Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 24 (13.6.1935)
- Date
- 1935-06-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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/ toie immer tuuInlbfioHe Würdigung der „Neuen Berliner Bibel" des Torczynerschen. Kreises von Ludwig 'Feuchtwan ger. die zugleich Die. beste Einführung in die verästelte Problematik einer uns. nnsgegebenen „Rückkehr zur Bibel" ist/ die man stich denken kann. Am Schluß stehen wiederum die zahlreichen Glossen und Besprechungen. unter denen ich diejenige über Adolphe Erärnieur hervorheben möchte. . Eine besondere Freudeist es, .daß d^r „Morgen" auch im vorliegendst. Heft seine nun schon. zur Tradition gewordene Uebung fortsetzt, der deutschen Judenheit den Anschluß an die erniachende hebräische Kultur unserer Tage zu erleichtern. Erich G o t t g e°t r e u dient dieser Ausgabe mit einem überaus lebendig geschriebenen Bericht über ..Palästinensisches Theater", während M a r t h a W e r t h e i m e r die „Urahnin hebräischen Trauerspiels", wie Franz. Nosenzwcig sie geiEnt hat. die Nomina/ in ihrer die jüdische Seele von den. Tiefen her aufrührenden Gestalt neu erstehen läßt. , Dr. Werner Cahnmann. Neue Lyrik Manfred Sturmahn: ,Herkunft und Gesinnung“ Der in München lebende Manfred Sturmann ist sicherlich unter den jüngeren jüdischen Lhrrkern deutscher Sprache die stärkste Begabung, gleichviel, ob man die snbstanzielle^Fülle oder die Form seiner Dichtung betrachtet: So wichtig und wertvoll diele Gedichte als deutsche Gedichte sind, so ist doch das Indische für ihre Substanz ' wie für ihre Form von großer Bedeutung gewesen und mit dem Erlebnis der letzten beiden Jahre zu noch größerer Bedeutung gewachsen. etnrinannS Dichtung selbst wuchs mit der Bedeutung. de« Indischen in ihr und für sie. wie das,eben erscheinende Bändel,eu erweist. das mit fernem Titel „Herkrm't und Gesinnung" das Prvgrainmmatische. die beiden Leitmotive des Ganzen an- Stur mann begann vor zehn Jahren mrt eurem Band „Althebräische Lhrik": Nachdichtung Ihr,- scher Stücke der Bibel als Umdichtung ans der mehr gebctsmäßigen Gestalt ins rvortstarke deutsche'Gedicht, «ein erstes eigenes stßedichtbuch ..Die Erbxn". unter Förderung der Stadt München herausgegeben, noch mehr das spätere Lnrik» . buch „Wunder der Erde", zeigen ihn als Lol" sirrgcr des. Landes, der Landschaft und des Alls, von den größren bis zrr den kleinsten Dingen der Schöpfring, drirchglüht von innerer Religiosität. Die hhinirische Grimdrornr versteht dieser Nachfahr der.biblischen Pialinisten zu knapper Gestalt zu.raffe». rmnantiich.sclnoelgcndcS- Grundgefnhl wird in.klassische Form gefaßt. . Aber der Einfluß seiner Umdichtungen ans dein Hebrärrche» erwies sieli ailenthalben, nicht nur im WridHimi der rveilgreiiendeir Bilder, sondern gleichzeitig in der Art ihrer Fvrmürrg. im vokalreichen Bollklang der Ber-se wie ur Best'chwörringeu und Propheli5. Das Buch der Bücher wirkte auch motivisch ans ihn: in den „Erben", findet sich ein. ZuUns biblischer Geitälten „Kindep deS Herrn" und gn den „Wllrndern der Erde" eine Nachdichtung des Schöpsnngsinpthos in der strengsten klassischen Slrvplie, im Sonett. Dieie Gedichte jüdischen 'Inhalts auS den früheren Bänden-sind in die neue Sammlung „Hcrlunit rmd Gesiummg" tErich Reiß Verla g. B e r l i u l ausgenommen: der Zhklns „Kinder deS Herrn" lieißt setzt ..Linder des Ewigen" n»d iit - um mehrere Stücke vermehrt worden: last ganstieii aus nennt Gedichten besteht ' der Eiiileckn»gszvl>iis ..Der Ansbrnck,"- lind nun zeigt siä> etwas ''>.ll-rswürdiges. Anüchliißreiches. Währende jonit sag durclirveg'Dichter in chrer Reise zu strengerer Fornr. gelaugeir. löst sich Stur< »zairns strenge Form in den.neuen Gedichten durch die ruuere o ricliütteeuug. mit der er aus die äußeren Ereigmiie der letzten Jahre reagiert: die strafte, regelmaiuge. gereimte Strophe wird von der Starte des Geiuhls. mm dem Wille» zur weisenden, ficheenden Belchworuiig meist-zzelvclert zum pnmnnst.znm P-ialin. " Aber auch in den psalmodiercnden Gedichten verliert er sich nicht ins Breite und Formlose, sondern die straffe Zucht seiner früheren Lhrik läßt' ihn in den jüdischen Hymnen. Zusammenfassung, Klarheit. Einfachheit, erreichen. Gerade -Einfachheit strebt er an. denn er sagt im Nachwort: „Die erste Sammlung meiner jüdischen Gedichte hat keine ästhetische Intention. Sie soll nicht der übliche Gedichtband für..Freunde der Lyrik fein, sondern ein. Gebrauchsbuch im besten Sinne, das sich" ein kulturpolitisches' Ziel gesteckt hat. Dieses Ziel heißt: lebendige jüdische Gesinnung." Sturmanns jüdische. Gedichte bedeuten Aufrüttelnng lind Zielgebung. sie können in allen Schichten deS Judentums, besonders in der Ingend. für die sie in erster Linie bestimmt sind, „lebendige jüdische Gesinnung" wecken und festigen. Aber der. Dichter ist allzu bescheiden, wenn er , seine Gedichte nur' „Gebrauchslyrik" nennt. Ter Kritiker bezeugt ihm. daß sie auch zugleich. sehr gute Gedichte sind. Und GebranchSlyrik. die zugleich künstlerisch wertvolle Lyrik ist, das ist ein seltener/ darum prcisenswerter Glücksfall. Kurt Pinthus Gleich das Emgangsgedicht des im Hesse und Becker Berlag. Leipzig, erschienenen Gedichtbändes '„Wunder der Erde" von Manfred Sturmann gibt eine vollendete Probe feiner Natiirverbnndeirheit: einen von Nässe blanken Baum, irr Wjntcrqual, und Eissturm erstarrt, der, in linderer Luft plötzlich zu sich kommt und dem Frühling dankbar entgegenatmet. Wir erleben die Wunder der Erde im Streifen/Wandern und Fliegen, das uns nahe an Gottes eisige Stirne bringt. Die Tages- und Jahreszeiten, die guten und bösen Stunden, ziehen vorüber, und mit ihnen ivechseln die Stimmungen der Seele. Auch Siedler, Dünensischer. Bauern, überhaupt der ländliche Mensch, das naturnahe Lind, sie alle werden unter seinen Versen lebendig. Endlich dichtet 'Sturmann die Schöpfung nach rmd hier steigert sich seine Naturliebe zur Weltenliebe. deren Quellen Gott zum Preise rauschen. Fran? Landsberger sie am Anfang' noch kindlich bekennend: ..Man irt sojung und schon ein Dichter. Und schreibt das Leben, das man nicht erlebt". Inzwischen hat sic das Lebenerlebt, das eigene Leben und das.der , jüdischen Gemeinschaft.