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Central-Verein-Zeitung · 1936-10-08 · 41 (8.10.1936) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
41 (8.10.1936)
Date
1936-10-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Jüdisches Leben — Jüdischer Geist -Per Sanhedrin zu Paris Archiv SonnenfeUl mit nndcren Ei uzelmen scheu durch einen Soziolpcrtriig-crst positives-Unecht begründe. Tie srauzwischen Hilden hatten ans dieser „philosophischen" Einstell,u,g nuSiinhinSloS das französische Staats./ -. durgerrectit echoltcn, mit der Begruiidling, daß die bürgerliche Znriicksetziiiig einer bestimmten Bepölscr>iiigsgcuppe den Prinzipien der Versnssmig ividersprechc. Tie nnrtiichen sozialen Ausgaben einer,Emaiizipativn der Hilden, nämlich die Normalisiermig der jüdischen Bciiifsgliedeäliiig im Elsaß, waren durch diese bloße Teklaratioii aber - keineswegs in- Auqriü genommen. Im Gegenteil schuf eigentlich erst sie in dein Inden eine. SpaiMMg zivischeu de'm Allcinnnspriich staatlichen Gemein^ rechts von Staatsbürger zn Sinätsbnrger auf dsr einen Leite und der Unabdingbarkeit des GvtteSl lvvrtes von Äetigionsgenoß zu NeligivnSgrnoß auf der,arideren Leite. ' StaatSgesetz und Neligionsgeseß stehcii für den Juden. junir, nach der Erklärungdes Mar L a m u e l seit dem nachchristlichen Jahrhundert in der grundsätzlichen Beziehung, dcif; „das Gesetz des Staates geltendes Gcsetz"-Jst, die Beivlgung des Meligionsgeseßes mithin au der Grenze des Ltaatsgesehes endet. .Anderthalb .Jahrtausende mittelalterlicher geistiger Entwicklüng halten jedoch eilte lebendige Vorstellung^- welr gesehaüeu, die auch durch die Erklärung »ön 17'.«l.nicht von entem Tag ans den anderen fort-' Zliblaien war. Endziel alles historischen Geschehens, in jüdiselier Lchau war immer die messianische Erlbiungshoünung gewesen. ' In der Einsicht, daß die bloße gesetzgeberische N/asriiahm,' der Constituante von 17!»1 weder grliudsatzl ich »och praktisch aiisreichte. rief Napoleon le>ni> die Versain.inliiiig der,jüdischen Notabelnnach 'Paris. Tiircl« ihren Miiiid sollte vielmehr — im . Sinne der Lozialvertragstheorie — der andere Partner, die Judenschaft selbst, eine W i lle n serklär» na über hie Ersütlllng ihrer staatsbürgerliche» Pilichien abgeben. Tie den Notabeln vor», gelegte Litte von zwölf,,Trage» verlangte insbesondere Erklärungen nbdr die aufrichtige Ltäatsbürgergetinnung. der Inden, Pieausschließliche Verbindlichkeit der Ltaatsgeietze für sie, die eindeutige Ablehnung kaufinä>lnisck)en. „Wuchers", sowie über die Zulässigkeit, von Mischehen. Tie erwartete Antwort hakte. nichts anderes zu besagen als den endgültigen Verzicht der Juden 'auf' .rabbinifche Zivilgerichtsbarkeit und mcssianiscl)e Erlösungshofsliungeu, die vorläufige Beschräntung der jüdischen Lehr? auf den seZsorgerilchen Bezirk'gleichwie einer Kirci>e, sowie als Fernziel das völlige soziale und blutiiiäßige Aiisgeheu der Juden in der Einheit des Ltaatsbürgertilms. ' . Napoleons Erwartungen wurden durch die in" der Betsammlung ° zutage getretene Nteinnngsbil.