Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 25 (20.6.1935)
- Date
- 1935-06-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 VT. Beiblatt 6 , .i- >- 20. Juni 1 93$ Ein Meister Hes Bogens {Ferdinand David zum 125. Geburtstag Die. Musiker-Gedenktags häufen -sich in diesem Jahr: für das Judentum besitzt aber wohl keiner!von ihnen eine gleich unmittelbare Bedeutung. -, micJe-j bei Ferdinand David der Fall ist. dem erstcii/der so zahlreichen großen jüdischen Geiger Demschlands. Aehnlich dem - Pianisten Ignaz MoscheKs ist er'Ahnherr vielerKünstlergenerai. tiouen bis auf den heutigen Tag. .ein Markstein in - de r - Geschichte der Violine und. damit, für. die Piusilgcschichte überhaupt.' . Ferdinand David war, was bei jüdischest Bioli^ nisten besonders häufig iu Erscheinung gcktreten ist. ivon Joachim bis Menuhin), .ein Wunderkind. Schon als. Zehnjähriger -erntete er in Hamburger Konzerten umjubeltc Erfolge, mit 13 kam er iiach Kassel zu Ludwig Spvhr. dem Meister der klassischen Schule, bei dem er drei Jahre studierte-, um danach -mit seiner Schwester Luise aus Konzertreisen zu gehen. , 1836 holte ihn Mendelssohn, mit .dem er bereits eng befreundet war, an das Eewandhausorchester in Leipzig, dessen Konzertmeister er 37 Jahre hindurch bis,zu seinem Todewar, und wo er nach der Gründung des Konservatoriums eine unermüdliche Lehrtätigkeit entfaltete. Diese ist esgewesen, die seinen Namen in der ganzen Welt, bekannt machte, obwohl er ebenso Anerkennenswertes als Primgciger leistete und sogar im gleichen Maße wie Aiendelssohu uni den Aufstieg'des Orchesters verdient war. Einer seiner' Schüler war Will). Jos. v. Wasrelowsti, der das klassische Buch über die Violine und ihre Meister geschrieben hat. in dem .der Schüler verhältnismäßig scharf mit seinem Lehrer ins Zeug ging. Er bemängelte nämlich an. dem Spiel Davids, daß es nicht ganz den Ansordcrnngen an eine gleichmäßig schöne, stilgerechte Darstclluugsweisc entsprach lind einem gewissen Eklektizismus huldigte, indem er heterogene Richtungen in sich anfgenvnimen habe. Nun ist aber David ein geschworener Feind der.modischen Pagiiiiini-Ilnitatiou gewesen, des Gegensatzes zu Spohr, hat andererseits aber zur Reinheit der Intonation in seiner noch immer trefflichen „Violinschnle" zum Beispiel das Flagrolettspiel befürivortet. so daß es mehr den Anschein hat, als habe er durch den sogenannten ..Etlektizisinus" gerade die gleichniäßig schöne Darsiellnng vervolllominnen wollen.- Sieht -man vollends heute in seine Neiiailsgaben verschollener. vergessener oder- .nngedruckteralter Meister ans dem 17. und 1«. Jahrhundert, so ist bei jedem Vergleich sofort-zu erkennen, wie. er sich nicht nur um die Musikgeschichte, sondern um reinste stilvolle Behandlung der Violine verdient gemacht hat. Unter diesen Ausgaben steht, neben den Konzerten von Bach, Mozart. Viotti obenan die ,.