Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 53 (31.12.1936)
- Date
- 1936-12-31
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 53 4. Beiblatt Palä^iiiia-1 msrliau der C.^V.-Zeitiing 31. Derember 1936 . Was wirdbiszum24. Januargeschehen? Die vergangene Feiertagswoche hat sich ver-- standlicherweise .auch m den Fortschritten der Arbeiten - der Königlichen Kommission aus- . geprägt. Nachdem noch am 23. Dezember der Präsident der Jewish-Agency, Dr. Chajim Weidmann ,in nichtöffentlicher Sitzung vernommen worden war, fandenwichtigere Vernehmungen . nicht mehr statt. ■ In Aussicht aenominen ist für die nächste Zeit eine Vernehmung des neuernann-. ten Oberrabbiner von Palästina, Dr. Herzog, der als der einzige Vertreter des Rabbmats vor der Königlichen Kommission erscheinen soll. Entgegen unseren früheren Meldungen hat die .fudenstaatspartei schliesslich doch darauf verzichtet, ihre Vertreter, von der Königlichen Kommission vernehmen zu lassen. Der Grund dafür liegt in einer Erklärung der Jewish-Agency, nach der ein selbständiges Auftreten von Gruppen, die der zionistischen Organisation angehören, als Verstoss gegen die Organisationsdisziplm angesehen werden musste. Dagegen werden die Anstrengungen, die Araber zu einem Erscheinen vor der Königlichen Kommission zu veranlassen, noch immer fortgesetzt. Die Komsliche Kommission bat einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, in dem 6ie alle Einzelpersonen, Organisationen und Körperschaften, die noch irgendwelche wesentliche Angaben zu machen haben, zur Meldung auffordert. Es besteht kein Zweifel darüber, dass sich dieser Aufruf vorwiegend an. die Araber richtet. Die fuhrenden arabischen Kreise beharren jedoch weiter in ihrer Bovkottstelluna, obgleich auch in ihrem eigenen Lager Stimmen laut werden, die sie zu 'einer Mitarbeit an der Untersuchung zu bestimmen suchen. So ver- offentlicht das Organ der christlichen Araber und der Nashashibi-Grupne, die Tageszeitung „Felestm" einen Leitartikel, in dem sie den Arabern dazu, rat, vor der Königlichen Kommission zu erscheinen: Die Zeitung steht auf dem Standpunkt, dass das Auftreten der_ Kommission den Arabern mehr nutzen als schaden könne, da es ihnen Gelegenheit geben wurde, der arabischen Auffassung über die schwebenden Probleme Ausdruck zu ceben, nachdem die Juden ihren Standpunkt in aller Ausführlichkeit dargelegt haben. Auch die Konige und Herrscher der unabhängigen arabischen Staaten teilten, so schreibt die Zeitung •weiter, diese Auffassung, da sie von einem Verharren in der Abwehrstellung eine Verschlechterung ihrer diplomatischen Situation cegenuber der englischen Regierung bei künftigen Interventionen für die palästinensischen Araber befürchten. Die gleiche Absicht, der Königlichen Kommission auch den arabischen Standpunkt vor Augen zu fuhren, verfolgt wohl auch Dr. Achmed Kadne, ein jetzt im Irak lebendes-Mitglied der arabischen Delegation, die unter der Führung des spateren Königs vom Irak Feisat an den Friedensverhandlungen in Paris teilgenommen hatte. Kadne hat der Königlichen Kommission eine Denkschrift zur Verfügung gestellt, die sich mit der Haltung Feisals zur Frage der Schaffung eines judischen