Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 53 (31.12.1936)
- Date
- 1936-12-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 53 * 3. Beiblatt CVZeitunq 31. Dezember 1936 Unsere Korrespondenten berichten: ' ... '■ \ \ '-. : ''■'."■' *' '.' ■ Die Amsterdamer Diamantindustrie Von unserem Amsterdamer H-Mitarbeiter Van Zuiden ein kleines'Büchlein verfasst. das nach einer ■kurzen historischen Einleitung einen Ueherblick über diese Entwicklung gibt, alle wesentlichen- Momente n die '.Erinnerung zurückruft und insbesondere auf die Regierungszeit der 'jetzigen Königin einseht.. Ihre Besuche ■ m der portugiesischen Svnagoge und.in der grossen Sviiagniit» in Amsterdam, das Interesse der Prinzessin für d e jüdischen Wohltatigkeilsemnchtungen. die sie - regelmässig besucht, werden kurz geschildert und durch eine Keihe.gut ausgewählter' Photos ergänzt. Möge in der Zukunft das erhalten •■bleiben* . was in diesem hübsch ausgestatteten Büchlein so anschaulicherichtet ist. W........ Amsterdam, 25. Dezember. Die Amsterdamer Diamantenindustrie, an der von jeher Juden massgebend beteiligt waren, ist in den letzten Jahren sehr stark zurückge- .gangen. Die fallende Kaufkraft der vermögenden Schicht aller Länder, die ausländische Konkurrenz, der geringere Verbrauch an Industriediamant infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise hatten diesen Rückgang immer mehr befördert. Die Zahl der in dem Verein „Beure voor den Diamanthandel" zusammengeschlossenen Händler ist etwa um ein Drittel (von 1200 auf 850) zurückgegangen. Die Arbeitslosenziffern bei an sich stets geringerer Gesamtzahl der Arbeiterschaft sprechen eine noch viel deutlichere Sprache, und der beste-Beweis-für-die rückläufige Tendenz dieser Industrie sind die stark verminderten tatsächlichen Umsätze am Amsterdamer Diamantenmarkt Die Diamantindustrie gehört zwar auch heute noch zu den wichtigsten Industriezweigen Amsterdams, die Auswirkungen der bereits seit langem vorhandenen Krise sind aber überall 6piirbar. Während z.B. im Jahre 1920 rund 11 000 Diamantarbeiter in Amsterdam lebten und arbeiteten, waren es im Jahre 1935 nur noch 5000, von denen annähernd 40 Prozent arbeitslos waren. Durch mannigfache Massnahmen ist die Arbeitslosickeit im letzten Jahre etwas zurückgegangen; die frühere Kaufkraft dieser qualifizierten Arbeiterschaft, von denen auch die beschäftigten heute nur einen Bruchteil ihres früheren Einkommens verdienen, ist damit aber noch lange nicht zurückgewonnen. Das rückläufige Steueraufkommen der Dianianthändler, deren einzelne über Millionenvermögen verfügten, ist auch noch immer ein Problem für die Gesamtbilanzen der Stadt, die ..man nicht zu Unrecht „Diamantenstadt"' . nennt. In der Allerneuesten Zeit erhofft man in Verbindung mit der Guldenabwertung eine etwas stärkere Belebung des Diamantmarktes, dessen Konkurrenzfähigkeit gegenüber der belgischen Industrie nunmehr wieder » stark gestiegen ist. Es ist auch anzunehmen, dass der inländische Bedarf au Industriediamanten grösser werden wird, wie der Absabi von Industriediamanten ja überhaupt sehr stark abhängig ist von dem Wohlergehen der Industrie, die diesen Edelstein in den verschiedensten Arten gebraucht. In einer mir kürzlich gewährten Unterhaltung, mit dem Direktor der Amsterdamer Diamantbörse sprach auch dieser die Hoffnung aus, .dass einmal wieder bessere Zeiten kommen werden. Natürlich darf man sich von einer leichten Besserung nicht zuviel versprechen, aber diese in Amsterdam bereits seit Jahrhunderten betriebene Industrie hat schon grössere Krisen hinter sich und selbst eine Stockung, die jahrelang dauert, braucht noch nicht das Ende dieser für Amsterdam und das