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Central-Verein-Zeitung · 1935-06-20 · 25 (20.6.1935) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
25 (20.6.1935)
Date
1935-06-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 Berliner Blatt der C.-V.-Zeitahg 20. Juni 1935 Ein Tag auf der Schulbank Ein Schultag der Werklernsten in einer jüdischen Schule. Sie haben es gut - in der Grundklaffe. Keinen vorgeschriebenen Stundenplan^ sikein festumriffenes Arbeitspensum es zu bewältigen. Sie haben Ge sa m t un t e r r i cht. Ter Grundschullehrer — eine dankbarere (wenn auch anstrengendere) Aufgabe kann man sich kaum vorstellen — ist ihr großer, guter Freund, dem sie alles anvertrauen, und der sich auch gern alles von ihnen erzählen läßt. Tabei weiß er in anschaulicher, spielerischzielbewußter Weise die Kleinen auf die elementarsten Begriffe der Disziplin und Sauberfeit hinzuführen. „Ausstehen heißt: den Lehrer bogrüßen, und das.wollt ihr doch alle gerne, nicht?- SQoUm wir es gleich noch einmal versuchen? Das geht ja schon wunderbar. Und nun noch einmal’ Uebrigens, zeigt mal eure Taschentücher her! Das da dürfte sauberer sein. Wastut ihr, wenn ihr gefrühstückt habt? Händchen. Mäulchen abwischen. Los, Kinder, jetzt machen wir es mal zusammen. Jeden Finger einzeln säubern. Gut so. Und nun das Mäulchen ordentlich' rubbeln: links herum, rechts herum, links herum, rechtsherum. So müßt ihr das jeden Tag nach dem Frühstück machen." And dann dürfen die Kleinen wieder erzählen. Don daheim Bon Mutti, Vati und den Geschwistern. Allmählich erst schält sich aus der Unterhaltung das heraus, was der Lehrer eigentlich wissen wollte: manche Kinder sprechen hebräische Gebete, Kindergebete. Vom Lehrer liebevoll ermuntert, sagen sie sie, mit schnell herbeigeholter Kopfbedeckung, ohne zu stocken auf. Mit einem Male fällt fast jedem Kinde etwas ein. Ein Gedichtchen. ein Lied, deutsche Kinderlieber. Diese singen sie alle zusammen: „Oh, hü mein Hampelmann, mein Strampelmann, wie schön bist du!', oder .Lehn kleine Negerlein'. Die Zahlen 1 bis 10 prägen sich mit Hilfe dieses Ab. zählliedes ^besonders leicht ein. Durch Hinzu- und Weglegen von Holzstäbchen, von roten und blauen Spielplättchen (in der Kinderphantasie Kirsch, und " Pflaumenkuchen) geht das Addieren und Subtrahieren von 1 bis 5 nochmal so gut. Pause. Zugleich für die Abcschützen ein weiterer Schritt' zur Disziplin: Antreten zum „kleinen Wunsch machen". Eine richtige Erholungspause für den Grundschullehrer gibt es nicht. Wie die Kletten hängen die kleinen Schutzbefohlenen an seinen Rockschößen, an seinen Armen und Beinen, nur mit Mühe kann er sein Frühstück verzehren. Sie folgen ihm blindlings, umgeben ihn, verlangen nach einem Freundschaftsbeweis, einem guten Wort, einem flüchtigen Griff in den Haarschopf. TürM liebevolles Eingehen auf die Kinderseelen weckt der. Lehrer Liebe und offene Bereitschaft zur Schule, willige Aufmerksamkeit der-Kleinen für die Dinge, die sie lernen sollen. Sein Lohn? Unbegrenzte Zuneigung und Dankbarkeit der Schüler auf Jahre hinaus. Anders, ganz anders ist die Schul-Atmosphäre als früher-- glückliche Kinder... Fast 'unmerklich für die Schüler/wandelt sich mit der Zeit das Spielerische des Unterrichts in planmäßiges Lernen des vorgeschriebenen