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Central-Verein-Zeitung · 1936-12-10 · 50 (10.12.1936) · page 16

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
50 (10.12.1936)
Date
1936-12-10
Page
– (sequence 16)
Language
German
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e Sohdergebieten der' alten. Der neueren Kunst, veZ edlen. Gewerbes Wichte und weiß er in dieser Hinsicht geradezu unheimlich Bescheid. Unerschöpflich war . er darin, von .den Schicksalen einzelner Meisterstücke, von der Eigenart bekannter Sammlcr. von lustigen Zwischenfällen ans Auktionen zu - erzählen und dabei, nicht zu vergessen, die ergötzlichsten Anekdoten einzustrcnen. Als Frischte dieser leidenschaftlichen Beschäftigung erschienen 3011 .Donaths Buch „Psychologie des sttunstsamrUctiis", das in mehreren Auflagen, später unter - dein; Haupttitel „Ter Kunstsanmtter" herauskam, und .nach Dein Kriege, 1925, seine „Technik, des Kunst, sämmelns", zwei gehaltvolle Führer, die von bm Fachkreisen immer gern zu Rate gezogen iviirden. . Für^ die Sammlung Victor Hahn bearbeitete er' den in '.zwei prachtvoll ausgeitatteten Länden ver- Dffentlichtcn. Katalog: für das Iiibiläuinswerk des Vereins/ Berliner Kaufleiite lind Industrieller steuerte er einen Beitrag von bleibendein Wert bei: ».Der. Berliner Kaufmann als Kunstfreund". Namentlich aber schuf er durch seine umsichtig redigierte Zeitschrift „Ter Kunstwanderer" und durch sein „Jahrbuch für Kunstsammler" Zentralpunkte für diesen Interessenkreis. Er wusste hierbei die besten Mitarbeiter um sich zu scharen: vor' allem erfreute er sich der Zuneigung und Förderung Wilhelm v. Lobes, der hier eine verwandte ' Seele witterte. Donath konnte in diesem weiten Bereich auch dadurch so viel geben, weil ihm die . maßgebenden Persönlichkeiten der Sammler- und großen.Kunsthändlcrwelt in Europa durch langjährigen Umgang persönlich bekannt wären. Auch der jüdischen Künstlerschaft schenkte er liebevolle Aufmerksamkeit; über Erich Wvlssseld, Hermann Struck und vor allem besser Ury, den er aufs tiefste, sogar allzu bedingungslos verehrte, ließ er Schriften erscheinen. Den „Kunstwanderer" hat Donath auch in den letzten Prager Jahren wieder ' . neu ins Leben gerufen, nun noch ausdrücklicher auf internationaler Basis. Tie Berliner jüdischen Kunstfreunde senden ihm, und nicht zuletzt dem liebenswürdigen Menschen Adolf Donath, zu seinem sechzigsten Geburtstag' die aufrichtigsten . Glückwünsche und Grüße. M. 0. Max Osborn: Spanische Malerei Drei Meister in Spanien machte Max Osborn zum Gegenstand eingehender Schilderung in seinem letzten Bortrage im Berliner Kulturbund: El Greco, Belasgnez und Gönn, alle Drei wurden in ihrem Werk lebendig, ihre Gemälde in den.' Museen der Welt im Lichtbild vorgesührt. Das ' Spanien der bekannten Herrscl>er beschäftigte manclien von ihnen am Hose, so Philipp 11., unter dessen Regierung El Greco die Pünschen seiner Zeit „spanischer als die Spanier" malt. Tie fast wie Visionen, ganz unrealistisch amynteuden Heiligenbilder, die Landschaften, unter ihtzen das ' „Gewitter über Toledo", die eigenartigen Pvrträts dieses ans Griechenland eingewandcrten Künstlers leiten nur schwer zu den lebensfrohen, teilweise höfisch orientierten des Belasgnez über. . Hier alles ohne Probleme, die Wirklichkeit des 1 Lebens, die dieser Meister der Farben auf die Leinwand bannte. Poch einmal traten die lebensnahen Trinkszenen im Lichtbild hervor, man feierte Wiedersehen mit den vielfarbigen Bildern der Hosgesellselbst, de» Darstellungen' der Infam t innen und Der Hofnarren und der spanischen Herrscher selbst, in deren Land die