holländische'Judentum 60 wichtigen Indur strie zu sein. -■ ~ Es ist zwar bestritten, ob die Diamantindustrie von Juden nach Holland gebracht worden ist; es steht aber fest, dass die" Juden seit Jahrhunderten massgebend an ihr beteiligt wahren. Das wichtige dabei ist, dass nicht nur, wie in vielen westeuropäischen Ländern die leitenden* Personen die finanziell interessierten Juden sind, sondern in der Amsterdamer Diamantindustrie sind heute noch (früher mehr) etwa 50 Prozent der Diamantarbeiter Juden. Unter den Diamanthändlern schätzt man den Anteil auf 80 bis 90 Prozent, und man känn sich unter diesen Umständen leicht vorstellen, was ein Rückgang in diesem .wirklich jüdischen Berufszweig für die Finanzen der Amsterdamer jüdischen Gemeinde bedeutet. Die wirtschaftliche Krise in der Diamantindustrie ist mit der wesentlichste Faktor der verminderten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Amsterdamer Judentums, da sie ja mehr als die Hälfte aller holländischen Juden in sich vereinigt. Auch in religiöser Hinsicht sind viele Auswirkungen infolge der verschlechterten wirtschaftlichen Lagebemerkbar. Der früher fast durchweg gehaltene Schabbat wird heute nicht mehr so geheiligt, und es ist schon eine besonders zu erwähnende Tatsache, dass die Diamantborse nach wie vor am Sonnabend geschlossen ist. 'j, Trotzdem herrscht in allen Kreisen der Diamantindustrie ein nicht zu erschütternder Optimismus. Eine Diamantenausstellung, die vor einigeln Wochen anlässlich des 25jährigen Jubiläums.der Diamantbörse stattfand und auf der man Diamanten bis zu einer Grösse von 60 Karat sah,war der beste Beweis für diesen Optimis- < ' mus, der auch in Zeiten schwerster Not nicht zu überwinden ist und 6tets darauf hofft, einer . besseren Zeit entgegenzugehen. ,.Gebt den Diamantarbeitern Arbeit und Amsterdam wird aufblühen", stand auf einem Reklameschild in einem jüdischen Geschäft im feierlich geflaggten Judenviertel. Ein wahres, inhaltreiches Wort! „Oranje en Israel", von D. S. van Zuiden (Uitgeverij Van Creveld en Co, Amsterdam 1936). Seit der Zeit Willem des Sohweigers,\ des Begründers der holländischen Glaubensfreiheit, bis zur Regierung der derzeitigen Königin führt eine gerade Linie; die Juden lebten in Holland von jeher frei, und eine Unzahl ideeller und materieller Gunstbezeugungen haben die- Oranjefürsten den Juden erwiesen. Diese haben ihrerseits stets sehr lebhaften Anteil an den Geschicken des Königshauses genommen, wobei als markantestes Beispiel nur an die Hilfe der Pintos an Willem V. erinnert zu weijden braucht. Anlässlich der bevorstehenden Heirat der Prinzessin Juliana hat der bekannte Schriftsteller Unter südafrikanischer Sonne Von Gusti Hecht Kapstadt, im Dezember 1936. Beinähe wäre der riesige Haartrockenapparat umgefallen. So temperamentvoll und entschieden erklärte mir der Figaro aus München, jetzt seit eineinhalb Jahren in Südafrika: „. . . und auch Sie werden über kurz oder lang Tee mit Milch trinken, i Jiab a jjdacht, das» i dös (ischloder »et abi kriag und hab .gmoant; i miiasst umkomma, wenn i net a Knigerl Bier — — jetzt, wenn i net um halb sieben mei Earlymorning-tee, um ölf mei Tee (sprich Ti) und um vier mei Tee hab . . ." den Scliluss dieses Treubruclihekenntnisses am Bier übertönt der Haartrockenapparat. Ja, es ist wirklich ein nutzloses Beginnen, ■Gaumen und Magen zu charaktervoller Opposition zwingen zu wollen. Nach kaum vierzehn Tagen lässt man den Tee, den das Stubenmädchen um halbsieben Uhr früh -ans Bett bringt, nicht mehr stehen, nach weiteren Tagen wird man um elf Uhr entsetzlich teedurstig und dann ist man auch so weit, Milch in den Tee zu tun und um vier und um zehn Uhr. abends teenervös oder