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Central-Verein-Zeitung · 1935-12-19 · 51 (19.12.1935) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
51 (19.12.1935)
Date
1935-12-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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f V Herz-Schuhe genierten «eit 75 Jahren Weltruf Niftderlagen auf allen Plätzen Die Arbeit der „Ort“ : .i.’Hb . her >, ü d i sch e n T ci n c, e r kn,a b e n ein Znuonil-lon^N. basom - 6.. ,'innimt 1II36, 'ntir Mir. ,m Bach-^aal. Putzvwft-raße 76, .Htgunstcit . ber,\jibifcftcn tifcrhilfe; ftaltftnöef. TaS Pro- - uvaiiim - enll)att_ du? ctnionie tn H-moll - (Hnlwllenbele) von Lchubcrt. die ,.wieder cinetz fahrenden «'»cscllni" von <6nstliv Nlobler-, bibltsche Gesänge nnt bcbraischcm Teil von Peleitriiia, Händel und Haydn, da- Bivlmtoniert von Brahms und die „Polvwetzer . Tnnil?" von Bvrodin aus der Lper „Fürst Zgvr". i lie Preiie der Plätze betragen 1, 2 und 3 RM. i'rbälllich sind die Eintrittskarten bei der Geschäfts- Nelle der giibitztien 2r>interhilse, Rvfenstrafje 2—4 'IitiVlH’u h l •Jiiubni 67II. Apparat HO.),. beim P'vrlner der ,Hid ischen Geineindc, Lranienburger ^lratze 210 bei den Buchhandlungen Kedem, Taht-- nioiinslroße 8. Philo 'Perlag. Pariser Ltraße 44, und . (»enit Wollt. Prager Platz 1. sowie bei den Kastellanen der ^wiagogen Fasanenstratze 79—SO und r.'evetzvwnras;e 7—8. Seelische Winterhilfe „Freude im Winter“ 4. Peran'laltuug: .ginderuachniittag am Tbnner?- taa. 2. Januar U'36. 16..3H Ul>r: im Ätusiker-Pcreinsbaus. Maiser-2'öillieliii Ltratze 31. Plitwirkende: A-nn B a.l I a n. ,in . B a s ch. ttzcrda -4i ü p p t c r. :>lnll, l'l o n 6 u mit ibrer Tanzgruppe, Ludwig . 2riilf.iiii.ncr. Bvnbonvcrteilung. 5. Peransialtuug: Bunter Abend am Tonncrstag 2. 7>annar ibtztz, PH> Uhr. im Musiker-Vereinsliaiis. Naiser-Willietin-Ltraßc 31. Willi Prager >agr an? P,aii! B a I I a n. Bruno B e n d i r, Mitty B e n d i r. Frieda Flat au,. Fcrris Condiä, . \IIUu' H a n n e s. Mar Ra p I, a e I. Oscar. a b e I, rlnalier kleiner, Bindervrchesler des zweiten Urtzri'enliau'es. Pankow. uaneii tür .Hilssbedürilige unentgeltlich rrhältlnl> 'B.'oiiNabrtsbenrk Milte, Augiislsträhe 17: 29oh|- '.'ini.'beurk 'Borden. Lchvnhauser Allee 23: Winter- Ini'sdenrk '.'Bitte. 'Bngnststrasze 16: Wiuterhilssbezirk ' 'Borden. 2ä:önbanser Allee «P-7. 6. Perannalinng: 1. Fanuar 1936. Bvng'rt in der Ltznagoge Atztest ratze. Karten 'ur Hilisbedürstige. unentgeltlich im Wvhlilchrtsderirk 'Borden. Schönhauser Allee 23, und im 2r'inleiln!ssbe',irk 'Borden. Schönhauser Allee 6—7. Die Geschäftsstelle des Landesverbandes Mitteldeutschland des C.-Y. befindet sich von Montag, den 23. Dezember ab In Leipzig, Funkenburgstr. 7 (Erdgeschoss) Fernsprecher wie bisher 12038 ‘ Landesverband Rheinland*Westfalen des C.