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Central-Verein-Zeitung · 1936-10-22 · 43 (22.10.1936) · page 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
43 (22.10.1936)
Date
1936-10-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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\- :/ Jüdisches Leben — jüdischer Geist Jüdische Lehrer lernen Am 5. und 6, Cfipbcr, fnnb in Danzig eine Beratuirgder Mittelstclle für Erwachseneiibildung "V .bei der Rcichsvertretuug statt. An ih.r nahmen neben zahlreichen Gästen die Kollegien der beiden jüdischen Schulen Danzigs, der Volksschule'und ■ der» Höheren Privatschule, säst vollzählig keil. Im. Unterschied zu der meist üblichen PrariS begann die Tagung nicht mit Referaten, sondern-— da sich beide Lehrerkollegien auf das gestellte Thema, schonlängere Zeit vor der Tagung vorbereiten konnten — gleich pttt einer Aussprache über-den „CS.e i ch i cl) l.S u n t’c r t ich t i n de r, j ü d i - s che n Schule"; sie ivurde von r Professor. K a n t o r o >v i.c z - Frauksiirt a. M. in außerordentlich fördernder Weise geleitet. Zwei Meinungen standen sich-gegenüber: die eine gipfelte in der Forderung, in jeder geschichtlichen Epoche, auch in Epochen nach dem Ende des jndisct)en Staates, das Schicksal der S " d e n in den Mittelpunkt der Betrachtungsweise im Uiiterricht zu stellen; die andere hielt dem entgegen, durch einen so einseitigen Geschichtsnnlerricht.vermittle matt den Kindern ein objektiv falsches. anS schiefen Perspektiven heraus gesehenes Geschichtsbild, es komme vielmehr daraus an. das in jeder Epocl)e für die Weltgeschichte Bedeutsame hcraus-z . zustellen und zu behandeln. Der Schulrefereut der Reichsvertretung. Dr., Le s ch n iher. vertrat die Meinung, dag aus' jeder Geschichtsstunde, auch wenn eS nicht jedesmal ausdrücklich herausgestellt wird, daS Geschichtsbild des unterrichtenden Lehrers hervorleuchte. Dem jüdischen Lehrer aber zeigt, sich bei der . Betrachtung des Verhältnisses zwischen jüdischer rind allgemeiner-Geschichte ein Geschichtsbild von besonderer Eigenart. Ist jüdiscl^ Geschichte bis zum Jahre 70 n. Ehr. eine relativ normale VvlkSgeschiclste mit?den entsprechenden Epochen eines Altertums, eines Mittelalters und einer Neuzeit, so beginnt mit dem jiidisclieil Leben in der Diaspora ein vollkommen unvergleichlicln'S, einzigartiges geschichtliches Dasein. Der jüdische Bollskörper bleibt trotz seiner Zerstückelung in die Länder und Volker der Welt, trog der Ver- . schiedenheit von Umwelt, Kultur, ja Sprache in den einzelnen Teilen, ans dem nüchternen Verstände nicht , eingehendem Grunde erhalten. Wir Juden greisen nicht mehr aktiv als geschlossenes soziales. Gebilde in die Weltgeschichte. ein; deshalb würde eine Betrachtung der Geschichte allein von einem jüdischen ZentralpuM aus den ' Kindern im Unterricht tatsächlich ein schiefes, ja falsche« Geschichtsbild ermitteln. Die A k zc n. tpi-erung darf in den einzelnen Epochen zugunsten des Jüdischen n i chD r^erschoben werden, wohl aber muß der Geschichtsunterricht in der jüdischen Schule. und zwar mit der entsprecl)cnden Ausführlichkeit, darzustellen versucl>eu. nne die einzelnen Teile des versprengten jüdischen Volks» körperS aus die Ereignisse ihrer Umwelt jeweils reagiert haben und wie sich dadurch ihr