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Central-Verein-Zeitung · 1935-10-03 · 40 (3.10.1935) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
40 (3.10.1935)
Date
1935-10-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Zeichnung Max Raymer Oberkantor Aron Friedmann (Berlin) wurde 80 Jahre alt. Er zeichnete sich durch eine Verinnerlichung in der Ausübung seines hohen .Amtes aus, die kein Erstarren in Routine kannte und. ihn mit der Gemeinde besonders unmittelbar . verband. .Friedmann hat auch durch Kompositionen und ein zweimal aufgelegtes Werk „Der synagogale Gesang“ Beachtung und Anerkennung gefunden tniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiB Mo Heiligkeit der jüdischen Religion und ihrer Kunst. dringt in das Alleryeiligste des Tempels. Crassus hat nilr Hute resse für die (Heldgeräte und plündert sie. Rur Caesar Hat Verständnis für die erbäuendc Kunst des,,, jüdischen Volkes; fein Wohlwollenden Inden ,,gegenüber ist bekannt. Unter dem.Jdnniäer Herodes (47 bis 4 t>. Chr.) lyrcrber Tempel als ein Bauwerk von grünten Ausmaßen neu erbaut. In der Gesnintnnlnge, ähnlich dem. ersten Tempel, wird inder Hauptsache wieder Zedcrnhvlz verwendet. Tie Raumverhältnisse, (die Wandtafelungen, das Gebälk — kurz: alles zeigt in seinen Proportionen ein Höchstmaß von Kunst und Vollendung. Ganz frei von heidnischen Motiven ist dieser Tempel freilich nicht: den in Herodes ist hellenistisch stark bc- - cinflnßt. <:o läßt er z.B. einen großen goldenen Adler, also ein römisches Motiv, atn Tempel anbringen. Aber auch der siebeniarmige Leuchter, übrigens das einzige, was ttns wenigstens durch die Wiedergabe am Titusbogen erhalten blieb, ist nicht frei von xömisch-griechischem Einstuß. Zur damaligen Zeit verbreiten sich die -ksuden stärker als je zuvor über die Welt. Wir treffen sie in Aegypten. Syrien, Griechenland chis nach Italien und Gallien. Ueberall gründen sie Gemeinden und bauen Svnagvgen im ».Stile der Völker"; denn Zedernholz ist teuer Und der Transport zu beschwerlich. Aber keine Gemeinde, meu ne noch so arm sein, vergißt suv den Temvel — ihren Tempel-tu Jerusalem — zu spenden. Alerandrteit. dessen Hattptsnnagoge als ein -Wunderwerk der Well gilt, stiftet für das noch größere-Wunderwerk, den Tempel in Ierufatcin. die Metallbefchlage für sämtliche Tore.. Unter der glücklichen Regierung Agrippa 1.. des reichen, seinsinmgen und ' banlnstigen Königs, erlebt'der Tempelbau der Itlden seine zweite, höchste Blutezett. Recht wenigerals Id nun nidische Kniittter tuid nandioerker .läßt Agrippa-stir die Beiettigiiug Jerusalems - und .den Ausbau, des Teutpels - besehäsrigett. Rach seinem Tode stihrt sein Sohit das väterliche Werkzn Cnde. Rvmwchcbricht die'Welt. aber sente Kimü ist zur dawalrgen Zeit inr Rtedetgang. Cs . besteht kern Zweifel. daß die roinischen--Prttrtt- < bauten mit tiberladeiter Pracht, voran'das Goldene Haus des Rero. protzenhait ttud ge-' fchmacklvs sind. Ter Teutpel in Iernsaletn aber wird von der ganzen We.lt als das vollendetste Architektiirdenknial der damaligen Zeit bewundert. Und wieder auf dem Gipfel der höchsten künstlerischen .Vollendung wird das fudtiche Hettigium 7" n. Cyr, dtirch die. Runter abermals ein Raub der Flammen. Fast Jahre tv'abrte diele, ztvette Tcmpetpertode: seit Crsteytntg des salomotuschen Tempels tvaren attnaberttd ltHH