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Central-Verein-Zeitung · 1936-10-22 · 43 (22.10.1936) · page 20

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
43 (22.10.1936)
Date
1936-10-22
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Tutjdie, , Wtitht rfff f .-P - mhU MitUt ieseh: Senden Sie mir bis auf Widerruf die C.-V.»Zeitiiitg 66 Pfennige für November, Dezember zahle ich bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger, die letzte Oktober*' nummer soll mir gratis geliefert werden Ort:- Ausschneiden und mit 3 Pfg. frankiert oder auch unfrankiert senden an : . C.-V.-Zeitung, Vertrieb, Berlin W 15, Eimer Strasse 42. . J 2 8141 Offensichtlich-hat am; Tage des Streikabbruchs , der sehr verstärkte Sicherheilsdieiist gut funktioniert:' Flugzeuge kontrollierten die Menschenansammlungen auf den Strassen, um'nötigenfalls Polizei und Militär, die sich möglichst unsichtbar in höchster Bereitschaft hielten, schnellstens herbeizurufen. Eine gewisse Agitation für Fortsetzung des Streiks geht nicht nur von aüsserpalästinensischen Nationalisten, die ja auch in den Freiecharen die Hauptrolle spielte, und — von kommunistischen Elementen aus. Es wirkt natürlich befremdlich, dass nicht auch gegen die Terrroristen energischer vorgegangen wird. Immer wieder ist es als eine Hauptursache für die rasche Ausbreitung der Unruhen bezeichnet worden, dass man die Entwaffnung des Landes niemals ernstlich durchgeführl hat. obwohl' in den letzten fünfzehn Jahren manche Gelegenheit dazu gewesen wäre. Jetzt verzichtet man wiederum bewusst auf eine sofortige Entwaffnungsaktion. Man muss, wie gesagt, abwarlen, ob die Freikorpsführer von der ihnen gestellten Frist Gebrauch machen-werden. Die Stimmig der Hafenarbeiter von Jaffa geht aber deutlich daraus hervor, dass sie dem ersten Schiff, das wieder vor der Reede ankerte, mit blumengeschmückten Booten entgegenfuhren. - Aber es erwartete sie eine Enttäuschung, denn üie. Agenten bestanden darauf, dass dieser Dampfer vertragsgejnäss in Tel-Aviv entladen würde. Man denkt nach den trüben Erfahrungen der 175 Slreiktage nicht' daran, den eigenen jüdischen Hafen aufzugehen imd sich wieder restlos von Jaffa abhängig zu machen. Vielmehr bat der Hafenausschuss beschlossen, den’Ausbau mit verstärkten Mittelh forfzusetzen, und die Handelskammer hat ihre Mitglieder verpflichtet, alle Waren; die über Tel- Aviv verschifft werden können, auch wirklich in. Tel-Aviv ein- oder ausladen zu lassen. Und der Hafen, selber hat, obwohl er immer noch mit verhältnismässig primitivem Apparat arbeitet, gerade jetzt eine schöne Probe seiner Leistungsfähigkeit gegeben: Er verschiffte ' gestern die ■erste Ladung von Citrusfrüchten — 708 Kisten — ohne «einen sonstigen Güterumschlag, der sich zurzeit auf etwas mehr als 300 Tonnen täglich beläuft, irgendwie herabzusptzen; vier Dampfer ankerten vor dem'Strande von Tel-Aviv. Auch die Position der jüdischen Arbeit soll und muss weiter verteidigt werden, obwohl sich in'den grossen Pflanzungskolonien schon wieder Angebot an arabischen Arbeitskräften bemerkbar macht, und auf den Lebensmittelmärkten der jüdischen Städte wieder arabische Eier, Gemüse und Gef lügel erscheinen. Gew iss wird die jüdische Wirtschaft nach Wiederherstellung des Friedens ihren Züsehussbedarf wieder bei ihrem - arabischen Nachbarn decken. . Aber die vergangenen Monate de? Schreckens haben uns'allen 1 bewiesen, dassdie Stützung der. jüdischen Arbeit und Produktion in Stadt und- Land das wichtigste Gebot der "Selbstferhaltung für die junge jüdische Siedlung ist. Alles in. allem