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Central-Verein-Zeitung · 1936-11-26 · 48 (26.11.1936) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
48 (26.11.1936)
Date
1936-11-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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jüdischen F ron t k ä m P f e r k i n d er, für die keine eigene Zählung vorlicgt,.miteingerechnet. v Wie eingangs erwähnt, handelt cs sich bei der: vorstehenden Statistik um die Auswertung des letzten zur Verfügung stehenden, von der Reichsstelle für Schulwesen herausgegebenen Materials. Die Angaben beziehe sich auf-das vorige Schul», jahr. (Sobald das Material für das laufende Schuljahr 19;iG/37 zur Verfügung steht, werden in tziner neuen Darstellung die Veränderungen festgestellt.) In dem soeben, erschienenen „Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich 19 3 6*- sind in. gedrängter. Form im. Nahmen großer Tabellenwerke auch einige Angaben über nichtarische und israelitische Schüler, israelitische Lehrkräfte und Schulen nach dem Stande vom. 1.1. Alai 1935 gemacht, Soweit das höhere Schulwesen in Frage kommt, stützen sich die Ergebnisse auf den rm vorstehenden Aufsatz benutzten. „Wegweisers durch das. höhere Schulwesen des. Teutzchen Reiches, Schuljahr 1935". Die Zahlen, die für die V o l k s - u n d M i t t e l s ch ulen gelten, sind an dieser Stelle schon früher (vgl. E.-V.-Zcitung Nr. 6 vom 6. Februar 1.936) auf Grund einer Veröffentlichung im Amtsblatt des Reichserziehungsmintsteriums' behandelt worden/' E.G.L. Aeltere Angestellte haben das Wort Unsere in der vorigen Woche.begonnene Aussprache über 0das Problem des arbeitslosen älteren Angestellten findet heute ihre Fortsetzung. Die zahlreichen Zuschriften, die an uns gerichtet wurden, können selbstverständlich nur insoweit veröffentlicht werden, als sie einzelne konkrete Mängel rügen oder aber bestimmte Hilfsvorschläge enthalten. Insbesondere musste von der Wiedergabe solcher Beiträge abgesehen werden, in denen zu Unrecht jüdische Sozialeinrichtungen für Schwierigkeiten verantwortlich gemacht werden, die nicht dadurch bedingt sind, dass die zuständigen Stellen nicht helfen, wollen,'- sondern dass sie nicht helfen können. Wir wollen nicht verzweifeln! „Unser Los findet leider in der jüdischen Leffentlichkeit und bei den jüdischen Betriebsinhabern längst nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient. Wenn man sich z. B. an die gewiß ausgezeichnet arbeitenden Berliner Berussberatungsstellen wendet, so wird man dahin instruiert, daß Um-, schulungskurse (z. B. Di^nerschulcn) nur Menschen bis zu einer bestimmten "Altersklasse aufnchmen. — Es wäre auch daran zu denken, ob freiwerdende Arbeitsplätze nicht 'durch fachmännisch erfahrene ältere arbeitslose Männer besetzt werden sollten statt durch jüdische Mädchen, die heute größtenteils ohne Schwierigkeiten durch Halishaltsarbeit ein Auskommen finden könnten, Viele Arbeitslose versuchen, sich durch- Vervollkommnung ihrer Kenntnisse bessere -Ehancen zu schaffen. Hierfür stehen zwar dankeilswerterweise die von den jüdischen Institutionen eingerichteten Kurse in fremden Sprachen (Stenographie lind Schreibmaschine) kostenlos zur Verfügung, aber was nutzt diese Möglichkeit, wenn den Strebsamen das Fahrgeld fehlt, 'sie zu besuchen. Hier könnte mit geringen Mitteln' viel geholfen werden .. ." Zu alt?; „Als Leser der E.