Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 42 (17.10.1935)
- Date
- 1935-10-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Zerstreuung der Juden über die Erde XV. Oesterreich Die quantitativen. Verfallserscheinungen bei den Juden Oesterreichs sind ähnliche wie hei. den Juden Deutschlands. Nicht nur die Austrittswelle und die Mischehenquote sind hierfür entscheidend, sondern auch die natürliche Bevölkerungsentwicklung-, die unter einem bedenklichen Vorzeichen steht. Noch l914 hatten die Juden Oesterreichs — das heutige Staatsgebiet betrqcktet —- einen Geburtenüberschuß zu verzeichnen, auch wenn er nur etwa -50 Köpfe betrug. Aber nach Kriegsende schlug die Kurve um, eine Tatsache. die nicht' nur als Entwicklungstendenz, sondern, auch wegen der außerordentlichen Höhe des Sterbeüberschusses besonders bedenklich ist. Jin Jahre 1926 war der Sterbeüberschuß bereits größer als 1000 Köpie, 1940 ist er auf 1500 gestiegen, während die Umwelt einen Geburtenüberschuß vorkriegsmäßigen Umfanges aufzuweisen hat. Die kritische Zuspitzung dieser bevölkerungspolitischen Situation bei den Juden Oesterreichs wird dadurch noch besonders deutlich, daß die Zahl der jüdischen Ehen in der Nachkriegszeit gegenüber 1913 ihrer absoluten Höhe nach nicht nachgelassen hat, im Gegenteil noch etwas gestiegen ist, während die Zahl der Geburten in der gleichen Zeit sich fast halbiert hat und die Zahl der jährlichen Sterbefälle absolut weit höher als in der Vorkriegszeit und in ständigem, regelmäßigem Anstieg begriffen ifti Da die P a l ä st i n a a u s w ä n d e r u n g österreichischer junger Juden in den letzten Jahren zunimmt, macht die Heber alt e r u n g des jüdischen Bevölkerungsteiles von Jahr zu Jahr so große Fortschritte, daß in Kürze ein bemerkenswerter^ üdi scher Bevölker ungssch wund in O e st e r r e i ch eingetreten sein wird. Dieser.Tatbestand ist für die gegenwärtige Lage der österreichischen Juden charakteristisch, die bedrohliche Summierung der volksauflösenden Erscheinungen muß zu einer Dezimierung führen, nur eine bewußte und grundsätzliche Umstellung könnte zu einer Richtungsänderung der quantitativen Entwicklungskurve beitragen. Mehr noch als in anderen mitteleuropäischen Ländern sind die Juden Oesterreichs in der (■•V.>Leser trinken nur den Kaffee, Tee, Kakao der Camajo Kaffee GrellrSsterei Bremen 4 Vertreter werden noch eingestellt Bundeshauptstadt konzentriert. 90 Prozent der 191500 österreichischen Juden leben in Wien. Die zahlenmäßige Entwicklung der Wiener jüdischen Gemeinde ift das Spiegelbild des fortschreitenden sozialen und wirtschaftlichen Aufstiegs der österreichischen Juden. 1870 lebten rund 40 000 Juden in Wien. 30 Jahre später, im Jahre der Jahrhundertwende, sind es fast 150 000, unmittelbar vor dem Kriege bereits 175 000. nach dem Kriege steigt. die Zahl zunächst weiter an, da im Hinblick auf die Aufteilung der österreichischungarischen Monarchie eine größere Anzahl von Neueinbürgerungen erfolgten. So wurde 1923 die Höchstzahl vvn.201 500 erreicht. 