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Central-Verein-Zeitung · 1935-06-13 · 24 (13.6.1935) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
24 (13.6.1935)
Date
1935-06-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Versuch einer jüdischeil Dramaturgie Dramaturgie ist die Wissenschaft vom Dramas Nud Dramaturgie ist jener Arbeitsvorgang, der zwischen dem Abschluß eines dramatischen Werkes durch seinen Bersasser und dem Aufgehen des Vor» ' hangS über dem vom Regisseur im Material von Schauspielkunst, bildender Kunst und Musik (auch 'wenn kein Ton Musik zu Gehör gebracht wird) Umgeformten liegt. E3 gibt also eine'theoretische und eine praktische, Dramaturgie. Der Dramaturgist in der Theorie! — der Mittler zwischen Theorie und Praxis.. In der. Praxis ist er —^- wenigstens in nicht subventionierten Theatern — der Mittler zwischen Kunst und Kasse. --- --- Ehe die Möglichkeiten einer jüdischen Dramaturgie erörtert werden können, ist noch folgende Feststellung nötig: die. Dramaturgie untersucht 'zwar, da sie'die Grenzen zwischen Drama und Theater absteckt, die rationalen Grundlagen beider Gattungen, die einander wie — in der Elektrizität bedingen; aber die Entstehung eines. Dramas, das zugleich ein vollendetes Theaterstück ist. ist ein irrationales Geschehen. Das Theaterstück ist, auch wenn ein einzelner eS schrieb. Massenkutzst, Gebrauchsware, die ohne Aufführung sinnlos wäre — sie kann immerhin Vorläufer des Dramas sein, jene Form bestimmen, die den Ansprüchen des Theaters gerecht wird und in die der Dramatiker seine Inhalte tzießt; das Drama entspringt dichterischem Müssen (auch wenn es keine Bühnen gäbe), ist Schöpfung einer Elite, jener einzelnen, welche die Volksseele verkörpern -s- — die Sehnsüchte ihres Volkes aussprechen können. Es liegt, in der Natur der Sache, daß das Drama stets seltener sein wird als das Theaterstück und zumal im Zeitalter des „Aufstandes der Massen'. Da die Masseeinander in den meisten Ländern ähnelt, , wird in Institutionen, die sie beherrscht, ein fremdsprachiges Theaterstück leichter Eingang finden als das aristokratischere Drama, das schon als Wortkunstwerk national bedingt ist. Das Drama ist bis zu einem gewisien Grade eine Angelegenheit den Bildung — der Schaffenden wie der Ausnehmenden — mit ihrer doppelten Gefahr: des Niveansenkens, wenn die allgemeine Bildung nicht mehr Kulturträgerin ist. des Berdvrrens im luftleeren Raum, wenn der „Geistige', keine starke Bindung zu seinem „Volke' mehr besitzt. - — Wir mußten so weit ausholen, weil die Möglichkeiten einer jüdischen Dramaturgie daraus zu folgern sind. ' Juden haben Dramen geschrieben: aber sind es jüdische Dramen? Juden sind Dramaturgen gewesen: aber ergibt ihr Spielplan eine jüdische Dramaturgie? Das jüdische Drama entstand in-der Diaspora, das biblische. Volk kannte keine dramatische Kunst. Und die. jüdische Dramaturgie ist in sich vielgestaltig wie die Weltdramatik, die an äußerer Form so verschiedene Gebilde wie die „Orestie'. das „Leben ein Traum', „Hamlet", den „Misanthrop". „Minna von