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Central-Verein-Zeitung · 1936-10-29 · 44 (29.10.1936) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
44 (29.10.1936)
Date
1936-10-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 44 3. Beiblatt 29. Oktober 1936 ■ . ■ 1' Grenzen der Vernunft und des Humanitätsideals / zu dem Erasmusbild \ton Huizinga - Die Universität Basel feierte in diesen Tagen den 400. Todestag des Erasmus von Rotterdam. ' Tie Verschiebung der Feier: — der Todestag ist der 12. Juli — war erfolgt, um mit der Gedenk-, feier zugleich auch die Zentenarfeier der Basler Historischen und Antiquarischen Gesellschaft vcrbinden zu können. Die Gedenkrede hielt der bedeutendste Erasmus-Interpret der Gegenwart. Professor Johannes Huizinga aus Leyden. Wir veröffentlichen aus diesem Anlaß eine Würdigung seiner großen Erasmus-Biographie (I. Huizinga. Erasmus. Basel 1936; Benno Schwabe & Co.) aus der Feber von Tr. Ludwig Feuchtwanger, München. Tie Schriftleitung. Im'Hochsommer dieses Jahres führte sich zum 4OO. Male 'der Todestag des niederländischen Humaniften Erasmus von Rotterdam, den meisten heute nur mehr aus der Kunstgeschichte vertraut; denn-Erasmus ist von drei der größten Maler seiner Zeit porträtiert worden, von Albrecht . Dürer. Hans - Holbein und Qüentin Metsys in Antwerpen. Und doch hat die ganze gebildete Menschheit—und aus mehrfachen Gründen ganz besonders die heutige Judenheit — Ursache, den Namen Erasmus nicht zu vergessen. Wir haben das Glück, durch das kongeniale Werk eines wahrhaft erasmischen Beobachters. Psychologen und Skeptikers, des Leydener Historikers H u i z i n g a. dessen jüngste Diagnose des kulturellen Leidens unserer Zeit einen charakteristischen, fast allzu widerstandslosen Widerhall gerade, in unseren Reihen gefunden hat, einen unpathetischen, höchst' zuverlässigen Führer und Deuter des Lebens- und Gedankenweges'' des uns am 7 nächsten stehenden Mannes der Luther-Zeit bekommen zu haben. Huizinga erspart uns gelehrte Spezialunterfuchungen, aber er ist auch gleich weit entfernt von interessanter Romanschriftstellerei, die sich leider ja auch längst des Erasmus bemächtigt hat. Dessen richtig verstandener Geist scheint weit und umfassend genug, um Ideale in sich zu beherbergen, die an keine'Landesgrenzen gebunden sind, und Erkenntnisse, welche niemals veralten. „Als Kind des 16. Jahrhunderts betrachtet" — so schildert uns Huizinga seinen gemäßigten .Idealismus — '„scheint er vom allgemeinen Charakter seines Zeitalters abzuweichen. Mitten unter den heftig passionierten, scharf zngreifenden und , gewalttätigen Naturen der Größen seiner Zeit - steht Erasmus da als der Mann, der zu wenig Vorurteile und etwas zu viel feinen Geschmack hat.,der etwas zu kurz gekommen ist an jener„Stultitia" <;u deutsch am besten „Jllussionsfähigkeit"), welche er als das notwendige Lebenselement gepriesen hatte. Erasmus ist der Mann, der zu verständig .und zu gemäßigt ist, um heroisch zu sein". Diese Eharäkteristik läßt uns aufhvrchen und nähertreten: Der Mann hat in der Tat.vor, 400, Jahren die westeuropäischen Kulturideale mitgeschanen. denen sich-etivas verspätet die