwarz. Paul B l u m'e n f p! b) mit Werken von Mendel?^ sohn. Mozart und Tsck)aikvwskv stürmischen Applaus. j . e fa ÜJlfij eigene Dichtungen, die in der schlichten, sympathischen Vortragsart lehr gefielen; das gilt nament- Aich für die reizenden Kindergedichte. Erika S a ms o n (bisheriger Künstlername Erika Stormt sang Lieder und Arien mit glockenklarer, überaus modulationssähiger. im Piano wie im Forte gleich ansprechender Sopranitiinme. Der starke Beifall erzwang üt allen AnWußorten Zugaben. H. D, Ein Sonderkonzert des Jüdischen Munkvereins Breslau vereinigte die Sopranistin Trude B c h r, Breslau, und die Altistin Susanne L ö io e n st e i n, Berlin. - Trude Behr, die znächst eine gewisie Befangenheit überwinden mußte, hätte bei der tiluswahl der Schumann- und --rtrauß-Lieder daran denken sollen, daß ihre Stärke auf dem Gebiete des Lpcrnsvubrettenfachcs liegt. Tie dementsprechenden Gesänge gelangen ihr infolgedessen am besten. Besonderen Genuß bereiteten die Brahms- und Dvorak-Duette mit Susanne Löwenstein, die mit ihrer musikalisch und technisch höchst kultivierten Stimme den Liedern Schuberts, Mahlers und Wolfs eine selten schöne Aufführung zuteil »verden In einem Kammermusikabend ließen sich Ger-- trud W e r t h e i m (Cembalo) und Alfred L i ch - teufte in (Flöte) hören. Lichtenstein stellte, obwohl man die Wärme des Tones oft entbehrte,, seine Beherrschung des Instrumentes unter Beweis. Vollendete' Meisterschaft ließ das Spiel Gertrud Wertheims erkennen. Aus dem Programm sei besonders das e r st a u f g e f ü h r t e Choralvorspiel über Bachs-..Wachet auf des talentvollen Breslauer Komponisten Josef .W a g n e r hervorgehoben. ' G. P. ' , „ Der G e r st m g n n s chv I F r a u e n ch o r Breslau betätigte in einem Volksliederabend seine musikalische Fähigkeiten. Erna G e r st m a n n hat ihre Sängerinnen zu einem zuverlässigen -Klangkörper herangebildet. Der Chor sang voll Elastizität und künstlerischer (Feinheit Werke von Brahms und Lieder ans deM 17. und 18. Jahrhundert, von Günther P u l v e r m a ch e r cuisprechend gesetzt. Unter der Begleitung eines Streichguartetts (Dr. T i n t n c r Dr. Boß. Dr. S ch e r b e l, Fritz § a n d b e r g e r> sang ein QuintettlKäthe Fischer, Alice Spanier. Hertha W i 11 n e r . Lotte Glaser, Edith R o s e n b e r gl fünf besonders anmutige Weifen. Die beiden zuletzt genannten Sängerinnen bewährten sich auch solistisch. Ruth Hennig sang mit ihrer wohlklingenden, ausgezeichnet geschulten ' Stimme internationale Volkslieder in den Landessprachen, darunter das Emek-Lied. mit stärkstem Beifall. Günther P u l v e r m a ch e r war dem Ganzen ein vorzüglicher Begleiter. Sehw. In der Synagoge in Hirschberg i. Schl, fand ein Konzert statt, das von den Breslauer Künstlern Ruth Hennig (Gesangs und Erich Schaj^ j e r (Lrgelj ausgesührt wurde.