Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 48 (26.11.1936)
- Date
- 1936-11-26
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Urteil jedoch nach Struktur und Zusammensetzung des Kollegiums von politischen Erwägungen bestimmt. Laß dabei "vorwiegend auf die Interessen des beteiligten Staates als' des politisch Stärkeren und weniger auf die der Minderheit Rücksicht genommen wird, leuchtet ein. Tie Folge ist, daß' die Minderheiten durch die Genfer Prozeßmethodcn und die Tauer des Verfahrens das Vertrauen zu der gesamten Rechtsschutzapparatur verloren haben. ' ■■ -vir. , ., Reformen? Seit anderthalb Jahrzehnten hat e3 an Verbesserungsvokschlägeu nicht gefehlt. Kaum, eine Stelle, die am Schicksal der Minder- Herten, interessiert ist und die nicht in'Memorandem und Resolutionen Anregungen unterbreitet hat. Geweih sind — namentlich 1929, im „Jahr der Minderheiten",— diese und jene Mißstände abgestellt worden. Aber im ganzen gesehen ist das Verfahren unzureichend geblieben. , Woran liegt das? Einmal an der gesamten Struktur, der Genfer Einrichtung. Sodann an - der Ablehnung allerdas Minderheitenrecht betreffenden Reformvorschläge durch die minoritätenrechtlich gebundenen .Staaten. Keine Reformen, bevor nicht alle Mächte Minderheitrechtlich verpflichtet sind, „ ..erst generalisieren, dann reformieren" — so lautet die These der Oststaaten. Die Generalisierung' aber sck)eiterte bisher,an der Haltung der Westmächte. So bietet die Entwicklung vorerst den Anblick. der Stagnation. Auslands-Nachrichten Bewegte Woche in Polen Tie Propaganda, die, innerhalb der polnischen Presse auf Grund offizieller Anregungen bisher für die Auswanderung von Juden aus Polen betrieben worden war, hat anscheinend ein plötzliches Ende , genommen. Hier zeigten sich die Rückwirkungen des polnischen Ministerbesuches in London, auf dessen Bedeutung wir bereits hingewiesen hatten, wenn man auch hatte erwarten müssen, daß er in ganz anderer Weise bedeutsam werden würde. Wie. die „Frankfurter Zeitung"'in einem Aufsatz über das neu sich gestaltende politische Verhältnis von England und Polen in ihrer Ausgabe vom!^. November berichtet, hat der polnische, Außenminister Beck aus seinen Londoner Besprechungen die Erfahrung ' mitnehmen müssen daß die Voraussetzungen für die Verstärkung der jüdischen Palästinawanderung nicht gegeben sind. Er hat die Arguments der bri» tischen Regierung, die sie zur Festsetzung der neuen, geringeren Einwanderungsschule geführt haben, kennengelernt; eine Aeuderuug der englischen Einwandernngspolitik in Bezug auf Palästina wird wohl erst nach Abschluß der Arbeiten der Königlichen Kommission-möglich sein. - Auch die Bemühungen'Polens um die, Erschließung anderer Eiliwandernngsländer, die vor allem in Genf entfaltet wurden, haben keine Resultate gezeitigt. Unter dem Eindruck der polnischen Darlegungen haben einige südamerikanische Staaten. nämlich Hondiiras. Guatemala — wie die ^Frankfurter Zeitung berichtet — und Paraguay sich veranlaßt gesehen, die polnisch-jüdische Einivan-. derung zu sperren. So hat cs den Anschein, als ob die großzügigen Projekte der polniscliei» Regierung, die auf eine jüdische Massenauswanderung gerichtet sind, zunächst keinen Erfolg verheißen. Dennoch ist noch einmal in sehr wirkungsvoller Weise auf einer Kundgebung der „Polnischen Mee- , res« und Kolvnialliga" der polnische Standpunkt unterstrichen worden. Ter frühere SejunnarsdM D o m s k i erklärte dort, der Zustand der polnischen Wirtschaft inachc einen Menscheiwrport erforderlich. Tie Judcnfrage müsse vor eincin internationalen Forum erörtert werden. ' Zur Bekämpfung der antijüdischen Exzesse haben sich die polnischen