Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 47 (22.11.1935)
- Date
- 1935-11-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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tmd) „erfolgter Ausbildung -selbst in Arbeit und Brot zu fommen., Weiterhin ist die niedrige Quote der miternährten Angehörigen bei den Angestellten damit zu erklären, das; naturgemäß das Durchschnittsalter. des Angestellten weit niedriger ist als beim Selbständigen. der ja im Laufe der Jahre erst allmählich vom Angestellten sich zum selbständigen Unternehnier entwickelt.. Dadurch ist die -Zahl der Ledigen unter den -Angestellten. das heißt der Alleinstehenden, -natürlich viel größer als unter den Selbständigenwodurch den- Durchschnitt der Angehörigen bei der jüdischen- Angestelltenzahl .überhaupt erheblich .nach unten . gedrückt „ wird. Dennoch spielt e-S ohne Ziveifel in diesem' Fragcnkrers eine No-lle, das; die' Sohne und -Töchter der ' selbständigen .stausleute,- der Aerzte- Anwälte und in .leitenden Positionen' Befindlichen länger im Elternhaus blieben^bzw^--durch die wirtschaftlich größere .straft der Ettern erst. nach intensiverer Ausbildung an einen Broterwerb Zu denken brauchten. Ter Unterschied in der Quote der Familienangehörigen bei der jüdischen Arbeiterschaft und den Angestellten, der nicht allzu erheblich ist, dürste im wesentlichen darin begründet liegen, das; die Zahl der Verheirateten bei der ersteren Gruppe höher liegt. Eine grundlegende andere Ursache, hat jedoch-die weit höhere Zahl der miternährten Familienangehörigen bei den Beamten, bei denen sie doppelt so hoch liegt wie bei der jüdischen Arbeiterschaft. Diese Erscheinung ift nicht überraschend, da die wirtschaftliche Sicherheit des Beamtenverhältnisses in besonderer Weise die Boraussetzungen für die Gründung einer Familie und auch für eine höhere stinderzahl und schließlich auch für eine längere Ausbildung der stinder geschaffen hat. Der große Unterschied in der. Zahl der miternährten Familienköpse bei den in der Art der Tätigkeit doch eng; verwandten beiden stätegvrien' der Beamten einerseits, und der Angestellten andererseits bestätigt erneut, wie weitgehend die Voraussetzung einer sicheren, wenü auch in ihren Grenzen festgesetzten Verdienstqucile und die feste wirtschaftliche Einschaltung in den Arbeitskörper einer Gemeinschaft die Familiengründnng und den Umfang des Aachwuchses entscheidend beeinflußt. — Die jüdische Soziographie verdankt der Berufszählung des Jahres 1933. völlig neu-. artiges Material auf einem Gebiete, das bisher im Dunklen lag: nämlich über den Umfang der Arbeitslosigkeit unter den I u d e n in Deutschland. Wenn auch diese Zahlen vom lK. Juni 1933 heute besonders, überholt sind, wo die allgemeine Arbeitslosigkeit in Deutschland um mehrere Millionen abgenominen hat und in-den Voraussetzungen der jüdischen Berufsbetätignng sich so einschneidende Acnderungen vollzogen haben, so ist es trotzdem sehr belangreich, daß festgestellt' worden ist, wie stark die . Juden in einem Zeitpunkt durch Arbeitslosigkeit betroffen waren,-der A'A Monate nach Beginn des ttnnvälzüngsprozesses liegtden die jüdische Frage iiv Deutschland seit Ende Januar 1933 durchmacht. Die amtliche Statistik des Deutschen Reiches stellt fest, daß von den 3-10 300 jüdischen Erwerbspersonen rund 306 830 in Arbeit Iva reu und etwa- 3 3 6 5 0 e r w e r b s - l o s. Das bedeutet, daß 14 Prozent aller jüdischen Erwerbspersvnen Mitte. 1933 Erwerbslose waren. Vergleicht man -diesen - Anteil mit der gleichzeitig sestgestellten Erwerbslosigkeit innerhalb, der (vesamtbevö!