lässt sich natürlich nicht “leugnen, dass 3er Abbruch des, Streiks rein stiim mungsmässig eine wesentliche Entspannung auch im jüdischen Lager ausgelöst hat. Da die Parole zur Wiederaufnahme der Arbeit ausnahmslos und. mit erstaunlicher Geschwindigkeit befolgt worden ist, sind auch günstige Rückwirkungen auf die anderweitigen Unruhen zu erwarten; denn der Terror gedieh natürlich nicht zuletzt dadurch, dass so viele Menschen, ohne Beschäftigung und ohne Einkommen, miissig den Hetzreden der‘Agitatoren lauschte. Gefördert wurde die Arbeitsbereitschaft der Araber dadurch, dass . von ihren Führern mit einem ganzen Schwall unverbindlicher Worte der Eindruck erweckt wurde,' die arabische Sache habe nun endgültig gesiegt, obwohl die Presse selber zugibt, dass man vielleicht nicht gerade eine Niederlage erlitten. aber doch zum mindesten nur auf Grund von Hoffnungen und: nicht auf Grund positiver Zusicherungen eingelenkt habe. Man hat zunächst die Forderung der Engländer erfüllt. Mit auffälliger Eile bemüht sich der Sekretär des Streikkomitees, in "einem Brief, an den High Conimissioner, den Kaufpreis für dieses Einlenken sofort einzukassieren; er fordert sofortiges Verbot der jüdischen Einwanderung und der. Landverkäufe an Juden. An eine solche Vorwegnahme der Entscheidungen, die nach der feierlichen Erklärung des englischen Kabinetts höchstens der Königlichen' Kommission zustehen würden, ist natürlich nicht zu denken. Aber man verhehlt sich auch innerhalb der jüdischen Füh- ’ rung nicht, dass der politische Kampf um die Stabilisierung der jüdischen Rechte noch nicht durchgekämpft ist. Als wesentlichen Bestandteil einer solchen endgültigen Klärung betrachtet inan eine offene Aussprache niit den verhandlungsbereiten Kreisen der arabischen Führung — die allerdings nicht allzu gross sein dürften. Man bezeichnet es. als eine der wichtigsten Aufgaben der Mandatarmacht, den ehrlichen Makler für die Anbahnung eines solchen Verständigungsversuches zu spielen. Man glaubt sogar, dass der gegenwärtige Zeitpunkt dafür recht geeignet ist, nachdem die Juden einen so eindrucksvollen Beweis ihrer Fähigkeit zur Selbstbehauptung, aber auch ihres Willens zur Selbstbeherrschung gegeben haben. - Aber solange der Terror nicht endgültig aufgehört Hat und die Königliche Kommission, deren Kommen ja nicht von dem Abbruch des Streiks, sondern von der völligen Wiederherstellung der Ruhe abhängig gemacht werden sollte, nicht im Lande ist, sind all daß noch Fragen der Zukunft. Letzte Meldungen Wann geht die Kgl. Kommission nach Palästina ab? In London werden Vorbereitungen zur Abreise der Kgl. Untersuchungskommission nach Palästina (getroffen. Man stützt-sich hierbei auf das letzte Communique der Palästinaregierung, in dem die Ruhe als wiederhergestellt bezeichnet wird. Diese Feststellung wird so aufgefasst, dass der High Conimissioner damit erklären wollte, der,"Zeitpunkt für die Entsendung der Kommission sei bereits gekommen. Ein festes Datum für die Abreise der Untersuchungskommission ist_allerdii3gs,wie der ITA mitgeteilt wird, hoch nicht festgesetzt worden. Man rechnet aber damit, „dass die Abreise, Anfang November erfolgen High Conimissioner Sir Arthur Wauehope und der 0 b e r k o m m.a n d Le rende' der englischen Truppen in Palästina, Generalleutn a n t D i 11, haben dem Emir von Transjordanien in Ammann einen Besuch abgestattet. Bei einein Frühstück wurden Probleme der arabischen Bevölkerung Palästinas besprochen. König Ihn Saud von Zentralärabien und König Gasi vom Irak haben das Oberste Arabische Komitee in Jerusalem telegraphisch