Behörden bisher auf -— teilweise sehr energische^ — Slbmahnungen beschränkt, itunmehr >vird amtlich bekanntgegeben, daß Ministerpräsident General S k l a d k o w s k i Persönlich den Kreis Bialhstok. der am schwersten von Exzessen heimgesncht worden war, inspiziert hat, um sich zu überzeugen, daß ausreichend Vorkehrungen zur Verhütung jndenseindlicher Ausschreitungen getroffen worden sind. In der per-,, gangenen Woche sind größere Ausschreitungen gegen Juden nicht bekannt geworden. Eine Ausnahme bilden allerdings die Wilnaer Studenten. Tiefe hatten, wie bereits gemeldet, von. den Universitätsbehörden gefordert, den jüdisckien Studierenden ..Ghettobänke" ans der linken Seite der Hörsäle anzuweisen. Im Verlauf der studentisck»en Protestdemonstrationen gegen die ablehnende Haltung des Rektors war es zur Schließung der lluiversität und zu. ihrer Besetzung durch nativnaldemokratische Studenten, schließlich zu ,schweren jndcnseindlichen Ansschreitnngei» in den jüdischen Stadtvierteln gekommen. 2000 Rationaldemokratcn nahmen an ihnen teil., die Polizei verhaftete eine Anzahl von Erzedenten. 20 Inden wurden verwundet. Ten nationaldeinokratischen Studenten, wurde von den Uuiversitätsbehörden die Erfüllung ihrer Forderungen, für die sich besonders auch der Wiener Erzbischof eingesetzt hatte, zugesiäiert. Ter Rektor der Wilnaer Universität erklärte, die Rcgiernngsl>e!iördett seien gegen - weitere Beschränkungen der jüdischen Studenten. Tie ganze Angelegenheit müsseg ütli ch gelöst werden. Tie Studenten sollten unter sich eine Verteilung, der Plätze in den Hörsälen vornehmen. und, zwar in ' der Weise, daß ein gewisser Teil der Studenten besonders sitzen solle. Tabei sollten die jüdisckien mit den polnisch-progressiven Studenten-und den anderen den Miuderhckten a»gehörenden Studenten Plätze erhalten. Zu ähnlitik'n Vorgängen ist es an den Hochschulen „in Warschau. Lemberg und anderen^ Städten, gekommen. , Unter der Führung. des jüdisckien Rechtsanwalls R \) g v e l. hatten sich etwa 1000 Inden zu einem Tcinonürationsuiarsch znfammengefunden, der von Polen nach Palästina führen und die Welt aui die loachiende -Judcnnot auf-, merksam »»»ackieu Witte.- Aach den Vorstellungen . der Veranstalters ioltten an,den Grenzen der zu durchziehenden Lander gen'altige Masten wandernder Juden erscheinen und Einlaß fordern. Tie Demonstranten führten weder Geldmittel noch Answeispapiere mit sieh, weil ne hostten, sie wür- - den unterwegs. Hilfe Jindeni Tie Polizei l'eß den Temonstrativnsversnch Jedoch >»»cht zu. sondern' trieb die Demonstranten schon Lei Warsckfau auseinander. .Es heißt, daß sie ihr Unternehmen nicht aufgegeben haben. - Der Oberste Verwaltungsgerichtshof Polens hat in einer Entscheidung festgestellt, daß die Etats der polnischen jüdischen Gemeinden dem Einflüsse .der Verwaltungsbehörden nicht unterstehen und hat damit den Grundsatz der Autonomie der ^Gemeinden bestätigt. Der Entscheidung lag die Klage einer jüdischen Gemeinde gegen eine polnisä)e Kreishauptmannschaft zu Grunde, die von der Gemeinde die Etatisierung eines Beamtenruhegehalts verlangt -hatte, zu deren Zahlung die Gemeinde sich nicht verpflichtet glaubte und nicht imstande war. Das Gericht erklärte, die zuständige Aufsichtsbehörde. könne etwaige Aenderungen von Etotspvsten nur im Rahmen d^s Gesamtetats vornehmen, dürfe diesen aber nicht erhöhen. Der Entscheidung kommt namentlich auch deshalb Bedeutung zu, weil geplant war, in die Gemeindeetats des nächsten Jahres Auswanderungs» Zuschüsse einzustellen; bisher waren derartige Etatpostcn von den Aufsichtsbehörden häufig gestrichen worden. 