- fermtg, io. ergibt sich, daß bei dieser 30,4.4 Äiillivnen Arbeitende 5,855 Millionen Erwerbslosen gehenüberstanden', das sind über I 8 Prozent aller .Erwerbspersonen innerhalb der Gesamtbevolkerung. Nach diesem Vergleich. erscheint die Erwerbslosigkeit unter -den Juden in diesem Zeitpunkt niedriger.. Diese Schlußfolgerung-.ift-jedoch mit Rücksicht' aus diebesondere Wirtschaftsstruktur bei den Inden deshalb unzutreffend,, weil, man die Zahl dex Erwerbslosen.nicht zur Gesamtzahl' der Erwerbspersonen ins Verhältnisfetzen., darf, sondern nur zu derjenigen. Gruppe, Die' imabhängigen Arbeitsverhältnis, steht. -Das sind - jedoch im '.-wesentlichen, -nur die Angestellten, Arbeiter und Hausangestelltenin' gewifsein Unisange auch die Beamten und die mithelsenden Familienangehörigen, nicht jedoch die Selbständigen; bei den letzteren, trifft der Tatbestand abhängiger Arbeit nur bei den ihnen gleichgestellten „Angestellten in leitender Stellung" zu, deren Bruchteil jedoch relativ gering ist. ... Läßt man die. Selbständigen nu§ der Zahl der Erwerbspersonen heraus, die den Ar-. beitslosen gegenübergestellt wird, so ist die Fehlerquelle in jedem Fall erheblich gemindert, wenn.auch nicht völlig beseitigt, weil ja auch innerhalb der Beamtenschaft nur .ein Bruchteil mangels der Voraussetzung einer lebenslänglichen Anstellung arbeitslos werden kann und ebenso bei den mithelsenden Familienangehörigen die Bindungen zum Familieuernährcr weit stärker^sind,. als dies, in einem unpersönlicheren Arbeitsverhältnis der Fall ist. _ Setzt man die Selbständigen von der Zähl der Erwerbspersonen ab und die dann verbleibende Zahl zur Ziffer der Erwerbslosen ins Verhältnis, so ergibt sich bei den Juden eine Quote von 24 Prozent und bei der Gesamtbevölkerung von 2'2. Prozent. Setzt man jedoch von dek^ Zahl der .Erwerbspersonen außer der Zahl der Selbständigen noch die der mithelscndenn Familienangehörigen und der Beamten") ab, so ergibt sich für Mitte 1933 als Quote der Arbeitslosigkeit innerhalb dieses erheblich verengten streises bei den Juden 32 Prozent, bei der Gesamtbevölkerung 29 Prozent. Bei der etwas höheren Quote jüdischer Arbeislosigkeit, die sich nach diesen Berechnungen ergibt, dürften in einem gewissen Umfange die Maßnahmen zahlenmäßig zum Ausdruck kommen, die in den ersten Monaten der Umwälzung ergriffen worden sind. Vorläufig ist weiteres Material über Einzelheiten dieses, ganzen Fragenkomplexes noch nicht veröffentlicht. Einzelheiten, die sich auf die Berufsbetätigung in den verschiedenen Wirtschaftszweigen beziehen. Auf diese Zusammenhänge wird gegebenenfalls hier noch eingegangen werden. Das Licht, das die Berufszählungdes Jahres 1933 auf die damalige Stellung Der- Juden in der Wirtschaft wirst, bestätigt die Erkenntnis, daß diese Wirtschafte - *) Innerhalb der Gesamtbevölkerung ist die Zahl der Angestellten und Beamten zusammen ausgewiesen. Für die hier angestellte Berechnung ist die Zahl der Beamten innerhalb der. Gesamtbevölkerung mit rund 1,5 Millionen geschätzt worden. ftruktur eine, ungesunde war. . Wenn auch dasXZahlenbild von Mitte 1933 heute weit überholt ift, so ist cs dennoch der Ausgangspunkt für die Losung der' wichtigsten Frage, die sich aus ökonomischem Gebiete ergibt: der Fr ä ge der- 11 ms chich - t u n g d et' in D eü t s ch l an d verbte i b e n d'e n ' In den. . Tie. j ü dis ch e I u g e n d , die in Deutschland verbleibt, muß im Rahmen .. der gegebenen Ausbildungs- Möglichkeiten solchen Berufsbetätigungen zugeführt werden,- die-jährzchntelang vernachlässigt worden „sind, , diejenigen Jugendlichem die die Möglichkeit'- haben .auszuwandern, -müssen geistig- und . tatsächlich a b sie i t s ' vor: der st.a tego r ie des Handels un d >>e r freien Berufe ihre beruflichen Zielpunkte suchen,'.damit 'sie nicht.