i Ialtre verstrichen. Cs geschah vor ivemgen Jahrzehnten, da lernteman dttrch eine betoitdere Technik große Sperrholzplatten Herstellen. Ans einmal batne ntan tut Gegen saß zu stncknber-, -lade-neu Ranrneiialniltch ivre zur Zeit stRervs^ Sale uttl glatten: großen-, ttud-breiten. Hol; - uatelungett. die rit iltrer astbettillieir. ruhigen -Wtrkiiltg -ttttd in der. Büarme des Blarertals ^a.tchero.rde-tttlt-elt dettt Auge ttttd dem .trnitft-. /empfinden, wobltatetr. Blattglaubte eittett . nenen Bansttl enlddckl zn h a be n: .e -> t v a r ab er nttr der Anfang der Wtedergebtirt. eines Baustiles, wre erschon , vor sau vJitFHr - -Jahren. tn die indische -stnnsl euigesuyrt worden war. ..Cr war-weiser denn alle'Meuschen'. hetßt cs schon tm Buch der Könige. ..t,nd er redete über die Bannte von der Zeder atif dem. Li- - bancm." Meäer8eken mit Henrietta Szold Von Dr. Margarete Edelheim Wenn man in Palästina von einer Kwuza zur anderen fährt-und dw neuen Häuser sieht, in denen Kinder der deulschett Ingend-Alija nntergebracht sind, dann hört man imtner wieder'dett einen Namen: Miß Henrietta Szold. Bliß Szold hat die Kinder etnpfangett, '. Miß Szold hat für ihre Verteilung in den verschiedenen Siedtttngett gesorgt. Bliß Szold hat in planvoller Arbeit in kttrzen Bsintaten für Hunderte von Kindern Unterkunft geschasst, BUß Szold hilft, wenn ein Kind sich schwer i.n die neue Umgebung eiusindet oder sich bei seiner Crziehuug besondere Probleme zeigen.-Als ich Miß Szold dann in Jerusalem tennenlernte, erkannte ich. daß hier eine Persönlichkeit von seltener Harmonie, von Verstand und Herz am-.Werk-ist,, und ich-fühlte, daß das Vertraneti, das ihr . so schrankenlos entgegengebracht wird, berechtigt ist. - Und mm kam sie nach Berlin. Tie Reichs- Vertretung gab einen Cuipfang für sie, bei dem sic nach einer Begrüßung durch Tr. Julius L. Scligsohn selbst' das Wort nahm und das richtige Motto für ihren Ausentchalt in Teutschland Proklamierte: keinen Tank wolle sie, die Bewunderung für ihre Person lehne sie ab,-nur das Werk dürfe, gelten. Sie lei dem Schicksal dankbar, das sie befähigt habe, dem Judentum in Teutschland in dieser Zeit. , einen Teil der Sorgen für sein kostbarstes Gut, für die Zukunft der Kinder, mit ab- (. nehmen zu dürfen. Cine Kette von Cinpfängen schloß sich au diesen ersten an. Und als ich MißSzvld dann eine Woche später selbst tvieder sprechen durfte, da bat ich sie, mir etwas zu sagen von den Cindrückcn. die sie hier empfangen halte. Mit tiefer Crgrisseuheit gab Miß Szold aus ihrem Herzen etwas von dem preis, das sie in dieser Woche hier, erlebt hatte. „Ich habe", sagte sie, „zum Beispiel die Mitrleren-Schnlc betucht, die ja zum Sr eil eine 'Fortsetzung, der Volisschttle. zum Teil eine Vorbereitung für die Auswattdertiug m. Tort tverden neben vortviegend Berliner Kindertt, ebenso wie in den. einzelnen Hachscktara- Lagern. die Kinder aus dem gattzeit Reich, die im'nächsten Jahr nach Palästina geführt werden sollen, gesammelt, lud" .Kinder bosien tvir im nächsten Jahr dorr»iilerbrntgen zu kötitieii. Hier yahe ich tum eittett Teil von ihnen gesehen,-uud. was mich am stärksten erschüttert hat. war die große Hingabe, mit der Lehrer und Kinder mi iltrem zukünftigen Schicksal artviteit. Kcitts von ihnen richtet den Blick zurück, alle sehen nur vorwärts. Sie empfinden die Gegenwart kaum, toeit sie schon ganz in der Zukunft leben. Tann sah ick, die Schuld am Kaiserdamm. in Berlin. Tort hielt ich einen Vortrag über das Leben in Palästina, wie es wirklich ist.'