Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 48 (26.11.1936)
- Date
- 1936-11-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2277379-2278137-2278185--11370-2292427- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zum 200. Geburtstag von Anton Graff Anton 'W.mrf,- bofien . 200. Geburtstag am 18. November gefeiert wird, gilt, obwohl Schweizer von Geburt — Winterthur ist seine Vaterstadt —/ als der deutsche Bildnismaler der klassischen Epoche, und das mit Recht. Er hat uns die bekanntesten und bedeutendsten Menschen seiner Zeit — ihre körperliche und seelische Existenz — durch keine ehrliche- und schlichte Tarstellungsweisc in ' seinen. Bildern geschildert, eindringlich und. überzeugend! . . . , Unter den zahlreichen Bildnissen — mehr' als 1000 hat er gemalt — finden sich auch einige Por-" träts indischer Persönlichkeiten. In der Reibe berühmter Männer. die der Leipziger,.„Buchhändler- ■ sürst" Philipp Erasmus tlieich cwn dein Rteister porträtieren liest, war M v s e s M c n d e l s s v h n einer der ersten. Das Bildnis, schon 1771 gemalt, zeigt den etwa -tOjährigen Philosophen mit noch jugendlichem Antlitz. Es leuchtet, wie von innen heraus, in mildem Glanze, weich legt das dunkle Haar sich nm das Gesicht, weich schmiegt der weite Kragen sich nm die hohen schultern, weich schnnngend führen die Linien des Gewandes hinab. Mild, MrU« Suepll« Staatl. geprüft. HeilKrJiilfe, Masx-ur, KrankcnplloKcr, ziiroI. zu all. krankcnknss; Spez. \ f-rnln-tfi Ischiasu. Hhpumacrkr. Sporl verletze. I' icuraus^l. fcnHctt.. Mass. Charlottenburg 4, Wilmersdorter Str.125. C1, 1948. gütig und klug blicken die Augen, voller Ruhe, »in .den Mund nur zuckt ein wehmütiges Lächeln. Es ist ein shmpathisches Bildnis, frei von der nüch- lernen Realistik \» der Prvfilzcichnnng Ehvdowieckis, aber anch von der grandiosen Tragik in Tassaerts Büste. Hier strömt vielmehr die „geheime Kraft, sich vor Gott.und Menschen angenehm zu machen", als Wesenselement des jüdischen Philosophen und Menschen. (Das Bild ist zurzeit in der Porträtausstellilug ..llnsere Ahnen" im Jüdischen Museum in Berlin zu sehen. Die Schristltg.) Noch andere jüdische Menschen ans Mendelssohns Kreis hat Grass gemalt oder gezeichnet: Marcus El i e s e r. B l v ch, den Arzt und Naturforscher. dessen „Nnturgeschichte/der Fisck>e" von grundlegender "Bedeutung wurde, den Banr a t'I big' und sei n e S chgv e st er n — es sind zarte Lilberstiftzeichnungen in Medaillvnsvrmat — und D a v i d F r i e d l ä oder, den Freund Mendelssohns, noch in' jüngeren Jahren, da er sich begeistert für Emanzipation und Menschheitsbeglücknng einiehte — nicht den lampfesmiiden Stgdtrat.. wie ihn Hübner gemalt hat. Auch Fried! ä n d c r s T och t e r Bl ü m d) e u hat er gezeichnet mit scharfem Profil, festem Blick, doch nicht ohne weibliche Anmut. Die Krone aber seiner weiblichen Bildnisse ist das Porträt der Henri e t t e H e r z. Hier spürt manpersönlichen r'lnteil. Es ist wie eine stille Huldigung an die gefeierte Frau, deren Geist und Schönheit die Berliner vornehme Gesellsä,aft mächtig änzog . Ilne Haltung — vielleicht zufällig der von Liounrdos Monna Lila ähnlich — verrät Anmut und Würde.' Bon breiten Wellen