Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 39 (26.9.1935)
- Date
- 1935-09-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nach der Tagung der Jewish Agency So n derbe rieht für die ,,C. - V. - Z ei t u n g“ Luzern, im September VMo. ' Vom 4. bi-3 6. September trat in Luzern -im " Anschluß au den Kongreß der Zionistischen Be- . Ivegnng der („imcil <lor .Jew-inh Agency for Pale- . .stine gu seiner „' Irtflimfl zusammen. Die« Ber- - sassuiig der Je'wiwli Agency beruhtausder lh-'J . zwischen Zivilisten.und Nichtzionisten geschlossenen .-Vereinbarungnach welcher'der zur Hülste'aus .' Zionisten -und zur Halste, aus Richtziouisten zu- - finnmengesetzte Evinicil als Eescuntvertrctung der . am -Palüstinaanfbanniitarbeitenden -Juden der 'Jgelt gebildet wurde. Während die zionistischen- Delegierten vorn Zionistenkvngrcs, genannt iverden. iverden die nichtzionistischen.Vertreter nach einem . bestimmten Schlüssel in den einzelnen Ländern gewählt. In einer vom Initiativkomitee zur Er-' weiterung der .Jewisli Agency in Deutschland zusämmcst mit der Reichsvertretuug der deutschen Juden und dem Präsidium des deutschen Keren Hajessvd einberufenen Tagung ilsareu als Vertreter der deutschen 'Richtziouisten Dr. Leo Bacck, Iustizrat Dr. Blau, Dr. ,Friedrich B r o d n ist, Tr. Otto Hirsch, Rabbiner Dr. Horovitz. Riax W a r b ,i r g . Sigmund 3b a s s c r m a n n gewählt worden. Die deutsche Delegation erschien zur Coiiuciltagiiiig voHählig mit AuslMhmc des durch Kraulheit' verhinderten Sigmund Wasser- . mann, der durch Tr. Rudolf Call m a n n , Köln, vertreten wurde. Auch , die.übrigen Länder hatten ihr Interesse durch Aufstellung von Delegationen bestätigt, so daß der Council mit chice wesentlich höheren Zahl nichtzionistischer Delegierter beschickt werden konnte als es bei den vorhergehen- Besonderer Beliebtheit erlreuen sich unsere HcmJenseidenfürllerrcn,» -s Kunstseide gestreift,. 80 cm brt., p. Mtr. von Mk. 1.75 an, ' tus reiner Seide, bastfarbig u. weilt, ferner gestr. j. gemustert, wsschecht, in reichhaliiger besonders ^preiswerter Auswahl, 80 cm br., p, Mtr. v. 2,50 an ' Muster nach auswärts kostenlos Haimann, München Am Sdilllerdenkmitl 14 den Tagungen möglich ivar. Ueber 70 Delegierte . vertraten die NJ den ültichtzivuisten zu'stehendeu Mandate. ' ' Der offiziellen Crössinuig der Tagung ging eine eintägige Beratung der Aichtzivuisteu voraus, aus der die Probleme der Zusammenarbeit von Zionisten und Richtziviiisleiider Jowi^fi Agency eingehend erörtert murdeu. Die. Tagung selbst, die mit^einer Reihe von Begrüßungsansprachen, darunler der des Luzerner Stadtpräsidcnteu. des britischen gesandten und eines Vertreters. des Schweizer israelitischen Gemeindebundes eröffnet wurde.'; brachte zunächst eine Reihe von grundlegenden Referaten. über Die hier. nur stichwortartig berichtet 'werde» kann.. Dr. Artur Ru pp in sprach über .,25 Jahre jüdische Kolonisation und ihre Lehren", bekannte sich als Anhänger der Jewish Agency, alö Gesamtvertretuug aller am Pchüstinaailsbau mit- . arbeitende» Juden, beleuchtete die große Arbeit, die mit der Aiifnbhme von allein Jsi UM Juden aus Deutschland in Palästina