- dimg im ivesentlicheu zufriedciigestellt. Ilm die Lvslösnug des RechtSgedankenS von seinem reli- .gioseü...Ursprung 'und seine Beraickerung ini Bereich staatlicher Latzung aber auch sinnbildlich darznstellen, machte.'Napoleon nunmehr den Notabeln den 'Vorschlag, ein „Großes Lanhedrin" nach Ptnris eiiizuberusen, ähnlich dem, das .zur Zeit der Römer ilber die Angelegenheit der Judenheit entschied, und dieses seinen Spruch tun zu lassen. . Im Frühjahr 1807 trat dieses Lanhedrin in Paris znsammen. In der Form mittelalterlicher "rabbjnisct)er Entscheidungen bestätigte es eiustimmig die Erklärungen der Notabeln vom Vorjahr. Aber nur der Form nach ist diese Meinungsbildung noch als rabbiuisch auzusprxcl)cu. gedanklich ' hat sie,ganz das GeisteSgutder . Philosophie des .Anfklärungszeitalters übernommen. Abraham Fnriado, Abgeorduejer von Bordeaur. machte sich . zum Wortführer dieser jüdischen Aufklärer, indem er in' seiner Lchlnßairsprache den Vertrag des Volkes Gottes , mit den Nationen feierte, die in ihrem Lchoß-ausgenommen hätten. . . . - ,. Dr. Uanns.Reissner Der letzte männliche Angehörige der Familie Disraeli gestorben In dem Seebad -äove bei Brighton ist im Alter von 00 Jahren der letzte männliche Angehörige der Familie, Dis-raeli, Ntajor Eoningsby Ralph Disraeli, ein Nesse des großen englischen Staatsmannes, gestorben. Ter Verstorbene und sein Väter wären die einzigen Familienangehörigen, die vor 55 Jahren Lord Bcaconsficld bei seiner Beisetzung das letzte Geleit gaben. Ludwig Feuchtwanger: Jüdische Kul- - tur' in Vergangenheit und Gegenwart * Ter Jüdische Kulturbund Breslau eröfsuete; die Reihe seiner Vvrtragsvercmstaltungen mit einem Vortrag von Dr. Ludwig Feuchtwanger lM-nuckienl über „Jüdische Kultur in Vergangen-, heit und Gegenwart. lGibt es eine, eigenständige indische Kultur?)" Der Vortragende stellte die« Frage, ivärnm die in Deutschland lebende Inden- . heit' keine eigene Kultur haben, kvniie, »nd beantivortete ne mit der Fenstetlmiq. die Emanzipation habe sich bewußt vom jüdischen Volkstum ab- .gewandt. Er behandelte' dann die Äulturfahigkeit - der Judenheit. .Im Anschluß an, Jacob Burck» hardts „Weltgeschichtliche Betrachtungen" analh. sierte er zluiächst den Begriff der Kultur, „m dar- ' auf die Frage nach einer jüdischen Ge-samtkultiir, d. h. nach einer'geschlossenen .jüdischen Lebens- und Denkfvrm, itftb nach der Religion und ■ Lprache als den hervorragendsten Killtiirelem?n-i ten zu stellen. Eine jüdische Gesamtkultur habe es nach der Zerstreullng nur ziveimal gegeben, einmal im frühen Mittelalter in der babplonisctien Epoche unter deq. Sassaliwen- (^24—641), das zweite Mal im Beginn der Neuzeit im Ostjudentlim. Die erste Epoche habe in der Kultur des Gaonats und der Erilarchen mit den Hochschulen in Lnra und PnmbeKta die Zeichen geistig-geistlicher lind weltlicher jiidischer Rtacht getragen. Rur der babylonische Talmud Weise uns ayf diese , für uns .unbekannteste Zeit. Sein Wesenugs vertraut zu machen, ihn niis pädagogisch lwPchließeii^-sei »och keinem Geiste gelniigen. Die zweite Epoche' einer'jüdischen Gesamtkuttur habe im LstjndentNm eingesetzt, das — seit^etwa - 1500 Metropole des' Judentums — mit seiner autonomen Schiile, Cheder und Jeschiwa, für Jahrhlinderte'die übrigeii Galiitläüder genährt habe. Die geschlossene Lebensform dieses Kultur- . kreises sei nicht nach den uns geläufigeren Erscl)eiiiliiigen der letzten 150 Jahre Zii beiirteileii. Gefahrvoll«tvar es. immer die Religion für die .jüdische Gesamtknltur, zn halten. Sobald die Religion gefährdet/war, wurde die cigewständige jüdische Kultur bedroht. Alle Kulturen seien ursprünglich religiöser Art gewesen. Wie sie alle unaufhaltsam säkularisiert wurden, so .sei auch - das Judeiltum von der Berweltlichung ergrstsen worden./dieeinzelnen Kulturelemente haben sich aus Dem bisherigen fest umgrenzten Rahmen gelöst tlnd cmter eigenen Gesetzen entwickelt. Die - Umwandlung" zn-einem Polkstnm kann Rückkehr znm alten überlieferten Judentum sein. Ohne Bejahung des Gesamtjudentums seien aber einzelne, Erneuerungsversucl)e (Oncg Lchabbat u. n.) wertlos..