dunklen Haares umrahmt, strahlt hell das Antlitz. in dem dunkle Augen "stille glänzen. Ein verstehendes Lächeln spielt nm seingesorinte Lippen. Mau kann es begreifen, das; eine solche Frau von Schönheit. Geist und Güte den-'jungen Börne entflammte, aber auch, das; sie mit klugem Takt dem Stürmischen wehren und mit inütterlichem Rat erziehend ans ihn einznivirken vermochte. Adel der Gesinnung offenbart das Bild, gleiclieriveise ein Eharakterbild dieser Fran wie dieses Ptalers. Lein Schwiegervater Salzer, der berühmte Aesthetiker, sagt von ihm, daß sein' Gemüt „so rein und hell war >oie. der reinste Frühling"'. So sah er auch diese Menschen rein und hell und hat sie in seinen. Bildern so gestaltet, als Dokument eines Bürgertums, das durch Geist und Kunst, durch Religion und'Sitte geadelt war. . I)r. A. G. Chanukka-Messe cles Frauenbundes In der Eröffnungsansprache von'Frau Berta Falkenberg kam das warme Interesse, für alle Künstlerinnen durch,.die heute im jüdischen Raum allein eine Absatzmöglichkeit fnr ihre Arbeit haben-,, mögen die warmherzigen Worte -dieser Patronin des Fränenbiiudes,. eine entsprechende - Resonanz "finden! ' - .' /. : Diesmal, nennt das Verzeichnis der Aussteller an die.7ü. Namen, und ein Rnndgang lästt klar erkennen, daß das'Prinzip „Wer vieles bringt? wird -jedem etwas bringen" seine Berechtigung hat. Diesmal hangt die allen praktisclien Bedürfnissen entsprechende Tasclie. ans . dem schlichteren Ehintz /Luctz Mecklenbnrgi neben den Arbeiten aus Wildleder oder Wachstuch (Annie Rosenthal, Helene Joffe, Lola Beilensvn, Alice Leib), steht die . geschmackvolle Kuchenhülle neben dem neuzeitlichen Strickhandschuh (Pottlitzer. Margarete Kallmann. ' Ptaric Ksiuski), elegante Wäsche (Elsa Ieretzki) neben Kindersachen (Iacvbh-Manus). Mau kennt schon viele Namen .und Leistlingen Von früher her: die kunstgewerblicl^en Arbeiten Von Marga-, rete Gntkind, die Lanipeuschirme . Von Margot Dresel, die Schülerarheiten der Modezeichenschule .Fe.ige-Strastburger lind aus Lehnitz die Puppe» von Edith Samuel. Und neben das .eigentliche Gebrauchsstück tritt in dieser Ausstellung -in der Marlnirger Straße "> das Gebrauchskunstgewcrbe (wir möchten cs mit-Absicht so nennen), das in den Werkstätten der Knusthandwcrkerinueu mit Verständnis und Fleiß entsteht, ein Blerk der Hände im allerbesten Sinne. ' Wieviel Kopfzerbrechen nicht nur die Herstellung, svnderii nicht zuletzt der künstlerisch Entwurf erfordert. das. verraten die schön geformten, in ihren Glasuren harmonisch abgestimmten Keramiken von Eva- Judith R'athau, Basen und Saxilen von schlichtem lind doch kostbarem, eben handgearbeitetem Aenstercn, die Rketallarbeiten von Ilsegrete Traugott, die Buchbiuderarbeiteu für den Schreibtisch und den Bücherschrank von Eva Neumann? die bunten Bilderbücher von Toni Meycr, die hübschen Pessacl,bilderbogen von Margarete Nehemias, die nur ja anch als tüchtige Aauarellistin und Pressezeichncriii kennen. Auch Kleinplastik kann , man erstehen für die Vitrine, die ja wieder zu Ehren gekommen ist: Bally uiid 'Alice Sinivnsvh» zeigen .ihre Arbeiten, und mid) nut Erna Nonnenmaciler. - Rosrnbergs Figuren. znm Teil aus unglasiertem .Werkstoff, feiert man