Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 39 (26.9.1935)
- Date
- 1935-09-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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D icscr Midrasch bcntcf -durch die Abrcihamiirichillile uni die uralte verlaust des aus dem Horu-des Svserwiööcrsgebildete» Schvfars in schiiditcr' Auiöcdiing des S imiziifaiiimciilimigs im -didlischeif Reichel,eu hin. Und Zugleich snqt der Älidraselj, u>as der Schviurtvii uns bedeuten svll> >00 auch immer nur uns bi'nuden in- Nnmn und Zcit.,-In Anierifo h,tt inan für jiidi-sche Farmer, die iveit draichen auf dein ttaiwo nnsässig und durch irachcrei-sen bau der Tnachsteu. Stiimgoge entfernt sind.- von EpicoM niis durch Nadivüber- Irngimg <zellolseii. der Pflicht des Srhvsarhvrens - zugenügen, und--man -hat Erörterungen. darüber - angeitellt, ähnlich wie bei der phonographischen Wiedergabe der Schvfarflänge in Krankenzimmern, ob diese Art der Ilebermittlung vor dem Neliqionsgeset; bestehen kann. Uns sagen solche Jeicl>cn der-Zeit zumindest eines: der Schvfartvn erlliugt allch heute mitTliwermindcrter Kraft bis An die fernsten Winkel, in denen Juden leben; sie alle tnvllcu seinen Anruf hören, damit-sich die -erste-Weisung, die-an uns. über dieses .Fest des- Gedenkens-- ergangen ist. erfülle: „Im siebten Monat, ain Ersten-des Monats, soll eucheine Niiheseier sein, Mahnung des Posaunenschalles, -heilige Berufung." Heilige Tage im Gotteshaus Von. Oberkantor Magnus Da'vidsohn Und sei die Gemeinde noch so tleiit, mögen nur drei oder vier Inden in einem Städtchen oder einem Dorf wohnen, mögen sie nur selten, fast nie im/Jahre zu gemeinsamem Gottesdienst znsammenkommen: tveml die Selichot-Tage hernnnahmen, daun einen sie sich zn einer Gemeinde, dann suchen sie das Beine -Heiligtum auf. lind haben sie keine Spuagvge, daun tvird das Zimmer in einer indischen Wohnstätte zum Betraum, zum Bct-Hnk'nr-^,'!, zum Versammlungsraum. Bnsigebete steigen zum Himmel empor. Wenn.- der Sabbat vor dem Neujahrsfeste sein Ende erreiclil hat; dann klingt jene Elegie.wieder aus, die zweimal im Jahre bereits gehört wird, da man Fruchtbarteit für den. Sommer und segen für den Winter ersieht. . In grauer Morgendämiuerstiinde streben die frommen Juden zur Betstätte, um in inbrünstigem Gebete fiel) würdig für den Jaum liadin vorzubereiten. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimi Nicht nur der Demut — Nicht 'mir derDmmil slijlgebongten Nacken slri'ii‘1, llt-iTgott, Deine Hand ■ um lim zu nicht mir dmi Blick, der in die. eignen Tiefen ziinickgekvlut, priw>t Deines Lichtes Herrgott, Du ■ liebst die Ki'iinpleiauch, die mul - Trotzigen;- Dein Seyen führt auch ' - Hände, die Seli werter tragen und es leuchtet-heilig Dein Dicht in Augen, die die Welt ver-, t suchen. Sojuussl Du Kanipfesglut der Demut paaren zur rechten Zeit und weilenweiles Sehnen den allzu sehr in sich verschlossnen . Blicken — so musst die Trotzigen• Du mild belehren, ■ die hoben Stirnen und den.Blick zu senken zur rechten /.eil. Herrgott,. Dii liehst sie so stärke .heiile: eine sin inmis! Hilde Marx. „Und im siebenten Monate, am Ersten des Monats, sollt ihr heilige Berufung haben; keine Arbeitsverrichtimg sollt ihr tun: ein Tag des Posaunenblasens sei er euch." Also ward im vierten Buch Mose verkündet. Und. so blieb es bis ans den heutigen Tag. Welche Religion noch begeht das Neujahrsfest mit jenem starken Ernst, mit der Auffassung, das; diese Tage eben wirklich Tage de8 Gerichtes sind? Ist der Gott der Inden, der Ewigen, wirklich der Gott der' Rachel Nein und tausendmal