geleistet wurde und betonte die Nvtweudigteit der Vermehrung des Anteils des landivirtscliastlichen Sektors im Rahmen ' des Gesamtausvaus. Cr machte eine-lleihc von Vorschläge» zur-Sicherung der Wirtschaft des jüdischen Palästina. die die Grundlage für die von. ihm geleitete Arbeit der nächsten Jahre bilden werden. Besonders eindrucksvoll durch die mensch- . liche Wärme, durch die Kraft der Persönlichkeit und die Darstellung des Geleisteten machten die Ans-, sührnngen . von Miß. Henrietta Szold über die Ingeiidatijah. Utach einem Referat von Shertok über die politische Lage sprach Dr. Werner . Senator über Eiuwauderimg und Ausiedlüng der Inden aus Deutschland, tiber die ein besvnde- ' rer Bericht der Jerusalemer Abteilitng jür Avsied-' Iniig der Inden ans Deutschland dem Conneil Vortag. Dr. Artur H a u d t k e berichtete über die Arbeit des Keren Hajessvd, Dr. M. Hexter über Kolvnisativn und Iinanzen. Iin Anschluß an die Generaldebatte wurden sodann die Kommissionen gewählt, deren Arbeit der zweite Tag gewidmet war. Cs traten zusammen:. Kommissionen für Finanzen und Wirtschaft, für Kolvnisativn und Imigratiou. für Orgauisatious- und'Bersassungsfragen. eine politische Kommission, eine Romi- —nat-ionülommissivn und eine Kommission für die Verhandlungen zwischen Zionisten und Richtzionistcii. ' -. Am dritten Tage berichteten die Vorsitzenden der Kommissionen über deren Arbeitsergebnisse. Das vom.Zioni sie,Kongreß 'angenommene Budget wurde vom Council bestätigt, ebensodie Ciitschließiingen des' Kongresses' zur Kolonisation-^ Imigrationssrage, soivie die Resolution, die sich gegen die .Einrichtung eiiies I.coisIntive-EviineUs durch die Mandatsregierniig ivegdet. Cbenso wurde die Resolution des Kongresses zur Transfersrage. die den Transfer nach Palästina unter die Kontrolle der Crekutive der Jewish Agency stellt, bestätigt. Bon besonderem Interesse sind die Resolntionen der Q r g a n i s a t i o n s - n n d B c r - fafsnngsk o\n in i f ] i o n e m. Danach beauftragt der Council, die Crekutive, i n n e r h a I b d e S O r g a n i s a t i o n s d e. p arte m e n t s d c r A g e n c v eine Stet l e f ü r de n vrgani - fatorifchen A n f b a il der J e w i s .l, A g o n tv , i n s b c t o u d c r e d i e S t ä r k u n g n ii d C r f a s s-u n g d e ü n i ch t z i v n i st i s ch e n Teils der A gen eh in allen Ländern __, e i ti z ii r ich t e n, , (\i.u -Beirat-.s-oll-dieser neu zu errichtenden Stelle die ÄHt>virk»iig der sühreuden uichtzivnistisclL'n Persöiilieisteiteii 'sichern. Gleicti-- zeitig nahm der Council den Wmisch der Richtzionisicn zur Keiiiitnis, in alten Iüstitntioiien 'der J'iwi-th Agency (Keren-Hajessi'd.Kominisslviikii-. Paläsliiia.Aemter ihm.) vertreten zu sein und be- ' anftragt die Crekutive, baldigst geeignete Formen zur Crsüllnng dieser Fordernugen zu iiiiden. Für die Wahl der iiicliizionisii'chen' Vertreter im Council sollen in allen Ländern geeignete Wahlkörper geschaiscn werden. Hierher wurde die Verpslichtnng betont, als Grnndtage pir Rechte . in der Jewish Agency die Pflichten, gegenüber dein Keren Hajesfob/- als dem Finaiizinstrinneiit der- Jewisli Agency, in vollem- Ataße zu übernehmen. Jciemaiid.st'vll' eine amtliche -Stellung oder Vertretung in der Agench ciunehiiien können.