Jndenheit West- ° enrvpas mit Haut und Haaren verschreiben sollte. : Deshalb ist der Fall Erasmus auch untere Augelegeuhcit. Die Judenheit hat sich seine Ideale zu eigen gemacht: Humanisierung und Veredelung des s Machtwillcns. Friede und Europäisierung ans religiös-sittlichem Weg! Freie Bahn dem Tüchtigen! Pietas uni» eruditio! Bildung für jedermann vüen, Bildung, das einzig würdige Kampsseld des menschlichen Geistes! Diesen Idealen wird heute von allen Seiten tief mißtraut; sie sind seit langem dem Verdacht, ausgesetzt. daß sich unter ihrem Schuß Willens- und Charakterschwäche. zersetzende, ichsüchtige und wehleidige Eigenbrötelei, ein literatenhaftes Aesthetentum die letzte Galgenfrist verschaffen wollen. .Selbst nervösere und zart, organisierte Stimmen, die sich im 19. Jahrhundertgegen die Erziehung zum Humanitätsideal wandten, sind leider von jüdischer Seite geflisscntlich überhört oder rein ästhetisch gewertet worden. Vernunft, Friede.Bildung, Menschlichkeit! Lagarde, der Hochgebildete und Gelehrte, hat die Hochhaltung dieser Ideale als verderblich, undentsch/ nn-. . christlich, scharf bekämpft und sie „eigentlich eine Erziehung «zur Hvmuncnlität" ,genannt. Bon Nietzsche nicht zu reden, der gerade die metaphysische Frage über die Rolle der Vernunft und der Humanität am gründlichsten und unbarmherzigsten gestellt hat! „Vernunft ist auch noch im Weisesten die Ausnahme: Chaos und Notwendigkeit und Wirbel der Sterne — das ist die Regel." Das Leben und die Ideen des Erasmus, der inkarnierten Vernunft unter den Dämonen, Romantikern, eisernen Willensmenschen und Mystikern des Zeitalters, bleiben für alle Zeiten ein Schulbeispiel,, welche wahre,,Bewandtnis es mit der Zurschaustellung nnd Deklamation jener milden Tugenden der äusgleichenden Friedfertigkeit. des lächelnden Verständnisses für beide Seiten hat. „In jenem robusten 16. Jahrhundert brauchte mau die eicherne Kraft Luthers, die stählerne Schärfe Calvins, die Glut Loyolas, nicht die samtene Weichheit des Erasmus." Dian brauchte ihre Kraft und ihre Glut, aber auch ihre Tiefe, ihre rücksichtslose, vor nichts zurückschreckende Konsequenz, Ehrlichkeit und Offenheit. So aktuell und gegenwartsnah ist uns heute die schwere Enttäuschung, die die Hattung eines Erasmus für die stärkeren Zeitgenossen : war, als die Welt in zwei, Teile auseinanderznspringen schien, Entscheidungen und Verzicht auf lieb gewordene Einrichtungen verlangte. Solche Naturen Ivie die des Erasmus geraten ‘ immer wieder in' Epochen echter Krisen in den Verdacht der Glätte , und Schlaffheit: Luther konnte das epasmische Lächeln und Tchvnreden nicht ertragen und sprach von dem „tückiichen-Weien" des früher hochgehaltenen Lehrers und Borlulds. Die 'von dem holländischem Historiker Hllizi'iiga unnachahm- . lich und kongenial gezeichnete Geitau bleibt das Urbild aller optimlstiicheil Ahnungslosigkeit^ und Friedfertigkeit um' jeden Preis am Bvrädeiid großer Ereignisse. , ' Das europäische Buch über einen wahrhaft curo-',: pä-ischen-Gegeuslandä'oii Huizinga ist vor mehr als 'fünfzehn Jahren geschrieben-und p-tzt erst, zum 4OO. Todestag seines unheldischen Helden,, einer breiteren Sesfentluhkeit zugänglich gemacht. Die älteren -Erasmus-Bilder, in dem HiiitewBnch von David Friedrich Strauß' und viel später das Des Bieinekeschülers Hajo. Hol vorn (19291, sowie gleichzeitig das von Stto Flake (..Ulrich v. Hutteu", 19291 behalten ihren Wert. 