-V.?m 'den. letzten böotzien hat der Tyndikns des Landesverbandes, Tr. C5rnft P I n u t, in einer -tzeibe von Lrtsgriippen Bari rage über die sich NUS den lsdietzlieiien Bestimmungen'ergebende recht' Uebe und wirtschaitlieiie Lage der Juden gehalten. - Tie 'hierzu, einbernsenen Versammlungen der Gemeiiidemitglieder waren in allen Fällen ausgeieiämet besucht. Tr. Plaut sprach am I2T November in v» e r ii e . ain 2. Tezember in tlb ättc ns ch e i d . am ll. Dezember in l'l ii n ft e r. Autzerdem ipraü, Tr. Plaut in D ü s s e I d t> r f im Breite des Vereins sclbfländiger jüdischer Haiidiverler ' und iveiverbetreibender über Rechtsiragen innerhalb der handwerklichen Berufe. ff' Tie Gesellschaft „Lxt"' zur Förderung des Handwerks, der Industrie und der Landwirtschaft unter den Hilden hielt vom l«>. bis ID. November in Paris eine Plenarsitzunq ab, in der außer den Mitgliedern der Exekutive der Zentralverivaltuntz Vertreter der Laiidcsorganisationen England, Frankreich, Deutschland, Polen, .llbc2?l, Litauen- Lettland, . Bessaraluen, Bnkoivina, Tanzig und Bitlgaricn teilnahmeit. Dem Bericht der Erekutibe, der die Leit von Fannar lüük bis September 1935 umsaßt, entnehmen wir folgende Einzelheiten: . > F a ch l,i ch e Ausbildung: "43 neue Institutionell sind in Poleit, Rumänien, Litauen, Lettland und Frankreich entstanden, 118 Lrt- Anstaltcn für Jugendliche und Erwachsene sind von 675» Tetlnehmern besucht lvorden. In Kaunas (.Litauen) ist ein imposanter Neubau der Handwerkermittelschnle unter dem Nanrcn „Haus für jüdische Arbeit" fertiggestellt, in Nowno (Polen) ein neues Schulgebäude errichtet worden. In 14 Fachschulen sind das Inventar, und die technische Ausrüstung ergänzt und erweitert wor- . den. Beim „Lrt"-TechNlkum in Wilna (dem einzigen jüdischen Technikum in Lsteurvpa) sind. Phy- 'sikalische und radiv-technische Laboratorien eingerichtet worden. Handwerk: Durch das polnische Handwerks- und ^ndustriegesetz vom Jahre 1W4. das die Ausübung handwerklicher Berufe von be- .stimmtcu Prüsungsvvrschrifteri abhäiigig machte, war ein großer Teil des jüdischen Handwerker- , standes in Polen in seiper Existenz gefährdet worden. Hier hat der '„Lrt" durch Mitwirkung an der Legal isieriing jüdischer Handwerksbetriebe aktiv eingegriffen. In vielen Städten Polens sind sachliche Ergänzungskurse und Borprüfungskurse zivecks Vorbereitung zur gesetzlich vorgeschriebenen Handwerker- - und E^sollenprünmg erössnet worden. Durch diese Aktion konnten etwa 10 000 jüdische Handwerksbetriebe erhalten werdeit. I n d u ft r i e a l i f i c x u n g : Für die Heran- . führung. von Juden an industrielle Tätigkeit sind zwanzig neue Werkstätten im Osten Europas gegrüttdet worden. 113 kooperativen, die der „Ort" schon in früheren Jahren gegründet hatte, sind technisch und mäteriell durch Bersorgung mit Maschinen,. Ersatzteilen, Nvhstofsen und Instrukteuren betreut worden. Bon diesen Betrieben ernähren sich 9330 Familien. L a n d io i r t s ch a f t: 1'27 landwirtschaftliche Kooperative u>id Siedlungen mit 4084 Familien sind in der UdSSR. Polen, Rumänien und Südwcstfrankrcich betrellt worden. Nene Gartemvirtschaften sind organisiert worden; in ll, Siedlungen wurde Vieh- und Bienenzucht cingesührt, in anderen Lbstbaum-Berpslanznugen und Trvckenlegungs-Arbeiten Vvrgenvmmen. slleu gegründet wlirden: 2 landwirtschaftliche Lchrfarmen in Litaüen und 2 Lehrgärten in Polen. Auch für Juden in und aus Deutschland ist im Nahmen der Gefgmtanfgabe des ,,Ort" konstruktive.Hilfe geleistet worden, lieber 500 Personen sind fachlich ausgebildet bzw. berttslich umgeschichtct worden, und zwar zum Teil im