zu der Beseitigung von Streik und Terror in Palästina beglückwünscht und dabei ihr Versprechen erneuert, sich auch in Zukunft um die Interessen der Araber in Palästina zu kümmern. Die Telegramme der arabischen Herrscher stellen die Antwort auf die Mitteilung des Komitees dar, dass der Streik beendet sei. Die Jewish Agency for Palestine hat der Regierung ihre Anträge für den neuen Einwanderungsscheilule des Halbjahres Oktober 1936 big März 1937 überreicht. Es wurden von der Jewish Agency ungefähr 10 000 Zertifikate angefordert. Die Anforderung soll bei der Regierung wohlwollende Berücksichtigung finden, da sie auch ihrer Ansicht nach dürch die Wirtschaftslage gerechtfertigt ist. Eine Entscheidung über Umfang und Ausgabe der neuen Schedule ist noch nicht getroffen worden. Die jüdische Jugend Palästinas gesünder als die europäische Im Rahmen eines von der Zionistischen Organisation veranstalteten Vortragsabends berichteten der Gymnastikihspektör A. A. Knudsen, die Aerztin Dr. Johanne C hr i s t i a n s e n und die Schriftstellerin Frau Elle M e 1 b y e darüber; was sie in Palästina ..gesehen; gehört und erlebt“, haben. Inspektor Knudsen hat im Laufe von zwei Jahrzehnten mehreren jüdischen Lehrern aus Palästina Unterricht in. Gymnastik gegeben. Seine Reise nach, Palästina .hatte das Studium- - der Rückenfdrm der jüdischen Jugend zum Zweck. Er hat in europäischen Ländern, über 30 000 Rücken von Jugendlichen untersucht und dabei im Durchschnitt nur 50 Prozent als normal gefunden. Dagegen wichen in Palästina bei 2700 Untersuchungen nur 25 Prozent von normaler gesunder Struktur ab. Knudsen schreibt diesen . gesunden Körperbau der palästinensischen Jugend der Einwirkung dgr Sonnenstrahlen zu, denen die jüdischen Kinder so viel ausgesetzt sind. Besonders begeistert ist ,er von der Rückenstruktur der in armen Verhältnissen lebenden jemenitischen Kinder. Am allerschlechtesten ist die Rückenform der reichen englischen Kinder, die er in den vornehmsten Schulinternafen in England untersucht hat. | Frau Dr. Christiansen-ergänzte die Mitteilun- . sren Knüdsens durch Mitteilung der Ergebnisse ihrer Studien über die Zahngesundheit der palästinensischen Kinder. Ganz gesunde Zähne haben 30 Prozent-der jüdischen Kinder. Dieses Ergebnis findet Frau Dr. Christiansen „ganz hervorragend, nachdem z. B. in Dänemark bei Untersuchungen in den Schulen nur bei Vs Prozent der schulpflichtigen Jugend ganz fehlerfreie Zähne festgestellt wurden. Frau Dr. Christiansen, die eine Spezialistin auf dem Gebiete der Ernährung ist, hat sich übrigens sehr zugunsten der koscheren Küche ausgesprochen; sie findet die jüdische Ernährungsweise viel gesünder als die'christliche. Wenn inan, schloss die Rednerin, mit einem gewissen Recht von der rassischen Degeneration der-Juden in Europa spricht, so findet jedenfalls in Palästina eine Regeneration der jüdischen .Rasse statt. „ obersten arabischen Komitees, die dahin gingen, die Gewaltaktionen einzustellen, Folge zu leisten. In diametralem Gegensatz zu dieser Version wurde wenige Tage später in Palästina eine Proklamation- Kaukadyis verbreitet, in der er seine Anhänger aufforderte, sich nicht zu zerr streuen, und die Waffennicht niederzulegen, sondern bereit zu sein, die Terrorkampagne wieder aüfzünehpen, .sobald .sich das als notwendig erweisen sollte. Die Londoner Zeitung „Sunday Dispatch“ will kurze Zeit darauf erfahren haben, dass Kaukadyi am Freitag bei einem' Scheich! in Dschenin in Gesellschaft englischer 'Offiziere zum Tee geladen gewesen sei. Erst später hätten die Offiziere erfahren, dass