1 Das neue Schächtgesetz, -das am 1. Januar 19.17 in Kraft tritt, wirft seine Schatten voraus. Der polnische Handelsminister Roman besprach dieser Tage mit polnisch-jüdischen Politikern Einzelheiten der Durchführungsverordnungen. Vor allem ist das im Schächtgesetz vorgesehene Kontingent für koscher geschlachtetes Vieh noch nicht festgesetzt. Das Handelsministerium will die Festsetzung auf Grund ' des Prozentsatzes der jüdischen Bevölkerung vornehmen, während das Landwirtschastsministerium im Gegensatz hierzu eine ° relative Herabsetzung des Kontingents anstrebt, weil durch den damit sich erhöhenden Geflügelkvnsum eine Förderung der polnischen Landwirtschaft zu erwarten ist. K. J. R. Bereits in seiner Sitzung vom 17. Oktober 1936 (vgl. C.-P.-Zeitung Nr. 43) erklärte der Board of Deputies of British Jews in seiner Stellungnahme zu den Vorgängen im Londoner East-End, daß seine Abwehrrnaßnahmen sich nicht gegen den Faschismus als solchen, sondern le» diglich gegen den Antisemitismus richte t e n. Im, Zusammenhang mit dieser Stellungnahmehaben innerhalb der Leitung Auseinandersetznngen stattgefnnden, die zu einer Umbildung der vom Board ok Beputies eingesetzten Kommission geführt staben. Ten Vorsitz übernahm Präsident Neville Laski selbst. IHM wurden die früheren Abgeordneten Parnett Jauner und P. Horovitz als Vizepräsidenten zur Seite gestellt. Vertreter anderer englisch-jüdischer Gesellschäften und der Frontkämpfer, sowie eine Anzahl von Fachleuten sollen hinzugezogen werden. Präsident Laski gab ans diesem Anlaß laut ITA. unter anderem eine Erklärung ab, in der er sagte, er verurteile aufs schärfste die unberufene Bildung von Komitees, die ohne Auftrag störend in^eine Arbeit einstriüeu, die von einer der Gesamtheit vcrantwörtlichen Körperschist getragen werden müsse. Solche'in letzter Zeit gegründete Organisationen, die sich durch ihren Namen einen repräsentativen Charakter anmaßen. brächten Verwirrung in die Oefsentlichkeit. Verantwortungsbewußte Personen müßten sich' ihnen daher sernhalten. Tie öffentlichen Knnögebnngen christlicher Kirchen und Organisativhen. in „denen die „Sympathiefür die Juden und die Ablehnung des Judenhasses zum Ausdruck komme, seien von der jüdisckien Gemeinschaft mit tiefer seelischer Genugtuung ausgenommen worden. ,— In der Aussprache wurde die Tätigkeit selbsternannter indischer Körpersclfaften in der Abwehrarbeit cininütig verurteilt./ In diesem Zusammenhang ivurde auch dargelegt, warum der Board die Zusaminenarl'eit mit dem sc»ge»»a»»r»te»» „Pevples Council ablehne. Dieser habe sich den Kampf gegen 'Faschismus und Antiscnlitismus zum Ziel gesetzt. Die jüdische Gemeinsck>ift, die jedoch als solche keine politische Körperschaft ist, lasse sich aber in einen Kamps, gegen den Faschismus, nicht hineinziehen. Unter faschistischem Regime lebten in JtaBcm ^0 000 Inden in Sicherheit und srcnndsd)aftliWm -Verhältnis zu ihren Mitbürgern. Die Bindungen des „People, Council" an linksstehende Kreise machten es dem Board ok OepuUos als jüdischer Gesamtvertretung gleichfalls unmöglich, mit"ihm znsämme'nznarbriten. Tie Abwehr des- Judenhasses müsse schließlich imter dem 'Aspekt der Gesarntjudenhe-it Englands und nickst bloß unter dem des East, End ' betrachtet »Vörden."