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Central-Verein-Zeitung · 1935-10-17 · 42 (17.10.1935) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
42 (17.10.1935)
Date
1935-10-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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propagierten Bildung?,ziel die Schuld an dem geistigen Zusammenbruch . der - deutschen Lrthodoxie zu geben. Zn diesem Vorwurf begegnen sich Orthodoxe und Nichtvrthodöre. Ors ist daher nur zu begrüße,,. wenn einer der markantesten Führer gcsetzestrenen Judentums. der . räumlich »und geistig dein Werke Hirsch» am nächsten steht, wie Jacob Roscnheim. cs unternimmt (Hermon- Verlag. Frankfurt a. Nl.». die Bedeutung Hirsch» in ihrer Geschichtlichkeit noch enu mal auszuzeigen, und mit den Gegnern von rechts und links-abzurcchncn. Auf Leite 3öfi. zitiert Rvsenheim aus dem Chaurew'ß 354 den ■ Untcrrichtsp lau. Uvic . ihn Hirsch für -die jüdische Jugend ausstellt, Unsere Zeit dürste dem . nichts hinzuzufügeiil//haben, gofern'sie sichwirklich als - jüdisch -im Sinne der Thora, des .überlieferten -.Judentums.empfindet? Tenn gerade die Labilität dieses Planes zeigt. uns. wie Hirsch in seiner Größe gar nicht daran dächte,- aus der ' Zeit» bedingtheit Ewiges schassen zu wollen. Er wollte aus dem Jlidentnm heraus eine allen Zeiten beständige Judenheit schassen.- wollte lebendiges, im Nahmen der Tora entwicklungsfähiges nnd zu immer neuer geistiger Zeugung berufenes Judentum. (Vgl. S. 78f.) Damit zeigt uns Rosenheim, daß Aenderung unseres geistigen SeinS notwendig ist. aber nicht gegen Hirsch, sondern mit Hirsch. Ilm uns auf dem Boden, der Tora zu entwickeln, müsferi ivir Hirfchs Gedankcngängen folgen. Manche der von. Hirsch eingesührten Formen mögen fallen gelassen werden; sic waren zeitbedingt (s. S. 64ff.) Ter Gedanke. das überlicferungstreue Judentum aus seinen Quellen erstehen zu lassen und eS sichtbar in die Zeit hineinzustellen, gilt immer, gilt auch sür uns und vielleicht mehr denn je. In den Hirschschen Gedankengängen haben wir eine Grundlage zum Neuaufbau, und darum sind wir Jacob Rvsenheim ailch für dieses Werk dankbar, denn eS regt. zur Selbstbesinnung an und gibt Positives an die Hand.' Dr. A. Rosy Lilienfeld: Bilder zu der Legende des Baalschem Eine junge Künstlerin nimmt cs mit einem großen Wagnis auf: den ungeheuren Stoff, der chassidischen Legenden, die sich seit der Mitte des IS, Jahrhimderts um die merkwürdige Gestalt - . des Baalschem spiinnci,. und die uns 3LUarliu Biiber nahegcbracht hat. bildmäßig zu erfassen. Hier genügt cs nicht, altjüdische Szenen „und Gestalten darzustellen, hier gilt es in die Höhen und Liesen dunkler mystischer Borstellungen einzudringen. in visionäre Gegenden, die sich der zeichnerischen Gestaltung cigentljch entziehen. So wird mancher nicht ohne Skepsis das Buch auf- Magen, das R o s y L i l i c n s e l d in Frankfurt am Main vorlegt (erschienen im Verlag R. Löwit. Leipzig und Wien). Aber wenn er dann daran geht, die Tafeln des Bandes zu durchblättern, so wird er unwillkürlich gepackt von der tiefen Hingabe, der unerschrockenen Einbildungskraft, der phantastischen Gefühlsglut