Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 23 (4.6.1935)
- Date
- 1935-06-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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*-emcr kleinen Freundin-, das so 'wohl berechnet gewesen war, war missglückt; Wir wollen die mannigfachen Kombinationen nicht alle bis ins ^einzelne aufzeichnen,. in welchen ■.■sich der jungt; Doktdr .weiterhin ■ercing.Offenbar war er, bei all seiner Braungebrannthoit und schlanken Eleganz, die allerdings ' immer voneiner gewissen gelehrtcnhaften NaehdenklThhkeit iibm-schaltet gewesen wari liielir als er es ahnte, oni von der Zeit nnd ihrer Erregung Erfasster und Mitgenommener. Wir wollen auch der rätselhaften Ersrheiniuig^tb^v-Alädchens nicht weiter nachspürpiv, dieje länger \Vir uns mit ihr beschäftigten, desto weniger geneigt sein würde, unsNeiniges, was* unseren Verstand aufkläreu könnte, mitzutmlbn. Was Karl betrifft, so hatte ihn die Begegnung auf ri<VnmTenni£.platz in bezug ^aufdie Persönlichkeit des MädcheiTs^^irkfich; desillus-ioni.erf, und in-v sofgrn war di'e schlaue Berechnung seiner kleinen Freuudrn nicht'ganz falsch gewesen. Leine Gedanken nahmen eine andere Richtung.' 'Wie man einer Abendwolke in ihrem anhörbaren Zug noch lange nachsieht, selbst wenn der Abglanz der Sonne, der sie für den Blick vergoldet hatte, längst nicht mehr auf ihr liegt, so sah er der aus seinem Bewusstsein sich immer mehr entfernenden Gestalt. des Mädchens nach. Sein, inneres Sinnen, so viele Wege es gehen mochte, kam von ihr nicht los. Oft fragte er sich, ob er geträumt habe? Aber die Geschichte hatte sich wirklich zugetrageu. Er hatte das Mädchen gesehen and er Wusste, wenn es gefordert worden'wäre, mit aller wünschenswerten Genauigkeit die Stelle anzugeben, an der alles geschehen war.-Aber hatte sich die Geschichte auch wirklich zugetragen? Und. hatte sie sich so zugetragen, wie sie. als Bild in seiner Erinnerung stand? Man konnte es nicht wissen. Was war Wirklichkeit, was Geschehen und was Geschichte?' Die Antwort, dfe er sich auf diese Krage geben musste, konnte nur sein, dass Geheimnisse nicht, wie wir so häufig meinen, die verdämmernden Umrisse der Dinge sind, die im Nebel verschwinden, keine Gespenster ohne das Fleisch mul Blut der Körperlichkeit: am hellichten -Tag, unter den glühenden-Strahlen der Sonne, verwandelt sich Bild und ■ Gestalt, und die reichste Fülle der Erscheinung' ist in keinem Augenblick dieselbe, die sie einen einzigen Augenblick vorher gewesen war, Es gibt keine andere Wirklichkeit, als das wechsclvolle Spiel der Gedanken. Auf welches Ziel hin aber liefen seine Gedanken? Dass es ein jüdisches Mädchen gewesen war, das er gesehen. hatte, konnte nicht gleichgültig sein. Das Jüdische ist niemals gleichgültigund Hass oder Liebe, Leidenschaft von unten oder von oben, heften sich an seine Schritte. Das ins Kleine verzweigte und ins Grosse ausgespannte Wirklichkeiten, weil es so viele Gedanken gib!, die es freund-- ■Jüdische-ist ein offenbares lieheimnis.. und'.es hat so viele.., k.ch und feindlich, umkreisen. Die Gestalt aber, du derer immer "wieder zurückkelirle, blieb in allem Wandel die Gleiche. Den Ö^uch in der Körporlinio des Mädclimi--. der * .Tm raschen- Gehen dadurch entstanden war, dass d--r -• schwere Oberkörper sich heftig, nach vorne neigte, wäh- ' read die zierlichen Küsse träge nachschleppten, glaubte er sich so deuten zu können, dass er auf der. einen Seitedas., ungeduldige und unüberlegte, aber gleichwohl wie von einer inneren Stimme aiibefohlene Drängen .jüdischer 'Menschen nach -.immerweiteren-.und.