— —~~~ England ' Ter Erzbischof von Vo'rk. -der Bischof von Croyden, der Dekan von E a n t e r b n r st und der/ Dekan der S t. - P a u k s - K a t h e d r a l e, sowie Sir Norman An gell unterzeichnc'ien eine von der, Kesell,sck)ast für Freundschaft zwisckjen , Christen und Juden erlassene Kundgebung, in der erklärt wird: Die/Haßpropaganda gegen die Inden sei ein. -Erzübel, unvereinbar mit den Lehren der Religion und das religiöse Leben der Nation gefährdend. v „Das Unterhaus nahm am 16. November - die zweite Lesung der, Kudtie Orckär Bill, des neuen Gesetzes .zum Schutze.der öffentlichen Ordnung öor;.. Innenminister Sir John Simon, der die Vorlage unterbreitete, erklärte." er fordere das Haus nicht auf, Gesetze gegen irgend jenmndes Ueberzeugung zu sdfasten, wohl aber, für die Erhaltung der politischen Toleranz zu sorgen. Der neue Generalkonsul des Iran in Schanghai, A. R. M i r f e n d e r e s k i., äußerte sich in . einem Gespräch mit dem dvrtigeii ÜTA-Vörtreter über die Lage der Juden in Persien.. Den jüngsten arabischen Uitr»ihen und Gewalttaten im Hetligen Land habe sich der Iran ferngehalten und in diesem Kampf nicht .Partei ergriffen. Die »voh'lwollende Neutralität des Iran werde nicht verfehlen, Eindruck ans die Inden zu machen. Die im Iran lebenden 50.000 Juden erfreuen sich gleicher Bürgerrechte ' und völliger Freiheit. .Im iranischen Parlament sei auch ein jüdischer Abgeordneter. Dr. Longhäm, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreut. Eine ganze . Reihe Jrrden bekleideten auch Regierungsstellen in den Diensten der Ministerien für Verkehr-. Landwirtschaft, Handel und Finanzen. . - Generalkonsul Mirkendereski teilte ans eine -weitere Frage mit, daß es eine jüdische Einwanderung nach Iran gebe. In den letzten Jahren, sagte er. habe der Iran seine Tore jüdischen Flückstlingen - und Auswanderern aus Afghanistan, Rußland und Deutschland geöffnet. Ailswan-derer ans Deutschland haben Arbeit beim Erziehungsministerium. einige auch ist Krankenhäusern gefunden. . Für südische Einwanderer be- . stehen im Iran keine Beschränkungen, falls sie . einen-Berus imd . eigenes Vermögen haben. Oesterreich In der Wiener Häuptihnagoge fand anläßlich des 24. Geburtstages des Thrölwrben Otto von H a b s b u r g ein von dem Reichsvcrband jüdischer Legitimlsten Oesterreichs verailstalteter Festgottesdienst statt. Als Vertreter des Kaiserhauses charen Erzherzog Anton und Erzherzogin Jlea na , die Sckstvester des Königs von Rumänien, , erschienen. Sie wurden mit ihrem Gefolge von dem Bundesführer des Verbandes der legitimistisckien jüdischen Frontkämpfer. Generalmajor Sommer, und von dem Präsidenten der Kultusgemeinde. Staatsrat Dr. F r i e d m a n n , begrüßt und in die Ehrenlogen geleitet. Dem Gottesdienst in der überfüllten Chnagoge wohnten ferner Feldmarschall-Leutnant Weiß v. T i h a n y sowie Generale und hohe Offiziere der alten Armee bei. Vertreter der alten Armee, denen sich . später kaiserliche Leibgardisten zngesellten, hielten Ehrenwache zu beiden Seiten des Toraschrsins. Die Festrede hielt ’ Rabbiner Dr. Rose n m a n n. Er erklärte, daß.Oesterreich von der Rückkehr Ottos auf den Thron die endgültige Sicherung seiner Freiheit erhoffe. Nach dem vor geöffneter Toralade gesprochenen Gebet für das Käiserhans »vurde von dem Synagogenchor die alte Kaiserhymne gesungen. Polen \ Anläßlich des 60. Geburtstages des bekannten jüdischen Soziologen und Statistikers Jacob - L e st s ck» in s k y fand in Warschau ein von» der Zentralverwaltung des. Jiddischen. Wissenschaftlichen Instituts und der Gesellsckiast der- Freunde des ,1W0 veranstaltetes- Festbankett statt. Zahlreiche Redner »vürdigten die Leistüngen des Jubilars in. seiner Arbeit als Sekretär der wirtschaftlich-statistischen Sektion des «IVVO. Das Jiddische Wissenschaftliche Institut widmet Lestschinsky einen Sondcrband der .IWO-Blätter. der ' eine Biographie der wissenschaftlichen Arbeiten des. Jubilars enthalten wird. Portugal ' Tie portugiesische -Regierung hat dem Professor an der Pariser juridischen Fakultät und Vizepräsidenten der Alliance Israolite Universelle, William Oualid, den