^ Sic nimmt reifere Gedichte ans jenem ersten Heft herüber m das reifere neue Buch, denen Treiklang durclstaicket ist von einem tiefen Ton demütiger Liebe. «tc betet: ..Laß uns in allem Demut frndcu ..." Schon - die. Untertitel kundeu. dieie-. Demut. . . Wahrend der zweite und dritte Teil 'sich nennen .-'/.Von Liebe". ..Vom Tag" — wagt sic, nicht über den ersten zu fetzen: ./Bon Gott", sondern sie spricht ...Worte v o r Gott". Die Gedichte dieses ersten Eyklus. entströmt unter dem, Anprall der - jüngsten Ereignisse, - sind die mustk- und Bilder- - reichsten des Büchleins:.Ein pantheisti.sches Sehnen . und' Suchen. Bitten und Hoffen zu Gort. / Ebenso demütig ist auch ihre Liebe zum Geliebten. Und ebenso demütig/ist auch lh-rc Liebe zu den Dingen, die der Tag ihr zutragt, mit dem. Posaunenschall der göttlichen Frager „Ich Hab' die Liebe in die Welt-gelegt. Warum erdachtet, Menschen, ihr das Leid?" Und trostreich erschallt in einem andern Gedicht die gute Antwort: „Alles tiefe Leiden geht Einest stillen Weg zum Glück. ~ Reiner Wind vom Himmel weht. Welkes Laub, ins Nichts zurück." Eine kleine Mahnung an die Dichterin: Ihre. Leseligung. Gott, der Liebe, dem Tag zu bienen, strömt" so willig und selbstverständlich aus ihr, daß manchmal ,auch Worte und Bilder mitflreßen. die schon zu oft von anderen gesagt sind, als . daß sie noch genügeiid Glanz und Klang haben. (Das Bild von den haltenden Händen kehrt immer wieder.) Hier muß sie die Macht des Gesanges bändigen und überivachen . . . muß warterr. bis Gcfühst.unst Vision sich füllen mit eigenem Wort. An den Gedichterr der großen jüdischen Tichtc- - rinnen Margarete Snsinann und' Else Lasker- Schüler erkenne sie, was gemeint ist, wenn erinnert wird an die Verpflichtung des Worts. daS gerade uns Juden als heilig gilt von Urbeginn. Eine junge Dichterin, der das Sdnett gelang: ,'.O Herr, vit koinmt die namenlöse Angst" und die Rhythnien von ..Gedanken — Sinne —■ Herz — y wird durch Innigkeit ihres, Gefühl.S und innere .Musik, vielleicht ohne daß sie es weiß, unaufhaltsam zum Weg dieserDichterinnen hingetrieben. * K.P. ändersetzüng mit dem -.Heutigen der Umwelt' gezwungen." ._ IN vielen seiner Gedichte versucht er. Gesetz und Form seiner Zeit, zu erkennen: In der „Symphonie des Verkehrs", in der „Ballade vom-, nn - phonie l... - . ... bekannten Toten",' in dem Gedicht „Segelilug". in dem Zriklns „pambnrg'll Der Rhythmus moderner - Großstädte vor allein ist für. ihn Ausdruck unserer Ebvche. . " Sodann: Dieser Nleusch Goldschlag muß un--' endlich eiiriam und rlirstcher gervesru...sein. zcr-. , rissen von Zweifeln an sich selber und an der. Umwelt. „Wrr sind noch aus der großen Dvur. gehetzt-und unzufrieden . .