Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 47 (22.11.1935)
- Date
- 1935-11-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DAS N E DE B'ÜG H!~ Vom Theater Ewiges Theater. Salzburg und seine Festspiele. Herausgegeben von Erwin Kerber. Mit 171 Abbildungen. R* Piper & Co. Verlag, München 1935. Auch wer pon Salzburg nur das einzigartige -- Stadtbild' unb Nicht die, bereits traditionell gc> ipordencu - sommerlichen - Festlprele kennt,, wird ' .sich von den 'Leiten, dieses tert» und bilderreichen Buches wie non einem Hauch unvergänglicher Schönheit ai,geweht fsthlen. Alexander v. Humboldt. der vieler Herren Länder sah. hat Salzburg, neben Konstantinopel und Neapel, die schönste Stadt der Welt genannt; für Hugo p. Hofmanns- 1ha l. ihren tätigsten Freund und künstlerischen .Nährvater, bedeutete sie das Herz vom Herzen l^uro^s; in der Kunst ihres. größten Sohnes, Wolsgang Amadeus Mozart, ist ihre aus einer ur- , alten Kultur sich ständig erneuernde geistige Aunosphäre. die Lieblichkeit. Gelöstheit und vollendete .Harmonie ihres landschaftlichen Bildes, der belle, träumende Glanz ihrer Gärten, Bauten und Plätze wrtwirkend lebendig geblieben. ' Salzburg ist nicht ohne Mozart. Mozart nicht ohne Salzburg zu denken — es ist die vollkommenste Ilobereinstimmung des heimlich bildenden »enius loei mit der Wesenheit eines Künstlers. Dieie unlösliche Synthese klingt leitmotivisch in den einzelnen Aufsätzen des vorliegenden Buches immer wieder an. am eindringlichsten in der meislerhatten. ästhetisch fein abgewogenen 2 tuMe Bernhard Baumgartners, de-? Direktors des Mozarteums, dessen werbende.Kraft den an Mozart und dem Geist der Landschaft gen.chrten Salzburger Festspielen baS Interesse der internationalen Kulturwelt erschlossen hat. Mer auch das allgemeine Geschichtsbild, wie es Ernst Martin in engstem Zusammenhang mit der tünstlerischen und kulturellen Entwicklung der erst im Jahre 160-3 säkularisierten Erzbi'chosSstadt formt, diese mächtige Aufstieg vom karolingischen ..Salzpurch" zur Blüte des von seinen geistlichen Fürsten üppig entfalteten Barock, bestätigt Hugo , v. Hof mann st hals Wort, daß in dieser Stadt Diozart geboren werden - mußte. Wie sich sein Genius in die unverblaßte Tradition der alten Lheaterstadt Salzburg mit ihren Volks- und Ritterspielen, ihren pomphaften Umzügen, kirchlich-religiösen Achsterien, bunten Ataskeräden. opernhaften Allegorien mühelos einfügt, erweisen die theatergeschichtlich äußerst interessanten Betrachtungen Joseph Gregors, der in der Erscheinung Mozarts die Krönung der sinnenfrohen, schließlich ganz der Musik zugewandten Barockbühne sieht und pon ihr die Weltbedeutung des Salzburger Theaters herleitet, eine Bedeutung, die dann in der Festspielidee ihren modernen.'weithin sichtbaren Ausdruck gefunden hat. Ganz dem Festfpielgedänken und seiner soziologischen wie künstlerischen Auswirkung sind die Aufsätze von Erwin Kerber, Hugo v. Hofkm an» st ha 1 (aus feinem Nachlaß). .Bruno, W a l t e r und Mar R e i n h a r d i gewidmet. -Sie alle haben als Protagonisten der wahrhast .festlichen -Spiele, die von Reinhardtsviel- . bewunderter Inszenierung* des durch Hosmannsthal zu erschütternder McnschluZikeit ' empörgesührtcu allen Nkvsterlensplcls ,Iederinaini' ihren Ausgangspunkt nahmen, den Ruhm „des ehemaligen geistlichen Hvchi'liikes wert über ieme. , bayerisch-öster rei ch i i Me Grenzp-iarkuirg . hinausgetragen.