- - in. dem Lände, in dem sie eine neue Heimat.sin- - den wollen, '.eines Tages Widersländen begegnen, die sich vermeiden lassen, wenn man die Sprache der Zahlen versteht. vr. E. R—z. Wieviel Mischehen gibt es? Tr. H. Eöllner. Referent in der Abteilung für Erb- und Rassenpflege des Neichsgesundheitsamtes, veröffentlicht eine Untersuchung über die Zahl der gegenwärtig bestehenden Mischehen. Er weist' daraus Hill, daß es sich bei den zahlenmüßigen Unterlagen nur um Nachweise nach rein konfessionellen Gesichtspunkten handeln könne, lntb daß, da das nötige statistische Material fehle, alle dicselligen Mischehen unberücksichtigt bleiben müssten, die von getauften Juden, von konfessionslosen. Inden und von halbjüdischen Ehepartnern cingegangen worden seien. S. Wellisch habe in der „Zeitschrift für Nassenknnde" für Deutschland zwei Millionen Ällenichen mit jüdischem Blutsanteil, das sei das Vierfache der .llonfessiönsjuden, errechnet. (Diese Ziffer liegt noch um 25 Prozent höher als die. bekannte Schätzung von Ministerialrat Conti.) Bei Zugrundelegung dieser Zahl wäre mit '200 000 bis 300 000 solcher Mischehen zu rechnen, bei denen ein Ehepartner irgendwie jüdisch versippt sei. Tie Zahl der Mischehen im üblichen Sinne'dagegen — mit einem vollindischen Ehe-5. Partner —-dürfte mit 100 000 anzusetzen sein. Die. Betrachtung der durch die Religionsstatistik nachgeioiesenen Ehen ergebe, daß im Reichsgebiet von 1901 bis 1933 insgesamt 42 452 Mischehen geschlossen worden seien. Ihnen gegenüber ständen rund 118 000 rein jüdische Eheschließungen. Der Anteil der Mischehen auf das Tausend der Gesamteheschließungen sei ständig angestiegen. auch in. der Nachkriegszeit. Besonders hohe Zahlen ergäben sich in den Großstädten, wo die meisten Juden wohnten. Während im Reich auf 100 rein jüdische Ehen 1901 rund 17 Mischehen gekommen seien, seien es in Berlin im gleichen. Jahre 33. gewesen... Demgegenüber habe bisher die stetige Abnahme der rein jüdischen Ehen gestanden. _ - Im „Handbuch der Reichs- und Staatsbehörden, Körperschaften und Organisationen"- das, von Cuno Horkenbach herausgegeben, soeben im Presse- und Wirtschastsverlag G.' m. b. H. Berlin erschienen ist, findet man im Artikel „Zentralen der Religions-Gesellschaften" auch einen Abschnitt „Jüdische Religionsgemeinschaft". Darin sind genannt die Reichsvertretung der deutschen Juden, der die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Reichsausschüß der jüdischen Jugendverbände angeschlofsen sind, ferner der Bund gesetzcstreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands mit dem Sitz in Halberstadt und der Deutsch-Israelitische Gemeindebund mit dem Sitz in Berlin. E. G. L. Zwei bayerischen Rabbinern zum Gedächtnis ^Heinrich G roß und Joseph P e ries, stamm»' len beite ans Ungarn: Groß erblickte am 6. November 1835 in S leniez, .Perles am 26. November 1835 zu Basa das Licht der Welt. Beide waren Sv roß uralter frommer mrrnilicn und genossen von früher Kindheit an ernsteste Unterwestungin den altüberlieferten Disziplinen jüdischer Gelehrsamkeit. Groß hatte als.Student schon zwei Arbeiten -erscheinen lassen,- die beide, preisgekrönt, wurden; die eine, befaßte sich mit den Begr-isscn der Halacha crnd- Hagada,- die andere nut ' dom - der. 'Materie bei Leibniz. Zwei Jahre hindurch war.Heinrich Groß - .daraufhin . in -Paris-Iätig als.