Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 41 (8.10.1936)
- Date
- 1936-10-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 41 .Beiblatt 8. Oktober 1936 „Der Schlemihl“ Hans Natoneks Chamisso-Roman „Ich hatte kein Vatexlanü mehr, oder noch kein Vaterland"/ bekennt der - Dichter ' Adalbert.. v. Chamiiss, Emigrnnk aus der.französischen Revo-' lution, als preußischer Offizier gezwungen, gcgeir das ^yranfretcfj Napoleons zu kämpfen, dann viele Jahre hin- und herirrend zwischen Deutschland, wo seine Freunde wohnten, und Frankreich, wo der Pflug des Bauern über die Erde ging, zu der das Schloß seiner Väter zerfallen war. Erst im „Peter Schlemihl", der schnell bekanntgeuwrdeneu Geschichte seines. Ebenbildes, sodann ans einer Weltreise mit einem russischen Schiff, befreit sich Chamisso von dem Fluch der Heimatlosigkeit, iim dann noch lange Zeit in biedermeierlichem Gluck, mit Sehnsucht ins Weite, zugleich volkstümlictM Dichter und anerkannter Gelehrter, als Beamter des Botanischen Gartens in Berlin zu leben. Aus den Leitmotiven des Schlemihl-Schicksals und der tiefgefühlten Heimatlosigkeit formte der. ~ jüdische Schriftsteller Hans Natonek (Verlag Albert - de Lange, Amsterdam) das Leben Chamissvs zu einemRoman, der dennoch viel weniger Roman als Lebensgeschichte, Lebenserklärung des Dichters und Selbstbekenntnis seines Biographen ist und'. zugleich ein -sehr sorgfältiges Zeitgemälde, des geiftigen Europas im-ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. So stellt sich Natonek das Thema: „Es hat Gott gefallen, diesem französischen Vicomte ein jüdisches Schicksal aufznerlegen. Er sucht eine .Heimat und liebt die. die ihn nicht lieben. Erweis; noch nicht, daß Gott ihn lieb hat — Gottlieb, ist das auf jüdisch nicht Schlemihl?" Wie ein brennend roter Faden zieht sich das Judenproblem durch das ganze Buch, bald in dem „jüdischen Schicksal" Chamissvs, der - ein deutscher Dichter werden sollte, bald in den -verschiedensten Thpen des damals während dercheginnenden,Emanzipation .rasch, sich umschichtenden und aüfsteigendcn Judentums, bald in schmerzhaft-bohrenden Erörtermigeix des Verfassers. ' Der (aus dem Jiddischen stammende) Schlemihl wird hier eins mit der Gestalt des Ahasver. Es wird von der „wahren ahasverischen Schlemihl- ' Bestimmung" gesprochen, und der alte, abgeklärte Chamisso antwortet seinem Sohn, als er ihn fragt, ob Schlemihl ein Jude sei: „Ich weiß es nicht, aber wenn er einer ist, dann ist der Jude und der Schlemihl der Inbegriff des Schmerzes um die ver» lorene Heimat, JnbWnff urmenschlichen Leids überhaupt. Und den Leidenden soll man achten und schonen . . / Der Mann, der erkennt: „immer werde ich wandern, um heimzukehrcn" ünd weiß» i daß „Weltverlorenheit und Heimkehrgewißheit waren wie Ein» und Ausatmen", kreuzt den Weg vieler charakteristischer Zeitgenossen: seine Freunde, in der Jugend sind Barnhagen und Fouqu«,- das Berlin um 1810 mit dem Salon der Rahel und ihren illustren Gästen.'wird lebendig, Viele fein und scharf gezeichnete Miniaturen von merkwürdigen Menschen dieser Epoche gibt Natonek, von - dem Original Schlabrendorff. im revolutinären Paris bis zu dem greisen Dichter Chateaubriand als Gesandten in Berlin. Geradezu fanatisch wühlt - er sich in die Schicksale jüdischer Gestalten ein, so in den unruhigen, genialischen Arzt und Aben- . teurer Koreff, den nach Frankreich iibcrgesiedelten selbsthasserischen SpazicE,.vor allem aber in den besten und treuesten, lebenslänglichen Freund Chaminos. „Mittelpunkt - seiner Planetenbahn, 'das -Herz der Freiindscha'.t". der aus einem Jtzig - ein Hitzig geworden war. sichals begeisterter -- Preuße und völlig entjudet fnhtte, iväsir-end Cbamisio die Tarnkappe' scher seinem Haupte, erblickt, ln-der Ahnung, daß sie eines Tages'herunterial- - len und Hitzigwon allen als Jude erkannt würde.