dieser Gesichte. Was hier gedrückt wurde, umfaßt nur einen Lei! der Zeichnungen, die Rosy Lilienfeld dem grandiose,i und darum sehr anspruchsvollen Thema gewidmet hat. Es sind Blätter zu sieben Baalschem-Legenden. deren Erzählung nicht illustrativ, sondern in bildartiger Ausdeutung begleitet wird. Nicht alles ist gleichmäßig gelungen, aber der Gesamten,druck von starker, unmittelbarer Wirkuntz. Tie Künstlerin ging an ihre Ausgabe mit der ,einzigen Methode, mit der rnan ihr beikom. - men kann: mit einer unbeschwerten Naivität der , Anschauung, der' cs wie 'clbstverständlich erscheint, die'alle Tore gespenstischen Zaubers ani- . ieißenden. jeder eraktcn . Wiedergabe spottenden Märchcnvorgänge der Legenden als Fixierte Bilds nusschnitte vor sich zu sehen. Mit den gut beherrschten Mitteln des Kohlestiftes. mit , feiniilihligein.Verständnis filr die Möglichkeiten, die. seine samtene Schwärze und der Kontrast zu. den Helligkeiten des Papicrgruudcs an die Hand geben, machte sie sich ans Werk. Mitunter ist es. ' als habe sie sich.- wissentlich oder.unbewußt, von . der Manier der. engli-sckien Phantasten des vorigen Jahrhunderts, zumal William Blakes, beeil,tlusieli - ' lasten. Das sind die. weniger glücklichen Einzelstücke.. Es . gibt da Köpfe von Erscheiniingen, schwebende, hcrumgeisterndc DtädchLl,figuren„ die - etwas süß und fatal dreinschaue,Abc): dann folgen wieder Zeichnungen von erstaunlicher Kraft. W-enn der Dämon in einer Schlucht den Werwolf riTdjafft und das Ungetüm die jüdischen Knaben bedroht.. wenn ein Rabbi, der den Baalschem niissucht. im Reisewagcn durch den Gespcnsterwald des Chaos saust, wenn die Frau des Baalschem an . seinem Bette aufschrcit und der Angstruf in Gestalt eines unheimlichen. schattenhaften Riesenvogels ihrem Münde entfliegt, wenn' die Stimmen der Höhe über Jerusalem frohlocken, so fühlen wir uns unversehens in den Raum des lieber- '}■■ ■ ' ■ , — ■ ' . ~ - wirklichen entrückt. Eingestrcut. und durch den' Gegensatz von angenehmer Wirkung, sind dann wieder Blätter, die der Realität des Lebens näher- - stehen: wie der juige Israel bei, Eliesar. der spätere Baalschem, von seinem Großvater gesegnet ivird. wie. in einem besonders hübschem Blatt, der Rabbi, der dem Auser,wählten von» der Vor- 'ehnng als Lehrer bestimmt ist, ihn in einem ostjüdischcn Städtchen sucht, oder wie mitten in den Schreckeneines Pogroms der .gottergebene . Seelsorger der. Gemeinde . unberührt in seiner , Kammer sitzt und an; seinem Buch über die. .Stiisen des, Dienens" weiterschreibt.- . '\ Mas den' Wert'von Rosy Lilienfelds Werk vor allem bestimmt', ist die., zur Anteilnahme zwingende Leidenschaft der Künstlerin.die. ganz-erfüllt ist von /der .Schwärmerei und dem ekstatischen Geist , des Chassidismus, und es ist der Antrieb, der von solcher Publikation ausgehen kann: daß" mancher. pem die. Welt verzückter volksmäßiger Frömmigkeit und mystischer Sektengläubigkeit bisher fremd gewesen, den Weg zur Versenkung in den seltsamen Tiessinn und die Probleme dieser jüdischen Ilcberlicseriing finden wird. Daß in der seelischen Not dieser Zeit eine Frau eine derartige künstlerische Unternehmung entwirft und in mühereichem