Schicksal gestaltete. Al8 Ergebnis einer solchen »geschichtlichen Betrachtung8tvei.se sollen, so schloß Dr. LeschniHer, die Kinder den tiefen Glauben mit in ihr Leben und in ihr Schicksal, hineinnehmen, daß' jede jüdsche Geschichte, auch die Geschichte der Diaspora, mag sie auch mit den,'Maßstäben einer normalen Bvlksgeschichte nicht gemessen werden können, von einem höheren, metaphpsischen Gesichtspunkt ans doch s i >l u n o l l.gewesen ist. Wenn auch diese letzte Erkenntnis erst den Jugendlichen in den Lberklasseii der höcheren Schule l»ewiißt werden kann, 'so könnenu-doch anch^schon die Kinder der Volksschule in ihren letzten Jahrgängen eine Ahnung von dseser jüdischen Schau der Weltgeschichte 'erhalten. Ter zweite Tag der Lerntagnng war der Besprechung von allgemeinen Erziehnngssragen ge» ividmet. Lehrer H a m m e r st e i n berichtete irr - überaus.lebendiger und. anschaulicher Weise ül>er die Arbeit der jüdischen Versuchsschule in Bonn.; An seine Ausführungen schlvß sich eine rege Aus- . spräche über alle astuelleu ErziehungSfragein wie die Frage der Disziplin in der jüdischen Schule, , die Frage des Verhältnisses zwischen Schule und Bund, zwischen Schule und Elternhaus ii. a. Der. 'Abend.dieses Tages gab den Teilnehmern der Tagung Gelegenheit, sich in ehrlicher Selbst-: erkennlnis über ihre eigenen persönlichen Schwierigkeiten auszusprechen, die ihnen die Uiustcklung von der allgemeinen zur jüdischen Schule bereitet hat. . Bereuk)ert und befriedigt ging wohl" jeder . Lehrer von dieser Tagung wieder zu seiner 'täg- Iirtjcn verantwortungsvollen Arbeit an der jüdischen Jugend. - F. Kaelter. Leo Baeck: Zukünftiges und Messianisches Im Nahmen der Vorträge des, Berliner Jüdischen .st n l t u r b n n d e s" sprach Rabbiner' Dr. Leo Baeck über ..Zukünftiges und MessianiscluS". Seit jeher babe die Menschen der Gedanke der Zukunft beschäftigt; alle Wissenschaft sei daraus hervorgegangen.- Ter Gedanke der Zukunft sei. immer das Denken an das Furchtbare gewesen. ES "wäre das Verdienst deL israelitischen. Religion, den Menschen von der Furcht vor der Zukunft zu befreien. Durch dns Judentum habe die Zukunft einen neuen Sinn erhalten, daS G e b o t fei in den Gedanken der Zukunft hineingestellt worden.'Zukunft bedeut^ nicht mehr, was sein w i r d . sondern ivaS sein s o l I. Dadurch mache das. Indciitiim den Menschen, der bislang von allen Religionen nur als Objekt deS , Fatums angesehen wurde, zum Subjekt des Geschehens: er werde Gebender und Schaffender der Zukunft. — Alvr noch ein anderes ininrne zukiinftsbeftimmend hinzu:' die Vergangenheit, das Ererbte, Aus dem Gesetz der Vererbung werde der Zukunft der Weg gewiesen, mit. der Einschränkung jedoch, daß mit jedem Menscl>eneine neue Möglichkeit; eine neue Welt geboren.werde. Die Individualität des Menschen sei die Grenze jeder Wissensct)aft. Daraus nun folge dns zweite? Große der israelitischen Religion: jeder Mensch sei für sich geprägt, jeder eine Individualität, eine neue Möglichkeit., DaS Gebot sei für alle das gleiche, die Erfüllung' hingegen verschieden. Es ergebe sich uüthin. daß'die Millionen Wege Ver Millionen Menschen zu Einem hinführen: daS, sei die messia ui s che I dee. Was Menschen im Gedanken an die Zukunft plage -oder zr^ nur der Gegenwart zngewandten Epikureern; („carpe -dienv*) oder zu Stoikern mache, habe durch daS Geöot einen neuen, beseeligenden Sinn erhalten. Die Zukunft.sei die messianische Idee — daß habe das Judentum der Welt gegeben: H. B-n. Max Wiener: Juden in Amerika Rabbiner Tr. Max Wiener sprach im Verein für jüdisciie Geschichte und Literatur, Berlin, über „Inden in Amerika". Er gab irn wesentlichen seine Eindrücke von einer kurzen Reise nach den Vereinigten Staaten wieder und schlvß auch das rein Informatorische in den Nahmen dieses Be- , richtes. Seine Ausführungen über Situation und Haltung der amerikanischen Iudenheit hatten in der Hauptsache die Ncw-Avrlcv^Verhältnissc als Grundlage. Rabbiner Wiener erwähnte, daß den religiös-jüdischen Gegensätzen in den Vereinigten Staaten weit geringere Bedeutung znkomme als beispielsweise in Deutschland. Die Arbeit der amerikanischen Iudenheit im Dienste jüdischer - Hilfe könne hoch eingeschätzt werden und werde auch in Zukunft einen.wesentlichen. Faktor brlden. H. M. Semesterbeginn in der Lehranstalt;■■■ Am 20, Oktober eröffnete die Lehranstalt für die Wissenschaft des .Indentnms. B e r l i.n , ihr diesjähriges Wintersemester mit einer kleinen Iric-r in'der Aula der Anstalt. ' Professor Dr, E l-b oge n; der Vorsitzende des'Lehrerkollegi.nms, knüpfte in feiner Eröffnnngsam'vrache. an seine . erst am vorhergehenden Tage irfvlgte Rückkehr von einer Reise nach Portrigal an ii»d berichtete sodann über die Berändernngen im Lehrkörper, Neu in das Lehrerkvlleginm eingetreten ist Rabbiner Dr. Alera'nddr G n t t m a n n . - der den Lehrstuhl für Talmnd iind Halächa ubernvininen hat: dem Vorgänger Tr. Guttmanns, dein vor Jahresfrist nach Palästina gegangenen Dr. Ehanoch Ahlbeck, sowie Dr. Kahane. der trotz.hohen Alters riud mancher Schwierigkeiten die Vertretung in . anfopfernngsvoller Weise übernommen hatte, sprach Professor Elbogen den wärmsten Tank der . Lehranstalt ans. Von den weiteren Veränderungen ist von Intöresse, daß in diesem ^Semester außer den bisherigen Dozenten auch der Soziologe Professor Dr. Iranz Oppenheimer und der Historiker Professor Dr. Eugxn Tändler Vorlesungen halten werden. . Der Sem'estervortrag wurde von Dr. G n t tmann gehalten, der Parallelen zwisck)en den alten Talmndhochschulen und den modernen jüdi- - schen Lehranstalten zog. Trotz mancherlei Vorzüge kommt für das westeuropäische Judentum eine Rückkehr zu den alten Ieschiwot nicht in Betracht. w^il. das westliche Indentum. von seinen Lehrern und Rabbinern außer biblischenrumd tal- . mndischem Wissen auch eine'geschichtliche Und ° philvsophisckie Schulung und eine völlige Weltliche Durchbildung verlangt; übrigens verläuft die Entwickluttg im Osten in derselben Richtung. In seinen weiteren Ausführungen legte. Dr. Guttmaiin dar, warum eine eingehende Kenntnis deS Talmuds auch heute für jüdische Theologen und Lehrer eine unbedingte Notwendigkeit ist. und ge- .. langte zu dem Schluß, daß man versuchen mü'se. durch Spsteinatik und. modernö pädagogische Äiethoden dasjenige an talmndischen Kenntnissen zu vermitteln, .was die alten Tälinudhochschulen durch ' die Ausschließlichkeit des Gebietes und die unbegren.ste Zur Verfügung stehende Zeit an Wissen vermittelt haben. Martin Bub^r eröffnet die Winterarbeit dos Lehrhauses Frankfurt a. M- Unter den jüdischen Lehrhäusern darf