-sagt er von den Lebenden ' in der ...Ballade vom ruibelannterl ' Toten". Unb in ernein anderen Gedicht: . „Denn uns bezähmt kein Mythos und kein. Bild. Wrr kennen jedes Ding nach-Maß'und Dauer. /Nur nach dem Nächstcn^iegen wir auf Lauer, - -Und haben keine Scham und keinen Schauer.. Wieviel Unsicherheit, wieviel Scheu vor der' Wirklichkeit, die er immer-wieder bedichtet, weiler. der Jude, ihr nicht entfliehen kann, liegt vor allem in den „Liebesliedern"! „Ich weis; — es werden andere drängen Eilfertig in den kleinen Kreis Und sich beflissen an dich hängen Und vieles für dich tun. Ich weiß:" Der Umschlag deS GedichtbandcS von Hilde Ptarr wurde von N u d o l f B l-o ch entworfen. George A. Goldschlag: .Gedichte^ Hilde Marx: ,,Dreiklang* Der preisgekrönte große Sprechchor. „Eh.or der jüdischen Frauen in Dentschland", der dre leidbergende und leidlindernde Aufgabe der Heutigeu jndisclrcn Frau mit bildcrfiillten Tönen an den dunklen Fimmel der Gegenwart hinmalt. steht am Schluß deS nerien im Phrlo-Verlag. Berlin, erschienenen Gedichtbandes „Dreiklang" von Hilde Marx, die drei Klänge dieses Buches: Gott, Liebe. Tag zur- Einheit schließend und damit höher tragend. Dieser ..Dreiklang" ist nicht .nur ein Weiterschreiten, sondern ein Emporschreiten auf dem dichterischen. Pind. den Hilde Marx ' mit dem Heftchen „Im Vers gefangen" begann. Dort sprach .Fast ein Jahr ist seit dein Tode des jun^e.n' Lyrikers George A. Eolbschlag vergangen. Jetzt bringt Per V o r t r u p p - B c r l a g, Bcrstin , in geschmackvoller Arisstattnng reine Verse in einem Band: ./Gedichte" heraus. Sie sind ungleichwertig. Manche von ihnen zeugen von starker dichterischer Kraft, andere wirken nur wie für den Tag geschrieben: schmissig im Rhythmus und gut gereimt. So „Die Ballade vom Dampfer Europa", 'das Gedicht-, „Kleinstadt", vor allem „Die Ballade von den Kanalschwimmerir". Zweierlei wird deutlich, wenn man versuchen will, aus den Bersen Goldschlags - seine Personlichkeit zu rekonstruieren. Zunächst sein tiefer Wille, die Wahrheit im zeitlosen Sinne (..Formel der Welt". „Eulenspiegel schlaft") zu erkennen, beseelt von dem Drang, zugleich den Ausdruck feiner eigenen Zeit zu erfaffen. Darin vor allcnr sieht Goldschlag das Jüdische. In der Betrachtung: „Dom Dichter und vom Dichten", die die. „C.-V.- Zeitung" in Nr. 35 vom 30. August 1934 verösfentlichte. sagt er: „Worin berühren sich Judentum und spezinsches Künstlertum? Im steten Bereitsein, im steten Heutigsern, stets zur Ansein- Noch zu feinen Lebzeiten veröffentlichte Gold^- fchlag einen Aufsatz, über „Das Schaffendes Lyrikers" in der „E.-V.-Zeitung" (Nr. 50 vom t!9. Dezember 1933st- Ta heißt es an einer Stelle: ... . . welch unaussprechliches, mit nichts anderem vergleichbares ichöpferisches Glücksgesühl. wenn sich für' die flüchtige, vergängliche Vision die schlackenlose gültige, endgültige Form ergeben hat!". Am besten ist ihm das in der Gedichtfolge „Hamburg. Monolog einer Stadt" gelungen, /Hier entsteht lebendig llnd mmrumental daK Bild einer Großstadt in all ihrer «onderartigkeit und in all ihren Schwingungen. In seinem schönen Vorwort sagt Dr. Manfred Swarsensktst daß sich Goldschlag an Platin und Rilke geschult