künstlerische Sonne in jenen Zeiten nicht nnterging. Der Bortrag, sehr klug ansgebaut, führte zum Schluß ein in das Werk Goyas, der in der zweiten. Hülste des 18. Jahrhunderts noch einmal seinem Heimatländ einen künstlerischen Austrieb bringt, und» der zum Teil ein Rvkokomaler und ein großer Spötter war. 0. B. Frauenkunst Zur Dezember-Ausstellung des Sekretariats für bildende Kunst Diesmal, stellen Frauen aus in^den Räumen des Frauenbundes in der Dtarburger Straße 5 'U Berlin, unh ich mußte an eine kleine Episode denken, die mip im vergangenen Jahr eine begabte Hamburger Malerin erzählte: Sie berichtete, daß in ihrem Atelier.'ein berufener Kunsthistoriker ge- ' wesen und abschließend , geäußert habe, er hätte beim Anblick der Gemälde und Zeichnungen nie gedacht, daß eine Frau sie geschaffen. . . . Seit den .Tagen, da Paula Becker-Moderlohn die Mepsck-en ihrer Generation mit jenem Malwerk beglückte, das über diese Generation hinaus seine Geltung behält: seit°diese Worpstveder Meisterin die Frage nach dem eigenen Gesicht, das nicht nur ihrer Arbeit anhaftet, sondern ihm eine Sonderstellung einräumt im Frauenschaffen, dokumentierte, hat das Wort Frauenkunst seinen — negativen — Sinn verloren. Wir meinen es vor allem inhaltlich! Inhaltlich malen die Frauen, deren Arbeiten in Der Marburger Straße versammelt sind, nicht nur „fürdas Haus", im Gegenteil, es drängt sie in die Weite. Räumlich und thematisch! Und ihre Palette, ihr zeichnerisches Können, ihre Formensprache, dies alles ordnet sie ein in das gesamte künstlerische Leben des jüdischen Bezirks. ' ._. Diele Namen kennt man' bereits, Lotte Hagel- ' berg beweist an zwei Aquarellen, einer Landschaft an der See und einer ans den Bergen, daß - sie sich zeichnerisch noch vervollkommnet, hat. Clara G u m p c r t 8 Palette ist uns vertraut aus vielen Blumenstücken. Interieurs und Porträts: hier .seiext., man Wiedersehen mit einer schlesisclzen Hcrbstlaudschast, die neben einem „Blick in den Salon des Rathenau-Hauses im Grunewald" hä ngt. U m sie lzerum Maria Friedländer- Lewenz, eine koloristisch Begabte Berlinerin, die in einem Parkbild aus Sachsen den ganzen weiten Rahmen ihrer Palette beweist. Aber sie ist auch eine-tüchtige Porträtistin: das Bildnis des Lberkantors Peissachowitz ist in sich ruhende Form, die das Wesen des Kunstwerks ausmacht. _ , Charlotte Bernste ins Mädchenbildnis ver- " drängt alle Begriffe von: Realismus, der von der Wirklichkeit abrückt, es ist an die Ersck-eimmg dieser harten Persönlichkeit der Dargestellten geknüpft, die sie voll erschöpft. Da ist dann weiter die Malkunst von Nelky N o r d e g g - N a t h a n, die wir in der letzteren Zeit besonders als erfolgreiche. Pressezcichncrin kennen, lernten. Das Mädchenporträt, ganz in Rosa gehalten, die koloristisch wertvolle „Tänzerin", die viel von Degas hat. sind Vorarbeiten 311 ihren cigcntltdjen Ar- Veitsgebieten. bei denen eine starke zeichnerisckie Begabung sichtbar ist. — Aus der Fülle der . malenden Frauen seien Margarethe N ehemias, Käthe Levinstein, Asirgda Lewjn.ski, Minna Lew i, Alice Mi.chaeliS genannt; Ilse A u e r b a ch "mit einem weiblichen Kops und einem Straßenbild ist neben den verschieden zu wertenden Leistungen von Lotte U n g e r neu in diesem Kreis. - Sehr begrüßenswert, daß die Ausstellung auch Plastik bringt.. Erna -N 0 n n e n m a cherst! v sende rg beherrscht nicht nur ihren Werkstoss, sie beweist im „Bildnis Tr. Felix M.", in der Terrakotte „IUa". in der Gruppe „Mutter und Kind", daß zarte Modellierung eines jeden Teilck>ens künstlerisch gewollt und daß es schön ist, was die leicht bewegten Flächen alles an