Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 45 (5.11.1936)
- Date
- 1936-11-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Gedenkstunde des K.C. zu Breslau Am 1. 3tvvcmbcr kamen i'iticr ,130 £. K.c-r in Breslau Zusammen, um das Andenken der alten „Biadriva"' in der Stadt zu feiern. in der sie vor 50 ^asiren von 1(3 jüdischen Studenten gegründet worden war. Ihre historische Sendung und die beispielhafte Bedeutung ihres Schicksals, lieft Sanitätsrat Tr. Sylvins Pick (Bcuthen). einer ihrer ältesten Seniorennoch einmal vor der festlichen. Versammlung erstehen. einer ergreifenden Ehrung für die verblichenen Bundes-- brüdcr heraus gestaltete der Redner den-Tank an alle. dZe> das unzerreißbare Viadrinenband -getragen hatten. lind den Tank an. die „Thnrincha^. die. als die Viadrinä nach zehnjährigem'Bestellen ehrenvoll unterging, ihren Geist lebendig erhielt. Tr.. Hermann Bcrlak (Berlin), der namens des Gcschäftsführeudcn Ausschusses und aller ÄltherVenvcrbände 'des K.C. sprach, iintcrstrich die einzigartige Verknüpfung der Biadriiia mit der Gesamtheit des K. E. „Ans Viadrinengeift ist K. C.-Geist cntstaiideii, und- Viadrinen-Schicksal ist K. C.-Schick'al genwrden." Toch der Blick auf die Geschichte der Biadrina ist der Blick aus ein gläubiges Jungsein. „Ich gedenke der Zeiten deiner Engend." So wie die Biadrina'das Indentnm ihrer Zeit vergingt hatte, wird die aus ihr gestaltete bnndesbrnderliche K. E.-Gemeinichait sich jung erhalten über, Jahrzehnte. Schicksalsschlüge und Ozeane hinweg. In die würdige Feier, mit deren Organisation und Leitung. sich Tr. Rudolf Breitbarth (Breslau) großes Verdienst erwarb. fugten sich der Gesang von Alfred Roßbach und die Begleitnng vvn Erich Schaf ser geschmackvoll und erhebend ein. vr. Rudolf H. Heiniansohn. Jüdischer Wahlkampf in Wien Das jüdische Leben Wiens steht augenblicklich im Zeichen des Wahlkampfes für die am 8. November stattsindende Neuwahl des Vorstandes der Israelitischen Knltnsgcmeinde. Das Gremium, dessen Wahl bevorsteht, der „Vorstand", wird sich ans 36 Persönlichkeiten znsammenseßen und entspricht hinsichtlich seines Aufgabenbereichs den Repräscutantenverjaininlungei, au den' jüdischen Geniciildcn in Dentschlaild,- die eigentliche Erekntivc der Geindeverwaltung liegt in den Händen eines „Vertreterkollegiums", das gleichfalls am 8. November gewählt wird. In diesen'letzten Tagen vor der Wahlhandlung ist die Wahlpropäganda unter den Wiener Juden in vollem Gange. Fünf Listen haben ihre Kandidaten zur Wahl gestellt, eine „Zionistische Liste", eiiie Liste „Sozialer Arbeitsgemeinschaft — Liste des Arbeitenden Palästina", die ,>Liste der Union dcutschvsterreichischcr Juden" und eine „Liste der jüdischen Jugend". Seine Schärfe erhält der Wahlkampf durch die starke Rivalität zwischen den zionistisciM Gruppen und der „Union"; die Zionisten hatten, nachdem die „Union" jahr,zehntelang die Mehrheit in der Wiener Gemeinde gehabt hat. 1932 Pie Führung in der Gemeindevcrwaltung übernolnMen 'und werden den Beweis erbringen. daß ihnen das Vertrauen der jüdischen Massen Wiens auch wirklich gehört. - Von den fünf Parteien, deren Kandidaten sich um Mandate bewerben, sind bisher drei mit programmatischen Erklärungen an die Oefsentlichfeit getreten. Tie „1t n t ort* erklärt -sich für bte x ideelle und materielle Mithilfe am Palästinawcrk. das denjenigen gelten soll, die nicht in ihren Heimatländern bleiben können oder wollen. Alle Ausivaiideriingsmoglichkeiten, auch die nach anderen -Ländern, sollten gefördert werden. Tie „Union" spricht sich für die Pflege des Gedankens der Schicksalsverbundenheit aller Juden -ans und propagiert