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Central-Verein-Zeitung · 1936-11-26 · 48 (26.11.1936) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
48 (26.11.1936)
Date
1936-11-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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^r.48 » 3. Beiblatt 26. November 1936 Die auf den Schüler und Schülerinnen höheren Schulen Deutschlands Von Dr. H e r man n W e i 1, Frankfurt a. Main: Vor ^kurzem erschien, der „Wegweiser durch das' chöhere Schulwesen des Deutschen -Reiches/ fürdas . Schuljahrs 935-(bearbeitet im' Aufträge des Neichs- und preußischen Acinisters für Wissenschaft, Er-^ Ziehung und Volksbildung von. der Neichsstelle für Schulwesen, Weidmannschc Buchhandlung, Berlin). In diesem Nachschlagewerk hat die Reichsstclle eine Art Bestandsaufnahme - des gesamten höheren Schulwesens im Deutschen Reich geliefert; auf rund 250 Seiten ist erstmalig das höhere Schulwesen des gesamten Reiches statistisch erfaßt morden, so daß ein anschaulicher Ueberblick über Schulen, Leh. rer und Schüler möglich ist. Es ist interessant, das Werk einmal vom jüdischeu Blickpunkt ans durchzuarbeiten'. Auch die in jeder höheren Schule durchgeführte Zählung frer. nichtarischen Schüler, der nichtarischen Schüler mit arischem Einschlag (Halbarier) und der nichtarischen I Teppiche / Möbelstoffe / Gardinen I BLUMENFELP, Nürnberg. Adlerstrasse 36 -| Frontkämpferkinder verdient vE^Standpunkt des jüdischen Statistikers höchste Beachtung. Tie im „Wegweiser" gegebne Einteilung entspichht jedoch nicht mehr der neuesten Gesetzgebung..')^ Aus diesein Grunde^vird von einer Einzelnntersuchung dieser Taten für das vergangene Schuljahr abgesehen. - ' - Tie folgenden Darlegungen beschäftigen sich mit der Statistik der Glaubensjuden aus allen höheren Schulen Deutschlands. Es werden in den Tabellen also solche Schüler und Schülerinnen auf den höheren Schulen des Reiches erfaßt, die als Religionsbekenntnis „jüdisch" angegeben haben. ' . ■ - I? Betrachten wir in Tabelle 1 die Zahl der'jüdischen Schüler und Schülerinnen auf den berechtigten höheren Lehranstalten des Deutschen Reiches, auf den öffentlichen wie auf den privaten. Die nicht b e r k chti g t e n höheren Lchrx, anstalten sind Anstalten, die zwar nach, dem Lehrplan der höheren Schulen arbeiten, aber nicht berechtigt sind, Reifezeugnisse und Zeugnisse der Reife für Obersekunda zu erteilen; sie sind in dem genannten Handbuch nur soweit erfaßt, als sie in den außerpreußischen Ländern liegen. Sie sind, im Gegensatz zu den berechtigten öffentlichen und Privaten Anstalten, die man als höhere Schulen im engeren Sinne bezeichnet, höhere Schulen im weiteren Sinne und werden in Süddeutschland und einigen anderen Ländern gleichfalls zum höheren Schulwesen gerechnet. An Preußen zählt man sie zu den mittleren Schulen (Rektoratsschulen, höhere Knaben- und Mädchen¬ *) Laut Mitteilung der Reichsstclle für Schulwesen auf eine Anfrage meinerseits witz» das Schema in der Ausgabe des „Wegweisers" für das Schuljahr 1838 in dieser Hinsicht geändert werden. schulen, Borb'ereitungsanstaltcn, / Missionsschulen Jüdische Scliiiler(-iiiiien). auf den berechtigten ö f f e n t 1 ich en und privaten höheren Schulen einschl. der jüdischen Schiiler(-innen) auf j ü d i - schen berechtigten öffentlichen und privaten höheren Schulen - Tabelle 1 Gesamtzahl darunter jüdische Knaben Mädchen Knaben Mädchen Preußen >. . . 