Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 50 (12.12.1935)
- Date
- 1935-12-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 * 2. Beiblatt 12. Dezember 1935 Brasilien, Land der Möglichkeiten Brief an die „C.-V.-Zeitung“ Sao Paulo, Novcmbvr. 193-'). %in' ist es bereits ein Jahr her, -seit ich dieses gastliche Land ^nm erstenmalbetrat. Ich habe eine ganze Äi-enge erlebt und Ersährstngen getnacht, die csstmir ermöglichen, . ein einigermaßen klares Büd.dcs Landes zu zeichnen. Eines voraus: Leicht ist cs hier ebeusvwcnig wie überall, die frühere Hochkonjunktur, die auch im letzten Jahre manchen, der sich, durch unrichtige Auskünfte veranlaßt, hierher begab, sehr enttünschte, ist durchaus vorüber, und wer nicht hart arbeiten kann und will, bringt es hier noch weniger zu einer, auch nur bescheidenen Existenz, als in irgendeinem anderen Land der Welt. — Es war einmal leicht hier, und alle, die arbeiten wollten, hatten große Möglichkeiten hier. Allerdings meistens auch in hier bisher unbekannten oder noch nicht so verbreiteten Berufen. Biele Akademiker, die seit zehn oder noch mehr Jahren hier leben lind noch hier, ihre Staatsexamina ablegen konnten, leben hier in sehr gesicherten Verhältnissen, haben ihren Klicntenkreis und sind bekannt. Aber keiner, der seit 1933 hierher gekommen ist, kann als Akademiker wciterwirkeil, weil die neue Verfassung allen Ausländern die Ablegung der zur Niederlassung notwendigen Prüfungen verwehrt und somit die Ausübung ihres Berufes praktisch unmöglich macht.. Sie müssen sich vollkommen umstellen, und nicht allein das, sie müssen damit rechnen, überhaupt nicht so leicht eine Tätigkeit zu finden, cs sei denn, sie beherrschen die Landessprache sehr gut und finden in irgendeinem kaufmännischen Büro eine, wenn auch nur gering bezahlte Anstellung. Brasilien ist heute nicht mehr das Land der unbegrenzten Äiöglichkeitenwenngleich hier noch vieles brach liegt. Es ist ein ungeheuer reiches und noch vollkommen unausgenutztes Land; nur die Küste und ein ganz geringer Landstreisen hinter ihr ist besiedelt, alles andere ist Urwald. Er beginnt hart, an der Grenze der zivilisierten Großstadt, und es mutet oft seltsam an, wenn man in Rio, dieser Weltstadt, in einer verhältnismäßig geringen Entfernung vom größten Berkehrs.zentrunr der City, abends die- Assen schreien hört. Hinter dieser schönen Außenseite der ganzen Natur und des Lebens in Brasilien birgt sich auch unendlich viel Not, Krankheit und Elend, und man soll nicht blicklos daran vorübergehen. Ta spielen hinter den oft kostbar nussehenden Häusern der Besitzenden arme, schmutzige und elende Kinder, mit den unverkennbaren Spuren irgendeiner furchtbaren Krankheit, an denen dieses Land so reich ist.. Hier Abhilfe zu schaffen, wäre eine dankbare Ausgabe für Aerzte aus Deutschland, .. .aber dazu ist der Weg ja leider versperrt. Und dann erscheinen auf dem Straften Weiße, elegante brasilianische Frauen, schöne, schlanke Männer und reizende, zierliche Kinder, dunkeläugig, fremdartig. Daneben Sieger und Farbige von tiefem Schwarz bis zum hellsten Braun, schöne, schlanke Menschen und unförmige, abstoßende, häßliche. Da sitzt in der Trambahn neben uns etwa eine alte, dicke Negerin in zerrissenem Kittel, mit unzähligen, kleingeflochtenen Zöpfchen. eine Zigarette hinterm Lhr und ein schmutziges Negerbaby zwischen ihre Knie geklemmt, aus allen Taschen ihres Lumpenkleides die Münzen für den Fahrpreis zusammensuchend. Und ein kleiner, schlitzäugiger Japaner daneben, mit Körben voll der herrlichsten Früchte, führt zum Markt, um seine selbstgezogene Ware