'Aber Huizinga 'gelang am beiten die Analvse einer komplizierten seelischen Struktur. Das Meinervild. das der beste Kenner dc§ Humanismus. der vcrüorbene Münchener Universitätsprofesfor Paul Joachim sahn von der iveltgeschichtlichen Rolle des Erasmus in der westeuropäischen Geistesgefchi'clfte in der präg,,antesten.Gedrungenheit vor etwa 10 Jahren (in der Prvpyläeu-Weltgeschichtel entworsen hat, bleibt auch von'Huizinga iuiübertrossen. Jvachimsohn . zeichnet zunächst den Werdegang des Führers der humanistischen Bewegung und den hreiten Bildiliigs.strvm, der von ihm ausgegangen ist, ivio seine neue Philosophie Religion und ' Bildimg zugleich 'war, wie sic dem mystischen Dränge der Zeit entgegenkam und gleichzeitig alle Ansprüche einer ausklärcrischen Kritik befriedigte;, indein sie die lieber-, liefernng der Religion durch allegorische Deutung zu Sinnbildern einer natürlichen Sittlichkeit »rächte.. Eine solche Vcreinignng entgegengcietzter Haltungen... entsprach ja auch in den verschiedensten Epochen den' Ansgleichsteiidenzeil, j ü d j s ch e r Denker ruid Führer. Das letzte Ziel des Erasmus ivar iuiiverial und aiisgleichend in diesem Sinns es war auf die Ilnischasfuiig der Kirche in eine philosophische und . pädagogische ErziehiiUgsanstalt gerichtet, auf die Cittigung der Welt durch Frieden und Bildung, auf eine christliche Einheitskiiltnr.- die auf der Ilcbereinstiininiuig der Gebildeten, aller Länder über die Grundwahrheiten eines christlichen Gemein-. Wesens beruhte. Den-Illusionen des Erasmus sind nur unsere eigenen jüdischen zu vergleichen! Zu feinen Freunden gehörteneinst die Hohen und Höchsten, was sich hinterher als eine der großen Werttäuschungen heraussteltte, über die er selbst so viel Weltkluges geschrieben hatte. Als er zu Beginn de? Jahres l 16 das Neue Testament in der Urspraclie in die Welt hinnusgehen ließ, verglich er feilt Werk in der Widmung an Leo X. mit dem Neubau von St. Peter: und ein Jahr darauf schrieb er an den Papst, daß unter seiner (des Papstesl Führung in diesem Zeitalter, das. wenn irgendeines, das Goldene heißen solle, die drei, vorzüglichsten Güter des Menschengeschlechtes ihre Auferstehung feiern könnten: < die christliche Frömmigkeit, die schönen Wissenschaften und der öffentliche »Friede. Das schrieb Eratzmus vor »Ausbruch der größten iveltgeschichtlichen- Zerklüftungen Und vor einer neil Gebet Von Edith L. Meyer Herr, gib’ uns Kraft, aus den Vergangenheiten zu 'neuem Ziel, zu neuer'Tat zu schreiten. . ' . Stell’ dich als Wolke unserm Weg voran. Zerstreu’ uns liebend > über deine Erde, * und schaff’ auch dem geringsten deiner Herde " Raum und Gefilde, wo er weiden kann. Gib, dass wir in der Wüste nicht verderben und einsam nicht in fremden Häfen sterben den längen Tod, der in sich selbst verbrennt. Lass’ uns an freundlichem Gestade landen, und lass’ uns nicht als müden Strom versanden,' den selbst