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Central-Verein-Zeitung · 1935-12-12 · 50 (12.12.1935) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
50 (12.12.1935)
Date
1935-12-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Kunstausstellungen Die Neuen Naturalisten In der Flottwellstraße 3 in Berlin stellen vier Maler, aus, die sich die Neuen Staturalisten nennen. Sie wollen die objektive, wahrheitsgetreue Wiedergabe der Natur,.durch vertieftes -Naturstudium die .sinnst 'in neue Bahnen lenken. Das ist nichts wcltcrschütteriid Neues, so malt man in Frankreich und in. Spainen, überall da, wo man' die Kindcrlrqiikhoiten. die Folgeerscheinungen des Er- . ' Pressionismus überwunden hat und. zu einer neuen Synthese in -der sinnst vorgedrungen ist. Wenn ' Anneliese Braun- N a tlk'o w ski, wohl. die. Begabteste unter den vier Malern,' das Porträt einer alteren Dame malt, dann gibt sie jede Falte des Gesichts wieder, .legt Wert auf das «ichtbarmachen einer jeden Unebenheit des Gesichte, weil sie nüchtern und schlicht die optische Erscheinungswelt abmalt, ohne Pathos und ohne das Bestreben, die Dinge zu idealisieren. Und dasselbe gilt für das Bild, auf dem ein Paar ' Kinderschuhe gemalt sind, mit allen Ihren Härten und Weichheiten, Helligkeiten und Dunkelheiten^ Sehr eindrucksvoll das Bild „Dunkle. Jugend" mit den schwermütig darcinbli'ckendcn Mulattenkindern, ein Thema, das auch Nikolaus Braun, der Gatte, behandelt. Sein „Negerviertel in New- VJotf" zeigt noch den expressionistisch gemalten Himmel, seine Mulattenkinder jedoch zeigen den Weg des Nevnaturalismus, der die seelischenWerte mit zum Ausdruck bringt. — Wirklich sehr schön ein Bild des Malers, das er „Weide im Sturm" betitelt: ein Weidenbaum, sturmbewegt und regenschwer und crdhaftnahe, interessant im Farbauftrag. im Großformat; außerdem dieselbe Leuchtkraft der Farben bei der „Traumlandschaft" und -der „Tropischen Nacht". Ter Dritte im Bunde ist Max Hermann, der einen Hechrluz gesund und unternchmungsvoll. auf die Leinwand bringt. Daneben aber geht es diesem jungen Maler um romantische Lösungen, wie zum Beispiel im Gemälde „Der Brief". Im Freien, in den Landschaften erscheinen jene Prismentöne, die Bilder wie „Das Kornfeld" oder „Die Kaste im Grünen" immerhin in den Vordergrund einer .Betrachtung stellen.. Auch wenn Heimann eine Ananas oder ein Nubinglas malt, arbeitete er im Sinne Arthur Sega l s , der über dem Schassen der vier Künstler in. der Flottwellstraße als Leitstern steht. Ihm verdankt auch Gertrud B n r s ch - D r e y fu ß ihre künstlerische Wendung, die vom Impressionismus zu Neuen Naturalismus führt. Nicht ganz so einfach liegen die Dinge bei ihr; dies lehrt die sehr wirkungsvolle Gegenüberstellung der beiden Gemälde „Ivhannisbad" und „<5afä in Nagusa". Mas in dem südliche» Bild noch unklarer, ein wenig verschwommen.