-.Ich sprach nur von Tatsachen, gar nicht von Problemen. Und die Kinder folgten meinen Atisf-ührnngen mit Lebendigkeit und innerster Anlcilnayme. An ciuem anderen-Tag sah ich das Vvrbereitungslager auf denn Gtit Schuicbinckien. Tort tverden 4>> Kinder ausgebtldek. Tann tvieder besuchte ich das Kinderheim der Ahawa. das ja besonders 'stark mit Palästina verknüpft ist. weil ein Teil der Kinder nud Schwestern von ihnen schon in Haiia ist. Ich hielt leine Ansprache. sondern bat die llindcr. an mich Tragen zn stellen. Und e.s tvar tnerkmürdtg. ivie diese Kinder im Alker von 7 bis l > Jahren die paläskinettsische Wirklichkeit erkannten. In den -Kinderkrippen der jüdischen Gemeinde betvundertc ich bcsvndcrs die Jürsorge für die Schulkiitder. die dort gleicks nadj der Schule versorgt werden. Bet. dieser Beücktttgtittg tvurde mir klar, welche Aufgaben tvir iit -Palästina nach dieser Richtung hin noch zu erfüllen haben. Sie wissen sä, daß wir dort eine Zahl von Kinderheimen haben, aber die ' Jüriorge kür die Schttlktnder liegt noch ganz, darnieder.-' - ■. .Wie verlies", fragte ich Miß Szotd. ..der Clterüatvnd der Jugend Alisa V - . ..Ich tagte Jhneit neulich", antwortete sie. ..daß ich envas Angst habe Vor dem Abend. - weil, tcl, za den Ctiern sagen, mtiß. das: ich . nicht jedes 'Kmd kenne, sondern, eigeutlicki nnv dte ichtvtertgeren Jalte. Und uh surchteke, die Clleru -wiirdc'ii darüber enttäuscht sein. Jcy glättete/ es tvztrde ein ganz kleiner Kretsgetn-. - Aber die Jugend Al-ijahatte auchdie Ctterii - der Kt »der dazu gebeten, die unt dem itactiüeii - ' Tratispoii . luuul'erloiitmen. Und- >o r-ral uh - . ve.r imgesabr .'>>>" Bieiisclteit. >tls ich nt den , . Siksil kaitt. - Aber es war gletch eute - t olche . A'titw'piiare von!iicuic!>!iclier Bsi-cine. daß uh ■'' trotzdettt das Gefühl hatte, in ez^er 'Tainilte zu sprettteu Id, erzählte von der llitterbrnt-- guug der Uguder ' drüben.. tmd dattit stellte man an muii Tragen. Sie alle bezogen suh aus die Probleme, dte utts drttbett sepl wirklich auch aut mettkeu beschafttgeu. Tie ersleu -.Kinder, die hiüübergekoutütett siitd, sind jetzt bald zwei Jahre dort. Sie kbiilmeu nun. aus dem Bezirk der- Jugend Aliia hinaus ttud . rücken iit .die Genteinschatt der' Ktouza ein. Wie wird, sich das vollzieheitk Siitd die Kwii.zok bereit, die Kinder nun aufzimehmeu. Und tverden die Kinder schon allen Anforderungen gewacktscn seink Tiefe Troge stellten sie znin Beispiel tmb rührtett dantit an einctn -KerNpttttkt littserer nächsten-Altsgaben. - - Sie. / können sich denken, daß icki eine ganze Wageitladttng von'Grüßen mtd Segenswüitschen der Cltertt für ihre serueti Kinder iit meinem Herzen tnik hinüberiiehme." ..llitd nun zum Scitluß: Was selten Sie für , uns Juden in Teutschlaud sür Ausgaben füv die näcltfte Zeit Z,ch liabe". sagte BUß. Szold. ..es schmt ausgeiprocheit. und ick) .kann es iluuter uur ivtederholen: Ich beuge mich vor der Würde, mit der die Jtidcn iu Teutschlaud ihr Schicksal tragen,und idt bewundere die schöpsel-ijche Kraft, die noch immer in den Juden woltitl. . Ich hofie. daß sie diese scltopserische Krasi weiter erhalten und daß es 'denen, die nicktt