245 305 152 123 4 10« 3814' Bayern . . . . 51101 26 056 716 655 Sachsen ... 20 415 12 33t 414 333 Württemberg . 22 525. 0 703 168 177 Baden . . . . 17 603. 8'l60 388 312 Thüringen . . 11 087 6 156 46 43 Hessen . ... 10 464 5 027 148 100 Hamburg . . ,. 10 802 7 704 443 410 Saarland ... 6 075 3 204 37 34 Mecklenburg,. . 6 036 3 303 17 20 Lldenburg- . . 3 651 2 062 10 12 Braunschweig . 4 118 1 014 26 17 Anhalt . ... 2 331 1 360 7 5 Bremen ... 4 613 3 177 23 25 Lippe - . . . i „82 682 0 2 Lübeck .... 1 208 85.1 \ 8 5 Schaumburg- Lippe; . . . 365 200 , - '7 Teutsches Reich . 428 861 245 114 6 676 6 031 Knaben n. Mädchen / zusammen 673 075 darunter 12 707 Juden Es sind somit 1,9 v. H. jüdische Schüler(-innen) unter allen Schülern(-innen) auf berechtigten^ höheren Schulen des Deutschen Reiches, die jüdischeu Schulen eingeschlossen. ' ' II. " ■ ' % lim die Zahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen auf den nichtjüdischen berecht i g t e »öffentlichen und privaten höheren Schulen Tentschlands-festzusteUen, muß die Gesamtzahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen auf den entsprechenden jüdischen Schulen von 6er Gesamtzahl, wie sie Tabelle 1 ausweist, abgezogen werden. Zu diesem Zwecke sind in Tabelle 2 die jüdischen b e r e ch t i g t e n öffentlichen und Privaten Schulen im Reich gesondert dargestellt. Tabelle 2 Jüdische Sehüler(-innen) auf den jüdischen berechtigten öffentlichen ' und privaten höheren ' Schulen A) A u f öffentlichen (nur in Preußen), sämtlich in Frankfurt a, M. 1. Philanthropin (Reformrealgymnasium) 303 2. Philanthcvpin (Lyzenmi . ... .311' 3. Samson Raphael Hirsch-Schule (Real- - schule) . . . . . . ... . . . 177 »4. Samson Raphael Hirsch-Schule (Lyzeum)'. ... ... . . . . . . 188 Zusammen: 1060 Schüler B) A u s p r i v a t e n I. Preußen: 1. Berlin: Adaß Jisrocl-Resormrealgyninasium und Obcrlyzcuin (Angabe iehlt im „Wegweiser"!?) . .. . . . . 2. Breslau: Indisches. .Rcsvrmrealgymnasium . . .. . . .. . ...... 360 3 Köln:- Iciivne .iResormrealgymuaiiuin. . mit Lyzeum) . . . . . . . . . . . 33.3 3a. Halberstadt:') . - II. Bayern: 4. Fürth: Israelitische Realschule . . . 202 III. Sachsen: 5. Leipsig: Höhere Israelitische Schule; 400 IV. Hamburg: 6. Talmnd-Tora-Tbcrrealschnle . . . .289 7. Mädchenschule der Deutsch- Israelitischen Gemeinde ... . . . . . .240 Zusammen: 1833 + 1069 (A) Insgesamt: 2002 Schüler ■ ■ III. Zur Errechnung der Zahl der jüdischen Schüler (-inüen). in berechtigten öffentlichen und privaten nichtjüdischen höheren Lehranstalten des Deutschen Reiches dient die Tabelle 3. . Ta bell e 3 Jüdische Schüler (-innen) an nichtjüdischen berechtigten öffentlichen und privaten höheren Schulen 1. aus a l l e n berechtigten öffentlichen und privaten höheren. Schulen' ^cinsihl. der jüdi- ' schen gemäß Tabelle 1 . < . . .... 