-ferneren Zielen an- - zeigte, während er auf1 der anderen Seite darajif-.hitiwies,-:; dass heim. Auszug aus Mizraiim, aus. dem Sklavenbaus und ' dem Land' des Frondienstes., sichallerhand . Pobelyolk. . l»rael arigr'»cfilos>ön hatte, da» die Tiagheit nicht allem an seine-Fernen, sondern auch au: seine Herzen lierangebracht haben musste. Oder waren es die Ketten des Go- . Ins, .diemtjhö'rbar nachklirrten. und war es nicht wunderbar. wie dessen ungeachtet der Drang nach7vorwärts unbeirrt blieb und gleichsam keinerlei Erfahrung gemacht zu habeirsrhieu? Und im Blick der grossen glanzlosen Augen,- den böse Zungen g,ut und'gern hätten „stumpf“ nennen können, lag darin nicht eine unfassbare und hilflose Aivgst .davor, dass ihm. so viele verwirrte menschliche Leidenschaft begegnete, die nicht auf das Ewige und Dauernde oder doch für die Dauer Yerhoissene gerichtet blieb? Lud warum war das Mädchen nach allen Begriffen, -die man. sonst auf Mädchen anzuwendeii pflegt, so wenig anziehend und warum Jag .das klare. Licht von oben auf seindr vollen, von Leben erfüllten und trotzdem von Melancholie und Gebrochenheit durchzogenen (festalt? liier rühren wir an die geheimste Pforte, die sich dem. jungen Doktor bei seinem geistlichen Nachdenken auf tat. War es vielleicht doch richtig gewesen, mitten im Nachzittern des Erdstosses ' von TOJJ im „Dubnow“ zu lesen oder in der neuen hebräischen, von-Martin ■ Bubrer-in deutsche Lettern gegossenen Bibel, in d’er die Stelle vom nvisskamiten Knecht- Gottes zu finden war? Je grösser seine Hässlichkeit und Hinfälligkeit’ desto reiner strahlt, die göttliche Gnade, von der er begleitet ist. „Unsere Krankheiten hat der getragen, unsere Schmerzen, sie hat er aufgeladen." „War es nicht so mit dem Mädchen? Hatte die ganzen Monate, die vorher vergangen waren, nur das Eine, die Anwendung aufs Ge- staithafie, gefehlt, um. die Liebe zum_.Unscheinbaren und Geringen zu lehren, in welcher der Sinn alles Bemühens verborgen war? Der die Gebirge getürmt und den Sternen' ihre Balm gewiesen hatte, der grosse thronende Gott, der ersten fünf Schöpfungstage, -damals,.-' als die Menschheit noch tief im Schweigen dev Urgewalten lag, hatte er nicht rin Sehnen empfunden narb Liebe und >!n:uG und Mann iuui Frau geschaffen.'- da» sie Ihn erkenn!'-» und verw ui fen. damit er »ich.-zu. ihnen iiiederbeugetp mul sie >.u sich eniporlielwii konnte .'; Wie Elia;im lliiivh hjilliedcr jung.' D-Vkh.r auf der Benediktenw and . um! auf 'anderen noch \ re I ’ höheren llölnM-K-niuf <lm -wir ilim_iiicht nachsleigrn konnten., im sanften Sausen des--l’.ergw indes' die Erhabenheit Gottes in seiner. Schöpfung gespurt. Wer ein einzige.» Mal, den. Kopf zuruckgewm fenTiu den’ hohen Himmel gesellaitt hat, dem muss.sich d-ie l'iisinnigkeit alle.» menschtieUen Strei- teils uiiverloM-hbac ■oiiig-epfagt haben. Wani.m -sind wir gleichwohl in -dies.-s .Treiben verstl-ick-t, mul warum sägt uns eine.innere, ebenso lmse wie uiiiiiberliöv&Mre Stimme,; da»» w u" o» »rin »ollui ’ W.u um »olh ii wii mehl mu»»ig stellen heurV-Blut unseres Bruders?