-um nicht zu sagen malerischer an» mutet — im Kasseehausbild verliert es seine Existenz, hier erkennt man den Ansatz zu dem neuen Weg. der auch Gertrud Bursch-Dreysuß zu den Neonaturalisten führt. In diesem Sinne ent- ' standen die Porträts einer „Lesenden" und das Bildnis „Frt. K." und vixle, farbig sehr schöne Blumcnstücke. Die Ausstellung ist sehr anregend; sie bringt eine persönliche Note in den Kunstbetrieb. Lotte Laserstein " Lotte Lascrstein — vertrauter Name aus mancher Ausstellung, aus manchem Porträtlvcttbewerb von früher! Wenn man jetzt vor Bildern steht, die im Hause Weil zu einer umfassenden Ausstellung vereinigt wurden, muß man feststellen, daß diese Kunst gereifter geworden. In diesem Sinne sprechen vornehmlich die Selbstbildnisse ■ der Künstlerin, verraten sie nicht schönere, wohl aber edlere und reifere Züge:—Und wasmian von diesen .«selbstpoxträts berichten kann, das mag verallgemeinernd für die.'übrigen Arbeiten Gel- : tung haben. Ueberaus ansprechend Bilder der letzten Schaffenszeit,, ein Gemälde .„Mod'ellpaüse", "■■i eine Oelskizze „Lachendes Mädchen", oder die- ^Geschwister", mit dem Farbstift zu Papier gebracht. Hier merkt man, den Einfluß des Lehrers, Erich Wolfsfelds, dessen glänzende Bildkompositionen herüber zu klingen scheinen. Und wie dieser frühere Meister an der Berliner Kunstakademie neben den eindrucksvollen Palästinabildern Köpfe und Landschaften schafft, so gibt auch die Ausstel-. ' lung der Arbeiten Lotte Lasersteins Bericht^ darüber, daß es für den jüdischen Künstler noch andere Dinge gibt als nur die Judenfrage. Natürlich blicken verschiedene Bildnisse jüdischer Menschen von den Wänden herab; poxträthaft wirken auch Kompositionen wie der „Abend über Potsdam" und das temperamentvolle Bild „Unterhaltung", eine Naturgröße Männergruppe auf breiter Leinwand, mit Courbet-Hafter Kraft hingesetzt. Grete Loebenstein Im Rahmen einer Kulturbundveranstaltung konnte man die Arbeiten von Grete Loebenstein sehen, die in ihrem Grunewald-Atelier ausgestellt sind. Die Stärke der Künstlerin liegt auf dem Gebiet des Aquarells, weniger auf anderen Teil-, gebieten'der Malerei. Eine Kohlezeichnung eines. Chinesen, überaus, charaktervoll seine Hand, steht abseits von der großen Zahl eben jener Aquarelle, die immer und immer wieder unsere Bewunderung erzollen. Da hängen die Palästinalandschasten, wie z. B. „Der Fluß Häjakon" oder „Die Haifa- Bai" (mit den weißen Schiffen in der Ferne), da sind hervorzuheben die duftigen „Häuser mit den roten Dächern" oder zarte Landschaften, die nicht. besonders betitelt zu werden brauchen, die über allen Zeiten und Ländern stehen, in denen sie geschaffen wurden. Als ich die zauberhast schönen Blätter sah, die ich in Japan entstanden dachte, weil sie in jeder Einzelheit den Geist des Fernen und doch so nahen Ostens atmen, erzählte mir Grete Loebenstein, daß sie nie in Japan gewesen sei. Aber sie hatte in der. Kölner Ostasiatischen Sammlung, unter der^ Leitung von Frau Fischer-Wieruszowski,' Holzschnitte und Malereien .des Landes vor Jahren eingehend studieren können. So sind diese Aquarelle „japanisch" geworden, auch in der Technik: das meiste, was jetzt in Berlin ausgestellt ist, wurde in Oel auf Japan gemalt, wundervoll die zarten Pastelltöne und malerisch interessant die Hintergründe nnd das Gesicht des Himmels. Unter den Porträts sehr nennenswert das Bildnis eines Abessiniers, der — in zwei Fassungen— die Künstlerin zur Darstellung anregte. Vornehmlich das Aquarell vor dem lichten Hintergrund — grün, braun, gelb — ist in seiner Kvntrastierung wirkungsvoll, weil sich das Braun der Haut eben von jenem pastellfarbencn Hintergrund licht abhebt. Chanukka - Messe des Frauenbundes Die Chanukka-Messe