Leben enthalten. Ottilie Wollmann dagegen ist mehr für die Reize des Fragmentarischen: Das Bildnis Hilde Marx kündet darüber hinaus von der unmittelbaren Wahrheit der Improvisation; der Kopf aus getöntem Gips,- wohl eine Arbeit, der letzteren Zeit, erscheint mir mit am besten von den -vier Proben plastischer Kunst von Ottilie Wollmann. . , 0.». VnrträsevonProf essorLandsberger Der Direktor des Berliner Jüdischen Museums konnte auf Grund neuer Forschungen und Funde in einem Dortrage über „Jüdisches Biedermeier" im Berliner Jüdischen Kulturbund, zu dem Ergebnis kommen, daß die Kunst des Biedermeier im Zeitalter der Assimilation einen ersten Abschnitt jüdischer profaner Kunstbetätigung darstellt — im Gegensatz zu den Zeiten, in denen jedwede Kunstübung des. jüdischen Volkes sakral orientiert war. > Demnach begrüßen wir in den schönen Porträts, die an diesem Abend im Kulturbund im Lichtbild vorbeipassicrten, Zeugen einer hochentwickelten Bürgdrkultur, die, wie der Redner darlegte, -in Berlin und in der „Provinz" überall entstanden. Philipp Beits,-de8 Mendelsohn-Enkcls, Bildnis der Freifran v. Bernus (im Frankfurter Staedel) ist ein erster Anfang jener stillen Bürgerglücksatmosphäre, die sich dann weiterhin in den Porträts von Eduard Magnus, vornehmlich im Bildnis der Frau Warschauer geh. Mendelsohn (Sammlung Staatssekretär v. Simson) und in des Künstlers Lelbstdarstellung . sowie in vielen Gruppenbildern widerspiegelt. Und neben Diesem ans Berlin gebürtigen Meister arbeitet in Breslau und dann später in der Reichshaupdstadt Wilhelm Henschel, der begabteste der vier Brüder ans dieser schlesischen Graphikersamilie, der die Herblieit lind die Ursprünglichkeit provinzieller Ärbeitsweise in die Porträts vieler jüdischer Menscheu trügt. Ter Dortrag Professor Landsbergers schloß mit dem ausführlichen Hinweis auf den „Rothschild der Maler'H,Moritz Oppenheim, der das Börne- Porträt des Berliner Gemeindemuseums, die „Verstoßung der Hagar" im Düsseldorfer Museum und jene bekannt lind beliebt gewordenen Bilder.aus dem „Familienleben" hiuterlicß. Die für das Studium jüdischer Feste und Bräuche eine Quelle der Anregungen bedeuten. ' 0. B.. In. H a m bürg hielt Professor Tr. Franz L a u d s berger einen vom Kulturbund und der Roseiizweig-Stistima gemeinsam veranstalteten Dortrag über „Moderne jüdische Kunst". Mit knappen, gut .charakterisierenden Ausführungen zeigte der Redner aus der Leinwand ein anherordentlich reiches Bildermaterial von jüdischen Künstlern der impressionistischen und erpressionistisclicn Richtung und verweilte nur bei dem Werk der aus Hamburg stammenden Anita Röe eingehender, die er als eine der bedeutsamsten Erscheiinmgen unter den. jüdischen Künstlern der erpressicmistischen Schule. liebevoll darstellte. Der Dortrag fand viel Beifall; es ist mw^zu bedauern, daß ein foldjer Dortrag nicht eine größere Zu- Hörerschaft gefunden hat. Ü. 6. Ter Wienxr jüdische Zeichner Arthur Stadler hat in mehreren Sitzungen ein Bildnis des östcrreichischen Bundeskanzlers Kurt v. Schuschnigg gesckMffen. Im Auftrag der Vaterländischen Front wird die verkleinerte Wiedergabe des ausgezeichnet gelungenen Porträts in Form von Ansichtskarten zugunsten der österreichischen Winterhilfe verbreitet werden. . Friedhöfe als steinerne Urkunden In einer Sitzung der Breslauer Orts-« gruppe der Gesellschaft für jüdische Familiensorschung berichtete der Assistent des Breslauer Gemeindearchivs, Rabbiner Bern-, Hard Drilling, über einen kürzlich bei 'Bauarbeiten an. der Oder gefundenen Grabstein aus dem Jahre 1343. Der Stein stammt von dem ältesten jüdischen Friedhof Breslaus an