die gleichmäßige.'t'Berücksichtignng der ^eli glasten—Bedarfnisse aller jüdischen- Gruppen. Tie „ Z i o n i ft ische Liste ", die der gegenwärtige Präsident der Knltnsgemeinde, Staatsrat Tr. Tender Fricdmannfuhrt, fordert die-Sclzaf-' fimg einesmit Rechtspersönlichkeit äusgestatteteu österreichischen Gemeindebundes; Tie Zionisten treten weiterhin für die Wahrnehmung aller den Indem als. Gesamtheit verfassungsmäßig '.gewährleisteten bürgerlichen Rechte ein und kündigen den Ausbau der Gemeindeeinrichtungen auf allen Gebieten, vor allem aus dem der Wohlfahrtspflege. an. Tie Liste der ,. S o z j a l c n Arbeitsgemeinschaft" fordert die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes in der Kultusgemeinde, in der bisher eine Art „plntvkratisches" Wahlrecht gilt. Sie will für die Förderung des Interesses der jüdischen Arbeiter und Angestellten und für die Abwehr aller sie bedrohenden AbbciU- Maßnahmen eintreten lind die Knltnsgemeinde zu einer Volksgemeinde umgcstaltcn. K. J. R. Die jüdische Auswanderung aus Deutschland Michael Tra ü b ist aus dem Gebiet der Mandcrungsstatistik kein Unbekannter mehr. Sein 1930 erschienenes Buch über die jüdischen Wanderungsbewegungen vor und nach dem Weltkriege gehört zikden bekanntesten Schriften ülmr jüdische Wanderungsfragen.. Nunmehr legt Traub eine neue Broschüre vor „D i e j ü d i s ch e A u s w ä n d e r u n g a n s. D e u t s ch lau d l fl 3 6". (Verl. Jüdische Rundschall, Berlin. 44 S.) Sie unternimmt den Versuch, einen Uebcrblick über das Tatsaclieiimaterial der jüdischen Allswanderung aus Deutschland > seit 1933 zu geben und gleichzeitig eine Art Bilanz der bisherigen Entwicklung zu ziehen. Im Anschluß an.-eine knappe lieber sicht über, die jüdiscimn Ltsandernngdn vor und nach dem Kriege werden Zahlen der Wanderung von- Juden aus Deutschland seit 1933 zusammengestellt. Der Tarstellniig liegen die vom Wanderiiilgsansschuß der Reichsver-. . tretilng der Juden in Deutschland vor kurzem — auch in diesen Blättern — veröffentlichten Zahlen zugrunde. Diese Zahlen wurden vom Wanderungsausschllß festgestellt, unter Verwendung des Traubschen Zahlenmaterials sowie der Statistiken des Hilfsvereins und des Palästinaamtes. Danach steht a»l der Spitze der .Einwanderungsländer -Palästina mit 33,33 Prozent aller Wanderer/ es folgen die - überseeischen und die europäischen Länder mit je 23,66 Prozent; den Beschluß bildet die sogenannte Rückwanderung nach Osteuropa mit 19,35 Prozent. Bei der Schwierigkeit, für einen so kurz zurückliegenden Zeitraurn erakte Zahlen' zu erhalten und angesichts der Tatsache, daß Teile der Wanderung nicht dlirch Vermittlung jüdisckier Institutionen gehen und daher von diesen statistisch nicht erfaßt werden, mußte in wesentlichem llrnfangc zu Schlitzungen gegriffen^ werden. Immerhin, im Großen genommen, gibt das Traubsck)e Zahlenmaterial sicher ein richtiges Bild der Wandernngsbewcgnng voll Inden aus Deutschland. In einem auf die Zahlendarstellung folgenden Kapitel wird 'mit-Recht auf den Unterschied hingewiesen zwischen der Wanderung nach Palästina und nach Uebersee, die in der überwiegenden Zahl der Fälle wirtschaftliche Einordnung möglich gemacht hat und allein als Wanderung im eigentlichen Sinne bezeichnet werden kann und dev Wanderung in die europäischen Länder. Ta diese dem Fremden fast immer den Weg zur Arbeit aus Rücksicht auf die eigene Arbeitslosigkeit verwehren, sollte man von Flüchtlingen sprechen, deren wirtschaftliche Einordnung bisher nur durch erneute Wanderung zu erreichen Bis zu-diesem Punkt-der Darstellung konnten wir'Traub gern und in vollem Umfange folgen. . Auch noch; wenn er den /besonderen