Nationalheims in Palastina befasst. Er bestätigt die von Weizmann in der „Times" veröffentlichte und dann in seiner Hede vor der Königlichen Kommission wiederholte Erklärung. dass. König Feisal sich mit der Krnchtung eines jüdischen Nationalheims m Palästina einverstanden erklart habe. Diese Zustimmung .sei jedoch an die \ oraussetzutig gebunden gewe-en. dassdas judische Nationalheim in eingruss-arahischr**.,- Heich.eingeschlossen werden .solle. Da .em.solch«*.1 ■Reich ..nicht-geschaffen wurile. se> schon dadurch^ allem die Zustimmung *Fe:sal? zur hrncMiing. des judischen Nationalheims hinfällig geworden. Da nach Lage der Sache nicht mehr damit gerechnet winl. dass die Araber sich noch der Vernehmung .vor der Kommission stellen werden, beabsichtigen die Mitglieder der Kommission ihre Arbeiten in der zweiten Hälfte des Januar zu beenden-. Sie haben bereits >chiffskarten für enj am '24. Januar von Port Said nach hngland abgehendes Schiff bestellt. Die Königliche Kommission nahm ihre durch die Weihnachtspause unterbrochenen Arbeiten ajn 1H. Dezember mit einer öffentlichen Sitzung wieder auf. .Nachdem . Rabbi Joseph Levi der Kommission die (misse des sephartlischen Olwrrabbmers Jacob Meir und des palästinensischen Oberrabhmats uberbracht hatte. ■ gab ■ «ler Vorsitzende des jüdischen. Nationalrats (Waad Leumi) Uli Namen dV'r Knesset Jisrael. der öffentlich-rechtlichen Zusammenfassung der Angehörigen der judischen Gemeinschaft Palästinas, Jizchak Ben Zwi Erklärungen über den Aufhau und die Funktionen der von ihm vertretenen Korperschaft ab. Als nächster Zeuge erschien der Vorsitzende d.»s palästinensischen IM DinNJ$ahlti Frank, dessen Ausführungen in der Forderung nach Sicherung des Sabbatschutzes gipfelten. Im Namen d«-r orientalischen Juden Palästinas erklarte sodann der stellvertretende \ orsitzende des Waad Leumi, Abraham hlmaleh, dass ein Viertel des .lischuw aus orientalischen Juden bestehe. Diese seien «1er zionistischen Bewegung angeschlossen und empfanden die Forderungen, die der Kgl. Kommission unterbreitet wurden, als ihre eigenen. In der gleichen Sitzung wurde ferner das Mitglied des Waad Leumi, FJijahu Berligne, vernommen, der einen Bericht'über die finanzielle Situation des judischen Schulwerks erstattete. Am Nachmittag wurden von der Kommission der Hauptschriftleiter des ..Dawar', Berl Katznelson, Miss Henrietta Szold und Dr. J. Kligler von der Hadassa über Gesundheitsfürsorge und Sozialarbeit vernommen. Zu den Aussagen der Agudas-Verfrefer vor der Königlichen Kommission, uber die wir in der vorigen Nummer berichteten, ist noch der Inhalt einer schriitlichen F>klarung nachzutragen, die die Vertreter der Agudas-Jisroel der Königlichen Kommission nachgereicht haben, weil sie infolge Zeitmangels ihre Anliegen mundlich nicht in vollem Umfange vortragen konnten. . So stark sich Rabbi Mosche Blau auch mit den Forderungen der übrigen Judenheit nach einem-Wiederaufbau des-judischen •Palästinas ■ austfrucklicli solidarisch .erklart. so betont er doch, «las* d;e Agudas-Iisroe! ihr Programm auf der Hiera aufhaue, und ' infolgedessen d e weltliche l\>lit.k d-- Zionismus, die «Po SeluiMicht nach der. Huckkehr nach Zum auf weltlich-nationaler . tirtimll.ii'e zu erfüllen sucht.