Inlande, zum Teil in-den handwerklichen und landwirtschaftlichen „Ort"-Lehr>verkstätten in Litauen, Lettland und Frankreich. Außerdem konutell 21 Familien aus Tcsutschlaiid in Südwest-Frankrcich laudwirtschattlichangesiedrltwerdcn. - Insgesamt zeigt der Bericht der Erekutive einen sichtbaren An'sstieg der „Lrt"-Arbeit. Nach der Brise in den Jahren 1031/32 und.nach der Er-. schüttcrlmg im Jahre l033 wird die Arbeit der Ländesorganisatiorien wieder intensiver und produktiver, die materielle Hilfe der „Lrt"-Lentrale immer größer und regelmäßiger. Unter dem Eindruck dieses von der Erektitive erstatteten Berichtes sowie der von den Vertretern der einzeliteik Laiidesorganifativneil gehaltenen Referate ivurdc von der Plenarsitzung ein Arbeitsplan für da? Jahr 1936 ansgestellt, der unter. . anderem die tAründnng neuer vorstädtischer Siedlüngen in Polen, die Erweiterung der Arbeit in Nninänien, unter besonderer Berücksichtiguiig der ' sich zurzeit in Hungersnot befindenden Gebiete Bessarabiens shwie die Errichtung von Lehrwerkstatten in Danzig vorsioht. Was die sachliche Ausbildung und bcrtlfliche Umschichtung der Juden in und. aus. Deutschland anbelangt,-so hat die Plenarsitzung beschlossendie bisher in bescheidenem Umfang? aber planmäßig und solide durch- geführte Arbeit fvrtzusetzcn und auszirbauen. Bei dtesein- Beschluß.. ist. das „Ort"-PIeintin von der . Voraussetzung ausgeg'angen. daß es der Exekutive gelingen wird, mit Rücksicht auf die historische und - organisatorische Bedeutung des „Ort" für alle die-. jeriigen Teilnehmer in den ,.Ort"-Schulen und Kursen--, für die eine- Auswanderung nach Palästina nicht in Betracht kommt, nach Beendi- - gung der fachlichen Ausbildung anderweitige Existenzitiid Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. Für die Schaffung' solcher Nnterbringungsmvglichkeiten werden alle in Frage komnwnden Landesorganisationen des „Ort" herangezogeit. Dem Plane der Errichtung einer unter dem Patronat der „Ort"-Union stehenden „jüdischen Lehranstalt für gewerbliche Ausbildung" irr Deutschland ist die Plenarsitzung nähergetreten, indem sie die Exekutive beauftragte, baldmöglichst die hierfür"erforderlichen Grundlagen zu schaffen. Zur Hausangestellterif rage \ Zu der Notiz in der „E.-V.-Zcitung" Nr. 49 voin 5. . Dezember „Ein Vorschlag zur Bernfsiilitschichtillig" schreibt uns David Bloch (Sulzbach):. „Tausenden von ehetnals selbständigen Kanflcuten, die jetzt brotlos gcivorden sind, wie auch stellenlosen jungen Leuten ist der Vorschlag von N. Hcrzberg aus. dem Herzen gesprochen. Tie Oeffeutlichkeit, vor allein die jüdischen llnternchmer und Arbeitsnachtveise sollten sich die- VertvirNichung dieser Idee zur Allfgabc machen. Eine ■ Ntenge von jungen Mädchin, deren Eltern wirtschaftlich verhältnismäßig günstig gestellt sind, und die in Büros arbeiten, könnten durch Männer fai gleichem Gehalt und eventuell, größeren Leistungen ersetzt werden. Mit der 'Zeit sollten auch die jungen Mädckien zu der Erkenntnis kommen, daß ihre eigentliche Domäne der Haushalt ist." _ . Veranstaltungspause Vom Donnerstag, dem 19. Dezember 1935, bis zum 15- Januar 1936, fallen sämtliche Veranstaltungen infolge der behördlich angeordneten Veranstaltungspause fort. Von dieser Pause werden alle anmeldepflichtigen Zusammenkünfte betroffen. Ausgenommen sind lediglich Chanukka-Feiern, sportliche Veranstaltungen und die Kurse der Lehr» Häuser. Schachaufgabe Nr, 48 von Paul Rosenblatt (Berlin)' Matt in vier Zügen Weiss: Kai, Tb6, Lf l, 865. 