Darnhelm". „Iphigenie", „Wallenstein". „Penthesilea", „Rosmersholm.". „Florian - Geher" umfaßt. Keine Brücke führt von. der „Esther" des Solomon Usgue und Lazzaro Graciany. dem ersten jüdischen Drama in spanischer Sprache (17. Jahrhundert!, zu dem Begründer des neueren .hebräischen Dramas im 19. Jahrhundert. , S. I. Rappo p o r t. dem Vertreter der österreichischen „Haskala" (Aufklärung) und Eeschichtsschreiber des Gavn. Das hebräische Theater „Habima". obgleich .stets, iü' Repertoiresorgen, wußte so wenig von denen Erislenz wie Hermann Cohen (zur Verwunderung- Ortega h Gassets! von der Philosophie Be.rgsons („obgleich er Jude war'), daß es seine Stucke aus dem Jiddischen . ck.,D y b u k", „G o l e ni". „D e r o w i g e -I u d e"!. und Deutschen ' („I a a ko b-s D ra u m") oder Werke, nichtjüdischer Autoren aus müderen - - Sprachen übersetzen ließ. Des venezianischen Nabsiiners Leo Mo d'e n a „Rähelnnd Jakob' ... (17. Jahrhundert) gehört"":» den Umlrei.s -roma- . Mischer Schäferspiele, während die palästinensischen Purim-Ipiele, vorwramatiiche, mehr, heidnische - als jüdische Kulthandlungen, überdie Jahr-' Hunderte hinweg an die mittelalterliche, zu Vaucluse (Südfrankreicki! gespielte „Esther", in der Haman die lustige Person ist. anknüpsen könnten.- - Haben — im vorigen Jahrhundert und im deutschen Judetttnm — ^Der Paria" von Michael Beer und Las sa l l es ..Sickingen" noch etwas gemeinsam? Der Bruder Meherbeers beichtet . kurz nach der Emanzipation das Leid jüdischen Ausgestoßenseins, der vor siebzig Jahren verstorbene Agitator und Autor macht seinen -Helden zum Sprecher seines Sozialismus.' tster gegen den international orientierten Marx gerichtet, und seinen Worten gemäß ist: ..Denke daran, daß tm ein dcnts che c Revolutionär bist!" Man muß um Beers Abstammung winen. um die Beziehung seines Themas zum- Jndentum herziistellen. und das Sickingen-Draina würde man bei Unkenntnis von Lassalles Autorschaft einem deutschen Schiller- Epigonen zuschrciben. Istdie „Brunhild" eines. Ostjuden und Zionisten. Arno Rädels, ein jüdisches Drama, nach, einen! germanischen. Stofs gegriffen hat. in dem Sinne: in dem man' von deutschen Dramen reden kann, die sich einesfremdvölkischen Stoffes bemächtigten.' Wäre, das. (schwache) Werk anvinnn oder unter einem Pseudonym erschienen. so hätte man einen deutschen Reuklassizisten für den Verfasser gehalten.' Eines der besieren Stücke von Reh fisch geht atii die jüdische Legende von den l(6 Gerechten zurück, welche Nie Welt ständig vor dem Untergang schützen: weicht einer von ihnen vom rechten Pfade ab. so stürzt die Welt zusammen. . Rehiisch macht deutsche Volksthpen zn Trägern dieser Handlung. Die jüdische Legende macht das Stück noch nicht jüdisch, der deutsche Rahmen noch istcht deutsch, aber wir 'werden kaiini umhin können, in der Art der Dialektik (Kaspars Höllenfahrt auf. dem Wege zun: Himmel.' > eine Ironie jüdischer Färbung zu erkenne.». (Man muß diese Dinge endlich der Sphäre von^ Ressentiment und Präokkupierthctt entreißen.) Ja. dm deutsche und die jüdische Substanz — es ist weder ein Verdienst noch ein Willensakt, in