Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 50 (12.12.1935)
- Date
- 1935-12-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Kin graktisehr* .Huch von hohem Worin . .erschien. .stieben in unserem Verlag: „Der Wes in die jüdische Neuzeit“ von .*>. Müller (Heidelberg) .TlidNcIlO: Geschichte.\nn Moses Mendelssohn bis zur .l>ege.nw:irl.-:wn.Sollen; l.rosrlfior.l KM 2,60. in l.einen . gebiimk-n KM .'1*40. Kuxuseinhand UM 4,00. .„Hier vereinigt *le.hr historisches Verständnis niil entzündender- Warme 'und erzieherischem Keim-, gefiihl.“ (Aus Kritiken! . r.esi. ll.-n Sie T,ei Ihrem-Buchhändler oder, direkt heim \ erl„ig .iler . . Juilisehe.n t-.chulzeituirg, Ludwigshafen :i. Jfh. SehulCrrass'e Nr. 14 ' IW Wao Jai* Vai*1iAiccun ✓ k-»^w«k°i- Am Rande der Philosophie I? UwE » vl llvluullllo f Bibel&piel: Wenn man sich plötzlich einem großen, dic ersten Napoleon und alle Phasen des vielbewegten XIX. Inhrhnnderts und 'weiter bis zum Welt-' krieg, daß sie von alldem in hundert großartigen. ■ZciiüiHilcrn das Bleibende zur Schau stellt,, und daß sie doch eigentlich nirgends „Museum" ist! Alle diese Denkmäler und beinahe noch die im Climh iuid im Louvre stehen unmittelbar im -Leben dieser Stadt und bilden mit der Art» wie die Autos fahren und die Arbeiter Kaffee trinken . und die Straßenjungen die Blätter ausrusen, eine unlösliche ,(jiit[)nt. Tiefe Stadt ist wahrhaftig lebende Tradition»' das. heißt fortlebende» immer.neu.-lebende — „Gestaltung — Umgestaltung, des ewigen, Sinnes eivige Unterhaltung". Man kann wahrscheinlich von der Alten. Welt keine vollkommenere Kimde geben, als indem man die Stadt Paris darstellt. .Wie weit dem Tichter Jules Romains» der sein Rnsieiiwerk am (>. Oktober 1908 beginnen läßt, null dieses tollkühne Vorhaben gelungen ist» darüber lann heute noch niemand urteilen, da wir ja erst den Anfang, einen wahrscheinlich bescheidenen Teil des Ganzen in Händen'haben. Taß ein großer geistreicher Könner und ein rasiillierter Psychologe am Werk ist, das ist freilich klar, und daß wir auch einen Tichter vor.uns haben, würde, wenn nichts anderes» das Kapitel bestätigen, das „des kleinen Knaben große Reise" schildert — das phantastisch ernsthafte Spiel des kleinen Jungen» der seinen wunderbaren Reisen vom Norden her aus die Höhe des Mvntrnartre treibt. Alan lann auch Bedenken haben» ob die Kriminalgeschichte» die sich da mit dem herzlos neugierigen Sonderling Quinette anspinnt, und die sogar dem zweiten Band den Titel gibt» ob die wesentlich und wichtig genug ist, um einen so großen Raum unter den von Romains erzählten Schicksalen einznnehmen. Aber auch solche Bedenken sind heute nachnicht reif zum Urteil. Man muß erst sehen» wie dieses Schicksal im ganzen fleht. Eines ist gewiß» denn Romains verspricht es uns in seinem Vorwort und mehr noch im Titel des ganzen Buches: Anarchie und Pessimismus werden nicht das letzte Worte bei diesem Blick aus Paris haben. „Ich habe nicht den Dilettantismus des Ehavs." Romains glaubt an - die Äst enset)eil, die guten W illens sind, und die nach neuer. Gestalt und neuen Sinn im Chaos ringen. Ta ist Elerirard. der junge Lehrer, der so tief aufgewühlt wird von der