austvanderit.' gelingen ntöge. ihre Augelegeit- Itetteu innerhalb des ihnen gebliebenen Lebensraunts äuszubane» und lebenstverk zn . gestalten. Tarunker verstehe-ich. daß sie ihre Liebe für die KuIliit-. in der sie groß geioorden find, beibchalten und daneben ihre jüdisciie Ktiltttr vertiefen." Zn Chren des 7V Geburtstages von Miß. Henrietta Szold hat die Zionistische Weltorganisation beschlossen, eine Siedlnug voir Chalttzim ans Teutschland ttud von Jugendlichen der Jugend-Altja in^Süden Palästinas nach ihr als „He11rietta-Lzold-Siedluug" zti bezeichnen. Dr. Ludwig Holländer bittet uns ttm Ausnahme folgender Aeilen: ..Tn der .feit meiner C-rsraiiknug hol eine große Anzahl von Treiinden -meiner in besonders tichciisn'ilrdiqer ü>tteise gedacyt. Ich Ann leider itoch nicht imtlatide. i»t Angendtick jedem einzeltiea zn .danken, Note es meintlütinkch nt. gil, hoite. dies in einigen Woctteii t-nn zu loinieii. Ans dieient Wege aber ntochte 'ich schon heute allen Trennden stir ihre guten Atiinsche und U,re Treue herzlich danken. Tr. Ltidwig Holländer." Jüdische Erinnerungen T h e r c s c Tevrient, die Frau von Eduard Tevrieat. entstammte einer jüdischen Familie, .die allerdings nicht mehr der Gctnetnde augehortc. Sie setbft nahm vor threr Heirat den evangelischen Glanden an. Welche Chrfitr'chine aber der tüditchen Religion be- - ivohrre, zeigen die naetitolgenden Beichreibmigen ■ jüdiicher. geieriage. zn denen int ernstesten ntid . tieiüend Sinne «pich der Tvd des^aters wird. Wir cntnelnnen den Bericht den Jngenderitnicrnngen von Therese Tevrient, ged. Schlesinger, ber.nisgegeden von Hans Tevrient. Sti-Uaart Oer Lahhat Ans einem dcr ältesten Märlte der Stadt zeigte Vater ans ein-altm.odiiches -Hans, den Laden seines Bruders. Cr'war lest ver!ct>tvssen, tvas inis erinttrvfe, daß heut Sabbat fei. worüber wir nicht tocni.g verlegen waren, da wir - befürchten mußten. unsere Gegenwart werde.gerade beute dem alten, stre.nggllintugen Manne verlebend sein. Wir 'traten in den Flur. Hier tvar alles»nfrenndiich. gebrannt und iinitrr: tvir stiegen die Treppe hinaus lind klinaelteu an.einerhi-'lHrneit Gilter-. tür . . . Cine helle, besonders reinliche nnd tvv!;l-- gevrdnete Stube emviing uns. Altiiwdi-ichc Blobel - ringsum. An der-Wand, ein Becken.unter einem .Wanergefäß von blankgevtitziem Zinn, ein feines, tveißes -Handtuch hing daneben. Ans der ganzen sorgiajligen. Anordnung, gns der Sülle, die im Znnmer berrtchte. und-ans tankend Kteinigkeiten atmetenn-s'einc Fei'llag-sstimmnng an . ... . -Run' wurde dcr Ti'ch gedeckt, das Ciien ausgetragen und Vater nnd Sohne traten zum Bellen, drehten den Hahn ans. und indem sie leise ein Gebet murmelten, ließen sie das Wasser ihre Hände beipulcit. trollneten. sich,' setzten ihre Hüte ans .und gingen zu Tiillt. Meiit. Vater ■ folgte verlegen, utticre Blicke vermeidend, ihrem Beispiel. Wir setzten uns. Ter Alle itahm ernft unö feierlich das Brot, segnete cs niid teilte cs ans. Sein' lonit w frenndliches Gencht hatte einen finsteren, niitztrauischen Ansdrnll bekomineti. als er uns das Brot reichte. Aber cs war uns allen in diesem Ailgeiiblill so iromm. so ieierlich .;»- Mitte, daß er es uns wohl anschen mochte, denn crleillTtert und heiter blickte er ztl seinen Kindern hinüber. 