- ohne seine Steren ° Hajessod - Verpstichtuiigen erfülltzu haben. '. Als Z>lbfchlus; der- Tagung w'urdcu -die Wahlen - zu.' den 'Körper-schaften der Jewish Agency entipcecheud den Vorschlägen des Nonunationö- und VeeljandlungsausschusseS vorgeiwmnieii.TieR'ichtzionisten benennen zu den sieben zionistischen'Mitgliedern der Erekutive drei Vertreter der. Richtziviiisten. Reben Tr. H e x t e r und Dr. Senator. die bereits der letzten Exekutive augchörteu, wurde Tr. Kar p f (New.-?jvrk) neu in die Exekutive gewählt. Da nach der Verfassung der Agciich der Präsident der zivliistischen Organisativil gleichzeitig der Präsident der Jewish Agency ist, übernahm Tr. Chaim W e i z m a n.n dieses Amt. Zum Vorsitzenden des Councils wurde Lord Melchett. bestellt, ziun Mitborsitzendcn RivrriS R v t h e ii b e r g . der Präsident der zivliistischen Lrgaiijsativn Amerikas. Schließlich -würden die Delegierten für das . Admiiiistrt'ltlv.Cvmite benannt, das in der''Zeit zwischen den Cviincil- Tagiliigen die leitende Körperschaft der Ageuch darstellt und sich ans je J0 zivliistischen,und nichtzivnistischen Delegierten zusammeiisetzt. Von den iiichtzionistischeil Sitzen werden zwei, durch deutsche Delegierte. Dr. Lev Bacck lind Mar W a r b n r g . besetzt, unter den stellvertretenden Delegierten sind deutsche Vertreter. Iustizrat Dr. B lau, Tr. Friedrich B r v d n i tz . Dr. Rifdoks C a l l m a n n und Dr. Ltto H i r s ch. Rachdem der Präsident! der Jewisli Agency, Professor Chaim W ei z m a n n , die Council-Tagung mit einer eiiidrucksvvllen Ansprache geschlossen, hatte, in der er auf die Bedeutung Palästinas als der größten konstruktiven Leistuiig des Indentiims unserer Zeit ' himvies trat das Adininistrativ-Coiiiitü zu einer tonstituiereudeii Sitzung znsammeii. in der Professor Speherz (Brüssel i zum Borsitzendcn. Reville La s li liiib. Bert L o ck e e zu stettvcrtrctendeu Vvrsitzciideii bestellt ivu'rdeu. Die vierte Tagung des Councils der Jewisk, Agi'nce hat,.vhiie Zweifel eine neue Stärkung des der Ageuch zugrunde liegenden Gedankens der.Zusainmenarbeit vvn Zivilisten in>d uRichtzionisten gebrächt. Es. kam in allen Beratiiiigeii aber die Erkenntnis zum Au'sdruck, daß für eine iveitere Cntivicklnug dieser Zusammenarbeit eine straffere Organisierung ' des nichtzwnistischeli Teiles die Voraussetzung, ist. Während die zionistischen Vertreter daraus Hinweisen können-, daß sie gewühlte Repräsentanten einer großen Beiveguiig und des hinter ihr stehenden Menschcnkreises sind, stelle» die nichtzionistischen Delegierten bisher^ kediglich Vcrtrancnsleute von Gemeindeii. jüdisches Institutionen oder begrenzter Personenkreise dar. Es nisterliegt aber gar keinem Zweifel, daß die Zahl der Riensch'en sehr groß ist, die ans Grund ihrerwelta'.ischaulichen Entscheidung nicht' Mitglieder der zionistischen JSrganisation sind, jedoch am Ans- . bau Palästinas-den stärksten Anteil nehmen und ' bereit sind, für ihn ihre materiellen'und geistigen Kräfte »einzuschen. Der 'Keren Hajessod.. das. Fiiiailzinstrument' der Jewish