12 707 2. auf berechtigten öffentlichen »nd privaten jü-di scheu höheren Schulen gemäß Tabelle 2 . . . 2 002 3. auf n i ch4 j ü d i s ch e n berechtigten vssentlichen und privaten höheren Schulen also 0 805 ■ ■ IV. - Zum Endergebnis der Tabelle 3 müssen mm» mehr noch die jüdischen Schüler und Schülerinnen v hinzügezählt werde», . die auf n i ch tbere ch'-' tigten nichtjüdischen höheren Schulen des Deutschen Reiches sind. Der „Wegweiser" enthält die statistischen Angaben -hierüber in einem Anhang „Richtberechtigte. Anstalten"', jedoch nur für . außerpreußische Länder, da man in Preußen solche Anstalten zu den höheren Schulen im eigentlichen Sinne nicht zählt. Tabelle 4 Jüdische Schiiler(-innen) auf nichtberechtigten höheren Schulen (einschl. der jüdischen \ Schüler.und Schülerinnen des Landschulheims Herrlingen) KesTimtdavon zahl Juden 1. Bayern . . . . . . 2661 14 2. Sachsen ...... . 218 2 3. Württemberg .... 3710 112 4. Baden ..... 4035 41 „ 5. Thüringen . ... , 307 I 6. Hessen ...... 573 1« 7. Hamburg . . . 1101 18 8. Saarland ..... 31 — 0. Alecklenbnrg . . . . 240 — •10. Braunschweig . . .. 750 6 11. Bremen . . .. . . . 303 — 12. .Lippe . , . . 113 — 13. vübeck ... . . . 126 — 14. Schaumburg-Lippe . . 44 — zusammen 14 392 215 B17 IS Grosse Ouswahl ■i.dfei wm eleg. Modelle,, billige Preise J. Wafsalar nur KUrIUI• ndamm M 7 Somit sind 1,5 v, H. jüdische . Schüler und Schülerinnen, ans, nrchtberechtigtcn höheren, Schulen. des Deutschen Reiclics. Auch von der Gesamtzahl aus- -Tabelle .1 . innifen wir die lndischen Schnlel-s-inuen) auf.' nichtberechtigten' höheren /'jüdische.» . . Schulen ' in - Abzug lkringe». Das Landschulhenn H e r r l r n g e n in Wtürtiemberg (Sberrcalschnle i. E.). d.iereinzige nichtberechtlgt-c höhere jüdische Schule, besnchten im .vergangenen Schuljahr 70 Schüler. Rach Abzug dieser Zahl von der Gesamtzahl 215 verbleiben 136. jüdische Schüler ans nichtjüdischcn nichtbercchtigten hölieren Schnleii« - . Runmrhr kann die G e s a m t z a h l aller jüdischen Schüler und .Schülerinnen ans den nichtjüdischen höheren Schulen, des Deutschen Reiches . berechnet werden. Tabelle 5 (le.samtzah! «Tor jüdischen Schüler (-innen) auf den nicht,jüdischen höheren Schulen des Deutschen Reiches 1. ans den b e r.e ch t i g t e n "gemäß Tabelle 3 9 805. 2. iW n i ch l b c rcchli g t r n gemäß Tabelle 4 . . . . . . . . . . . . . 136 3. Gesamtzahl also . . . . . . . . . 9,941 ' V. . ' Zusammenfassung: I. Juden ans höheren Schulen einschl: der jüdischen höheren Schulen 1935: a) nur bercri,tigten össentlicljeii und privaten . 12 7l>7 (v. zns. 673 975) h) auf. »ichtberechti^teu . 215 (v. zns. 14 392) >-) zusammen . . . . . 12 922 <v. zus."688Z67) t 1,9 b.*.) 2. Juden auf jüdischen t,öhereu Schiilen 1935: .->) aiif herechtigteu' öffeutlicheu und privaten . ... . ... ... 2 902 bj ans nichtberechligte» . . . . ..... 79 >-) zusammen . . . .... . . 