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Central-Verein-Zeitung · 1935-11-14 · 46 (14.11.1935) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
46 (14.11.1935)
Date
1935-11-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46 * 2. Beiblatt 14. November 1935 Der Weg einer Aufklärung Die galizische Haskala — Von Rabbiner Dr. Bruno Finkeischerer Tie Judenheit in Deutschland war in den den letzten Jahrzehnten so sehr.mit den Vor- .gangen der Welt um sie verwachsen und -ist : seit drei Jahren so mit ihren eigenen Fragen beschäftigt, daß sie. es nicht bemerkt, hat. daß . ähre Entwicklung in diesen änderthakb Jahr-.z. Hunderten nicht vereinzelt dasteht. - Doch, ist es gerade deshalb für uns von Wichtigkeit. ■ die durch die Aufklärung ausgelöste Bewegung unter den übrigen Juden zu kennen- - Dveil sie bei ihnen einen anderen Lauf genommen -hat als in Deutschland. Tie Aufklärung begegnet uns im jüdischen Osten als Haskala. Ihr Weg führte von Berlin und Königsberg über Böhmen nach Galizien, besonders Ostgalizien, das lange der- - eigentliche Sitz der Bewegung blieb, die sich von hier aus unter den Juden Polens und der Ukraine ausbreitete, wobei sie freilich entsprechend den anderen äußeren Bedingungen eine innere Umwandlung erfuhr. - Mit Hatzkala (sprachlich zu hebräisch Sechel — verstand - gehörig) bezeichnet man die innerjüdische Bewegung, die auf die Verbreitung der europäischen Geisteskultur unter den Juden abzielte. Der Eindruck, den die Person und das Werk Moses Mendelssohns, vor allem seine Bibelübersetzung, hervorriefen, wirkte weit über Preußens Grenzen hinaus, und Böhmen öffnete sich ihm sehr bald. Tie ersten Auswirkungen in Galizien aber waren nicht geeignet, den Boden für eine Durchdringung des Landes mit den Gedanken der Aufklärung vorzubereiten. Galizien war erst acht Jahre vor dem Regierungsantritt Josephs II. mit Oesterreich vereinigt worden. In Polen hatte bis 1764 die Selbstverwaltung der. Juden in der sogenannten Vierländersynode bestanden. Seit 1785 suchte der Kaiser die Verhältnisse der Inden in Galizien völlig zu ändern und 1789 trat sein Toleranzpatent auch dort in Kraft. Es ging wohlgemerkt um Toleranz und an eine Gleichberechtigung welcher Art auch immer war nicht gedacht. Ter aufgeklärte Absolutismus wollte die Juden nach seinem Willen beeinflussen und sie . zu . nützlichen Gliedern eines " deutschen Oesterreich machen: die : Freiheit. ivvllte er ihnen nirgends bringen und ganz gewiß, nicht' in Galizien. Jur Erreichung solcher Liele beschränkte er die jüdische Geineinde ans Synagoge und. Wohltätigkeit und führte den Schulzwang für die staatliche jüdische Nörz malschnle ein. Anders als-'.iu.. dey westlichen Ländesteilen lehnte, in Galizien, die Bevötke- - rnng diese Neuerungen einmütig ab. Die Träger der neuen Idee waren aber auch keineswegs danach angelan. für sie zu werben. Tie meisten Normalschullehrer brachen offen mit allen jüdischen Formen, und der Leiter des Schulwesens, der allgemein verhaßte Herz H o m b e r g (1749—1841), einst Mendelssohns Freund und Hauslehrer, steil-. erte deutlich auf die Taufe zu (er selbst starb immerhin nochmals Jude) und suchte den galizisischen Juden auf jede Weise zu schadem Nach 19 Jahren hob die Negierung die Schulen, die kaum besticht wurden, wiederauf. Trotz des völligen Ntißersolges war diese Episode für die weitere Entwicklung nicht bedeutungslos. Die Schulen waren zwar