Zcitungsbvtschast dieses 6. Oktober 1908, die ja dic Annexion von Bosnien durch Oesterreich und die Unabhängigkeitserklärung Bulgariens meldete.und damit im weiteren Sinne den Anfang des Weltkrieges bedeutete. Da sind die leidenschaftlich ernsten jungen Leute von der Ecole Mvrmale, dem Lehrerseminar; da ist der kindlich gewisstnihaste. reifenspielende Knabe — — es ist genug junges Leben in dieser Alten Welt, es kann sich auch hier noch Neues gestalten; noch ist nirgends ein Ende! Ein dänischer Erzähler: Nis Petersen In sechzehn Sprachen gleichzeitig ist jetzt der Roman eines dänischen Schriftstellers herausgekommen: ,.B e r s.ch ü ttete M i l ch" von Ais P e t e r s e n. (Deutsehe Ausgabe bei Langen- Müller. München:) . Ein.Roman aus dem Irland der Nachkriegszeit. der den Leser-über die Znsaiiimenlhinge der irischen Revolution, ihre verschiedenen Strömungen und tieieren Hintergründe anfschlnßreich iiuterrnliiet. Ter seltsame Titel will besagen, daß dieses Bolk unwiederbringlich Berlorenem nach, trauert, in stetem Kampfe darum seine besten .grafte vergeudet, statt sie für einen A'enausbau zu nutzen. Ter Ruhm, dem Petersen die geipannte Erloartuug der interuatioiialen .Leserschaft aus diesen, seinen zioeiteu Roman verdankt, knüpft sich an .seinen ersten Roman „D i e Sandal e il - in a ch e r g a s s e" (Bering Langen-Müller,' Binnchen). der. -wbivohler im zwxiten nachchristlichen Jahrhundert spielt, sogar weit mehr gegenwärtig äliinntet als der irische Revvlntionsroman. Petersen u>arein junger Globetrotter, der ans einer Reise;n- Rom trank lvnrde und sich in nnfrenoilliger Muße mit römilicher Geschichte, beschäftigte. Das Ergebnis ist der Dichter Petersen und eine Setlildernng Roms .im Zeitalter des Mare Aurel, in der Historie vollkommen zur Tichtung geworden isl. Es sind, zum größten Teil Iuden-Ehristen, die das' Biertel der Saiidaleninacher bewohnen. Hat W>?nel in seinem Paulus Traina' dein weltgeschichtlichen 'Augenblick ieügehalten. in dem das Ellristentinn sich'vom Indentnin. loslöst» so bes Zeitalter. in dem das Indentnin durch die chrinliche Sette, die an. den überlieferten Brä>nt,en senhalt. internationalisiert loird. Ter Borsleher der Inden-Christen, stiabbi Eliainna, ist ein Eohen und hat noch den 99 Demnächst wird in Aeiv-Tjvrk ein.Bibellpiel ztir Aufslihriiiig kommen: etwa tausend Personen werden Mitwirken,, die Regie führt'MaL R e i n - h a'r d t. die Münk ist von Kurt We i l l. Die. Dicht niig selbst: „T-er Weg: der Berheißniig", .von . Iran.; Werfel, ersck>elnt svelx'n als Buch (Raul- Zfolnah Verlag. Wie-ni. 'Dies Spiel.- stellt/, in jedem'Sinne .des .Worts» •; ein geivaltiges llnternehinen dar. Sein Stofs isteiner der größten,' die sieh, jemals ein’ Dichter vorgenvmmen hat, vielleicht überhaupt der ' größte. Bibelspiel bedeutet '.hier..nicht'? ein/«tiicf ans' der Bibel lvird gespielt, sondern die Bibel selbst wird gespielt . . . das Alte Testament, in vier Teilen: die Erzvater,Mose, Tie Könige» Tic Propheten. . Im dramatischen wie im bühnentcchnischen Anftwii schließt es sich den bisherigen Spielen an. die im Niittelalter in allen Ländern Europas auf öffentliä)en Plätzen mit ungeheuerem Aufwand "an Dekorationen