Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 48 (28.11.1935)
- Date
- 1935-11-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4$ * t Beiblatt 28. November 1935 Wassermann-Premiere in Hamburg Berliner jÜdiSCllß Winterhilfe Von unserem nach Hamburg entsandten Mitarbeiter Hamburg, den 27. November. , In dem großen Lebenswerk Jakob Wasser-. manns ßat das T r a m a nnr ganz, geringe Spuren' hinterlassen. Ich entsinne mich, vor . Jahren von ihm /einmal einen . amüsanten Einakter „Hoch e n j o s" gesehen zu haben, der mutig in das Gebiet der Charaktertüchtige Arbeit geleistet wird- H a n s B n r •* bau nt. der die Regio inne hatte, ist uns von seiner Inszenierung der Pcolnärscheit .Komödie „Spiel im Schloß" nt angenehmer Erinnerung geblieben; er zeigte, obgleich die Ra»mverhältnisse der kleinen Saalbnhne ihn an der vollen Entsaltung szettisrlier tind schaui Lukardis: Anneliese Töpfer*. - komödic vorstieß. Sonst aber hat das ticfgründige. breit ausladende, von einem weiten Phantasiebogen überglänzte Naturell den Dichter immer wieder, in Theorie und Praxis, zu der Kunst des Erzählens hingetrieben, und so verdankt auch sein Schauspiel „Lukardis". das bisher von nur wenigen Bühnen gespielt worden ist und das tvir setzt auf der Bühne des Hamburger Kulturbundes kennenlerntcn. einer Novelle seinen Ursprung. Es ist eine kleine, gedrungene Meiste'rnovellc aus dem zaristischen Nußland, in der zwei junge, durch ein geheimnisvolles Schicksal scheinbar aneinander gekettete Menschenscelen nicht den Mut , finden. aus dem dämmernden Unterbewußtstem. der'dunklen Verhaltenheit ihrer Gefühle in die Helligkeit des Tages emporzusteigen. . Ties seine novellistische Seelengeschinst hat Wassermann mnt in die handfeste Form des Dramas gebracht. Da das Drama indes von der psychologischen Analyse nicht leben kann, sondern Bewegung, Aktion. Gegensätze braucht, so hat er zu beit beiden Hauptsigtnen der Erzählung, der achtzehnjährigen Admiralstochter Lukardis und dem sünsundzwanzigjährigen. zu - den Revolutionären übcrgegangenen Leutnant Iewgcn Pawlowitsch Nadinskh. einige neue Figuren erfunden, vor allem die ebenso interessante wie farbige Gestalt des doppelzüngigen, zwischen Rebellionsgelüsten und Verräterci. zwischen brutaler Machtgier ttnd Unterwürfigkeit hin und her schwankendert Russen Krasnucha. von dem die Handlung ihren dramatischen Auftrieb und. vom zweiten Akt ab. auch den' heißen Bühnenatem bekommt. Bon hier aus spürt man, daß das Stück in der effektvollen Gruppierung der Vorgänge auch von Sardou, in der Neigung zu dichterischer Kolportage auch von Georg Kaiser sein konnte, wenn nicht der heimliche 'Romantiker Wassermann, wenn nicht der sinnierende, reflektierende, in sentenziöse Betrachtungen versponnene Tialogkünstler tu seiner gedämpften Geisteshaltung durch die erhitzte Atmosphäre des Theatralischen immer wieder Yindurchwirkte. Seine Iungmädchengestalt Lttkardis. die sich, dem Drängen ihrer früheren Erzieherin folgend, in einer Art mystischer Seelenbereitschast für den jungen Offizier opfert und mit ihm in einem verrufenen Freudenhause zwei Tage der Angst und des Schreckens verbringt, hat diesen romantischen Zug — und behält ihn bis zum Schluß, als sie den Geliebten freigibt mit dem „jubelnden" Entschlnß.«ihn „bis über das Ende der Welt zu lieben"" Einer solchen Romantik steht freilich die ■ Wirklichkeit in ungebrochener Schärfe gegenüber.