teepi'mktlich zu werden, wie man es gerade nennen will. Die Teepiinktlichkeit teilt den südafrikanischen Tag in vier oder fünf Abschnitte. In welchem Büro man auch gerade ist, beim Arzt oder im Ministerium, punkt elf Uhr hält Angestellter und Chef, Kundschaft und Botenjunge eine Teetasse in der Hand. Und die Teeverabredungen sind Ersatz für vieles, was sonst eine Grossstadt an Unterhaltung zu bieten hat. Der Elf-Ulir-Vormittagstee ist der europäische Kaffeeklatsch, die Frauen treffen sich in den Kaffeehäusern und weil die 'Hauptmahlzeit, das Dinner, zu dem die Männer nach Hause kommen, erst um sieben Uhr abends ist, ist um elf Uhr endlos viel Zeit zum Sprechen, zum Sprechen, zum sprechen. Besonders am Sonnabend hat dieses Teetrinken etwas Feierliches und Festliches, das ganze weibliche Kapstadt ist auf den Beinen, aus der Stadt und aus den Vororten kommt es mit den neuesten Hüten und Kleidern, die Toilettenparade ist ebenso sensationell wie der neueste Klatsch.- Es scheint, dass für Sonnabend "auch die besonders feinen und interessanten .Scheidungsaffären zur Diskussion reserviert sind — denn das Teetrinken endet nie. * Die'.Frühlingsfanfare von Kapstadt ist der South Eastern. Ist das ein Mailüflerl im November! Die Wände knarren und ächzen, eigentlich müssten alle Häuser schon längst zusammengestürzt sein. Auf der Strasse wird man davon gewellt, man fliegt und dje Korke sind weite Segel, Gehen ist überflüssig. Es braust von. den Bergen herunter, es pumpt die Lungen voll, das' Meer schlägt stockwerksliohe Wellen* Das ist ein Wind von Format, ein Sturm, von dem sonst nur Seeräuberromane oder Mary Wigman im roten Tanzgewandt zu berichten weiss. Der South Eastern wird äVr Cape-Doctor genannt, weil er angeblich alle Bazillen ins Meer weht. Manche behaupten zwar, er sei von den Südafrika«- nischen Aerv.len zum Doktor honoris causa ernannt worden, weil er ihnen zu tun gibt. Was nun-stimmt', kann man schwer entscheiden, das Wellenschlägen in der Luft ist zu gewaltig und überwältigend,, als dag man e„s untersuchen könnte. Man.ist.froh« wenn man manchmal den Erdhoden unter seinen Füssen spurt, und man ist immer] wieder überrascht, nicht ins Wasser oder auf die Berge getragen zu werden. Auch die Wirkung auf das menschliche Gemüt kann nicht klassifiziert werden, der Sturm •macht weder heiter noch traurig, er betäubt und lässt einen vergessen, dass mau sich stellenweise als willenkräftiger Mensch, vorgekommen ist. Das liegt lange lange zurück. Jetzt ist man nur ein ohnmäch* tiges, verwehtes Exemplar, im Augenblicto " noch in Südaf rika, aber wenn es dem Soutft Eastern gefällt, und zuzutrauen ist es ihm« ist man vielleicht in der nächsten Sekunde in Australien oder sonst wo. Wenn sich der South Eastern legt, ist die Hitze da. Die Hitze, ein Kind vom South Eastern? Vielleicht! Sicherlich von guten Eltern! Sie kann sich spüren lassen. * Mit naiver kindlicher Freude 'wird .in Kapstadt ^Auto gefahren. Ks gehört nicht allzuviel Reichtum dazu, sich ein schönes Holländischer Bilderbogen Nach einer Reise / Von Hilde Marx Blumendurchwoben ist Amsterdam. Und wenn es mitten im Winter ist: die weithin leuchtenden Stände schmücken die' neuen, breiten Strassen des Zuid genau so .wie die schmalen Gassen der Altstadt, und es blüht an den Ufern der Grachten und auf den Crossen und kleinen Booten, die das Wasser trägt. Diese Poesie der Blumen hat auch ihre Prosas An die Art. wie sie angeboten werden, muss der Fremde sich erst gewöhnen. Da fährt so ein Wagen die Strassen entlang und ein Mann schreit dazu aus Leibeskräften: „Buuh — Buuh —". weiter nichts, aber dieses dauernd Es ist nicht etwa eine Abkürzung, sondern sein Schlachtruf und bedeutet „Blumen". (Alle haben sie so eine Art Schlachtruf: der Mann, der Gemüse bringt, ruft etwa „Ooo' und der Lumpensammler „Bäh", und der Bäcker auch sowas oder ähnlich.