-- Hitzig. dessen Adoptivtochter Chamisso heiratete, hier als wackerer, zu allen Menschen gütiger Helier ' dargestellt, wird in Natoneks Ronmn zur durchs gehenden Paralleliigur Chämissvs, zur tragischen .Gestalt"des Ahasver, der glaubt, die Heimat dort gesunden zu haben, wo Chamisso sch dann wirklich fand. Eine andere Gegenfignr ^ist die Frau v, Stael. die, durch Napoleon verjagt, am Genfer See in der Emigration lebte, wie einst Chamissos Familie von der Revolution vertrieben, in. Tcutschland; an der Stadl und ihrem Kreis, in dem besonders das Porträt" des' eitlen A. W. Schlegel geglückt ist, wird Elend und . Sehnsucht des Emigrantendaseins/.'deutlich gemacht. Dieser Roman von der „uralten Menschheits- . angst, unstet zu sein", „vom Nlann. der das Unverlierbare' verliert", ist aus suchender Leidem schnft mit vie.l Liebe geschrieben - . aus Leidenschaft und Liebe gleicherweise für Chamissos Schicksal wie für das Inden-Schicksal.'^ E§ ist ein gutes schönes und tiefes Buch geworden: ein, schwerer Mvllklang voll Wehmut iveht hindurch, und in diese Melodie sind' manckje Gedichte und' Selbstbekenntnisse Chamissvs verflochten. Natoneks Buch will ein dichterischer Roman, keine exakte Biographie sein; er verweilt deshalb auf den Hauptstationen des Schlemihldaseins und läßt—manclM fort, was. nicht zu dieser Grund- Melodie paßt, so Chamissos Freundschaft' mit Gaudi), seine Bedeutung als politischer Dichter, als Uebersetzer Berangcrs und als Entdecker Freiligraths. . Wenn aber der Jude Natonek gerade dem Jndenschicksal und den Judengestalten eine so wichtige und anfschlußreickze. Rolle im Leben Chamissos einräumt, so vermißt der jüdische Betrachter freilich die Erwähnung gerade jenes großen, das Ahasver-Schicksal gestaltenden Channssv-Gedichts-vom Abba Glosk und dessen Besuch bei Moses Mendelssohn sowie vor allem die Gestalt Heinrich Heines, als dessen eigcntlickser Berttner Propagator Chamisso anzusprechen ist, ' und um dessen willen er sich, als er Heines Bild in den Musenalmanach aufnahm, mit seinem Freund und Mitherausgeber Gustav Schwab entzweite^ K. P. Karl Vietor über Börne"und Heine Karl Vietor. Professor der neueren Literaturgeschichte an der Universität Gießen, legt in der bekannten'Sammlung Göschen (Bd. 1096, Verlag ' Walter de ©runter & Co., ^Berlin-Leipzigs ciii Bändchen deutscher Literaturgeschichte vor, das in großen Zügen die Zeit von 1.700 bis is**(> .txmfäfjt, . also vom Beginn der.Aufklärung bis znm Realismus reicht (Deutsches Dichten und Denken von der Aufklärung bis zum RealismiM. Viötor geht davon aus. daß durch den Weltkrieg uied^stine Folgen das. bürgerlickse Zeitalier. beendet worden sei, das .dem geistigen LebkiPder letzten »00 Jahre, .sein bestimmtes Gepräge gegeben, und . das; damit - - auch „die- Leistiu.ig der Vergangenheit ansgehört" habe/-„sichereriBesiß oder ielbstverttandlickses Bor- " ' lnld" Zu sein.