- die Wirklichkeit als das dunstige iUiUteu spielerischer Möglichkeiten hinderten, auch im ernsten Stücke ehre' würdige Haltung und gab den einzelnen Szenen eilte tragische Grundmelodie, die noch in retardierenden Momenten zum Klingen kam. Als die stärkste schauspielerische Persönlichkeit erwies sich I u l i u s K o b l e r (früher am Detttschen Schauspielhaus in Hamburg tätig) in der Rolle des Krasnücha;'fevoa rauhe, brutale, sataitische Kratt.- die sich im Ueberschwang der Gefühle nicht genug tun konnte, schien über die Grenzen des Raumes oft hinauszuwachsen. Neben ihm. als das „Täubchen" Lukardis. die offenbar talentvolle A n n e l i e s c T v p s e r laus dev Schule von Ilka Grüning): sic verriet viel Anmut der Unschuld ttnd eine .Naivität! des Herzens, die aus Naturanlage herzustamtnen scheint. In der Mimik freilich und den Bewegungen, besonders der Hände, muß sie sich noch von einer gewissen Starrheit treimachen, ebenso auch auf die Ausbildttng der Sprache .noch größeres Gewicht legen. Ihr Partner, der Leutnant Nadinskh des Herrn Carl Heinz J a f f e. war der stolze, schöne, bald resignierte, bald leidenschaftlich ansprechende Heldenjüngling. dem ttur eine Neigung zum Dämpfen in der Sprache des Affekts anztiraten wäre. Nach längerer Zeit begegnete man N of e Lichte n st e i n wieder auf .der Bühne: in der schwierigen Rolle der. bürgerlich gereiften Revolutionärin verband sie tstige Energie mit der inneren Anteilnahme an dem menschlichen Schicksal ihrer Schutzbefohlenen. F ritz M e l ch i o r als Staatsrat Kussin tvar korrekt, zurückhaltend und — in der großen Szette mit Krasnucha — äußerst gewandt in der Dialogführung. In den Chargen der Olga Petrowna und des Aufwärters Igor ließen Lili B e r g a st und K u r t A p P e l scharfe Umrißtinieu erkennen. ' Das Publikum, das den Saal bis auf den letzten Platz füllte, nahm das Stück zuerst mit gespanntem Interesse,, dann mit wachsendem Beifall auf. der sich aut Schluß zu vielfachen Hervorrufen steigerte. . Dr. Hugo Larhmanski. Ein Stadtplan wird lebendig Welcher Berliner und Berl-inbesuctzer kennt - wohl nicht den S tadt plan der. Blet ropole?! Eigrnt-' l,ch sit dieser Plan.schonbeinahe eine Landkarte. Grafte Strome vvit. straften zielten darüber hin, , .dach auch kleine. .schüchNu'iz gennindenL Bäche vpn Gassen. ParktlMp'n erwecken die Vorstellung van Wäldern und Wiesen. Ans dieser Stadt-Landkarte kann man in Gedanken interessante Reisen machett und sehr lange unterwegs bleiben. Gin Berliner. Stadtplan hing an -der Wand des kleinen Büro,Zimmers. Alan hatte ihn kaum lvachtet, ivrnn man nicht zu ihm hingefiihrt worden wäre. So aber entdeckte man in dein bekannten Linicnshstem neue Zeichen: Mit eineiii Farbstift waren groftc Bezirke iimrisien worden. Ein Mensch, der sich plötzlich vor die Ansgabe gestellt sah. Berlin von einem neuen Blickpunkt ans zu überschauen. hatte' sich die Arbeit erleichtert, indem er' die Stadt zweckmaftig in Bezirke gliederte. . In Bezirke der Iüdiickieii Winterhilfe. Wir standen im .Hauptbüro der. Jüdischen Winterhilfe, das vor wenigen Wochen gleich sain über Rächt geschahen worden, ist. Wir hörten, daß jetzt schon .