Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 53 (31.12.1936)
- Date
- 1936-12-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mendelssohns Elias auf Hebräisch in .Prag, 23. Dezember. Sie Erstarkung' jüdischen Lebens, . die seit einigen Jahren in, Mitteleuropa erkennbar ist, hat zweifellos auch die Gründung der „Jüdischen Singvereinigung' in Prag begünstigt oder veranlaßt. Unter der Leitung von Erich Wachtel hatte der Chor schnell -jene Leistungsfähigkeit erreicht, die öffentliche Konzerte in einer angesehenen Musikstadt von. großer Vergangenheitoerlaubt. Die verschiedenartigen Programme, der' beiden bisherigen Veranstaltungen zeigten die erfreuliche Tendenz, mit der Lösung schwierigster Aufgaben die Vielseitigkeit und künstlerische Bedeutung der anderen Chorverbände zu erstreben. 'Nach dem klassischen Eröffnungskonzert.' das palästinensische Volkslieder. Werke des jüdischen Barockmeisters Salomone'Rossi und Mendelssohns Psalm Nr. 95 enthielt, wagte die Vereinigung bereits in der folgenden Saison einen Novitätenabend, der Milhauds ' ...Kantate zum Lobe des Herrn' und Blochs „Awodaß Hakodesch" zur Diskussion stellte. Das diesjährige Festkonzert, das Anfang Dezember im Smetana-Säal stattfaud, war dem abendfüllenden Oratorium „Elias" von Mendelssohn gewidmet.' Das Hauptinteresse der Besucher galt , dem kühnen Experiment des Kapellmeisters - Wachtel, der den deutschen Oratorientert durch die originalen Bibelworte ersetzt chatte. 'Da der verlangte Text in der. hebräischen Ausgabe der Bibel vorhanden ist, war die übliche Praxis der liebersetzungsarbeiten unbrauchbar. Wachtel hatte daher die Ausgabe, die Worte in der Orlginäl'aiiimg .itrzuiindeii und mitder Mendelsiohnscheu l»!unt »i verbinden, die auf eine deutsche Ueber'eyimg der Bibelzeilen geschrieben worden-war. Obwvyl die Silbeiibetvnung der deutschen und liepraullchen .- Sprache verschieden ist. paßte m den melsteii Fallen der Urtert so ausgezeichnet:, daß geringe Aeuderiingen der-Nvtenwerte genügten, um die er'orderlichc Uebereinstimmung von- 'Munk und lieiiem Derr z» schaffen. Eine: diirchgreiieiide llmarbeitnng verlangten nur die Rezilatwe. wahrend. eine einzige: Stelle von wenigen Takten allen llebertragiingsr versuchen widerstand und'gestrichen werden mußte. Die Vorbereitung des Kon wertes inmaßte ,im.-' geiähr 1 *200 stunden Uebersetznngstatigkeit. 400 Stunden Chorproben, 300 Stunden Verwaltungsarbeit, 1 JO Stunden^ Soloproben und 16 Stunden Orchesterübnng. Das Ergebnis " mühevollen Mviiate ivar eine bemerkensivene Wiedergabe des ungerecht vernachlässigten Werkes-, das nach geschickten . Strichen zweite Uns seine frühere Beliebtheit , wiedergewinnen könnte. Höhepunkte der Ausführung waren die dramatischen Ensemblenummern, in denen sich der verstärkte Chor durch erstaunliche Präzision lind stimmlichen Glanz anszeichnete. Unter den zahlreichen Solisten verdienten besonders die Lpcrnaltisiin H e d a G r a b . der Teplitzer Sberkantvr D e s i d e r R o t h st e i n (Tenor) und der Bariton Emil Bloch den stürmischen Beifall des Publikums, das auch die Mitglieder des Fok-Orchesters nicht zu ehren vergaß. Dt. Gerth-Wolfgang Barueh. . mungen in seinen zablveickvn.Bllcrken verarbeitet. Eine Oper ..Daine ::n oru' narr: der Vollendung. 