1934 ist die Ziffer mit Rücksicht auf die vorher dargelegten Gründe auf rund 176 000. abgesunken, also etwa auf den Vorkriegsstand. Immerhin liegt die Zahl der Juden Wiens um etwa 15 000 höher als die derzeitige jüdische Bevölkerungszahl in Berlin. Tie prozentuale Quote ist jedoch in Wien erheblich größer, denn Wien hat nur eine Einwohnerzahl von' rund 1 875 000 Menschen, so daß auf 100 Wiener Einwohner neun bis zehn Juden kommen. - Von den Bundesländern — mit Ausnahme des -selbständigen Wien — steht.Niederösterreich mit etwa 7700 Juden an erster Stelle, wenngleich in diesem Landesteil nur etwa fünf von 1000 Einwohnern jüdischen Glaubens sind. Im Burgenlande, wo 3600 Juden leben, ist die Quote mit l.2 Prozent erheblich höher als in Niederösterreich. Von den übrigen Bundesländern ist noch Steiermark mit 2200 Juden, d. h. mib zwei unter je 1000 Einwohnern, zu nennen, die niedrigste Zahl und die niedrigste Quote. hat Vorarlberg mit weniger als 50 jüdischen Einwohnern. Von einzelnen wichtigeren österreichischen Städten, ist. Baden mit 2400 Juden. Linz mit etwa 1250 Juden und Graz Mit 2450 hrrvorzuheben. Die jüdische Gemeinde -in Innsbruck weist nur wenig mehr als 400 Köpfe auf. die in Salzbur g knapp 250. Insgesamt sind in Oesterreich 34jüdische Kultusgemeinden vorhanden, die/ sich erst im Sommer 1935 zur Gründung eines österreichischen Eesamtverbandes entschlossen haben, der sich zunächst in Form einer Arbeitsgcmeinschait praktisch darstellt. In das Hochschulwesen Lesterreichs gestattet die Statistik einen kurzen Blick. Im Wintersemester 1932/33. also vor etwa 2'A Jahren, studierten an der Wiener Universität rund 2450 jüdische Studenten beiderlei Geschlechts, an der Universität Graz im ganzen 54 und in Innsbruck sogar nur 32. Tie weitaus größte Zahl der jüdischen Studenten Oesterreichs. hat sich dem über die Hälfte an "zweiter Stelle folgen, die philosophischen Fachgebiete mit üher 700 Immatrikulierten und in dritter Reihe erst die Rcchts- ' und' Staatswissenschaftliche Fakultät mit knapp 600 jüdischen jungen Menschen. Dr. E. R—z. . Nachdruck verboten! europäischen Ländern aüsgewandert sind, beläuit sich aus fast 16 800. von denen rund 75 v. H.. nämlich säst 12 400 Perso'ncn. nach Palästina aus- . gewandert, sind.. Als Zielländcr außer Palästina kamen in erster .Linie die nord- und südainerikanischon Staaten in Betracht, und zwar der (.Größenordnung nach Argentinien, die USA, Kanada. Brasilien, Paraguay und llruguan. Ans einem vorgelegten Halbjabrsvcricht einer amerikanischen - ' Einwandererfürwrgegescllsck^itt werden Zahlen über die Einwanderung von Juden, aus. Deutschland in den ersten vier Monaten' dcs- Jabre? 1935 bekannt. Danach . und von 3222 Juden, die in die'en wer Monaten in die US'.'l eingewandert niidJrund 7-',n Juden aus DeiNich . land. die entweder unmrttelbar aus dein Deutschen Reiche kamen oder aber aui dein Umweg über ai-ödere europäische Lander, nach denen sie sich Altnächst nach ihrer Ausreise aus Deutschland be> geben hatten. . - - Die Palästina-Regierung hat Professor Ead inour vom Statistischen Amt in Kanada beauftragt. im Rahmen des Jminigratronsdepart meiits der Regierung ein Statistisches Amt ein,zu° richten. Das neue Amt soll sich mit. der statistischen Erfassung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Landes beschäftigen. Es heißt, daß die Aufstelliiugen.. des iieuen Amtes - auch zur Bestimmung der jeweilige» Anniahinctähigkcit -des. . Landes nnd -dementsprechend zur Festsetzung der