-. Privätlehrer rn Dieinten des .Barons lAmiboiirgr an den -g-roßen-- Biblrothckcn war ' ihm dort -einreiches .ArbeiIsseld.beschredcu. - Er selmf damals--den> Kern . Zeines.L'ebeusiverlS, der cpocheinac>;enden „Gatlia Jndaica", die entsprechend der kürzlich, "hier. . besprochenen ..Germania Judaiea" für Deutschland, aber schon Jahrzehnte vorher - — einen Grundriß der mitrelalterliclien Jndengeschichte Frankreichs bietet, Sie kam 1^97 in Paris heransi 1809 traf Groß in Berlin mit dem Altmeiste.r der Wissenschaft des Judentums.- Zunz,.. zitsamrncr!- Nach 'sechsjähriger Amtszeit -in Groß- Str'ehlitz leistete Groß einem Ruf nach Augsburg Folge; dort wirkte er bis zu seinem. Tod 1910. Eine beachtliche Reihe wissenschaftlicher Arbeiten über die Geschichte des Judentums im deutschen und im romanischen Kulturkrois, eine nicht geringe Zahl biographischer Studien en'tstq.mmt jener Schaffcnsepoche. Daneben gehörte Rabbiner Groß zu den angesehensten Rednern im Kreis der 'Augsburger Historischen Gesellschaft und anderer überkonfessioneller Zirkel, vor denen er eine Fülle geschichtlicher Themen erörterte. Sein Religionslehrbüch der Oberstufe hat ln weiten Kreisen gute Dienste getan. Tie Bedeutung von Joseph Perles. der sein. Leben am 4.- März 1894 als Atünchener Rabbiner beschloß, in der Welt'jüdischer Wissenschaft ist keineswegs, geringer. Als er sein Studiumam Breslauer' Seminar aufnahm — er schloß es übrigens als erster, gleichzeitig mit dem ihm kongenialen Moritz Güdenmnn ab —, erblickte dessen Gründer und Leiter Frankel mit Recht ein - gutes Omen darin, daß der gleichermaßen fromme tute gelehrte Rabbiner Baruch Ascher Perles in die junge Lehranstalt solches Vertrauen setzte, daß er ihr seinen Sohn anvcrtraute. Auch Perles hat mit einer preisgekrönten Studie — sie befaßte sich mit dem Pentateuchkommentar des R. Moses b. Nachman u«Lsein Verhältnis zu dem Raschis — früh wohlbegründetes Aussehen erregt. Tie Hoffnungen, die man damals in. den jungen 'Forscher zu setzen begann, erwiesen sich als voll berechtigt: alle Arbeiten von der bald folgenden Breslauer Dissertation . „McleteMata Peschttthoniana" über seine sprach- und ^eschichtsk-undigen Studien bis zu seinen letzten Ver- ' vffcntlichnngen.' haben die Vorzüge, die ihnen nach Jahrzehnten David Kaufsmann nachgerühmt hat: „erschöpfende Sachkenntnis, eine auch das Entlegenste heranziehende ’ Belesenheit, Sauberkeit und Vornehmheit der Darstellung im Verein mit kritischer Besonnenheit und Zurückhaltung." Freilich, die Gegenstände seiner Veröffentlichungen konnten nicht das Interesse der breiten Oeffentlichkeit finden, und so mußte er — etwa bei seinen Schriften über „Die Leichenseierlichkeit im nachbiblischen Judentum" (auch ins Englische übersetzt), „Die jüdische Hochzeit in nachbiblischer Zeit", „Rabbi Salomon ben Abraham ben Adereth", „Beiträge zur rabbinischen Sagen- und Sprachkunde", „Das Gebet im Judentum", „Die Poesie im Judentum im Mittelalter" oder die zur. orientalischen Sprachgeschichte — jtdEj mit dem Beifall der Fachgenossen begnügen: dieser allerdings wurde ihm schon bei Lebzeiten in reichem lMaf;. zuteil. Auch Perles, in dessen Amtszeit ein großartiger Aufschwung der Münchener Gemeinde. und die ^Einweihung ihres neuen Gotteshauses siel, hat'als ausrüttelnder Prediger segensreich gewirkt. Haus Lamm (München). 4 SS DAS GUTE HANDWERK A II 1 züge H Ernst Fischer Kahrsiuhlfabrih W 30. Kulinb«»-Iier Strasse 6 64 Bav. 7851,52, ftichlrul . G 3 Lichter«. 7758 Be.paiauwen Art. 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