Wiedersehen. Die Goldschmiedini.wn Lilli, Iarobius-Neistcr und Frau Rcnvitzer zeigen ncnzeitlictlen Schinuck. legen aber auch mit ihren Leistungen nahe, dast man aus Altem Neues, formen kann, und weisen so den Frauen, die Familienschmnck besitzen, vielfache Anregungen, " Moderne Strickereien, zeigt Kate Auerbach, alich keine Fremde in den Kreisen der Berliner Frauen. Dora Lewin lässt die Proben der Stickkunst bewundern, während sich als geschmackvolle Handiveberin. Eva Lewin vvrstellt. Daß die Frauen nicht mir wehen, sondern zu allen diesen Handiverkskünsten dazu 'auch flechten, das führt Inge Neuseld init ihren Bastsachen vor, die sehr abwechslungsreich sind.. ■ Es ist in diesem Rahmen unmöglich, alle Namen zu nennen, die verschiedensten Leistungen hervvrzuheben.. Sie alle verdienen aber, daß jeder, der Geschenke zu Ehanukka einkaufen will, hier hiugeht. er wird sicher etwas nach seinem Geschmack finden. 0. B. Chanukkä-Kunstschau. Pom 6. bis 10. Tezcmber veranstaltet der Jüdische Kulturbund. R h e i n —.M a i n mit den drei Frankfurter Bne— Brith-Logen wieder eine Chqnukka - Kunstschou. Neben Werken Frankfurter jüdischer . Künstler und v- Kunstgewerbler kommen auch solche von Künstlern der näheren Umgebung zur Ausstellung. A!it der Ausstellung'ist eine Verlosung von Kunstwerken verbunden. an der die Mitglieder des Kulturbundes und die Logen teilnehmen können. Tie. Ausstellung soll am 6.. Tezember, 1'2 Uhr lEschersheimcr Landstr. 27t, ^eröffnet werden und kann täglich von 10.I0 Uhr biS 13 Uhr und von 16.30 bis 18 Uhr anher Tzenstag nachmittag besichtigt werden. Lin genealogi8che]r Tee Anläßlich der erfolgreichen und schönen?lusstellung „U n s e r e A h n e n" veranstaltete die, K e s e l l s cha s t f ür j ü d i s ch e Fa m iPi eu - . f o r s ch n n g einen „genealogischen Tee" in, den - Räumen des Berliner jüdischen Museums.- Will . man die Bedentung einer Veranstaltung dadilrch kennzeichnen und unterstreichen, .daß man^ .aus Rang und Namen ihrer Teilnehmer hjrnoölst. so muß diesmal sestgestellt werden, dastuwben und mit den Vertretern der judtschen Spitzenorganisationen Mitglieder ältester und angesehenster jüdischer Familien — deren Ahnen von den Bil- , dern an den Wänden würdig und lächelnd zu ihnen herabblickten — dem Tee durch ihr Erscheinen . das Gepräge gaben. Tr. Arthur C z e l l itz er '.begrüßte die Gäste. Er tvies im besonderen auf den Anteil der Gesellschaft an der Ausstellimg hin und erwähnte u. a. auch die mühevolle und dankenswerte Arbeit oon Atbert I. Phiebig. der das gesammelte Bildmaterial nach genealogischen Gesichtspunkten ausgewertet und zu einem aufschlußrcichcn Katalog vereinigt hätte. ' Im Anschluß an die Ansprache Czellitzers führte Frieda Lederman n die Gäste durch die einzelnen Teile der Ausstellung. Rach unserer ausführlichen Besprechugg tu. Nr. 46 der C.-B.