-B.-Zeitung kann ich nicht umhin. Ihnen meinen Dank auszusprechen für Ihre Ausführungen betreffs „Der arbeitslose, ältere Angestellte". Auch sei, gehöre, zu denen, die wegen „Umstellung" eutlässen wurden. Ich bin 44'Jahre alt .und ivar vier'Jahre au der Front. Acht Jahre ivar ich in einem Großunternehmen als erster.Verläufer und in den letzten Jahren als "Propagandist tätig. Am 3>. Dezember 1935-hörte meine Tätigkeit auf. Danach habe ich mich bei fast allen in Frage kommenden jüdischen Firmenmündlich lind schriftlich beworben. Aber —ich bin zu alt. Dabei sehe ich viel jünger ans. Kleine Aushilfsstcllen habe ich gesunden lind stets war man sehr mit mir .zufrieden. Eine feste Anstellung erhalte ich jedoch nicht, Nun frage ich mich jeden Tag. wie kann ich meine drei Kinder satt machend Wie bezahle ich -Miete, Gas und Licht? Ich wäre bereit, jede Arbeit anziinehmen. nur als Provisionsrbisender kann ich nicht gehen. Aber ich muß stets die Erfahrungmachen, daß für Stelluug» sucheudc die Höchsialiersgreuze 35- Jahre., ist. Dabei sehe ich ' bestimmt nicht älter aus. Warum darf ich mein täglich Brot nun nicht verdienen? Sollten Sie Erfolgmit Ihren Aufsätzen haben. Die Diskussion wird fortgesetzt. so wird Ihnen keiner dankbarer sein als „der arbeitslose ältere Angestellte!" Spenden allein genügen nicht „Die stets vorbildliche, echt jüdische Hilfsbereitschaft im Spenden und Almosengeben allein -genügt heute nicht mehr. - Die Notschreie, in den Zeitungen müssen aufrütteln und zum Suchen' neuer Wege anregen! Diese zu finden ist nur möglich durch vollkommene innere Umstellung. Vor allem ist derjenige Arbeitgeber,, der sich noch in einigermaßen erträglickier finanzieller Lage befindet, verpflichtet, bei dep Beschäftigung bzw. Einstellung von Angestellten an deren große Not zu denken. . Die Frage: „Verdiene ich mehr, wenn ich eine billige Arbeitskraft mit vielen Ueberstunden beschäftige?" darf nicht gestellt werden von einem jüdischen Menschen, der sich der Schicksalsgemeinschaft bewußt ist! Die Frage muß viel-, mehr lauten: „Auf welclie Weise kann ich es ermvglichen.l'ei äußerster Anspannung meiner fjnan- * zielten Kräfte einem weiteren älteren, jüdischen Angestellten durch Arbeit Brot zu geben?" (Wer bei dieser „überspannt-idealistischen" Forderung lächelt, mag den Artikel zur Seite legen.) Was der arme,, einkommenslose Arbeitswillige gezwungen tut. nämlich: verzichten, das soll, 'wenigstens zu einem Teile, derjenige freiwillig auf sich nehmen, der sich der großen ethischen Aufgaben des Juden wie des Menschen überhaupt bewußt ist. Es soll, hier keineswegs behauptet werden, daß dies alles noch nicht der Fall wäre: manckie Opfer . werden auch schon in dieser Hinsicht gebracht. Biele Juden halten ihr'. Geschäft auch unter Verzicht auf früheres behagliches Leben aufrecht, weil sie ihre jüdischen Angestellten nicht brotlos machen wollen. Stellenangebote, worin es heißt:' „Gesucht