Lehrstoffes. Bei den Achtjährigen ist hebräischer Unterricht. Der Lehrer erzählt von Pessach und Schowuaus, fragt zurück, läßt wiederholen, er-. klärt, daß die Buchstaben des Alphabets 'zugleich ' Zahlen bedeuten. Aber die Aufmerksamkeit ist geteilt. Märchens Blüschen ist völlig in Unordnung geraten und läßt sich durchaus nichtwieder in Ordnung bringen. Das ist natürlich viel interessanter als alles andere.' Aufregend aber geradezu ist die Sache mit Fritz, der, höchst unangenehm,' den Stock zu spüren bekommt. Der Grund? Er knabbert unentwegt an den Fingernägeln... 4. Klaffe. Zehnjährige. Rechnen. Zahlen werden in Ziffern-»zerlegt, Einteilung in Tausender. Hunderter, Zehner und Einer. Alle sind intensiv dabei, melden sich stürmisch: können ihre Sache großartig.:' Dazwischen ein,^Intermezzo: eine 'leise > am Katheder vorgebrachte Anfrage — ein junger Rechenmeister verschwindet: Naturkunde. „Kaufen Nvir Pflanzen oder.Blumen in" den Blumenläden?" „Blüten", ruft es iin Chor. „Blüten, denn sie haben sa keine Wurzeln." „Mil Wurzeln würden sie viel teurer sein, weil bei der Pflanze immer wieder neue Blüten kommen', meint ein. ganz. Schlauer. „Ja. aber wir kaufen auch Pflanzen in den Blumenläden, aber dann in Töpfen, wo richtige Erde drin ist." So schwirrt es durchein. ander. ..Kinder, woran sollt ihr immer denken, wenn ihr die Schönheit der Pflanzenwelt seht?' ■ „An den lieben Gott, der alles so wunderbargeschaffen hat!" Die Ehemiestunde läßt bei dem —längst vergessene Formeln wieder lebendig werden, belehrt über die Eigenschaft des Sauerstoffs. „Nun- Peter?" „Sauerstoff brennt nicht, unterhält aber die Verbrennung", ist die knappe Antwort. „Und wie lauten die Formeln für Wasser, Kohlendioryd, Kohlensäure?" <Dier muß auch der Schulbank- Kiebitz Nachdenken.) „HK), CO?, H-C0-." „Was bedeutet CO?* „Tie «Formel für Kohlenoxyd, ein giftiges, geruchloses, deshalb so gefährliches Gas." Deutsch. Zu Beginn der Stunde wird die Bedeutung des Muttertages erörtert. Alle wollen die geliebte Mutter durch eine Aufmerksamkeit erfreuen. „Ich schenke ihr ein Paar Strümpfe und säge ein Gedicht auf." „Ich mache eine schöne Zeichnung." „Ich eine Papparbeit.' Der Ausspruch: „Ich will immer artig sein", erweckt nur ein gutmütig-ungläubiges Grinsen. „Ich als eure Klasfenmutter wünsche mir von euch, daß während des Unterrichts nur der spricht, der gefragt 'wird. Wir wollen es gleich mal. probieren! Hans, ein Dingwort sin Verbindung mit dem Wie-Wort. Dekliniere!" „Das schöne "Hans, des schönen Hauses, dem schönen Hans . .." Eesangstunde der dritten Kläffe. Sie haben schon recht kräftige Lungen in diesem Alter, und so fröhlich drauflos schmettern macht ganz besonderen Spaß (wenn es auch auf Kosten der Musikalität geht). Zur Taktunterstreichung Helsen Tamburin und Triangel. Trotzdem fällt es nicht leicht, den richtigen Takt herauszusinden. Aber das Bmnbsen ans dem Tamburin ist,eine herrliche Angelegenheit, und das Dirigieren des. Chors ist einfach knorke ... Die erste Klasse hat Jüdische. Geschichte. Die Dreizehnjährigen halten kurze Referate über die ' Anfänge der Inden in Deutschland. Daß sie wahrscheinlich mit den Römern ins Land gekommen seien, daß man aber Authentisches erst seit dem Jahre 321 durchras Dekret Kaiser Konstantins über' sie wisse. Sie halten einen Dortrag über? Rabbi Gerson den Inda, der die Schwagerehe abschäffte und der u. a. die Wahrung des Briefgeheimnisses einführte. Aber vieles andere möchten sie wiffen. erklärt haben. Dazu ist die „Fragestunde" da. Der Klassenbriefkasten'wird zu diesem Zweck geleert. Alle brieflichen Anfragen werden in dieser Stunde gemeinsam mündlich beantwortet.