Studium, in brennender Einfühlung durchführt, dari as ein Dokument für den unzerstörbaren Idealismus des jüdischen Geistes gelten. Mai Osdorn. Neue Li Hawa Naschira (Auf! Lasst uns%ingen!) Herausgegeben von Dr. Josef Jacobsen und Erwin Jospe. Verlag Anton Benjamin, Leipzig—Hamburg 1935. Dieses Buch will der Praxis dienen, einmal dem Musizieren in den Schulen. mMdas schon die Aufeinanderfolge der Lieder eingestellt ist: leichte Stücke stehen am Anfaug, die Schwierigkeit lvird bis zu den im Anhang beigefügten dreistimmig . gesetzten Liedern allmählich gesteigert. Daneben soll das Buch allen singfreudigen Kreisen in Bund und Hans dienen. Es gliedert sich in drei große Abschnitte: Mensch. Natur, Gott, die wiederum die inhaltlich zilsammeiigehörenden Lieder in Untergruppen vereinen. Dieses neue Werk hat — außer der musikalischen — erfreulicherweise keine Tendenz. eS hat sich keiner „Richtung" verschrieben, enthält neben im Text und Gehalt deutschen Liedern einen sehr wesentlichen hebräischen Teil und auch eine Reihe jiddischer Stücke. Es erfüllt damit die Hauptforderung, die wir an Gebrauchsmnsik zu stellen haben: es gibt ein getreues Spiegelbild aller im Judentum heute lebendigen Kräfte und ideellen Zielsetzungen. Die geschickte Anordnung macht es den jüdischen Chorleitern leicht, sür die musikalische AnSgestalt,mg von. Fczern eine Anzahl entsprechender Lieder zu finden (z. B. für Oneg. Sckiabbat). Die Herausgeber haben eine glückliche Auswahl aus den bekanntesten Sammlungen deutscher Volksliederbücher. synagogaler und jiddischer Volkskunst getroffen. Besonders fei darauf hingewiesen (im Buch selber ist cs nicht mitgeteilt), daß nicht weniger als 60 Lieder zum ersten Make schriftlich fixiert sind nach mündlicher Ueberlieferung und durch Abhören bei verschiedenen Singekreisen. Ein beigegebener theoretischer Teil enthält eine kurze Musiklehre und eine Zusammenstelliing über die Beteiligung der Juden an der Musikentwicklung. Dieser letzte Abschnitt ist nicht durchweg sorgfältig ansgearbeitet: eine Reihe wenig bedeutender Männer ist angeführt, während nilln so hochver-. diente Meister wie Weilt, - Leichtentritt. Bic. Belker. Weißmann, Ernest. auch ineiner sehr kurzen Darstellung nicht missen will. Im Literaturverzeichnis hätte aus das Buch von Berl ..Das Judentum iii^per Musik" verwiesen werden sollen, nicht bloß am den i>m Jahre früher erschienenen. Einzelaussa«. Aus einige Druckverseheii (im „Abschied". S. 4^. Schreibung der Namen Weinbergkr und Oskar Straus) sei nebenbei hingewiesen. Diese kleinen Schönheitsfehler nehmen dem Buch natürlich nichts von seiner Bedeutung. Dr. Jacob Schönberg: „Lieder des Landes Israel.“ (Jüdischer Verlag, Berlin.) Einige Wochin nach Jacobsen-Jospe kam das Liederbuch von Tr. Jacob S ch ö n b e r g. heraus, zugleich (mit anderem Umschlag) als „Neues. Makkabi-Liederbuch" und kn einer Aüsgäbe in vier Hefte» als Liederbuch des Hechaluz. Gab. „Hawa Naschira" gleichsam ein Kompendrum all dessen, was das deutschsprechende, Judentum singen kann, so beschränkt sich die Sammlung von Schönberg auf das hebräische Lied, wober daS spezifisch reliziöse. synagogale fast ganz ausgeschlossen