nein! An. den -liebenden Vater wenden wir uns in den Nenjahrstagen . mit Miseren großen seelischen schmerzen, die wir erdulden. .Taum hasikoraun, Tag des Gedenkens und Tag des Schvfarschälls. Erew Rösch Haschana. Froher Ernst im jüdischen. Hauset Wie ist man bemüht,, sich gegenseitig Giites zll erweisen, Festesfreude zu bereiten! Diese emsigen Vorbereitungen zu alldem — wie geben sie dem Erew Rösch Haschana seine Prägung, Das Fest beginnt, Nun sind wir wieder im Gotteshaus vereint. Ein Jahr i.st verflossen. Schon im Vorjahr sprach ich au dieser Stelle 'von Melodien, die in Dur und in Moll, in Weihe und in Wehmut anklingen, abwechselnd Klage und Zuversicht. " .- All das.ist uns'viel näher gekommen als je. Unser jüdisches Sein ist uns cingehäminert -'worden.. Wir wissen, das; wir zusammen gehören, nicht nur im Gotteshaus, sondern auch . draußen. und wieviel mehr .im' Bet liak'iiesset. Und mir empfinden den .lom liadin ebenso tvie den. dom Hasikoraun. Nicht der Gott der Rache, sondern der Gott der Liebe ist unsere. Zuflucht; zu ihm haben unsere Väter gebetet, In ihm erheben wir voll Banguis im Vertrauen 'unsere Stimme, anfsordernd zur Gemeinde: „Preiset den Ewigen, den Hochgepri'esenen!" Ta klingt sie wieder, die altvertrante Melodie, klingt in unserer Seele mit. — Wirklich schon ein Jahr vergangen^ — Ein langes, banges Jahr? — — Wieder flehen wiv zu unserem Gotte, das; er -Schild-n-'nd Abtvehr sein möge für alles Böse, das von allsten auf uns herKinstürmi. ..W'hosser ssolbii mil fonenii umeacharemi“ ich weist: ihr, die 'ihr.mit mir Aum heiligen Dienst berufen seid, werdet gleich mir mit ‘ der Erschütterung eurer ganzen Seele diese Worte mit den stehendsten Gebettönen umrahmen, und dann tvird es zuversichtlich zur . Gemeinde klingen: „Und-im Schatten deiner Fittiche birg uns! Denn ein Gott, der gnädig und barmherzig hmlftt, bist Tu!" Wie wundersam weich und trostvoll diese Melodie, gleichviel, ob von der Orgel umrahmt odSr nur von Menschenstimmen gelungene N'icht starrer Ernst sott uns entlassen ans dem Gotteshauses wenn-der Gottesdienst des Vorabends beendet ist, In vielfältigen Melodien werden die Weisen tdeS Adaun Aukom oder . Iigd'al gesunken, jener Hymnen, die die Größe des Schöpfers Preisen, w Tie Wohnungen Israel? gleichen an die-- - fern Abend ailch Gotteshäusern. Das Sahbatlicht brennt. - Tie Schaubrote duften köstlich., Früchte und Honig sind bereitgestellt, und in - inniger Zärtlichkeit wünscht man mit hebräischen und deutschen Worten allen Lieben „ein gutes Jahr" i'sehono tauwoh. Kllrze Nachtstunden^ und der Tag eint uns wieder im Gotteshause. Anders als am Sabbat. Anders als an den gemütvollen drei . Wallfahrtsfesten. Hoher, heiliger Ernst dieses - Ioni'Hadin, gekennzeichnet, durch Gebete und Melodien, die nur in dieser Zeit gehört werden. Weist das Getvand derjenigen, die zum heiligen Amt berufen sind. Das Totengewand, feierlich ernst, Vorhänge des Allerheiligsten, der Kanzel und des Dorbetertisches, silbern leuchtend all das. Da-klingt sie schon näher, .die Kol-Nidre- Melodie. Noch sind wenige Menschen im Tempel. Aber er, der berufen ist, für die Gemeinde zu beten, anzurufen „Hamelech, den— König der Könige, sitzend auf hocherhabenem und majestätischem Throne" — er findet keine andere Melodie ans der heiligen Tradition, die ernster und geweihter ist als der . Anklang zur Kol-Nidre-Weise. Immer inniger werden die Gebete. Eie alle durchdringt ein tiefer Ernst. Aber doch fehlt ihnen, selbst bei den Frömmsten, jene Ekstase, der man sonst im Gebet begegnet. Nur immer jene.eigentüm- ‘ liehen