Orden 8ao Tiago da Espada, die höchste . wissenschaftliche Auszeichnung Portugals, verliehen. Die -Lissaboner Technische lluiversität hat ferner beschlossen, Professor Lnalid-ehrenhalber einen akademischen Grad zu verleihen. Die Insignien werden dem jüdischen Gelehrten Anfang' 1937 überreicht werden. Professor Onalid' wird ■ bei dieier Gelegenheit an der Lissaboner wirtschaits- .ivisscriichaftlichen Fakultät Borträge über „Politische Lckonvmie in Frankreich" sowie im jüdischen / Jugendverbänd einen Vortrag über, die Alliance Israelite halten § Rumänien In der anläßlich.' der Eröffnung des rnmänischeu Parlaments gehaltenen Thronrede richtete König Earvl II. an die Bürger Rumäniens den eindringlichen Appell, Einigkeit und Zusammenarbeit zu wahren. Tie Anspielung de? Königs ans. Feindseligkeiten im Innern »vird als deutlicher Hinweis auf die Unzufriedenheit des Herrschers mit der Betätigung der ertremistisdicn.Parteien ans. gefaßt, die in letzter Zeit in Rumänien soviel Un- . heil gestiftet haben. - •Ungarn Ter ungarische Genealoge Bola v. Ksm. p c l e n . ein Urenkel des Erfinders des Schachantomaten Wolsgang v. Kempelen. Verfasser zahlreicher heraldischer und genealogischer Werke, arbeitet zurzeit an einem großzügigen Werke, in dem sänltliche jüdischen Familien, sowie adlige- 'Familien jüdischer Herkunft Ungarns Platz-fin»- . den sollen. . Die seit mehreren Tagen andauernden anti. ---semitischen Unruhen-an-d«n B u d.g.p e st e.r Hoch-.- schulen, die sich teilweise auch auf der Straße fort« setzten, hat der jüdische demokratische Reichstags- - abgeordnete Tr. Bela Fabian in einer Anfrage an den Kultus- und Unterrichtsminister^- zur Sprache -gebracht. Er stellte fest, daß^hochschul-. fremde Elemente sich in die Reihen der Studenten-; schaft eingeschlichen und Ausschreitungen begangen hätten. Etwa vierzig Demonstranten unter Füh- - rnng des Miitelschullehrers K e m e r i - N a q y wollten beim Ministerpräsidenten die sogenannten. . „Vierzehn Punkte".. die/ Forderungen der -stellen«. ' losen akademischen Jugend »md der oppositionellen . ■ Hochschüler,' überreichen. Empfangen wurde nur Kemeri-Nagy von dem,.Staatssekretär Tahst, der ihm. mittcilte, / daß er nur mit - den,- geschlichen Vertretern der anerkannten studentischen-.Organisationen verhandeln werde.' Der Anführer der Demonstranten mußte unverrichteter. Dinge ab- . ziehen Und wurde wegen mehrerer Uebertrerungen vom Polizeirichter zu 300 Pengö Geldstrafe der« urteilt. Während einer. Nachtsitzung des Pariaments entsandten Hochschüler.' die der Pfeilkreuzbewegung angehören, eine Abordnung zum Ministerpräsidenten, die jedoch nicht empfangen »vurde. Die Demonstranten verstreuten sodann auf den Straßen Propagandaschriften, gegen Banken und Großgrundbesitz, für Numerus clausus im Wirtschaftsleben und Trennung der christlichen von der jüdischen Kultur. Unterrichtsmiuister, H o m a n. hat an die Studentenschaft folgende Warnung gerichtet: „Tie ungarisclien Behörden , werden gegen jede Ruhestörnng in der strengsten Weise Vorgehen. Es ist meine Ueberzen'gnng, daß die ernste. lernbeflissene Jugend sich auch jetzt, - dieser Beivegung vollständig fernhält. Ich hoffe. , daß diese Bewegung, die ohne jeden Grund eingesetzt hat. wie ,in den, früheren Jahren ein Ende Jmdet." . \ . Öesterreichische Zionisten über Patriotismus und Staatsbürgerrecht Nach Abschluß der Wahlen zum Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde fanden sich die zionistischen Gruppen, die den Wahlkampf einheitlich geführt hatten, zu einer gemeinsamen) Kundgebung zusammen. Bei dieser Gelegenheit »»»achte der bisherige und zukünftige Präsident der Wiener Gemeinde, Staatsrats Dr. Desider F r i e d m a n n, Ausführ»»ngen über die Stellung der Zionisten zun»'österreichischen Staat. Er erklärte, die österreichischen Zionisten ließen sich, in ihrem österreichischen Patriotismus nicht verdächtigen; die 36 österreichischen Juden, die in. den Vorstand der Kultnsgemeinde ge»vählt »vorden seien (unter ihnen befinden sich, wie gemeldet. 