-Zeitung erübrigt sich an dieser Stelle eine nochmalige Würdigung der kulturhistorisch wie künstlerisch gleicherweise reizvollen Schau. Nur sei hier noch einmal auf die bebildert e n A h n en. tafet n hingewiesen, die in eindringlicher Anschaulichkeit die Ergebnisse genealogischer Forschungsarbeit vepmittcln. und auf die interessanten Dokumente. die das .Gesamtarchiv der Inden in Deutschland und die Gesellschaft für jüdische Familienforschnng ausgestellt haben. Die Vitrinen der Gesellschaft enthalten neben.. zahlreichen .Familiengeschichten (vom Stammbaum der Familie Samson-Wvlseubüttel bis zur Geschichte des Hauses. N. Israel) einen Schutzbrief Augusts von Sachsen für den Hosfaktvr Lehmann Behrend, ein Privileg Maria Theresias für die Wiener.Familie Schlesinger u. ä. In den Schäukästen des Gesamtarchivs liegen zahlreiche Schpiftdenkmaler zur Geschichte der jüdischen Gemeinden in Deutschland in dep letzten drei Jahrhunderten. Durch sie soll — ebenso wie durch die -Stücke der Gesellschaft für Familienforschnng — das, was mit den Gemälden bildmäßig erreicht wird, nämlich einelebendige Beziehungzwischen, uns Heutigen und der Welt unserer Ahnen zu schassen, urkundlich unterstrichen werden. Naturgemäß sind auf dieser Berliner Ausstellung Dokumente aus der Geschichte der Berliner jüdischen Gemeinde besonders zahlreich vertreten. Man sieht viele dem Gedenken der Toten und Frommen gewidmete Memörbückier. Ifldenschutzbricse und malerische Tvrawimpcl. ein hebräisch und deutsch geschriebenes Attssteuerverzcichnis aus dem Jahre 1806. eine Sammlung von Besuchskarten' (darunter die Karten von Moritz Oppenheim und Berthvld Auerbach) — alles Dokumente, die in plastischer Weise vergangene Epochen in ihren Besonderheiten deutlich und vertraut machen. Weim Professor Franz Landsberger, der Leiter des Museums, gegen Schluß der Beranstaltung in einer klirzen und klugen Ansprache bemerkte. daß das jüdische Museum in seinen Funktionen für die jüdische Lesfentlichkeit mehr sein .will als irgendein Museum schlechthin^dann können wir ihm bestätigen, daß durch Ausstellungen wie die gegenwärtige diese Absicht m jeder Hinsicht verwirklicht wird: Wahrer echter jüdischer Kunst zu sein und Sammelpunkt all der' Menschen, denen es nm eine lebendige Beziehung zur Kunst! geht. Der Gesellschaft für jüdische Familienforschnng gebührt Anerkennung und Dank für . den. am regenden Nachmittag im Ninsenm. der sickzerlich viele, die bislang-noch glaubten, die Familienforschunq lei eine etwas abwegige und trockene - Wisienschait, zu ihren Freunden und Mitarbeitern machen wird.; * H. B—n. Tie nächste Führung durch die immer stärker besuchte Ansstellung - ..Unsere' Ahnen" .findet^ am 2 mutt cm. -0. November, um 10 Ubrr-durch Tr. JrmqdrV Sch ü 1 e r statt. Testnehmergebuhr pro Person.- Pfennig. ’ k ■ Kunstnachrichten Ein Wiener jüdischer.Bildhauer. Egon Weiner. schuf mit lliiterstützuug der italienischen' Negierung eine Kolossalstatne Mussolinis, die anläßlich des 14. - Jahrestages ^des Ptarsckies nach ' Rom bei einer Feier in- Wien enthüllt wurde.- Gräsin Eiano. die Tochter Mussolinis, die bei dieser Feier zugegen >var, drückte dem jüdischen 'Bildhauer ibre besondere Alierkenming - aus und lud "ihn im Namen Mussolinis ein. als Gast des Duce einige Tage in Nom.izu-verweilen. Be'rnard B e r e n s o n . der kürzlich als Gast des Pri.nzregenten Paul von Jugoslawien, der bekanntlich selbst-ein passionierter Kuiistsanunler ist,, in Jugoslawien weilte, hat in der Kathedrale von Dnbrovnik eine „Himmelfahrt" als ein Meisteriverk von Tizian