der Feldstraße.' dessen Steine 1345 ' mit Erlaubnis König Johanns von Böhmen weggeführt und zum Hausbau und. anderen Zwecken benutzt wurden. Der . jetzige Fundreiht sich an verschiedene Funde früherer Jahre an: der früheste dabei sestgestellte Grabstein stammt aus dem Jahre 1203. Ex, ist auf dem Friedhof Lohestratze ausgestellt worden,' wo auch der neu gefundene Stein einen Platz finden 'wird. - Anschließend sprach Professor Dr. Alfred Grotte an Hand zahlreicher Lichtbilder über „Friedhöfe als steinerne Urkunden der Familienforschung". Ter Redner zeigte eine Reihe bemerkenswerter Grabsteine von deutschen. Polnischen, böhmischen und holländischen Friedhöfen und deutete sie kunst- und kulturgeschichtlich. U. a. brachte er au einem ausgesprochen romanischen Grabstein in Krotoschin aus dem Jahre 1702 den Beweis für die auch auf künstlerischem Gebiet betont konservative Haltung der Inden. Er wandte sich dann der Barockkunst zu, die er an Beispielen aus den Friedhöfen Dyhernfurth und Breslau- Claaßenstraße erläuterte, wo — ebenso, wie ans dem Friedhof des Remoh in Krakau — Anlehnungen an Prager Grabsteine und Sarkophage zu finden sind. Oft erinnern die barocken Steine an die Künstler Breslauer Barockkirchen, während andererseits ein Sarkophag in Dyhernfurth ausgesprochen Norddeutsck)e barocke Züge — wahrsck-einlich eines evangelischen Bildhauers aufiveist. , In Lissa sind dagegen jüdische Künstler nachweisbar. Eingehende Dlitteilungen über die Deszendenten unterstrichen die familiengeschichtliche Note des Vortrags. Sv war es besonders interessant zu hören, daß zu den Nachkommen des 1034 in Jungblmzlau. beerdigten Jakob Bassevi, Edlen v. Treuenberg (Finanzmann im Dreißigjährigen Krieg und Freund Wallensteinsj. der Verteidiger Andreas Hofers, Advokat Bassevi in Mantua, und Benjamin Disraeli, Lord Beacönsfield gehören. Tie Deranstaltung, die unter Leitung pon Hanns H. P i n - k us (Neustadt O.-S.) stand, fand lebhaften Beifall. . ' Schw. . In Chicago stellt der aus Berlin gebürtige, jetzt in Paris lebende Maler Takal (Pseudonym für Steinfeld) etwa 100 Arbeiten ans. Die amerikanische Ausstellung äst zusammen mit einer Schau von Gemälden Pablo Picassos organisiert worden. . Am 5. Dezember wurde in Hamburg die Ehanukka-Messe des Kulturbundes eröffnet. Für denjenigen, der eine Ausstellung zum Zwecke des Verkaufs in üblicher Weise vernmtet hatte, bot der Besuch der Messe eine Uebcrräschung. Die gezeigten Gegenstände stellen. nämlich eine Leistnngsschan von Rang dar, die bezeugt, daß sorgfältig der Wert jedes Stückes geprüft worden sein muß. Und als zweites fällt die geschickte Anordnung auf: Malerei, Graphik. Plastik, Handwerk. .und Kunstgelvcrbe, jedes steht an rechter Stelle und ordnet sich zu harmonischer Gesamtschan. Die Kultnrblmdleitung hat eine Mappe graphischer Blätter von Hamburger Künstlern zu dieser Messe herausgogeben, für welche sich hoffentlich der Absatz findeuivird, der eine Fortsetzung solcher wertvollen Beröffcntlichungen erlaubt. Ptögen viele zum Sehen kommen und durchs Sehen zum Kausen verführt werden.' H. G. Die nächste Führung durch die Ausstellung „Unsere Ahnen" leitet Sonntag, den 13. Dezember, 11 Uhr, Dr. Irmgard Schüler. „So habe ich auch gesagt, aber höre weiter.* llnö er brachte hart und klar das Letzte vor. Sie. unterbrach ihll nicht, und erst als er ausgesprochen hatte, sagte sie wieder mit der gleichen Festigkeit und nur leiser als zuvor: „Sofort operieren!" „Aber stell' dir vor, tvas der Junge sagen wird, wenn er zu Verstand kommt. Wenn er andere Menschen frei hcrnmgehen sieht und er immer liegen 'muß. Wenn er andere Dien sehen turnen, schwimmen, lanfen, fliegen, tanzen sieht. Wenn er ein hsibsches Mädchen stellt. Er wird sieh doch keine Sekunde seines Lebens . freuen. Er wird /'uns doch nur Vorwürfe machen, iind wenn nicht, — werden tvir ihm denn in die Angen sehen könnend". „Sofort operieren."