das Iranksurter nicht nur seiner Arbeitsleistung wegen einen der ersten Plätze beanspruchen. Es geht znrück^auf Franz Rosenzweigs Freies jüdisches Lehrhaus, der „Mutter" unserer jüdischen Lehrhäüser. Diese Herkunft bedeutet für die Arbeit des L. Lehrhauses eine ernste Tradition. Wie weit aber in der Programmgestaltung und in der Arbeit-des Frankfurter jüdischen Lehrhauses den E n t w i ck - lungen entsprochen wird, die seit Rosenzweigs Tagen das Judentuin in Deutschland formen, davon legt daS Programm d'es Herbstlehrgangs, über das wir bereits berichtet haben. Zeugnis ab. In einer dem Jüdischen Lehrhans gewidmeten Nummer des „Frankfurter .Israelitischen Gemeindeblatts" haben einige Dozenten des Lehrhauses seinen Bedeutungswandel von' Franz Rvsenzweig bis tn unsere Tage dargestelli. Es ergibt sich daraus, daß das Lehrhaus zu seiner überkommenen Aufgabe die Einlösung der aktuellen ' Verpflichtung übernommen hat, auch die allgemeinen Bildungsaufgaben zu erfüllen, deren Vermittlung Voraussetzung für die Festigung lüdc- ' scheu-Bildin'igsgutes ist. In diesem Sinne wird der Herbsllehrgang von „Samstags-Vorlesungen" be» 'gleitet. eiiiem Zyklus „Der Jude in d.er Welt",Am ersten Abend; zugleich, dem Eröffnnngsabend des' Lehräbschnittes, sprach. Pkartjn Buber. der Leiter des Fraicksiirtcr Lehrhauscs. über „Was bedeutet die .Auserwühlinig Israels?" Mit'einer Fülle von Belegeinaiis dem jüdisckien Schrifttum zeigte Buber, daß für den Urbeginn und die Erfüllung der jüdischen Geschichte der Begriff der Auserwählnng fehle. Hier wie dort ist das Judentum wie alle Völker. Eine Auserwühlung Israels gibt es, . -wenn überhaupt, nur i n der Geschichte: als Lei- . den und Läuterung. Martin Bnbers Vortrag war von--ungewöhnlicher Klarheit des Aufbaus? eindringlicher Straffheit der Spräche und von tiefansprechender menschlicher und jüdischer Haltung.-, ' * In den folgenden Vorträgen werden sprechen Professor Dr. Walter Snlz.bach über. "„Juden und Ilmivelt". Rabbiner Dr. Jakob Hoffmann iiber „Der'Inde und der Mensch nach der L-hre des Iudeiijums?, Dr. Ludwig F e u cl> twang e r über „Iiideir^u-iid-llmivelt im Mittelalter" und Rabbiner.Dr^Mar E s ch e l b a ch e r über „Juden ' und Umwelt in der Neuzeit". n. Lehrhaus Berlin Tie Eröffnung des Wintersemesters findet am 22. Oktober, 20.30 llljt; BrüdervercinShanS, Kurf iirftcnftvafte 115/11(1. unter Alitwirkung des LehrhanS-Instriiinentalkreises (Leitung: Hermann S ch i l d b e r g°e r und Gertrud Werth ei ms mit dein ersten Bortrag der TvnncrStag-Neihe„Iilden in Weltstädten" statt. Al. Warf ch a u e r und Mar Osbvrn sprechen über: „Jerusalem" (mit Licht- . dilderni. Livrerkarten. im Sekretariat, Marbu'rger Straße 5 III, in den - Berkaufsstcllen und an der' Abendkasse. Montag-Reihe „Gestalten der Bibel II": I. Vortrag:, 26. Oktober. 20.30 Uhr, Aula, Joachimsthaler Straße 13. Mar Wiener: „Aloses", Arbeitsgemeinschaften: In der Woche vom 26. bi? 3l. Oktober beginnen folgende Arbeitsgemeinschaften: 2«>. Oktober: K a l i s ch: Probleme des palästinensischen Rechts (Prinzregentenstraße 60/70). 27. Oktober: Stcr.nbetg: Indische Philosophen (Fasanen- ' straße 80, -Bibliotheki: . B a r s ch a k / F r i e d - lünder: Fragen aus der Kinderpsycholngie (Marburger Straße 5). 