- Die ge'chichtliäie Bedeiitnng dieser .. - Zeit sieht erin der Dichtung und 'der Philosophie,. - des - deutschen Idealismus.!» dem „der Glaube der Neuzeit an -die.großen und-guten Kräfte des - Nlenschen'.. an' freie Sellntbcsiunmnng und an die -Unabhängigkeit und -Würde .des Geistes; seine höchste Verw i r k l i ch n n g fand", und'dem die.Epoche - der-Aiifkläriing als '..Wegbereiter und Aufstieg" diente. Als die Persönlichkeit, in dersich ..die Sonderartder -deutschen-.Aiifklärung-.am stärksten und fruchtbarsten ausprägle", ivird Leising charakterisicrt. dessen Drama der edelste ..t'iusdriick dec; neucn Humanitären Gesiiinnng" gewesen sei. und der im Verkehr mit Friedrich Nicolai.und dem Pvpnlarphilosvphen Äoies Nkendelssohn ..seine ueiien Anschauungen, vor allem auch Über die Tragödie, gefestigt" habe.. An Herder, einem der Hanptvertreter der idealistisck>en Epoche, iverden -als Onellen seiner Weltalischannng Plato.- Shastesbnrh,. Leilniiz und-Spinoza .anigezeigt: Spinozas Gottesidee habe Herder für die nmiaifeiidsie und . tiefste gehalten nnd sie-gegen den Vvrwnrf des AtheisMlls in Schutz genomii-ien. In der Rvinantik.erblickt Viötor die letzte Entwickhingsstiiie des Idealismus: in.Heinrich Heine,' -.obwohl er vonder-Märchcinvelt und der Ge'iihlsdichlung der Romantik ansgegangen sin., ihren „erfolgreichsten Erledigkr". der somit, der literarischen Beivegung des 'Jungen Deutschland z>>- gezählt wird. An dieser Bewegung hauen, ivw- Viötor hervorhebt. znm erslrnnial die Juden Deiitschlands"führenden Anteil.-vor allem. Ludwig' Börne, „ein Moralist in der Art der auiklärerischeu Jsiatnrrechtler imd ein fanatischer.-Hasserdentfcher Zustände". Bon' den, ..»„gleich begableren" .Heinrich Heine heißt es. daß fei» ..vir- .tiivfes Talent" vor'allem.im kleinen Gedicht, bas den sentimeiitälisihen c'lngenblick formt oder von eiiier witzigen Pointe levl. sich als ne» .nnd -glänzend" erwiesen-habe. „Im übrigen", so bemerkt der Verfasser Ive.iter, ..verinisckieir Heines Lieder und .Gedichteden Schein romantischer. Volkslied-Innigkeit und Stiminimgsliintik. Byrvufchen Weltschmerz, revolutionäre' Rsietorik und witzigen Zhiiismiis auf eine 'Aleise, die von der Bourgeoisie in Deiitschland nnd außerhalb als nnvergleichlich sinteressant' empsiinden wurde" ,.. „Es war bei Heine wie bei Börne nnd Kart. Marx:' diese der ersten emanzipierten Gene-rativu angelsörenden Inden zeigten sich dem eigentümlich dentschen Element der idealistischen Kultur gegen- . über destruktiv'." Im Schlllßkapitel'feiner kleinen Schrift behandelt Viötor den Realisinus. den er iveltanschaulich ans der materialistisck)en Philosophie Ludwig Feuerbachs herleitet, und dessen Denk- -rveisc „für die nnn beginuenden wirtschaftlichen und sozialen Kämpfe der de»tsck)e Jude Karl Marx" vertritt. In der' erzä!>lendeii Literatur'' dieser Epoche nnterscheidet der Verfasser' drei Arten: den Zeilroma.ii, die 'Epik landschaftlichen ,Volkstums nnd den geschichtlichen hlvinan. wobei .er für die ziveite,Gattung die „großartige epische Kraft iind Einfachheit" der Baliernerzählungen Jeremias Gottpelfs der „modischen", ivenigcr w-ichtigen. Doriliteratnr eines. Herinann Kurz. Otto Ludwig und Berthold Aiierbachs gegeniiberilellt.' h. Tendenzschrift statt Lesebuch Oflo Äbeles; Begegnungen mit Juden. R. Löwit Verlag, Wien und Jerusalem, 1936. Zu Unrecht nennt der Versasier sein Buch: ..Begeglningeii-mit Jude»", das eine-sie,he fesselnde geschriebener Skizzen aus dem Leben indischer Äsienichen Oltnnd Mitteleuropas enthält, ein - „Leseblich". --Die