2981 . Hier muß berndsichligt werden. baß die Schüler (-inneni des Reiormrealgymiiasinm-l und des Lyzeiims der Adaß Zisroet Berlin, da nicht im . „Ällegweiser" ersaßt, nicht eingerechnet sind. 3. Gesamtzahl a l l e r Schüler auf nicht- ' jüdischen höheren Schiilen -. . - . . 685 386 4. Gesamtzahl der j n d i s ch e n Schüler ans iiichtji'idischen hölstren Schulen ' gemäß' Tabelle 5 ... . . . . 9941 - Somit waren im letzten Schuljahr unter 685 386 Schülern und Schülerinnen ay nichtjüdischen höheren Scl,»le,i i n s g e s a m t. 9 9 4 1 u Den; der^-Hnndertsatz beträgt also 1,45, die Ji Tas Reivriiirealgl»n»asi»,n und Lbcrlhzelim der Israelitischen Synagogengeiiiclnde Adaß Iisrorl in Berlin, für das Schiiljähr 1935'von der Reichsslelle für Sct)»lweseii nui)t i» deii „Wegmeiscr" aufgenommen, wurde iiiach einer privateii Ermittlung) von 265 Schüler,, und 1X8'^chjileriiinen besucht. d ') Tie jübische Sihule i„ H ä l b e r st a d t 'ist keine höhere Lehranstalt im engeren Sinne und deshalb nicht in ben ..Wegweiser" a.usgenvnimcn worben. Tie Anstalt, bis jeht zuri Lbertertia aiisgebaut, hatte^i», vergangenen Schuljahr eine Gesamtzahl von 70 Schülern und Schülerinnen (40 Knaben Und 30 Mäbcheii). „Gut gebrüllt, Löwe!” Vom „Sommemachtstraum“ und der Arbeit des Schauspielers Ein Vormittag im Theater. Die Probe beginnt. Erste Stückpröbe zum „Sommernachts- Stnckprobe, das ist eine Probe, zu der die Schauspieler zum erstenmal mit gelernten Rollen erscheinen. Ihr vorangegangen ist die Arrangierprobe,. deren wichtigste 'Requisiten Textbuch und Bleistift sind. Hier gibt der Regisseur die „Striche" an: denn „Striche", Umstellungen und textliche Acnderungen sind die erste große Arbeit des Regisseurs an dem Stück, dessen Aufführung er übernommen hak. Ter Erste, der danach zur Mitarbeit herangezogen wird, ist der Bühnenbildner. der, meist nach Vorlage eines SzeiMgrundrisses, eine malerische Skizze von Bühnenbildern und Figurinen liefert. Tann folgt — ohne Schauspieler — die erste Probe vor dem technischen Leiter und dem Regissenr, in der der Aufbau mit alten,: markierten Dekorationen er- , folgt, und wo es sich darum handelt, ob man einen Hügel nach rechts setzt oder nach links, ob man einen Saal mit drei Fenstern ansstattet oder mit vier. Inzwischen studieren, vorläufig noch nach nngestrichenem Textbuch, die Schauspieler ihre Rollen. Bei der Arrangierprobe, wo sie dann zum erstenmal gemeinsam auf der Bühne stehen und der ' Regisseur ihnen zum erstenmal seine Auffassung vom Stück vermittelt, erfahren sie die Striche, ihre Auftritte und Abgänge. Zwischen Arrangierprobe und erster ^Stückpröbe liegt gewöhnlich eiy .Tag, der dem .Schauspieler^ als Lerntag .gcA'ben" wird. Tenn nun soll er, das weiß jeder, mit gelerntem Text erscheinen. Aber — noch „schwimmen" die Meisten, führen einen langen und heftigen Kamps um den Text. Wieder und wieder wird das Rollenhest zu Rate gezogen." gehen "ein flehender Blick, eine ungeduldige Geste zu der immer geduldigen Souffleuse hinüber. Eine Mischung von Kampfstimmung