und Personal nufgeführt wurden» und deren Spicldaner viele Stunden» manelimal mehrere Tage Hindurch währte.. Werfel forderte fünf Bühnen, die übereinander gethNit sind, während des ganzen Spiels unverändert stehen bleiben und durch Belichtung je nach Bedarf aus dem Tuntel zur Ersckfeinung kommen, so daß nicht nur wechselnde SeiMiplatze ganz schnell Hin^xeillander sich vorführen lassen» sondern auch zugleich auf mehreren Sä)auplätzcn gespielt und die Berbindung zwischen verschiedenen Schauplätzen hergestellt, werden kann. Das eigentliche Bibelspiel geht in einer Nahmenhandliing vor sich» die das Schicksal des Iudenvolks, ein ewig aktuelles Btotiv» behandelt: deis Bcrtriebcnwerden» das Wandernmüssen. Das Spiel' geht vor sich „unter einer zeitlosen (Gemeinde Israel in einer zeitlosen Nacht, der Bersvlgnlig". In der Shnagogc versammeln sich die immer gültigen Typen der Eemeinde» harrend in Trauer Und Schmerz des Spruchs, der über ihr Geschick entscheidet. Ilm sic zu trösten, will ihnen der Rabbi noch einmal den Weg zeigen, „den unsere Seelen, Israels Seelen» gegangen sind» von Anfang der Zeiten bis hierMr'. . . U»d-dcr alte Weg soll uns kräftigen für den neuen Weg. der mvrizen beginnt ..." Der Rabbi liest ans der Tora vor — die Gestillten der Bibel werden lebendig, und in Rede und Widerrede, in drameNischen Situationen, spielen sich die wichtigsten. Szenen des heiligen Buchs vor Augen imd Ohren der Gemeinde ab. Aber so, daß die Gemeinde durch Rufe» Fragen» Klagen» Einwünde immer mit im Spiel bleibt, ja ein Mitglied „der Widersprecher", der ins Jüdische übertragene Teufel des Mysterienspiels als zersetzender Nationalist» springt selber ins Bibelspiel und wirkt dort mit. Bis am Schluß, die . ganze Gemeinde,nachdem ihre Austreibung verkündet ist, sich-dem großen Zug der Gestalten-des Spiels im Spiel anschlicßt.. Hinter den Erz- Vätern und. Joseph, hinter ülsiose, Aaron. Mirjam. >'>olnä. Ruth und Boas./ Samuel- David und Sa- . lovlo» hinter Icsajli. Iereinintz und Zedekiah 'bcloegt sich ,die ..zeitlose . Gemeinde dem Engel der Endzert. und den himmlischen Heerscharen .entgegen.. lvährend .-.dev Schlnßgesa.iig,-der Engel -nn.d'-. des Balles" ertönt.. " ~> Weriel null den Weg Israels zeigen, und Weg bedeutet Beweglnig. Fortschreitende Belvegnng-ist. auf der .Bühne schwer darstellbar; die fünf Bühnen jedoch fördern diese immerlvährendc Bcivegtheit» durch die Möglichkeiten des Ans und Ab, Hin und Her, Kreuz und Ouer. Tic Bibel ist Erzählung und nicht Drama. Deshalb hebt Werfel, nur dramatisch zu ivirken. besonders ihre dramatischen Szenen heraus: Opferung ' Isaaks. Ivsephsgeschichtc, Moses am Sinai. Saul und David. David und Urias. die Zerstörung I'erusalems. Dennoch bleibt das Spiel, natürlich eine Art episct-cs Drama» am meisten durch die Verbindung 'der., dargestellten Vorgänge mit der Vorlesung des Rabbi» der sozusagen der Ansager einer Riesenschan ist. Tenn cs kann nicht bestritten werden» und ist loohl auch nicht anders gewollt: dies Bibelspiel ist eine Art Schau.' Aber das Wort muß hier nicht nur in der theatralischewBedeutuiig, svirderir zugleich in einem tieferen Linn verstanden iverven. Es ist Schau, Vision, Einblick