- Wa-z.-sieim. Rahmen der unvergleichlichen Stadt, -- gemeinsam, mit anderen getreuen --. »äütern der Kunst, an Dramatischen und musikalischen Bühnenwerten nachschonend gestaltet haben, lebt in zahlreichen Bildern dieses Buches fort, die den szenischen Ablauf einer Reihe von Aufführungen in seltener Klarheit und Eindrucksstärke wiedcrgeben. 8. I,. dpseph <»regor: „Shahespeare. Der Aufbau eines Zeitalters/* Phaidon- Verlag Dr. Horovitz, Wien. 680 S., 136 Kupfertiefdruckbilder, 4,80 RM. ES ist wohl kein Zufall, daß gerade dieses neue Shakespeare-Buch einen Wiener zimi/Berfass er hat. Grillparzer hat einmal über Shakespeare geschrieben. daß er ..in erster Linie Theatermann war. und nur. weil er ein Genie, war. -hinter seinem, eigenen Rücken der größte' .. Dichter geworden'; Professor Dr. Joseph Gregor, der Vorstand der Theatcrsammlüng an der Wiener Nationalbiblivthek. setzt diese theaterfreudige österreichische Tradition fort und gründet seine monographische Darstellung, geradezu auf Shakespeare. den Theatermann. Diese Betrachtungsweise ist überaus fruchtbar. Hat Frank Harris 'sich um die Erhellung der persönlichen LebenSumstände bemüht. Friedrich Gundolf um die Deutung der überpersöulichcn Schöpferkraft, die in Shakespeare waltete, und Gustav Landauer mn das fhakefpearische Ethos, so ist Gregor im Gegensatz zu diesen drei Vertretern der neueren Shakespeare-Literatur kollektiv eingestellt: er geht den Ursprüngen nach, die das Werden der kulturellen Persönlichkeit Shakespeares bedingten. Wie sein Landsmann Joses Radler in seiner ..Litcraturgcschichte der. deutschen Stämme und Landschaften' auch die ..unterirdische' Literatur als die eigentlich volkstüm lcche heranzieht, die erst Voraussetzung der entscheidenden Manifestationen ist. so trägt Joseph Gregor eine Unmenge außerlilerarischen Materials heran, um das Phänomen Shakespeare -zu erklären: z. B. zeigt er. wie tief in Shakespeare Eindrücke von mittelalterlichen Spieltexten. Moralitäten und Mysterien.' nachwirkten. Er 'ührt den geistesgeschichtlichen Nachweis, daß .Shakespeares Werk die wesentliche Zusammenfassung des elifabethanifchen Zeitalters sei. und tut einleuchtend dar. warum in diesem Lande und zu dieser Zeit gerade eine theatralische Leistung solche Funktion übernehmen konnte. Dagegen scheint uns Gregors Erwartung, daß neue europäische Staatssormen zu einer Ber tiefung des Shakespeare-Erlebnisses führen wür-- den. etwas voreilig zu fein. Während er sich von den Thlugplätzen die Ausführbarkeit der Schlacht von Äzincourt in -..König Heinrich v." lund durch Lautsprecher eine. Bewältigung der Wortkunst auf den .riesigen Spielflächen) verspricht. muß er : aus Rußland von Dairvws — ^leghptischen Nächten' berichten, in denen eine Kleopatra ans Stoüresten Shakespeares. Shaw und Puschkins z,üammengcslick(/ >oird. -Bon -.Shakespeares ..Ehmbelln' dagegen sagt er nnr - Recht-.-daß-wir solange-kein Theater bentzen. als dies Schauspiel fu-r-cm'schwaches.