ble bt. Dafür hat uns Schönberg — nach Rosywskrs 1929 erschienenen ..Misimrath haarez" — das erste, wirklich umfassende Liederbuch des weltlichen Palästina gegeben. Zunächst seien kurz die Fassungen jener Stücke verglichen, die beide Bücher enthalten: Die Verfasser haben, wie wir wissen, die Lieder, „obgehört"; einige Male aber lag Schönberg die ursprüngliche Fassung. vom „Komponisten" schriftlich fixiert, vor (zum Beispiel Lieder von Anhalt. I. Engel. , M. Sejra). Der Vergleich weist auf eine hochbedeutsame Tatsache: der Jischuw nimmt die vielen Orientalismen der variablen Rhythmik nnd der Melodie nicht auf. sondern singt sie sich nach-europäischem Musikstil hin.zurecht, zersingt die Lieder. Schönberg hat hier die originale „richtige" Version sestgehalten, Jospe gibt die tatsächliche Gebrauchssavung. wie sie sich die Braris zurechrgelegt hat. . ' Vorwort. Text und Inhaltsverzeichnis, sind in'Schönbergs Buch in nnvokalisiertem Hebräisch, iveniger bekannte Worte im Liedcrtext sind verdeutscht. Die sieben Abteilungen, welche die - 240 Lieder inhaltlich ordnen, erzählen von der Arbeit, dem Aufbau, der Heimat und Landschaft, der Freude und den Festen'in Erez. dazu kommen noch Kinder- und Wiegenlieder.. Nigguniin und Tänze. Ob wir das Ganze in seiner Gesamtbedeutung betrachten, öder die Melodien im einzelnen vor uns hlnsümmen, in jedem Falle darf uns berechtigte Freude- und. Stolz erfüllen.- daß drhbkn einsolcher Liederfrühling angebrochen, ist. Die musikalischen Formen sind vielfach noch auf. die slawische Musik zurückzusühreii., aber der Geist, .der das ersann und diese Lieder singen und . erleben' ließ, ist ein anderer geworden. Schönberg hat in diesem knappen. Bande die Atmosphäre der weltlichen Landes Palästina in seiner Mischung von - Tradition und Gegenwart. Abend- und Morgenland. eingefangen, er hat eine.Arbeit geleistet, deren künstlerischer Wert, deren kulturelle AuS- - Wirkungen kaum hoch genug gewertet werden können. L«dwig Altmann Fritz M. Kaufmann: „Die schönsten Lie- ■ der der Ostjuden“ Die neue Auflage der „Schönsten Lieder der Ostjuden" (Jüdischer Verlag, Berlin) ist. um einige Lieder vermehrt. Der Begriff des Volksliedes ist in der Sammlung wert gefaßt; ein Teil darf wohl besser als Volks ge fange bezeichnet werden, da in ihnen das Charakteristikum des Liedes, wie es der einfache, einzelne Mensch singt, nicht vorhanden ist. Das Volkslied ist der Spiegel der Seele eines Volkes, der Ausdruck feines Gefühlslebens; volkstümliche Lieder aber! und Volksgesänge wurzeln im Gemeinschaftsleben, dessen Formen und Aeußerungen oft bei weit voneinander entfernten Völkern -übereinstimmen und daher verwandte Grundstimmungen in ihren Gesängen ausdrücken. Tanznn-d Hochzeilslieder. Arbeiter- und Handwerkergesänge sind zweckmäßig bedingt. Nicht immer werden sie von dem Volke geschaffen, das sie singt, oftmals dringen sie von irgendwoher ein und passen sich den 'Besonderheiten des ausnehmenden Volkes an. In bezug auf die Musik ist dieser Assimilationsvorgang vielfach und deutlich erkennbar. Die Melodie ist stärker als das Wort und lebt länger,. Beim Volkslied gibt es Beispiele von viclhundertjährigem