in bedeutsaure» nicht ausdeutbtrre .Zusammenhänge. Immer ist es ein gefährliches Wagnis, die Bibel nachzudichtcn» die in ihrer konzentrierten Kraft unerreichbar ist'.. Werfel hat sich mit Demut' und Bescheidenheit an das Buch gervagt. sticht mir in der Vorlesung des Rabbi läßt er das Wort der Schrift bestehen, auch oft. .in der Tialogisrcrnng der biblischen Vorgänge. Nieist sprechen die Gestalten der Bibel in freien Versen mit vier Hebungen, die den Eharakter des Feierlich-Schreitenden haben. Aber es gibt auch gereimte Idyllen, die fast zum selbständigen Gedicht werden: ' und cs gibt stumme Bilder, pantvminisches Spiel, in das als begleitender Chor die Stimmen der Gemeinde dringen. Alles klingt einfach mrd schön; ein Dichter hat das Wagnis unternommen. Ein Dichter und ein Gestalter, denn nicht nur eine arißervrden'tliche Beherrschung des Worts lr<ar nötig, um den ungchencren Stofs eine neue» knappe Form zu geben» sondern zugleich Beherrschung der Technik des Dramas und der Bühne. So ' wird das Nacheinander zum Ineinander. ' Ter „Widersprcchcr" könnte mancherlei gegen diesen „Weg der Berheißung" sagen. Es sei nicht gesagt; denn gerade für die Juden in Deutschland bedeutet dies Bibelspiel: ein Trostspiel. * Kurt Pinthus. Aufstand Bar Kochbas miterlebt, die christliche Römerin Eäcilia beginnt zu seiner Mlßbrlllgung den Geburtstag des Stifters ihrer Sekte (äts etivas anderes betrachten sich, diese Gläubigen und ihr Anhang, der aus mehr iveltlich-sozialen Gründen ihnen folgt, nichts festlich zu begehen, rmd dem jungen Römer» den sie bekehren will, gibt sie die Bücher Esra, Barnch» Daniel» die Sibhllinrschen Bücher und die Offenbarung zu lesen. lieber Epiktet leitet Eäcilia Ntarccllus zu Paulus» der aber lieber „die Griechen selbst und ihre römischen Schüler liest", „statt sich die griechische Philosophie in jüdischem Gewand anzneignen". Christen. Juden' und Epikuräer gelten als Gottlose, aber die Gemeinde verehrt den ethischen Charakter des Kaisers und will lieber böse Tage unter Marc Aurel, als gute unter Eommodns (der eine Ehristin zur Geliebten hat) erleben. Aber standhaft weigern sie sich, dein Bilde Niarc Aurels zu opfern, obwohl Ihnen bedeutet wird» diese Zereinonic ll'äre mir eine äußerliche Lohalitätsbeknndnng. Petersens ».Sandalenmachergasse" steht in einer Reihe mit Mereschkowskis ..Inlinn", mit Kosztolanhis „Nero", mit Bohlmanns „Diokletian" und Ranke Graves ..Claudius"-Romanen» diesen Beiträgen zur Geschichte der Antike im . XX. Jahrhundert. Lutz AVeltinaun. Dreimal drei Meister Stefan Z«eiji;: Baumeister der Welt. Herbert Reirluier Verlag Wien, Leipzig Zürich 19.U». Sechshniidertsüinzig Seiten, lvie vom jagenden Herzschlag diktiert. Wer - nicht wüßte, das; ein Vierteljahrhnndcrt vergangen ist, seit 1911 im ■ Inselalmauach, dieser Wnnschelrnte des Be- .gabungsnchers .Inscl-Berlag, Teile der Dickciis- ' "Studie erschienen, tonnte'meinen, Zweig' lege das Schaffen eines geschlossenen Arbeitsabsehnittes vor. Taufende'haben Zweigs Verdichtungen von schöpicrischen Gestalten gelesen, als.sie w'W. in/.z und IN/8 in drei Gruppen erschienen: -..Drei'Meister" (Balzac. Dickens. DostojewikiZ» /Ter Kamps mit