28. Oktober: . S w a r s e n s k l, : Einfttlirnng in die jüdischen Gebete. Oberkantor Tavidsohn gibt gesangliche und musikalische Erlänterungen (Prinzregentenßraße 60—70); Epp - st ein: Achad Haam. (Marbnrger Straße 5>; K ii h n: Wirtschastspsychologie I (Marbnrger Straße 5): S ch i l d b e r g e r / W e r t h e i.m :. Instriimental-Gemeinschast (Lnhowstraße 16); T r e i t e l :. Wanderungen. Vorbesprechung (Marbnrger Straße ü). 20. Oktober: Arbeitskreis f ii r s y n a g v g a l e M n sik, Vorbesprechung (Marbnrger Straße ö). 3l. Oktober: Gold mann: Araber und Inden (18.30'Uhr. Marbnrger" Str. 51. ...ff« » f m an ii i s ch e F v r t b.ildn n g : 26. -Oktober: Luise Bamberg er, Buchführung mit Geschästsknnde für Handwerker (Alarburger Str. 5),. ' A n m e l.d ungen zu den Arbeitsgemeinschaften . und Kursen' im Sekretariat (Sprechstunden ist bis 1 . und 16 bis 18 Uhr) und jeweils am ersten Abend. Lehrhaus Breslau % Eröffnung: 26. Oktober. 20.15 Uhr. Agnetz. straße 5. Richard Beer-Hvsmann-Feier. Bortrag: Julius B a b (Berlin). Rezitation: Lotte Schwarz» Rosenbanm (Breslau). — Im Programm de« Wintersemesters sind jüdisch-wissenschaftliche und all- . -nemein-wissenschaftliche Bortragsfolgen und Arbeitsgemeinschaften vorgesehen. Näheres durch das Sekretariat, Agnesstraße.5, 11 bis 13 und 16 bis 18 Uhr. Die dritte Reihe von Schulungskursen f ü r I u fl e n d f ü h rer. welche die Jtzraelitische Kliltnsgemeinde und der Ortsring her Iugendverbände M ü n ch e n gemeinsam mit der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung (Frankfurt a. M.) veranstalten, wurde mit einem Wochenendkurs unter Leitung.von Professor Dr. Ernst Kau», t o r v w i c z über „Fragen der Gesellschaftskunde" eröffnet. Vor einem äußerst interessierten Kreis von Führern ans allen Bünden entwickelte, der Referent eindringlich die Grundlagen politischen Denkens, der Gegemvartskiinde und schließlich an Hand anschaulicher Beispiele der Soziologie. man mich ein kleines Stück vvn den Ufsicieu zwischen den Ldggiensüulen dnrchscheiuen. Jfluf dein Platz liegt pralle Sonne, mir in der Loggia ist cs kützt Mid schattig. Mali konnte sich erst zn der einen Seite drehe'ln lun zu "mörken, wie schief der mächtige Turm auf denk Palazzo sitzt, dan.n iiach der andern Seite zilin Briinnen. dann lun die eigene Achse mir aus Frelide, ulid dann niüßte inan sich auf die Steiiistiifen in die kühle Loggia fetzen. Weiiitraliben essen und ein wenig lachen. Weit eineiil die Rälillergeschichten von Cellini'entfielen, die er ai,stellte, als er den PerseilS goß. Das wäre dann für heute genug, imili darf i" Florenz nicht zil viel auf einmal sich anschauen. Soiht wird man 'verrückt.- Morgen geht es zrun Bvticcelli in die Uffizien. . ' . Die BvrdkaPeUe ist heilte abend ilnter den freien Hilninet gezogen, aus den Schifssptanken sind weiße Kreidekreise gestreut, die Tanzfläche ist bald glattgetaüzt. Unaufhörlich wird gespielt, eili Schlager mich dem anderii. jeder Takt fährt in die Taiizbeille. Aber mit einem Schlager hat es seine besondere. Bewalidtliis. Ist er .nicht lintängst — huiter der rilnden Grenze — gespielt worden, hat ihn nicht das süße -Wiener Ätädel. das von der angeblich antiguierteil Schiiitzlerbühile in die iliiverwüstliche Wiener Wirklichkeit zurückspralig. so initgesimgen.' daß sein ■ banaler Text auf einmal sinnvolle