7 . VersöhnungsLert Tie Zeit des VersoHnungssestes kam Heran, tmd Vater beschloß, wenn auch außer, dcr (Kemeinschast-seiner ißt,inbeiisgenossen. doch für sich allein dieses-'höchste und ernsteste der Feste mitznfeierii. Alle unsere Besorgnisse, daß dieic Anstrct'.gnng ihm nicht belonntien. tverde. wies er zurück,'so-mußten tvir uns drei» söge». — Kaum tvar die Tonne am Vorabend des Festes mstergegangen. so wfmichte cr-iins allen eine gute -.'leicht und ging in ein eiiisames -Hinterstnbchen. das. er verschloß. Cs war ein granienhattes. unheimliches Gesühl für'uns. in seiiiell Stcrbekl'eidern ihn uns jetzt denken zu münen. Geräuschlos legten wir uns nieder imd liörchteii seinem Gebet, die Bküdigkeit aber übermaimte wich, noch lange Hörle ich die Töne seines Gebets durch meinen Schlaf. Am anderen Blvrgen wartete Mtitter besorgt an seiner Tür, er aber trat heiter und fröhlich - heraus. Keine Art von - liririschling diirtke er sich erlauben. selbst lieh zu waschen war ihm verboten. Cr'ging ms Freie. Lore und ich begleiteten ihn. In dem großen Garten stand ans einem Hügel, von Büschen verdeckt,- .ein japanisches -Tchirmdach. auf einem Rdttelpiosten rnhend, . . . „Tas i'vll mein Tempel iein", sagte Vater lächelnd, ..spielt ihr unten' und itort mich nicht." Mit diesen Worten ging er langsam den Hügel hinan ltnd ward unteren Blicken durch das Gebüsch entzogen. Wir setzten uns andächtig in das hohe, tveiche Gras, eine heilige Slille war rings um . uns her, Niir durch den Gelang der Vögel untcrbrvchen. die lustig iibe.r 'uns hitülogen in dem hellelvToiinenilliciii. Mir ivar iv-wohl-, ko leicht ums Herz, als waren ani einmal alle Tchwächcn und Fechler von inir genommen durch das Gebet des - lieben, frommeii Mannes da oben nntcr dein Trachen. . . . Biittags war auch Vater znrnck- ^gekehrt: wir bäte" ibn aber iirft vt entfernen, als wir niis zum Csten 'etzteii. denn vs war uns nicht möglilli. m feiner Röhe etwas zu genießen: .er ivilligte uns zn Gefallen ein. versicherte aber freundlich nnd anspruchslos, wie er immer war. daß ergar lein Bedürfnis iuhle. etwas zu genießen. — -ändlilli kam die von Alnklcr 'ehirlichit erivarletc Tainncecungsstnnde. nnd mit frohem Herzen breitete fce ein Tuch über den Tisch. zündete die Lichter an und ließ die. Lieblings, gerichte Vaters aui dem T,fche dampfen. Cilig liefen wir. ihn zu holen: er aber sing erst in alier Rnhc an. sich zu waschen und zu putzen, und als wir ihn nun imgeduldig ininiertorl riefen, sagte er: „Gi. Kinder, ich kann doch nicht io nnieitlich an den Hellen festlichen Tisch mich fetzen," --eine wahre, begeisterte: Fröinwigkett halte ihn leicht und ohne Anitreiigimg die schweren Stunden des Fastens, Wachens und Lctens überstehen lasten. Oer Tod de» Vater» Tic Krankheit steigerte sich von Tag zu Tag, er aber blieb seiner lieben, fausten Weise getreu. Gegen Abend ivnrden seine-Bhantasten hefngcr. Gr rief mit tiefem, feierlichem Ton: ..Tie lange Hlacht fängt an. gebt wir wein Skerbchewd uns die heiligen tsebote!" Cr machte eine Bewegung, als ob er-sie üm die Stirn legte, und fing in .schwachen, unheiinlichen Tönen an' zu beten und zu singen . .. . Als der Tag anbrach. verstnnmiten ..die Gesänge: todes'niatl nnd bleich, aber mit entern, seligen Lächeln und dem Ausdrtick des hinimliichen Friedens blickte er Uns an. Sem Bewußtsein war tvicdergekehrt Cr bat Mutter. Zn seinenr Bruder zn schicken-, daß er mit einigen frominen Leuten zu - ihm