Bezeichnnng Lesebinl, verpflichtetzu Objektivität, zu reinem Berichte», -.zu Verzicht aus ^-Kritik. Stellnngnahmel tcndenzivieJBehanptiinge». Was aber enthält der- BandL Eine - Fsille scharfer, vitinals g e h ä s s i g scharser An- .klagen gegen die Assiiiiilativ». die für den Verfasser nichts anderes bedeutet als die sklavische Sucht nach Angleichung und in der ex. den^Spießriitenwcg" durch die Geschichte und die „Schiwich .unserer Wehrlosigkeit" erblickt. Nu» denn': die Assimilation ist gewiß eine Erscheiinuig. über die sich diskutieren läßt, nicht aber so. wie es hier geschieht, wo ineiner jonriialistisch versierten .Weise, die selbst verdächtig stark an eben sene vom Verfasser gegeißelten S.hmptome der Assimilation, . eruiiiert,. bestimrnte Vorgänge kritisiert und getadelt werden, die. zioar .Prodnkte. besser: .Auswüchse ungksilndeu Aiigleichbcmüheiis sind, nicht aber, wie es Abews gern darstellenmöchte, das Ergebnis der Assimilation schlechthin. In etivas primitiv anmntenderv Schwarz- Weiß'Zeichililiig stellt der Verfasser die ..l.siodernifierlen" ihren Glaubensgenossen' ans dem Osten gegeniiber. und koinint zu dem Schluß, daß sie sicl, . aii di.-» „Kastaiileuteu"' in bezug auf .Gesi»»»»g und Gesittung' eiii Beispiel nelilne» könnten,. ' Denn nvas ist für ihn die Af.sini>Iat>on< Eine unendliche Kette von. Entwürdignkigeii. angefange» von Heinrich Heine, der jahrzehntelang, bis zn seinein Todes Nlaihilde. seiner Fra», verheimlichte»-, daß - er jndisä>er -Herkinift. sei. bis zn Charlie Chaplin, der gleiel,falls alles daran setzt, seine jüdisckie ",'lbstamninng zn -verleugnen. Ein gennsfer Kreis Wiener Inden, die .mil ihrer Freizeit -nicht» anderes anznfaiige» wissen als im - Prater lärmend Karten zu spielen, ist sür ih»! ebenso Ansdriick der Aisiiiiilalivii ivie der .kleine Rioritz". der als Tnp voii Inden-erfunden, von Jhden belacht, von Juden auf die Bül>»e gestellt 'wurde.- .Vonjenen Vielen, deiien es um.echte Siinthese ziviselie» Jndentum und den kulturellen . Erscheiniiiigsjvrnn'ii des Landes.''.-dein .sie als Staatsbürger angehörten, bitter ernst war, hie darum mit aller Hingabe und Aufrichtigkeit ringen und denen es-dabell'----- egal oh es-gelang — .um einen fruchtbaren und sihöpferifcheii Aiis« gleich ging - von diesen allen.weiß der Verfasser nichts zu melden. . - ..Von der lleberheblichkeit. zn richten, miihte .er fick; frei zn.bleiben", schreibt-Abeles pan sich in der Einleitung. . Ei» merkwiirdiger Satz. Denn wenn ..richten" non „rechten" kommt, ist es eine legitime undzn billigende Sa>l»e und braucht nicht als lleberheblicl,ke>t bezeichnet zn werden..- . Hier aber winde eben nicl>t „gericlitet", und. so kan» sich der-.Leser, dem Abeles einen Opiegel '„ feiner selbst Vorhalten ivill. des Eindrucks der. lleberhel'lichkeit seitens des Verfassers »iäit ganz erwehren. - H. H n.‘ 3tec<zl=!Bcieted< geb. RM durch di« lüdiidi. »dUv^oder^i« Buchhandlung Edmund Meyer». BerimW50, Bamberger Str.6l, Poj»,ch«dti 81509 1,40 söll,v wenn man Chancen Haben will. Im vielten > Lahr gewann der durch Bodenspekulation -soviel, daß er ein Kabel nach New-Aork riskierte mit den Worten: In einem halben Jahr, so Gott will, können wir heiraten, stop, näht bitte^ keine Aussteuer, stop, hier ist alles ganz anders, stop. Euer Salman-Lewis. Im Januar dieses Jahres kabelte -;und schrieb er von seinen Umsätzen und Geschäften gar nichts mehr, rvoranf die Mutter weinte und Hie