Gültigkeit ' bekam, und hat es nicht den Anschein gehabt, als ob der Schlager'nur für das eine liebe Paar komponiert^ irmrde. das in der seinen Bar am Graden, gleich in der zweiten Loge saß. Tie Resl hal's glei' g'merkt und ist pfeil- ^gräd aiif die zivei lvsg'steiiert. Wer die Nesl ist k Die -KciinrfTWprre ist. uumn man so jmzämdarf, die einzig pnnt'tlicije Zeitbestimlnnng von Wien. Sonst ist in dieser bezaubernden Stadt alles ..ap.rorimativ. beilänfig". wenn. . es sich um Zeit handelt. Nur etwas ist verläßlich und pünktlich, und das ist eben die Nesl. Punkt halb eins erscheint sie mit ihrem roten Kopftuch, der btanen Schürze und dem grünen Nock in dem Lokal, wo man gerade sitzt, und hält in der Hand den roten Rosenbusch. von dem Man meinen könnte, er sei - immer derselbe niid einmal vor langer Zeit für alle Lcwigkeit und für alle Berlicbtcn gebrvchen ivorden. Immer ist er gleich frisch, gleich rot und gleich duftend. Der lange, maßlos in das süße Mädel vergasste Schlacks nimmt auch sofort die Rosen, ein Kellner holt eine Base, ein ariderer ordnet die Rosen hin-- ein, tlnd die Kapelle spielt einen Tilsch, dann einen Walzer. Eili Statistiker, der die Menge.der Glücklichen registriert, dürfte sich ruhig an die beiden mit der Frage wagen, tauschten Sie chente. mein sehr, verehrtes Frärilein rmd geschätzter Herr, mit irgeiidjemaiid ans der Welt? Er bekäme ein glattes „nein" zur Antwort, llnd dieses „nein" müßte er immer fester glaubend wenn ex dann späte.r heraus ans Den'Graben geht, ans den stillen Stephansplatz. wo die letzten Autobusse vor der Kirche stehen, einer Kirche, die kirchlicher und gothischer ist als alle anderen Kirchen der Welt, wenn er dann hinten herum durch die schnralen Gassen schlendert (man kann sich in die gegenüberliegenden Fenster die Hände reichend..weiter ziim Karlsplatz, ans dem zwei Trajans-Säulen einer vollendeten Kuppel von rechts und Unfs den Hos machen, daß sie immer schöner und voller und runder ..wird, und hinauf zum Belvedere. Hier steht er, denkt an die Heiterkeit, wie sie ihm heute vv.rgetanzt ivurde. ' Der Hintergrund ist nichts Besseres und . nichts Schlechteres als die Fischer v. Erlachsche Schloßsassade. und der Park senkt sich huldigend vor den Hügeln des Kahleuvergsl- ..Eine kleine Nachtmusik" —Glück von WienT^euktTwr Statistiker, lächelt und stellt seinen Rockkragen hoch. Am Abend wird, es am Schiffsdeck kühl. Die Bordkapellc hat längst anfgehört zu spielen. , Jetzt, aber, am Hellen Mittag, soll mir kein Gedanke mehr hinter diesen gefährlichen Grcnzkreis entwischen, der Wind weht-frisch. beim Ringtennis habe ich mich gehörig angestrengt, drei zu fünf habe ich verloren, das Mittagessen - ist schwer verdient, ich habe einen irrsinnigen Hunger, wann schlägt endlich der Gong. „Auf was hättest dir denn heute Lust, liebe Seele", frage ich mich zärtlich und sanft, vor allem aber innerlich zufrieden, daß alle Wehmut, Sehnsucht und sonstiges Heimweh von dem herrlichen Hunger verdrängt ist. Man soll >nie mit sich zufrieden, sein. . Denn wieist die prompte Antwort auf die behutsame Frage? „Krebssuppe wie bei Stöckler." Und einen leichten Mosel, Uerzigex Würzgarten, oder sv. „Ich bin Entsetzt; empört, mochte ich mich am liehsten stehenlassen, so wie ich stehe, niid allein in den Speisesaal gehen. Als