und Unruhe liegt in der Lust. Ter Regisseur, der aus der^ Bühne steht, hat sein Buch in der Hand/ „Achtling! — Anfängen!" \ Musik setzt ein. Mendelssohns Musik. Roch ist kein Lrchester da. sondern nur ein Klavier. Und auch der Dirigent steht vorerst noch aus der- Bühne. Er> dem auch die künstlerische Leitung des Ganzen obliegt, arbeitet Hand in Hand mit dem Regisseur. Bvrschläge werden gemacht, erwogen, ausprobiert. „Lb man nicht die Elfen vielleicht besser ans' der rechten^ Borderkulisse kommen läßt?" Oder: „Denken Sie nicht, daß schon I>et diesem Takt", der Begleiter muß ihn wiederholen, „der Auftritt kommen kann?" Tie Musik ist nicht nur Untermalung oder Begleitung, sondern sie gibt dem ganzen Spiel den Rhythmus an. Und ist nicht weniger wichtig als das gesprochene Wort. , „Also, bitte, den Einsatz noch einmal!" \ Und dann kommt, wahrhaft ans den Flügeln dieser-Musik, Titania-mit ihren Elsen. Lberon kommt mit Puck. Lysander tritt auf und Hermia, . Demetrius und Helena. - . Geprobt wird das vierte Bild: knapp sechs Seiten Text. Aber wie wird das geprvbt! Wieder . und wieder werden die einzelnen Passagen dnrchgegangen, wieder imd wiedermuß ein Auftritt „kommen". Ein Liebespaar hat sich im CLälde verlaufen. „Ich gesteh cs, ich verlor den Pfad...", sagt Lysander. , Und das muß er nicht nur sprechen, sondern auch spielln. Hililos ein wenig und ein ,wenigschuldbewußt dem Mädchen gegenüber, das er der sickjeren Lbhut des väterlichen "Hauses ent- -lockt hat, umÖ das nun nur noch ihn hat auf der' Welt. ■ „Roch einmal, bitte", ruft der Regisseur, „noch einmal." Unermüdlich ,ist er ^im Vorspielen und Anfeuern. Er ist ,Puck und Titania zugleich, Else und Trott. , Sein Temperament ist hier entscheidend, seine künstlerische Persönlichkeit. Aus der Probe, wo noch alles fließt und man förmlich den Vorgang des Künstwerdens spürt, wird dies am deutlichsten. 4 Von den jüns. sechs Schauspielern, die. auf der Bühne stehen, ist es kaum einer, der seine Rolle schon „hat". „Für mich", sagt mancher, „ist die erste Lektüre der Rolle entscheidend; wenn ich den Tert einmal lese, dann habe ich die Figur oder ich habe sic nicht." „Und meistens", so sagt der ersahrene Regisseur, „hat-er sie nicht. Aber er glaubt es. Ilnd wenn er noch so tveit von'der Rolle entiernt ist, man darf ihm deii holden Wahn, sic restlos gepackt zu haben, nicht raüben. Sonst irritiert man ihn und er wird völlig unproduktiv." Der Rechsseur kennt sie alle: den großen Schauspieler. der in den ersten Prvbenwock)en völlig versagt und erst nach geraumer Zeit den Weg zu seiner Rolle sindet. Diesen Fall des Schwerarbeitels, der jede Szene stundenlang probiert und jeden Satz, jede Geste mühevoll formt. Und er kennt den Fall des sogenannten Tiefstaplers. 7 der die übernommene Rolle wochenlang.auf das- Gleichgültigste behandelt, und der, naht die Hauptprobe, plötzlich den. ganzen runden, lebendigen Menschen aus die Bühne stellt. Ganz in der Stille, unter dem Schutze^ einer vvrgehängten Maske,- hat er. eine ungeheure Arbeit.geleistet. . Aber auch den Fall kennt der Regisseur: den Kollegen, der schon auf der ersten Probe alles kann. Er kann Tert, Stellungen und Gesten, und -schon gleich im Anfang steht die Figur scheinbar rund und abgeschlossen da. Aber.