ö7whe Schule des Violinspieles", eine köstliche Sammlung alter Sonaten, die David mit Mendelssobuicher liebevoller Mühe, zum Teil aus Manuskripten .der Privatbibliothet des Königs von Sachsen znsammenqeklaubt hat. Evrelli, Leclair. Locatelli. und wieder Bach sind ihm, wie dem -Freund die Matthäuspassion. neu zu verdanken. Wenn die Kadenzen nicht immer stilrein cmgesügt waren — was will das'gegen den unschätzbaren Gewinn bedeuten' Ileber die Frcundschast mit Meiidelssohn. kunstbegeistert, innig. oiscn. in vielen schönen Briefen dokumentiert, müßte allein ein ganzes Buch geschrieben werden. Es ist -auch bereits 1888 geschrieben worden »nd schilderte prächtig die treue Kunstbrüderschaft und die vcrwaiidtcn Charaktere, doch ist es heute vergriifen. i Eckhardt, Ferdinand .David und die Familie Mendelssohn, Leipzig, Dnncter ». Humblots Verlag). Das unsterbliche /vhanitest'- dieser Frenndschasl ist das berühmte Violinkonzert E-nwII. .das wie lein zweites, aus den, Wcien des - Instruments heraus erfühlt worden ist, weil - David-während der Entstehung ununterbrvche.il beratend und helfend an ihm Anteil hatte. Er spielte es auch natürlich zum erstem mal öffentlich mit seinem Orchester unter Niels .W. Gade. vor nun'.90-Jahren.-'-Mendelssohn und David waren in Kammermusik und Orchester so ' ideal eingespielt, daß der von ihnen, der einmal mit einem anderen-Partnermusizieren mußke. gleich danach in Briefen sehnsüchtige Stoßseufzer an den Freund sandte. Besonders Mendelssohns Briese von seinem. Berlin-Aufenthalt 1843 sind voll von derartigen -Lerzensergüssen. , Die Schüler Davids amzählen zu Ivollen, ist bei «.deren Anzahl ein verwegenes Unterfangen. Ter ' bedentcMe war Anglist B-rlhelmj. der übrigens später W Lieblingsgeigedes Lehrers, eine herrliche Guarnerie. für'den damals immensen Preis von 17 000 Mark verlauste. Berühmt wurden-auch -die beiden Hsti. Onkel und Neste, der jüngere später an der Stelle Davids, die nach ihm wieder der heutige Führer der Neichs.musikerschaft.Pro- - fenor Gustav Haveinann. iniwhutte. Von jüdischen Künstlern' zunächst' der hervorragende Simon Iacobiohn und schließlich, allerdings nur zum Teil von. David beeinflußt. Joseph Joachim. Dieser vermischte die Kasseler mit der klassischen Wiener Schule, mid ans dieser Verschmelzung stammen vorzüglich die großen Geiger unserer Tage, die Fast : alle den Na inen Ferdinand David .in -ihrem, künstlerischen Stammbaum anfführen müssen. Lruuo Kaiser. Florentiner Festspiele Den Abschluß der Florentiner Mäiscitspicle bildeten zwei Freilichtaufführungen. Iaegnes Copeau inszenierte auf der Piazza Signvria ein Savonarvla-Drama Rino Ale'sis^ Herbert Gras war Regisseur einer .Aufführung von '..Glucks „Alceite" iu dem unbeschreiblich schönen Naturpark „Giardino Boboli". Tie Rückverietzung der Piazza Signoria in ""^derv-chsiror i > cheri -Neiiaiifancescha-upia-tz- -war '. ZIS' mindest ein - interessantes Unternehmen.. Copeau verstand es. den ungeheuren Raum auszunützen, zu erfüllen und zugkräftige Bilder zu stellen. Bor allem die verschiedenen Gruppen des stets wankelmütigen Voltes waren stärksteus charakterisiert. Tie Musik C ä st e l n u o v o - T e d e s e o s, eines jungen jüdisch-italienischen Musikers, klang zn- CVZeitung Ölleitung « & «v> A ^°XVC __ .. w o**'- r M• -a\e. .