- unausführbares,-. Werl gilt, -und daß es am Deutschen Theater zu Berlrn lunker der Regte Ludwig Bergers» gespielt ivurde:- eure Ertpruziliig von Mar Reinhardts Shaketpeare -Znkl»s.. -ber -den Shakespeare der- - :>i-omantlker erstmalig und adschliepeiid der"Buhne' -gewann: -Es ist reizvoll zu sehen, wie dem Sester- . reicher Gregor :das Theater Ealdervns und" der eommc-äin ä-sll' rn-to mehr, geben-als einem Nord dentsct-en. Er macht aber Shakespeare auf Grund >efner theatralischen Elemente zum Maßstab, des Theatralischen: wenn er etwa die Kraft des Theaters am ..Hamlet' nachwelit — kein Zn- . fchirucr werbe des Widerspruchs gewahr, daß Hamlet von jenem Lände spricht, aus dem kein Wanderer wiederkehre, und daß diesem selben Hamlet der Geist, seines Vaters erschienen »t. Aus Oskar Fischel. dem J'naugurator der Thealergeschichte von der bildkünstlcrischen Leite her. baut Gregor aut. Höchst wichtig -ist der - Nachweis, daß für Shakespeare, den Renaissanee und Augenmeuschen. die architektonischen Gegeben- Herten des englischen Theaters, die Maskenspiele und' höfischen Aufzüge.'Allegorien und Triumphe, nachhaltige Anregungen gewesen sind und das; zwischen dem eigentlichen Luevre Shakespeares . und seinem Nachklang im ..Ehmbelin'. im ..tzllrn termärchcn', im ..Sturm', aber auch in. Stücken, wie dem ..Perikles' und ..Heinrich Ill.'^a» deren Abfassung der Dickster nur milgearbeitet hat. das Aufkommen der Barock-Bühne liegt, tu deren Form sich zu versuchen den Bühnenmann es noäs einmal gereizt hat. I» ioicue Znianiinenliängelencl>tet Gregor -.l-rundliäi und-grnsiril'tig hiuein.' oline darauf zu ve.r-zictueii. die -iiienichlicne und geillige Person- -- Mrtifeir S lialeipeares -tu den Kreis seiner Belraäännaen einziil-ezieben.-: -.'Ins der lleberst.eigot, i iig - der M it tel.'-i c i ii e Eo rg,Niger gela-Ugt Shake- U'ea re -:zuderen - Ver'eineriing. aus der. urspruiignäiei-iflaäiälnuung devpvelnäieu - Spraäie feiner. Zcilgeiie'icä -nhant - er- «eine nnversoechkeibare lnriUn-uiiuskalnäie' - -Drameu-spraäie, die Ilsentra-. inäu'u- Slilnntlel-.'-fallen “-intt den dichlerisch-dra.> malisäien Akzeliteiizuunnmen. und endlich muß -- -er--, doch - erkenntn. - daß eun' letzte Kongruenz - tzi'l!ä,eu dem Wollen des Di-ciiters. ber er in gvlichei, geil'l'rden ist. und den Möglichkeiten des rheatermannes nicht-zu erreichen sei. Eigene Wege geht Gregor in.der Behandlung von Shakeipeares Ziuischeiistellniig zwischen dein niagischen und dein rat,onalistiscl,en Weltbild; ferner-läßt er ,ms sein. Verlsältins zur Wirltichkeit erletzeii liebst der Kritik, die er daran übt. 'eine Veziehimg ziie Politik im ..Eorioian' und in, ..'T-inn'»den Gregor mit dein ..Hanilet' und dem ..vear'. für den Gipfel der Dramatik Shake- 'veares lt.ilt. felilt ,ud)t. Nur als Kuriosum sei verinerkt. daß der Vers'aiier 'Illitzund Toniall des Probstein in „Wie es euch-geiallt' jiidiich findet: dieser Narr mutet I!M fast li'it' ein Gegenstück znm Shtslock an. Die ail-'-gezeicliiielen. i'ieiialtigen.Illustrationen schlieüen die ganze MOrlt dieses U'iäiligeu Buches, die >oii'kliä,e und die. theatralische, eine ein Porträl des ii'irkliä>eii- ..Ricliard II.' ist. das erste.-ein Rollenbild s'vis W.eruer.Kraus; als ..fßichard lll.' das letzte Bild. l)r. Lut* WeHmnnn. Lebensbilder Martin Gumpert: „Das Leben für die Idee/* Verlag S. Fischer, Berlin. Unter dem ansrnseuden Titel schildert der Ber saiser. selbst Mediziner, nenn Forscheri'chickiale ans den letzten vier Zahrhnnderten, denen die last schon thpiscksc Tragik des Verkannt- -und Verliohnl iverdens »nd der eigenen Vereitslhail znm Lpser von Riis innd Vermögen, ja'von Gesundheit und Leben gemeinsam ist. R.it E a-r d a n o. dem Arzt und Mathematiker, beginnt der ernste Reigen: es. folgen V e fa l i u s als