der eigne Quell nicht wiederkennt. Entsend^ uns zu frohem Tageswirken, und spende uns aus dunklen Grenzbezirken den nächt’gcn- Rausch Vergessen, Schlaf und "Traum —■ Lass’'uns in deinen Wassern, deinen Feuern die Herzen ständig läutern und erneuern, und gib’ uns Erde — Zukunft — LebcnsraumÜ «iiiiiiiiumiiiiiiiiiiiiiitiumiiiiimmmumiimiiiimimiiiMiiiiimiiuj einsetzeuden Epoche heilloser Sellut;er>leischungeu der Böller und Glaiibensgemeini'cl,asten. Erasmus . . sah^bie, eigentliche Geialir »Iclit und ivoltte immer wieder uii grenzenlosen. i»i Grunde durch »nd durch egoistischen :>inl,ebednr!nis seines kom- .promißreicheii Gelelntendaseins ausgleicheu. Fricden stiften, .zu oernelien geben, daß er das Gute im Neuen >a immer schon .getagt l,abe, nud was dererlei uns heute allgemein ver'lrante Biegungen und 'Aäeiidnngen sein mögen. Der Gang jener äußerst ziveideniigen Politik, durch die Erasmus sich bei deii A»»äl,er,nngsvcr- - siiclieii Lutliers der Entscheidung zu entziehen, den ' Frieden beivalireu und selbst die Btitte einhalten - ivvllte, oliiie sich zu loinpromitliereu'n hat etwas --Erschütterndes. „Die Doppeldeuligkeit geht bis iiis Tiefste seines 29ese„s. Biele -seiner Aclißei rnngen im Ka»,pf. sind'der direkte 'A-usstuß von Aengstlichleit und Ri äuget an „Ehärakter. auch von seiner eingewurzelten Abneigung, sich mit irgend^ einer Sache oder Person zu verbinden" ... freilich ancl, „die edle Jllnsiou, daß es möglich sei. ° dnrel, Niäßigung. Einsiclit und Pt'ol,l>vvllen, den Frieden noch zu retten" tHnizinga, S. 17J). »Mit dem Rauhen fel,lt diesem Manne ' auch alles Heftige und Nnmittelbare seiner Zeit. Diese Reserve, diese Scheu vor dem Ilninittelbareu, seine angeborene Ehrs»rcl>t vor der Vieldeutigkeit alles - Besteheiidk'm maclieu ihn unfähig.-sich furchtlos der neuen Zeit entge.genzusteuune» oder ruckl>altlos für sie einzutrete». „Tie Begriffe der Dinge sind für ihn nicht mehr' ivie für den Blenscheu des Mittelalters gleichsam i» <Wld gefaßte Kristalle oder Sterne am Firinamenl" (a. a. L'., Seite 140).' Die „gemütliche“ Seite Sie klagen, mein junger Freund, wie schwer es Ihnen füllt. Jude zu „werden". Sie ochsen, sagen Sie, mühselig hebräische Kon- . jugationen, besuchen die schwierigsten Vorträge und die Synagoge und versuchen doch vergeblich. sich halbwegs " ein Verhältnis zu all den Ungereimtheiten zu schaffen, von denen die Bibel nur so strotze. Sie sind besten Willens, sagen Sie, aber es gehe mit dem besten Willen nicht. Und Sie fragen, was- Sie tun sollen. Den besten Willen, fürchte ich, haben Sie im Kopf. Den besten Willen'können Sie sich a-uch nicht injizieren^ wie eine Spritze mit einem Betäubungsmittel.- Wie aber gerade Sie es anfangen sollen, um sich den wirklichen besten Willen, nicht bloß den des - Kopfes, ohne Gewalt, sozusagen unabsichtlich einverleiben und einverseelen zu können, dafür aibt's kein Rezept. Der beste Wille t ist angeboren oder angeflogen oder angesteckt, aber nicht zu erzwingen. Aber es gab. einmal einen jungen Menschen, der lebte in der Bibel und war in der umgekehrten, also viel gefährlicheren Läge als Sie, nämlich durch Zweifel, Kritik und Spott daraus