dem. Dämon" (Hölderlin. Nleiü. Nietzsche). „Drei Dichter, ihres Lebens" (Casanova Stendhal. Tvlstoil. Den 'neuen Lesern, die man dem Sannnel- .bazide lvünscht, sei angerateii.. in kluger Verteilung des Stoffes Zmeigs Denlnng der nenn Gestalten ausznnehmcn. Er entgeht damit der Geiahr. das Tempo Zn'eig-? überliitzt zu verspüren lind eine ■ Lektüre abznbrechen. die belehrt' und anregt, zu den One'llen zu greisen und die» Steine zu Mahlen, '-mit denen niau die eigene 'Dielt festigen und schmücken möchte. —eg. Joachim Maas«: »Die unwiederbringliche Zeit.4* S. Fischer Verlag, Berlin. " Ein Dutzend Jahre etwa», von der letzten iJahrhundcrtwende beginnend» begleiten wir den kleinen Borbe Maack, der schon so früh eine Brille tragen muß. von seinen ersten Spieltagen bis in seine Gymnasiastenzeit» dann verschwindet er wieder leise ans unserem Gesichtskreis. Aber wir dürfen wohl glauben, daß in ihm die wichtigsten Gaben sind, um den Wyhlspruch des Buches zu crsüllcn: „Denken, was wahr ist: Fühlen, was schön ist: Wollen, was gut ist." Um ihn herum» der aber beileibe kein fades Mnsterkind ist. spannt sich der Ronmu einer Hamburger Kaufmanns-, samilie: der lange entfremdeten Eltern, der Heranwachsenden Brüder, der Angestellten von Haus und Firma» der wirtschaftlichen Erschütterungen, wie sie dem über die Meere.reichenden Handel der Hansaftadt nie erspart bleiben. Aber kein Zmeiiel -— der kleine Borbe bleibt schon der Mittelpunkt» und die Erlebnisse seiner.Kindheit sind nicht weniger gewichtig, nicht ivcnigcr ernst zu nehmen als die der Großen ringsum. Ter Ausschnitt,ans ihrem Lebenssilm fesselt uns, aber unsere Liebe gewinnt vor allem der. Bub. der mehr ahnniigsvvll als begr'eliend» mehr erfühlend als verstehend ja auch selbst diesen Film vor sich äbrollen sieht und mir nicht meist, daß das schopsizekrönte Itmgens- . gesicht", das immer wieder in Großansnalstne-anflenchtct, lein eigenes Bild ist.. ' *■. Tie kleinen Szenen, ililansdringlich. aber eindringlich in weichen Farben wie ans Kvpenhageiicr Borzellan gemalt. Schicksals- und Landschaftsbilder. Porträts von Menschen und ^Tieren, sind von großem künstlerischen Reiz. Solch kleine Szenen reihen sich zu jedes Menschen ..unwiderbringlicher Zeit" aiieiiiander. und cs ist nützlich» sich wieder einmal klar zu machen, daß es Glicht inimcr die heitersten Komödien, nicht immer auch die schwersten Tragödien sind, die mit gar zu lautem Getön über die Bretter poltern. t. 1, Einen neuen Kedichtband von Arthur Silberglcit hat'die Künstlerhilse der Jüdischen Gemeinde . (Berlin-Eharlottenbnrg. Kantstraße 158) heransgebraeht. Tas etwa 80 Seiten starke» kartonierte Bändchen kostet eine Mark. Eine Anzahl Exemplare der in beschränktem Umfange hergestellten Auflage lvnrde vom Dichter handschriftlich gezeichnet. Ein Druckfehler. Im letzten Absatz des Artikels ' „Rilkes. Bricie aus Piuzot". den wir in der vorigen Nnminer der ..C.-V.