'Auch 29allber K . e : n i't liier mit vieien Kammermil'ikiverken und Liedern zu erwalineu 'Ernß Doch,lind.Hans Gal sind auch in DoiU'arland bekaiinie Namen. loch i'l.nber Mannhen» nach Berlin, gekommen. nauidein er banpl'achlick, durch Kammer-, spaicr anai O rMeuermiiul in Deulichlaiid einen 'ainelien 'Au"iieg genommen haue. loch sckireibl eenen virino'en Stil, seine Von jüdischen Musikern unserer Zeit Von Karl Wiener Das Musikbecken Europas*) ist-das Gebiet der ehemaligen Lesterreichisch-Ungarischen Monarchie. Heute besteht noch, von früher her, eine gewisse geistige Verbundenheit zwischen den Nachfolgest a a t e n, vor allem Oesterreich, Böhmen und Ungarn. Bei der Fülle der Namen von Rang,, allein in Oesterreich, verbieten sich ausführliche Würdigungen von selbst. Einiger in den letzten Jahrzehnten verstorbener Tonsetzer soll gedacht fein, um vielleicht zur Wiede-rbeleb.uüg ihrer Werke anzuregen. Richard Mandl (geb. 1859 in Proßnitz in Mähren. gest. 1918 in Wien) lebte mehrere Jahre in Frankreich, wovon die chevalereske „Ouvertüre zu einem Gäscongner Ritterspiel' Zeugnis ablegt, rst besonders durch seine Kantate „Griselidis" bekannt geworden, hat zwei Opern und mehrere wirkungsvolle Orchesterwerke geschrieben (u. a. „Diennenjia'). .Der feinsinnige Erich. D. Wolfs (geb. 1874; 1913 in New-Pork auf einer Konzerttournee gestorben) ist. hauptsächlich als Liederkomponist geschätzt. Ter Schönberg-Schüler Karl Horwitz (1884 bis 1925) hat in seinem kurzem Leben nicht viel Freuden erlebt: ein Gehörleiden verdüsterte die Produktion dieses hochbegabten Komponisten, der nach der Promotion unter Guido Adler der Kapellmeisterlaufbahn sich znwandte. Seine wichtigsten Werke sind der Zyklus „Dom Tode', Sinjonische Ouvertüre, einige Kammermusikwerke und viele, Lieder. *) Dgl. Nr. 30 vom 23. Juli und Nr. 41-vom 8. Oktober 1936. Gewissermaßen ist sein Schicksal parallel zu nennen dem Rudolf B r an üs , der im gleiä)en Jahr starb ünd zeitlebens blind wax. Er schrieb unter vielen anderen Werken eine Pantomime „Marionettentreue', die . unter Mahlers Leitung aufgesührt wurde. Sein Grundzng ist liebliche Melodik nqd große Satzkunst. Der in Linz geborene Arnold W i n t e t n i tz . dessen Haüpterfolg die komische Oper' ..Meister Grobian' ivar, starb erst vor wenigen Jahren in Hamburg. Die Aufzählung lebender jüdischer Musiker Oesterreichs kann nicht vollständig sein: sie soll nur den Reichtum an künstlerischen Kräften illustrieren., der von jeher gerade Oesterreich eigen war. Hugo K a u d e r möge mit gutem Grunde an der Spitze stehen; , hat er doch als einer der ersten erkannt, daß die Rückführung zur melodischen Einfachheit und inneren Wahrhaftigkeit Voraussetzilng für eine kommende Musik sein würde. Zu Tobitschan in Mähren 1888 geboren, studierte er autodidaktisch in Wien. Seine .zahlreichen-- Werke zeigen eine be- ' merkenswerte Entwicklung: von einem Jünger der . klassizistischen Schule ist er schnell zu der schöpferischen Wurzel seines Wesens -.vorgedrungen. Kauder schreibt wenig Taktstrick)e und Tonarten vor. führt das Melos auf die Urformen, d. h. in Skalen zurück und hätte gerade in der heutigen Zeit uns Juden viel zu sagen. Ein Vertreter der Wiener Tradition ist der 1881 geborene Karl Weigl: er hat sämtliche Formen der sinfonischen Literatur, um hervorragende Werke bereichert Und wurde mit zahlreickien Preisen bedacht. Egon,L n st ga r t e n (geb. 188-7 zu Wien) hat zarte und sensitive Stim-, ledvir.MK'ii tU'eiHt ans •eil .utluvii hilf - er t»1;;:i l'veimH’u'i'U’ nnii. :v:u8e von der g!eick>en ' znm Lektor ernanni. irektor des Konsereinen -nun Opern bat den größten. Beberr'ckning des