><»>(> ehrenamtliche und etivas über 50 besoldete .graste für die bedürstigen Juden Berlins tätig sind, lltzir erfuhren, daft die Zahl der ehrenamtlichen Helfer nicht ansreicht, sondern daft noch 200.bis 60» Sammler gebraucht werden lvnnten. ferner sehr viele Leute, die überall da mit angreifen. rvv körperliche Krall und technische Geschicklichkeit erforderlich sind. Wir 1)orten. das: die jüdische Jugend sich begeistert bei den 'Büchsensammlnngen eingesetzt und schöne Ergebnisse heimgebracht hat. Alan sührte tins durch die Räume, in denen sich die Zentralorganisativn sehr bescheiden, fast in drangvoll fürchterlicher Enge, niedergelassen' hat. Neberall wird mit neuen Karlothclen. neuen Aktendeckeln, neuen Registraturen gearbeitet. Bla», sieht- und spürt, wie alles mit neuem Schwung anläuft und weitcrläiill. Ans jede Frage bekam der Besucher, dessen Berns die Wißbegier isi. eine ganz anstührliche, eifrig bemühte Antwort. 'Nachdem er so gelernt hatte.-wie die Mittel snr die Winterhilfe durck» die pcrschiedenen Sann» lnngen aufgebracht werden, lernte er auch, 'wie die Sackpverte dann kn die Hände der Hitisbednri-- tigen gelangen. Jeder Schützling bekvmnll regelmäftig Lebensmittel in zlatnralien. in chnueiniags- und Berbilligiingsscheinen. anfterdrm Kohlen.. Kartoffeln und Brot werden gesondert zngeteilt. Vileidnng ist noch nicht vergeben worden. Man will ßjft den Bedarf, der sehr. hoch eingeschätzt wird, crinittclih und hofft, ihn dann znm allergröftten Teil befriedigen zu könne». . Wir hörten auch, von der „Seelnchen Winterhilfe". die Kindernachmittage und Bunte Abende veranstaltet. Kinobilletts und Freikarten für '^!eranstaltnugeli des Kulturbunds, sotoie Einladungen;n den „Lichten Stnnbt'n" der Refornigenicinbc Lebensmittellager der Winterhilfe ansgibi. i le See1isel>e Löinterhilfe hat den degreisliel^eii 'lvnnsch. BüchersZienden von den iiidisck,en BueI>I,andl»»geii .;>> erhalten: dem« grillige, lind h’i’litdK Entbehrung ist für viele ebinso hiialvoll u>io inaleiielle A'ol,. Aaehdrin >oir so vieles - viel »,el>r. als hier l’rvicljtrt - geliörl lialien. durften >nir erleben, das; der Berliner Sladtplini mit seinen neiiev. Markier>iiig>linieii für uns lebendllz lonrd»'. Wir tultreii dnreh Berlin, »in mit eigenen Angen zu seheii. ii'ie die ,'aidisihe .Wiulerliilfe ihr kostbares Spendeiigiitlagert, eiiNeill und seliliesrlich verteil!. Erste Station: Tircksenslrasie. Eaiiptlager für. Leben?,nittet. Sacke über Säcke mit Reis ni,d Mehl imd Grieft. mit lüraiipe» iind -Zbülsentrüchtendrtzngen si,l> zusammen.!>»> Zentner Kakao stehen in -llillen vcrpiickl' ans der Erde. Tie LeG'ns - mittel find teils in gefpt'ndet, teils von Spmidengeldern „iigefrl^fft moiM'ii. „Sie hätten gestern kommen tollen", jagt der Lagerlvrivaltei, .gestern liaben die Damen von der Psimdihii'iide -bi Zentner Ware ausgeptnndet und tren verpackt. Und so flink ging, bo*! Tie Ta men - arbeiten alle ehienamtliel,. 'A-ir halvit Itzer atn Lager mir e i n e bezahlte Kraft". Zweite Station: L rainenlnirger Strafte. Hier ist gerade Lebensiniktelansgabe, Unter den, leeren Kleiderhatnr einer grollen Grrdervlv ist ein dirljtes 'Gebüsch von prall gesiillteii. ivejften lind taibigen Title» eingebaut worden, ilelx'rrasckp'nd schnell' versrliioindel eine Tille .nack) der anderen -der Szem'u. - die üiirHaltse der Ktlppldrin spielett, und die besonders iin Aufaug die an und für üch stagiiiereude Seeleubaudlung >uit einer allzu breiten Zitstaudsschilderung untermalen. Tie Aufsützruncz des Hamburger Kulturbundes stand ans a ch t n nggevietende r H ö h e. Blatt darr »itumwtiudeit. fcftellcn. daß auch