Charakter, der Wanderung nach Palästina betont, das. den Wanderern aus Teutschland nicht nur wirtschaftliche, sondern aiich jüdische Einordnnngsmöglichkeiten gegeben hat und gibt. Wenn Traub nun im weiteren Lauf der Darstellung dazu übergeht, die grnndsützlickien Lehren ans den bisherigen Wandernngserfahrinigen zu ziehen, stocken wir, .trotz Uebercinstimmnng in vielen Punkten, doch öfter dort, wo uns der zionistische Politiker etwas an die Stelle des reinen Wissenschaftlers zu treten' sctzeint. Traub selbst macht kein Hehl daraus, indem er wiederholt auf die Stellungnahme der Zionistischen Organisation, verweist. Er analy« ' siert die Wanderungs- und Siedlungsmöglichkeiten in den Ueberseeländern und kommt fast überall zu einem sehr negativen Ergebnis, während er die an sich deutlich gesehenen Schwierigkeiten in Palästina vielleicht etwas zu rasch beiseite schiebt. Siedlung, darin hat'Tranb recht, ist ans die Tauer ohne eine dahinter stehende idealistische Gesinnnng. nicht aussichtsvoll. - Aber hier muß gesagt werden, daß bestimmte Kreise der jüdisch« Jugend in Deutschland bereit und in ernster Vorbereitung sind, in Uebersee zu siedet,, aus einer durchaus, auch jüdisch, geprägten idealistischen Gesinnung heraus. Uebsr sie wird man erst urteilen können, wenn sie ihre Chance bekommen haben . werden. Daneben wird es in zunehmendem Muße eine nach rein ökonomischen Gesetzen gelenkte Wanderung geben. Von anderen Anschauungen als Traub über den Wert des Tiasporajudentnnls ausgehend, halten wir dies» Wanderung nnch jüdisch für vertretbar, obwohl wir die von Traub gezeichneten Gefahren der Entjiidpiig durchaus sehen. > Diese Wanderung, die wir "nicht- - nur mit Trailb als eine Wanderung für Palästina nicht geeigneter.. Elemente ansehen möchten. mich ohne Weltanschauungsbetrachtiingen nur nach den Gesetzen der Wirtsch.ift gelenkt werden. „Ans Ländern mit einer rdlativ fortgeschrittenen ökonomischen Struktur wird der jüdische Wanderer nolens volons dorthin ziehen müssen, wo zahlreiche Lücken des Wirtschaftslebens ihw deic Weg seiner weiteren wirtschaftlichen Entwicklung zeigen werden: Die Anssüllnng dieser Lücken wird, ähnlich wie. im Mittelalter, die wirtschaftsknlturelle Mission der kommenden Judcnwanderungen bilden",, so schloß Traub das Vorwort - seines ersten Buches. Es formuliert zutreffend die Aufgabe jüdischer Wanderungspolitik in den nächsten Jahren.^ Im übrigen wäre nur noch hinzuznfügen. daß die Broschüre Traubs. die sich durch eine klare und sachliche Darstellung auSzeichnet, jedem an diesen Fragen Interessierten — und das sind wir mehr oder weniger alle — als ein wesentlicher Beitrag zum Wanderciiigsproblem der Juden aus Teutschland sehr zur Lektüre empfohlen werden kann. Friedrich Brodnitz. Aus den Gemeinden Bevölkerungs-Bewegung in Berlin v Ter Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin. Tr. Büchner, machte nach Meldung der „Nachtausgabe" Angaben über den gegenwärtigen Stand der jüdischen Bevölkerung in Berlin. In der letzten Dolkszählcmg von 1A33 wurden in, Berlin insgesamt 161000 Glanbensjnden feilgestellt. Sie bildeten Prozent der Gciamteinwohnerschait. T:e starke Verjndung Berlins sei nicht auf die natürliche Eigenvermehrnng der Inden znrück.znführcn — die Geburtenziffer der Berliner Inden lcegeim° Gegenteil seit langem - unter dem Tlirchschnitt ganz Berlins —. ..sondern so -gut >vie arls'chließlich ans die Zuwanderung aus . dein' Reich rmd vorallem ans. den -Lststaäten.!