dort billig zu verkaufen. Er. selbst blitzsauber, appetitlich . . . und doch seltsam fremd und in sich gekehrt ... Eine ganze Welt für sich. Viel blonde Deutsche dazwischen, Skandinavier, Amerikaner und Engländer . . . man'findet alle Rassen hier auf kleinstem Raum zusammen und findet nicht genug Zeit zum Beobachten . . . Und so ist auch das-Leben hier, an einer Stelle ruhig, ganz europäisch, daneben ganz -südlich und farbig. Kultiviert, was wir unter kultiviert verstehen',, sind die" Menschen und das Leben hier noch sticht.: Dazu fehlt es noch an Tradition, Lan Althergebrachtem. wenngleich vieles schon erstaunlich weit fortgeschritten ist, allerdings fast nur durch curopäischcul. Einfluß. Aber trotzdem behauptet sich de^ Brasilianer stets; er besitzt heilte bereits einem großen Nationälstolz, l«hnt auch ziemlich instinktsicher alles Fremde, von dem er annimmt, es könne seinem eigentlichen Wesen schaden, sehr entschieden ab. So ist zum Beispiel gerade dieser Erlaß zu erklären, durch den ausländischen Akademikern die Ausübung ihres Berufes hier unmöglich gemacht wird. Man muß ernstlich versuchen, sich in dieses Land und seinen Charakter zu vertiefen, will Nian es lieben lernen und hier eine neue Hei- . mat finden. Aber man kann es, und es wird vielen später so gehen, daß sie gern in dieser selbstgewählten stellen Heimat bleiben. Man. wird hier sehr gastlich aufgenommen. Das Land selbst ist freigebig, zu hungern und zu frieren braucht hier niemand. Das Leben ist so billig, man kann bei einigermaßen bescheidenen Ansprüchen mit einem Minimum desscil anskommen, was man in Europa gebraucht hätte . . . vorausgesetzt, daß man dieses Minimum verdient. Für Frauen ist es sehr viel leichter als für Männer, einen Arbeitsplatz zu finden, besonders, wenn Sprachkenntnisse und einigermaßen Praktische Fähigkeiten vorhanden sind. Stellungen als Gouvernanten. Hallsdamen, Gesellschafterinnen und Sprachlehrerinnen sind oft angebvten. und es sind längst nicht genügend Bewerberinnen da, vor allem fehlt es an wirklich tüchtigen. Englisch nnd Französisch ist hier der Schlüssel zu vielen Türen, selbst der vornehmsten Häuser; solche Stellungen werden hoch bezahlt lind sind auch, gesellschaftlich angenehm. Praktische Kenntnisse — z. B. wirklich tüchtige Hausangestellte in gehobenen Stellungen, man nennt sie hierzulande Hansgouveranten —, sind hier auch sehr gesucht, außerdem erzieherische Fähigkeiten, obwohl gerade zur Errichtung von -Kindergärten oder Privatschulen nicht geraten werden kann, weil hierzu, abgesehen.von der behördlichen Lizenz, die von der Ablegung eines portugiesischen Spracheramens abhängig gemacht wird, auch die Eristenzbedingungen ziemlich schwierig sind. Es wird im Verhältnis zu den Unkosten eines solchen Unternehmens zu wenig bezahlt; man müßte schon über eine sehr große Anzahl von Schülern verfügen, um einigermaßen gut bestehen zu können. Aber die Konkurrenz ist groß. Es ist also schon ratsamer/eine mehr oder weniger abhängige Stellung zu wählen, weil man dann neben dem Gehalt alles andere frei hat, lind das ist nicht gering zu veranschlagen. Auch Privatstllndcn in Sprachen werden verhältnismäßig gut bezahlt; aber Man muß bedenken, daß von diesem Einkommen auch Wieder der gesamte Lebensbedarf aufgebracht werden muß. Auch die Aussichten im kaufmännischen Beruf hängen von. den Sprachkenntnissen. vor allem von der Beherrschung der Landessprache ab; Gute, sprachkundige Fachkräfte werden sogar sehr gesucht und gut bezahlt. Für Männer ist die Berufswahl llngleich schwieriger, zumal ja Berufe in gebundenen Stellungen lwie Hauslehrer) Wohl