bestimmen 'können. Dagegen glaubt derselbe Forscher in dem Bild der Maria Plägdalenä in-der Kathedrale von Trvgir) das bisher unter dem Namen Tizian ging, die Ha"d eines Schülers des venezianischew Meisters zu erkennen. qp Die Malerin Paula Nenfeld ans Berlin, bekannt durch ihre.Ausstellungen im Kulturbund und.'im Jüdischen Piuseum der Reichshanptstadt. veranstaltete in Kansas Eiw eine iiiiifmigreicheI'lns- .stellnng. Dazu schreibt „The Kansas Eity Star" in seiner Ausgabe vom 20. August 1006: „Paula Neuseld ist eine Malerin von Bedeutung, sie liebt Farben, all ihre Gemälde gehen vom reichen und - tiefen Not ziün Braun, von da wieder zu den blassen Farben des Nachmittagssoiinenlichts. welches auf die jungen Frauen fällt, die nähen oder lesen . . . Bei Grabnngsarbeiten im Bereich der Burg in Lübeck entdeckte man seinerzeit.eine Kirche des 12. Iahrhlinderts in ihren Grundmauern, In. das St. Annenmuseum der alten Hansestadt gelangten^verschiedeue Plastiken, die znm Schmuck dieser Kirche gedient hatten. Kürzlich entdeckte man die Figuren der Spimgoge und der Ecclesia. die vielleicht von diesem selben Ban stammen, für uns'ein weiteres Beispiel mehr dieser ikonographisch interessanten kunsthistorischen Fignrenreihe, die wir.am Bamberger.Dom und am Straßburger Münster and in der französischen Kathedralenplastik kennen. Als Adolph Gvldschmidt, der Berliner Kunsthistoriker, sein Buch -über- „Lübecker Nialerei und Plastik bis l.->30" schrieb, war ihm diese Gruppe noch nicht bekannt. Im Perscrranm des Vorderasiatischen Muse)nns fanden neuerdings Denkmäler Anfstellimg, über deren Herkunft die Gelehrten sich noch nicht ganz einig sind. Es hondelt sich um eine Reihe von Inschriftplatten aus Südaräbicn sowie zwei Grabbüsten aus Kalkstein und.eine Niaske aus Alabaster, ebenfalls südarabischer Herkunft. Man hat feststellen können, daß diese Kunstwerke um Ehristi Geburt zu datieren sind und daß die Schrift wie auch die Sprache semitisch (sabäisch. himjaritisch) sei. - Sonnenschein kommt und geht, glncklictfe Stimdci/kommen n»d gel)en, mW cs imig in mir einen Narrengellen, einen reinen Toren, der. vergessen hat. die Zeitung zu', lesen nnd dafür die Stunde notiert, in der Sonnenschein war. lind diese Notiz einem anderen znfendet, der Erwartung, cs könnte verstanden werden. — Somit Inn ich eigentlich am Ende des Briefes, docli drangt es mich gegen meine ganze Ennvolfnheit. noch einiges hinznznfügen. (Sie müssen nämlich wissen, das; ici; es vermeide. lange Briefe zu fchreillen.' mich des Sckireillcns geradezu entwöhne.-wie-ich es nie . gcliellt oder getan, mit Karten oder ähnlichem zu spielen, es sei denn ein sportliches Spiel zu "Wasser und zu Lande. Fiir ineine Person empfinde irt) cs als eine Zeitverschlvendnng. llcim Tvmino die halbe Naclst wach zu sitzen, obgleich ich oft anch die ganze Nacht wach llleille, aller nur, .nm mir klar zu sein und Nechensclfast zu gellen i'iller Weg und Ziel, und mir Mut znznsprechen. weil der Weg so schiver. ist, weil die Eiefähr so groß ist. die Kräfte In zer- - splittern, die Zeit so kurz für unsere Letzensansgalle — nnd weil wir unser Ziel erreichen müssen, -daiür znm Einsatz ivir selbst. Tenn, nicht ist die Kunst für