wird Angestellte für Arlvit im Kontor und Haushalt gegen Kost und Logis" müßten unbeachtet, bleiben. Die Anregungen bzw. Meinungsäußerungen, die in diesen Blättern noch zu erwarten sind, mögen nicht durch falsch angebrachte Rücksichtnahme beeinträchtigt werden. Es tut not. zu sagen was ist und w i e geholfen werden kann! Erforderlich ist es. denjenigen ins Gewissen zu reden, die ihre Zeit noch nicht begriffen haben! Es handelt sich bei den älteren arbeitslosen 'Angestellten um eine Schicht, deren Schicksal hoffnungslos scheint! Tie Auslvandernngsmöglichkciten werden täglich schwerer. Ohne Verbindung mit vermögenden, wohlwollenden Verwandten oder Freunden im Ausland ist der Aufbau einer neuen Existenz dorten unmöglich. — Es ist ein-großes Leid, ja ein Drama, das sich hier vor.unseren Augen entrollt.. Bei keiner unserer Handlungen, unserer Dispositionen sei dies nur einen Augen- , blick vergessen!" . Lehrhäuser Eröffnungsfeier: des Lehrhauses München - In - einer gehaltvollen Feier . eröffnete die Münchener Gemeinde ihrncuerrichtetes Lehrhaus: Der - - Vorsitzende - der Kultusgemeinde Oberst»; lanhesgerichtsrat i. R. Tr. Neumeher,, begrüßte die Gäste.und Dozenten. Gemeinderabbiner Dr. Leo- B a e r w ä l d. der dem Kuratvrium des Lehrhauses vorstcht, entwarf ein eindrucksstarles Bild der nie. abgerissenen Kette von Lernenden und Lchrepdcn im Judentum seit.der Zeit des. Beth-Hamidrasch bis ans nufere Tage. „Bon den jüdischen Bildungsanfgaben und .Wissenswegen im Geiste Franz Rosenzwcigs" sprach Dr. Eduard Strauß, der.Freund und Mitarbeiter Rosenzweigs. Er umriß diedrei Entwicklungsstufen der Noseuzlveigschen Lehrhaus- Idee und die Wandlungen, die sie erfuhr. Strauß schilderte, wie der Rust den Rvsenzweig in „Zeit - ist's" ergehen ließ, zwar vernommen-wurde und zur Gründung der „Akademie" führte, aber doch nicht im Sinn . seines Schöpfers -ausgewertet worden war, wie dann nach der Schrift. „Bildung: und kein Ende" das Freie Jüdische Lehrhaus seine Pforten öffnete und wie es dann, vor neue Aufgaben und neue Menschen gestellt, in veränderter Form vor drei Jahren neu zu -Wirken anhob. Wenn im „Alten Lehrhaus" nach dem Krieg daS Sprechzimmer Kernstück war, in dem man den Fragenden erst allmählich das -Interesse am Jüdischen zu wecken hatte, hatte das „Neue Lehrhaus" nach 1933 für alle Fragenden — auf jüdischen wie anderen Gebieten da zu sein. So wichtig gerade heute intensivste jüdische^ Lernarbeit ist, so wenig darf cs sich das'Judentum leisten, 'irgendeiner Frage aus wicht- . jüdischem Bezirk den Zutritt zu verwehren, Das Judentum muß in dieser Stunde seine Aufgeschlossenheit den Werten der Welt, gegenüber verstärkt'bewahren. Mit den Worten „Wünsche sind Boten des Vertrauens", die Rosenzweig über seine Lehrhaus-Programmschrift setzte, schloß Eduard Strauß seinen fesselnden Vortrag. Dr. G r ü n b a u m lind -Tr. Bet t s a ck hatten der Feier mit I. S. Bachs Aria Und dem letzten Satz aus dem Brahmssclzen Violinkonzert (op. 10«) in meisterhafter.Weise würdigen Rahmen gegeben. In der Reihe der. Schulungskurse für Jugend-' . sichrer des Jüdischen Lehrhanfcs Münchens der Mittelstelle und "des Ortsrings der