Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 41 (8.10.1936)
- Date
- 1936-10-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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o ' fl; Nr. 41 » 3. Beiblatt y Oktober 1936 Ter Berliner Kulturbunderöffnete seine neue Spielzeit mit einem Werk, das in seiner, musikantischen Vitalität und trotz seiner völligen Problemlosigkeit in die lebendige Musikgeschichte einging, mit einer Ausführung, die im ganzen hohen Erwartungen entsprach, mit einem Publikumsersolg, der groß und ungeteilt war. ' Zum erstenmal stand Haus Wilhelm St'-einherg an der -Stelle, die bislang, von einem kurzen Interregnum abgesehen, Josef Nosenstock innehatte. Wir wollen nicht mit billigen Vergleichen verschiedengeartete Individualitäten. gegeneinander ansspielen, nicht die Größ^ des persönlichen Formats abwägen, sondern nur durch den Gegensatz die in der musikalischen Leistung realisierte Form und Art zu deuten" suche«/ Zunächst:- es gibt auch Gemeinsames zwischen . den beiden 'Dirigenten. Hier wie da peinliche Akkuratesse in der Vorarbeit, die sich dann in der Aufführung unbedingt bewährt, Sinn für alles orchestral klangliche und Formale, das Einzelheiten zwar herausholt. sich aber nicht in ihnen verliert, die diktatorische Geste, die das musikalische Geschehen auf sich zu konzentrieren weiß. Aber während Nosenstock besonders eine espritvolle, elegante, geglättete (nicht oberflächlich glatte) Kunst und Wieder-. ■ gäbe nahestand, alles von einem äußerst lebhaften Tempo getragen wurde,'ist mm diese , erste Aufführung unter Steinberg ruhiger, - ruhevoller, dem Sänger gegenüber nachgiebiger,;es gibt erhöhten Fermateuglauz. mit langem-Ätem. wird schon das Vorspiel ausgebrcitet. Vertzis polyphones Gewebe kann sich schon undIrei ausschwingen. und das ist hier wichtig: denn in dieser Oper triumphiert nicht mehr allein die bis zuin Brutalen gehende, naive, urwüchsige Kraft, der „Maskenball" deutet schon leise auf das Spätwerk. Immerhin bleibt Verdis. Kunst stets diesseitig, unbelastet.und der Interpret Steinberg läßt mit impulsiver, leidenschaftlich mitgerissener und mitreißender Musizierfreude alle Feuer dieser virtuosen Kunst Hochbrennen, ..r Ter Bühnenbildner Heinz C o n d e l l ist oft gerühmt worden, als Künstler von Erfindungskraft,' als Meister des Handwerklichen. Die szenischen- Angaben dieser -!Spm sind ganz allgemein gehalten, so dürft, Condells Phantasie freier walten, ohne allerdings das Interesse vom Gesanglich-Musikalischen abzuziehen. Dieses Doppelte ist Condell gelungen. Im , wirksamen-Gegensatz zu den schön ausgeführten gräflichen Räumen steht die dürftige Unwirtlichkeit der Ulriken- Szenerie, die gespenstische Unwirklichkeit des „freien Gefildes" mit Galgen und Wolkeuziehen. Das Motto von- Tr. Kurt S i n g e r s Regie schien das Bekenntnis zum operyhaften Gesang, -bei dem durch die Gestell nichts Fremdes im Sinne des Musikdraiuatischeu etwa ausnoch unterlegt wurde. Tie Spieler, waren nicht eingeengt ur^d bei ariosen Partien nichk zu.uberiuäßigctt Bewegungen -verpflichtet, die.Hand des Regisseurs leitete, llber dem Publikum nicht sichtbar, das ist das höchste Verdienst. Beim Ende mit Erschrecken (Pistolenschuß statt des üblichen Jntrigailtendolches) wollte mau, nicht gerade motiviert, historischer sein als der Tertdichter selbst. Auf der Bühne vollzieht sich mit lapidarer .Einfachheit da« Geschick der drei Liebenden, der Frau zwischen den