Alter. Der Einfluß des Judentums aus die Umgebung und uingekehrt hat sich, wie in der liturgischen Musik, auch im Volksgesang von jeher kräftig «iusgewirkt, und wenn Eiferer aus. beiden Seiten aus seine Unterbindung hinzielten, so pr. c' 7teu ste für die Dauer vergeblich. Freundliche 2 iehnngen der Juden zu den Christen haben, trvp 'i,txryrückung und Verfolgung. niemals aufgehör. Wurden die Juden einmal aus einem Lande ver:, ''b^n und fanden sie in einem anderen Aufnahme, jr ' .-ß sich der Prozeß der Beeinflussung von neuem an. Die in Kaufmanns Büchlein ausgezeichneten und mit Melodien versehenen Lieder lassen ein verschiedenes Alter erkennen. Der Musiker findet sowohl. Beziehungen zur abendländisch-mittelalterlichen Musik wie neuere Herkunft. Zahlreich sind die Melodien, deren Tonalität die Merkmale der Volksmusik osteuropäischer und orientalischer Stämme, in deren Mitte oder Nachbarschaft der Ostjude lebt, aufweisen. Lieder dieser Art sind dem Judeü^ Westeuropas so fremdartig wie östliche Musik überhaupt. Bestenfalls fesseln ihn die Rhythmik und der Stimmungsgehalt, sofern ihn artverwandte Sänger im Vortrage zu enthüllen verstehen. Wem cs gelingt, der Schlvierigkeiten Herr zu werden, erhält zwar weniger einen Einblick .in das Gefühlsleben des Lstjiiden. doch vermitteln ihm die Lieder ein anschauliches Bild seiner Vorstellungs- und Gedankenivelt. Herbert 0r»k. „Deini ans Nichts hat mich bcschicdcn In sein- All der Herr .des-Lichts. Und das Nichls in mir sticht Frieden ,0,1 n,er wieder mir im Nichts." Werfel will Gott pegegneii im „Dornbusch des Worts, in, stotternd zerrissenen Strauch"; wie die Propheten will er ivider Willen, nach Gottes' Willen reden: „Und wenn ich denke. Vater, denke Du'.'." „Wenn ich schreibe. Herr, sei ich Dein Stift. / Tauch mich in mein Blnt - als. Deine Feder -. . . Herr, hier bin ich!. Faß mich an nnd jchreib!" „Die' Licht-Tiere" sind eine kabbalistische Vision, die ganz ins Große N'ächst: vielleicht das großartigste ist N,§ bild- und wo et ge wattige Gedicht des Bnchs ..Gesichk. Ezechiels", ivic Ni* Rosenöl, längst verbraucht, noch ans der leeren Tube dnstct. so erfüllt die Gott-Gsjeuz. längst vom Rlenschen vergcndct. noch dos All mit seinem Hauch.. Die Spracht entstand, als die Erzengel ans der Schöpfung'die Stücke eines lingestiiigeiieil Sanctus schliigeii. daher die . Heiligkeit der Dichtersprache. Wie hier der Dichter mit Gott, wie Gott ans ihm spricht, das ist die Sprache der Propheten, im. Lprachgeivänd nnd der Melodie unserer - Zeit. Tiefe, des Gefühls.-- Fülle vnd /Weste der . ganz bildhasten . und doch uniastG-iren Vision. Form und Nttisik des Wortgefüges sind -in Werfels Gedieiiten zur rauiä^nden Einheit geworden. die lins ani-, mit' und eiiiporreißt fvie ein unterirdi'ch-überirdische» ' Orchcster. LudwigStrauss: ..l^andIsrael“. (Bücherei des Schockenverlags.) Vom chrsurchtgebietenden. fünsundsechzigjährigen Karl .Woltskehl bis zu den jüngsten Juden in Deutschland ist in den letzten beiden —Jahren viel von Zioiissehnsucht gesungen worden. — In dcm-Gedichtlnuh von Lutnoig Strauß „LättG Israel" gestaltet sich zum erstenmal die wirkliche Bewegung eines in Deutschland