ob der leichte ita-^. lienische Rotwein nichts wäre. Drei.Gläser stürze ich herunter, obwohl ich es nicht verdi.ene, und komme auch richtig so heiter und großzügig wieder ans Deck, daß ich dem weißest uniformierten Schiffsoffizier in die Hand verspreche, ihn einmal in diesem Leben zu einem Mannseedainpfer zn führen, damit er endlich kennenlerne, was ein Schiff ist. Da ist ein jüdischer Junge ans Köln. Er fährt nach. Durban, läuft den ganzen. Tag in Trainingsschuhen herum und'hat drei gute Eigenschaften, Er lacht, wenn er ein Spiel verliert, er tanzt so leicht und elegant in seinen .Trainingsschuhen, daß man meinen müßte, er habe die feinsten Lackpums an, und er spricht gut und innig von seiner Mutter. Für sie schreibt er ein Reisetagebuch. Es beginnt: Am 17. September 19R'. schisse ich mich in Genua ein. In einem Jahr, also am 17. September 1R1-7. muß ich - es geschasst haben mit der Existenz, damit meine Nctttter Nachkommen kann. Sonst fahre ich wieder zurück. ' Aber ein anderer hat sich eine Schnodderschnanze und eine weiße Leinentappe ans Berlin nntgebracht. Oh. der versteht's. „er hat die Brücken hinter sich -abgebrochen, zurückzudenken sentimentale Lächerlichkeit, neues Leben, er pfeift auf die Bergangenheit". Ja, hat er überhaupt in einer Vergangenheit gelebt, und lebt er in der Gegen- ' wart? Und.welche Brücken. — wo standen sie. worüber wölbten sie sich — hast du abgebrochen? Was hat dich jemals mit dem alten Letzen verbunden, woran wirst du im ' neuen Leben glauben? Noch immer aber lebt mau auf dem Schiss iu Europa? Das Essen und die Zigaretten, der Wein und der Kognak, ja auch die Liegestühle und die Kopfkissen in der Kabine, alles, alles stammt aus Europa. Tas Nieer siehNjente so.aus.'wie es m Genua ausgeseheu hat. der Wind ist kühl und frisch und der Schlaf tiest Ernst wird es erst bei der Landung in Kapstadt. Das Aeguatorsest hat nun doch stattgesunden. Vermnmmte Engländer haben die Taufe vvrgenommen. War das eine Lustigkeit. Allsgelassen und naiv, sprudelnd, lebendig und laut, — sogar der Berliner mit der weißen Leinenkappe, saß reglos und erstaunt ans seinem Stühlcheu und sah mir zu. Und wir anderen, die wir aus Deutschland kamen, auch.. Werden wir es je lernen, so kindlich frvh zu sein? Die .Augen mit dem Taschentuch zugebnnden. blinde Kuh spielen und ' zwischen den Weinflaschen über die schwankenden Schisfsplanken tappen? O ja. das^macheu wir üüt. Nur ist es bei uns kein Spiel. Wir tappen in die un-. bekannte Zukunft, noch können unsere Augen . nichts sehen. Im Verlag Ltock. Paris, erschien ein neuer Rvinan von Vieki B,i u in : „tza enreiöre de Doris Hart!". Am ersten Tuge des Erscheinens wurden 10 000 -Exemplare des Buches verkanft. In .N e w - A o r k wurde ein Komitee für die HoraiiÄzabe -der-—j-i-b b i scheu ytz j d e l il i.tztz" " u von Iehoasch gegründet. Ten Ehrenovrjitz deS Kviiiilces hat Professor Da'vidson. den - Vorsitz Dr. Etzaim L ch i t l v iv s k y übenioinineu. Tie Iehcxisch-VerlagSgesellschast wurde beauftragt, eine Aktion zur Aufbringung eines Volksfonds diirebziifülirrn. mit dessen Hilfe eine Volksausgabe der Ielioaschschen. Bibelübersetzung zu einem jedem Juden erschwinglichen Preise ermöglicht wer- .den soll. - - 's ■ I' V >.. A \ 11

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