- Ich zwerten Halbjahr 1034 seien immer, noch an- ■ nähernd 4000 Juden, und zwar meist, aus kleineren Orten der benachbarten Gebietsteile, nach - Berlin zngezvgen. Vom 1,'August 1935 ab führt das Siatistischc Amt der Stadt Berlin nach der Mitteilung von Tr.. Büchner eine lausende Statistik.der zu- und ü'rtzi.ehenden Juden durch. Es ivurde dabei sestgestellt, daß seitdem bis Ende Juli 1936, also in einem Jahr, 4500 Juden mehr aus Berlin wrtgezogen als zugewandert sind. Dies bedeutet eine monatliche Abnahme von 375 Glanbensjnden. Nach den - Berechnungen des Berliner Statistischen Amtes dürften 150 000 Glanbensjnden etwa 40 000 nicht der mosaischen Religion ungehörige Rässevolljuden und 60 000 Mischlinge gegenüberstehen. Es würden sich also für Berlin insgesamt 250 000 Indenstämmlinge <190 000 Rässevolljuden und 60 000 Mischlinge) ergeben. Gemeindewahlkampf vermieden Tie in letzter Zeit wiederholt unternommenen Versuche, nach Ablauf der Legislaturperiode der Gemeindekörperschasten eine Wahl zll vermelden und statt dessen sich ans eine Einheitsliste aller Parteien zu einigen, .haben, wie fortlaufend berichtet werden konnte, in den verschiedenen Ge, meindcn Erfolge gehabt. Neuxstens ist wieder durch Anfstellinig einer Einheitsliste eine Wahl in Halle vermieden worden. Tort ist die Zahl der Vorsteher von 6 ans 5. die der Repräsentanten von 15 auf 10 herabgesetzt worden. A.ns der Einheitsliste wurden 6 Liberale und 4 Zionisten gewählt. In Bonn ist der Vorstand der Gemeinde mit der?li,sarbeitung einer Einheitsliste beauftragt worden. V Ter Tres d e »er Gemeinderat hielt nach der Sommerpause seine erste Sitzung ab. Zu-den Hauptpunkten der Tagesordnung gehörte die Beschlußfaisiing über die Nenzlsiammensetzung der Gemeindekörperschaften, deren Anitsdauer. gemäß dem im Jahre 1934 ergangenen Schiedsspruch der Neichsvertrctung schon Ende 1935 ablief,.mit ihrem Einverständnis jedoch um ein Jahr hinalisgefchoben wurde. Der Gemeinderat stimmte nach eingehender Beratung , den Beschlüssen des Vorstandes über die Vorbereitungen für eine Nenkonstitilieriing der Körperschaften zu. Sie soll nach einer vorher zu beschließenden Satzungsänderung auf dem Wege der Verständigung unter den einzelnen Gruppen, also öhne Wahlgang, erfolgen. . In ihrem Verwaltungsbcricht für 1935 berichtet larrt „Landeszeitllng" Wiesbaden die Stadt ,F r°a n k s n r t a. M. über Maßnahmen aegciti'iber -den jüdischen Schülern. Aus den Grundschulklassen seien die jüdischen Schüler herausgenvmmen und in rein jüdischen Klassen zu-, sammengezogen worden. In diesen Klassen unterrichten noch im städtischen Dienst verbliebene Lehrer. Die Spnagoge in Aßlar im Keise Wetzlar ist. znm Abbruch verkaust worden. In Aßlar wohnen nur noch drei jüdische Familien.' Gewöhnung an Ordnung. Disziplin und Allsdaner das. worauf wir zumeist halten." Ans der obersten Terrasienstufe, die einen wundervollen Blick gelvährt ans den lignrischeii Golf und auf die Berge des Apennin, lvird ein Weg geteert. Es ist Ijnrie-Sivbcit, und vielleicht, vielleicht wäre selbst der sonst so ivenig beliebte Pvthagoras dem jetzt vorznziehen. Eine strahlende Sonne steht am lcnchtend blauen Himmel, und von nirgends her will Schatten kommen. ,.3ia. wollt ihr etwa jetzt schlapp machen, fünf Minuten vor Schluß k" Drei Köpie fahren erschrocken herum, drei Händcpaarc greisen eilig wieder zum Werkzeug. Schlapp machenk — Nein! Hierbei nicht, und bei anderer Gelegenheit auch nicht. Wir gehen weiter. Hinaus znm Hans, das mit seinen Ballonen und Terrassen höchst anmutig ins Land schaut. Es ist fest und solide gebaut, weit^ räumig, und enthält neben Wohn- und Schlafräumen gekachelte Bäder -und moderne Waschränme. Große Schlaüäle und vermieden. Zwei, höchstens drei Kinder bewvbnen'rin Zimmer. Jeder darf.den ilnn zur.Verfügung stebenden Raum nach Geschmack