- nicht aiv.-iUer-.iien könne. Aus. diesem «..milde stehe die Agtid.is-JisiW au — •rliaib d»r ./iortisti-. -«Ii. n Ur.m-ition ulil I r U »Ii \.i n 1» •m 1. r 1,1 uil* r mh« r \_u hlift.« 1 \« rlr le n i Kr i. I ir* ) hN*1v . In n u li/.n inr. h n ••■.Wunder- (ioftes erfüllt werden, winde. >!.«• stehe trot/.lein . ultterden ne.'Ciiw-aCiven l in>laml-n mr .MalfoAir-neklaratu.il. w d >•«• ■iii^h-r He-ie- ■. rung >-,:ie- Majestät «■•in-iv I reirliander ihm w ihn ii \Jmlitir «h. hm 1 « \ or». I uPig l «• Aufu;vl.e: Vil.ertrag.m hat.--, em lustor:srhes l nrecht wieder gut 711 machen, und dem wamh-rnden V«.lk Israel in seinem Land ein -ich-res Heim 7.11 errichten. I nter .Viififcliterhalliiiig ihres Rechts auf voll«' Durchführung der Mandatsb.'stininiungen erklär» die .\<:udas-.li>roel. ila-> s e nicht andere F.mwohner Palästinas zu beherrschen «>der ihr Hecht /u b.-eint rächt ig.>n wüMsche F'.iu solcher \\ u.um-Ii wurde vor allem auch im Widerspruch zu «hm (««'boten d«*r. Religion stehen. Es sei auch ihre Hoffnung. <la«s eiii Weg zu g.-j"nseitig«'r V erstaiidigung UTTt-den Arabern gefuii'ii'ii wenlen wurde. (ileichzoitig f.trdere die Agu.las-Jisroel die Mandatarniacht auf-'die dem \ olke Israel gewahrten Hechle 111 vollem I nifange ohne Einschränkung und K111zung zu verwirklichen. Eine crosszugige. nur durch die Aufnahmefähigkeit des Landes regulierte Einwaniterung sei notwendig, in deren Dienst «»ine' geschlossene Aiisiedlum» von Juden . auf dem Lande und die Bereitstellung von Staat>- ljinderewh 711 stellen seien. Die Erklärungen sehliessen mit dem Ausdruck «les Vertrauens zu England und zum Volkerbuml. diedie auf ~ie gesetzten Hoffnungen nicht enttäuschen wenlen. Sicherungsmassnahmen Angesichts der völlig umibersichllichen Sicherheitslage 1111 Innern des Landes tragen auch die Vorkehrungen Englands fur,«lie Aufrechterhaltung der Buhe einen durchaus zwiespältigen Charakter. Einerseits ist die Entlassung sämtlicher in «fer Zeit der linruhen ausgeholx-nen Hilfspolizisten zum Schluss des Kalenderjahres bealwichtigt, andererseits verlautet, dass der High Coiiimissioner Sir Arthur Wauchope eine , Verstärkung der Polizei verlangt habe. Daraufhin'sollen in England neue Mannschaften angeworben worden sein, die zur Verschickung nach Palastina bereit stehen. Wahrend man diese Massnahme noch als ein Zeichen dafür deuten könnte, dass die englische Regierung bestrebt ist, die palästinensische Hilfspolizei von einheimischen Kräften zu entblossen und so weitgehend wie möglich durch sichere englische Polizeikräfte zu durchsetzen, steht dazu wiederum eine andere Meldung in Widerspruch, die von der Aushebung von 500 neuen Polizisten im Lande Palästina selbst wissen will. Die gleiche Meinungsverschiedenheitbesteht über die Frage der militärischen Besetzung Pili.«-' n 1» 1 « rt_ » x e* n « ngl fihi» Trni'peii da- Lan.f. und «-in-r M.Mdung des Londou.T ..UmiIv .Teli'graph- 7.»i..!-g.--.- «I- \«»n amtlicher S-ile be»!at.iüt wird. »■>'!.-Ii nur noctv /«»m Divisionen ,n l'ila-t,11a b.'la«-e., wer b-n Di«*e Nachricht, d e,...mi ang.-fchts-- «I.t letzten I r»i_iii^, r. 11 hin h un. r.ih'f. it J « r-. hei- . fiemi.V Vertraue,, .mf die \ 11! recliterlialtung von Wiil.e und lirdnune alniet. .