er einer der Gäste war. Terror auch nach Streikabbruch Die Berichte vom 'Beginn der Woche lassen deutlich das Aufatmen verspüren, das nach Beendigung des Streiks durch das Land ging- Nach -fast sechsmonatiger Pause wurde die Arbeit im Hafen von Jaffa w ieder ausgenommen.. Die Bestimmungen des Ausnahmezustandes für Jerusalem wurden gemildert, über weitere Milderungen- bzw. Aufhebung des Ausnahmezustandes fänden Beratungen in den Distriktskommissariaten verschiedener Gebiete statt, ln dem amtlichen Communique vom 15. Oktober wurde entsprechend dieser' Beruhigung der Lage erklärt, dass die Regierung die Epoche der Gewalttaten für beendet halte und von der weiteren Ausgabe amtlicher Situationsberichte absehen werde. Die.einzelnen ■Tatsachen''haben jedoch leider dieser allgemein verbreiteten Stimmung keine Rechnung getragen. In der’ Nacht zum 13. Oktober fanden Angriffe auf zahlreiche jüdische Siedlungen statt, ln der Nacht zum 15. Oktober wurden in Tiberiäs drei jüdische Kinder infolge der Explosion von Teerfässern schwer verwundet. Man vermutet, dass die Explosion die Folge krin Brandstiftung war. ln der Nacht zum 16. Oktober fand ein heftiger Angriff auf Kfar ChassuHin statt, der durch Siedler und Truppen abgeschlagen werden konnte. Bei Haifa würde ein Araherdorf von einer Bande überfallen. die Geld zu erpressen versuchte. Die Einwohner setzten sich zur Wehr und nahmen die . Banditen fest. Ein weiterer heftiger Angriff fand am Freitag, 16., Oktober, bei Akko statt. Hier wurde eine Abteilung des Wiltshire-Regi- ments von einer Terrorbande beschossen, die ihr Feuer später auch gegen zwei zur Unterstützung der Truppen herbeigerufene Flugzeuge richteten. Die angreifeiideri Truppen bestanden aus Drusen, die aus Sy Heu nach Palästina eingedrungen waren. Auch die Nacht vom Freitag zum Sonn- ‘ abend war ausserordentlich unruhig.- Dte Siedlungen Achusa und Newe- Schaanan bei-Haifa, Petach Tikwa, Rannü-Gan. Nachlat Ganim, I'ardess llaozar und Tel Ephraim wurden her_ schossen, ohne dass den Bewohnern dadurch'Verluste zugefügt wurden.. Der folgenschwerste Zwischenfall aber fand am Sonnabend, 17. Oktober, vormittags in Tel-Aviv statt. Dort wurden arabische Passanten von. zwei'vorüberkommendee Radfahrern beschossen, wobei ein Araber schwer, ein zweiter leicht verletzt wurde. Der Stadtrat von Tel-Aviv trat, obwohl es Schabbat war, nach dem Bekanntwerden der Tat sofort zu-. sammen und erliess folgenden Aufruf Bevölkerung: „ln böswilliger Absicht gegen den Jischuw wurde heute morgen von verbrecherischer Hand ein schändliches Attentat verübt. Arabische Passanten wurden auf einer Strasse Tel-Aviv beschossen. Die Stadtverwaltung v Tel-Aviv verurteilt im eigenen Namen und im Namen der Bevölkerung die schauderhafte provokatorische Tat und drückt die Hoffnung aus. dass es den Behörden gelingen wird, die schändlichen Verbrecher zu entdecken, und dass alle diejenigeh. die bei dem Attentat zugegen waren, der Polizei die erforderlichen Mitteilungen machen werden.“ Die Tei-Aviver Polizei leitete sofort eine strenge Untersuchung über den Anschlag ein. Etwa achtzig Personen aus Tpl-Aviv und seiner Umgebung Wurden verhauet Es handelt sich in erster Linie uin Elemente, die, im Verdacht stehen; Beziehungen zu Drahtziehern der arabischen Terrorkainpagne zü unterhalten. Der Verdacht lenkte sich jedoch auch gegen die Kreise des revisionistischen Jugeudbundes Betar, . von dem zahlreiche Mitglieder festgenommen wurden. Der Betar protestierte gegen die Verhaftungen, indem er ausführte, dass diese Festnahmen offenbar aus dem Wunsche heraus