außerhalb der Berliner Zentrale „Komödie der Irrungen“ im Jüdischen Kulturbund RhehvRuhr Zwischen bunten, erfrischend gemalten Kulissen spielen sich die übermütigeii Szenen herunter wie von selbst. Das heiftt: so sieht es aus. Man weiß dahinter dieordnende Hand, doch man spürt sie nicht. Und damit iväre dein Spielleitrr das Wesentliche gelniigc.i. Tariiber hinaus >vird das ^-Pribllkum «-rgritn-n -von , der ggiinswllig-- den weiteren Lcrlans des Lpieljahrs eine nur er sreuliche Entwicklung zu cnvarten ist. '.tsebeii den bekannten Krästeih denen man die Spiclsreudc anhört und -sieht, seien als 'Neuerscheinungen Marielnise Weillcr und Ruth F c-st e r s e u genannt, die shrc Aivgaden lLnziana. Julia > lehr gut bemältigte». Friedl M ü n z e r als Emmelina schuf eine Gestalt, der der Lllitz ans jedem Wort und allen Gesten fpra.rg. Zlire beiden Partner. Alfons Fink und Alfred Balt-- h o i f-, 'blieben ' weder ihr, noch dem Ziiichaner vnmn in dieser - Hinsicht etwas schuldig, Sic waren von einer weisen, geradezu heilenden Komik. Heinz Friede b e r g und Klaus B r i l I. die beiden Antipholus'. z„m Berwcchseln tckstu, und znm Berwechseln vornehm, können -für Frau Adrsanä (Herta Reift, gefährlicher nicht gedacht ivcrden. Willibald F r ä n l c l - F tonn «Gold llhmied Auge ln i und Hugo. Schuster (Kant inanni boten ausgezeichnete Studien. Das Bühnenbild schuf Egon Al a r k 11 •*. die sehr harmonischen und lustigen Kostüme waren das Werk. Mallä Hamburger?. Tie Leitung . der Ausführung lag.in den Händen von Norbert Schiller, der sich damit im Kulturbund Rhein-Ruhr einen besonderen Platz geschaffen haben dürfte. Die Aufführung fand zunächst in Köln statt, später in anderen Anschlußstädten des Kulturbundes Rhein-Ruhr. I„ S Ferdinand Hillcrs „Zerstörung Jerusalems“ Le» K o p f hat nir seine diesjährige groß> H ratorieiiaiiüiihrniig -- Hut ieiner I ü d i t ch e > Chor-- und L r el, e st e r v e r e i n i g i, n g - dieses Werk gewählt, das -bisher' in Berlin nvck nicht erkliingen ist. Tamil elirt er Hilters An Der Jüdische Kulturbund Berlin suckg be stimmte, im Handel nicht mehr erhältliche j u . dische Schall platten und bittet die Be' sitzer von Saminlnngen jüdischer Platten, tid) unter Einreichuug eines Berzeichnisfes bei il,i» z,l herrschenden Alnstkalität dieses Shakespearicheii Lustspiels, die in vollendeter Form ans die Bühne übertrage» ill. Bvm.-ecllen Wort an-herrscht-- Heiterkeit. Freude. Bctreinng. Tie Säiauipleler werden getragen von der Ziillnnmui'.gxdes -Bubli lums und >ind io gelockert und irei wie selten. Ter Eindruck ruie--- gut geiugteu o-.ueMble---.!iai sich durch diese Äu'iiihritug so vcrdichtcl. daß sar. Atelierbesichtigung Svunlag. den 8. D'-zem K'r. bis-Mittivvch, den l I. Dezentber..vormittags .!! bis IIl>r bei G r e t e L o e b e n it e i i: . lGcuitnoo.id. Herta'trafte -nahe Sportolab '. Fahrverbindiing: llutobus >1. Straßenbahn' 7«:. Aiitvbiis unftl,is Bismurckplatz,. Tie Alaieriu zeig! Landichoüsbilder und Bvr'trät? soiiu» l>c inertensn'crtc-.Arbeiten.ans ihren, Niiterrick,! oou .Kuidcrn. - - - « Leo Kopf " "• - -deuten an ': uu in Tt desjahr mit der Wieder gäbe ''eine-' d.-o,-u!>-ud'N-u Werkes. Rach der An, ii'iliruug de- . V uiii'vmm-:-. iiiv denen Wahl wir Kvw T-rii!-vu'n in crleiuien wir zw.ir. daft Hillcr., Tt!»il»'r,s lir-ch'te'r Forderung, nicht „selber aoucr'l tvar. heut Bog nabe lcz. cuzs Goniclauch.^ou-