*\-Ut 1111 W ider- «S ru.'1 zu . in« r \\ i^iin. I *. I ti 1 1 r Dail\ Mur.M ni^ U r 1 d. 1 Lrfiuh n < It. fs d« - Ki mm.lpoli/. 1 Pi i-t 1 1». I U Im '« Ihur-t D . r . rklii! Ii. inl ih n I uhrer nur u-f «I« n 1 1. w u1 1 m I 1 d . 1 Izt« 11 englisctuMi. ■ I Mi|>i.en .l.i> I..md ve. J.i^en tut., n w. rl 11 Dm 1 w 1 le . 1. Kl nkiog ■ ■schlimnu'teii Au.«ui:i««>es als ]•• /u\"r atisbr.vlien Von allen Se'ten furchte man .die Erneuerung d.T fiimihen *t« .vet>.-liarf!er Form, da die Araber mit der I iiir-clu\01ku.ng -rh-r ju.lischeii Einwan.lening nicht zufrieden seien, sondern ihre vnlli-je Einstellung; s.-rlaneen. E« wrr.l dalier «•«> folgert Mrna.|iuir»t. /nr Aufrechterhalttine «tes Ero-de,w l'ai.tstma -tets notwend g sein. gr.v^.. I 1 uppenti 1 n• -11 111 .Bereitschaft zu halten. Neuer Terror wo ..notwendig den l nrulii'g« dass <l.e Ter nicht zum : Dezember w «nd g.-k"i I r |u ' fi - hau I. d.e forf- I daraus r vorigen i.-n sind, Irie.lhof M.'hr.'re Schusse in Sated von (iral»steine wurdei huf «l.'u Kri.-.lhof aUgl..j.d)e„. —--. . Die Meh.irden sind «nner illeealen arabischen Organisation, «ler sogenannten;.Pal:i^l iiiensisch- Svrischeu Eisernen ■ F ront auf die Spur ge- -koininen. d.'ien Ziel es ist. jmlenf.'indliche Aus-, -schreitungen in Palästina vorzubereiten. |leamte «ler K rimimilabteilnng der Palastina- Poliz«>i hab.'ii .-inen S01.deia11flr.1g zur Leberwachung dieser I errnri-teiiorganiKition erhalten. Am 2:i Dezember wurden auf der Slrass» Tiherias -Nazareth vier von iinli-iti.-n < hauffeuren gelenkte Lastwagen von bewaffneten Arabern angehalten. Zwei Auto< wur.len ausgeplündert, die anderen entkamen. Am gleichen Tag ist zum erstenmal seit der Beend+gung des Streiks die ( haus-i-e Jerusalem - I «»I-Aviv -wieder mit Nageln Jicstmit worden, offenbar in der Absicht, den sehr h-bliafle» Autoverkehr auf dieser Strasse zu stören. In der Nahe des arabischen Dorfes Jezur. dessen Einwohner wiederholt Augriffe auf Jud«-n verübt haben, sind Vwoi auf «ler Sirasse Jerusalem — I«»I-Aviv verkehrende indische Autobusse mit Steinen beworfen worden. Am 24. Dtvoinbor haben bewaffmde Araber bei Bas el Am piu,-Lager von F.isenbalinarbpitern überfallen. Sip gaben zahlreiche Schusse auf das Lager ab, verwundeten zwei Fasi-nliahner und raubten das Lager vollkommen aus,, Wie es schon fast zu den Stdbstverstandlichkeiten gehört, wi'iideu sich die Unruhen auch immer wieder gegen'Araber sedist. So wurde der Vorsitzende des arabischen Arbed«>rverbandes Michel Miln von unbekannten arabischen Attentätern durch Bevolverschiis»*» verwundet. F.benso kam es nm 2<>. De/.emb««r 111 Jeru- Toscanini in Palästina Toscanini. der bekanntlich das" Eröffnungskonzert des Ersten Paläshna-Svmphonie- Orchesters am 26. Dezember in der grossen Messeballe in Tel-Aviv dirigierte, wurde sowohl bei seinem Empfang wie anlasslich des Konzerts auf das begeistertste von der palästinensischen judischen Bevölkerung begrusst und gefeiert. Das Konz^rtNselbst war dank Toscanims Leitung und deniiSejvorragenden Zusammenspiel des durchweg aus ersten Solisien zusammengesetzten Orchesters ein ungewöhnliches musikalisches