-ZditmiK^ veröffentlichten» imiß es heißen. ..Das Wachstum dieser selbst in ihrem Ansgcrisscnscin so fruchtbaren Men- Wenn man sich plötzlich einem großen, dicken Buch ausgcliesert findet, das „UnserLebensp r o b l e ui" (von L o t h a r S i c t n b r e ch . B erlag W a l d e m r« r H v s f m a n n , Berlin) heißt., wird einem niemand verargen, daß man ärgerlich wird: Wie» . schon wieder ein Welträrscl-Löser ( , .Aber dann liest uinnV doch, widerspricht, .ftutvt, ist : einverstanden., widerspricht .und —- "hat Spaß. daran. Es lvird /'gleichgüttig', , ivie - man selber -zu den Tingen'steht, es wird wichtig. daß der Autor steht. - zur' Sache stellte sie zu' seiner Sache wacht, die Augen offen halt, den gc-snnde.n Menschenverstand. -walten, läßs.. Ja. dieser .Lothar Stenibrech! .Er-'.-'. ' ist Biblivthckax. gesteht er gleich. Fachmann weder - in der .Philvsvphte noch in der Biologie, von denenzusammen her das Lebensproblcm airgeht, aber.. möint er. unsere inneren Lebensbedingnngen sind mm einmal so verworren», daß man sich Rechenschaft äbtegen muß. Es folgt also eilt 'Rechenschaftsbericht über alles „Weltanschanliche", was der Bibliothekar gelesen, verdaut/nach-gedacht hat» »und darüber, ivie er. sich's nun znsammenreimt, wie also das nicht ans Eigenem Erfahrene sein eigenes Lebensbild wird. Der Vorgang ist zu allgemein, zu gültig, nfn nicht fruchtbar zu sein» anregend» lvie Steinbrech hofft, obwohl er warnt: „Der Leser liest auf eigene Gefahr. Der Verfasser ist niemand, aus den man sich berufen könnte; sein Name bürgt nicht für Richtigkeit. Was er sagt, sind Schlüsse und Erlebnisse, und jeder andere muß selbständig nachprüsen, lvas er davon für sich verwerten kann." So geht also der Biblivthekar ans Woher und Warum, ans Wie und Wohin unseres Lebens. „Die- Welt ist eine Einheit — vom gestirnten Himmel bis zum Zwist politischer Parteien. Also muß auch das uns Widerstrebende aus derselben Liielle äbzuleiten sein lvie die Harmonie."' Und »venn er dann psychologisch und biologisch, historisch und soziologisch, unser Wesen und unsere Verhältnisse an Hand der besten mjb mitunter der schlechtesten Aceinnngen der letzten paar Kahrhunderte umwandclt hat, kommt er zum Begriff der „ziviespältigen. Einheit": „Daß eine Einheit aus ' zwar gegensätzlichen Hälften bestehe, die einzeln nicht bestehen, das ist vieler Rätsel Kern." Aber nicht» um zu diesem'Schluß- und Lösililgsmittel zu kommen, soll man Steinbrech lesen» . sondern um . überhaupt zu einem Schluß» zu' eigenen Ueberprüfungcn, /,u einer» banal gesagt: Weltanschauung zu kommen oder zur Ucberprnfung. Für unsereincn hat das Buch einen , eigenen Reiz, nicht bloß, weil wir darin sonst so seltene und so gute alte Bekannte treffen wie z. A. Multatuli» nicht bloß, weil die umfangreichen Kapitel über.Rassenfragen auch uns nähcgehcn, ' sondern aus dem'Grunde seiner Konzeption; jeder Jude ist eigenttich verpflichtet, die . Thora abznschreibeii, und dieser Nichtjude hier tut etwas Aehnliches» er rckapitnlicrc sein Wissen, dic il,m überlieferten Lehren, er macht sie sich eigen, lvas . man nicht besser hm kann, als indem man sic nachschreibt und sich daran mißt. In der Der- . wirrung der Zeit gibt s keinen besseren Weg, sich zu klären. Seinen philosophischen, pädagogischen und psychotogischen Arbeiten fügt Professor Richard Müller-Freienfcls jetzt eine ..Lcbensn a h e Charaktcrknndc" (W olfga n g . R i ch a r d Li n d n e r - B e r lag, Leipzig! hinzu, die