8c6, Ba3, a5, 1)3. c-3, f3. 03 Schwarz: Kfü, Ilgl, ß:i6 » Schachaufgabe Rr. 49 von Alfred Brahn (Berlin) (11) ( 3) Wonn und wo finden Sie Rat? Linksrhein Köln Acrippinahaiis, Breifcstr. 92-IV5, III. Z. 76—78. Montag, bis Freitag, 10—13 Uhr. im Gemeindehaus, 16—18.’1 Uhr, am 14. und 28. Januar. 1936. Koblenz im Hotel Continental, .15(4 bis 18>i Uhr, am 7. und 21.-Januar Trier im Büro von Rechtsanwalt Dr. Voremberg. Adolf-Hitler-Str. 9, ^L'hr, am 15. Januar Bonn ini Gemeindehaus, Tpmpel. 20. Januar .1030. Weiß am Zuge gewinnt IVoiss: Xe7. Bab, d6 (3) - Schwarz: Kf8, Lf5, Sg8, Bb6. (4) Lösung der Aufgabe Nr. 46: 1. 834—05 (drohend 2. 805—66 matt) .... Sf4—r6, (05. 03, 63) 2. 805—c-3 matt » » . . Sf4—(15, 2. Lc4—d3 matt i, . . , 8f4.—c2, 2. 62—63 matt * i. . , T(j5Xb5 (65) 2. 8flXR3 matt . . . Tf2Xd2f 2. SflXd2 matt » Losung der ttlufgabe Nr. 47: 1. Sc7—05. Kc6Xbo 2. Lc8—1)7, Ta2—al matt 1. . . . , Kc6Xd5 2. Lc8—67, Ta-2— al matt. Auf 1. b4—05f. Kc6—d6 hat Weiss keine Fortsetzung, » Richtige Lösungen der Aufgaben Nr. 46 und 47 gingen ein von: Michael Levtz (Kreseld), Frau Tilde Adler. Tierarzt Max. Koschminski (Landsberg). Tr. rned. Sans S6)lesinger (Mannheim), Gerda Loewkowitz (Konstadt), Dr. med. I. Meyerhoff (Rotenfels), Adolf Landau (Wulfen), Max Pniower (Hindcnburg), Erich Rubensohn (Hildesheiin), Moritz Heynemann (Düsseldorf), Hans Steinberger (Bayreuth), Sanitätsrat Dr. S. Tömke, Hans Cohn, Willy Michaelis, Georg K. R. Zsrael, Arthur Eijcnhardt (Berlin). ’ Weitere richtige Lösungen von Nr. 46: Silbe Kattmann (Tüssetdors). Jacob Baumann (Kölntz Eiegmund Austerlitz (Gießen), Gottfried Eumbel (Stuttgart), Lothar Schönttial (Nürnberg). Berliner Sportgemeinschaft 1933 E. V. (im Sportbiind des RjF). Das Wintcrturnier der Zugend- Säzachäbteiliing beginnt am 2st. Zanuar 1936. Es wird in drei Gruppen gespielt. Tic Spielabende sind jeden Alvntag von ti? bis 20 Uhr -un Restaurant - Hermann Berlin, Zägerstraße .18. dienen.'" frnät Pvirson seine Anfängerin- Dem nlien Felir tunst das Zimmer vor deil Augen, er verlangt 2000 Francs-. Pvirson ist geriihrt von so viel Bescheidenheit und verspricht Z000 im ersten, 4090 im zweiten. 50<>0 im dritten rmd »MX) im vierteil Jahr mit jährlich einem Vivnat Urlaub. Pvi-rivn ist ein geschickter und begeisterter Theatermanu. Am '..E>mnnase" tvird'mvderite -lvvmvdie . gespielt: Seribe. Sonliä. Dtlinas init rvmaiili'chen (5vitplets. Tränen der NiUirnng und Witz ohne >Tchtvere. Am l. sthai l>37 stelzt Otaeiiel — denn Elisa behalt von nun an ihren stveiten lllamen Rachel — stnn erstenmal atif der Tzeue. Sie spielt in dem rührseligen lind belanglosen Ltüek ..La Vendvetme" eiue-s Herrn Duport ein kleines Bauernmädchen, dessen-Vater bei der Astedertverinng des "Aufstandes rn der . Vendüe stim Tode vertirteilt wird.