Erlebnis. Huberman und Toscanini haben sich in verschiedenen Interviews Uber die herzliche Aufnahme, die ihnen das jüdische Palästina bereitet hat und uber die grosse Genugtuung, die ihnen dieser Empfang gegeben hat. geäussert. Am 30. Dezember fand wiederum ein Konzert des Huberman-Orchestens,,, unter Toscaninie Leitung statt, das durch den Jerusalemer Sender um 20 Uhr 50 Min. mitteleuropäischer Zeit auf Welle 449,1 111 - 669 HZL in die Welt hinausgetragen wurde. Der Reichsverband der Judischen Kulturbunde in Deutschland hat an Toscanini und das Hubprman- Orchester anlässlich des Eroffnungskonzerts ein herzliche« Telegramm gerichtet. Ansprache Hubermans beim ersten Konzert des Symphonie- Orchesters in Tel-Aviv Tel-Aviv. Dezember (J. T. A.). Bei dem ersten Konzert des palästinensischen Svmphonieorchesters in Tel Aviv hielt Bronislav Huberman folgende Ansprache: „In diesem Augenblick, da das Palästina- Orchester sich von einer Idee in Wirklichkeit verwandelt, geziemt es uns, Betrachtungen anzustellen über die von den Juden auf dem Gebiet der Musik gespielte Rolle. Sogar in judischen Kreisen werden oft Zweifel geäussert uber die musikalische Begabung der Juden in den höchsten Sphären schöpferischer Kraft. Niemals hat es. so argumentieren diese Skeptiker, einen jüdischen Räch, Mozarat oder Beethoven gegeben; ergo müssen die Juden unfähig sein, ein Genie solchen Masestabos hervorzubringen. Das ist ein Trugschluss, der mit Rücksicht auf die grosse Zahl und Bedeutung jüdischer Musiker in der nachklassischen und jetzigen Zeit nur zurückzuführen ist auf vollständige Ausserachtlassung der poltischen und sozialen Verhältnisse, die entscheidende Faktoren in der schicksalsschweren Geschichte der Juden waren. Kunst ist nichts bloss ein schöpferischer Akt des einzelnen, sondern auch der Ausdruck eines aktiven Kontaktes des einzelnen mit einer geistigen Gemeinschaft; sie fasst zusammen und versinnbildlicht die in einer gegebenen Gesellschaft latenten Gefühlswerte, ihre Ideale, ihre Sehnsüchte, ihre Hoffnungen, ihre ..Verzweiflung. Somit ist Kunst nur möglich 111 der ihr gemass^n Atmosphäre, die das Gemeinschaftsleben erzeugt. Besonders trifft dies für die Musik zu, die nicht Wirklichkeit wird,-bevor sie vorgetragen und gehörtist. Aber aus dieser Atmosphäre der Gemeinschaft waren die Juden durch die kulturelle, soziale und politische Absonderung jahrhundertelangen Ghettolebens ausgeschlossen. Erst die Emanzipation, die Napoleon den mitteleuropaischen Staaten mehr •oder weniger aufgezwungen hat, schuf für die Juden die Möglichkeit, mit der herrschenden europaischen Kultur m Berührung zu kommen. Nach dem Sturz Napoleons entstand in dem für die Musik jener Zeit besonders wichtigen mitteleuropäischen Gebiet die Tendenz, die Emanzipation rückgängig zu machen. Dies führte zu politischen und kulturellen Einschränkungen, die erst allmählich im Laufe des Jahrhunderts aufgehoben wurden. Es war daher kein Zufall, sondern in der Macht der Verhältnisse begründet, dass der erste grosse judische Komponist. Felix Mendelssohn, ein getaufter Jude war. In der ersten Periode der Emanzipation war es den Juden nicht möglich, 6ich auch nur die elementarsten Bedingungen zu