aufgelöst. aber ein großer Teil der Lehrer blieb. Unter ihnen befand sich der Lehrer Neu in Zolkiew. der im Wesen und der äußeren Lebensform ein guter Jude geblieben war. Um ihn sammelte sich ein Kreis junger Leute, welche die Wissenschaften und Sprachen des Westens anzogen. Dieser Maskilimkreis, aus dem auch Nachman Kroch mal (und der Bibelherausgeber und Uebersetzer Meir L e t - t e r i s) hervorgegängen sind, gewann aii Bedeutung durch die Berufung von Jwi Hirsch Ehajes (1805—1855), dem Großväter des Wiener Oberrabbiners, zum Kreisrabbiner von Zvlkiew. Tie Städte Lstgaliziens. vor<-allem Lemberg, Brody und Tarnoplll. wurden nun auf Jahrzehnte der Sitz der Haskala. Namentlich Brody mit seinen vielfachen -Handelsbeziehungen zum Westen (die Leipziger Messe verdankt ihren Aufschwung zum guten Teil Brodyer - jüdischen Kaufleuteu) össue4e sich in seiner Oberschicht völlig den neuen Gcdauleu. Das Fiel dieser Bewegung >var zunäeln't Aufklärung. Nach jahrhuudertetaitger Abgesclilossenlieit sollte den Juden wieder der Anschluß an gegenwärtige - Kultur geöffnet , werden. So galt es. die Juden mit dem . bekannt zu machen., was die Volker inzwischen geschaffen/ hatten. Neben nlaucheu lieber- -setzungenhaben die Mastst iuOällch selbst zu diesein J'hveck ilverke Uber profane Wißen . schalten'versaßt) so Simon Bloch auf dem ' Gebiete der Erdkunde und Mendel-Lewin ans Satanoivin dtn Mediziu.- Der iveitereii Berbreitnu-g der Aufklärung dientenmehrere Zeitschriften.- Aber eine Renaissance der Juden mußte »otiveudig versuchen, eine jüdische Renaissance zu werden. Die.indische Wissenschaft ivurde originell, wo sie sich mit dem Judentum befaßte. Diese Arbeit hatte bereits der MeudelssohmKrcis durch den Biur.. eine Erklärung zur ganzen Bibel, au gefangen. K Eo ch in a l. R a.p a P v.r t mnd D o lv B e e r G o l d b e r g wandten sich je doch vor allem der jüdischen Geschichte und Literatur zu. Niau stichle in der Vergangenheitnach den gegenwartsnahen, uichttatmudifchen Stoffen. Nachiiian K r o cl>m a l (>785 bis 1810) sah'mehr. die großen Linien mid hat eine Geschichtsphilosophie geschassen. die freilich Jrrtümer im einzelnen aufweist. Hingegen . ist S a l o m o I e hu d a R a p a P o r t (1790 bis 1867). der nachmalige Prager Oberrab- - biner. durch seine von R. Krochmal angeregten Arbeite!! der eigentliche Begründer der Wissenschaft.des Judentums geu'ördeu. Jl>r . Vater" L. I u iv.z hat sich erst an Rapaports genauen Eiiizeluiitersuchiuigeii geschult. Die Ainvendung tveßlicher Methoden iiiußte. ihre Vertreter in Gegensatz zu den Repräsentanten der alten Talmndivisseuschaft bringen. Wie mau in Krakau gegen Rlendels svhus Werte vorgegangen war. so wandte siel, letzt das Lemberger Rabbinat., gegen die dortigen Btastiliin. Im Kampfe gegen alles Rückschrittliche hat Jsaat Erter l>792 >851) seinen Geist und seine literarisclieii Fähigkeiten erprobt. Aber verband die Haskala mit den misnagdiseheii ^almndgelelirteu-luidi das Bauen auf die Verstandesschärfe, so gab T".. .