beiden Männer«. dem einen durch Gesetz, dem andern durch Gefühl zugehörig. Tie Aufführung transponierte dem bol'.nnto-Stil stark ins temperamentvoll /Belebte, schauspielerische Begabungen wirkten sich voll aus und übertrafen das gesangliche Ergebnis. Man kann die Atnelm kaum wilder, entfesselter, gestenreicher, mit einem Bl ehr an theatralischen Wirkungen spielen als Toris Wil am owska; aber das entschädigt nicht dafür, daß ihr an sich großes Stimm-Material im Borte, noch ins Harte und Scharfe umschlägt, die Uebergäuge der "Lagen lind im Dynamischen fehlen, streckenweise zu hoch gesungen wird, kurz die Sängerin noch gründlicher Schulung bedarf. Neu im Kulturbund ist auch der Tenor Ernst Krafso (Richard). Seine Leistung kennzeichnet eine besondere Leichtigkeit: in der Intonation, in der Aussprache, der ein behendes. deutliches Parlando gelingt, in der '; Lockerheit der Höhe. K.rafsos Singen - ist . flüssig, würde allerdings durch eine wärmere Tongebung noch gewinnen, das Spiel ist ungezwungen. von tenörlichen Allüren frei, könnte aber gelegentlich noch beteiligter sein. Zweifellos eine gute Leistung, die sich durch erhöhte Intensität sicher noch steigern ließe. In der zehnten Szene, im Sechsachteltakt von Richards Refrainlied gab es eine Tempo? diffcrenz. mit. dem Dirigenten. wir möchten Krassos lebhafterem Zeitmaß den Vorzug geben. ' Wilhelm G u t t m a n u (Reull) zählt zu unseren besten Gestaltern. Wahrheit des jfiiahniffa sieht ihin über allem, er gibt der Bühne, was ihr zukommt, aber er kennt auch ihre Grenzen und sprengt den Nahmen des künstlerisch Noblen nicht. All dem ist auch der Einsatz des Stimmlichen Unterworten. Im ganzen'eine Leistung, bei der sich Klugheit. langerprobte Routine und unmittelbares Empfinden vereinten. Ulrika war Anna L i p i n. Eine Rolle, gesanglich ebenso dankbar ivie darstellerisch riskant, denn von der erstrebten Dämonie der finsteren Pythia zur. unbeabsichtigten Heiterkeit über ihre theaterhafte ZNagie ist nur ein winziger Schritt. Es spricht für Anna Lipin,/daß sie ihn mied. Blieb sie der Partie auch einiges a» machtvollem Stimmumfang schuldig, so gezvann. doch die Geschlossenheit, die die Rolle als Ganzes trug und auch lueistcrte. Tie Rtelo- . dien des Pagen Lskar sind von Verdi keck und leiclU hingesetzt, sie wirken fast operettenhast. Durch die Besetzung mit Rita A t l a ß wurde dieser Don noch unterstrichen. Ilusere Koloratursonbrette sparte keinen Augenblick mit koketten Äugen — Blicken und munterem Ziergesang.' Kleinere Partien hbtteiv mit Erfolg inue Walter Llitzki (Silvauoi. Siegfried ll r i a s und Kürt : t)t a h m e r als Vcrschivörerdtw. Eine angebliche „Gavotte", die ein Menuett rvar, tanzten Ruth E v n - d e l l. sti'elly H i r s ch . Hedi S i e d n e r und Marianne S i l b e r m a n n.' " L Der „Piaskeitball"' ist keine Lp.er. dgr Solonmumern. sondern der Ensembles, auch der Ehor ist stark beteiligt. Es ist für eine Ausführung schon viel geivonnen, wenn da io Treffliches geleistet wird wie vomIcou«--im elwri Berthold Sander und 'den'Leinen. Ludwig Altmann Gastspiel Isa Kremer im Berliner Kulturbund gm güdi'cheii Kultiirhiiiid Perlin gibt .si'a Kremer. eine amerikanische güdin vtsensichllistp ru''sisthest^Trerkcu,it, ein Gastspiel. Sie singt Meder »in (^ngliicli. Amerikstnäch, gjran.zönnh,. htussi-sch. glalienäch und. Spamül), meistens aber m giddäch.' Das Programm kündigt. sie als ..tue iveltberiihinte gnterpretin derLieder aller Völker" an und vergleicht sie mit Poetle Gnilbert. gm Kremer ät zwciiellos eine Künstlerin von gormat. Sie weist Stimme lind Mimik dem-Inhalt der. wieder nnzuvaiien. aber dennoch gelang es., ihr pur,. mit einem Teil des Publikums Kontakt zu bekommen. Der allerdings tvar so heftig, das; die Künstlerin imitier wieder zu Zugaben und Wiederholungen aiägeiordert ivurde. lind dw- .chigaben ivaren mpi'stierivene wieder nur jiddi'che Liede-r. 