sichern, die für die hrweckung und Entwicklung seiner musikalischen Begabung notwendig sind, ausser durch den Uebertritt zum Christentum, der rasch alle Schranken beseitigte, die das Ghetto von dem geistigen Leben Europas trennten. Sobald jedoch die geistige Emanzipation aus dem Ghetto 1111 Laufe des lf>. Jahrhunderts zum AI»-, schluss gekommen war. haben die Juden qualitativ und quantitativ einen so hervorragenden Anteil an dem musikalischen Leben Europas genommen, dass man ihre besondere» Begabung auch auf diesem Gebiet, wie.aufi so vielen anderen, anerkennen-muss. Es genugon Namen zu nennen wie Meverbeo.% Offenbach, Anton Riibinstem, Goldniark, Max Bruch, Mahler, Schoenberg, Milhaud, F.rnest Bloch. Fi muss zugegeben werden, dass sich unter diesen kein Genie von der Grosse Beethovens befindet. Aber wo gibt es eine Nation, die in d'-r Zeit nach dem F.mtntt der Juden in das -musikalische Leben Europas'aur einen Beethoven hinweisen konnte? Nicht alle -Geschichtsepochen sind in gleicher Weise und ohne Unterschie«! fähig, ihren Ausdruck in jedem Zweig der Kunst zu finden. Bedenken Sie einen Augenblick lang, wie kurz etwa der Zeitraum war, in dein die Bildhauerei unter Plndias und Praxiteles 111 Blute stand, nicht langer als i^echs. höchstens acht Jahrzehnte, oder die Malerei um Reinhrandt und Frans Hals, oder die Dichtkunst unter Goethe.und Schiller, und zuletzt, aber nicht in letzter Reihe.- die F-poche der Propheten in der Zeit von Jesaja und Jerenua. F.inzigartige Erscheinungen wie diese, hervorgerufen durch ein einzigartiges Zu8amin«>utreffen gunstiger Bedingungen, gibt es vielleicht einmal in tausend Jahren; sie sind atmosphärischen Hochspannungen zu vergleichen, die sich unter Donner und Blitz entladen und denen wieder vollständige -F instern isfolgt-—So-ha-t-auch-d-i-e—Mus-ik-ih-r-e -besonderen Bedingungen und Imponderabilien. Als. etwa in .der Periode zwischen Bach und Beethoven, eine solche Konjunktur von Bedingungen und Imponderabilien zustande kam, lebten die Juden noch 1111 jjhetto; als die Schranken des: Ghettos endlich gefallen waren, hatte die Musik . ihren Höhepunkt bereits überschritten, für Juden nicht minder als für Nichtjuden. Möglicherweise muss erst jene Idee des „modernen .Funktionalismus" uberwunden werden, eine Errungenschaft, aui die musikalische Kre_ise_vielleicht noch stolzer waren als andere; wir müssen aufs Neue dlaiihvii und Vertrauen zu unserem Schicksal bekommen,.damit unsere innersten F.rlebmsse wert werden, durch Musik di »se mvstischsle aller Kunst«?, geläutert und erhoben zu wenlen: vielleicht muss die Menschheit erst aufs Neue lernen, den Nächsten zu lieben, bevor sie hoffeir kann, .diese» Kuss der ganzen Weif von einer neuen Neunten Sinfonie zu erhalbm." ' C-V.-ZEITUNG der erfolgreiche Werber 3 Sonderfahrten nach PALÄSTINA 11. Februar ab Neapel D. ROMA?o3n?00 über Athen — Rhodos — Beyrouth 26. Febr. ab Genua D. VULCANIA^? über Corsika — Capn — Neapel — _i_ Messina — Palermo — Tunis — Malta — Tripolis — Port Said 24. März ab Neapel * D. ROM A i3o3„.000 über Palermo — Athen Auskünfte und Buchung durch ATLANTIC EXPRESS Berlin NW7. Frledrkhitr.100 A 6 (Merkur) 2915 . und dia Vertretungen im Reich <! j