Tochter ein Ultimatum schickte. Im --^eb-rgmrr-vvrspäurch^ bei den Damen anfordern zu lassen und das Neiscgeld zu schicken. Im Mürz bat er um Geduld bis April, weil er das Reisegeld gerade nicht flüssig hatte. Im April beschloß er, sein Büro in der Allenbhstraße aufz'ugeben und das Telephon zu kündigen, zu heirateli und aufs Land . zu gehen. Frau Lewis nahm ihn nun aber beim Wort, zumal sie fürchtete, sonst nie Frau Lewis zu werden, und setzte fest, daß die Hochzeit vorgcsterii - stattfinden sollte. - Und-'da sie als Frau Lewis viel eher die Chance hatte, nach Tel Aviv zn kommeü, denn als Braut, so wurde kurzerhand alles so arrangiert,-daß, ^die Hochzeit vorgestern in ihrer Abwesenheit stattfinden konnte. Mit amerikanischer Selbstverständlichkeit wurde die Traunngszereinonie ohne'die Braut ^iu-Gegemvart des ' Konsuls vollzogen, und seitdem ist Herr Lewis verheiratet, Frau Lewis komntt mit ihrer Atuttcr.demnächst.. Herr Lelvis ist am Tag nach dem Fest in einen Kibbuz gegangen. Es war aber tatsächlich ein Fest, einige von Herrn Lewis Freunden arrangierten es, die Herren waren unter sich, und es gab nicht nur alkoholfreie —Getränkr^So daß Herr Leivis,"als"cr heim-' kam, uni die letzte Nacht in seinein Bi'iro zu verbringen, in besonders eigenartiger Stim- . mung war. Er knipste Licht an/und sein erster-Blick siel nuf das Telephon. Ein sehr' sentimentaler Einsall beschlich ihn. daß er nun, seit langen Jahren, zum erstenmal, ohne Telephon leben sollte. Noch einmal setzte er sich vor den Apparat, hob den Hörer ab, und verlangte Nummer eins. Tann Nmnmer zwei, drei und so weiter. Nteldete sich eine Nununer, so tzängte er wieder ab. meldete sich keine, ebenfalls, bis er zur Nummer 1089 kam. Das war seine cigene-Nnmmer, und immer wenn er sie verlangte, war sie besetzt.- Wie peinlich, dachte er und versuchte es von neuem. Schließlich meldete sich erregt das Amt und herrschte Herrn Lewis an: Sie verlangen ja Ihre eigne Nummer!"Gewiß, sagte-Herr Lewis, ich wollte ja auch nur 'mal ein ernstes Wörtchen mit Mir seiner iprectien. Ich. bin namifci) — aller das Amt hatte kein. Berständnis mehr dafür. — feit heute verheiratet. Wenn dieser Bericht erscheint, isst Frau Lewis also längst Frau Lewis chnd vielleicht ' schon an der'Seite ihres Ntanncs. „Sein" . Kibbuz liegt im Emek. Herr-Lewis hat zunächst viel Wachtdienst zu leisten nnd lernt den Ernst des Lebens kennen. Aber wie man , zins da versichert, bekommt ihm das vorzüg- " lieh, und er selbst meint: 9!icht einmal in der schönsten Pinnsefallen-Hansse war ich so fidel, und wenn erst-m.eine.Frau kommt . . . ' I,«» Hirsch. Dörfer.im Spätsommer Von N e 11 y Sachs. Die helle Glocke schwebt wie Sterbeschnce, Nachmittagsonne tut den Pflaumen weh — Unruhe grünt; der Vogel singt nicht mehr, Das Dach der Hütte drückt .wie Herz- Der Geschichtsschreiber der niederländischen Malerei Zum zwölften Bande von Max J. Friedländers „Altniederländische Malerei“ Ob der einstige Leiter des Kupferstichkabinetts und des' Kaiser-Friedrich-Mnsenins in Berlin über Dürer oder Altdorfer.schreibt, über Schvnganer oder Liebermann. imnier gilt von seinen Büchern--das gleiche: scin.e 'DfünstglsicInfamfest gibt ihnen gas 'Mart, sein - .Temperament das Blut nnd seine Intuition die Seele. Ein produktiver Mensch,'- der das Organ dafür, hat. daß Knnstanathse keine liebeleere Anatomie ist,- sondern eine festlict>e Bercichtnng/vez'steht er geschichtliche EntivickluNgen und inneres Wachstum cine-s Nceisters nachznzeichnen, tvährend er noch argnmentiert, nnd mährend er ein Tvkliinent deutet, ivird ein. 