Einwanderlmgsgnvten-benützt iverdcH sollen. Der 5. Progranrnipunkt der Reichsvertretiing Tie Zahl der Juden aus Polen, die in den ersten sechs Monaten des Jahres 1935 nach außer- Jn dein Programm der Reichsvcrtrctnng der Juden in Teutschland, das am 22. September als Grundlage der gesamten Arbeit des deutschen Judentums veröffentlicht worden ist, enthält der 5. Programmpuukt den Beitritt der Reichsvertretung zum Jüdischen Aufbauwerk e.V. (Keren Hajessod), zusammen mit der nachdrücklichen Aufforderung an die jüdischen.Gemeinden und Verbände, dem Beispiel der Reichsvertretung zu folgen. Ta in den Kreisen unserer Freunde, wie aus zahlreichen Anfragen an die Schriftleitung hervorgeht. Unklarheit über die orga-. nisatorischen Grundlagen dieses Beschlusses besteht, soll hier in Kürze der Aufbau der Keren Hajessod-Lrgainsation und ihre Stellung im Rahmen des gesamten.Palästina- Aufbauwerks dargestellt werden. . : Der Keren Hajessod ist das Finanzinstrnment der Jewish Agency kor kalestins. Tiefe wurde im Jahre 1029 nach langen Verhandlungen zwischen Zionisten und Nichtzionisten in Zürich gegründet, und auf dieser ersten Tagung des Councils der Tert einer zwischen beiden Vertragsschließenden vereinbarten Verfassung ber. Jewish .Agency nitgenommen. Grundlage der Verfassung ist der Artikel 4 des Palästina-Mandats, der die Anerkennung einer geeigneten Jewish Agency vorsieht, als. einer öffentlichen Körperschatt mit der Aufgabe, der Verwaltung Palästinas in wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten, die die Errichtung des jüdischen Nationalheims und die. Interessen der jüdischen Bevölkerung berühren können. Rat und Mitarbeit zu gewähren, und, immer vorbehaltlich der Kontrolle durch die Verwaltung, an der Entwicklung des Landes zu Helsen und teilzunehmen. Tie Grundlage der gesamten Versa.ssung der Jewish Agency ist bekanntlich das Fifth/fifty-PrinziP, das heißt die grundsätzliche Anerkennung, gleicher Rechte und Pflichten von Zionisten und. Nichtzionistcn im Rahmen aller Organe und Einrichlnngen der Jewish Agency. Entsprechend diesem Grundsatz ist auch in die Verfassung der Jewish Agency die Organisation des Keren Hajessod eingebaut. Ter Council der Jewish Agency erhält danach das Recht, die Richtlinien für'die Ernennung der Direktoren des Keren. Hajenod zu bestimmen, wobei beide Hälften des Eonneils ihre Kandidaten für diese Ernennung-nominieren. Ter Führer der deutschen nichtzivnistischen Delegation, Direktor Oskar W a f f e r m a n n . gehörte bis -zu ' seinem Tode im Jahre 1934 dem Direktorium des Keren -Hajenod an. Ferner hat nach den Bestimmungen der Verfassung das Direktorium des Keren . Hasenod den Gesamtbetrag der Nettoeinnahmen des Fonds zur Verfügung der Agency zu stellen. Ter Council bet Jewish Agencv, bet über das gesamte Budget der Agency Beschluß saßt, hat damit auch die Beschlußfassung über die Verwendung der vom Keren Hajesiod für den Aufbau Palästinas aufgebrachten Gelder. Ter Ke.ren Haiesivd. denen'Gcsamtleitnug . ihren Sitz in Jerusalem hat. ist für seine Antbringungsarbeit nach Ländern organisiert. Tie deutsche Landesorganisation des Keren Hajefsod ist ..Das jüdische Aufbauwerk c. V." (Keren Hajenodj. Seinem Präsidium gehörten bereits vor Gründung der Jewish Agency eine Reihe