^«»4 be\^e . «JO tV>' &&; meist an schlichte religiöse Volksiveisen an, be- ' tonte, chörische .Wirkungen. .Äusgezeichnct die Mnsiklcitung Previtalis. Glucks „Alceite' bildete den -würdigen ' Abschluß der Veranstaltungen. E'no musikalisch und. szenisch stMnsikleitung: Gui. Bühnenbild: Aschicr.i, Regie: . Graft' sorgfältig einstudierte nnid stilgerechte Aufführuiig. Die formale Klarheit der Partitur, schärfstens . ailsgenieißelt in der orchestralen Wiedergabe Güis, wird übertragen auf den architektonisch .streng gegliederten Vühnenauibau Aschieris und auf die oft statuarisch-plastisch wirkende Ausstellung der Massen — Volk, Soldaten. Prieste- . rinnen. Chöre — durch Graf, den nächst Ebert heute vielleicht bedeutendsten Lpernregisseur.- dieser einheitlichen Fornt. die ja auch öon Gluct selbst erstrebt wird, fehlt es trotzdem nicht an zündenden dramatischen Momenten, wie dem Eingeständnis des Lpiers der Alceste, der Orakelszene, dem Kampf Admets mit den Höllengeistern. Unter den Sängern war geradezu einzigartig Gina Cigna als Alceste. die. dank dem großen Umfang ihrer Stimme, dieser überaus schwierigen Rolle ivariiic -Linie verlieh und den uliisikaliich- '.melischl-ichen-Gehalt des Parts, gänzlich ausiiboptte. Die l> höre, 'wie auch ,.» allen'ändere,, tbö-rle». ausgezeichnet studiert' durch Pi o r ö s i n i, er'iill ton ihre besondere Ausgabe in . der üivlle ' degriechischen, mit-le-idenden Chores mit größte, iniiiilalisch-dramatischer Hingabe. 'Auch dinier .zweite' „Piaggiv Piusicale Fiv-- reiitiiw' bot. ats Gaiizes gesehen, eine an»; zügig diirchorgaiiisierte-Veranstaltung von n,lr nat-ioiialem Gepräge. Dank gebührt hu i voc allem dem Präsidenten Piarch. Ridolii u:,'- dcm Organisator Eainm. 'Alberto Pas'iigti. . unter deren --ninsichriger Leitung - alle Pl-.iv>-- ' energisch durchgesührt würden. vr. Uerbert Ii1ei,vl>.er. -strenger, spröder Geistliche Musik Wie vor einem Jahr mit den Werken von Btoch und Schallt, so stellte Alexander i!ö c-i - b a ii m in Berlin auch diesmal einer Imnid; hymnischen, llangprächtigen, effektncheren Koiiv position — Bossis Vertonung des „Hohen Liedes' starten Publik ü'g.ain.deiii .ziueiteü Feil. .Zoltun Kot i — eine s,en Ilailj- >uiv Ilmoi'ch'tlliig 'Nlin - — (,r!).uit zu den rcpräsentati >>-der jungen uivzunichen Piusik luiü ist üirvliluud wu-derhutt anfgesührt tvo t dir- Wiedergabe solcher Werke ivie S> in, -vwd.-ili,. |iu die wir W-nnbali»i besvi rnke-ii liaoen. bleiben >vir an den >vi uden Stcviu der großen knltiirellen Eni al>geschio;s,-ii.' st.vdälys Platin erschließ beim eriten .-nöreiy bezwingt später zurü-ugPig).. schöpserisct.^ nl'iinlivu, rar. neue Wege zu weisen hat.. Du- Wieoergabe in inr alle recht schwer: für den Solu tenvr. den Chor.' das Orchester. Hier gibt , .euw-n lehr' dif'ereiizierten Streichersatz - (Geiaeu Zuin Dl il-sechs'äch geteilt!), ivesentliche Hüriic, und .volZblä'ersoli, eine oft sehr 'vertr.i-lip.'ch>)tt.u,-iik.' Schivierigkeiten,.. denen das verstarli-- Fortsetzung umstehend im Feuilletonteil