— mit der Zeit lernt man es unterscheiden.) Und wehe dem, der erst verhandelt und dann doch nicht kauft, oder der-etwas zu teuer findet! Dem rennt der Blunienmann lange, nach, fluchend und schimpfend, und dies keineswegs „durch die Blume'! Alles hat seine Poesie und Prosa. So herrlich für den Liebhaber altertümlichen Stils die hohen, _ s&hmalen Häuser anzusehen sind, so schwierig ist das Wohnen in ihnen für. einen, der es nicht von früh an kennt» Man weiss von den sprichwörtlich schmalen und steilen Treppen dieser holländischen Bauten; aber es sieht doch ganz anders aus, wenn man sich das mal als Vergnüguirgsreisender betrachtet, als wenn man täglich Dutzende von Malen hochklettert, wenn man früh vom Milchmann aus dem Bett geklingelt wird, an die Türe eilt und dann von unten herauf einen freundlichen Gruss zum guten Morgen und gleich danach aus einem kleinen Ding, das einen Aufzug darstellt, den gefüllten Milchtopf in Empfang nimmt. Und wenn man dann mal wach ist, merkt man, wie der scharfe Wind vom nahen Meer her schon wieder durch die einfachen Fenster zieht — Doppelfenster gibt es in den seltensten Fällen —, und man ist im Moment vollkommen munter und es beginnt ein freundlicher Tag. ohne Hast und Eile im allgemeinen, um die. Miltagszei| unterbrochen durch das äusserst eemütliche ,.Twelf-uurtje", eine reichlich erweiterte Frühstücksmahlzeit mit allen Genüssen, die dieses Land in deF Fülle bietet. Eines der Hauptwörter der holländischen Spracne und des holländischen Lebens ist „Gemächlichfc keil". Trojjfcdem herrscht tagsüber in der Innenstadt - ein rft=%ier Betrieb. Die Radfahrer sind ein Kapitel für sich, und man muss schon hie und da zehn Minuten Zeit haben, um über den Damm zu 'kommen. Nervössein gilt nicht, d. h.. man kommt höchstens selbst dabei schlecnt weg. Knie bewundernswerte Ruhe liegt noch seihst über dem tollsten Getriebe. Es kann vorkommen, dass den ganzen Weg. an einer Gracht lang sich Autos, Fahrräder und Fussgänger stauen, weil irgendwo ein Mann mit dem Auspacken seines Lieferwagens vor einem Geschäft durchaus keine Eile hat. Da kommt dann vielleicht der „Agent", der Polizist, stellt sich neben den Mann, sieht sich das Ganze an, lind wenn es hoch kommt, sagt er mal einen Satz zu ihm, in dem etwas von „beeilen" vorkommt; der Mann nickt, und die Abwicklung der Dinge nimmt ihren weiteren Verlauf. Und wenn da ein Wartender die nötige freundliche Bereitwilligkeit in sich hat, tut er am besten, sich umzusehen; die Zeit wird ihm nicht lang werden. Alles ist da nebeneinander: Alte, wundervoll schaute Patrizierhäuser mit den blassrosa 1 schimmernden Fensterscheiben aus einem Glas, das besonders wertvoll ist, da man seine Zusammensetzung heule nicht mehr kennt — gleich dabei wieder kleine Cafes, eine Arl von Hafenkneipen im besseren Sinn, wie es sie\ in dieser Stadt in Mengen gibt, und aus den Fenstern schaut hier und dort ein kecker Mädchenkopf. Wenn es schon dunkel ist und die Lichter brennen, kann man. wenn man gerade Lust hatj unbehindert inalle Fenster gucken, da kaum irgendwo Gardinen vorgezogen sind; es herrscht eine grosse Vertrauensseligkeit. Wundervoll ist es, in der frühen Dämmerung eines Wintertages durch die Allstadt zu streifen; alles ist dann von einem gespensterhaften Schimmer überzogen, der die Eigenart dieser be«on- . deren Stadl noch erhöht; Da steht ein riesiges Warenhaus im Lichlerglanz; man geht durch eine Passage und. steht .plötzlich, unmittelbar hinter dem moderneu Bau, in einem der ältesten d\-'l stehen, vor einer winzigen