erfolgt seien, einen falschen Eindruck über die Zusammenhänge, die der Tat zugrunde gelegen hätten, zu erwecken. Ausser dem Stadtrat von' Tel-Aviv hat auch der Waad Leumi das Attentat als einen provokatorischen Akt verurteilt. Andererseits hat auch das Oberste arabische Komitee mit Rücksicht auf die durch deW Vorfall ausgelöste Erregung die.arabische Bevölkerung aufgefordert. Zurückhaltung zu wahren. ln der Nacht vom 17. zum 18. Oktober wurde auf der Strasse Von Dschenin ein arabischer Polizist erschossen. Die Siedlung Sedschera wurde mehrere Stunden lang heftig beschossen. .Ein Rätselraten hat um den" Aufenthaltsort“ des Rebellenführers Fauzi el-Kaukadyi begonnen. Zunächst hiess es, dass er nur mit knapper, Mühe dem Tode entronnen und in Begleitung seiner treuesten Anhänger nach Transjordanien entflohen sei. Man schrieb ihm ein Communique zu, in dem er die Kämpfer des . arabischen Aufstandes aufforderte; dem Appell der arabischen Könige und dem Beschluss des. Englische Pressestimmen nach der Lösung des Paläatinakonflikts Die lebhafte Anteilnahme der, englischen Presse an den aktuellen Ereignissen in Palästina hat nach, der Beendigung von Streik und Terror einer' neuen, grundsätzlichen Besinnung auf die Grundlagen der britischen Mandatspolitik Platz gemacht. . Das Nachlassen der Spannung, mit der der endliche Ausgang des akuten Palästina- Konflikts erwartet wurde, hat das Interesse der britischen Oeffentlichkeit und der Politiker am Palästina-Problem nicht verringert. Vor allem richtensi'clr die Blicke erwartungsvoll auf die Tätigkeit, die-die—Königliche Kommission nach ihrer Entsendung in Palästina entfalten wird.. Die konservative Wochenschrift „Spectato r*‘ stellt die Frage nach der Möglichkeit eines dauernden Friedens im Lande. Sic vertritt die Ansicht, dass der Wunsch .der Juden, die Mehrheit unter der palästinensischen Bevölkerung zu erlangen, dem Frieden hindernd im Wege stehe. Die Kommission müsse feststellen, was das Endziel der Jüdischen Aufba.ua r bei t. sei. Denn das Palästina-Problem sei vor allem ein psychologisches. Die herrschenden Spannungen seien die Frucht von Befürchtungen. auf der einen und Aspirationen auf der anderen Seite. Die Berechtigung der Befürchtungen sei abhängig von dem Ausmass der Aspirationen, und aus diesem Grunde sei die Definition des Endzieles der Juden notwendig, um es in Einklan g m i t den A n s p r ii c h e n der Araber zu bringen. Jedenfalls, aber müsse , das M an.dat Ausgangs puiiKt auch der Erörterungen innerhalb dör Königlichen Kommission bleiben. Nicht ob. sondern in welcher Weise es durchgeführt werden könne, das-sei die Frage die beantwortet werden müsse. ..Spectator“ weist darauf liin. dass die jüdische Einwanderung ständig gewachsen sei; jüdische Führer sprächen offen -von dem Tag. an dem die jüdische Bevölkerung in Palästina zahlreicher sein werde als die arabische. Diese Aussicht vor allem sei die Ursache der Unruhen. Die Araber inner- und ausserhalb Palästinas könnten kein Vertrauen zu England haben, wenn diese Entwicklung ruhig ihren Fortgang nähme.,, Die Einwanderun g s e i d e r \S c h 1 ü ss e 1 der Lage, und gerade hier stünden sich die gegenseitigen. Interessen schroff gegenüber. Friede sei aber nicht unmöglich, und es müsse irgendeine Form föderativer- Regfoeung—Qder territorialer Verteilung der Bevölkerurig6gruppen gefunden werden, hm" ihn herbeizuführen. ..Morning Post“ nimmt die bevorstehende Entsendung der Königlichen Kommission zum Anlass, um auf die Bedeutung des von ihr zu erwartenden Berichts hinzuweisen. Wenn die . Regierung erklärt