habe. Das ist richtig. Besonders das Gedlcht.L.Stimme Gottes" erinnert ganz an die Verse des „Stundenbuchs". Aber zu den Namen Platens und Rilkes mutz noch ein dritter hinzngefügt werden: Christian Morgenstern. Vor allem im „Enlenspiegel".Zyklus, aber auch im „Ntonolog einer Stadt" spürt man ivesensverwandte Züge. „Die beiden Schalen wiegen gleich. Die eine karg. Die andere reich. Tie eine alt. Tie andere jung. Die Zukunft. Tie Erinnerung." ' - Im ganzen aber liegt in den „Hamburg'-Gcdichten eine vollkvinrnen eigene, tiefe Musikalität („St. Pauli"), und immer wieder-überrascht die treffende Plastik des Ausdrucks. .Matrosen schreiten aus auf breiten Beinen. . Als wäre Land nur Planke und nicht Land ..." Die Lyrik Goldschlags, wühlt nicht auf. seine Verse haben nicht die Gewalt, die mitreißt und Kritik verstummen läßt. Aber deutlich und bc glückend spüren wir in seinen Gedichten die Stimme eines, der mithilst, das Wesen .der Tinge um uns zu erschließen. Hein? Berggriin. Shmarja Levin gestorben Nach Redäktionsschlnß. trifft die Trauerbotschaft vom- Ableben Shmarja. Levins ein. der tm Älter von 68 Jahren plötzlich in Hann an einem Herzschlag verstorben itt. Wir werden, dwe. Bedeutung dtz^r Mannes noch würdigen. '- Die Druckerei Mar Lichtwitz, die Her'teLerfirma '.des jüdischen ABE. legt Wert' ans die Fein - stellung. daß die, Notiz der C.-B.-.Zeitnng über die Druckfehler in dem genannten Werke ihr nic-u . vorher bekannt gewesen ist-und'daß sie ihre Be.- össentlichung bedauert. - 4 Anmerkungen über Franz Kafka Von Leo Hirsch A E-, uimcüric geineiu oiseulie ManneS aus n Stanim. in eln'c Kafkas ^noviti - eigentümlich au Kafkas ,.'tz r v -- leien aniä-ugt. wer! er uieiii ns Die. Hauptngnr deren ....aus' > Prop'N vi-rwiac . ..keil män aidl. c ...Schloß" verst-i - 'währen, verleid Vene. »gleich iciiamhail nrid nn-- chlge -üiecheuicl'^aiisperichte 'eines, i'iiueu-. Laude und von seiusleiü Ionme man die Tcln'i'le» Franz veriauaaeu umrde. nimmt er sich >. und ltu-v, ohne - ein L'-oruniieu. -e ü" oder .Das Schloß" zu uurd öo.ld bctrpiie» iuuelialten. n>v der D'icliier ..Iiniaus nult", in dein einen Bnciie „ist", invaniiigleit von einem eu unterscheidet, und 'ein Dchloß, obwolit l Erielieuinng treten. , ücti bebaupleu. . l'e- Eanduiüg'eu ünb von um*!. - daN der Leier iertie'i. unriier sl-reirwandtschaft der beiden Romane hin. Wesentlich ist ihm. „daß der Held im „Prozeß" von einer rmsichtbaren. geheimnisvollen Behörde verfolgt, vor Gericht geladen,.im „Schloß" von einer eben--, solchen Instanz äbgdwehrt wird. „Josef K." vce- . -birgt sich, flieht, — „K." drängt sich ans/ greift au. Trotz der eiitgegeugesotzteu Richtung aber ist das Grundgesühl identisch. Denn.was bedeutet das t.Schloß" mit feineit seltsamen 'Akten, seiner uiierforschlicheu Hierarchie von Beamten, mit seinen Launen und Ducken, seinem Anspruch (und '^durchaus .gerechtfertigten Aufprucht -auf unhe- 'drirgte Achtiiug. unbediiigten Gehorsam.' Qhue-, speziellere Deritinrgeii auszuschließen ,. . . — -dieses „Schloß", zil dem K. keinen Zutritt erlangt, dem er sich iiubegreiflicherweise nicht -einmal rich- Mig^ nähern käuii. ist genau 'das. was die-Thev-- logeu „Gnade" iieuneri. die göttliche Lenkung rueiiselrlicheu Säiicksals ldes Dvrfest. die Ltllrksamteit der Zrliätle. geheimnisvollen Beschlüsse, Begabungen und Scliädigungeu. das Unvexdieute rmd Uuenverblielie. des „Non liqnt'l“ riber^dem ragl: die 'B.