FabelbaNee In den Ie.u ganz der Fil-minii'lk verich lungere - "ans G a I. vt N'iedero'lerrei-.Irs ■ geb vre De. pliil. ui 'Wienund i . llmi’eviitiuim Jayre - no E i inge. Jghre wa r ’ Gni vatoriiuns in Vlauiz, pan 'einen' -dw .'Heilige 0!ite'-^Di!"etdvrf in. Erfolg . gebabt... Hervorragender Fvrmsiiiii seinem sinionuckteii- .Werken zu eigen.. Gal leitet igctzl ui Wien eineir Frauencho.r. ° . lieber Arnold S clv o n Oe r ii und' seine Scknile ^in diesem Ra Innen zn spreck^n. verbleiet die Ebr- " urcht von dein großen Bleiner der ..Gnrrelieder' des OPierrot liiiiaire'. Dockt mnisen tner clnilzd>ueiiier Schüler und geistige Verwandle Erwühnnno finden. Vor allein Egon 26 e l l e f z (geb. lN^Ti in . Wieiil. . der eine eigenartige Mischung von schöpferischem Milüker und einem tiefgri'mdigen Wissenschastler darilellt. Der Kvmpviiist Wellesz, der hier. vor.allem interessiert, bat mehrere bedeutende Opernwerke. ivie ..Die Pruizesült Girimra', „Alkestis ". uiid viele Billette geschrieben. Im Aiiiaug seines Scliaiseiis bricht ein 'starker Erpreisioinsniiis-.durch, der sich jedvck, zu einer Art barocken Klassizität entwickelt bat. Auch - i mhlreickie Kainnleriniisikwerke -entstammen seiner Feder. Er ist einer, der aiigesebensten Rlusiker Wiens rind bekleidet seit vielen Jahren das Amt eines ordentlichen Professors an der dortigen Ilniverfität. Paul A. P i s k ist in ÜOien im Jahre 1893 geboren lind machte bet'Adler 1910 sein Doktorat Er ha.t bei Schreker und Schönberg stndiert. schreibt einen ^radikalen Stil, banpliachlich . Kammermusik: iilid betätigt sich auch schriilslell«- risch. Alergnder v. Zemliiiskb (1872 geb.l ist. Halbjnde: er hat eine glänzende Lansbahn als Opernkapellmeister binter sich, die ihn von Wien/- über Piannheim nach Prag führte. Dort hat er durch lange Jahre geivirkt n»d das ganze Rlnsikleben reorganisiert. Als Sciiasfeiider .ist er bochbedentiam: er. schrieb mebrere Opern, von denen' „Kleider machen Leute'. „Der Zwerg' und „Eine florentinische Tragödie' die wichtigsten sind.. Der Schreker-Schule sind auch viele jüdische. Tvgsetzer angehörig: Karvl Rathaus (1895 geb.) hat zu- ' nächst mit siiifouischer Pkusik begonnen, später das Ballett „Der letzte Pierrot' und die Oper „Fremde Erde' geschriel>en. Auch viele Filmmusikeu versaßt. Rathaus lebt seit einigen Wochen in 'London. Auch die beiden kompviiierenden Kapellnieister Jaschr H v r e n st e ,i n. (1898) und Joses R v s e » - ' stock (1895), der frühere musikalische . Leiter des . Berliner. Kulturbundes, sind Schreker-Schüler, ,-Horensteiu als Komponist viel abstrakter als Roseiistock. der neben vielen Orchesteriverkeii auch ein brillantes Blavierkvnzert gesihrieben hat. Wilhelm G r o s z (geboren 1894' zu 'Allen) ist -mit vielen Liedern, siiifvnischeii Werken und-.einer' Oper „Sganarell' hervorgetrele»; alie seine.Kvm- Positionen tragen. den Stempel großer Eleganz und Gekonntheit. Er hat auch zu vielen Filmen die Musik geschrieben. Erich Wvlsgang K o r n g o l d , das einstige Wunderkind, ist. >vie so viele 'Begabungen. In- Brünn geboren l l897>^ hat bereits im Jahre J9<is die «von Zemlinsky instrumentierte) Paiitomime „Der Schueemauil' an der Wiener Hvfvper.zur Ausführung gebracht. Es.folgten die Opern „Der Da» Maytr-Mahr-Trio (WlaJitlaw Waghaltart Proftttor Mayar-Mahr, L»o Roatal) »pialt am J4. Januar im Berliner Kulturbund fut. Htihert Sonnenfeld Ring des Polykrates". ..Diolanta'. ..Die tote Stadl'. ..Das. 