habe, es würde . „gerecht“ vorgegangen werden, dann müsse man mit der Neigung der Araber rechnen, Gerechtigkeit mit dtjr. restlosen Erfüllung ihrer Forderungen gleichzusetzen: Diese Deutung würde den der Entsendung der Kommission zugrunde liegenden Sinn äufheben. „.Gerechtigkeit“ schliesse jedoch ein. dass die. arabische Sache ein stärkeres wohlwollendes Verständnis finde als bisher. Man müsse anerkennen* dass die bisher verfolgte Politik niemals zu dauern-' dem Frieden führen werde. Stärker noch als diese, dem jüdischen Aüfhaüwerk gegenüber zurückhaltenden Presseäusserungen neigt „,E v e.n ing Standar d“ Bedenken im Hinblick ‘auf die bisherige Palästina-Politik zu. - Das Blatt verlangt die sofortige Einstellung der Einwanderung, die nicht nur logisch notwendig, sondern auch einer der wesentlichen Schritte bei der Erfüllung der Aufgabe Englands sei, künftige Unruhen zu verhüten. Auch die führende Zeitschrift „Great Bri» fahrend t h e East“ stellt sehr ernste Betrachtungen über die grosse Verantwortung der Königlichen Kommission an. die eie mit Rücksicht auf die panarabieche Bewegung-trage. Der Aufruf der arabischen Herrscher zeige, dass diese Bewegung kein Märchen, sondern ein starker Faktor von wachsender Bedeutung in der Weltpolitik sei. Es sei jetzt offensichtlich, dass die Araber ausserhalb Palästinas «bjs «ach Nordafrika, hin unerbittlich entschlossen seien, dieses Land als einen Teil „ Arabiens anzusehen; auch Zugeständnisse, die sie machten, änderten hieran nichts. Die Engländer würden in den arabischen Ländern heute häufig verabscheut. Dieswerde sich nicht ändern, solange „man an der bisherigen Politik festliälte. Doch könne die Wahrung des Gleichgewichts in. Palästina und die Ausübung“ der traditionellen englischen Gerechtigkeit diese v Gefahr bannen. In die Zusammenhänge der britischeh Koloniälpolitik stellt auch Sir Robert Waley Coh e n in einer Zuschrift an die „T i m e s“ die Probleme um Palästina. Die Geschichte des Imperiums zeige, dass die Bevölkerung der englischen Dominions zur Zeit ihrer Gründung sich stets der Verbesserung ihrer Lage heftig .widersetze. Sie wolle’ die „ursprüngliche Ordnung“ nicht auf- ■ geben und der einwandernden Bevölkerung nicht gestatten, ihre „eigene Ordnung“ mitzubringen. Immer aber habe die Einwanderung der Grundbevölkerüng ungeheuere Vorteile gebracht. Dies •treffe auch auf die jüdische Einwanderung nach Palästina zu. Sie auf Grund anderer Erwägungen als solcher, die die Aufnahmefähigkeit des Landes betre|fen, einzuschränken,. sei ein Verbrechen an der Menschheit. Die jüdische Einwanderung komme der vorhandenen Bevölkerung ohne Unterschied von - Rasse und Glauben zugute und werde keine Schwierigkeit bereiten, solange man- Ruhe und Ordnung aufrechterbalten will. Rudolph Levy, Palästina-ABC. Verlag Ätid, Berlin. 152 8. „Preis 2 RM. In einem handlichen. Buch sind die Stichwörte zusammengestellt, die dem Touristen und dem Zeitiingsleser eine erste rasche Information möglich machen sollen. Ein .Wettstreit mit den gründlicheren Werken über' den Palästinaaufbau ist nicht beabsichtigt, auch bei der Knappheit des Raumes nicht möglich. Innerhalb des selbstgesteckten Rahmens kann das Büchlein .empfohlen werden, das auch neues —statistisches Material berücksichtigt F. B. Rechtsanwalt Dr. Hans Kalisch, unsern Lesern aus seinen Beiträgen über palästinensisches Recht bekannt, liest im Rahmen der Arbeitsgemeinschaften des B e rl in er Jüdischen Lehrhauses über „Probleme des palästinensischen Rechts“. Beginn: 26. Oktober!

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