Begründer der Anatomie: Servctö. der Kampier gegen die Idee der Dreieinigkeit, der auf Eälvins Betreiben durch die Inquisition in Genf, verbrannt wird und mitten in einer theologischen Streitschrist in wenigen Worten sich als Entdecker des kleinen Blntkrers lautes erweist: S w a m m e r d a m m . der Fn 'ektentoricher; Kaspar Friedrich Wölr als Begründer der Entwickliuigsgeschichte der Rteiisäien auch-der Ueberwinder der Lehren von'»baller und Vcibnitz: Lama rck'. der Begründer der Abstammungslehre ' und' Darwins. großer Vorgänger: Robert Ma h e r als Entdecker des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft, totgeschwiegen von den züiii tigen Prosessoren seiner Zeit:' Jackson i»id Mo r t o il. die beiden Entdecker der.Aethernarko'!'-. schließlich P e t t e n k o i e rals Begründer der modernen Hvgiene. berühmter durch seinen her,',: 'chi'n .Selbstverinchau? ialscher Voraiissetznng'. eine Milliarde Eholeräbazillen. zn''veriäslnäeu als durch-seine großen positiven Leistungen, und 'ein lragil'ches freiwilliges Ende.- E,i, ..Ansblick' s-hlteßt- »ch.an: varoes, E ,l s h , n g. der amerika» ulscho Hiruclnriirg bei der Arbeit, ei» Ausblick. iVjr optimistisch erscheint und docl> die Illorte ent- It.ilt: ..feine Zi-,t kennt j-ftie Sinnme ihrer ..iiih.iilliäi iff der Rahiiieli des nicht eiumat nuitangre-ichen- ^l'-erke--- viel tneiter gespannt, als dieienenn oder zehn-Rainen besagen. Dieie kurzen -Veben-sabrisie inltren niäit nur die Genannten. il>r Wirken.- ihr veiden nno -ihr--Kanipsen vor --- denn me reiße» me ein einzelnes >»>lied atis der großen Kette sondern zeige», ne auch stets - im Zulanilnenlsalig ,tzrer »nd Rachialiren in Idee und Aiiss'nlirnng. der von rl>>ie>i Bekämpften wie der »nr ne .ilanipfenden. Sn entstehen aus jeweils nicht vielen Seite», in einer klaren iiitd im besten Sinne gelneinueriiändliäie» Form Einzcldaruellinigen großer und miclltiger Fors'clsungsgebiet», die znsainiiii'ii ein eindriicksoolles Bild aus dem Z'Kerden der.R'atliriviijeniehaiten feit dem Ausgang des. '»Fttelaltecs geben. lßnmpert hat jitnnt in .feiner im Vorjahr im. gleichen Verlag ernliieuenen Lehensbeschreibung^ valilieulanns. des Vegrnndersder Homöopathie, die aalsigleiten eines bivgraplsiicheu Dramatikers bewiesen. In den noll, weientliä, strafscr z>i- '-nninengeiastieii SilsildernNgen des vorliegende» Bnct>es treten dreier Pinn, dnic Falugkeiteu nöckj lueil itarlcr mi'TdenNiäier in v riilieinnng. Die uunuchtig gewordenen d tu;rllieite» werden tziiun geil re, il. - l>er da-.>. »'alle Vulit nnniehl >el,er wie „Briefe 1890-1901“ Neue Briefe von Hugo von Hofmamisthal Wenn man die schönen, kürzlich bei S. Fischer erschienenen-Briefe Hugo von Hofmannsthals liest, die in einer noch so jimgen und in manchem schon so abgründig entfernten Vergangenheit geschrieben wurden. Dann ist zunächst die Frage nicht abzuwciscn. warilm dleses Werk dem jüdischen Publikum angezeigt und also ..ans Herz gelegt" werden soll. Tw Briefe haben keinen aktnellen Beztlg zur Gegenwart. Hofmannsthal ist nirgendhin seinen Schriften innerlich verbunden mit jüdischer Tichtung. weder mit vergangener noch, wie.es scheint, mit zukünstiger. Er. hatte zwar jüdische Ahnen, aber das ist für sein Leben, das in seinen Briefen lebendigste Gestalt geworden ist. und sür sein Werk nicht entscheidend, wenn auch sickzer mitbcstimincnd. Vielleicht war-sein gutes, in den liebe- und verantwortungsvollen Brieseit an die Hktern sich offenbarendes-.Herz.