Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1935-10-03 · 40 (3.10.1935) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
40 (3.10.1935)
Date
1935-10-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2277379-2278097-2278124--09646-2292666
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 40 4. Beiblatt C.-V.-Zeitung 3. Oktober 1935 rrrsm. BtUsi jüus dtu DöloHiUeu Text und Ze chnunge . vö.i Max Raymer - Liebe Mutter! Heute folgt kein Allgemeinberichb über die Tolomiten, denn ich weiß, daß Lu mir längst auf der Landkarte nachgefahren bist und über die Gegend Besä)cid weißt. Mach Tir auch keine Sorgen, daß sich Dein Junge gerade die gefährlichsten Spitzen aussucht; ich komm schon wieder heil nach Hause! Ich will Dir heute von einem ganz großen Tag meines Lebens , berichten, von einem Aufstieg, bei dem ich den Begriff Gottes Nähe in der unbeschreiblich schönen Natur fühlte. Ich erschien mir, ohne Frömmler zu sein, ein gesegnetes.. Menschenkind. Um halb fünf rasselte mein Wecker, raus aus den Federn; schwer bepackt mit Malzeug und Proviant verließ ich San Martina. Eine verdammte Kälte, eine klare Morgenstimmung mit einer Himmelsbläue, wie sie nur der Süden, kennt. Ich wanderte durch Tannenwälder bergan. nach einer Stunde Marsch begännen die Steinformationen. eine Alpenflora von herrlichem Farbenreichtum,. Blumen. die ich nie gesehen. Ueber Steingeröll steigt's aufwärts. Inzwischen hatte die Sonne den Weg über die Berge gefunden und überstrahlte in vollem Glanze die Landschaft vor und unter mir. Wo sollte ich da beginnen, solche Pracht festzuhaltenNasch ein paar Aufnahmen mit der Leica und dann den Zeichenblock heraus! Obwohl hier alles nach Farbe schreit, arbeitete ich mit Rötel und Kohle. . Ich wollte mich nicht zu lange aufhalten. Fieberhaft flog der Stift über den Zeichenblock: es gab ja so vieles festzuhalten. Dann verließ ich den Fußpfad und kletterte über Felspartien, zu einem Wasserfall. In hellstem Blau und Smaragdgrün kam das Gefälle über gelbliches Gestein. Eine kurze Strecke am Trahtsiil; graue Wolken ävaren ausgezogen und beschatteten Gipfel und Bergwände. Ich erkannte, ich war vom Weg abgc- 'kommen, und es war Zeit kehrtzumachen, wollte ich nicht in , diese Nebelschwadcn eintauchcn. Ein Stück Marsch talwärts und wieder bergan zur Paßhöhe. Ter Weg ist eingesäumt. von prächtigen Alpen- und Steinrosen: auf kurzen Wiesenstrecken leuchten Alpeiiblumen in den tollsten Farben. So reich die Pflanzenwelt ist. um so ärmer ist die Landschaft an Getier: Nur ein paar Eidechsen huschen über den Weg., weiter oben sonnt sich ein Salamander und läßt sich beschauen; die Vogelwelt kennt diese Bergriesen kaum. Ein leichter Regenschauer setzte ein. Inzwischen war Ich zum Tunnel gelangt, der mir. Schutz gewährte. Eine kurze Futterpause und weiter gings bergan, den Schneefeldern entgegen. Tie Felsgrnppen sind hier unterbrochen von kleinen Wiesenstrecken. Zum erstenmal pflückte ich Edelweiß: Am Wegrand die kleinen Sterne, an den Hängen die großen. Auf mancher Blume stauden noch die Tautropfen, die in der Morgensonne glitzerten. Bei der früheren Unterkunfts- Hütte, die ein Raub der Flammen wurde..machte ich Rast. Tie Sonne schien wieder klar und freigebig. Der Landschastskompler war hier so reich an Farben: Ueber Borgriesen und Wände zog das Wolkenmeer, dazwischen ein tiefblauer Hiinmclsfetzen. Das Gestein in Stahlblau. Rötlichgelb bis zu den tiefen Schrunden in Blaugrau und Violett. Die Schnvcsclder in matten.blaugrauen Farben, die Riste in schmutzigem Gelb. Ja. weißt Du. liebe Mutter, das schauen zu dürfen, lohnte geboren zu sein. Raus mit dem Farbenkasten, und dann saß ich da und wußte nicht, wo anfangen und wo weglassen. Doch Begeisterung schafft fieberhaft, und in zwei Stunden sah ich eine Arbeit vor mir, die mich froh stimmte und von der ich kaum nuißte. wie sich all das — fast von selbst — formte.