., „Ans den Knieen bitte ich dich, hab^ doch etzvas Verminst. Wir können das doch nnserm Kind nicht antn.n. Vesier, es stirbt, ats daß es so lebt. Stell' dir doch einmal .vor, du ' -wärst in solcher Lage „Sofort operieren." - .„Tn -mußt michnicht für mi.menscl,lich, halten, daß ich cs fertig bekonnne, zn sagen, unser Kind, mein Innge soll sterben. Ans Erbarmen sag ich's doch. Das Herz blutet mir dabei, und doch nniß ich es sagen, rmd ivenn ich es noch"tansendmal bedenke, muß'ich cs sagen, weil ich mein Kind lieb habe, muß ich cs"sagen, verstell doch endlich —" , „Sofort operieren", sägte die junge, Mlitter^. mit zuckenden Lippen. Sie lag inatl und blaß da. das schwarze Haar fiel ans das tveiße Kopfkissen, ans dem der Kops bleich -und starr wie ein Totenkopfrnhte. Nun zuckten auch ihre Lippen nichbchnem> Und die großen Augen waren wett geöiinet, man-hätte--sie--für—ge— brachen halten können, wenn sie sich nickst plötzlich mit einem Schlnuner von Feuchtigkeit. erfüllt hätten, der doch die Klarheit und Starrheit des Blickes nicht trübte. Sie sagte rinn nichts mehr, und ans beiden Angen kamen Tränen. Das Herzbeklemmende an diesen Tränen kam daher, das; die Angen sich flicht zusammenzogen,; die Lider sich nicht schlossen, die Gesichtszüge sich nicht regten, der Atnnd geschlossen war, die Stimme stumm blieb und die weißen Hände der Frau wie von gestorbenen Armen herabhingen. Herr T. , konnte den Anblick nicht ertragen. Am liebsten wäre er sortgelanfen und bis ans Ende der Welt geflohen. Aber er brachte es nicht einmal fertia. seinen Blick von ihren offenen, klaren. weinenden-Ptiigen abzuwenden, und wie erlöst motte er. immer noch zerrissen von . Qualen, mit dem Kops, als seine Frau endlich wieder still und fest sagte: „Sosort/vperieren." „Es ist/eilig", sagte leise der .KrankenhanSarztl und der Chirurg fügte hinzu: „Wenn wir npcricrciijollcn, muh es sofort geschehen." .Herr . hatte nicht bemerkt, daß die beiden Aerzte eingetreten waren. Verwirrt stand er von seinem Stuhl neben dem Bett ans und wollte irgend ebvas sagen, als er wieder die Stimme seiner Frau stille und fest sagen hörte: „Sofort operieren." Tie beiden Aerzte sahen ihn an.Und mit der Mühe, mit der er eine Zentnerlast be- ' wegen müßte, versuchte Herr T. wieder, nnt - dem Kopf zu nicken. Tie beiden Aerzte tauschten einen Blick des Einverständnisses, verbeugten sich vor der Frau, der-Chirurg öffnete die Tür und ging hinaus, der Krankenhaus- . arzt winkte Herrn, T. mit den Angen: „Bitte,^ kommen Sie jetzt", und mechanisch folgte Herr T. ans den Korridor. „In einer Stunde wissen wir Bescheid", sagte der C1)irnrg draußen, und einen Augenblick später wär^Herr T. allein auf dem Krankenhauskorridor./ Ihm fiel ein, daß er sich weder von den! Aerzten noch von seiner Frau verabschiedet lhatte. Ihm-siel -ein, daß er seiner Frau irgend ein gutes Wort hätte geben müssen. Er würde -in 'ihr Zimmer ^hen. sagte er sich, aber er wagte es nicht. ' Tann wollte er zu den Aerzten gehen, um den ganzen Fall noch einmal in Ruhe und Gründlichkeit dnrchzusprechen, Aber die Aerzte hatten ja jetzt keine Zeit mehr, die Operation begann vielleicht schon in diesem Augenblick. Sr hatte auch vergessen, siel ihm ein, seiner Frau zn sagen, daß der Junge doch erst vier Tage alt wäre und also noch nichts von sich und der Welt wissen konnte und daß sein Tod also doch nicht wie der Tod-eines Mensckien angesehen werden konnte, denn sein Leben war doch noch.kein Menschenleben. Aber mit wem sollte er denn nun reden? Ins Geschäft gehen? Jetzt arbeiten? Unmöglich! Nach Hans gehen? Sich die kindlichen nnaushörlickM Fragen seiner dreijährigen Tochter nach dem Brüderchen und der Mammi anhören ( Unmöglich. Hier ans dem Korridor bleiben oder gar im Wartezimmer illustrierte Mode- oder Witzblätter durchblättern? Wie gehetzt kam er auf die Straße, ging zum P.