Likörstube, die auf einem Schild das Griindungsjahr 1689 tragt, und' in der der Genever heute noch so vorzüglich ist wie ehedem. Palais — Hauptpost — Leid- ■ scher Plein — irgendwo taucht ein Straßenschild auf „Mnzes en Aronsfraat" — ein winziges Häuschen.' ein Schmuckkästchen, von dem man staunend vernimmt, dass es das Pressemuseum ist — die Hafenmeistern, eine malerische Ecke über einer Gracht, ein ausgebautes Tor: das „Tor der 'Initien" genannt, weil früher dort abschiednehinend die Frauen standen, wenn die Schiffe mit ihren Männern die Fahrt in die Weile und Ungewißheit der Welt antraten. Man sieht eine alte Kirche, das einzige Gebäude der Stadt, das auf festem Grund sieht (im .Gegensatz zu allen anderen, die auf Pfählen gebaut sind), eine Kirche, m deren jegliche Nische sich kleine und . kleinste llau>c!i.cn so innig hineinschiiiiegcn,- dass mau von weitem denken kann, sie gehören dazu. Und nullen in einer der belebtesten Gegenden, von aussen unerkennbar, eine Insel verträumten Friedens: der Bagijnhof; eine rundgeb;iute "An- - Inge zwischen Häusern und Mauern; um die englisch reformierte Kirche herum wurden die kleinen Häuser, die alle gleich aussehen, einfit als Zufluchtsstätte errichtet; nur Frauen wohnten damals in ihnen. Vor den Türen sind winzige " Gärten, ein paar stille Menschen sieht man lun- und hergehen, ein paar Katzen und Hunde: sonst ist ungebrochene Stille und Frieden, und man wird unwillkürlich erinnertan das bekannte Altersheim in Brügge, wo die gebeugten Frauchen vor den Türen sitzen und die herrlichsten Spitzen der, Welt arbeiten. Es gibt mehr Inseln ähnlicher Ruhe .im Getriebe der Innenstadt; zu ihnen gehören viele alte, oft sehr alle Synagogen, die ganz versleckt liegen und fast vergessen seteinen. Aber sie sind ■ nicht vergessen. Das Judentum in Arbeit und Feier jst sehr lebendig in dieser Stadt. Man kann vom Judentum in Amsterdam nicht sprechen, ohne von der Stadt und ihrer übrigen Bevölkerung zu reden; es hangt alle« zu eng zusammen. Die bekannte „Gcinächlichkeit"-des Lebens ist etwas, das den Juden, der von fern kommt, oft genug beruhigend und wohltätig in sich aufnimmt — oft genug etwas, das semer augenblicklichen Aurgcwüliltheil. weimfr schwere Dinge hinter sich hat, ersten Trost bietet. Und dann: der Blume.....aim auf der Strasse,'der'Mann hinterm Geimisewageu oder der Milchjunge, der am Morgen vom luiss der steilen Truppe den. Gruss und den Milchlopf heraufschickt — auch da« sind oft genug Juden. Sie leben dort in allen Berufen und in allen Schichten der Bevölkerung. Sie gehen in den schweren holländische»* Holzschuhen und sie sprechen die Sprache so unverfälscht wie nur irgendeiner. Sie leben im Land und mit dem Land.' Es wäre z. B ganz falsch anzunehmen, das« in dem bekannten Judenvierlcl (um die .Jodenbreeslraat herum, m der das Hembrandt-Haus steht) nur Juden zu sehen.sind. Oder gar auf dem Judeninarkt. Als Käufer sieht mau dort neben Hollandern Angehörige, der verschiedensten Nationen, was in dieser internationalen Stadt nicht weiter verwunderlich ist. I'tir einen, der das nie mitgemacht hat, ist die Fülle auf dem Judenmarkt an Sonntagen' schwer vorstellbar. Mari geht nicht, .man wird geschoben. Vor einer einzigartigen Kulisse von Wasserarmen, Kirchtürmen, Lagerhausern und alten Wohnbauten spielt sich das in einem grossen Viereck von mehreren Strassen ab. Bude an Bude, Stand an Stand, ein Gewirr von Stimmen drüber hin und von Schokoladenem Iiis zu Matjesheringen alla Gerüche, die man «Tlm7TiTrr--di?ti4«>fl—kamh—Der— Magister Kirsch dar put« Likör, Magister München VII In Berlin zu beziehen «furi'.ri die WeinKroßhandltiT)|? Bernhard Brauer. Burgstr. 3 Tel. K ] Berolins 4340.