-■ Bei de.rpAiigslunserer Schwestern-.’ . - .. - Aih tiefen Abend, es .war-'schon nach- Millernacht, und-,, durch, das dieneM-'eusb'TTrtraiig der Duft -voiuLuulen- und . spätblühendeni7.slasnijn;n-is "/inmioiv sprang der junge Doktor von dem Sessel auf. in den; er nach der Lektüre “einiger medizinischer Zeitschriften sr hon eine ganze Weile, ziemlich planlos und ohne -rechte Verantwortung-meditiert hatte. Er wär in einem Zusünid traumhafter Hellsichtigkeit. Er ging Zum Bücherregal und griff vom -untersten Brett ein sc'iiwarzgel'mndeiie-s, an den kicken, abgostossenes. gedrungenes altes Buch'heraus. Sidur tefilloh, Israelitische lielietsorduung. Zweiter- Band, stand innen auf der ITnschlagseite. Nach einigem. Blattern fand er im- MussaPrebet des Yersölinuiigstages jenen -erhabenen,.AV-elt und Menschheit in e i n «> in grossen Atem zusammenfassenden Hymnus, .in dem die Majestät des* allmächtig Waltenden und Liebenden .angebrochen w ird. Der Heilige, dessen Namen wir' loben, ist e>,-für den aller Glanz. Seiner Himmel die Freude dm- : Gnade nicht aufheben kann." Je tiefer gesunken, dmto höher g'dmhen, das ist das'Geheimnis'Seines Wirkens m aller Zeit. ln dein Hymnus heisst es: . ' „Es zilieni vor Dir ' . Die himmlischen Mächte,. stark an:Kraft. Die Deine Hand aus,Eis und Gin! erschafft Und.Deine Furcht ist auf iliyen! Doch Dir gefällt das Lob, \'on Siaubgeborenen, die auf Erden verkehren,-. Von Tijgendlosen und Tatenl'eeren, - wajlii teliilloseclio — Und das ist Dein.Ruhm." - > - . /.cirhiiiu.if/vii : l'nftii Hruilrl Thomas Mann Zum 60.. Geburtstag des Dichters am 6. Juni Man hat einige Widerstände 31t überwinden/wenn man die Würdigung eines großen 'Autors, den die-Welt durch Verleihiprg des Nobel-Preises als repräsentativen Sprecher deutsche!! Geistes geehrt-hat. vornehmrn soll, wenn man Thomas Manu'zu feinem 60. Geburtstag beglückwünschen will, und. wenn man dies zu-tun hat durch Erörterung eines Themas, das* keineswegs eine unmittelbare und zentrale Stellung in seinem Werke einnimmt. Der Schriftsteller.. der umsichtige, Rechenschaft gebende Zeitgenosse Thomas Mann hat in den letzten Jahrzehnten zwar auch eine sehr lebhafte Tätigkeit entsaltet, aber über Juden und Judentum hat er, soviel ich sehe, nie sich grundsätzlich geäußert. Daß er einzelne^ Juden durch eindringende Betrachtung geehrt hat. daß er in Liebermann deu „Aristokratismus' der Nüchternheit"^ feierte — und in Jacob Wassermann die tiefe „Lebensgiitwilligkeit" des besessenen Erzählers. ist bei einem Schriftsteller, der bestrebt ist, in der Nachfolge Goethes zu leben, sehr selbstverständlich und sagt über sein besonderes Verhältnis zu jüdischem Menschentum gar nichts aus. Wir müssen den Künstler fragen, den Dichter. . Aber vorher müssen einmal die „Perso- Kalten " klargestellt werden. die iä für die Bewertung der Mannschcn Stellungnahme nicht unerheblich sind. Wir müssen es-besonders deshalb, weil ja immer wieder behauptet worden ist, daß Thomas Mann jüdisches Blut habe. Das ist durchaus falsch. Thomas Manu hat eine jüdische Frau. sie stammt aus einer sehr hervorragenden Familie, die bedeutende Mathematiker und Musikerhervvrgebracht hat; er selbst aber hat keinen Tropfen jüdischen Blutes.. Nun sagt Manu in seinem jüngsten Buch, als er von Theodor