-ein. jüdisches.^ Die Ueberlcgenheit. mit' der er l.A'st auf den halben 'Mißersolg'seinor Berliner Uraussührnngen: ..Der Abenteurer lind die Sängerin" und ..Tie Hochzeit der Sobeide". reagiert, hat in ihrer bei einem Fümmtdzwanzigjährigen verblüssenden inneren Freiheit eine unverkennbar jüdische Form gefunden. ..Gerade bei einem solchen. Wechsel von Erfolg und Mißerfolg spürt man. wie oberflächlich das alles ist und wie unwichtig im Vergleich zu Eurer Gesundheit und um'erm ganzen Leben." Will man ihn aber, im allgemeinen nn° befangem würdigen, so muß man seststellen. daß sein jüdisches Blut verschmolzen ist mit bäurisch-üfterreichischein und italienischem zu einer gesamt-österreichischen Eristenz. Ter Reiz seiner Briese liegt nun — lwch unabhchrgig von dem Menschen, der sie schrieb — darin, daß sie aus einer Zeit sind, die zwar' durch das Schicksal entrückt und ewig vergangen— in der wir aber beglückt Elemente -von 'uns.'empfinden, und die aus diesem Gefühl heraus eine neue Legitimität .und neues Leben empfängt. So soll die Beziehung dieser Briese zu ihren jüdischen Leiern sein/ Es ist vor allem die Wiener'Zeit von )890 bis 1901. Die Generation d-ict'er Zeit, die Dichtung und Literatur erneuern wollte, zeichnete Hosmannsthal mit einer unnachsichtigen. aber durch Anmut versöhneitdcn Klarheit. Tie aus seinen Dichtungen berühmten Worte: ..Altkluger Weisheit voll und frühen Zweitels — mit einer großen Sehnsucht doch die fragt", werden in oll. seinen literarischen Aeußernngen dieser Zeit variiert und finden sich daher auch in dem Brjestvcchsel: ..Ich habe hier .Xotre Coour* . von Maupasiant gelesen; kennen Sie es? Die Hauptperson, eine anständige junge ,Frau der guten GesellschattMst für meine Empfindungen der wahrste Dhvns unserer (meiner) Generation. den ich kenne, ohne blagne-. und ohne Nervenromantik gezeichnet: seinsühlig. -aber zu müde tnr heftige.Empfindungen, lebhaft. aber ohne starken Willen: mit einer graziösen. etwas altklngen Ironie.-dem Bedürfnis nach Güte und Neigung und hie und da einer gewissen inneren Ebbe." Diese Generation der Bahr. Schnitzler. Salten. Lecr- "Hofmänn (dies der engere Wiener Kreis) und in einem weiteren zeitlichen lind ränmsichen - Sinn Hanptmann, Schlenthcr, Brahm. R. A. , Schröder. M aeterlink.. Rodin., T Annnnzio. beschwört -Hoimannsthal in den Brieten. Bor allem aber berührt dH? Vorstellung, die Träger dieser Namen lebendig vereint miteiitander, den Geist, den man einzeln im Werk kennt, in menschlicher und Wechselwirkung, und die Werke selber wachten zu sehen.' (Hierin besteht ein Hanptrei; aller Memoiren und BriLfwecht'el.) Dahinter aber steigt Europa, soweit in ihm am Ende des )9.)ahr° Hunderts Kunst eine Lebenswirklichkeit war. auf. Man hat eine leises Gefühl von Historie, wenn Hofmannsthal,1.892 an eine" junge Dame schreibt: ..Vorher soll ich Ihnen eine Art literarische Äcitteilung machen. In-Berlin gründet sich eine rein künstlerische tendenzlose Zeitschrift ..Blätter tür die Kunst"; zu den Mitarbeiternzählen Herr Stefan George, icl; und einige andere Leute, die zu keiner Eligiie gehören... N'can sucht Leser." Sde'r etwa an Hermann Bahr: ..Können Sic irgend etwas Füreinen fertigen Einakter -von'mirtun? (Format des ..Gestern". 