'Allmder der Helmiie'. zahlreiche sin'oiiische und Kammermnsik. Auch, als Bearbeiter von. Oi.'viibaih-. und Straiiß-Lperetten hat'er sich einen 'Namen gemacht. Der gleichaltrige Georg S z >'> l l iit i» Budapest geboren, an der B.llener -Aladeinie ansgebildet.. trat schon -in iebr 'jungen Jahren -»ul großem Erfolg aus. Er hat nicht viel geillu'iel'eii. doch eine großartige Laii'balm als Kapellmeister hinter sich. Vielen Berlinern - in er von seiner langiahrigen Tätigkeit a» der Staalsöper in bester Eriiliierung. Szöll ist seit viele» Jahre» Opernches in Prag.' Eine eigenarlige Erseheiinllig iliiter'den Komponisten ist der überragende' Pianist Arthur S cl, u a b e 1. Zu Lipiiik im Jahr? geboren, wurde er von Auelte Essiposs »iid Theodor Lesch» litzkh zur Alieifkersckiast lieraiigebildet.' sein Ruhm als 'Aadiichaiseiider breitete sich i» alle» Ländern raiel, an-'. Selir wenige, doeli. prägnante Werke, unter ilineii eilte einslüiidige Solvjonate für Violine, zeugen, iiir den eminenten Klnngsiiin und fiiv die überaus' traiiszedeute Haltung des Tvusetzers. Del,nabe! Ie!>t jetzt in London, sein §ohu ist ebensalls .Komponist. VIrtl)iir 29 i 1 1 n e r ist in Dei'litzSihöna,, i'yördl'i'hm'en) 18-s-l geboren, itudierte in Leipzig >md München, ging 1903 als Lehrer an .das Slerns>l,e.Konservatorium nach Berlin und lebt seit vielen Jahren in Wien. Von seinen zahlreichen Werken seien die Fugen „Von Tag und Nacht" hervorgehobeu. '.'l»ch Julius.; Wll> l i s v h » , der 'Wahlösterreicher, muß hier mit seinen Paraphrasen über jüdische Volkslieder und vielen Klaviersachen Erwähnniig siudeu. - Erwin S ch i> l h 0 f f (zu" Prag 1894 geboren), Schüler der Koii'servatorie» Leipzig lind Köln. ein glänzender Klaviexvirlnose. hat meist rhythmisch bewegte Musil geschriebe». mich neigt er zu tänzerischen Formen ' des '.'liisdrucks. Bo»' Heinrich S ch a l i t -< I88O1. und R!ar E ttinger 0874) ist erst kürzlich ui. diele» Blättern die Rede ge- .wesen. Der '-lllillilandigleit halber seien auch die 'Namen Rudolf R t 1 . Franz M i t t 1er’, Ernst K a i s i tz lind Georg Zoll genau»!. Sehr stark nt das polnisch jüdische Element iiiiter' den Kompoiiiiten Oeslerreiclis vertreten. 'Außer den bereits Genaiuileii find die 2llri»vseil- Kvmpvüisteü- Ignaz F r-i e d m a » leigeiitlich Freudmaiini. geboren 1882 bei Krakau, mit vielen ' Ktavierlomposiiiviien. Nloriz R 0 se 11 t h a l (ge- Sarah Bernhardts Tochter erzählt - Ter Ruhm Sargh Bernhardts, der einst Europa erfüllte, lebt lvieder aus. Max R e i n - Hardt dreht, wie die Zeitungen üerichteu, einen F i l m . .der. das tragische Leben der großen Tragödin widcrspiegeln soll;, aus diesem Anlaß erinnert mau sich hiclfach der merkwürdigen Frau, von der Anatole France einmal sagte: Jeder von ihren' großen Verehrern habe eine Straßc in Paris, die nach ihm benannt ist, sie selbst „nur' ein Theater. Aber auch der Name dieses Theaters Wirkt noch. Man erzählt von einer polnischen Jüdin, die Sarah hieß, sich deS Namens schämte, ihn immer mehr änderte und^ zu entjuden suchte, bis sie in Paris an der Place Chütelet ihn in Goldlettern wiederfand uiid nun meinte, wenn die weltberühmte Schauspielerin sich nicht geniert hatte, Sarah zu heißen, so -könnte sie den Namen gewiß mit Stolz tragen. Tatsächlich hatte Sarah Bernhardt eigentlich Rosalie Bernard geheißen, wenigstens seit ihrem zwölften Lebensjahr. Y Sarah Bernhardts Tochter, die letzt eine Re-- daltcurin t>er „Nouvelles LiU6raires‘‘ ist, findet