Stvrm. seinem halben Landsmann spricht, der im Briefwechsel mit Keller gegen Ebers polemisiert und etwas Unwilliges über dessen Judentum, murmelt und dadurch bei dem Schweizer große Bc- . frcmduiig weckt: ..Ter seelische Zusammenhang von nordblonder Heimatlichkeit und Antisemitismus ist unverbrüchlich. Ganz zn- _dicht versagt er selbst, nicht in einem persönlichen Falle höchster musischer Verfeinerung/' Der-Satz ist (wenn man z. B. an Friedrich Hcbbek-deiiktdnur.sehr hegren\t richtig. Aber daß der hier getennzeichnete Thpus -eine derartige Tendenz hat. ist wvhl ohne Frage. -Und Thomas Mann selbst stand ihm seiner Abstammung nach nahe genug, um immerhin den Anhauch solcher Empsindunfl zu spuren — eine gewisse ablehnende Gereiztheit gegen das fremdartige Element, das mit den Inden in die geschlossene hanseatische Welt' eilidringt. Zeichen dafür ist die Familie Hagenftröm-Semmlinger! Thomas Manns Ruhm geht bekanntlich frm dom Buche .. D i e B n d d e n b r 0 0 k s '' ans. einem. Werl, das intim.und monumental zugleich die Gcjchichle"dLr eigenen Fugend und der eigenen Familie stilisiert als „BerfalL einer Familie". Durch das ganze Bueh läw't als eine diskret ironische Begtcitimisik die Geschichte der Familie.vagenström. die die umgekehrte Richtung hat wie die Buddenbrooks;- sie sind die Anfsteigenden. die Sieg-" . reichen. Tie Hagenströms sind neue Leute./ noch nicht lange im. Ort ansässig, und viel Geld ist in die Familie gekommen, seit Hinrich Hägenströiii eine Semmliiiger geheiratet hat aus Frankfurt am Main'..-.Eine Dame mit. -.außerordentlich dickem schwarzem -vaar und den größten Brillanten Der Stadt in den -Lhren." . Es wird nicht gesagt, daß sic Fiidin ist, aber der Fäll ist . durchaus klar; Toni Buddenbrook, die sie anfs^bitterite haßt, nennt sie auch iininer „Sarah semmliiiger".-obwohl sie eigentlich Laura heißt! — Schließlich “"kaufeiYdie Hagenströms in der Absicht, sich endgültig zu „legitimieren" — das alte Stammhaus der Buddenbrooks. Tie parallel . zum Abstieg der Buddenbrooks in ihrem Aufstieg vorgeführte.Familie ist vom Autor nicht eben mit Shmpathie gesehen. Er hat selbst verständlich nicht den naiven blinden Haß dder Toni, er lächelt über die oft fragwürdigen Manieren dieser erfvlgreichen Leute; aber, daß seinen bürgerlichen und patrizischen. Instinkten der jüdische Einschlag dieser Familie vor allen. Dingen als Ursache der fehlenden Tradition und Pietät deutlich und fatal ist — das läßt sich unmöglich verkennen. Aus die Buddenbrooks folgten eine Anzahl großer Novellen, die Juden und Jüdisches kaum berühren.. Mitinnen aber liegt der kleine Roman „Königliche, Hoheit". Thema ist in einer ironisch zarten Variation. wieder der geistige, der auf Ausdruck und ^Repräsentation, nicht, auf das „Sachliclje" gestellte Mensch in seinem bedenklichen Verhältnis zur Wirklichkeit. Nur daß die Liebe, die hier zwei solche gefährlich' erponierte. repräsentative. Nlenschen ziieiiiander führt, alles zum Guten wendet. Als Randglosse zu - dieser' märchenhaften Glücksgeschichte, gibt es min eine jüdische Figur: Tr. Sammet, . der durch eine Laune des Großherzogs bei ' der Geburt des Prinzen zugezogen wird. -Gleich bei jener ersten Audienz fragt' der . Landesherr, „dem die bedingungslose Geltung des paritätisclien Prinzips besonders am Herzen liegt", ob der