Jugendverbände behändeste Tr. Eduard Strauß (Frankfurt a. M.) in zwei Tagen die Elijahu-Kapitel der Könige-Dücher. In gleichermaßen Wissenschaft- , . licher wie bildhaft-lebendiger Weise kennzeichnete er die Elijahu-Geschichte als mystische Einsprengung und vermochte die einzigartige Persönlichkeit des Elijahu in ihrer geschichtlichen Gewalt . und Bedeutung nahe zu bringen. Die aus allen Bünden^ zahlreich. erschienenen Jugendführer waren ^traust mit größter Hingabe und bleibendem Gewinn gefolgt, — Ein Oneg-Schabbat vor den Jüngeren unter Tr. Strauß behandelte das Thema: ^.Eltern und Kinder". —mm. Lehrhaus Berlin Donnerstag-Reihe: „Autorität". 26. November. .20.30 Uhr. Brüderverewshans. Kiirfürstenftr. 115/110, Bruno Strauß über „Eltern und Kinder". 3. Dezember. 20.30 Uhr. Brüdervereinshaus. . Kurfürstenstraße 115/110. Eurt Bandy (Groß-Breesen) über „Lehrer und Schüler". KALENDER Dezemb.1936 Kisslew 5697 5. Sonnabend 21 Wocheriabschni'tt: Wajje« schew 1. B. M. 37-40 Haltara: Arnos 2,6~3,8 9.-17. ° 25—2. Teweth Chanukka 12. Sonnabend 28. Schabbath Chanukka. W.ochenabschnitt: Mrkkez 1- B. M. 41—44,17 . Haktara - Sach. 2,^-4 . Neumondsweihe 14. Montag . 30. 1. Tag Rosch Chod^sch Teweth ^797 15. Dienstag l 2. Tag Rosch Chodesch 19. Sonnabend 5. Wochenabschnitt :Wajji- ' gasch 1. B. M- 44,is-47,27 Häftarä Ez 37,15-28 24. Donnerstag 10. Assariah beteweth (10. Te-« weth), Fasttag 26. Sonnabend 12. Wochenabschnitt: Wajechi 1. B. M. 47,2^-50 20 Haftara: 1. Kön,. 2,1-12 Montag-Reihe: „Gestalten der Bibel". 30. November. 20-30 Uhr. Aula, Joachimsthaler Str. 13. Mar Nuß bäum über „Saul und David". Arbeitskreis für synagogale Musik. Erster Abend am 1. Dezember. 1? Uhr, Alärburczcr Straße 5/111; Referat von Hanns John Jacobsvhn über „Ter Alltags-Gottesdienst und die 'primitiven Elemente in der shnagogälen Melodik". - - . . Arbeitsgemeinschaft T r eitel: Wanderungen rii der Natur. Nächste Wanderung am 29. November, WaidmannslustLübars — Schildow. Treffpunkt: Bahnhof Waidmannslust, 9.38 Uhr. - Alle Auski'ucfte. auch über Sprachkurse, rm Sekretariat Berlin W 50, Marburger Straße 5, 10 bis 13, 16 bis 18-Uhr. _____ Israelitischer Tempelverband Hamburg Im Rahmen der im Winterhalbjahr stattfinden-, den Religiösen Feierstunden spricht am 29. November. 17.30 Uhr. im'Großen Tempel. Lbersträße 120. im'Zyklus „Rückblick des Juden aus das 19. Jahrhundert" als erster Redner Rabbiner Tr. Italiener über „Tie geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts". Lehrhaus des -Eempcls. Tie Arbeitsgemelnschast von Rabbiner Tr.-, I t a l i e n e r „Ein Gang durch die Geschichte-der Inden" <Tie. spanische Bliitezeck» wird am 30. November, 20.ir> Uhr, im Heinrich-Levh- . Saal des Tempels, Lberstraße 120> fortgesetzt. Anmeldungen nn Büro. Fernsprecher 446160. . Der berühmte Hebraist und Wissenschaftler Dr. Simon Bernfeld und seine Gattin, geb. Lewin, begehen am 30. Novvmber das Fest der Gol< d e n e n .H o ch z e i t. Wenn an vielen Jubiläumsünd Ehrentagen des Jubilars von seinem geistigen Schaffen, der Fülle, seiner wissenschaftlichen Werkedie Rede, war, so darf an diesem persönlichen Festtage der Glückwunsch der jüdischen