23 Zionisten. D. Schristl.), seien sich in ihrem Patriotismus völlig gleich. Oesterreich sei ein ' Staatsbegrifs. Oesterreichertnm bedeutet Staats- Volk. Tie österreichischen Zionisten seien österreichische Bürger und zählten sich daher zum österreichische»» Volk. Neben dem Staatsbegvsf gebe es, in Österreich eine national-religiöse'Gemeinschaft, die „chriMich-dentsche". Die Juden seien nicht chr.istlich«dentsch, sie seien Juden. Ihre Gleichberechtigung habe den Si»»n, daß die Inden . Oesterreichs innerhalb des christlich-deutschen ~ Staates das gleiche Recht als Bürger wie alle anderen in Anspruch nehmen dürften. Professor Max Mosse Am 16. November erlag Professor Dr. meck. Max Mosse, der, hervorragende Internist, einem Leiden, das seit langem an seiner Lebenskraft zehrte. Er war am 21. Mai 1873 als Sohn des Kaufmanns Theodor Mosse in Berlin geboren und »virkte nach dem Abschluß seines Studiums in seiner Vaterstadt als Assistent bei Ernst v. Leyden und sodann etwa ein Jahrzehnt bei Hermann Senator, bis er eine eigene Poliklinik in der Karlstraße begründete. , Diesem Institut hat er bis vor »ocnigen Jahren vorgestanden und hier auch Fortbildungskurse für Aerzte gehalten. Während des Krieges war er Leiter des Krankenhauses der Stadt Berlin in Buch. Zugleich hat er-eine reiche wissenschaftliche Tätigkeit entfaltet.. Mit Ehrlich, Kra»rse, Nosin und Weigert schrieb er die zweibändige „Enzvklopädie der histologischen Farbentechnik"-, mit Tugendreich^ „Krankheit und soziale Lage", für d»»s Handbuch der inneren Medizin den Beitrag über Blutkrankheiter», s-in besonderes Forschungsgebiet. Vorzugsweise hat er seine ärztliche Fürsorge den minderbemittelten Kreisen zugewendet. Seiner glücklichen Ehe mit. Regina Laband, einer Nichtedes berühmten Staatsrechtslehrers -Paul Laband, entstammen drei Töchter; einer seiner Schwiegersöhne Ist der bekannte - Romanist Professor Leonardo Olschki. Es entsprach dem Wesen des schlichten, jedem falschen Schein abholden Mannes, daß->- die Beisetzung m Weißensee in der Stille erfolgte, vr. Guido L. „Weg in die Wirklichkeit" hieß der Propaganda-Tonsilm, den die Leitung des Keren Tora »va^Arvoda 'für Deutschland in Gemeipschast mit der Unabh än grgen Mi tzrach i Landesörganisation und dem Brit Chainzim Datiim im Bach-Saal zur Berliner Erstaufführung brachte. , Der Film gibt, unter Betonung dessen,' was von der religiöschaluzisckien Jugend im Lande geleistet wird, ein eindrucksvolles Bild vom Ausbau Palästinas: Kibbuzim u»»d städtische Siedlungen werden gezeigt. jüdische Menschen ^bei der Arbeit und während der Freizeit. Vielleicht lassen sich manche technischen Mängel . bei späteren Vorführungen vermeiden, — In einem Vorfilm wurde d,e Hachschära-Tätigkeit des Brit Chaluzim Datiim in Deutschland gezeigt. Rabbiner Dr. Jakob Hoffman»». Frankfurt a. M,. hielt die einleitende Ansprache, in der er eindringlich Aufgaben und Ziele des Keren Tora »va'A»voda entwickelte. H. B-n, Der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden, Berlin-Charlottenburg- 2, Kantstraße 158, gibt bekannt, daß er durch die Häufung der Geschäfte gezwungen ist. eine allgemeine Sprechstunde und zwar sowohl für auswärtige als auch für Berliner Besucher einzurichtcn. Diese findet täglich, Montag his Freitag, in der Zeit von lljtf bis 13 Uhr statt.