welchem Prozentsatz sie in jedem einzelnen verteilt it't. es sind unwägbare Dinge, auch da, wo keine Mrichnng des Bluts stattgesuiiden hat. — kann in den Werken eines und desselben Autors verschieden ni Erscheinung treten: in Paul Kornfelds ..Verführung". einem Drama, das stilistisch Werken der deutschen Expressionisten Sorge und Lauckner nahesteht, braucht der Held nicht Jude zu lein, ist vom Dickster auch kaum als Jude gedacht, aber der Weltschmerz des jungen Bitterlich hat eine jüdische Melodie im Untertun, die dem Juden wie dem Richtjnden nicht entgeht. Derselbe Kornfeld hat eine reizende/wirkliche Komödie geschrieben, .Ter ewige'Traum": ein Staat schasst die Ehe ab —. mit dem Ergebnis, daß ein junger Mensch zum Aufrührer wird, weil er. die Ehe erfindet. Ist - das niclit Dialektik? Doch, aber ei Ne andere als bei Rehfisch, und keine. jüdsichc, es iü eine Dia- . lektik zwischen dar dentsche-n -Romantik .und Tegel, es iü Geist vom Geiste des Büchnerichen. Spiels .Leonec und. Lena". . -Eine ganze. Reihe--von Werken scheidet für liniere Betrachtung ans. weil sie. weder deutsch noch glidisch, sondern, schlechthin europäisch sind. . Stucke, verschieden an..Artniid Rang. Da es mdttche D-rmnaturgen. äprh, die - iol-che Werke in .. --.ihren-SpielMttamnahlnen, in hier de/Ort. das Problem der -stjüdi-schen Dramaturgie" von. dieser '- Seite aii'ziiwerien. -Vtanchcr Btisigrist soll' nicht. abgestritteii iverdeu. aber wasim allgemeine», als ..judiicki" verschrieen war-, -gelierte zur Beschaiienhcit des europaiickien Zeitgeiites. - Man darf als richtig annehme». daß die- Gegenkräfte in vielen Deutschen stärker waren, als es bei de»H scheu Inden, der Fall sein konnte, deren deutsche Tradition um Jahrhunderte' junger war,' aber verallgemeinert kann da n.iäit werden: das Tra.- inatikerdcl'iit eines Kolbenheher fand am Düsseldorfer Schauspielhaus stalch das von dem Inden Gustav Li ndenia nü und Luise Dnmont geleitet wurde, Verallgemeinernde Schlüsse lassen sich weder-ans-der dramaturgischen Leitung nock, aus derdramaturgischen Leistung von Juden, ziehen, als ein Teil der südlichen Autoren der' curopälichcn Rivellie-rnng verfiel, vollendete Alfred Mombert seine grosiso.rmatige. sprachgewaltige, sich dramalifcheii Gesetzen freilich entziehende ..Aeon'-Trilvgle. die Leopold Ziegler als Beleg für seine „-'ä.'Säue vom-deutschen Staat" heranzieht. v Eines ist nicht zu -übersehen: Schnitzler schrieb neben anderen Werken den .Professor Bernhardi", Georg H i r s ch s e l d ebenfalls neben anderen einen „Hoiea". B r o d neben ..Lord Byron -kommt ans der Rcode" eine ..Königin Esther", Lisfaner neben ..Pvrck" und ..Luther und Thomas Rtüistzer" das „Weib des-Feplstha". Ein.it Bernhard neben „Btirabean" und ..Anna' Bvlenn" den ..Brief, des Uria" nnd ..Tie Jagd Gottes"n JRadel «frei nack, einem Fragment A >: s l i s! .Die Peü". Kormeld einen-,.Jud Süß". Stefan Zweig liehen dem „Thcrsttes" einen ..Jeremias". Moritz -J e i in a n n 'lieben dem „Ioachiin von Brand" das „Weib des Atiba". B eer- I v f in a n n lieben dem ..Gra'en von Eharolais" die ..Historie vom Köiiig Tavid".