^ Ich setzte schnell, den letzten Pinselstrich auf es war Zeit, schon wieder sielen schivere Tropfe», dicke Wolkeinväude kamen über die Schneeselder. ein neuer Regenschauer setzte ein. Es begann »»gemütlich kalt zu werden, durch Woll- und Windjacke pfiff ein kalter Wind und die Regentropfen sickerten durch. Nach dreißig Minuten Marsch erreichte ich das erste große ^-Schneeield. Schon lugte die Sonne wieder durch, erwärmte, und ich wanderte wohlbehalten über Schnee und Eis. Bergriescn rings um mich, das Tal enger geworden. Felsen, rvelche die Form von Fabeltieren hatten, schauten auf mich nieder. Da wird man so richtig winzig, so rein gar mir. Keine Mcnschenseclc um mich, nur meine -Wf» danke» über mich, über die Menschheit draußen in der Welt, die besser würde, wenn sie all das sehen könnte, die sich bei solcher Größe der Natur nicht so wichtig vorkäme und — dann ein ganz großes Glücksgefühl! Beim Aufsitzen der Spitze meines Bergstockes-merkte ich, daß hier ein gutes Echo war; ich ließ meine Iauchzercr los. hörte das Echo ab wurde eigener Stimmkritikus! Bald kam die Antwort vonz Pasto.di Bal und ich sah drei Iungens auf ihren Hosenböden die Schneefe.lder absahren. Es dauerte nicht allzulange, da waren wir beieinander und begrüßten uns herzlich. .Ueber Felsen und Schneefelder gings weiter bergan, bald hatte ich es gesck)asft und stand am Paß. Hier war Rückwärts- und Borwärtsschauen gleich begeisternd! Ich wußte zwar nicht, wie all die Spitzen heißen, die ich ersckiaute. es war mir auch gleich, nur betrachten und still sein und in sich anfnehmen! Ich hatte keine weiteren Wünsche. —- Namenlose Schönheit! Damit Tu. liebe Mutter. noch . besser miterlebst, folgen verschiedene Skizzen für Tich: Tu ' wirst dem egoistischen Bergsteiger nicht böse fern, wenn er Dir als Sondergruß ein paar Edelweiß sendet! o Nach weiteren zwanzig Minuten Marsch berg. ab war die Pradidalihütte erreicht! Eine Stunde Ruhepause, dann Abstieg mach Primiero. einem kleinen italienischen Städtchen. Noch viel wüßt ich Dir von diesem Rückmarsch zu erzählen, aber »varte. bis ich Dich im Herbst besuche; ich bringe Tir meine große Skizzenmappe und viele Leica- Aufnahmen mit. Die Farben werden Tir noch, mehr sagen, als dies mein heutiger Brief vermag. - ' Herzlichst - Tein Mar. . V s ))W, SRN- MRRTINO -cm-CRSTRQ22R. Junge Sportlehrer wurden ausgebildet Ein sportpädagogischer Lehrgang in Berlin Kürzlich wurde in Berlin ein sportpadagogi scher Lehrgang beendet, denen Einrichtung um io begrüßenswerter erscheint. als .die Notivendigkcil zu'ihm schon seit langem vorlag. r'u junge aktive Sportler und Sportlerinnen ans Berlin und dem Reich, aus einer großen Anzahl von Bewerbern ausgewählt, waren zu einem Kursus zusammengekommen, nnr im Verlauf von sechs Wochen zu . Lport- und Turnlehrern herangebildet zu werden. Tie Einrichtung dieses Lehrganges, gemeinsam von der Schulabteilnng der Reichsvertre- . t n n g und dem R e i ch s a n s s ch u ß der jüdischen Sportverbände veranstaltet. war ein Gebot der Stiinde: denn der Mangel an geeigneten Lehrträsten ätii dem Gebiet der Leibesübungen war deutlich spürbar. Womit mußten 'ich die jungen Menschen. die vom frühen Morgen bis zum späten Abend aus dem Sportplatz, in den Turnhallen und Hör'älen „schufteten". beschäftigen: Im praktischen Teil, den Tipl.-Turn- und Sportlehrer .Kurt Marr leitete, lernten die Kursisten zunächst die Beherrschung der turnerischen und sportlichen. Grundübungen, die zum iehlersreien und benpiel hatten Vorturnen unumgänglich notwendig er scheint. Tarüber hinaus aber lernten sie verstehen, wie inan eine Turnitlinde in der Schübe oder einen Trainingsnachmitlag im Verein >e -nach Alter und körperlicher Entwicklung der Teib iichmer enirichtet. wie man die Inilqen und Mädel am zweckmäßigsten in die schwierige Tech- Nil der Hebungen eini»!>rt und in ihnen durch inlerenunle. at»vcä>sliiug-:-reu1,e Aiisgeüulluiig die oit noch Fehlende Neigung zu den, rleibesübinigeil erweckt. Als t h e ö r c l i i di c .F Ich er. in die in der kurzen zurFkier'iigiing tt»l,enden I.ut irllerduigs nur ein kurzer, iv-uiii anelj vr»gnalit«'r.Einl'lrck gegeln'ii inerde» , konnte, Iinmnals luiditipüc Fliemen Mleiliodil und Padagogil/ S portmedizin, Sporthvgieiie. indische >'nsil,nl,le und Gegenwart,slnnde iiinzn. »ber die von Fachleuten gesprochen Anili and,engend., r Arbeit aller Beleii iglen ill der Kursus beendet. Eine Prüfung gab - ihm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.