- Allein tvandert sie nacli Paris, um dort am Hose des ersten .stonsnls für das Leben des Vaters zu stellen. - °;. ■ ■ - ,.Sie ist nielit Iiiibtch. aber sie gefällt", schreibt die strilik. Tie 16jährige Rachel voll^ zieht am der Vühne iliren Piarsch ins Abenteuer. Sie bat die roten' Hände und die ungeivrinlen Beine eines Prvletarierkindes. sie verliert keine Tränen, die banale-Llirik. die sie spreeiien must, vertührt sie zu keiner thealral.stüe'i Beste, '."til ihrer rauhen, verschleierten. tnlmen Stimme spricht sie.liestviitgend il-r vied meiir drvliend - als rührend, nxehr anklagend als flehend. Gerechtigkeit fordernd, ' Tas dumme Stück verschwand bald, und die Tevuiantiii war vergessen stls eine von -vielen. Tie Stube des Hausierers wurde sauberer, das >anngergeichrei der Kinder germaer. aver ^Oaebels stummer tvar rieseilarvu. Aus den Spitzen und Flitteru. die man n'r nnviv. 'karrten die tranrigen Augen eines verk.eideten Tieres auf den) Jahrmarkt. ' Ter verständige Poirsvu erkannte bald den ''tzistgri''. ' Seine Soubrette war eine Tragödin. Sie verwandelte ihm alte leichten Dialoge in Trauerspiele. Samson, der ihr jetzt Unterricht erteilte, cin begabter Schauspteler und glänzender Lehrer, grub mit fester und schwerer Hand diesem Lavastrom von Leid und straft ein Bett. Noch war die kleine 3iachel ein Gewaltakt der Natur, eine Stimme ohne Sprache, eine Frau ohne Körper. ein Ausbruch von Leidenschaft ohne Form. Samson erbaute daraus die Gestalt eitles Älenscheu, er tat weit mehr, er erzog ihr Gefühl, brachtsie in ein Haus zu seinen Töchtern, sie lernte Benehmen. Manieren, Konventionen, den gesitteten Alltag und den zahmen -Plauderton der Sprache, von der sie nur das strenge ABC des Pathos kannte. . Nach einem Jahr glailbt er sie stark genug. mit ihr den großen Sprung an die ,.bomSdie-Fran(.'aise" zu gestatten. -Ihr Name erscheint als Debütantin auf dem historischen Zettel, der an der Ecke der Nne Richelieu anshängt. Als sie in dieses hochmütige Viinisterinm der Schauipielk-unst, eindringt, in dem die jüngste Soubrette noch die Würde eines Regierungsrats aufbringt, fällt der Ehefinspizient Laurent vor Schreck fast in Ohnmacht, und die Lakaien schicken das verhungerte Kind mit dem verrückten Hut in den obersten Rang. Die Saison ist vorüber. Die würdigen Sozietäre der ..Comödie" begeben sich zur Erholung anfs Land. Im leeren Orchester trauert eine Baßgeige. Wie in Trance schivebt der Borhang jeden Abend in die Hohe, und vor den verödeten Reihen rollt sich wie eine Btaschine im Leerlauf das Schicksal Cinnas ab. Andromaches, Tancreds, Horaz' in eiviger Wiederkehr. Am 12. Juni 1838 steht Rachel als Camilla int .Zäoratins" des Corneille zum erstenmal auf der uferlosen Bühne. Und nun käinpit sie sich den Sommer lang durch diese eintönige, leblose Wüste hindurch vor den ervig gleichen griechisch-römischen Kulissen und stützt sich auf den einzigen Riesensess'el, der wie eine uralte Ruine jede Szene überdauert. Tie Debütantinnen sind der Kehricht dieses Hauses und werden übersehen wie die letzten Requisiten. Während' aus den Straßen die unerträgliche Hitze des Pariser Sommers brütet, versammeln sich am Abend die Verwandten, ein paar Lieferanten--mißmutige Freunde der Familie, denen man die Karten ins Haus schickt, und stets wiederholt sich die arme Komödie, daß ein Kranz auf die Bühne fliegt, und der Neuling sich