—Die Eigenart einer Nation präge sich am sichersten in der -Sprache aus, sie ist nach Humboldt ' „der" sicherste Ausdruck des Volksgeistes". - Die hebräische Sprache häbelhrew Bil- ' dungswert lvie die lateiuiscl)e. griechisck)e und' . . altarabische Sprache. Sie sei zwar noch am Leben geblieben, aber, .es wäre verfrüht, zu sagen, sie sei aiifgestanden und lebenssprudelnd wie jede-Welt- 'spräche. Auch in Palästinavsei das Hebräisckie ' heute' noch nicht die' Spräche, in der man denkt. Die Zuhörer dankten den eindrucksvollen Ausführungen Ludwig Feuchtwängers mit lebhaftem 'Beifall. Schw. Lehrhaus Mannheim Das Lehrhaus Mannheim, in dessen Namen Rabbiner Tr. Laue r die Erschienenen willkommen hießeröffnete, die Vorträge des Wintersemesters mit einem Referat von Profesfor Dr. Bi ll.igheimer über den «„Wandel der Ge- . betsaufsassung im letzten Jahrhundert". Professor Brlligheimer, der in seinem äußerst materialreichen Vorträge die Wandlung des Judentums von Zünz an datierte, schilderte u. a. auch in fesselnder Weise die Erscheiunngen. der Wandlung in England und Amerika. Er kam dann zn dem Schlüsse: Wenn man den Wandel in der Gebetsauüassuiig überblicke, so dürfe man ivvbl - 'sagen, daß der Wille zum Gebet iviedcr erwacht sei. Zivci Tinge^eien cs. durch ivelche man etne - Erneueriinq der inneren Gebetshaltung erlangen könne: durch die zuuehineude Hebraißeriiugauf „der einen iuld das ivachieude Gemeinschafts- beivußtfcin auf der anderen Seite., , Lehrhaus Frankfurt a. M. T)in Oktober beginnen ivlgendc Verlesungen - und .. Arbeitsgemeinschaften:, -10-. Lktvbcr,. Ilntcrt-inbail P1-; B üb er-:'-, Mas bedeutet" die , „Auserwäliiiing Israels?", MM^llyr.— -12. ' Cttnber, Mestendfimagoge:- W e r n er:' Franzvsischi! Arbeitsgemeinscha't,: > 2010 , Uhr, Lcibvwl t;: Lektüre einer . yebräischen Tageszeitiinq. 1010 Nl,r. Pliilantrepni; - Wei t : byemic in.Küche.und Hans? 20 Ulir. Baekenlieimcr Landstraße 23: Ne uh ans: Mischna Baba niezia, 20.30 Uhr. — 13. Oktober, Eschersheimer Landstraße 7: M c r z b a ch : Hebräische Bibellektnre, 10.15 Uhr. Westendsynagvge: Scmlc: Hebräische Ucbunqen für Anfänger, 20.30 Uhr. Ivlowicz: Tie Kunst, des Lesens. 21 - Uhr. Hauptsynagoge; Koch: 'Tie biologischen lSrundlagen der modernen Psychologie, 21 Uhr. — . 14. Oktober, Mcstendsynagvge: Strauß: Philosophie. 19.15 Uhr. Sal ,berge r : Bibellesen. 20.15 Uhr. Brcntano- .straße 14: Hirsch: .Vererbungslehre, 20.15 Uhr, Jugendheim: K an t v r.o w i c z — Nichro.wih: . Fragen der jüdischen Loualarbcit, Ifi Uhr. M eil: Jugendpsychologie, 20 Uhr.— 15. Oktober. Jugendheims!» and: Arabisch., 10 Uhr. (Zriindlehrgang, 2010 Uhr. Mestendsynagogel Strauß:, Bibellesen, - 10 Uhr. W e-r net: Englische- Arbeitsgemeinschaft. 2010 Uhr. , N n r r n-b e r-g : Weltwirtschaft, 2010 Uhr. -- 17. Oktober. Westendsynagoge: A n e r b ach : Sprechen als Kunst. 20 Uhr. — 10. Oktober. Hanptsynagvge: T'i e n e m a n» : "Jüdische Geschichte, 1010 Uhr. ' G a l l i n e r : Jüdische Volkskunde, 2010 Uhr. Gemeindehaus: Mahdvrfl: Recht des Handwerkers und Gewerbetreibenden. 21 Uhr.— 21, Oktober Westendsynagoge: (5 undc x s h c i m e r: Stile der bltdenden Kunst. 1010 Uhr, und Geschichte der bildenden, Kun'it. 20.30 stbr.-— 22. Oktober, . Westendsynagoae:, B vndy : Bericht aus Grvß- Breesen. 