jüdische Arzt durch seine -Herkiliist Nachteile im -beruslichen Wettstreit " empfindet ( Und Sammet antwortet: „Ter Einzelne wird gut tun. nicht nach der Art seiner Sonderstellung zu fragen, sondern in dersAuszeichnnng das Wesentliche zu sehen und jedenfalls eine außerordentliche Ver- . pflichtung daraus herzuleiten. Mgn ist ge<zcndie regelrechte aind darum bequeme Mehrzahl nicht im Nachteil, sondern im Vorteil, wenn man eine Veranlassung mehr als sie zu ungewöhnlichen Leistungen hat." Man sieht, dieser?lrzt cricheiut gerade durch sein Judentum Tut ui.-- eine heuu'rfcn-uuerte Variation tei GrüiwNjcmas: des Menschen, der durch ein geistiges Prinzip vereinsamt, eine Sonderstellung im Leben einnimint.- ' - Man sieht;- Thomas Mann iil bereit-.' sehr viel tiefer in das Wesen des Jndcntnins cin- .-gedrungen.- Nicht mehr wirtschaftliche Gin; dringünge mit jraglichen Nianicren.Pienscheu von einer nngewöhnliclien geistigen - Sonder * stellimg scheinen - ihm'"'jetzt für den Inden rcprü'sentaliv. Weit bedeutenderen ätaum aber Nimmt dann eine jüdische Gestatt in dem dichterischen Werke ein. das fast ein halbe? Menschenaltcr später, nach einer sehr großen: nur schriftstellerisch gefüttlen Panie. i in'Jahre 1 1 ticrvortritt: ,. I e r Z a n b e r b c r g Tem Zäuberberg. loird hier das Lungensanatorinm in der Schweiz verglichen, dos 'die Nienschen in sich scl)lingt. scßliall. und : verwandelt. Und wiedernm-macht .dieser Berg - zaiiber-ans einem naiven und robnslen jungen Hamburger durch L-cbeNsentfremdiiiig ein beinahe philvsophisch-lnusikalisches Geschöpf! Bis schließlich der Zerßftl der ganzen Gesellschail. - der den. Weltkrieg zeitigt, mit. einem Toiiuer . schlag den Zanberöerg sprengt, du jenen /Zeichen dc^- Zerfalls, die der Kataftroplie voi'- ,hergehen, gehört auch eine -kleine Szene im Sanatoriilin: der wilde Wiitausbrnch zivischen einem fanatischen. Ailtisemiten. und cinem sreilndtichen.. jüdischen Ncann. der von dem anderen zur wildeilen Wut gereizt wird. Tie' - Beiden gehen schließlich körperlich auseinander los: Es war ein Anblick voll Gramm und'Jammer. Sie katzbalgten sictj wie kleine Jnngens. aber mit der Verzweiflung erwachsener Männer.'-'mit .denen es dahin , gekommen ist. --'Tiefe erscl>reckeiide..-Episode zeigt imlnei-hin an. daß die Hestigkeit der Instinkte, die durd) 'Judentum und Indenseindschaft entfesselt werdbn kviineii. inzwischen lebhaft ins Bewußtsein Thonms Bla>nis gedrungen ist. Indessen enthält der Zäuberberg noch eine sehr viel wichtigere und gründlichere jüdische Gestalt: Leo N a y h t a. Dieser ’Naphia ist in einem kleinen Cvt-mt der galizisch-wolhhuischen Grenze geboren: sein Vater, ein Schächter, nimmt, als die Ritualmord-Liigeii wieder mal. einen Pogron?>ntfcsseln.-ein schreckliches Ende. Tie 'Familie fliiclitet. und in einem Lrt.der öllerreichischen Alpen luinuit Naplsta in die Schule dDr Jesuiten, er wird Katholik, „isleich -nieten geistreidien Juden war Ncaptfta.vvn JnNinkt - zugleich Revolutionär und Aristokrat"' und er . setzte anseinaNder: „das Jndenttiin.lieht kraft seiner iRichtnng auss Jr.disch-Sadillclie seine? Soziakismiis. seiner'politischen'Gei'ügkclI. der lalholiichen Sphäre nngleid) näher, wa^-ihr ungleich verwandter, als der Proleitantisiniis. inseilier Bersenkungssucht und imhtiichen Subjektivität." So findet Naphta. daß sein Ueberiritt .zwanglos zu deuten sei. Er. ist Jesuit.gewordeiidund — ierroriit! 