-Park und rannte einen graubärtigen, greisen "Juden beinahe um. Er zog den Hut, iun sich zu entschuldigen, und blitzartig fiel ihm dabei etwas-ein. „Sind Die ein Rabbi?" fragte er. Teä alte Dtann musterte ihn erstaunt, doch eher mitleidig als feindlich von Kopf bis Fuß und gab keine?lntwort. ' Herr T. nahm das vielleicht als Zustimmung und ging gleich aufs Ganze: ' ...Tann muß ich mit Ihnen sprechen. Jetzt. „Bitte", nickte der Greis, sie setzten sich auf die nächste ivde Bank, und Herr T. erzählte hastig seinen Fall. M „Na. und!" „Es ist besser, wenn er stirbt, sage ich, denn ivepn er lebt, hat er nur —" „Und was sagt die Mutter?" „Sofort operieren, sagt sie." „Recht hat sie!" „Wie kann sie recht haben, wmn doch da? Kind' Zeit seines Lebens —" Ter alte Mann war äusgestanden und stand wie ein Riete über dem noch verblüfft und verwirrt dasitzenden Herrn T. Seine Augen sprühten Blitze und mit wilder, eisig schneidender Schürfe schrie er Herrn T. an: „Hat Gott noch nie ein Wunder getan an kranken Menschen? Morden willst du g'ar?" Und ohne ein Wort mehr zu verlieren, war der Alte gegangen. . ' Hier endet die Geschichte. Vorläufig, Die Lokalnvtiz der Zeitung, der wir die Tatsachen entnommen haben, schließt mit der Bemerkung, daß die Operation geglückt und der Junge am Leben sei. Wie das Schicksal weitergeht, dürfte erst in einigen Jahrzehnten zu berichten sein. * - Erlesenes In Goethes Werken („Vollständige Ausgabe letzter Hand Zwehunddreyßigster Band Tag. und Iahreshefte als Ergänzung meiner sonstigen Bekenntnisse, von 1807—1822". 1821. S. 205) lesen wir: > .Hatte man nun dort die altdeutsche Baukunst auf ihrem höchst geregelten Gipfel erblickt, so ließen andre Darstellungen, wie 3. B, die alten Äaudenkmale im Lestcrreichischen Kaiserthnm, nyr eine beim Hergebrachten ins Willkürliche auslaufende Kunst sehen. An eine gute Zeit dieser Bauart erinnerte jedoch eine uralte jüdische Synagoge in Eger, einst zur christlichen Capelle UPgewandelt,-jetzt verwaist vom Gottesdienst, des alten und neuen Testaments. Die Jahreszahl einer alten Hebräifchen Inschrift hoch am Pfeiler war selbst'einem durchreisenden stuöirtcn Juden nicht zu entziffern. Dieselbe Ziveydeutigkeit. welche, sowohl die Jahresals Volkszahlen den Ebräer höchst nniicher läßt, waltet auch.hier. und hieß uns von fernerer Untersuchung absehen." Bezüglich der von Goethe bemängelten Zweideutigkeit uyd Unsicherheit sei bemerkt, daß ein mit rabbinerischem Schrifttum" vertrauter Jude weiß, daß die Jahreszahlen oft aus Bersen oder Schriftstellen bestehen, von denen «ntweder alle, oder die größer . geschriebenen Buchstaben die Jahreszahl zu bezeichnen pflegen. Tie Inschrift befindet',sich, wie Professor Steinherz in Prag mir mitteilt, aus einem steinernen Opferstock (Zedokobüchse) an einer 1437 in eine Kirche umgewandelten Synagoae. Die Kirche ist l837 zusammenaestürzt. Der Lpferstock wird im noie des Stadthauses in Eger aufbewahrt. Die , Inschrlit lautet in deutscher Uebersetzung: „Heimliche Almosen besänftigen den Z 0 r n G 0 t t e s." Michael Fraenkel (Breslaa).

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