wegverführt. zu werdön. Er lebte in der Bibel nicht allein, er war durchaus kein Psüffling oder Frömmlerskandidat, sondern ' ein hübscher junger Mensch, mit offenen Augen für all und jedes von den hübschen Mädchen biszum scheinbar toten Stein, ja mit den offensten Augen der Welt.' Da er so offene Augen-hatte, sah er .natürlich, daß die Bibel-von Menschenhand, nach und nach zusammengetragen und überarbeitet ist, Widersprüche enthält, Unglaub- ' Hastigkeiten und so weiter. Aber wie weit focht'ihn das an? Wo redliche.Forschung die Bibel berichtigte oder ergänzte, nahm er sie mit Freuden auf nnb hatte auch so seine eigenen Gedanken dazu. Aber Spott konnte ' ihn schon zur Raserei bringen. Warum eigentlich? Ohne recht sagen zu können wie.war ihm eine Grundmeinung allsgegangen, daß es nämlich aus den Grund, auf das Innere, den Sinn, die Richtung des Werkes ankolnrne. Alles, übrige sei' mir „Krankheit des Körpers", die dem Ursprünglichen und Unverwüstlichen des JnnernS des Sinns nichts anhaben könne. Aber bei der Aufzählung solcher Gründe gesteht Goethe dazu — denn welcher junge fytensch sonst hatte die offeilsten Allgen der Welt l: ..... und hatte überhaupt zll viel Gemüt an dieses Buch verwandt, als daß ich es jemals wieder Hütte entbehren sollen." Wir haben zu wenig Gemüt an. dieses.Buch verwandt! L. H — sch Christian Dietrich Grabbe Christian Dietrich Grabbe, dessen Todestag sich im vorigen Alonat zum 100. Male führte, wurde erst im- Jahre 1S70 durch eine (freilich unvollständige) Eefamtaiisgabe' seiner Werke - einer breiteren Leficntlichkeit bekannt gemacht. Ter Heran-r-geber ivar R'U d o l f G o t' t s ch a l l, - der Leipziger- Dichter und' Literarhistoriker,, der sich einleitend auch um eine. Charakteristik des Dichters bemühte. Die erste kritische Gesamtausgabe, die. auch den handschriftlichen Nachlaß Grabbes enthält, besorgte -dann Lscar Blumenthal;' sie wurde die Grundlage für alle späteren Veröffentlichungen. Als einer der ersten, der Grabbes Dichter- Persönlichkeit' in ihrer vollen Bedeutung erkannt hat, darf Heinrich Hein e gelten, der zu Anlang der zivänziger Jahre des vorigen Jahr- Hunderts mit Grabbe bei Symposionen in Lutter und Wegeners Weinstuben in Berlin zuiamment Lar: Heines Plan, eine Biographie des Dichters zu schreiben, in zwar nie zur Ausführung gekommen; aber er hat den vielfach Verkannten an' mehreren Stellen seiner Schriften.liebevoll gewürdigt. To neunt er Grabbe in den „Elementargeistern" einen -„genialen Schriftsteller, der in seinen Mängeln ebenso großartig ist wie in seinen Vorzügen. jedenfalls aber zu den Dichtern ersten Ranges gezählt lverden muß". Es ivird berichtet, daß Professor Gubitz. der langjährige Heran-r-geber des Berliner S.rgans „Der Gesellschafter", eines Tages das Älannskript der Gräbbeschcn Erstlingstragödie „Herzog Theodor von Hvihland" Heine-mit der Bitte übergab, er solle sich „das verrückl^Geschreibfel" einmal ansehem Heiiie gab es il>»i nach - Lektüre mit dem Bemerken zurück, der B,eni'ch sei' nicht verrückt, sondern ein'Genie. Später hat Heine dann in seinen ..Memoiren" noch einmal, betont, daß „besagter Grabbe einer der größten deutschen Dichter war und von allen nnieren dramatischen Dichtern wohl als.derjen-ige-genannt werden darf, der die meiste Berwandtichait mit Shakespeare hat".