selten in Betracht kommen und selbst dann nicht lehr gut honoriert werden. Es gibt wenig Aussichten, zumal, wenn die Mittel beschränkt sind. Mit Geld läßt sich sehr vieles ansangen, Ta kann man vielerlei kleine Geschäfte eröffnen, in allen möglichen Branchen sind noch Niederlassungen möglich, nur Mut und ein . wenig Glück gehört dazu. Lb das nun-Feinkost, Radio, Kaffeerösterei.' Schühputzstand oder Zigarrenverkauf ist, bei der anßervrdentlich starken Bautätigkeit, die-besonders in Sao Paulo dauernd zunimmk und neue Stadtviertel erschließt, können auch neue Geschäfte Berdienstmöglichkeiten finden. Natürlich muß ein gewisser Rückhalt an Kapital für die anfänglichen risikoschweren Zeiten vorhanden 'sein. Aber dann ist nicht abzuraten, im Gegenteil. Auch in technischen oder handwerklichen Berufen sind noch große Aussichten. Diese Verhältnisse treffen sowohl für Rio Bibliographie i/cher Werke 4. Fortsetzung Nochmals: III Geschichte der Juden in Deutschland 35. L. Horwitz: Die Israeliten unter dem Königreich Westfalen. Berlin, Calvary, 1900 ... . 36. R. Anchelz-Napoleon et les Juifs. S. unter II, 68 Dieses Werk ist für die Zeit Napoleons hier und auch für Hessen-Nassau mit heranzuzienc.r. 37. K. Maser: Die Juden der Frei- und Reichsstadt Dortmund und der Grafschaft Mark. 1912 Hessen-Nassau 38. Liebermarin: Aus der Geschichte der Juden in Hessen. Frankfurt a. M., 1909 39. Isidor Kracauer: Geschichte der Juden in Frankfurt a. M., Bd. 1, 2. Frankfurt a. M., Kauffmann, 1925 bis 1927 Das Lebenswerk eines Gelehrten 40. Geschichte der jüdischen Gemeinde in Kassel unter Berücksichtigung der Hessen-Kasseler Gesamtjudenheit, mit 50 Abbildungen. Herausgegeben von der Israelitischen Gemeinde Kassel. Bernd 1, 1931 Mit einem schönen Beitrag von Rudolf Hallo. Rheinprovinz 41. Adolf Kober und Frtni Dr. Moses: Aus der Geschichte der Juden im . Rheinland. Jüdische Kult- und Kunstdenkmäler. Rheinischer Verlag für Denkmalpflege und Heimatschutz. 19311 42: H. Jaulus: Geschichte der Aachener Juden. 1924 43. Schreiber: Die jüdische Gemeinde Bonn. 1879 44. Wedelt: Geschichte der Juden in Düsseldorf 45. Max Eschelbacher: Die Synagogengemeinde Düsseldorf 1904-—1929. Düsseldorf, 1929 46. Carl Brisch: Geschichte der Juden in Köln und Umgebung. Band 1: Mülheim Ruhr, 1879; Band 2: Köln, 1882 47. Adolf Altmann: Die Juden im . römischen Trier. Das früheste Vor- _kommen der Juden in Deutschland. Trier, Paulinus-Druckerei, 1932 48. Fritz Jorde: Zur Geschichte der Juden in Wuppertal. Wuppertal- Elberfeld, Bergland-Verlag, 1933 2. Bayern' a) Territorialgeschichte 49. Salomon Täussig: Geschichte der Juden in Bayern. München, 1874 50. A. Eckstein: Der Kampf der Juden um ihre Emanzipation in Bayern. Fürth, Rosehberg, 1905 51. Joseph Pr ys: Geschichte der F amilie von Hirsch auf Gereuth. München, 1931 Diese Geschichte einer bedeutenden jüdischen Familie ist eine wesentliche Ergänzung zu vorgenanntem Buch. 52. A. Eckstein: Haben die Juden in Bayern ein Heimatsrecht? Berlin, Philo-V erlag, 1928 * b) Provinzial- und Stadtgeschichte Ansbach 53. Haenle: Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstenthum Ansbach. Ansbach, 1867 Augsburg : 54. Fritz Leopold Steinthal: Geschichte der Augsburger Juden im Mitteilalter. Berlin, Ebering, 1911 . 