ausgewachsene,, Dichters mit dem heutigen Palästina. Ludwig Strauß ist nach geistiger Herkunft und Schafsensart- Karl Wolfskehl verwandt. Der Rheinländer Strauß lebte bis vor kurzem als Dozent für Germanistik und deutsche Literatur ander Technischen Hochschule in Aachen. Aber er war. wie Wolsskehl, nicht nur ein der deutschen - Dichtung hingegebener Gelehrter, sondern selbst ein Dichter hohen Werts, wie einige Bände mit Erzählungen niid. Gedichten bezeugen, die alle streng und edel an der klassischen deutschen Literatur geschult sind. - Und schließlich sei bemerkt. daß Strauß. Schwiegersohn . Martin Bilbers. auch, in der hebräischen und jiddisckfen Literatur heimisch ist; er gab mit Glotzer das Jüdische Lesebuch" heraus, übersetzte das „Maaßcbuch" und ostjüdische Volkslieder. . Mit. seiner Uebersiedlung nach Palästina geschieht also der erste Zusammenprall eines innerhalb der deutschen Kulkur ausgewachsenen, an. der klassischen Dichtung geschütten Dichters mit dem Land der Väter nicht im geistigen Raum, sondern an Ort niid Stelle. Dieser Znsammenpratt aber ivird soglei,!, ein Ginsiverdeii mit dem alt-neneii Land, ein Auigelien .in Landsel,ait nnd -Vlenicheu . Palästinas. Strauß erlebt in träninhaitem Glück, mit seliger Bewunderung die neue Landschaft: lind das heutige Land Israel wird ihn, zum klassischen Land, das mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit in die europäisch-klassische Dichtforin hineinwächst. Diese von Strauß wundervoll beherrschte' Form, des Hymnus, der Ode. , wird um fv "voller, reifer, farbiger, je mehr sie sich vollsaugt mit der Substanz des Landes Israel. Strauß blickt nicht zurück aui das. was er verließ: ex blickt auch nicht in die jüdische Geschichte zurück, sondern er sicht nur das Land Israel von heute, wie es ein Dichter schaut: er erlebt die Jahreszeiten.-Hitze und Regen, und Chainssin. Sand. Fels. Berg. Meer. Blumen und Früchte, Sonnenglanz und Mondlicht und 'schliestlick, die neuen Menschen im neuen Land. Dies alles geht in die klassischen deutschen Formen rin. aber nicht etwa als Zusammenstellimg -von-Reatten^-snnder« geistig anaeschaut und neu geformt zu edlen Gebilden großen Atems, tonenocr Musik. Hier ist jüdisches Gedicht in deutscher Sprache geglückt . . . und noch wenn der griechische Gott Pan in palästinensisckier Landschaft sein Haupt hinter dem Fels erhebt, ist hier jüdisches Gedicht, so daß des Dichters 'Wunsch, mit dem sein Buck, schließt, 'ur die Zukunft des jüdischen Stammes erfüllt wurde: „Daß der Stamm lebendig stehe... Sei mein Mort ein Ast der Wurzel, Sei mein Lied ein Blatt im Laub." Fritz Rosenthal (Ben-Chorin): „Das Mal der Sendung“. (Verlag B. Heller, München.) In letzter Zeit machte sich in den jüdischen Zeitungen ein junger, in München lebender jüdischer Dichter durch Begabung und Mut bemerkbar. Jetzt erscheint von diesem Fritz Rosenthal, der sich Ben-Ehorin nennt, eine Gedichtsammlung, die als Ganzes seine Begabung bestätigt.