'Mosaiksteinchen-'.sv znm anderngefügt, daß mail ein geistiges Bild entstehen sieht. ■ Wenninan längere Zeit lein Werk von ihm i.n die Hand zuliehin.en Gelegenheit hätte.- drängen sieh diese 'Eigenschaften dem Leser beim An-fschlagen des soeben erschienenen poölsten Bandes feiner „Altniedertändischeu Malerei" um sv stärker ans. Ter neue Band dieses Standard-Werks, das für Kunstgelehrte. . Vlnseiunslente? Sammler nnd Knnsthändler ' längst, als. zuverlässigster Tenvre-Katalog' unentbehrlich geworden ist. erscheint statt bei Paul Eafsirer (Berlins in A. W. Sijthvfss Uitgeversmaatschappij N. B. (Leidens: das 1921 begonnene Werk ist min im Heimatland bhr dargestellten Meiitex pin Eine Uebersieht über die vorher crschienenen els Bände ist datier oielleiiht angebracht. Innersten Baude stellt Friedländer in Jnii van Enck niid Petrus-Christus das Genie, mid ein Talent gegenüber, im ziveilen in stsioger va-r der Wehden nnd delil Meistör v. Flc'-malle die persehiedc»eii Temperamente zweier 'Kolksstänilne. lin dritten zeigt er a» Dieik Bvnts ans. ivie das-spezifisch i>olländiscl>e Element, da s re111bra lidi sei)e. i >i de r. a l t i>iederl h >i diselseu Malerei durihbrieht. während-.er-in Justus v.^Gent einen iharakteristisehen Vertreter -jener - Evoclie darstellt. in der die ' Italiener Und eine Sjrnr irh San^e läuft, zur. Ferne Gott betet in der Akelein den Schwermutsinn. Der Abend singt in einer Grille waisenhaft, Der Acker sammelt in der Wurzel Sterbekraft. . > gekehrt. stsas die''Mlseren'VNlde übernal>,n und die Berössentlichung zn Ende führt. Im Plan ist eine Plendernng cingetreten: der zwölfte. Band ist nicht der letzte geworden .— Die Bande über Brnegel und Antonis'Mor stehen noch ans — und'"die Bände werden jetzt auch-einzeln abgegeben. . von den fsiiederländeen lernten. Ter Vieris Band tder als einziger»ici>t allein erl>altlich ist), gibt die Form der Doppelistpizographie ans »nd behandelt den . Findling unter den iiiederländifehen .Kilnltdenkinale-ii. den Draniastikrr'nnd religiöse»"Sozialisten, der ohne ^hirlänfer eines Tages da war: Hugo v,m der Gves. Der si'iiifte Band ist Geerten von St. Jans und Hierviihinns Bvseis gewidmet, der .sechste Haus Biemling nnd Geeard David: lsieertgen. der Stamme-'vcrwandte der Bri'ider C'Nck. in dem liolländisci,e.Eigenart fiel) sel,on stärker -ansprägt' als in Bvnts Generation, bei dem es schon das demokratiisihe GrnPpenbild. .Kiitisdaels Laiidschaftslhrik °,'ind 'Rein-' brandts Liclikmosterien gibt; ivird Blcmlings Ruhm'ein iveiiig reduziert, indem auf das Ilnbesthwerte'.' H-ä!icI,e. Glatte seines Wesens hingeiviesen inird, so wird bei Gerard David deutlich, wie -Friedländers. lni.istgescl>ichtliche Philologie in' produkiioe Künstlerpsochologie nbergelst: Gerards I>ollün'dische Stammesziigeliörigkeit viseiibart''sich als Nachfolge der Ei,cks. Oii.ent.inMsiassys allein gilt der siebente Blind, dem Einstußreichen. dessen NladonnenlUitlitz zuweilen an Glhceri'iltrüncn aus Hvllomvvvd gemm,nen. Dl'V^mtste^Birrib' istJmch-- Jvos van Elev.e. Jan Prvovst niid Patinir benalint. aber das Fesselnde an il,in ist, die Entdeckung der Nialerpersvnlichkeit des^Niederdeu!ichen Jan Jovsstä'. Kalkai, dessen Art zwischen dem Niederrhein nnd Holland ver- Jmittelte; der neunte Band bringt wieder ein