es wert ist. lvciteste Verbrcitilng zu finden; sie ist wissenschaftlich im besten Sinne und klär und gut. jedermann verständlich gehalten, sie enthält und sichtet in großen Zügen alles, lvas auf diesem heiklen Gebiet erforscht ist. Zunächst stellt Müller-Freienfcls den Begriff des Charakters» die Probleme und Ziele der Charakterkunde dar, dann die O'.icllen bcV Chäraktererkeniitnis vom „Verstehen" der körperlichen Motorik, ihrer Objektbezogeiiheit. Richtung und Urgcsten, Rhythmik und Figuration bis zum Ausdruck cinzelncr Korperpartien, ivie der Augenünd Mundpartren, der Extremitäten/lind zu den Begleiterscheinllngen» wie Spreckzen und Lachen, dann die Phhstogiiomik und die Vergcgcnständ- . lichung der Beivcgnng in der.Handschrist, der ein besonders ausführliches und instruktives Kapitel geividmet ist. dann die biologischen, soziologischen und psychologischen Typen der Charakterkunde (mit'eingehender Nntersuchnng der Typikcn von Kretschmer. Jung, Iaensch. Spranger u. n.) n'nd schließlich das Gesamtbild, ans dessen Bedeutung auch bei jeder Einzcldentnng Ncütler-F'reicnfels dankenswcrteriveise immer hinweist. Um einen Begriff seiner Aufsassnngs- und Miiteilnngsiveise zu geben, zitieren ivir hier ans dem Abschnitt über die Nativiiattypeii, der uns ja besonders interessiert: „Allerdings ist nicht der Raum allein prägender Faktor, sondern daneben die rassische Unterlage, die staatliche Einnng und die an die Sprache-gebundene Gesamtkultnr. was alles zusammen ziemlich klare'Typen ansprägt, tu geiviß gerade heute infolge des starken intcr-. natiönalen Verkehrs die Volkstypen epochal nivelliert sind, so gewiß bestehen Doch verschiedene Volkstypen mit deutlich unterschiedenem Gepräge. Man kann zwar nicht an jedem Deutsche». Italiener oder Amerikaner den Vv'ksthpns mit Sicherheit ablesen: nimmt man aber je hundert Deutsche, Italiener.und "Amerikaner, zusammen, so tritt die Verschiedenheit' ziemlich' klar heraus, und man kann mit einiger Sicherheit Voraussagen»- ivie sie sich verhalten und denken iverden. Man hat ' auch hier den Typus objektiviert, indem man von „Volksseele" und „Volksgeist" sprach, und manche ' Forscher haben darin eine konkrete Wirklichkeit sehen ivollen. Nun. es gehen ivvhl mit dem Blute seelische Gemeinsamkeiten crbmäßig über:-daneben aber wirkt der Geist in Gestalt von Sitte» Kunst. Religion ilsiv. auch in objektiver Form ans den einzelnen ein." — Man sieht, es kommt dem Autor nicht darauf an. kühne Behauptungen «nlsznstellen. sondern das wirklich Erkennbare anszusoudern. Man lese ihn; man wird dannzwar/ wenn man nicht ohneh-in das Talent dazu hat. kein vollkommener Eharakterknndigcr, Handschriitendenter oder dergleichen werden, aber doch gegen die vielen NUßbrancher der Charakterdentbarkeit. die sich überall finden, besser gewappnet sein. Lev Hirsch.. u-hchil r llnhlilner l)r. M ANFltK.I* i »uehhiindler oder gegen Voreinzahlung auf zuziigU ,'io i'k. T'urlo oder per Nachnahme heim Das Jüdische Jahr Jüdische Religion — ssstOrn und heute^ Ganzleinen km 3.85. ' Sammlung „JOdischas Wissen“. — Herausgegeben von Dr. Erich Gottfeld. VERLAG ERNST KOSTENBAUM / BERLIN SW 19, NEUE GRONSTR. 30 / TEL. A 6 MERKUR 7413.