-und llllerscl ar.t'eitet näcki demJnareZ und htzarunilian" niid , ..Panlns unter den Juden" an einem ..Btofes ": der sich nach den bis ,eht vorliegenden Berickiten hart der Lper und dein Lratvriiim nähert, und ivohl das crile Mvies Tr.a'ma von einem Inden - ist. R'nn haben in der gleichen Zeitspanne auch .nichtjüdiickie Dramatiter bibUsche^Stosie gcslallel, aber bei 'den iüdi'ckien. ivelckie die stgendnng znni Jüdnciicn in ihrer Lebensmilte oder gar am Ende ihrer Säiaffenszeit vornatimen, wares etivaS anderes: Besinnungans eine Kraitgnelle' »eben der deutickien.- Abek-— eines 'Richt-Tramaicker-'-. Ludwig Bi e i d n e r religiöser Weg f»!>rte l,art am. Rande des Kalholrzi-smns zum vrthodoreii Judentum, und E-rnK Blaß, wählte den Reli- ^gionsstifter und Politiker Mahomed zum -Jelden eines Drama-:-. ., Im Listauers. „Weib des Jephthö" Ininmni ein jüdischer Autor iind .ein. jüdischer Stoff ziisainmen. Und doch cs in kein j>>di'ches Drama, . Es izt eine Gestaltung dö-5 in tzor deutschen dramatischeri .Literatur (-z'lerst voii Hans Sachs! oft behandelten .Tlrcmas neben anderen niid wohl diejenig/ die' den-Gesetzen der Träniatik am besten entspricht. Es in eiiie .nackiträgliche. Gestaltinig des Kriegserl-ehnisies -,hier Jeyhtha: für Volk und Gott,- .da fein' Weib-Blirlam: für das Recht dor Mutter ' niid des hinzelivesens. Aiich Stefan Zweigs. „Jeremias", viel mehr Oratorium-als Drama', ift. ans .dem Kriegserlebins geboren -— imd hier . silhlen mir uns als- Juden nngeiprochen. Viel- 'leichr auyert /sichsogar in dem lyrischen -beschwö- .-renden^ Uehernchivnng so etivas ivie ein sitdisches Formgefiihl. Erbe' der Psalmen dichter. Und' boch - s wehnisbe'tiiliiiieiid für ein lliduches Drama ist.' das-nicht./-Ein drittes Drama, das de» Erschütte- J'im'gen des Krieges seine Entstellung verdankt, ist - WerfelS»Rachdickik'nii.g -.der „T roerinnen" des Eu-ri-- pides. bangt also weder durcki seinen Inhalt-noch durch seine Form mit dem Jndentimi zusammen... aber die Emotion, die es honte in uns auslöst, niacht es zu eimn ndii'chen Drama. Und ähnlich verhalt es p' .nt Kornfelds ..Jud Süß", der vor einigen Jah.en (durch eine falsche Jnszenierniig Leopold Jesnu'rs) spurlos.an uns vorübergegaiigeir ist . . . der Dichter prüft, die Schuld seines Helden an der .Umwelt, von deV er ihn entlastet, und vor - Gott, wegen der er ihn . verklagt. So fragt sich auch heute die deutsche Jndenheit, oh' ihr Schicksal nickil von Gott käme: sie weiß.sich als Gemeinschast frei von der Schuld, die -man'ihr vorivirft .(deiin Vergehen einzelner ivaren zugleich ein Verschulden an der jüdischen Gemeiiischaft!. aber sic grübelt darüber,, ob ihr- - Leben nicht Abfall von Gott war.' Es ist" .mit der Vestiminimg des jüdischen, Dramas etiva mit mit der Bestiniiniing dcä Deutschen an sich, das es — »ach Richard Benz' herr- Iickiem. 19/'/'. erschiei-ie-neili Buche „Geist und Reich" nur „von Fall zu Fall gibt — es--ist nichts Vorhandenes: es iii in jedem Biensckie.n'und in jedem lllle.rk einiiinner anss neue-'inuhsanl- 'oft. Exrnngene-.