Gleichnisse zwischen Weltvorgängen und dem Göttlichen. L’el aureeh dm, dem Allmächtigen, der waltet im Gericht, der Wahrheit zmn Recht verhilft am Tage des Gerichts, seine strenge mildert im Gericht, in Gnade sich hüllet am Tage des Gerichts. Verbundenheit mit Gott.' Keine großartigen Hymnen, die anklingen, sondern eine gemütvolle Gebetweise, so nahe'der Seele, so einfach in der Abstufung, so vertrauensvoll'in der Gestaltung! lind diese Weisen durchziehen das ganze Moraengebet. Es ist kein besonderer musikalischer Aufwand. Immer mehr haben sich die Gebetsstütten. gefüllt. Erwartungsvoll die Gesichter, andachtbereit die Herzen.. Zu Ende das Owinu malkenu, in dem so oft „unser Vater und unser König" angerufen wird, daß er die Pforten des Himmels für unser Gebet offnen Feierlicher, großer, erhabener Moment, die Tvra, das ewige Licht, wird ans dem Schreine gehoben: Seh'ma jisroel! — Charakteristische Festtagsweise. Schweres Moll, doch nicht düster. Und nach dem Glaubensbekenntnis, zmn Aufbruch mahnend, plötzlicher liebergang nach Dnr: Un’raumemoh schemau jaehdow „und seinen Namen wollen wir vereint verherrlichen". Wie sagten wir doch kürzlich an dieser Stelle? — die Zeiten sind vorbei, wo man die Toravorlesnng in gar kein Verhättnis zur KALENDER Oktbr.1935 Tischri 5696 5. Sonnabend - 8. Schabbass Schuwoh Wochenabschnitt: Haasinu 5. B.M. 32. Haftara: Hosea 14, 2—io: 6. Sonntag 9. Erew Jaum Kippur 7. Montag .; 10. JaumKippur(Versöhnung^ 11. Freitag 14. Erew Ssuckauss J 12. Sonnabend 15. 1. Tag Ssuckauss (Laubhüttenfest) 13. Sonntag 16. 2. Tag Ssuckauss 18. Freitag 21. Hauschano Rabbo 19. Sonnabend 22. Schmini Azeress (Schluss-1 fest) Buch Kavheless 20. Sonntag 23. Ssimchas Thauroh - (Gesetzesfreude) 26. Sonnabend 29. Wochenabschnitt: Bereschiss 1. B. M. 1—6,8 Haftara: l.Sam.’20,18-42 Neumondweihe 27. Sonntag 30. 1. Tag Rausch Chaudesch Marcheschwan 5696 28. Montag 1. 2. Tag Rausch Chaudesch IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII Feierlichkeit der Aushebung stellen konnte! Die heilige.Sprache tvird mehr denn je gepflegt, und darum gibt eS auch viele Wissende, die das Wunder, das an beiden Tagen verkündet tvird, das göttliche Wunder sehr tvohl erfassen, das Wunder, das verkündet wird mit einer eigenen Atelodie, die von der gebräuchlichen abweicht. . Jede Handlung der heiligen Tage im GotteShause gestaltet sich zu einem Höhepunkt! Der Schofarschall tvird gehört. „Die Stimme des Schosars ertönte inimev utächtigcr. Mvse -redete, und Gott antwortete ihm laiit." Unsere alten Weisen nennen ihn den Weck- und Mahnruf, sie verweisen auf die Vielen biblischen^ Stellen, in. denen immer wieder vom. Schofar die Rede ist, tun der hohen Bedetitnitg des gottesdienstlichen Aktes gerecht zll tverden. Kein kunstvoller Ton, keine melodiösen Intervalle; Grundtvn strebt zur Oktave; kurz abgestostene Quarten; Versuche zum Ansatz des Trillers, aber keines kunstvollen, von süßer Stimme dem Vogel nachgeahmten Trillers, sondern eines aufwühlend schnretternden„anffvrdernden, zur Bliße mahnenden/ Heilige Tage im Gotteshaus. Schlver^ ' Ausgabe, vor der die Prediger stehen. Mögen ' sie Ztlversicht, heiligen jüdischen Qptintismtis m die Herzen legen und die Menschen heränsheben ans der Schwere einer Zeit, die uns fast zu Boden drückt. Und wieder die aufsordernden, aufwühlenden Töne des Mnsiaf Kaddifch, die tiefandachtvolle Melodie der Tefilla; und dann — kennt ihr die Sage vom C.-V.