Agency, nimmt Beiträge. ohiie nach derstOrganisatipn des Spenders zu frä'gen.' -Tie nichtzionistifchen Spender tragen nach-Zahl und Höhe-der. ausgebrachten Mittel iw rniiidest dem Rtaße zum Ausbau Palästinas bei, ivie es ihrem Anteil an den . Körperschaften der Jewish Agency entspricht. Es gilt nun. diese. Kreise zilsammenzusassen und sichtbar werden zu lassen. Es ist dabei immer wieder betont worden. > daß hieraus kein Konkurrenzkampf der Organisationen entstehen soll. Es' wird Aufgabe der neuen .Abteilung des Organisationsdepartements sein, die organisatorischen Formen für enie straffere Zusammenfassung der Richtzionisten zu finden, ohne daß der zionistischen Bewcgnng.'deren Bctätrgmig für den Aufbau Palästinas von allen Richtzionistei» anerkannt wird, eine konkurrierende Organisation au die Seite gestellt werden, soll. Es rniiß der Weg gefunden iverden. die nichtzionistischeu Diitarbeiter des Aufbatiwerkes straffer znsammenziifassen. Bon allen Seiten wurde betont, daß die Bezeichnung „RiMzionist" sehr Unglücklich gewählt sei. weil sie nur das Negative züm Ausdruck bringt. Es wtirdo vvrgeschlagen, in Ziikunft die Bezeichnung „Freunde Palästinas" zu gebranchen. . Neber diese und alle weiteren Einzelsragen wird in den kommenden Monaten noch zu sprechen sein. Die Nichtzionisten der Jeivisb Agency sind stärker, als es auf den bisherigen Tagungen geschehen konnte, miteinander in engem Kontakt getreten und haben die Absicht, diesen Zusammenhang in stärkster-'persönlicher Zusammen- - arbeit äuszubauen! Sie sind sich klar dari'cher. daß das beste Argument für die Geltendmachuiig von Rechten die Uebernahuie vvn Pflichten ist. Cs ivird die vornehmste Aufgabe der Richtzionisteii der Jewish Agency in den kommenden Jahren sein, durch stärksten Einsatz ihrer Kräfte in der Rkitarbeit am Ausbau Palästinas sich als gleichberechtigte Partner des AusbäuwerkeS zu legitimieren. vr. Prieärivk. vrocknitr. Auswanderungsberatung - aber mit Verantwortungsgefühl! Innerhalb des Arbeitsprogramms des deutschen Judentums nimmt die Auswande- - rung in bezug aus die Rsteuscheu tvie auf die Mittel einen zahlenmäßig bedeutenden Platz ein." . Das Bestreben jüdischer Nienschen. sich" außerhalb der deutschen Grenzen ein neues Leben arifznbauen. hat, abgesehen von den Iugendlicsteu, meist tveniger ideologische als materielle Gründe. Es ist deshalb begreiflich, daß in .Zeitabschnitten, in denen materielle Cr-wägiiligeu stärkere Nahrung erlwlten. die Ausivanderungswünsche wüchsen, lind es ist lveiterlsin begreiflich, daß titele dieser Interessenten, die sich bisher mit dein schlvierigen Problem der Ausivandernng nid)t beseiiästigt haben, lebhaft überrascht sind. toe»m sie-'finden, daß ihr Weg in andere Länder. nidjr so deguem lind so gobalhit ist. wie sie cs sich vorgestetlt haben. Cs ist dü menschlich verständlich, daß unter diesen Umständen Persönlichkeiten und Neugründnngen. die. nnbesehivert von Erfahrungen imd offentticher Verantwortung den Auswandernngslustigen. und -willigen blühende Gestade, an fernen Horizonten als sicher erreichbar zeigen,,'hoffnungsvoUes Vertrauen bei. Tausenden von Pionschen finden. Lelbst wenn inan