— dies ist mir scheinbar. Rur Fassade. Und dem rasch und mühe-' los errungellen Sieg wird nun keinerlei Arbeit 'mehr gewidmet. Weder Vertiefung noch Phantasie . helfen ihm weiter. Ter ausprobierten Wirknnge» ist er gewiß, und auf sie verläßt er sich gewöhnlich: bis ans Ende seiner Laufbahn. Mit all dielen. Typen muß der Regisseur - arbeiten. Er muß stark sein und Autorität haben. Und er muß, oder genauer gesagt: müßte — denn nicht immer kommt er wie im Idealsalle 7Rax Reinhardt vom Sckjauspielerischen her. manchmal kommt er vom Literarischen — Schinipieler sein/ Er'muß'auch mit den Mitteln seiner - Kunst „spielen" und — er muß Atmosphäre sck)asfen können. Es muß ihm gelingen, die starke geistige Vision, die er von dem Stück hat, auch anderen zu übermitteln. Roch wächst oben aus der Bühne kein Wald, noch-ersetzen .Hvlzstnsen die Elfenhügel. Nichts ist noch z» sehen von diesem Zanverwald, in dessen Wegelosigkeit sich die Liebenden verirren, über 'dessen Wnrzelwcrk ihre Füße stolpern. Und dpch muß in alle» schon das Gefühl der Angst stecken, des Sich-,Fürchtens vor Rachtdunkel' und Einsainkeit. „Haben Sie", der Regisseur spielt jetzt der Hermia ihren Part vor. „schon einmal nachts auf > Feldwache gestanden? Wenn die Aiigst in einem riesengroß wird vor deili Unbekannten', das im Dunkel lauert, die Angst vor dein nächsten Schritt, der einen ins Verderben reißen kann? — Diese herzbeklcinmende. atemberaiibende Angst muß das Mädchen haben! iweiin sie nierlt, daß sie allein ist, daß der Geliebte sie verlassen hat Ltto Brahm, der!!Legbereiter des Naturalisinns in Tentichlaiid, strich vor Shakespeare dic Segcl. Er ivollle, ^ie Straße, der Hörsal, die- Werkstatt svlltcn das ,St>,oio seiner Schauspieler sein. Tie Pliantasie mußte vor der Raehahnuing der Wirklichkeit ziiriicktreten. Die „Burschen von unendlichein- Humor".'- Shakespeares Rarren. und ihre Könige, landen bei ihm leine Heimstätte. .- Aber — auch die Menschen, die hier durch den .,Lvmmeri>act,tstra»in". gehen, sind höchst reale Menichen. lins .über. die' Iahrlinndertc hinweg zeitnahe Menschen a»s Fleisch und -Blut. . „Lhsander! wie? Lhsander! bist, du fort..!?" Das ist der Schrei des Mädchens, das verlassen worden ist, und klingt heute nicht anders als vor zweitausend Jahren. . „Also, bitte", die Stimme des Regisseurs, „düs Ganze noch einmal!" Wieder' »nd wieder wird probiert. Wieder und wieder.bemüht sich der einzelneHjeiiic Figur z» „bekommen". Tapfer, angvifsssroh der eine, zögernd, nöch nnsickier der andere ... Acht Tage später. Wieder wird das 4.'Bild geprobt. Tiesmal schon mit Reguisiten. Und nun nt es plötzlich nicht mehr der Kamps mit dem Text, der die Unsicherheit ergibt, sondern zunächst einmal der Kampf mit dem Requisit, j „Der Hügel ist zu hoch ..." „So kannjch aber

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