-elt. in dieer lliicber.'' stineiiigeitelltz von einem uuerkiär-- einer Nst'deuluunc-lit ne'.'.liirgsrriev dereven A't er fich-äii nuferer -den aller. Somit wären im „Prozeß" und -„Schloß" die beiden Erscheinniigsfo.rln'cn der Gottheit '(im Sinne der Kabbalat — Gericht rmd Gnade — dargeitettt." Wenn inan nun dieien Schtüüel hat.und dann noch einmal liest entdeckt inan, daß es darani allein nicht ankam: an einem Hans istniemals, ,der Sc'.ilüüet das Lö-ichtigite. nnd alleniaUS Kriminalromane werden in der Rätsel form kombiniert, die alles ans den" Sögluß ansrichtet und ans die Lösung aiikommen laßt. An diesen beiden Rornalieii Franz Kaikas ist der Schluß aber kerne Lösung im Rätsel- oder Kriminalroinan-Sinne nnd „bmi ..Schloß" fehlt sogar das Ende, ohne daß der Sinn rmd die^ innere ^Archiiektnr des tarisch wirkt: .So - wenig, belletristisch, so. wenig . romanlia'i und die'e Romane. Auch ihr Stil in ' drrrckiaris eigenarrig. er ' ist in feinem, den dargenellreu Verbainn>'en vollkommen gemäße!? Wegen eben' r.-u-üsfii Sli!:- das Ilcgori'che nnd -Svmbo-'.i'äie der Tinn und Hinteriinn verlaß! die varrdtnng ine. ie durchuchng klar sind-die Satze, -aber auch jo.gegciistandlrm sind. sic. so ganz nnschemcnhaft. so gar nicht auf den .Hintersinn nnp die Nebenbedeutung gezielt, so gewissermaßen imbewußt und ungewollt symbolisch. Ilm das kenntlicherzu machen, vergegenwärtige man. sich alle jene Stimmlmgswelten. - drx eine ähnliche gegenseitige Durchdrungenheit von Sein und Schein aufweisen, etwa die greifbaren, riechbaren, sichtbaren, hörbaren, schmeckbären Vorstellungen des "Draumes, oder auch nur jene Abendilimmung auf Großstadtstraßcn. ioenn das Tageslicht noch riickit erloschen ist, die großen Lampen aber schon enizündet jsind, 'nnd alles Sickitbäre in doppeltes Licht getaucht erscheint. So steht bei Kaika alles ' ln doppeltem' Licht.' Man hat -die Ileberiästirie dieses „magischen Realismus" mit Pro» ns 'Art perglichen! vielleicht liegt eine 'ParaUeliiiernng mit James Joyce noch näher: tatsächlich ist Kafka im'deutschen Sprachbereich der erste und einstge 'Autor, der an alles Bisherige, al'o lediglicli Realistifckie rmd Natiiraliitische. nur -Darstellende. N'ächgestalkcndc nnd'Berichtende ciniach nicht nrchr anknüpit, der nicht einmal pstichologiiche Effekte mehr im Sinn, im Hariptsinn hat. ..Dieie Romane köiinten eher noch Märchen -heißen.' - ' nickit Alloß weil sie . diese. Welt hier nicht völlig und allein in Kauf nehmen, nicht, bloß weil sic alle Elemente von Herrlichkeit und-Unheiiruichkeir. -Koboldigkeil nird Grauen enthalten.