Oeffentlichkei.t, als deren Sprachrohr wir uns fühlen, in erster Reihe dem Menschen Simon Bernfeld gelten. Wem cs ein- - mal vergönnt war, in einem Gespräch mit ihm . Teile seines zur Weisheit geläuterten Wissens zu erhaschen, der ist für lange Zeit im Banne ^dieser uiieindämmbareu 'Fülle, von der es kaum faßbar erscheint, daß ein Menscheukopf.allein sie in sich " trägt. Und es ist dann-fast ein Trost, die-Wärme des Herzens -und die edle Grazie der menschlichen Haltung zu sp.üren, die zu der fast übernatürlichen Kraft dieses Geistes den Zu-gau.g der verehrenden "Liebe erschließt. Wir wollen Simon Bcrnfeld und seine Gattin noch lange in unserer Mitte wissen. E. R.-J. unmöglich ..." „Soll ich etwa die Treppe rückwärts Hinuntergel,en z Unzufriedenheit.^—Ä>!is;mut, Krampf. Kaum ' einer, der sich nicht in seinen. Bewegungen und Gesten behindert fühlte. Und wieder unuß. der Regisseur einspringen. Heute, da man diele Szene schon zum drittenmal probt, soll er-eigentlich .nicht mehr auf der Bühne, stehen, sondern sie sich schon vom Parkett aus.ansehen. Aber — noch darf er nicht mir Zuschauer, noch muß er auchsAkleur sein. Der Futerpret seiner Idee. Der Slimmuiigseindriick, die „Vision" des Stückes, die er gewölinlich schon vom ersten Lesen des Tertes her hat. soll nun endgültig Gestalt.-bekommen. lind es gilt, durch das eigene Spiel die andern mit t'ortziireißeu. Sie über das Fragmentarische der Aenßerlichkeiten hinweg an den Kernpunkt ihrer Rolle zu führen. Stunden um Stunden vergehen, bis die Szene schließlich „fleht", llnermüdlich wird gearbeitet. Langsaw. Satz für Satz iverdeu einzelne Rollen aufgebaut. ' ' - Da ist irgendivo eine Nuance. Eine gaihz seine, kaum merkbare- Nuance? Und die, soll' ..gebracht". „Versprechen Sie sich", pflegte Otto Brahm in solchen Fällen zum Schguspieler zu sagen, „etwas von dieser Nuance? '- Dann lassen Sie sie weg!" Hier.aber wird.sie uiclit tveggelgssen. Hier wird sie erarbeilet. So torgstillig. so zäh erarbeitet, daß sie nachher . wie eine Selbstverständlichkeit wirkt. F-ünt-, i'eckismal geht der Regisseur sie mit dem Schauspieler durch. Wieder n-iid. wieder wird daran.geteilt, iniederund loieder die Wirkung geprüft. lind -schließlich -.„hat" mau sie. Hat sie H>, daß sie ncki ins Gan-e cin'Ügt wie ein. Steinchen —in-M-M - c i t, ' - ~ Die Sit-'iu' o,c-lu iveiier. Niemand denkt mehr an diese Nuance. Hat ste längst vergessen im Fluß der Arbeit und des Gcichebcns. . Aber plötzlich melde! 'ich eine Stimme: ,.?Nir ist da doch .noch etwas ein ge'allen .lind dann spielt dieser Unermüdliche, dieier scheinbar Besessene die kleine Nuance, noch einmal. Spielt^ üe. weil er diu Schau-Svieler ist und nicht anihörcn kann,, es zu sein... Vera Craeuer. Aus den Vortragssälen Erich Eyck: ■ > ■. Der Prozess der Maria Stuart Als die unglückliche schottisck)e Königin Maria Stuart auf der Flucht vor dem aufständischen schottischen Adelim Jahre 1568 die englische Grenze übersckiritt, wurde sie verhaftet und hatte sich vor einer Kommission englischer Lords darüber zu verantworten, ob'und inwieiveit sie an der Ermordung ihres Gatten Heinrich Darnlch beteiligt war. Diese Untersuchung verlies