-Lese r trinken nurden Kaffee, Tee, Kakao dei Camajo Kaffee GroOrösterei Bremen 4 Vertreter werden noch eingestellt Abrahams Opfergang Dem Midrasch nacherzählt von Hermann Falkenberg Ain MuicU'uiill Scr :)ii'id) Husclimm Jtec ' stellt die giäupige -Hingabe,- leie sie fiel) im ^tamiiwater '.'Ihvaliiini offutlnnd. Darum bildet die Erzatiliing van ''Abrahams - Oi'tergang die Fesitags-Letimgr-sie.wurde im Midratel, mm der Velisphantasie mit beimiderer piebe aiogeftaltet. ..N'aeh diele» Begcbeidfeiten war'-O, so lasen sie iw Lehrha.nse. „dä -prüfte-.Gott den Abraiiam'." . „Züie ist das zu uernelie.n", fragte einer der Jünger, „daß-Gott.gerade-den Adratiam. diefen GereeMen und G.ottgiänbigem prüfte?" ^Erwiderte der Raboi:'..Im Psalm <l .heißt-es: Gptt prüft den Gerechten. — -Höret das Gleie!>iiis: ..üllenn der Aekersinän'n die Flaelisftatiden ans der Erde zielst und von den Uiitanglielien die kräftig Gediehenen ge? fetsieden Liat. dann bricht er nennt alter.Kraft und seluägt sie. daß ilire-Braueliparkeit. er- Iiänet und midi erhöht werde, indes achtlos er die Werllofe» Peifeiie wirft. Gott verjucht nielu die Frevler, sondern die Gerechten, daß sie zur Höhe der Vollendung svrlfehreiten. So gefelial) Daniel undseinen drei Gefäiirten. als fi.e an den -Hof des Vvönigs von Badet tamen: Die mustl'en.durch Prüfung und Jpeünuig Iiindiireh. Aber frohen Vlittes, in '.giNte^fiird-nßzem^Vrrlrmtett'' .spMlien ne glänöig: .?ZPir find die Enkel jenes Gerechten., der in-allen Verfiielnin'gen sieh bewährt liat; vielleielil ftel,l fein'Verdienst i'ins bei." . Nur eines Ahnen Urbild konnte vorihrer Seele stellen: Abrahams! Seine Tat' Nlnuvorl Irneliiet liiuter der Frage: Warum diese Prüfung von der es l>einl: Nach diefen Vegebenbeitrii ivar's. da prüfte Gott den Abraham!! Nbeielier Ziveifel bestand noch'an Abrahams lsieiulieit.- die der 'himmlischen -Heerscharen. Vollendung fast tvfderfpiegelle? Konnte der Herr doch fragen an dem Tage, da die Scharen seiner Herrlichkeit ihn umgaben: „Habt ihr auch acht gehabt auf meinen Knecht Abraham? Seinesgleichen ist nicht, auf Erden.-gottesfürchtend und das Böse meidend!" Da.war mir einer ztl zweifeln, der. Versucher: „Dient er dir etiva.umsonst? -Hast du ihn nicht in allem gesegnet und ihm Macht und. Herrlichkeit verheißen unter allen Völkern? Sprich aber einmal gl ihm: Opfere mir dein Liebstes,'deinen Sohn, so wirst dn sehen, wie er dagegen fehlen und deinem Worte ztlividertnil' wird." . Da erging de? Herrn Wort an Abraham: - „Nimm doch deinen Sohn, den einzigen, den du liebst, lind bringe ihn mir dort zum Opfer auf einem der Berge, den ich dir ansagen iverde!" Und Abraham spricht: „Hier.bin ich!" und die Glut seines Glaubens lodert auf ztlr - Flamme brennenden- Schmerzes. Hub steht frühmorgens auf. an den Berg zu gehen, bc)t ihm Gott anfagen wollte. ' Der-Versucher aber, voller Grimm, sann daraus, tvie -er Abrahams Gehorsam hindern find den göttlichen Plan dnrchkrclizen könne. Dieweil Abrahäiü mit seinem Sohne des Weges zieht, gesellt sich zir ihnen ein gebeilgter, demütiger Greis, bietet den Friedensgrnst 'und fragt: „Wohin des Weges?" — ’.llin zn Gott zu beten!" — Jener wirft^ein: „Wer hingeht zu beten, bräncht ver Feuer und ein Meiler in der Hand und -Holz auf der Schulter?" — „Wir haben vorgeforgt", ivird ihm zur Aiitwort. „daß wir zu schlachtcii 'AMd^-rAwckeu-^rbeu,—wenli wir verzögern." — -Höhnend ruft der Alte: „Willst du mich täuschend Wohl habe ich. gehört, -was Galt dir an'sgetragen hat. Hat er dizf, dn Tor. an der Neige deiner Tage einen Sohn beschert, daß du hingeistt, die Seele, die dir anverlraut ist, zu vernichten? Kehre um, Wahnwitziger!" -- „Aus dir spricht nicht Gottes stimme!" ruft Abraham: denn >r erkennt den