- Doch der Lehrer meint vorher: „Kinder, wahrscheinlich^ werde ich nicht für .alle Fragen eine Antwort bereit haben. Hoffentlich seid ihr endlich von dem Standpunkt abgekommen, daß der Lehrer alles wiffen muffe. Er kann einfach nicht alles wissen. Auch der Erwachsene bleibt ein ewig Lernen- Glückliche Kinder, die mit solchen Lehrern arbeiten dürfen. "Wie freundlich, ermutigend und - anspornend zugleich die Art ihres Unterrichts. Was die Kinder heute durch die Lehrer, die Schule, .. H ---- Neuanschaffungen des Berliner jüdischen Museums C. Lavos: Ludwig August Frankel als Erich Wolfsfeldt Aa» der Ma^nonidessynagogo, Burschenschaftler (Lithographie) : Kairo 1925 Beide Aufnahmen! Fhotoitisntt Artin Kücalsr iillll!!l!il!!ll!llll!!!l!l!l!!l!l!|!lini!l!!!lll!!!]!ll!ll!!!!l!ll!l!llülll an seelischem Reichtum gewinnen, spiegelt, sich am nachhaltigsten in dem strahlenden Ausdruck ihrer Gesichter, in ihrer kindlichen Lebhaftigkeit, in, ihrem 'natürlichen Sichgeheiilassen, in ihrer Freude am Dasein, besonder? am Schuldaseift, wider. Anders, ganz anders ist die Schulatmosphäre als früher — — glückliche Kinder .», Hilde Rosen. Was tut die Gemeinde? Am Sonntag. 1C>. Juni, fand unter der Leitung von Tr. Kurt Int. R i e g n e r die. zweite Füllrnng durch die gemeindeeigenen oder von der Gemeinde unterstünte'n Anstalten und Betriebe statt. '' Moritz Rosdnthal empfing die Teilnehmer im Kruder- und I u g e n d H e i in „A h a w a h", über dessen-Geschichte. Bedeutung und Erziehungsarbeit — die immer mit dem Blick aus Palästina geleistet wird — die Oberin berichtete. In den freundlich und zweckmäßig eingerichteten Räumen finden etwa 10t) Kinder, meist aus ungeordneten sozialen Verhältnissen kommend, ein Zuhause und 20 Hachschara-MädcheN erhalten ihre hauswirtschaftliche Ausbildung. Im gleichen Haus wurde die Koch- und H a u sh a l t ilu'g s sch u-l e besichtigt. deren Leiterin, Frau H a m m e r st e i n , hier zusammen mit der Gemeinde staatlich anerkannte Kurse einrichtcte. durch die monatlich etwa 400 Menschen gehen. 0 9lad) den Räumen der „Schulspeisung", die täglich ungefähr 34o 'Kindex« warmes Esten, bietet, sah - man eines der schönsten Gebäude der Ge- -meinde. die M ä d ch f it Volksschule A u g n ststraße. Ganz moöcrir ift hier ' alles fingerichtet, besonders schön/der Tuschraum, der den Kindern die Möglichkeit richtiger Körperpflege gibt. Die Rektorin. Frau Käphahn. betonte das außerordentliche Wachstum dieser Schule: Während ihr im Jahre 1920 nur 80 Kinder und 4 Lehrer angehörten, sind es heute 8,76 Kinder und 42 Lehrer. Wer' noch nicht das volle Äertrauen zur jüdischen Schule hat. kann es hier bestimmt. gewinnen! Tann kam man in das Jugendheim in der Oranienburger Straß e. wo Martin Sobotker über die 71 rbeit des Iuaendpflcgedezcrnates. über die Bedcu» tung dieses Jugendheims als eines von vielen und die angeschlossenen K i n d e r l e s e st