55. Richard Grünfeld: Ein Gang durch die Geschichte der Juden in Augsburg. Augsburg, Himmer, 1917 Bamberg 56. A. Eckstein: Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg. Bamberg, Handelsdruckerei, 1898 99 de Janeiro als auch für Sao Paulo zu. wie es in den anderen Großstädten Brasilieirs in dieser Beziehung aussieht, entzieht sich n,einer Kenntnis. Es dürste allerdings nicht viel anders sinn, außerdem ist das Klima in. den mehr nördlich gelegenen Gegenden Brasiliens ungleich'schwerer zn ertragen und wohl für den Anfang ungeeigneter für Europäer der gemäßigten Zone. Das K-lima ist ohnedies individuell zu werten. Mancher erträgt den Wechiel außerordentlich gut, andere hingegen leiden unter der Hitze viel mehr..,als sie selber zugebru wollen. Es iit oft sehr heiß hier, in Rio noch " viel mehr als in Sao Paulo, weil in Sao Paulo die Nächte fast immer Abkühlung bringe». In Rio ist dagegen iit der heißen- Zeit die Temperatur oft selbst nachts unerträglich. Dagegen ist wiederum der Temperatnrunter- . schied zwischen Tag und Nacht, ja sogar zwischen Bornnd 'Nachmittag in Sao Paulo, besonders in den sogenannten Winterinonaten von Mai bis September oft so erheblich, daß nicht alle Konstitntionen. besonders die älterer - Personen, sie '-vertragend Tcmperatnrsttirze Und Wärnteichtvankungen zwischen G. und Grad siitd durchaus keine Seltenheit und' ntüffclt sehr vorsichtig durch entsprechende Kleidung ausgeglichen werden. An .Kleidung kann ntan Ijiov alles ge brauchen, was ntan auch iit Europa getragen l)rti, besonders in Sao Paulo, wo es zuweilen sehr kalt sein kann; In den Häusern ist keine -Heizung, und das macht die lallen, feuchten "Nächte oft sehr unangenehm.' Gesund ist der Aufenthalt hier natürlich, tveini man sich eine gerntaßen nach dem Klima richtet und in der allzu heißen Zeit an seinen Körper keine zn hohen Anforderungen stellt. Darin können die Einheitnisthen jedem Frentden ein Beispiel sein. Es ist dnrthans nicht Fanll)eit oder Be gnentlichkeit. tven» sie oft so langsam arbeiten, das Klima verlangt es einsacli, nnd man kommt als Europäer, ivenn man ancl, an fangs noth-fv aktiv lvar. ancl, all mal,! ich zn einer geivifsen Lässigleit, uiii dem Körper nicht allzuviel Kräfte zu entziehetl und ihn vor der Zeil altern zn lassen. Eins läßt siel, znsainme»sassen:P!ner lvill. kann siel, liier eine neue -Heinnit erriditen und ncl>-auch sehr wohl darin fühlen. 'Bergleicl,e soll man nie ziel,en. dann findet man stets, etioas 3lacl,leiliges. Alles...soll fiir sich allein l^eltniig finden, ,-dlis Schöne >vie das piacl, teilige. Freut man ficl, des einen, so findet man das andere tveniger nnerträglicl,. und ivird allmählich überall Gluck und Friede» finden ... Ein« Lcvy Joachim Prinz Illustrierte Iiidttche Getcyicyte Düs klein# Geschenk im Taschenformat! In dcr neuen jüdischen Sammlung „Gestern und Heute" erschienen bisher: Kerrl-Brieke. herausgegeben und eingeleitet von Manfred Georg. Keinen Joachim Prinz: Sec Freitagabend. Gebet und Sinn. deinen RM 1.70 Karl Emil Franzos Der Poja? Der klassische jüdische Roman Mit 2Z Bildtafeln - 8 Bildern im Text und 'etmk^Aarte ist und bleibt das Fest-Geschcnk des Juden Das 12. Tausend liegt vor. In Lcincnbanb RM 5.80 Zu b»riehen durch die jüdischen Buchhandlungen Der gtdtchkt Tisch; Ltiv'Buch über jüeischrö 'Esstn tiridTriitrrtr “ von Micha Michaloicitz. deinen AM I.sy Die schönsten Legenden au* dem Talmud von Manuel Schnitzer. Feinen AM 1.50 D.abbi1ach. Ein Kulturdokument in Anekdotnr, heg. 2. M. Schnitzer, deinen RM 1.50 Jedes der Bändchen ist nach Inhalt und Auästattung eine kleme Kostbarkeit. BRAfiDUSBCBE VERLAGSBUCHHANDLUNG BERLIN W50 486 .Seiten 23. Tausend ' In Lci,ic»t RM 4.- Dicser tiii.zewöbnlichc .Roman, voller^ Scl'öiideit uird iLpannuna, wurde in 20. Sprachen übersetzt und ist in' Huncerttausenten voir Eremplaren in aller ±-clt verbreitet j Hu begehen durch die jüdischen Buchhandlungen!