-.: ein vielsack> Gekreuztes >ind Ziijannneiigejetztes. dessen schließliche-ersiegte'Priigüng. Forinimg und Tnrchdriiigiing ans eine sil>>oer initteilbare Art iinS dann doch als das Unsere, nlS BiigestannnteS und 'Vorhestimiiites berührt!" llllalirend jede Ku»stans>erinig eines Fiaiizojen oder Engländers voir vor»her>z>ck französisch oder 'englisch lstz-inils; bei den Dentichen ivie bei den Inden eins irilitionales .Etn>aS l>in znlvnnnei,. Eine rali'onal jnndierte -Poetik-eines indisllien Drama:' ist-aus. der Sniinne der von ,'mdenges/hriebeilen -Bül>iie-ii>verl'e liidjl zu gemiiinen. ' Z'l den Drainen. die i,»s in jiü>t,eni Sinne ills indisch aiispreihe». gel,,>-r.en vor al!i-m 'Nsoritz'.Je, iiianns hramatisches. "Beiniachtiiis „Ta-s iliVit* de.-, Ali da', -ein -Jähes Lied der jndijckien Fra» (nuiv der Frau nl'erhaviü > niid Zeugnis der geistigen llnrnhc des iiidliche» «und zeitlos snchendeni Mensthen/ „llüer sickier Ul und loen» er Gottes sicher ivare. ist ein Plerderber"Jmid lltichard Beer- -Hofinonvs David-Trilogie, deieii Piolog „Jaaki'l's Traum" ist. An dieser,.vnstorie. Vvm König Tavid" osseiil'irrt lief) nock) ein mal daganze Pi ,ü'lemat,k einer ,tir>in 1 »'it T >ama!Iirgse". 'SIe ist ein deulfches S vrackstiinstii'ei > imo .d,;s -e,»z,g'- 'VaiiiwalSrania eioer' tuduckie» h/al>im. die es nickst gibt, .ihr Zauber, gelil von der' deutschen Sprache aiis und ihre iinieie T.ramalik Ui jo jinntall'ig. das: sie.--Wohl und) in einer llebei jetzung , li'f'i'n Inden da-.' Zrerz I,oher srlijagen ließ«'. Sie >ial. von den.griechiiiljen Tragilern inid-den denkscheu Klast'iker» heu .,y!li.jih,m- Ban lder Einjlny der Handlung zur Haltung, von der 'ästhetischen' zur religiösen Reaktion, von der Photographie zum Symbol, von der Sage zur Frage, von der Antwort zur.-Verantwortung. Dichten ist für Ibsen Gerichtstag halten, der nordische Dichter iü. Richter, der jüdische stellt sich dem Gericht, so wie Kohelet. Hiob. Jona, Jehuda Halevi vielleicht alit--. begehrten, widerstrebten, aber schließlich durch ihr Sichstellen so exemplarisch jüdisch würden. Tie Wendung ins Symbol, nicht aus Kunst, gründen, sondern.wie ungewollt, die Anerkenntnis des ...Schlosses" und des Gerichts, das Leben im doppelten Licht dieser-und einer anderen Welt — dergleichen kennzeichnet unseren Mann! Freudvolle Totenfeier Zu Eduard Mörikes 60. Todestag Eduard. Mörilc liegt oben über den Wolken auf einer sonnigen Hiinmclswiese. träumt vor sich hin und läßt den lieben Gott einen guten Mann sein. Rein,, mit viel mehr beschäftigt er sich nicht. Rnr einmal im Jahr. Anfang März. steigt er aus seinen.Frühlingshügel und heftet dem' Frühling das" flatternde blaue Band an. Das iü beinahe alles, er streckt und reckt sich wohlig und schmunzelnd in der verschwiegenen und abseits gelegenen Himmelsidylle. er flieht jede laute und große Gesellschaft, er kümmert sich um .niemand und iü froh, wenn er . iw. Ruhe gelassen wird. Selbst seine irdische Agressivität auf Rezensenten hat ihn verlassen und so können wir es getrost wagen, seinen Todestag heiter zu feiern, denn wir wollen ihn ja gar nicht rezensieren, wir