u b e.n und sportärztliche Beratungsstelle wich, tige Aufschlüffe gab. , . Tie Führung fand ihren feierlichen Abschluß sin der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße, deren bauliche Besonderheiten -Herr E h r.e n r e i ch erklärte; herrlich klang durch den schönen Raum das Lrgelspiel von Ludwig Altin.Lnn. der dann in großen Zügen Anlage und Technik der Orgel erläuterte. Tinge, die vielen, der- Zuhörer sichtlich neu waren. - i Ter herzliche Dank.'deii die Teilnehmer an der Führung allen Erklärenden ansdrückten, bewies den starten Eindruck, den die Besichtigung gemacht hatte: nur müßte diese konkrete Antwort ans die Frage „Was tut die Gemeinde?" besonders von den Kreisen der Jugend vernommen werden, die auch bei dieser Führung, wie bei der ersten, gänzlich fehlte'.' , II. M. Israelitische Bereinigung Lichtenbcrg. An der Peripherie des Berliner Ostens arbeitet die Israelitische Vereinigung Lichtenherg seit etwa . -13 Jahren. Am 23. Juni steht sie an einem Wendepunkt ihrer Entwicklung. 'TaS allzu kleine Belhaüs' Frankfurter r'lllee 31 wird an diesem Page in ein größeres verwandelt, das seine Pforten für den Osten in der Frankfurter Allee 56 Die Jüdische Jugendhilfe E. D-, die Trägerin der-Jügendalija. bereifet eine Theateranssührung vor. Bestimmend dafür sind die Gedanken, die Jugendlichen während der Wartezeit dis zum 'Eingang der Zertifikate sinnvoll zu beschäftigen und ihnen, andererseits durch die Aufführungen die Mittel zur Mindestausrüstung zu beschaffen. Es wird das von Lucy'Gelber verfaßte und im Herbst vorigen Jahres mit großem Erfolg voraiisgesührte Jugendstück ..Heut' ist Mittwnch" in liener. veränderter Fassung gespielt werden'. Die künstlerische Gesamtleitung liegt in Händen von Lucp G e l b e r. Dekorationen und Kostüme inerden nntor Leitung von Gusii Hecht hergcftetlt. - Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde veranstaltet mit ihrer Lperngeineinschaft am Donnerstag, 27. Juni. 20 Uhr 30. Min., im Schubertsaal, Bülowstraße 104, einen O f f e n b a ch - A b e n d^ ' Zur Aufführung gelangen „Ehexnann vor der Tür" und „Die neue Zauberflüte" (Fortunios Lied)- Musikalische Leitung: Ernst Ewald Gebert. Regie! Nicolai Eljaschoff. Die hauswirtschaftlichen Lehrgänge in bei Israelitischen Taubstummen - Anstalt. Weißensee. Parkstraße 22. sind mit Datum vom 30. April 1035 behördlich anerkannt. AiS UVTE IIÄXUWERK A u f züge Ernst Fischer Fahistnblfabrik W 50, Knlmbacher Strasse 6 B4 Bav. 7851/52, Nachtruf: G3 Lichter». 7758 Bepaiatnren jeder Art, Pflege. Fahrstuhleeile ' DV-Lieferant u.Mitgl.dJOd.Gem.~W Auto-Zubehör ] Bauwesen 3t § M.d.j.H. ■ Pflasterungen, Asphaltierungen Sylvester, ft Co. Lichtenberg, Ruschestrassa 38 E. 5, Lichtenberg 4848 Autoreifen.. Autozubehör Gleitsicberverfabren schnellstens und billigst .Herzlinger, Berlin ,1S?M^s&s«er Strasse Ufo-Reparatur ie. zeitgemXPreise. Ir. 82. Gl Ta,t Bekleidung Modellhütf Ruth Magnus, Hatensäe, Joacblm.Frle^rfch.Str. 40 pt. (1 Minute jom Kurfarstendamm) föTchmeUter J 7, 1250 Druckereien Fr.E.Rülf,BerllnW.50 B 6. Cornelius 3051 Preiswert bei bester Arbeit M MSbel-Kamerling IO ahrrüder Potsdamer Strass* « Fnhrräripr Sallf Mailich, Neu« Königrdllll.aUC! »traste 19a. E 3, 202j. 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