führender Nichtzionisten an. Nach der Züricher Tagung traten mehrere Nicht- -.zivnisten neu in dieses Gremium ein. so daß unter dem Vorsitz, von Lskar Wassermann Zionisten und Nichtzionisten in gleicher Stärke an der-Verantwortung--für das jüdische Aufbauwerk beteiligt.waren., --eit dem Tode von Oskar WasiermanN ist-der Platz des Präsidenten' des deutschen Keren - .Hassejodverwaist. Eine Rei.lje der Präsidialmitglieder sind durch Tod oder Abwanderung ausgeschieden. Eine Neubesetzung -der freien Stellen des Präsidiums soll in nächster Zeit criolgen. Tie Arbeit des Keren -Kajesiod bestand in erster Reihe in der Griasinng von Privatpersonen für das Aufhringnngswerk des Paläftinaanfvanes. wobei das Grundprinzip der Arbeit war, niclst nur /'Nittel, sondern vor allem Menschen zu fammeln. Zahlreiche öffentliche und private Veranstaltungen, eine umfangreiche, vom -Keren Hajenod heransgegebene-' Literatur—rnrh ein eigenes;üiitteilungsblatt dienten diesem /Zweck. Daneben , war es immer das Bestreben des Keren Hajefsod. alle jüdischen Organisationen. Institutionen und Gemeinden zu kollektivem Beitritt zum Auidanwerk anizniordern. Ties ist bei den jüdischen Gemeinden in weitem Umfang geglückt. Zahlreiche Gemeinden haben dem Keren Hajefsod ans ihrem Budget einen Beitrag zur Verfügung gestellt und damit die Bedeutung des Palästina-Ansbans im Rahmen jüdischer Gesamtarbeit anerkannt. Schwieriger lagen die Verhältnisse bei den jüdischen Organisationen, soweit weltanschauliche Bedenken dein Beitritt entgegen - standen. Mit ihrem Beschluß vom 22. September d. I. hat nun die Reichsvertretnng der Inden in Teutschland als die Führung und Repräsentanz des gesamten deutschen Judentums. einen entscheidenden Schritt getan, indem sie ihr Bekenntnis znm Aufbauwerk durch Beitritt znm Keren Hajesiod belegt hat. Sie hat sich in dem gleichen Beschluß bereit . erklärt., die orgnnisnloriiäie ' Verbin- Aing der Körperschaften der Jndenhest in Denlscllland mit dem Aufbauwerk in Palastina herznftellen. Sie entiprictit damit einem dringenden Wnnsckiden der Eonncil der Jt-wLsli Aiit-m-v auf seiner diesjährigen Luzerner Tagung in einein Beschluß'-znm Ausdruck gebracht hat. In diesem Beschtnß, über den wir bereits im Rahmen des Berichtes über die Lnzerner Tagung (Nr. 39' berich- . leien, wird die Gründung einer Stelle.innerhalb des Organifationsdeparkements der Jewish. Agency für den organisatorischen Ans bau der Jewish. Agency, insbefpndere die ' Stärkung mvb Ersiisinngdes nichtzionistischen -Teils der ■ Jewish Ag«n'u y ,in allen Ländern gesvrhert. Die/indischen Gemeinden und Spitzenorganisationen - werden' als die.' am -bestengeeigneten Organe bezeichnet. um die BUtarbeitaller jüdischen .Kreise des betreffenden Landes am Palastinaanfbau sicher -Die Reichsverlretnng liat mit ihrem Befeiflnß übernommen-, -gegenüberder Jewish Agency als Verbindungsstelle zwiict>en dem Aufbauwerk und seiner Leitung, der Jewish Agency, einerseits und allen jüdischen Ge- . mcinden. Organisationen und Einrichtungen Deutschlands. die am Ansban Palästinas interessiert sind oder werden sollen, andererseits, zu dienen. Sie hat mit-ihrem Beitritt znm Keren -Hajesiod llargeftellt. daß sie . die Beteiligung am Aushau Palästinas im Rah--, tuen desjüdifelien Anfbanw/rkes .als einen wichtigen und notwendigen Teil ihrer Gefamlarbeit betrachtet. Dr. Fricdricb Urodnit^. Auslandsnachrichten England Die Feier des 7 5. Geburtstages des Marquies of Reading wurde am 10. Oktober auf -Walmer Eafrle, Deal, wo der Jubilar die Zeit feiner Nelonvatefzenz nach seiner tetzten schwer.'» ' Erkrankung verbringt, in aller Stille begangen. " Frankreich Bon nraßgebender Seite wird initgeteiti. daß die Pariser Polizeidirektion schärfste Maßn a h m e n zngesichert hat. durch die es Anhängern der „Solidarit6 Francaise“ in Zukunft unmöglich gemacht werden soll, Ausschreitungen in den jüdischen Wohnvierteln zu begehen. Die polizeilichen Maßnahmen, wurden nach energischen Beschwerden der jüdischen Organisationen und führender jüdischer Persönlichkeiten beim Innenminister und . beim Polizeipräfekt von Paris getroffen. Griechenland Durch die politische Umwälzung in Griechenland. die zur Wiederaufrichtung der Monarchie geführt hat. ist die staatsbürgerliche und rechtliche Stellung der Juden in keiner Weise beeinträchtigt worden. Ihre grnndsätzlicho und tatsächliche Gleichberechtigung, die in der letzten Zeit vor allem von Gruppen bekämpft wnrde. die dem unter venizelifttfcfjer Führung stehenden republikanischen Block angeschlosien waren, . bleibt ebenso gewahrt wie unter der Herrschaft des zurnckgetretenen Kabinetts Tsaldarrs. Eine Reihe von Mitgliedern der neuen Regierung, in erster Reihe der jetzige Nlinisterpräsident und provisorische Träger der köinglichen Gewalt. General Kvndplis. haben ihrer freundlichen Einstellung gegenüber der jüdischen Bevölkerung Griechenlands eindeiitig Ausdruck gegeben. Ter Führer der griechischen Faschisten. General Merknris, der Griechenland auf dem Faschistenkongreß in Montrenr vertrat und dort energisch gegen judenfeindliche Tendenzen sich wandte, ist Unterstaatssekretär im MinisterratSPräsidinm ge worden. Von den übrigen Mitgliedern des neuen Kabinetts hat Niinister Thevtokis sich.vor einiger Zeit in sehr lvarmen Worten über die Juden geäußert. Auch der neue Gt>neralgouverneur von Mazedonien, .zu denen Amtsbereich Saloniki, die Stadt mit der größten jüdischen Bevölkerung Griechenlands gehört,, gilt als Judenfrennd. Holland Ain 10. Oktober vollendete der neue Vorsitzende der Amsterdanier a'chkenaslicheii Gemeinde. A. S. V e d e.r . iein. 60. Lebensjahr. Der Jnbilai. ist in deiz kauimännischeii Kreisen von Amsterdam sehr angeselie». S.eit vielen Jahren iil er inder jüdischen TepaOiiriorge - hervorragend Polen In dem Prozeß gegen die Teiliikhmer an den Ausschreitungen in der Warschauer Vorstadt Powonski am 8. Juni 1934, bei denen der Jude Jecheskel Delman geivtet ivurde iind die Perez Bibliothek sowie mehrere jüdische Geschäfte und Wohinlngen zerstört ivurdeii,. iil am q. Oktober das Urteil gefällt ivordeu. Die Angeklagten Ehorosz. ,Le>viiiili. Dzieiviecki »nd '.'Naljewsli wurden der schweren -Körperverletzung an Delman. die zu seinein Tode siihrte. schuldig befunden upd zu je iiiiiieinlialb Jal,re„ Zuchthaus verurteilt. Sechs iveilere Angeklaqte erhiellen Zuchthausstrafen voii ie zivei. einer von einkin Jahre. Ter Witwe des erinvrdeten Telman wurde der geforderte spmboliiche Schadenersatz von euiem Zloth seitens der Angeklagten zugesprochen. Elf Beschuldigte