wollen uys ja nur heute von ihm ein wenig an» und auslachen und uns selbst von ihm ziim "°Lää)eln entzücken lassen. Er kann das so gut und in tausenderlei Art. Mag er nun endlich de- - ginnen: Mil Aninka, die im Grase tanzte und so schön war. daß es den Guten ganz töll machte. Und was war der Schluß? Einem andern gehörte das Mädchen, ihm blieb mir' der Knopf, den -Anmka beim Tanzen verlor. Bitte, rasch nachichlagen aus Seite -tll unter „Jedem das Seine." und'zulerncn an-köstlicherSelb'iirönie in der knappsten Form. Aber die Ironie kann auch andere treffen, und das nicht sanft. J,st einer von uns ein Sehrmann? Ein Sehrmäun. „der sich mit Selbstgesälligfeit Bedeutung^gibt"? Er hat .Schnurrbartbeivußtiein iiüd^ glatt geivanntec Hosen Selbstgefühl". „(tV"^ in im höchsten Grade sehr", „er ist von Widcrwartcn eine Sorte", den vom Hütckieu bis hinab zum kleinsten Sporen voll-' endete Persönlichkeit belebet. Ach. in . was 'für einen gesunden Groll steigert sich der san'ite Dtörilc, je länger er an den Sehrmann denkt. „Verrucht, abicheulicki. ioenn du sie bei Licht besiehst. Kein .Pcensch beleidigt wie der Sehrmäun und verletzt emvfindlicher: wär's auch nur durch .die Art. ivie er im lösivrach am Rockknopf-faßt. Du schnöde Brnr!" lind Rlörite läßt seinen Sehrmann den. niiüercii Weg zur Holle antreten. dieweil '-ihn der -rouge Engel an de-:-. Paradieses Pforten ab-weiü. der 'Sehrmäun-..ist darob' befremdet. ja beleidig,, dann schwenkt er in höchüer „Sehrheit" trotziglich getrost sich ab und schwänzelt ungesäumt der -oolle m. .lins aber, die wir dem Sang „an-.Longus" gelesen-'haben,'scheint es/.al-s-. ob -wir, plötzlich an- Men'chenkei'.nrnrs gewonnen hätten, weil wir von-mm an Sehrleute. auf üilometerentfernuuq erkenneu. Ihre Kopfhaltung, jede Handbeircgnng kommt uns bekannt vor., haben - sie nicht das große „'ehr" andie Stirn geschrieben, imd bilden mir.uns ein. ielbü. das Wort vom Sehrmann -geprägt zu haben, ivie uns das so manchesmal mit 'besonders geglückten und eiiE leuchtenden Worchildern -von anderen gescheiten Leuten geht? Das gehört ja auch wohl zum Kriterium eines guten Tnorers: Was er lagt, was . er erfindet und findet, was er sieht und was er schildert, alle; dünkt uns von uns ielbü gesehen. . erlcbtJ gesunden nnd' er"n-:de:i. 'zü Dl:-halb kann man Mörike so' gut nacherzahlen. sich so herrlich über 'eine meiü so fricDIidien Abenteuer freuen, weil sie ja nicht n: iraendwelazen ganz 'fptnen, fremden Landmmüe!: -erzagt wurden, sondern ganz -n handgr>'"'.s-r»'r '.'i'ar.c. 'die uns w bekannt iü, T'-' -E-rrientnr. die „ach nur einmal. noch .im Leven" nngl. wenn'man sie öffnet, haben wir ielbü ani- und ziigeinacht. und wie uti sind wir schon ini Traum vom Abitur Albdruck m-r'lol.gt worden, gleich Plörike. det'en alter Hebrancher Lehrer ihm als Käme; geformt erscheint, ihn-.zu ermorden gemillt. Uno gleich ihm trosi uns dann -beim Erwachen, von der. Tti.rn „das erainiiialis,ye Aast" -—/ Blättert nne immer weiter, ans jeder Seile, in -jeder Zeile ininkt^ uns lächelnd ein bekanntes Gefühl zu. blickt uns in-die Augen, ilüsiert uns zu: „Wir halten schon die Ehre, uns kennen zulernen". Ja. auch den. Prä zep'tor Ziboriiis kenne,, .w,r gut. der mikternächtlicherweile mit seiner Gattin Rite einen Tisput über Gurkeneinlegen.beginnt, wobei er Rike zu den ieieriichsten Pentametern zwingt, damit die Tiüichen sich abrnnden.