anspntzen. Photos Und.Zeichn'nn'geir bedecken die Wände, „Lehrer und Schüler verschiedener Herkunft und Ucberzeugun'g". lagt Tr. Weil, „leben bei uns srenndschaitlich »üteinnnder, und wir' erkenncn dankbar an. daß sic nnierem Heim eine Weite und Spannung geben, die bester ans das spaiittnugsrciche spätere Leben vorbereitet, als eine sektenhajie Einmütigkeit nNd Abgeschlvsienheit, Tie Gastireimdschait. die uns Italien ans das srenndschastlichile geivlchrt. trägt gleichzeitig viel znm Erfolg der Erziebwig bei; denn gerade in einer Zeit nationaler AusriM.nng der Völker gewährt die Kenntnis eines Eeren Volkes die Distanz, die nötig ist. damit die Schiller ibre Eigenart durch Vergleich , mit anderen kennen lernen . . ." Em Heller Gong /unterbricht ibn. Mi'ü?e'Wegearbeitcr. tinteniingrige Scholaren strömenvon allen Ecken mkd Enden per. kn dce Waschränme. Tie Stimme der Natur bat gernieu. lind schon-wenige Minuten später sitzen alle ckn den grosien weißgedecktcn Tischen des Eßsaals und lassen es sich nnindcn. Ein südlich blauer Himmel, eine strahlende Sonne blicken cherein. Blicken aus - fröhliche, lachende Atenschcnkinder... . Ver» Orsener. Xultur»rhe!t in Königsberg Königsberg, ist nicht so glücklich, ein jüdisches Lehrhans zu besitzen. Um so bedeutungsvoller ist die Bildnngsnrbeit, die der Landesansschnß Ostpreußen der Jüdischen Ingendverbände für sämtliche angeschlvssenen Ingendverbände Königs- * bergs durchführt. Nachdem bereits im Frühjahr 1936 Tr. Bruno S o m m e r f c l d über die gcistige und berufliche Situation der jüdischen Jugend vor allen Bünden gesprochen hatte, leitete. Ntitte September Tr. Ntar A n g e r t h a l eine Folge von Arbcitsabenden. mit einem Referat über „Gemeinsckmst und Gesellschas.t" ein. Obwohl diesem Thema-zwei Abende gewidmet waren, konnte der nmsangeeiäie Fragenkreis dieses Stoffgebietes nicht eriäiörsit iverden. 'Ausgehend von den in-der Geschichte des menschlichen Zusammenlebens anstretenden Gemeinschaften, für die eine ganze Reihe von Beispielen knapp entwickeltwurde, tvurde' versucht, das Wesen von Begriff und Idee der Gemeinschait zu erfassen. Ten persönlichen-- Beziehungen der zlisammenlebenden Menschen entsprachen bestimmte 'Wirtschaftsformen der Ge- ,neinsck)tckt. die an der Fsanswirtschaft der Familie. der Ntar.kgeno.ssenschaft des alten Banerndvrses.der Organisationen der mittelalterlichen Zünfte 'imC Stände sowie der geistlickien und weltlichen Orden deutlich wurden? Beiden im jüdischen Bereich auilretenden besonderen Gemcinsckiastssormen-. wie z. B. de§ alten LehrhaufcS und der religiöse-, Geincinde überhaupt, tritt allerdings die ökonomische Bedeutung, zurück. Erst in dem Kibbuz des neuen Palästina verkörpert sich wieder der Gedanke der Gemeinschaft des Geistes, des Ortes n n d des Wirts.chaften-5. Während in der Gemeinsä^isr das Wohl-der Gesamtheit entscheidend ist. treten in dbr Gesellschaft die Interessen ' ihrer einzelnen Mitglieder in den Vordergrund. So beruht die ..Vergesellschaftung" (Mar Webers ans dem rational motivierten Intcrcsienausgleich. Für viele war. die Erkenntnis neu. daß. auch die. Bünde und ihre Vienschen durchaus )m System des Gesellschaftlichen befangen seien und ihre Sehnsucht nach Gemeinschaft noch keineswegs als Erfüllung gelten könne. Die Erfüllung-der Idee liegt vielmehr erst in der um einen Mittelpunkt sich zusammenfindenden Lebensgemeinschaft, wie sie Martin Bnber (Kampf in Israel) angedentet hat. Ter Eigenwert des einzelnen soll in der Gemeinsckiast nicht ausgehoben werden,'sondern findet in ihr erst die rechte Vollendung und Einordnung. Ter von einer Teilnehmerin der Anssprackze gefundene Vergleich, mit