uns geschaffen -,worden als Trösterin, nnllefriedigter Ätzünsche. sondern ivir letzen und dienen der Knust, als der gewaltigen B.ermittlerin am Fortschritt der Nlensästieit. In .dem - lebendigsten.Austausch des Gedankens' nnd. der Tat mit den Atzernchlionen schaffender Btenschen '-uin ims, criväclist in uns die Gesundheit und. Kraft nnd Würde, die allein uns zur Leistung befähigt. --Wir -wollen die Vergangenheit kennen, weil wir uns kenn'en ivollen. die ivir heute letzen, damit einmal 'vielleiclft unsere Werke anch Pfadfinder sein dürsen-sür neue Erken'nt- Nemtzrandt verstand ich spät. Biil nm Fo größerer Achtung stehe ich aller vor ihm. Wie schön ist die Gewißheit, daß.es "Geister wie Rembrandt gegeben, Genien, die die Btenschheit ohne allen eigenen Nutzen — so scheint es manchmal- — ein gut Stück Weges vorangebrächt haben. Wahre Gesandte eines Reiches, größer, als unseres,. Ich sehe ans eine Hand, die Rembrandt gemalt hat, und bin erschrocken vor der Lebendigfeit und inneren.Wahrhaftigkeit dieser Hand, sie lebt, sie begleitet mich. Aller nur die Hand? Nein.,.feine Gestalten leben wahr und wahrhaftig, sie sprechen nnd handeln. Ich besuche sie. ich grüße Hendrickje, Saskia, sie sind mir vertrant, ich freue mich mit ihnen, mit Hendrickje. der Annnrtigen. Ich bin froh in ihrem Kreis. Rembrandt hat ihnen'chNUn Tank-für alle ihre Liebe das ewige Leben geschenkt. Ein . Wunder. — Vielleicht. Ellen fällt ein Schatten ans meinen Bogen, auf dt^n ich schreihe. und ich höre einen Niuseumsführer zu seinem Begleiter sagen: „Rembrandt war ein von seinen Mitmenschen verkannter, verbitterter, arm gestorbener' Ich sehe ans. Ter Begleiter macht ein mitleidiges Gesicht, ebenso wie ich, denn' es können mir leid tun die beiden vor mir. Für was/ halten sie denn einen schöpferisch tätigen Menschen? ..Warum die falsche Meinung? Rembrandt war nicht, kann nicht verbittert gewesen sein, er hatte sein liebes Weib, seine Saskia, seine Hendrickjei seinen Titus, feine Pinsel mid Farben und Kupferplatten. seine Freunde, sein Amsterdam mit dem ihm verschwägerten, von ihm geliebten Licht, das die geheimnisvollsten Biärchen ihm in seiner farbigen, nebellichten Materie zutrug.', daß er über aller Arbeit immer" wieder mcll jedes Leid vergessend konkursdroliende ETerrrlitsvvllzieher. seine stervenden Franen. leim Einsamkeit, seine Hinfälligkeit übersah." ivenn oben znm Ntalen das Licht günstig oder das Kleid irgendeiner Potipharssrau anders zu lasieren war. Er starb,--wie starb er? Farbenbcklert fein knöcliener Finger. voiG dem keine tüchtigste,Leichenwäscherin die Wahrzeichen seiner Arbeit wird entfernt haben können; aus, die Brust klopfte er sich: ... . . Ich habe mit dir gerungen und du hast mich nicht übermocht. ich lasse dich nicht, du segnest mich denn," Ich sage Ihnen, Herr N. N.. dieser'Rcmbrandt oder wer cs sonst von allen schöpfe-° risch tätigen Menschen ist, war Zeit seines Lebens glücklich,- glücklich im Glück.wie im Jammer. Tenn ihm inncwohnte der Glaube, die Zuversicht, unerschütterlich. Ein Wollen, nur ein Weg,-nur ein Ziel. Fanatisch. Das sind nicht mehr die Ncärthrer für ihren Glauben, weil sie in ihrem Wege nicht Schmerz, nicht Not erkennen oder das