1 „Zuleht ■ bedeutet es ein liebloses Mißverstehen ber' ..Jugend, zu. glauben „sie finde-rhre-L4i't in der- .Freiheit. Ihre tiefste Lust ist der Gehorinm. Was sie braucht.-wonach sie verlangt, was sie sich schassen wird, das ist — der Terror." So mertwürdige Worte spricht in der leidenidiastlich'en Schärft - feiner .V?criiuint-<^f'ta'e -Partner.- der. an das' -Jndtv-iduum und cm 'Natur, an Freiheit und -Ziinmnität glaubt, -—bringt .N'aplstii iininer. wieder zur ilh'rziveiflnng: .und schließtid,. in jener Epoche--der" allgeiiieiueii '.'liiilöiii'm,' der' lieriiiiimhenden - --Katastrophe Ti!tu t aiui, dieser liefe Gegensatz zu einem wilden Vlii'-l'i'iirl) von.Feiiidjchiift. -dcii 'ihiphta zu einer Tiielljoi-dernug ' verscliarjt. Tie,stehen einander mit Pistolen gegenüber: und ietieiiibrini. ein lilterticher, über allem Bt.Ntvergieiten abliolder Mann. - iihicßt 111 die List!, e a packt innen wütenden Gegner die 'Berzweistmig: ..Feigling'" schrie tr d e i e s c in Ä sti s - dj rek de i- ■Ii,1 mH 1 1 d) f e i t da -: ' Zn-- g e i! ä 11 d 11 j s in ,1) Ie . d a s: m e h i- M n t d 11 j 11 ge 1) 1 I fl) 1 e ß 0 ii . a 1 ' i dl i il) i c Ist c » 1 lall en Ltd -.Nainp! zu Inn ljatte. und >>hoj;-sic!> in den, Kopi. ' - '.'list io lrag'stche..kr! Ii-iinnphiert in dieieu . mesiersiharjen Theoi etiler der lininelstctitictiim' Gew.alt. aw Ende doch die sthenichheit. Iw äuszersteii isegeistatz zu seinen Prinzipien will er lieber-getötet werden als töten. - -/ , . c Ter 'jud'isctie ddihl, i|t de nt . T ichter Tt)omas zubnui jetzt in einer gaiiz/anderen Gestatt ersctiieiien als in seinen, Jiigendwerf. ..-Sninpatiiiich" ist gewiß das letzte dort, das 111 an nui diesen t'at!,olji>heii Seirni isten. anwenden sonnte.?! ber etwas Imposantes und Il»I>eitnl.iches hat 'U.'aiin - verspürt in' der Geistesst-ärke dieses abtrünnigen Inden. Tem Wesen jüdisclier Geistigkeit ishDhomas?>!aun osftnbar in der tolgeiiden .-»eit mit großem Ernst iiaehgegaiigen. Tenn wenn er nach zetp.i. Jahren wiedriiim mit einem großendiehteriiehen Wertzvor die Lc's'senttichteit tritt, so ist diesmal, niiö'uiin ynm elftenmal. jiidisctze Gestalt-THeina iin-d zuZttelpiliikt der ganzen Komposition. Aber jetzt ist es lein Jude der modernen curopäisstie» ststelt. weder der (veldjude nvel,.der Jutehekl-ualist; Thomas sth,11111 ilt in die Urgriinde der jüdischen Tradition eingetelirt. Er schreibt den großen '-dreibändigen, sthente nostz' nistst -vollendeten) -Ikviiian ...Zose p i> n u d j e i u.e B r n de r". Er siudet in der Iu'rij()inh‘ii Fabel osftnbar die älteste, die gioßärtigtte "Baiuatioii' seines ewigen Theiinu--:- Geist. Sclnuilzeit. Traum, Kumt, die sicl, tremd iiiid'zu.seindli'd)er Bcgegnnng der eigeutticlien Lebenskrast gegen- -ut'erste lken. Tlwm»s--N!.aiiii -bekennt sict> .zum Gt>rifteitl.unt. iveit er iit iljm die eine der .beiden großen liuuiauiiü-rcudcn /Nächte sieht., a-us denen die ganze .Hultiudes sloendlaudes ansgebaut ist. Tie ändere ist die ai'tile Tradition- Er erkennt aber auch, daß, das Ehristen- Alle Ihre Bücher Buchhandlung am Zoo Fritz Ring Charlottenburg, Joachimsihaler Str. 43-44 . Mitglied der jüdischen (.jerueinde . 1 elefon Bumarck 650<> Zutendun« nath allen oladtteilon