tiime-r die letzte Stunde mit ihm zn beten . . , Cs tvar noch keine halbe T'uvde pergangen, io traten sechs Männer, die dreicckigc>i -Hüte auf dem Kopie, ein. Thne zu sprechen oeec sich auch nur miizniehen. grtigeü'sie lmigsam durch Misere .iiimnct auf das Lager des Kranken zn und iimstandeti es in einein Krciic. Vater ^erkannm feinen Bruder nnd blickte frenndlich zu ihm nid; dieser reichte ihm die Hand, aber ohne das acringstc Feichcn von Rührung oder Bewegung: dennoch eniziickre mich der An-drnck je,»es Gefichtc?, denn auf feiner tiefgenirchten Wkirne lag ganz d,".- Ansdrnck der Heürgleit dieser Stunde. Cm brennendes Licht wurde an das Hauptende des Benes geikent. und die sechs Alänner begannen in eintönigem löemurmel die Gebete herzniagen. die wt: schon die Aachl hindurch von Vater gehört hatten Cr lag ganz ruhig mir geichlosteiien Augen und gefalteten Händen, mir 'eine Lippen bewegten wie zn leisem Gebet. Als es .beendet, sagte er iainn noch hörbar: ..Amen — o wie ivnnderschon" — und »färb.,.:-. Kein lautes Klagen störte dic'c großen Suinden: wir genosten, die Seligkeit des Tabingefchiedciien mit ihm und hätten uns geühatnr. uns feiner unwürdig zi. Die Papierserviette . Tas Jahr öiibst hat begvnne». Seine beiden ersten'Tage cm nächdeiilliches Slillestehen ans unserem sturinersnstten Weg durch d,e F,eit - vergingen in ticiem 3innen inrd Gebei. Tickstgedrängt standen die jiidischeu sst!en>ck,en in dem . Gvlteshänscr» und Betsäleii. Cine-glückliclp.' Feststellung: -in den Gottesdienst' n, in der Hol'nng der iudifcheii Alenichcit überhaupt war -HaNniig eingm kehrt, die linscre ernsten Tage fordern Cine Tame ging den lllleg znin.Teuchel. dcr -Hand, ziemlich in-tcr der Tasckie. verliorgeii. .trug ste etwas,-das - in' eine Papicriervictle -eingcivlckelt war. Im Tempel Packte sie das Ctwaans.' legte dic Papierferv.iette iem iäul'erlich ge faltet ani ihren Platz — einiges Knistern ließ ftctj fchiver verineiden — und hielt dann in der -Hand ein — Gebetbuch. Wir , haben dock, cigentlick) gelernt, miscc.'u Glauben frei zinn Licht zu 'tragen.'uns stolz ztc ihm zu bekenncii — iven» mir eiiberhaupt Irr > - neu mußten! Cs ist kann, eine Antwort zn fin - . d--n ans die Frage: loarmii .hat'.sich dic Tame geniert, ihr Gebetbuch aiil deiri lsteg osten zu tragend Wenn dür si? die. lncbetc. stick,althaben, was mag sie dann' beivogen hal>e». ihn mit ei»er Papier'ervielte verhiillen zu ivolleii^ Und ioenn _ihr Glaube ihr nicht das iit. was ste mit Stolz nnd Freude durch Kampf und 'Kot tragt, wozu gebt ste dann in den Tempel k Blau kann nicht annehmen. daß da--'Gebetbuch nur geschützt tverden sollte.: es. hatte aut dem Ltzeg bestiitimt leinen Schaden -genemmen. Und — das muß leider zugegeben n'crden - es war-auch gar ' nichk'diese Tame allein, dte. sich so verhielt: es Maren immerhin noch ziemlich viele Tamennnd es imarrmanch Herren, die man mit dem bewußten Päckchen niiterm Arm gehen sah. Nnd es. war auch nill;t immer eine Papierserviette — -e.S gasv— - bttles nnd du n kl es .Cinpackpapier. Tüten - . es aab auch Zeititngspapier. Aber egal, wie es aits- >'abes war immer, oder dost, in den allermestteii Fallen, ein verschämtes, iwchrliches Berhiillei! - ,-i'n etwas, das schönste, freieste (rhrlidjfcit seine:- Bekennens verlangt. Hihi»- Marx.

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