- sondern weil' ne überhaupt 'jene märchenhafte' . Bor-' und Zivstäiernoeltielllc. haben, in der -ein Tabu noch magi'ch gilt füud 'Illenichen in Nichtmenichen- Atmos'phären' vornoßen wollen oder von solchen Sphären begünstigt 'nnd erschreckt/' beglückt und abgetan werden. ° . Der Mensch Kafka, der .uns nach einem, solchen - Werk besonders angcht, iit dem fremden, neuen 'Leier noch kaum im- Umriß sichtbar, io großartig, gelang es ihm. sich in seinen-Büchern zu, objektivieren. Flm io sehnlicher erwartet mandcn Sckstiißband der Gesamtausgabe,, von der" der Schocken- Berlag bisher drei Bände. „Erzalilnngen und kleine Prosa". „Der Prozeß". „Das Schloß" aus- ' geben konnte: der letzte der feärs Bande rvrr^ Tagebücher. Br ev.tbalten. Die schon -rüber 'erschienenen Bn.an r jind jetzt vom Herausgeber 'Dlat Brod. dem für fein Verdienst um Kafka nicht genug zu danken ist. mit mancherlei Zrisätzerr aus früher Ge frrichenern und mit . Nachworten versehen..' Ganz und gär aber ist das- Jüdische dieie--. Dichiers sichtbar, und' obschon kein Wort in diesen Büchern daraus himveist. sollte man Wer! daraus legen, Kafka als Juden zu identisizicre-n.,, Nicht o nur ans apologetischen Gründen: gegen allen Materialismus und Naturalismus.i Effekts hascherei und literarisches Neißertum. dergleichen uns vorgeworicn wird, zeugt die hohe Reinheit. . .Eindringlichkeit. Dieie und Höhe seiner Schreid- Welse, wichtiger ist uns. wofür Kaika für uns zeugt: daß cs. eine ganz jüdische Mögllchkeit gibt." ohne Abkehr von der gewohnten 'Welt, ohne Verzicht aus,, die gewohnte Sprache, ohne'leivhastige Auswanderung und.'ohne'seelische Flucht , aus der gewohnten Vorstellungswelt, ja mit allem literarischen.. europäischen. - modernen Geiftesbesik licimzukehrcn, iviedcr so völlig Jude zu' sein, daßinan trotz aller Unterschiede ein - Glied 'inder 'Kette wird. .. die zuist Propheten. .Pialinisten. Talmudgleichnis-Erzählern. Klaglied- und Buß gebeldichterir. /labbalisten, .mittelalterlichen Philo - - . sophen^ Ehassiden und. neuen Heimkehrern 'doch - auch zu uns iübrt. . „Die seltenen Menschen einer Zeil'j lagt Nietzsche, „versiehe ich am liebsten als plötzlich arlstauchev.de Nachichößlinge -vergangener,. Kriltiiren^und "deren--Kräfte: gleichsam als . den - Atavismus eines Bolkes'-ünd seiner Gesittung:-- so .ist wirklich -etwas noch an--ihnen zu v erst e h e n!" Diese Nleinnng kann von .keinem F-ort- -schrittsgla::be:r inspiriert sein, sie - mag ,eher Schopenhauers Theie. wonach 'Kindheit und / Genialität zu Dergleichen sind, auf ganze Völker angcivendet haben, und gciviß wäre an der b'idli'chen- Genialität unsererjüdischen 'Volk-:-' k.indhcit nicht zu Z'.vei'el:i. Dann düricn wir wob!. Illen schon aus der I>--Ocr Generation,-wie Rosen zweig und Ka'ka. als plötzlich auigetauchte Nachschößlinge unserer.vergangenen Kultur an'ehe:-'. Au' jene - deur'chindi'chen Eprler von Berthe-. '' Z.'iücrb-ach bis . Jakob Wa''ermann, die eürvväi'.a- - '^leisw-nrei! 'chu'en. berrresre». gangbarer idiirr .- 'olgt Ka-ka als enr Rnchlchllig ins Jüdische,närnln" von der Lordergruiidl zur Grunddarstellung, von