Vorwärts immer unendlich stärker ist als alle Not, als das läppische Wchegcschrei ihres crdgebunvenen Herzens. Nur kn den Augen einer Mitwelt, ans dem Munde Abseitsstehender. von Mnscumssührern kommen Worte ohne Begreifen voll rührseligen Niitleids. - Ichfrage Sie, ob nicht eine Stunde nützlichen Schaffens, eine Sekunde der Erkenntnis tausend Schmerzen oder Enttäufchnngvn ausiviegt? . - - Mich soll man ungeschoren lassen mit allen rührseligen Geschichten von armen Malern. Musikern, Dichtern, die. entweder ach so früh starben oder sonstwas. Es geht diix Rechnung immer ans. — Auch soll man nicht ekwa meine», der Künstler habe nur voll Arroganz und Stolz den Kopf zu werfen, daß seine Ätähne den richtigen Fall bekäme. um: insonderheit wie allgemein den Eindruck von Genialität zu erwecken. Ich meine, wir sind Soldaten des Lebens, Soldaten im Leben, wie man sich Soldaten vorstellt, nur daß wir nicht immer das Glück Haben, unsere Feinde zu—kennen oder zu sehen. — — Nembrandts Gesicht, das des-, jungen Menschen, das des „Alten", lachend oder nicht, es ist immer das gleiche, daran ändern nichts die Falten, die entstehen/wenn wir im Läufe unseres Erdcnseins gerädert, gefedert, gebrannt, zerstoßen und weiß ich sonstwas werden. An wem von uns ginge denn irgendein Schmerz . vorüber« ein Schmerz, dem es Vergnügen bereitet hätte, zu sagen'.^.Ich mag dich nicht?" Aber wer darf sich so glücklich preisen wie wir, daß wir, wenn uns ein Jammer mit seinen allerglühendsten Zangen Packt, daß wir dann flüchten dürfen voller ruhiger Harmonie der Seele hinauf in ihre Tranmgefilde? (Nnd von unserem.Willen ja doch nicht und erst recht, nicht lassen. Wir sagen schließlich nur ätsch und machen die.lange Nase dorthin, - woher wir glaubten, daß der Jammer kam.) Tie eine Frage, die wir vom Mutter- Zchotze an bei uns'tragen, die-uns niemals verläßt nnd die wir unbeantwortet mit ins Grab nehmen, es einer höheren Macht überlassend, ob nach dem Tode ein Rätsel seine Lösung finden -soll, die eine Frage: „Warum?", warum leben wir, warum arbeiten und mühen wir uns, warum kreisen Gestirne' in einem unendlichen All; warum sind, unsexem Geiste . Grenzen gezogen, über die wir nicht .hinausdenken können, diese Fragest verführen uns nur zu oft. Alchimisten zu sein, die in Retbrten das Gold'- suchen. Nicht soll das . Gedankliche das malerische Moment überwuchern, da es sonst nie/eine Lösung gibt und die. Sprache der Wahrheit, die die Sprache des Herzens und der Seele, die Sprache neuer Erkenntnis ist, wie verschnürtes Werkzeug am Boden liegend verstaubt. Tenn nichts offenbart metzr die Welt der Wunder nnd der. Mhsterien, die unsere Welt ist, stärker als. alles, was sich denken - läßt, ein göttlicher Funke, so dieses menschliche Wort „göttlich" ein schwacher Hinweis ans nicht zu Ahnendes ist. Unfaßbarer Lenker, dem wir. wenn wir offenen Herzens sindii -so tzlind gehorchen, daß wir selbst erst zuletzt, wenn schon das Werk steht, das unsere Hände hoben schaffen müssen, sehen und erkennen. Unser Tichtcn kleinste Scliöpsnngsstunde, Bericht ans anderen Welten. Feierstunde oder Gottesdienst. Seele, die Hand geworden, um in Linien und Farbe Wunder zu bannen; Seher« die deuten« Horst Morati