des Frauenbundes in seinem Klubheim, Märburger Straße, trägt dieses Jahr ein anderes Gepräge als früher: In drei weitlänsigcn Räumen ist die Ausstellung zu sehen, die viele neue Namen beliefertem Zusammenfassend muß man feststellendaß das Prinzip der . Qualität auf sämtlichen Gebieten der Kunst, des Kunstgewerbes und des Handwerks beibehalten wurde. Dies gilt in erster Linie von -den Malerinnen. Man bemerkt.von' Julie W o l f t h o r n eine sehr beachtenswerte,'Kohlezeichnung einer Dame, der man im ersten Augenblick anmerkt, daß sie von dieser Künstlerin geschaffen wurde, im Typ, im Sich°geben. in der Strichführung. Da hängt ein Gemälde von Selma Cohn, es stellt Kinder im Freien dar, und es mutet säst an wie eine Arbeit von Gauguin. Adele Reifenberg ist vertreten mit einer Dolomitenlandschaft, die farbig so schön ist, daß man sie mit nach Hause nehmen möchte. In der Graphik führend Meta C o h n - H e n de l mit einem ihrer Farbenholzschnitte auf Japan, „Feldblumen", und dann nicht zu. vergessen ein bisher im Frauenbund wenig gezeigtes Gebiet: die Pressezeichnung. Sie vertritt Nellh Nordegg mit Bildnissen Erich Nelsons. Bertrams, Dr. Erich Salomons, von Ringelnatz und Ossip Gabrilowitsch. Es sind alles Künstlerporträts, denen man anmerkt, daß sie nicht von der Presseloge aus geschaffen wurden, sondern, daß die berühmten Modelle wirklich der Zeichnerin „gesessen" Haben. — Sehr einfach und deshalb sympathisch die Arbeiten von Margarete Nehemias, ein Aquarell „Am Tiergarten" und eine Landschastszeichnung. Neben den Vertreterinnen der „hohen" Kunst sieht man die Kunsthandwerkerinnen, zu denen ich Erna Nonnenmacher-Rosenberg. und Ottilie W o l l m a n n rechnen möchte? Beide sind gut durchgebildete Keramikerinnen. Die Klein- Plastiken'der Wollmann waren in ihrer Grazie schön öfters zu sehen, die Arbeiten von der Kollegin sind schlicht geblieben, ihre Chanukka-Leuchter passen überall hin, in jeden Rahmen, und neben dem eigentlichen keramischen Gebrauchsgerät bringt die Ausstellung Erna Nonnenmacher-Rosenbergs unglasierte Tvnfiguren, ein Teilchen nur aus der Fülle der sehr beachtlichen Figurenplastik dieser Künstlerin. Unter den Buchbinderinnen sehr.gute Handwerkskunst von Eva 3t e u m a n n , Buchhüllen und Notizbücher, Kästchen für den Schreibtisch und nicht-zuletzt — schön gebundene Bücher, die das Werk der Hände im wahrsten Sinne sind. Die Photographinnen beweisen, daß photographische Porträts oft ebenso gut sein können wie gemalte oder gezeichnete Bildnisse. Hedi Schiff, Alice Plaut und Luise B a s ch legen sich z. T. auch auf das Gebiet der Werbephotvgraphie. Während die Werbegraphik durch'Natalie Kroll eigenartig zum mindesten vertreten ist und Katharina Feige-Straßburgers Modezeichnungen die langjährige Erfahrung dieser Berliner Lehrmeisterin kundtun. Daneben geht es in der Messe des Frauenbundes um die tausend Dinge der Frau, die von Frauen eben für Frauen gearbeitet werden. Mau hat seine Freude an schöner Wäsche (Elsa Jare cki), an hübschen und -kunstvollen Lampenschirmen (Steffi G r o ß)), an Decken und Deckchen, Arbeiten von Grete Loebenstein: Bild eines Fellachen — Töpferarbeiten . Fot. Herbert Sonnenfild, Berlin niiiiiimmitiiiiiimifuimiiimiimniinmimmmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimin die Grete Pode s ch w a strickt »oder häkelt, an Handschuhen aus Leder, und Kragen und Gürteln aus demselben Material (Lotte Flaum), nicht zuletzt an den schönen Schmucksachen, die Lilli I ac o b i.u s , Jnla 9JI e y e r und Anna R a w i tz e r schaffen Heben dem Kultgerät für das Haus und die Synagoge (Rahcl-Ruth S i N a s o h n und Jacob ins). Dr. Olga Bloch. Chanukka-Ausstellung im Jüdischen Museum. Tie schon mehrmals annekündigte A u S st e l l u n q alten jüdischen KuIturqeräts aus Privatbesih wird am Sonntag, 15. Dezember, um 10 Uhr, eröffnet. Sie enthält kostbare Ltückc aus Berliner und Stettiner Besch; auch sind die besten Stücke der bekannten Sammlung M a r Hahn (Göttingen) zir sehen. — Gleichzeitig mit dieser Schau stellen die Breslauer K ü n st l e r (Isidor Aschheim, Margot Abraham. I. Kon. Willi Braun) aus. Paul Graupe (Berlin) versteigerte in Amsterdam gemeinsam mit der Firma Mak van Way die Sammlungen L. van den Bergh. Deu wichtigsten Teil .bildeten die Gemälde alter Nteister. Das Hauptinteresse galt Rembrandts, Frauenbildnis (Maechtheld van Doorn), das einen Käufer in Holland fand. Im Breslauer Kulturbund hielt Dr.-May Osborn einen Lichtbildervortrag über Michelangelo, in dem er das Gesamtwerk und die Persönlichkeit des Meisters behandelte und eingehend die Bildwerke und Gemälde, die den biblischen Stoffen gelten, würdigte. Die zahlreichen Hörer folgten den Ausführungen des Vortragenden mit gespannter Aufmerksamkeit und dankten ihm mit warmem Beifall. Scliw. -■t Kunstnachrichten Im „Salon d’Automne“ in Paris wurde die größte moderne Kunstausstellung des Jahres eröffnet; es werden u. a. Gemälde von Eugen S p i r o, sein Porträt des Schauspielers Bassermann und einige, südliche Landschaften gezeigt. „ Im gleichen Hause werden weitere jüdische Künstler in ihren Arbeiten gezeigt. So Peter L i p in a n - W u l s mit. einem Tierstück, Henny Freud-Fuchs (Berlin) mit Porträtstudien, Henriette Al a u n h e i tu c r (Mainz) mit einer Ansicht des Montmartre, sowie einem Interieur der Svnagoge in der Rne Buffaült. die Zeichner Heinrich W e i u g l ü ck und Franz W v l s f. Außerdem legen die Bildhauer Michael He r z (Frankfurt), Gert Sachs und Rodert Schreist' e r /Proben ihrer Kunst vor. Das Miisöe Ouimol in Paris kann auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Seine Bestände sind ungeheuer reich. Werke aus allen Kulturen beherbergt diese religivuswissouschaftliche Sammlung, die vor allem auch ein photographisches Archiv besitzt, dessen Bestände die' Grundlage zu allen ernfthasten. Studien der vergleichenden Religionswisseüschasten bildet.' ' Die Pariser Galerie Billiet-Vorms in dev; Rne de la Loötie zeigt eine Gemäldcschau des, seit 7 Jahren in Frankreichlebenden jüdischen Künstlers Paul Elsas. Der Katalog trägt ein Borwvrt von Marimiliau Gauthier, in dem die künst« lerische Haltung von Paul Elsas gewürdigt wird. Tie B a ch stitz ° Galeri e (Ten Haag) legt ist einem fast 00 Seiten starken, gut auSgestatteten Ouartheit dem Kunstfreund eine Anzahl wertvoller Bildnisse vor. . In besonders klaren Abbildungen sind viele Statuen zu sehen, dazu ausführliche Begleitterte von berühmten Fachgelehrten wie Max I. F r i e d l ä n d e r , Abraham Br ediu s usiv. Die meisten Werke erfreuen 'sich eiiies vvrtresslicheu Stammbaumes — nicht wenige kommen aus der Sammlung Auspitz, andere ans der Sammlung Huldschiusky. Greco und Gova.!