000 Verse. Alt- Wiener Kostüm, Trtitsödie. pmvrrba.) ,}il) meine, aiisragen, ob irgendeine -Zeittchritl ihn möglicherweise nehmen wollte, k./villderiie Kunst"? Er ist ganz samilienblanmäßig: oder sonst . . .')" Es ist hier die Rede voii ..Der Tor und der Tod", von dem getagt ivorden ist. daß es eine ..llrwirkling" gehabt' tiabe ähnlich wie der ..Werther". - Andereeseils entsteht eine an Hölth-Klopstock er inncrnde Atmosphäre reiner Heiterleitgeistig-ernster Geselligkeit und Leichtigkeit des Lebens, in der allerdings das ..Reden" über die Arbeit eine vielleicht sehr tppische rviene rische Wichtigkeit hat.. ..Jetzt lerne ich »nd rede mit Bahr. Hoimann. Pvldh Adrian, rast iminer üDer dasselbe, das uns im tiefsten reizt und erregt: -Stil. Stil der Seele, der Landschaft, der .Kunst- und die damit'- zin'aminenhängendcn Begrine: Knltnr. innere und äiißere. Z.nsanrmenhang von -Form und In halt in der Ktlnst und im-Leben. . Im Hintergrnnd von dem allen stellt Dante i kennen Sie ihn gilt? auch die Vita Nnova?i. Lev nardo, Goethe, die Wiener Gasten und die Kirchenväter." 1894 und 1899: ..Ieli -Hab' hier viele Freunde, d. h. alle meine gterchaltrigen Freunde sind hier. . . . Wir lvohnen alle in verschiedenen kleinen Hausern an. der-Berglehne über dem dunklen kleineii See.- esten und nachtmahlerr bald bei dem einen..bald-bei dem andern, lesen zusammen englische Gedichte, der ältere Frankenstein komponiert kleine Lieder, die ich in Marien-- bad gemacht habe, mittag fahren wir im Boot hinaus und baden, der Maler bleibt im Boot sitzen und skizziert uns oder die Bäume am User; bis tief in die sternenhellen ^i'aelite-hinein-gehen >vir ipnzieren oder sitzeit aus oem Gelände von einem Banerngarteu iurd reden niileiitaiider.i - Der Sii)ar.m »nd der v'ä.niz dieser Briese liegt znm anderen darin.-daß t»I> die besonnte Vergangenheit in der Seele eines ganz jungen, edlen Iiingliugs brietst. vergisst imwilltiivliii) immer »>ieder. denn es ist ein KÜiinder , das; alte diele vom Sehär-manten-.zum 'Bedeutenden sieh steigernde» Aeusierimgen das Leben eines zu Auiang I»ljahcigen Schüleis. dann Studenten und' Soldaten biszuni L7. - Lebensjalir begleiten. Es ist ieappierend n n d e r g r e i se n d z i > g l e i ih. d i e alt e n. l a b i l e u -S t im -Miingen .Zinn Trotz, unablässigen Bemühungen des mit tiefstem' Ernst an fiel) arbeitenden Innglnigs zn l'eisvlge». der etwa indieser -.geistigen Situation um WO zu diihten be ginnt: ..Jet) sitze iin niißkällen Iiebel. denke an nicijts ,,,,d wackie 2>eise dazu. Außerdem lese i.h istligot. Sel>openh-aner.- Andersen. Immer mann. Manpastant und eine provenealische «strannnatifZ Niir. iit--sehr leiddaß iei, lauter neue Krainaiten mitliabe.' den» es'ist niemand liier, .der sie verilelst." Sel,o,i. in dieser ersten -. Aenßeriing zeig! siel) >el,r typisch, daß sieh hier -ein-mondänes, grazile-'- und begnadetes Wnn deck,nd^ äußert, ein junger "'tltaiin aus sehr guter Familie mit allen geistigen <8i"itern des großon-rgerticheii Blutes lind.N'iveaus, mil Ksiltur nnd -- ästhetifelrem tgeintzl in alle» Fingerspitzen, -tvas eine nie nie!>r zn verleug iieude. in jedei' I,eiledieser Briete spürbare b'hance und Belastungziigleielpbedeutet. -Wie Wasterntauir von u,)u sagt: ..Seine Well war in Gestalt schon gesetzt, er war Alle Ihre Bücher Buchhandlung am Zoo „ Fritz Ring Charlottenburg, Joachimsihaler Str. 4)44 Mitglied der judUchen Gemeinde r«l*f<m Biatnarek.6506 Za**ndunc -n— Suda«lfaM