vor den entzückten Eltern glücklich lächelnd ver- Solange die Einnahmen erträglich sind, lassen sich die Sozietäre diese „Erfolge" hochmütig gefallen. Rachel hat keine Freunde. Die Eltern lösen mit Mühe ihre Karte. Mitunter sind an einem Abend kaum 300 Frailcs beisammen. In ihren Träumen erscheint die böse Fratze des Kassierers, und die Diener sogen sic höhnisch aüs die Straße hinaus wie Ställb. Es wächst das Leid in ihrer Stimme,-und Zorn und Haß verdnnkeln ihren Blick. Eingewickelt in ihr klassisches Gewand, schreit sie als Römerin und Griechin die Strophen der Empörung heraus, und es entsteht-ein erschütternder'Einklangzwischen dem tragischen Schicksal ihrer heroischen Heldinnen und der Angst und dem Unglück ihres Kin? derhcrzens. \ So sah sie eines Tages Veron, Doktor Louis Veron. und luö sie ein, einen Abend bei ihm zu verbringen. Vöron war im Haisischteich des Ju?te milieu eines der bissigsten Exemplare. Er tvar der Sohn eines Papierhäudlers aus der Rue dti Bac und hatte dilrch den Vertrieb eines Hustensaftes und öunfle Spekulationen ein Vermögen gemacht. Sein wertvollstes Kapital war eine unnachahtnliche Köchin, die ihm den Ruf eines geistreichen Vchnnes eintrug. Er gab Gastmähler wie Trimalchion, zu denen sich alles drängte, was Witz und Verstand durch Schlemmerei zu erhitzen liebte. Ter Vkinistcr Montalivet ernannte ihn, der niemals Musiker war, in dankbarer Anerkennung lukullischer Freuden zum Direktor der Oper. Beron gehörte die Revue de Paris. Alle Bankdirektoren waren seine Freunde. Dazli besaß er die Dämonie des Fettes. „Ein Schriftsteller der Zeit nennt ihn einen'Amphitryon der Dekadenz. In seinem Gesicht schwämmen die Äugen wie aus einer Brühe. Zwischen bläulichen Bäckchen steckte die kurze, rote Nase wie ein leuchtender Knopf. Im Nacken saß ihm ein Wulst gelber Haare, sonst war er kahl. Ein wurmstichiger Bart fraß sich nms Kinn herum. Dieses gefährlich schmunzelnde Kindergesicht von 40 Jahren lag weich gepolstert auf der riesigen weißen Krawatte, über die ganz Paris lachte, wie ein Schweinskopf ans der Serviette in den Auslagen der Schlächter. Dieser korrupte Schwätzer und Schieber war für Rachel eine wichtige'Großmacht. „Seit dreißig Jahren trinke ich jeden Tag Champagner", sagte er von sich, „und immer schmeckt er mir. Ich'habe alle Frauen gehabt, die ich wollte, und die lliegierung tut nichts Wichtiges ohne meinen Rat." Sein Zhnismus und seine Eitelkeit lyaren in der Sphäre des neuen Reichtums, in der sich noch niemand sicher fühlte) ein starker Magnet der Macht. Veron konnte alles. Und.Rachel war am Ende. Ihr neuntes Gastspiel war vorüber. Keine Hand streckte sich ihr entgegen. Stimmen erhoben sich gegen sie. die alten Hervinetl begannen zu murren. Auf mehr als zehn Auftritte durfte sie keiitessalls rechnen. Daun kam wieder das Elend. Sklavendienst auf einer Borstadtbühne. Tie rosaKleidchen kamen. dieSpitzen, der blöde Singsang, den das Gelächter der Leute erstickte. Die gelbe Rose auf dem Hut schien ganz vertrocknet. Wenn sie heimkam und die Tür auftat. waren alle Augen vorwurfsvoll auf sie gerichtet, als sei eine Schande im Anmarsch. Rachel fror.im August. (Fortsetzung folgt.)

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