den Titel des Reinhardt-Films „Das leidvolle Leben der Sarah Bernhardt' unaygebracht. „Meine Mutter', sagt sie. „hatte eher ein triumphales Leben. Sie hatte von Jugend auf groß-, artige Erfolge, verdiente Mi-llionen. und als mau ihr in ihrem 69. Lebensjahr einen Fuß ampu- ... tierte. war das gewiß eine Tragödie, es wäre ein Unglück für jeden Menschen und natürlich erst recht für solch eine Künstlerin, aber das berechtigt noch nicht zur Verallgemeinerung, und ich will mich deswegen an Reinhardt wenden.' Die temperameiitvellle Tochter weiß auch nicht recht. sagt sie. Mie sich (STcile Sorel in Hollywood mit ' dieser Rolle absinden werde. ..Die alte Sarah .Bernhardt kann sie spielen, gewiß, aber die junge?' „Ich will meine Mutter nicht verherrlichen'-, lächelt die Tochter. „In Amerika hat man mirvorgeschlagen.-ihre Memoiren fortznsetzen. die mit dem Jahr 1882 abbrechen. Ich habe das abge» lehnt. Mittlerweile, aber verbreitet man immer mehr Legenden über sie. - Sehen Sie, .dort tni Schrank stehen die Bücher, die mau übe-r - Sarah Bernhardt geschrieben hat. Kaum zwei davon enthalten die Wahrheit. Die andern fabrizieren Legendeik, So ist die Geschichte von meiner Mutters G^dschwicrigkeiten glatt ersundeu. Natürlich lebte sie wie eine Dame von Welt, wie eine große Künstlerin, verdiente Millionen und gab Millionen aus, aber als sie alt würde, liquidierte sie all ihre : Schulden. Wozu erfindet mau falsche Sensatiouen? Ich will nichts von einer Idealisierung wissen, aber auch^nichts von Pvrtieriuformationen.' Meine Piutter war ein so guter Mensch! So . einfach! Und wirklich immer fröhlich. Ein wunderbarer Rlensch, versichere ich Ihnen!' Tann erzählt die Tochter von Sarah Bernhardts Herkunft aus einer alteingcsesseueü Pariser Judenfamilie. die reich ivar, assimiliert war, im Empirestil lebte und die Taufe nahm, als die kleine Sarah, die unter dem-Rainen Rosalie katholisch wurde, zwölf Jahre alt -ivar. Warum nannte sie sich später wieder Sarah? Sie war sechzehn, als sie zum Theater, ging, zivanzig^als sie große Rollen bekam,, und kaum dreißig, als ihr Ruhm den der Rachel übsr- .slügelte. Ruhm in jener Zeit!' Tie Stlidenten spannten ihr die Pferde ans, es regnete täglich Blumen mid Briefe, und die Backfische kamen zu ihr, schnitren sich, io war es damals Atode, in die Finger, damit „die göttliche Sarah' mit dem warmen Blut ihnen ihren Nameii ins Album schriebt neben die Namen der Belle Lters und des Tänzers NishinskiO^Und däinOdie Tvurneen^durch" Europa... .« „Wie" bewundere ich ihre Energie, ihre Unermüdlichkeit! Täglich trat sie zweimal auf' und war beide'Blale srifch und heiter. Ich war. müd', schläfrig, abgerackert.- aber sie zog sich nach der ^letzten Vorstellung um und ging zum Ball. Wenn ich arbeiten, Liebe zur Arbeit gelernt habe, so nur von ihr. 1893 kaufte sie in Belle-Jsle sur mere ein Stück Land und ließ sich da auf die Felsen an . der See fünf Häuser bauen. Meinesünf Erdteile. nannte sie das. Da-ruhte sie im Sommer aus. ' Und da begann ihr Fußleiden. 2iÄ8m7 allein mit . der Familitz doxt. nur der Maler George Clairon war zu Gast, d^r ne als 2lthalie malle.-'Aber dann kam ein neuer Gast, der Arzt. 'Aber mit dem rechten Fuß wurde es immer schlimmer. 