-: •; . .. i'i keinerlei Brücken zu den Ehassidim. Ausklärnng liber den EhassidisumD und Kamps iiicln nnr gegen seine Auswüchse ivär eines der-Xmuplziele der Haskala. Diese doppelte Gegnerschaft verdeutlicht, dastdie Haskala iür deu Otten die Sprengung der nidifelie» Solidarikat bedeutete.. Der, Franlismns hatte völlig aus deru Judentum -. .heransgeiuMt. Das Ent stehen, des Ehafsidis- . mns hatte zioar feilr liestige Kainpfe herausl'esclnvoren: aberdie GrilUdlverte -lind Gruudsonnen de-len JalnhiiudeUen traditlouelleu ottiudisäsen veben--' lvaren - nicht gingetastet, tvmdeu. Sie ha-lala aber bedeutete etwas gnindsablnh aiidei.es.und dar »in .forderte sie. auch nael» annen neue Formen. Die besondere ' Lage des »ldisciieii Voltes samt -seinen, geistigen Verhältnissen galt ga gerade der Anstlarung als sein iveseuttiches Unglück. Da gegen führte sie deshalb ohne historischen Sinn den Kampf, selbst um den Preis der Aufgabe, der jüdiscl,en Eigenart. Diese anfspreugende Tendenz ivird uuterstriicheu durch' die-Bildung völlig gesvuderter Judeuschasteu in den eiuzeliieli Ländern, linier dem Einfluß der Peilt sehen Anfklärnng lMendelssvhni stehend, galt den, Ptaslitim die dr'litsitze Sprartie als Sprarl,e des Fortsichritts. Gleichzeitig legte der österreirlysclie Staat in dieser Provinz ans die Verbreitungseiiler Sprache Genncist. Bhlirend die-,Masse des Volkes dieser Forderiliig selten genügte.' lernten die Aiifgeklärten in ihren Sch,»len. zuerst in Tarnobol. alles in deutsel,er Sprache. Die Neubelebtiiig der liebräiseheu-Sprache lvar zioar zum. Teil aus der Gegnerschaft gegen die ..unreine" Sprache der Masse geboren. Aber sie bedeutete -- anders als die :Geviua,iisieriiiig --eine'Biudiuig au die ge saiuke Judeuheit diirch die Pflege des spezifisch Jüdlßheu. Die »„ 1er eifriger B.'itarbeii von /..Juden aus dem Oste» .zu. Mendelssohns Lebzeiten erscheinende Feitscl,rist ..Ha-Nteassef" wie die bvn dem Galizier Sä,alom Kosten, herausgegebeuen ..Bitkure l,a Jttiii," dientei: freilich Mur. der Pflege des Hebräischen alsolchem. - Erst als in Galizien die Spraelic v'iedererioeckt loiirde. l,abeu Erter. Krochmal. Perl. Pinsler»iid ritapäport eine echte Lite nitiir geschassen. die aucl> Rouiaii, Novelle und Satire umfaßte. JI)r Orgaji ivar der von F.W.I. Wenn Sie ausgewandert sind, übertragen Sie uns Verwaltung u. Pflege Ihres Vermögens. Wenn Sie Ihren Betrieb, Ihr sonstiges Vermögen veräussern oder anderweitig verwerten wollen, beraten Sie sich rechtzeitig mit uns, wir leisten Ihnen Beistand. F. W. I. GESELLSCHAFT ZUR FÖRDERUNG WIRTSCHAFTLICHER INTERESSEN VON IN DEUTSCHLAND WOHNHAFTEN ODER WOHNHAFT GEWESENEN JUDEN M. B. H. Telef.: J. 1 Bism. 9141 Charlottenburg 2, Kantstrasse 158, hochp? ■ (am Bahnhof Zooj AUFSICHTSRAT: Vorsitzender: Min.-Rat i. R. Dr. Otto HIRSCH, geschähst. Vorstandsmitglied d. Reichsvertretung der Juden in Deutschland Stellv. Vorsl: Justizrat Dr. Julius BRODNITZ, Vorsitzender des Central - Vereins Dr. Siegfried MOSES, Vors, der Z. V. f. D. Dr. Leo LOEWENSTEIN, Vors, des R. J. F. Dir. Heinrich STAHL, Vors. d. Vorstandes - der Jüdischen Gemeinde zu Bertin Geschäfts - Führer: Friedrich BORCHARDT, Dr. Alfred LEVI BERATUNG BETREUUNG VERTRETUNG VERWALTUNG F.W.I., die zentrale und neutrale Stelle für alle Angehörigen von Grossu. Einzelhandel, Industrie, Handwerk, Landwirtschaft und freien Berufen, mit ausgedehntem Wirkungskreis, reichhaltigem Material und weiten Verbindungen. Wegen gemeinnützigen Ziels nur massige Gebühren. Schreiben oder besuchen Sie uns. L F.W. Möbdbezua BVvTTC Unsere 5onderabteilung„Möbelbeiugsloffe”fuhrl ajie mir erdenklichen Sioffanen in einfarbig u. gemustert Nach auswärts : VerlanqcnSie bemusterte Angebot? Waffelstoff/,75" ' co iJO.crri bfr wtp. I. co. lijcm.orf. MTf>. IV. 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