in die sachlichen und moralischen Qualitäten der nenen Männer keine Zweifel setzte, bliebe doch für den Kenner der Verhältnisse ein großes Fragezeichen. Wieviel dieser^ hofstuingssrohen Ausivaiidernngslnstigen werden in Jahresfrist lvirklich mit Hilte der.neueir Organisationen tvohl- 'behalten in 'neuen'Ländern angefetzt' sein? ' : Unabhängig von diesen kritischen Zweifeln muß die Tatsache, daß heutzutage unbekannte Namen imstande sind, die Massen der jüdischen. Großgemcindcll so stark zu bclvegen. tvie es in den letzten Lboclien beobachtet toerden tonnte, ernst zu deuten geben. Gs muß etwas au der Publizität der verantwortlichen - jüdischen Llellen. die sich von Amts^ wegen mit Ausivaudertlugssrageu be- - schästigen. fehlen, wenn cs. möglich ist. daß so jäh. zuid cclioreich Hoffmingeu inm neuen Namen geiveckl iverden kouuen. Es zeigt sich eben, daß es nicht genügst rvenn von dem beteiligten .Organisationen nur sachliche -und veranlwortung'sbelvnß.ts»Arbeit geleistet tvird. sonder,st cs ist vielmehr dringend erforderliche daß über diese Arbeit der Oeffenttichteit in möglichst breitem Rahmen Rechenschaft abgelegt lvUd und mit rückhaltloser Offenheit, wie die Stunde sie ans-allen Gebieten inner-, halb der jüdisetum Arbeit erfordert, bekannt wirbt , sowohl was mcm heute vermag, als auch, wo die Grenzen dieser und jeder Wirksamkeit für die Auswanderung überhaupt liegen. Wir glauben in dieser Richtung vvr.zuarbciten. wenn wir zunächst einer , zusammen- ' fassenden Darstellung über die Tätigkeit des Hilfsvereins der Inden in Deutschland als der. traditionell führenden und ersährilngsreichstcu autorisierten jüdischen Auswandermtgsberatnugsstelle für Nichtpalästinawanderer-Raum geben. Reportagen über die Tätigkeit des Palästinaamtes werden folgen.-und wir behalten uns vor. Persönlichkeiten und Programme der neu anfgetauchten Auswanderervrganisationen der Oefsentlichkeit vorzustellen und über sie unvoreingenommen sachlich und zu-. gleich kritisch zu berichten. (D. Schristltg.) Der stlilksverein cksr Jucken in Deutschland Tcr Hilssverein' der Juden in Deutschland, hat sich ,i» den. letzten beiden Jahren in erster Reihe darauf u'rngestellst den Juden in Deutschland, die aus seelischer oder materieller Rot gezwungen „nd gewillt sind, Deutschland zu verlässtii. zu helfen. Ter Strom der auswandernden Juden fließt in zwei Richtungen. Etwa drei Fünftel gehen alljährlich nach Palästina, der Rest verteiltsich auf die Länder der übrigen Welt. Also etiva zivei Fünftel der gesamten Auswanderung .geht nicht nach Palästina: diese Zahl allein zeigt 'schon die Bedeutung der Arbeit des Hilfsvereins. die in der jüdischen Oefsentlichkeit bei weitem nicht ihrem beträchtlichen Ausmaße entsprechend bekannt iü. Eine ungeheuer mühevolle Kleinarbeit ist da zu leisten, denn fast jeder Fall liegt sowohl de-r Person des F-ragesteltenden ivie dem Anöwaiidcrungsziel nach'anders und macht eine viel' individnellerc Behandlung notwendig, als die Paläsiinawanderiing vor allem der. jüngere» Schichten. 