'praehäch und inhaltlich dem anderen De:l. der . Zuhvrericha't selbst durch die Plimik der' Künstlerin nur schwer verständlich. Wenn ne sranzösisch oder.englisch sang, nahm sie auch den Teil des Publikums gefangen, der ihren rimächjiddischen Darbietiingen gegenüber kühl blieb, gn dielen Liefern — vor allem in dem sranzönimen Wiegenlied. Lied einer NegermutterD"amerikaiiisst,ein Vvllslied. ..S„r. Ir . .- enlwiekelts sie nur!) eine Vielfalt der Geste» »nd einen , der.Plinuk, besonders ein Sstiel ihrer lehr schönen Hände, -daß das pied un r'lngenblick zur Szene nnirde. Sonst leidet iie unter all;» großer Sparsamkeit der Vlvdnlation, »nd man tvünschte, iveniger oit.vo)> >l>r das üvrle. dafür stänsiger das Vlezzo und das,Piano zu hören, die ihrrS Stimme und - ihrer Per-ivn viel -angemessener icl,einen, gia Kremer sollte bei der Fortsetzung ihre-vGastsviels in der Programiiigelkaltniig mehr Piicksicht ans d'ie Verstaiidn,sf,i>»igkeit ihres hiefigeii- Piiviilnms nelniien. dann ivird ihr' Erfolg großer irm. Werner S e e l > g ' V a ß begleitete - die liaiifig iel,r tstinnerigen Vlelvdien mit großem knnsllerisstien ^'ersiandnis niid viel Einfühlnng. I)r M. E. Vorträge und Konzerte in Berlin und im Reich Die st>ei!,e der Vorlragsveranstiilningen des - Berliner Knllnrbnndes in der iienen DVielzeit eröiinete E d i i h' H r r n ft :i M - L 'f t t ingen mit eineiw '.lieptaiionsabi-nd „Bus dein Schristtnm . . jüdischergrauen". r'Kas der Ilben.d in bunter golge an D'er?-und Prosa 'briichte, -tvar stächt gleist,loertig, niudder dnrstliveg sentimentale Eril.ndtvn. ans den das Programm abgestimmt ,var.- beiehiovr die «Keiahr einer geimiien Monotvn-ir. die erst zuin Schluß durch pnei gesühls» ftarke Gedistste von l s e 'Ji! e i ß B l imi e n l h a! einigermaßen be!>obeii. nnirde. '?ln dieler D,st>ter!!! geigte firJj. daß das neu erstarkte religio,'f Veivnßtiei» unK-rer .ch^t auch' bei den r dnchtvnden grauen nielst bloß in einer passiven: . duldenden Hingabean das ic->el!list,e Keine» ädägnat^i '.'iiisdrnst ch. nichen branchi. . Kmdcrn sich ' anst» ans der »ninilii'ibar tat,gen Kra't der Seele im - flainmenden -pevnlietenworl zn/Ivien vermag, lind ebenso, in einem 'ziveitei, Gedistch das die. Dichterin ..Var zielien . . 'betitelt hat, tvie sich. Aktualität — in dieiem galle das V>>,nderschicksal der heutigen gude» - in ivirkliehe Tistitniig iirnsetzen ka.nn. Sstv ilbrige.n möchte iiia» deik. grauen, die an dleieni Abend mit religiösen Pvesieiä zu Aborte kamen, raten, was Lei sing einit: dem jungen Wieland angerale» hat: sie sollten die ätherischen — Hol;e-!.i..oerlaüeii und »vieder unter den Plenschenkindern-wandeln. Tie Blnhnung sei hestuiders äußerst begabte H i l d e 'M a r r geriststet, deren genrelstldliches Dalestit sie an' das weniger nn« 'prnchsvolle. aber immer noch ergiebige . Gebiet der gdylle hinweist... Ganz Diesseits.Poesie war ein Gedicht „Tie -Verlassene" von Gertrud E h o 0 z i e s?i e r , ein zartes,-lyrtsch-wejbliches Bekenntnis, das auch