- „Er mag" — so bemerkt er weiter — ,.weniger Saiten ans seiner Leier haben als andere die dadurch ihn vielleicht 'überragen; aber die Saiten, die er besitzt, haben einen Klang, der nur bei dem großen Briten gefunden wird. Er hat dieselben Plötzlichkeiten, dieselben Naturlaute. ivomit uns Shakespeare erschreckt, erschüttert, entziickt." Auch an'Grabbes Mütter vollzog Heine eine Ehrenrettung indem er dies „echte'Btutter- 'hcrz" gegen den Borwurs. eines frühen Biographen - in Schutz, nahm, sie habe das Laster -der Triuiksucht dem. jungen Kinde eingepslanzt, als sie ihm Branntwein -zu trinken gab. Neben dein Dichter Heine hat der bekannte Historiker Alfred Schern sich um die Würdigung Grabbcs^außervrdentlich verdient gemach!- Jn dein grvßeiw-Sammelwerk der „Allgemeinen Deutschen Biographie" lBand 9. 1879) nennt er Grabbe - neben -Heinrich v. Kleist das größte -dramatische Genie, das es nach Sichiller gegeben habe; seiner dichterischen Individualität bleibe aber in allem etivas Titanenhastes eigen. Tie Grabbe-Renäissqnce, die in den letzten "Jahren ' -einsetzte.- -sst"'"sowohl durch ''tiwmtK turgische Bearbeiter wie durch Bühnenleiter genährt worden. To hat Erich Korn den Ber> such unternommen, Grabbes historischen Tvrio ./Marius und Sulla" zu. vollenden: „Don Juan . und Faust" "hat Erich Köhrer für die Bühneeingerichtet — dasselbe Werk hat dann Victor. Barnoivsky in einer eigenen Bcarbeitun--! in' Berlin zur Amsuhrung gebraclil. Grabbes „Hanuibal" und Aiapoleon". fanden in Leopold Jeßn.er soivohl ihre» Bearbeiter' ivie ihren lü'ihneiikundigen :i!egille»r: das romauliich-satirlsche Lustspiel .Scherz, Satire. Ironie mi'b tiefere,Be-, deutung" wurde in einer ebenso bunten 'wie originellen Auisi'il>ruug von G e o r g e A l t - Gn am >i qm Kleinen Theater" in Berti» erstmalig herausgebraclil. um_ dann einige Jahre ipaler im Spiel plan M a r R e i. u l, a r d t s am Deutschen Theater wieder au'zuleben. II. L. V Das ^uäeUmotiv im Biedermeierhumor Von Dr. Rudolf Frank ' Tie Juden haben Biedermeiertuin und Biedermeierlininvr immer"geliebt und lieben es noch. Man sieht es an' dem jüdischen Schrifttum, das damals in deutschen Landschaften und Städten 'wuchs/ an Weills' elsässischen , und--.Auerbachs Schwa-rzivälder .T.vrsgeschichten. an alten. Jahrgängen de? „Kladderadatsch" und der „Fliegenden Blätter", den Bialern jüdischen Familienlebens, an Rndvlf Löiveilstei'ns -Kviiimertzbiichversen lind- Kälischs Berliner Sclimäiilen,. an zahllosen liebevoll bewahrten. Erinnerungsstücken in Stammbi'ulier'ii. Sammlungen, Möbeln, nicht nur an den Erfolgenjüdischer Biedermeierrvmane. -theaterstücke, -filme, von den Fünf -Frankfurtern' und Jettchen Gebert. Schon im Rokoko und Empire'hatte'jüdischer Familieiigeist biederstes- Bivdermeiertnm vorbereitet. mini kann.es nachmaken. die Farben -icht nur einnze weibliche Bornamen ans unseren Stammbäumen zu pflücken nitd hinzutnpfen: Schonle. Vögele, Bücher? Buctitidlti.MarlinSaloinon J i

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