'Zudem, ist die Zahl derer, die den Hilfsverei^ -um Rat fragen, natürlich -eine vielfach höhere als die Ziffer derer, die sich dann zur Ausivandernng entschließen, kl 000 Menschen,' so führte Dr. Wischnitzer ans der diesjährigen C'eueralverscimmlnng aus.' haben in den letzten zioci Jahren bei dem Hilssverein Rat gesucht. Und diele Raterteiluiig. das Beraten, das ebenso'oft nvtrvendigeriveife einstA braten wie ein Zuraten fern muß. ist eine der wichtigsten Ausgaben des Hilssvereins. Er muß sich — wie jede Organisation — im wesentlichen darauf beschränken. AHtrlcr zu sein: Rtittler zwischen denen, die auswandern wollen und -den Ländern und Regierungen. die als AuswanderungSziel in Frage koni- ' men. Ein Retz von 400 Vertrauciismenscheii. mit denen der Hilssverein in. ständiger Korrespoiideuz ist, ist über die ganze Welt gespannt, und in drcsem-«imie. arbeitet der Verein international. -Leine Arbeit ist unpolitisch, rein ckzaritativ. wie alle jüdische Arbeit, „ic international gemacht " wird, nur charitätiv oder religiös, niemals aber politisch ist. In dieser Kleinarbeit, die dem Einzelnen neben der Mühe auch , die großen Kosten der Recherchen abnimnit. wird festgesteUt, welche Länder zur Aufnahme von Juden sähig- und.. ck'ereit sind, und welche'Bernie in den verschiedenen Ländern besondere Aussichten .auf Erfolg Ter Hilssverein. nn seiner Spitze Max War--.. bürg, muß sich angesichts her politischen und der wirtschastlrck^n Lage in der ganzen. Welt im wesentlichen aus - die Wegbahnung für Einzelwanderungen beschränken. Nur'in ganz ivenigen Ausnahmen kommen bis jetzt Ansiedlsingen von Gruppen, bisher nirgends, außer in Palästina, jüdische Massenansiedluugen in Frage. . Diese Einzel-- oder Tropfenkolonisation hak sich überall gut bewährt, Ter erste Siedler sucht, sobald er sich selbst eine Existenz geschaffen hat. an Lrt und Stelle Arbeitsmöglichkeiten für Verwandte und Freunde, läßt sie nachkowmen. und so entsteht allmählich an manchen Stellen eine Gruppensicdlung. Natürlich versucht der Hilfsverein. Ratsuchende in solche Länder zu schicken, die er gerade für den einzelnen für geeignet hält. Aber es ist nicht so leicht, den Ausroanderer für irgendein anderes Land beruflich und seelisch vorzubereityn wie für,Palästina. In Palästina läßt s das ideelle Moment den Einwanderer vieles - Schwere ertragen, das ihm in jedem anderen fremden Lande unerträglich scheinen würde. Und lvenn auch schon die Einwanderung nach Palästina eine völlig seelische und tatsächliche' Umstellung des Alcnschen notwendig macht, so gilt diese Voraussitzung als kategorische Forderung erst recht für jede Uebersiedlung in ein anderes Land. Jeder Eimvanderer muß sich, wenn er das neue - Land betritt, völlig auf dieses Land, seine . Mentalität und seine Sitten umstellen. Wohl gebietet die jüdische Lehre eine gewisse Zurückhaltung. um die Erhaltung der jüdischen Ethik, zu sichern. Aber sie darf nicht dahin mißverstanden' . werden, daß nicht in der Lebensform, in der Art, des Auftretens,..