ohne klares Ergebnis. Maria' aber wurde iveiter fast zwei Jahrzehnte in Haft behalten, 1584 der Beteiligung an. einem .Komplott zur Ermordung der englischen Königin Elisabeth beschuldigt und. nach, jahrelangem Prozeß-158°7 hingerichtet. Lediglich dem ersten, im Jahre 1568 geführten Prozeß g«Ut ein formvollendeter, mit Recht mit stärkstem Beifall gufgenommener Vortrag, den Dr. Erich E h ck im A k a d e m i s ch - I u r i st i - scheu V ereil! in B e r l i n hielt. Der Redner gab zunächst eine eingehende llebersicht über den Lebenslauf der Maria Stuart sowie über die schottische Politik jener Zeit, die sich in einer Atmosphäre von krassestem Egoismus und allgemeiiier Gewissenlosigkeit, Rücksichtslosigkeit und Treulosigkeit abspielte. Für die Frage, ob Maria Stuart an der Ermordung Tarnlehs beteiligt war — eine Frage, die in dem ans Anordnung der Königin Elisabeth abgebrochenen englischen Prozeß nicht entschieden lvurde — ist von entscheidender Bedeutung, ob die ' sogenaunten „Kassettenbriefe" echt sind oder nicht. Es sind dies Briese, die, wie. bereits ihr Name be- -,-sagt,..einige Zeit - nach der F-tncht^Mariir"stuart-:^ >. angeblich von den schottischen Adligen in einer Kassette aufgeiunden und im Laufe des Prozesses von ihnen der englischen Kommission in die Hand gespielt ivurden, während man gleichzeitig versuchte. sic. Maria vvrzuenthalten. Ihre Echtheit würde Maria Stuart schver belasten, ist vor ihr aber stets'bestritten worden. Eyck untersuchte diese Frage 'auf das eingehendste: er kam zu dem Ergebnis. daß die Briese zum mindesten verfälscht. d. h. unter Benutzung echter Stellen fälschlich angefertigt sind. Für diese 'Annahme sprcckien ins- , besondere folgende Gründe: die Weigerung... Maria Stuart die sie belastenden Briefe vorzulegen: der Umstand, daß keiner der Briefe eine Unterschrift trägt; die Tatsache, daß ein Rlitglied der Untersuchungskommission, der katholische Herzog von Norfolk. , Maria heiraten will, und zwar nach Kenntnis der Briefe, aber andererseits auch erst nach einem stundenlangen privaten Spaziergang mit einem der schottischen Abgesandten, der ihm die Wahrheit eingestanden haben dürfte: schließlich ' das höchst merkwürdige Faktum, daß die Mutter des ermordeten Darnley, Lady'Lennor. noch Jahre später die zärtlichsten und herzlichsten Briefe an Rlaria Stuart schreibt.. Hinzu kommen chronologische Unmöglichkeiten sowie die Tatsache, daß eine der Zeugenaussagen mit einem Abschnitt des am meisten belastenden Brieses wörtlich übereinstimmt, so daß also entweder die Zeugenaussage nach dem Briefe.oder — und dasist dgs wahrscheinlichere — der Brief nach der Zeugenaussage konstruiert sein dürfte. . Es iväre dringend zu wünschen, daß Dr. Epck Gelegeuheit erhieite, den von seinen Zuhörern mit angespanntester Aufmerksamkeit aufgenommenen Vortrag in einem größeren Kreise zu wiederholen. Günther Looser. Eduard Strauss: Das jüdische Gesetz Der letzte Donnerstag brachte mit dem Vortrag von Tr. Eduard Strauß. Frankfurt a. Alain. iUxr „Das jüdische Gesetz" einen - vielversprechenden Anstatt zu der zweiten Donnerstagrcihe des Berliner I ü d i sch e n L e h r'h a u s e s , die unter dem