1914 spielte sie in Lille. Plötzlich tiüjlt sie. der Fuß versagt den Dienst. Sie ivi'rd säst vhiimäck>- tig vor rasendeiw Schmerz,mit äußerster Energie nur hält sie sich anfreck,t. Die Znscijauer haben keine Ahnung, iveshalb sie so blaß ivird, tatenbleich ist ihr Gesicht, die Züge ichmerzverzerrt/die Stimme analdurchdrnngen. Tie Znsit>a>lermeineu, das ist ihr Spiel, und rasen ihr Beiiall zu, Applausstürme. wie selbst sie sie noch »je ertebt hat. Und kurz darauf wird ihr der Fliß amputiert. Jetzt beginut das, .was Reiuhardt ihr leidvolles Leben nennt. Sie bekommt einen künstlichen'Fuß.. Aber sie bleibt Sarah Bernhardt; Plan trägt sie auf die Bühne, sie spielt,-aber sie, die sonst (um Leben. Bewegung, Temperament überlprudelte, muß sich nint mit „wachsamer Neutralität" begnügen. Das ist ihre Tragödie, sie muß sich zügeln. Am 25. Ntärz 1923-iß sie genorben. Aber sagen Sie selbst, haben Sie je ihresgleichen gesehen?" _L. II. Theater, Musik, Film Das Programm der S a l z b u' r g e r F e st ■ spiele für 1987, die in der Zeit vvm 24. Juli bi? 31. 'Anglist statt!!,iden. sieht drei Ausi-ühriliigen von „Don Giovanni" nnd zwei 'Aufsührniigen von ..Enryanthe" unter Leitung von Bruno Walter Das Theater in der Jvsesstadt in W i e 11 bringt demnächst die österreichische Erstaufsührnng von Hugo v. H 0 f m a n n s t h a l s letztem Lllerk. dem Trama ..Ter Turm". Franz Werfels „Weg der Derheißmig" soll nun endgültig unter deß' Regie Max Reinhardts im Januar an'der New-'/)orker Manhattan Opera zur Uranfführuna kommen: die Musik stammt von Kurt We i l l. Als nächstes Werk plant der^Dichter einen ..Jeremias'-Noman. Telä Lipinskaja ^ab am 27. Dezember im Konzerthaussaal in W i e n einen Chanson- Abend. . . -.Lotte Schöne, ans ihrer Berliner Operntätigkeit 'bekannt, . liiiterniinmt ' zurzeit eine Tournee durch Nordairika: auf einem Liederaliend iiii Opernhaus von 'Algier fang sie n. n. Rtvzart, Schumann. Debiissy. In der Oneeiis-Hall zu London gab Brvnislaw Huber man ein glanzend kritisiertes Konzert. I . J'n I e r » sale »1 fand unter dem Protektorat des österreicl>liche» Generalkonsiils eine G 11 st a v.» M a h'l e r-Feier stallt. Bei dieser Feier, der als Gaste zal>lre,ct,e engl-isiche Beamte sowie Vertreter der Koniulartorps beiwohnten, sprach der Musikkritiker dex ..Pjilcslim; 1’hkI“, Da Costa, über Gustav Maliters 'Werke u»o il,reu Platz iu der iizoderiieu Nlusik. -Mahler-Lß'der ivurdeu von Frau Voroick,ek und M. Salöinvii gesungen. Schuberts Forelleiiguiiitett. unter Leitung des Rosö- .Schülers L ch a r f zu Gehör gebracht, beschloß die Der.W i e ii e r- Rilndsuiiksender^ überträgt am 1. Januar »in .18 ltl,r 55 Miii. eine Aufführung von Verdis Oper ..Don Carlo?", die lertlich Neu gefaßt uiid linier Mitwirkung von. Franz Werfel für die deiitsilie Bühne von Lothar Wa l l e r st e i n bearbeitet ivurde. Die Spielleitimg hat Wallerstein, während der Dirigent des?lbends Brimö W all t e t ist. Alexander K i p n i S ist der Darsteller Philipps XI. ’ ' Alerander K i p » i s ist am 3. Januar. 22 Uhr -30. 'Min-., mit einer Yteihe von Liedern und Arien im W i e 11 e r Ruiidsunk zu hören. - . _ Jssay D v b r 0 w e 1, diriaie.rt am 4. Januar um 2'» Uhr 10 'JJtiii. vor dem Nlilrvphvii des Senders Budapest ein Konzert des dortigen Phitharinonisclien Orchesters. Ter Warf cha ne r Sender bringt am 8. Jainiar um 20 Uhr 15 Min. 'eine Aufführung von O f f e n ba chs ..Hoffmaniis Erzähllingen". Robert N e u m a n 11, Der Biograph Basil Zaharoifs. hat ein Filmmanuskript dieses abenteuerlichen Lebens vollendet. Er verhandelt über die Verfilmung zurzeit in Amerika. Sinclair Lewis' Roman ..Dodsworth' wurde von der Metr 0 - G 0 l d w y n - M ey e r ver-