äuch in'der öffentlichen Aenßerung gegenüber der zveltanschaulichen Grundhaltung des neuen Landes eine geivisse Anpassung erfolgen ' müßte. Das eine Volk ist heiter und das andere - steif, das dritte ist geistreich. Und das vierte will 'nur den Sport. Es ist keine oberflächliche Be- - trachtnng. sondern tiefste Grundbedingung für ein harmonisches Ziisaminenleben mit dem Volke, in dessen Land, man eimvandert, wenn verlangt wird, daß der Einwanderer sich diesen Grund- . stimmungen und Lebensgewohnheiten anpaßt. . Es wurde vorhin gesa-gt. der Hilfsverein müsse gelegentlich auch abraten. Das darf nicht zu dem falschen Schluß führen, als ob etwa die Juden in Deutschland in ihren Answandernngsplänen allz« leichtfertig seien. Im Gegenteil. Es fehlt ihnen im allgemeinen an dem geivissen Abentenrergeist. den jede Kolonisativn erfordert; ''Abenteurergeist, der darauf verzichtet, bis zum letzten hundertprozentige Sicherheit zu haben; der den Akut gibt, ein Risiko ans sich zu nehmen, oft,auf die Gefahr hin, daß nicht beim ersten Anlauf alles so klappt, wie es sich der Eimvanderer gedacht hatte. Es ist verständlich, daß Menschen, die aus gesicherten Lebensverhältnissen kommen, auch wenn odiu, gerade weil sie hier ihre> Basis verloren habe^.. mit besonderer Gründlichkeit den Schritt in das fremde Land und das neue Leben vorberciten. Also wer schon einmal den Entschluß zur Auswanderung saßt, der muß auch etwas wagen, uinzu gewinnen. Der Auswanderer muß ein so l i d e r Abenteurer sein. - Und ein dritter Gesichtspunkt, der allgemein noch nicht genügend gewertet ivird, ist die Bedeutung der Frau bei der Auswanderung. \ Cs hängt nicht von dem Mann. Zondern voü der Frau ab. ob das Experiment gelingt. Das hat schon früher das Leben in den Kolonien bewiesen. Wenn ein Ehepaar siedelt, so nmß die Frau das Schrubbern und das Kochen, das Melken und die Gemüsezucht und anderes mehr verstehen. Und ähnlich liegt es bei densstädtischen-Berufen. -In jedem Kolonisationslande, auch in Palästina, ist der städtische Haushalt — sofern der Auswanderer nicht mit. großem Kapital hinausgeht ein die Hausfrau völlig ausfüllender Beruf, so daß man fast von einer Berufsumschichtung für die Hausfrau des deutschen Mittelsiandes fprcchev kann, auch wenn sic in dem neuen Lande auch „nur" wieder als Hausfrau lebt. Aber die Frau besitzt auch vvn Natur, gewisse Begabungen, vor allein Anpassungsfähigkeit, und Umsicht, die sie zu einem besseren Auswandcriingsmaterial machen als den Mann. - Es sind sehr häufig die Frauen, die den Mann zur Auswanderung bestimnien. Sie sind sich der Größe der Aufgabe, die sie selbst im fremden Lande erwartet, nicht immer gcilügend bewußt. Währenddpr Mann für des fremde Land irgendeine Spezialausbildung haben muß. gibt es für die Frau nur die eine allgc- ' meine Boraussctznng: sie muß eine tüchtige, gute Hansfran sein, die praktische Arbeit richtig zu leisten versteht und überall in Haushalt und Wirtschaft, in der Kiliberstnbe und eventuell auch im Geschäftsbetrieb zuzupacken weiß. Der Hilfsverein .besitzt in. Deutschland eine große Zahl von Mitarbeitern in atzen größeren Städten und" eine umfangreiche Kartothek, die regional und nach Berufen gegliedert ist. Er hat in den letzten Jahren stark an- Mitgliederzahl zugenommen, und arbeitet mit allen dafür in Frage kommenden jüdischen Spitzenorganisationen, natürlich auch mit dem Palästina-Äml. aufs engste zusammen. . Dp. Margaret« Edelheim.