>!afiaello Santi- (Madonna im Grünen) und Eaualerto. Tiepvlo. R'embraudt, Jan Steen und van Gvven sind mit auch aus der Literatur bekannten Werken vertreten. Für uns ist' der Gip'elpnnkt Rembrandts „Hendrickje", die früher in der Sammlung Georg von Mendelssohn in Berlin hing, und eines der schönsten Stücke aus ' der unvergeßlichen Rembrandt-Ausstellung von 1932 war. Dr. Abraham B r e d i n 8, der Nestor der holländischen Kunstsorschung, vollendete das 80. Lebensjahr. .Er war 20 Jahre lang Direktor des Mauritshuis im Haag und bekannt als. Publizist und Forscher. Ihm verdanken holländische und ausländische Museen Schenkungen und Leihgaben, aller Art. Der Alaler Arthur Sega l wird nach seinen Ausstellungen in Spanien nun auch in Palästina seine neuen Bilder zeigen. Auf dem 19. Internationalen Orientalistenkvngreß in Rom im September 1985 wurde dem griechischen Gelehrten Nikolaus Rhodvkanaki s die Medaille der Deutschen Mvrgenländischcn Gesellschaft verliehen. Tie silbervergvldete Plakette trägt das Bildnis des jüdischen polnischen Gelehrten Mark L i d z b a r s k i (geboren in Plock in Polen 1868; gestorben in Güttingen 1928). Die Medaille ist das Werk eines modernen Bildhauers. -In der Herbstausstellung des Wiener Künst-, lerhauses erregten die Gemälde von Perlberger, Blauen stet ner und S toe s sel besonderes Interesse. Eine palüstincusische Landschaft von Stoessel und verschiedene Arbeiten des unlängst verstorbenen Perlberger, dem die osler- ' rcichische Kunstkritik einen besonderen Nachruf widmet, werden hervorgehoben. In einer anderen Abteilung des Künstlerhauses ist die Sammlung Dr. A. Spitzer zu sehen, die ein Porträt des Sammlers von M o p p (Mar Oppenheimer) und eine Sonnenthal-Büste voü Tilgner enthält. Hedwig Fechheimer-Simon: „Die Kultur und Kunst der Aegypter zur v Zeit Möses.“ Im Hause Dr. Philipp begann Hedwig Fechheimer-Simon ihre Bortragsreilze über die Kunst Aegyptens zur Zeit Moses. Tie Zusammenhänge zwischen der ägyptisckien und der hebräischen Kultur traten in den Brittelpunkt der Betrachtungen, sind sie doch mannigfacher Art und interessieren sie dock) auch vom ägyptischen Ouellenmatcrial aus gesehen. Aber nicht nur die Texte des Nillandes zog die Rednerin zum Beleg dafür heran, sondern sie betonte gerade, daß die zeitgcnüssischen Schriftquellen aller Völker die Gestalt des Moses belegen. Besonders interessant waren die Ausführungen Hedwig Fcchheimers über die kulturellen und geistesgefchichtlichen Veränderungen im Mittelmeergcbict um 1900 v. Chr., da die Blütezeit einerseits der Hethiter, der Asiyrer, der Aegypter um diese Zeit in fast allen Texten belegbar ist, andererseits al>er auch Indien eine neue Besiedlung erfährt. Um 1200 v. Ehr. wandern die Israeliten.aus Aegypten aus; weiß inan, daß diese Wanderung mit der Dorischen Wanderung in Europa gleichzeitig ist!?' Ihn 1400—1200 v'. Chr. regiert der Monotheismus, verkörpert durch Ameuophis IV. in Aegypten, aller gleichzeitig verkündet Moses den reinen Ntonvtheismus als den Glauben an' den Einzigen Gott. Tic Phönizier brachten die reine Buchstabenschrift, vielmehr die Kvnsonantcnschrift, aber die Sinaifunde (1700—1500 v. Ehr.) belegen