- Leü es - nur ielbü. oft iverdet ihresvor' lauter Lackten nicht können-. Und vergeht nicht das Lied -an .Philvmcile, dem Panegyrikns ani ihre Sangeskunt'k. Istdas jctchn!-'-' Das Gcdickst und ihr 'Gelang. Ihr Geiang iodaß er den Bewunderer zu dem Vergleich mit dem . a'niiielgen-- den 'Raß.in einer Weinbonrc-illo verilihrt nnd ihn damit gleichzeitig so durstig, machte daß er znni Jägerschlößchen eilt, -'woihm ~ der : Oberamtzgerichlsverwesi'r. der Rorar.-und der Ll'er'or'ier bei der' Kegelbahn --uitd beim 'frischen - Bier . i - warten. Und wir gehen mit. zur Kegel bat»,, wohin, begleiten wir Mörike nicht! Zur. K-M-l- - bahn und zum Bier. z,i Onellen uno ni nächtliche Ae-vi-!schat»en. zu Bergwänden-., a--- , d-e sich die- Ra-ch-l träumen.d lehnt. ' sogar ins - L/n-d - OrvlidL.'N'.mmt er uns mit,, liebevoll iiihr'l -ex. mrs niid mir sillilen uns. gerade io tzcimlich nun -.wtraut. iv:e u enn lvir ielbü mit''ihm .Nüster einem Schirm geborgen". ■ „Beide heimlich cinqe'chlvüen -- - . _Äste .. (» ernew.. FLe.nitnIvchem-.-^——_ - — Endlich einmal Arm-Wn Acml' Klärchen ivaren. dem , er dieses Gedicht ..Erin -' rnng" widmet. A'ur den Schluß, wo es e-a l . Daß wir uns w,e Ktn.der freuten" wollen wir nicht nie uns gelten lasten.. Es-.N'ieo. snr .un» niemals'da.» lehtest.ülat se,n..so lang-' -mn leien, solange wir .fülsten. solange untere, Herzen let,lagen .und -unsere 'Lixpeii. la-ck,el>>. kounen. dasi N'-ir uns mit.ihm wie .Kinder, lremni. Und jedem, .denen Freude wahrlia-stig. l>er z!mi. - ina ilii >mo innig in. darf -e-» tckteinen.' daß Morike.i.hnb> - sonder--.dringlich m se,„ Feenitr,iniühiortt Juljan Tuwim Dre führende polnische Literatnr-zettm-'g ..W-a- 'domoVzczi, Literailie" lial vor einigen Wochen eine, lsngiiete voran,lallet, welche .Autoren in ei»-- iMli.bl>angige' Tick>!er,jfgd,-„>ie zu' tv,ihlen wären. - Die meisten Stinimen -- an-' ' >0 — ei hielt dee Lyriker Jnljan Timnin. Timäin, de,- ',Ijpi, >nni Jahren den' Literaiiiri-reis der Stadt Wartchau- . erhielt, „ein T ichli-r von süottes Gnad,m". wie der -t-'olni'ckie Li.teral>irl,iii!>i.i-!er. (üineoor st. Pan, i!,,, .-charakterisiert, m ..stsoest i-l-j'msei . I>u Wkl der (nl!<- rjfi-t uihI' v..m-I,i A'or hinein lie-l-su-u-J , ni - I.ph!-rcHiiiH mirii ,|j<- ann'/.a Nn-ia Und koiiüiit /.li k-.-llmi,, i!:--.»n!!n>. '-' - Aus -.-irir»,, /.:i!i|i-iiti<:'n-n Krhüht sich' M-hon oj,, Zifiau -, Worin inin'i . mit vn-n-n ()u;jdricr<‘n will, s**/.iü|-,-»n — _Er roi-hn«>t midi nicht aim. ■ Millinni-n — wo dm- Enlih-c .-,.a-h,.' , dor U'-i-t niciit iilüd rn! Und roi-hnut w^itfr und hfTjV-r-kt Mif Zahlon mich und-.pofon/.i-'-rl. M.!! 1 ipliii*'-! (— <-s treten m-hon Quad rilli«inen, voi- Uii-h* — Hi li“-- r-;■ ,r.!h-.t'P|;J-n.-t“R . 'In - d“: MriM-hin“ knot.-n.

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