Versucher. Und der Greis ist verschwunden! -- Dodi gesellt steh gleich an Isaaks Seile, in einen Iüngliitg. vcrivandelt 'schön von Angesicht: „Unglückseliger, Sohn einer rrnglücklichen Mutter", flüstert er zu ihm. „Weißt du, was der Tag heut dir bringt? Wie inbrünstig hat deine Mlitter deine Gebilrt erfleht! Und mm geht dein alter Vater in seiner Torheit yin, um dich zu opfern! Höre nicht mtf ihn, kehre heim znm Scl,ost deiner Mutter, die mit dich bangt!" — Isaak wendet sichJnm Vater:'„Hast du vernommen, was dieser hier zu mir sagt?" Abraham antwortet ihm: „Das ist nicht Gottes Stimme! Hör' nicht ans ihn! Das ist der Versucher, der '.Zins von dem Willen unseres Schöpfers abwendig machen will." Und seine Worte bannen ihn von ihrem Wege. — Der Versucher aber sieht, daß Worte nicht die rechten Waffen sind, greift zur' Gewalt ' und verwandelt sich in einen großen, reißenden Strom, der gegen Abraham und feinen Söhn heranbraust. Abraham aber treibt der . Wille Gottes, und er schreitlst in die Flnt, siirchtlos. den Isaak, an seiner Seite. Immer höher steigen die Wasser, m^> die beiden drohen zn versinken. Und Abrahams Augen fragen znm Himmel: „Du hast mir verheißen: Zahlreich wie die Sterne soll dein Same sein, .dilrch dich wird mein Name der ganzen Welt offenbart lverden. Nun dringen die Wasser mir ans Leben. Wer soll dann dein Wort verkünden in dcrLöelt?" — Pa verweist der Herr dem Versucher sein Wüten, die Quellen stehen, der Strom versiegt. Festes Land wird der Pfad wie vorher. Sv gehen die beiden nun weiter nutsnmmen und steigen den Berg hinan, um GottcS-^ Geheitz zn erfüllen.: — In der Stunde aber, da Abraham den Altar richtete für das Opfer. Hub in den himmlischen Höhen ein bitterlich Weinen an: der Engel der Barmherzigkeit trat-vor Gottes Thron: „O Herr, voller Erbarmen von Anbeginn her gegen alles, was du geschaffen, im Himmel und ans Erden. Schau hrn. wie Isaak gebundeir ans dem Altar liegt, und Abraham seine Hand gegen ihn ausstreckt! O. so erweise deine Barmherzigkeit aü den beiden, die getreulich nach deinem Wort getan, und nimm ein Unterpfand für Isaak, bcincVt Knecht!" — Da sandte der Herr den Eirgel herab znm Altar: „Abraham, Abraham, strecke nicht deine Hand lmch dem Knaben, tu ihm nichts. Denn jetzt weiß ich, daß du gottesfürchtig bist, ~ nicht versagt hast dn mir deinen einzigen Sohn." — Und den Widder führte Gott ihm entgegen, der vom Schöpfungstgge an im Paradiese für diesen Tag bereitgehalten war, und. den Widder opfernd statt seines Sohnes., erfüllt Abraham in srendigem Dank den Dienst ans dem Altar. Ehe. er von der Stätte schied, hob er seine Augen'und flehte: „Herr der Welt, ich habe heut in meiner großen Qual mein Herz bczwuitgen. um deinen Willen Zli vollführen. So laß mein Opfer nicht vergebens sein für kommende Zeit! Wenn Isaaks Kinder sich einst gegen dich verfehlen und in Not geraten, so mögest dn eingedenk sein dieser Stunde und deinen Zorii über sie bezwingen. Laß ihnen Vergebung werden und Erlösung vom Leid!" . Da sprach der Herr: „Wohl'weiß ich, daß die Klpder Israel vor mir sündigen .und in Bedrängnis kommen werden. Flehend werden sie dann.zu mir sich wenden am Tage de? neuen Jahres. Zu Gericht will ich über sie sitzen Jahr um Jahr. Und wenn sie umkehren ilnd ihr Leben ändern, will ich 'ciligedcnk sein der Hinaabe ihrer Väter. Dann sollen sie "IrOMs' Widderhorn stoßen, und ich will sie erlösen und ihnen Hilfe gedeihen lassen iit ihrer Not." Ernst Lochner 8 Horkheimer Frankfurt a. M. Uebfrauenbergr I. — Oegr. 1837 - Fernruf 29288. für GeseUschaft und Strasse, BeUc und Sport