den Instrumenten in einem Orchester wurde als treffend erkannt. Die nicht immer leichten Ausführungen, die sich hauptsächlich auf Ferdinand Tönnies, Mar Weber und Martin Bnber stützten, wurden mit lebhafter Beteiligung ausgenommen. Am 20. Oktober leitete Franz Kaelter eine Arbeitsgemeinschaft über „Tie geistigen Grundlagen der Jugendbewegung". Durch geeignete Fragestellung ließ Kaelter die Iugendlicksen selbst die Wesensmerkmäle der Jugendbewegung finden, um sie dann selbst an Hand der berühmten „Formel des Hvhenmeißuer" in ihrer eigentlichen Bedeutung erstehen zu lassen. Wenn manches von dem. was die Jugendbewegung forderte, heute den jungen Menschen der Bünde ein Lächeln abnötigte, so beweist dies, wie unnktuell heute die eigentliche Jugendbewegung zu sein scheinst Vielleicht - liegt dies daran, daß manche Forderung sich in der (siesellsckiaft bereits dnrchgesctzt oder wenigstens Achtung errungen hat. (Z. B. Volkslied, Volkstanz, Wanderfahrt-, Beziehungen zwischen Jungen und Mädel.) Kaelter zeigte die Gefahr ans. die da^rin besteht.-daß die Jugend die eigene Verantwortung vergesse und'.zu sehr sich in das Schlepptau von Erwachsenen-Verbänden begebe. Das Ziel der Iugendbewegiing, eine neue Gesellschaft heranszuführen, sei nicht erreicht. Ter Abend schloß mit. der Mahnung, die heilige Erbschaft der In- . gendbewegnng in den jüdischen Bünden um eines neuen jüdischen Lebens willen weiter, zu tragen. . M.A.- Tie Universität Orsord hat den Wiener Hals- und Ohrenspezialisten Professor Heinrich - Ritter von 3t cV mann, den Arzt des Königs, von England, kingeladen, Gastvvrlesnngen in Onord zu'halten. Zn Ehren des in'Prag weilenden hervorragenden französischen Slawisten Professor Louis Eisennrann .veranstaltete der tschechoslowakische Nnterrichtsminister Tr." Emil Franke einen Empfang. Professor Eisenmann, der Jude ist, wurde 1869 in Hagenau geboren. 1905 wurde er Prosesior' an der Universität Dijon, 1913 Professor in Paris.- Er, liest über slawische Kulturgeschichte und Zivtldsativn und hat grundlegende Werke über Slawistik aeschrieben. Eisenmann ist Generalsekretär des. Instituts fürslawische Wissensebaftcn und Mitherausgeber der Zeitschriften „Le Mondeslave“ und „La Revue historique“. f Die Ludwig-Tietz-Lehrwerkstätte in Jagur > In diesen Tagen, in denen sich der Todestag von Ludwig Tietz zum dritten 3Nale jährt. wird die zu Feinem Andenken errichtete Lehrwerkstätte in Jagur. an deren Zustandekommen die jüdisd)en Großorganisatoren in Deutschland — insbesondere die R'eichsvertretnng. der Jüdische Centrnl-Verein. der Hilssvereist und die 'Arbeitsg^mcinschajt für. Kinder- und Iugcnd-3ll,jah — tätigen Anteil haben, ihre- Tätigkeit beginnen. Sechzig. Jugendliche aus Teutschland werden' in den nächsten Wochen nach Palästina ziehen, um die neuerbaute Schule, die der handwerklichen und jüdischen 3lnsbildnng gleichermaßen dienen soll, zu besudicn. . Die Verbundenheit, die alle Träger dieses gemeinsam geschaffenen Werkes mit Ludwig Tietz empfanden, wird sich nun aus diese Schule, die /seinen 3!amen führt, übertragen: sie wird gleichzeitig für alle zur 3Nahnung werden.Imit derselben jüdischen Gesamtverantwortnng zu wirken, die Ludwig Tietz "beseelte. Gleichzeitig aber wird die, Schule greifbares Symbol für das Schasfen eines Jugendführcrs sein, dessen eigene Jugend in eine Zeit jüdiicher Scheinsicherheit zurückreichte, der einer unsicher gewordenen jüdischen Generation efne neue Grundlage ihres jüdischen Seins gab. und der nny auch der Jugend, die die Wirklichleit jüdischen Schicksals in ihrer ganzen Weite und Tiefe durchleben muß, richtungsweisend und verpflichtend bleibt. .' \