wurden mangels Beweisen sreigesprochen. Gegen das Urteil wurde von der Verteidigung Berufung eingelegt. Mit Ansiiahme der vier wegen des Tot- - jchlags an Delinan Verurteilten wurden die übrigen B-eriirteilteii bis znm Beginn des Bern'nngsversahrens ans freien Fuß gesetzt. Die erste-Tagung des »engewählle» Sejm und Senats >sl beeiidet. Die Abstimmung bei der Koiistitniernng des Sejiii zeigte, daß der Ainpruch der >0 Prozent der Ewsämtbevölkeriing zahlendeii In denschast Pvleiis ans eine jtärlere Vertretung in den parlanieiitarischen -itörpersckiaiten «es gibt ji-tzt nur drei jildiiehe Abgeordnete und zivei jii ■ dische Senatorenj ii'gar in den Kreiien des ans Grund der neuen Walstordnung sehr einseitig zusaiiiittengesetzlen Sejm vielfach anerkaiint wird. Bei der Wahl der Schriftführer stellte der.Abge« ordnete Rabbiner Rubinstein die Kandldatur des jüdischen Abgeordneten Dr. Soniinerstein. in reiu demollstrativkr Absilstt qui. und zur allgemeinen Ueberraschnng erhielt Dr. Sommerstein 4l von * 188 abgegebenen gültigen Stimiiien. Rumänien Wie der frühere Borsitzende des Jüdischen Parlameiitsllnbs iii Rumänien. Dr.Plaper E bne r. einer der Gründer und Führer der Indischen -Reichspartel-Rumäniens. mitteill. ist das Zentralkomitee der Reichspartei in einer soeben in Bukarest abgehaltenen Sitzung nach gründlicher Prns»»g der gegenwärtigen Lage einniiitig zn dem Beschluß gekoiiiineii.- daß die Bereiiiigniig der Juden, schajt aller vier. Provinzen Großruinanieiis das Gebot der Stnnde fei. Was „ns jetzt not tut. ertlart Tr. Evner. i't Einheitlickikeit lind Zniäniii'eiiiaiinng aller unserer Kräfte in einer selbständigen zentralen Repraientanz der JndeniNiait des ganzen Landes. . Wir iiiiist'eii ans dem Sstiicki'al der ,Znden in Tnxtirliland lernen. T ie Fiihriin'g des deutnsie» ,'nideii. tiims liegt heule in einer zentralen 40--i>rasenIaiiz. Mit der Errichtiing einer Reichsreprälentanz der riiinann'elien 2,ndeiii>-Iiast ersnllen ivir vor allein eine Pstiäit der natioiialeii Elire. Es soin.meii Zeiten. in denen eine indi>ä>c ReiN)srepraicnta»z zi»n nfsentlichen Geivljien ivirte'svreNien iniissen. ES wird auch instivendig fein, bedrängten WKksge. iiosien ölonviniselie -Lilie zu briisgen und sie von unseren Bvllsgenl'ssen im Ausland 'ordern. Tschechoslowakei Bor . dem -n rci-.-gericht nt >A a l) r i i 0,. Citnni iauo owe Berliandlinig gegen den oeranlwvrtlnben üeMcklenr des ..Ncoravskoslezikti Faiiita". -Kni.zck. statt, der vom Advokateii Tr, Richter verteidigt lvnrde. Zu Beginn der Verhandlung erl,ob Tr.Zllichter Einweiidimgen gegen den Vorsitzenden. Oberlande-sgcrichtsrat Kämpf, mit der Begründ,,ng. daß er als jüdischer Richter in dieser Angelegenheit —-es handelte sich um die Bcichlagnahme eines alili'enntlichcn Artikels — beianaeii sei. Ter Vorsitzende unterbrach die Berl>a.iidliiii.g. undunterbreitete den Fall dem Zttaiidimn des Kreisgerielsts.' Nuninehr hat Vizepra'idciil Tr. Teiar eiitichlcden. d«rß die Ablehnung eines- Richters wegen seiner Konicnlvn unzulässig lei. Der Vorsitz in. der Verhandlung gegen Kuizek ivurde aberin.rls dein Lberlandesgerrchlsrat K.imoj nbertragen. Beschwerden uhcr das Ausbleiben der „C.< V. - /Zeitung** sind stets dem zuständigen Postamt (Zcitunqsstclle) zu unterbraten.