Gcfamtthema: „Autorität und Fr ei heilt" steht. Dem Sinn einer Einleitung aemäß stellte - Eduard Strauß an den Beginn feiner ' AüsfüMungen^'dw'--simr>aWeiityle—Frage unserer "Zeit: ivarum - wir nach einer Epoche schrankenlosen Schweifens des Geistes wieder nach Autorität rufen. Die Antwort'sah er in der Weltangst, die unsere Situation kennzeichne. Nicht aus Eottesfürchtigkeit. sondern aus Angst suckien wir einen palt im -sialtlosen. Dieses Verlangen fei das Gegenstück zur. Apokalvptik. die .im Jüdi-' scheu keinen Platz habe. Autorität, ein^ Wort, denen deutscher" Sinn llrheberschrsi beiße, sei nichts Theoretisches, sondern ein Faktum, das unmittelbar mit der Eristcnz verknüpft sei. Von hier aus sei auch die Autorität des.Alters zu verstehen, die immer dann vorhanden sei, lvenn das Alter nicht endgültiger Starre, verfallen sei, sondern sich die Beweglichkeit bewahrt habe. Es gebe drei Arten von autoritativer Eristcnz: erstens diejenige, in der die Sackie größer ist als die behcrrsckMde Person, zweitens diejenige, in der die Person über die Sache hinanswach'e. drittens diejenige, in der Wirtlichkeit und Persönlichkeit konform seien. Für uns Inden, die wir planhaft geschaffen sind, sei 'Autorität, da sie mit dieser planhasten Eristenz. verbunden sei. eine Sache der- Gemeinscha.ft, nicht des einzelnen..etwas Messiani- . sches. Die Juden seien geschaffen beim Auszug ans Aegpvten und am Sinai. Im Akte der» Schöpfung, liege so bereits ein Gültiges, illutoritatives. 'Dieier Gleichtakt zwischen Geichövflichkeit und Gesetzlichkeit/N^m/Gultigem und Kreatürlichem sei nur einmal io verwirklicht worden, nämlich in uns Juden. Das Gesetz hänge mit der Schöpfung zusammen, da es uns bei der. Bolk- > Werbung - gegeben worden sei. Unser .Weiterschreiten durch' die Geschichte bedeiite eine Entfaltung dieser einmaligen Gültigkeit. Da der Zusammenhang verlorengeganaen sei, suchen wir jebt wieder nach Bindung. Wie man aber Gott nur - begegnen 'könne, nie aber' ihn beweisen.'io -sei" es auch mit der Gültigkeit. Iw dem „Wir wollen tun und glauben", das Israel auf das Wort Gottes geantwortet habe, sei die dialogi'c!:e Spannung aikgelegt. in der je und je sich das jüdische Gosttz zu verwirklichen habe. Es genüge nicht, daß das Gesetz beschlossen sei. erst durch seine Verwirklichung in der Gemeinschaft werde es in Wahr-, heit konstituiert. Zwiiclien Sein und Sollen Verlaine inner Leben. Solange wir unseres Seins siäjer find, fragen-wir-nicht nach Autorität. Nur in Zeiten der Unsicherheit und Weltangst verlangen wir danach. Wir haben io viel Autorität, so viel „Gültigkeit", wie wir echte Eristenz haben. Resevte zu einer Neiiiindung der Autorität gebe es nicht. ' Im Gegenteil: wir hä.best uns-^-wor falschen Propheten in unfern eigenen Reihen zu hüien. Die unbedingte Spracheunserer Eristenz' fei das Gebet.- Wir merken nicht, daß wir noch beten können und beten doch immerfort um ' Autorität. .Wir' haben, also doch noch Gottessürchtigkeit. Deslvegen sollen wir' getrost sein. Mit jedem Gesetz, das Gott uns gibt, fügt er uns Heiligkeit, Gültigkeit ßud Ewigkeit hinzu. E. R.-J.

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