2010 Uhr. — 24. Oktober. Unterlindau 21; S u l z l, ach : Juden und Umwett, , 20.30 Uhr. — 26.' Oktober Lecrbachstraße 14; S a l o m o n : Französische Musik, 19 Uhr. - ‘ . Lehrhaus Berlin ■ Beginn des Wintersemesters: 22. Oktober.' 20'- Uhr, Brüdervcrcinshans. Kurfürstenitrnße -115—11«», unter Mitwirkung des Lehrhaiis-JnstrniiiriNal- Kreises. Es sprechen M. Warschauer nüd Mar Osborn über: Judenin Weltstädten,' l: Jeru- Belirliaus Hamburg Die FraiiZ-Rosenzweig-Gedächtnis-Stistling in Jnsammenarbeit mit dem Bildungsausschuß der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg gibt soeben das Verzeichnis der 'Arbeitsgemeinschaften und ~ Borträge im Wintersemester -1936/37 heraus. 'Näheres durch das Sekretariat ,G. Engel,- Hamburg, Nvthcubaumchaussee 77. Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlins Beginn des Unterrichts in allen bestechenden Klassen nach den Ferien am 12/respektive 13. Oktober. Neiiansnahinen in allen Klassen für Fortgeschrittene jeden Grades. Schriftliche An- . Meldungen an Nissan Berggrün, . Charlottenburg 5, Kaiserdamm 101. ° ' Prof«sfor Dr. Billigheimer (Mannheim) spricht am 15. Oktober in der Ortsgruppe Dortmund, der V e r e i n i g u'n g für d a s r e l i g i ö s ' lib er ä l e Judentum über: den „Wandel der jüdischen Gebetsauffafsung im letzten Jahrhundert". 15. Oktober: Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Rabbiner Sr.- 'Mar Wiener: „Juden in Amerika." Berlin IV 62, Klciststr. tLvgenhaus). ziibewiistren. 'Nun-aber seien /Nonate, Jul)re. vergnügen, otine dnß die Ekwlsteine zurnckgefordert .worden wären. Allmälflicjf, lfätte sie vergessen, dnß sie dieselben nnr zur A n f - ' b e w a b r u n g hotte und hätte geglänbt, daß dieselben ihr eigen wären.. Jetzt aber sei plötzlich der. Besitzer gekonnnen und verlange seine Edelsteine, vv sie verpflichtet sei. dieselben znrückzngeben?" Ilnd Meir bejalite dies: „Sv gjb sie ihm' dvch zurück!" Ta ' öffnete Beruria die Tür zn dem Zimmer, in dem die beiden Kinder ans deiip Totenbett lagen,- und sprach: „Das sind die beiden Edelsteine, sie waren uns geborgt, aber nicht geschenkt!" Bieir aber konnte nun nur noch jenes alte Wort sprechen, jenes Wärt des Hiob, von der ewigen Güte des Ewigen: Gott hat gegeben, Gvtt hat genommen, der Name des.Ewigen sei — geloht. AlS, Etiefer einst, von Schmerzen gequält.' Rabbi r'lkiba fragte:, was seine Schuld sei. daß er so schwer leiden müsse, da erioiderte -dieser: „Es gibt keinen Menschen' ausder Erde, der nur Gutes geübt und nicht auch gefehtt haben/soll!?!" . . Tie Häßlichkeit Jvsnas war bekannt. Als einst, eine Königstochter zu ihm kam und bei , seinem Anblick'ausries: „Schade, daß soviel Weisheit in einem so Z)äs;lichen Gesäß aufbcivahrt wird!".- da sraZlc er sic, worin ihr „ Bater seinen Wein anfbetvahre. „Natürlich in irdenen Gefäßen!" — „Darüber bin ich verwundert", erwiderte .Iosua, „bei euremlst'eich'tum und eurem-Range müßten eS goldene imd silberne Krüge sein," . Und die-Prin-/ zelii»,-bewlgte-deu.ü/rt!. AlS aber nun der Wein verdarb. - rief der erzürnte König den -Meälewzu sich, stellte- Um zur Rede, wollte ihn zur Bäranrwortilng ziehen.' da er diesen Rat erteilt hatte. . Iosua aber bekannte, seineii Rät nur atS Lehre für die/Prinzessin gegeben zu haben: Wie dersWein nur in irdenen? aber nicht in goldenen uiih' silbernen Gesäßen gedeihe, so sei aucli die-Weisheit am besten ausbewahrt, inr^häßlichen Gesäße"^ '- - -7 - ,rr Halbe Hochzeit Vorgestern hatte Herr Salm an Lewis in - Tel Aviv Hochzeit. I-rau Lewis — aber wir wollen nicht vvrgreifen, es war eine kompli- - zierte Hvchzeil. und auch ein Bericht muß seinen Instanzenweg gehen.