-aber ein zweifelhaftes und warnendes Bild gewährt. Manches seiner Gedichte ist. für sich genommen, stark im Gefühl, bunt und mannigfaltig in den dichterischen Dergleichen, klangvoll in der Bersmelodie. Aber dieser^Dichter tritt mit einem großen Anspruch aus. der höchstes Maß vom kritischen Spruch fordert. Rosenthal beginnt programmatisch sein erstes Gedicht mit der Strophe: „Mein^Lied ist anders, als eures. Das aus lichteren Fäden gewebt: Mein Lied ist ein ungeheures Ringen um mein teures Volk, das am Abgrund lebt." - Er fährt fort-: „Ich aber will als Richter Mein Volk mit Gott versöhnen... Nimmer ruhe die Fehde, Mein Kamps um das Judentum: Ehe ich Schönes rede. Mache Gott mich stumm." Dieser Anspruch wird als An-Spruch an den Leser leider nicht erfüllt. Denn man vernimmt nicht Kampf, nicht Ringen, nicht Richten und Führen, sondern gerade das. wogegen der Dichter sich verwahrt: ein beseligtes Schön-Reden. Und dies Schön-Reden verfährt sich ganz und „gar in die Bahn des großen Dichters Rilke — so iebr. daß manches Gedicht Rosenthals wie Imitation, inanckieszjchon wie Karikatur des Vorbilds wirkt. Ein Gedicht „Die. Esther-Rolle" beginnt: ..Nimm die Bibel in die Hand und lese Jenes Buch, das Gott den Herrn nicht nennt. Aber i:n Gesäzehen seine Größe Hciml.^? und verhüllt bekennt."' In diesen vier Zeilen werden die angedeutetcn sprachlichen Schwächen deutlich: vom falschen Imperativ lese (statt lies), über den unmögliche» Reim lese Größe, bis zur Unklarheit des Gemcintcll im Ausdruck. Die Holprigkcit mancher Verse wäre entschuldbar, wenn es sich um Gestammel öder Schrei aus inbrünstigem Erschüttertsein handeln würde. Aber allzu oft geschieht nur ein bloßes bewußtes und gesuchtes Reinistechen. besonders wenn ein Gedicht durch möglichst viele gleichklingende Reime klingend und interessant gemacht werden soll. So ist die von Rilke eingesührte Ausweitung der vierzeiligen Strophe zur fünfzeiligen (im Verhältnis der beiden Reime von zwei zu drei), die, gelegentlich angewandt, als natürliches Uebcrströmen wirken kann. bci Rosenthal/zu absichtlicher Manier geworden, so daß dies Kunstmittel als nnnatürliche Verschlepp,mg den Fluß des Gedichts lähmt. Jüdische Gedichte sind sicherlich in deutscher Sprache mögliche Aber, und das sei nicht nur Rosenthal, sondern fast allen jungen jüdischen Dichtern vcutsckfcr Sprache gesagt: das jüdische Gedicht erwächst nur aus wirklich jüdischer Substanz (bei der Lasker-Schüler. bei Wolfskehl). Es genügt weder das abermalige Besingen biblischer Motive in einer verdünnenden Wiederholung, — statt in umformender Neugestaltung —noch die Einstreuung hebräischer Wörter. Und wenn in einem angehängten Zyklus „Der Rabbi von Nazareth" Jesus „an die Seite der großen Fühxer des - Chassidismus" gestellt werden soll, so wird diese besondere Auffassung nicht zu überzeugender Darstellung. - Die ganze Problematik Rösenthals als Ben- Chorin zeigt sich in dem Gedicht „Muttersprache — .mütterliche Sprache", in dem der Dichter versichert. daß er die hebräische Sprache „leben will", — in deutscher Sprache. Dies muß gesagt werden, gerade weil Bcn- Chorin zu den begabtesten unter den jungen jüdischen Dichtern gehört, und weil sein Anspruch zu groß ist. als daß er ihn mit den in dieser Saimniiing gezeigten Ausdrucksmittel» einlöscn könnte. ° Kurt Pinthus.

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