in den Statuen und Figuren die Einführung dieser Buchstaben auch bei den Israeliten. Alles, was die Bibel üvcr die Juden berichtet, bestätigen Aegyptens Schriftqucllcn, die vornehmlich von den ivandernden Semiten sprechen, die auf den Stelen ihren künstlerischen Ausdruck gefunden Frau Fechheimer sprach auch von den El Amarna- .'Briefen zur Zeit von Amcnophis III., von Brieten palästinensischer, kananäischer Fürsten an die Regierung, sie ermähnte jene Israel-Stele, die die Feldzüge des N>er Ein Tach besingt ln einem Hymnus, der auf Palästina bezug nimmt. Jiraels -^irunen kommt da. vor als der Name eines S'ammcs. Schon in der vierten Dynastie wird der ^Versuch. von ägyptischer Seite unternommen, 'Palästina zuerobern, aber erst das Nene Reich eichtet dort-seine Herrschaft auf. ' Der Vortragsabend wurde auch dadurch interesiant, daß von trennenden Unterschieden bewußter Art zwischen Aegypten und Israel tic Rede war. Ein reiches Lichtbildmaterial, zum Teil nach eigenen Aufnahmen, vervollständigte die Ausführungen der Vortragenden und gab dem an sichspröden Stoff lebendigstes Leben. Dr. Rahel Wischnitzer Bernstein: Die Cherubim in der jüdischen . ■ _ Kunst Der jüdische Museumsverein wird in dieser Zeit immer mehr zu einer Stätte, an der sich die Fortschritte der jüdischen - Kunstwissensckicist deutlich bemerkbar machen. Tr. Rahel Wischnitzer- Bernstcin sprach dort über: „Tie Cherubim in der jüdischen Kunst." Im engen Anschluß an den Erzähl,mgSstvff der Bibel sah man im Lichtbild jene rätselhaften Wesen vvrübergkeiten. die nach Genesis I. das Paradies als die-Wächter hüten nach Adams sündiger Tat. Geflügelte Cherubim sind es. die auf den assyrischen Siegeln begegnen, fünf. ganz verschiedene- Tiere ans einem iwrdpalästlnensischen Kohlenbecken, Träger der >--onnenschewe in späterer Zeit, unerklärliche Wesen jedenfalls, von duien. auch die Elfenbeinarbeitcn der Königszcit Kunde geben. Die Bibel sagt nicht, wie man sich die Cherubim vorzustetten hat, ob als Menschen oder Löwen, als Stiere oder Adler. Als Genien der Befruchtung führte sie die Rednerin anj einem interessanten^ Lichtbildmaterial vor. als Tauben ans den jüdischen Goldgläscrn der Vorzeit.Tie .Mvsqiken'vvn Beth Alpha bringen das Motiv des Vogels als das Symbol der Mütterlichkeit auch bei einer Einzelheit wie den Chcrubim.Ivahrend Handschriften aus Deutschland, vornehmlich eine aschkenasische, sich bei der Darstellung an die Vision des Propheten Ezechiel halten, der die Cherubim vielgestaltig in der Figur eines Stieres schildert. Bunt wie die Geschichte der Juden ist das Bild, das man vom Vorkommen der Cherubim^ gewinnt. Toraschilde. besonders aus Rußland, Beispiele der Volkskunst auch, sübrte Dr. Rayel Wischnitzer vor, um letzten Endes darlegen zu müssen, daß aus Mensch und Löwe. Stier und Adler die E"angelistensymbole der christlichen Kunst geworden sind. Aussührnngen behandelte Rabbiner Dr. Emill Bernhard C o h n das Vorkomwen der Cherubim .in den Schriftqüellen. Im Kulturbund sprach Rahel Wischnitzer- B e r n st e i n über „Gestalten und Symbole der jüdischen Kunst". Auch hier führtesie ihre Zuhörer geschickt durch das weite Land, zum Teil noch unerforschter/ jüdischer Symbolik. v Dr. 0. B. i ■ ' -! X i

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