- TaS A und O dieses Berichts ist Herr LewiS, geboren lange . vor dem Kriege in Berditschetv, also ein vollkommener Amerikaner,, denn, schon mi't/füns Jahren lief er in New-Pork straßauf, straßab und verkaufte' Zeitungen. Davon ist noch niemand Millionär^-geworden, aber es gehört znm guten Ton. daß ein amerikanischer/)Nil-' livnär mit fünf Jalrren Zeitungen verkauft hat, lind wenn Herr Lewis auch noch kein' Bcillionär ist. so hat er doch in seiner Kindheit diesen obligaten Grund dazu gelegt. Später warf er. sich aus eiue andere Branche, eine ungewöhnliche, denn er machte alle Anstalten,: Pcaüsefallenkönig von Amerika zu werden. Bis zn dieser Krone hatte er's noch nicht.gebraiht. aber einen Mansefallengraf konnte inan ihn schon nennen, als es dem Dollar einsiel,'bergab zn gehen. Herr Lewis,war nicht, ganz einverstanden damit. Er war der Bteinnng. .ein Abonnement aus die Prosperith zu haben, und da die Prosperity sich allmählich mit AnswanderiingSgedtinken nach Palästina trug, wollte Herr Lewis ihr picht untren werden. Er verlegte also seinen Wohnort von Rew-Pork nachWcl Aviv. Erlvar ein .-.wenigeiittänscht. daß Bcansefallen in der neuen Heimat der Prosperity kein beträchtlicher Handelsartikel sind, noch auch znäverden scheinen. Aber Herr LewiS ist ein vollkommener Amerikaner, und-es Pomnib nicht in Frage, daß er diegute Laune, den Optimismus und den U'nternehmnngSgeist' seiner ziveiten Heimat in der dritten verlieren könnte, .kurzum, er verlegte sich auf Bodenspekulation. „TaS also ist Herr Lewis, ein großer, hübscher Mensch miWHornbrille und - kariertem.?tnzng. Pfeife in?Mund und ein Lächeln um die Rippen, ein Kerl von dreiund» dreitzig Jahren mit einem Gebiß, daß ein Bullenbeißer eifersüchtig werden konnte. _ |i;nu Saliuau Letvis — seit vorgestern, — ist /eine Jugendliebe von Herrn Lewis. Sie stammt nicht ans Berditschew, sondern nus ' einem Nest in der Nähe dieser berühmten Stadt. Sie kam später nach New-Pork lind wirkte, seit sie erwachsen ist, insofern znm Wvhlc Amerikas, als sie in einem Lokal in Brooklyn alkoholfreie Getränke verabfolgte. Auch davon kann man keine Ncichtümer er- ' werben, aber sie schlug sich brav durch und er- - nährte ihre-Btutter mit. Wenn Frau Lewis eine Jugendliebe °des Herrn Lewis war. so wgr Her? Lewis, d i c Jugendliebe von Frau Lewis, die damals noch anders hieß und'. Herrn Lewis von Zeit zu Zeit die Frage vorlegte: Wann heiraten wir?" Wenn ich Mäusefallenkvnig von Amerika ' bin, pflegte Herr Lewis dann zu antworten, solange er auf diesen Thron reflekierte. Da das aber Frau Lewis, die damals noch anders, hieß, zu lange dauerte, schlug er ihr schließlich ein Kompromiß vor und sagte, sobald die erste Dollarmillion beisammen wäre, sollte^ das; Heiraten lvsgehen. Sie meinte, so hoch wollte sie gar nicht hinaus, aber-er meinte, er könnte Frau Lewis, die damals noch anders hieß, unmöglich zumuten, nicht standesgeniäß in den Sta.nd der Ehe zu treten, und ihre Mutter meinte, er wäre ein „Dreher" und wollte die Partie nicht und was Mütter sonst noch in dieser Art zu äußern pflegen, worauf Fraü , Lewis, eben weil sie damals immer noch anders hieß. weinte und zehn Personen aus der Acansefallen- und auA der alkoholfreien Getränke-Bränche nebst einem Onkel'und einer Cousine der Braut dritten Grades zu einer Art Verlobnngssrül)stück cingeladen wurden. dem Tage, der mit diesem Frühstück ZcO verheißungsvoll begann, gab es mittags jene erste berühmte Bvrsenpanik, die sich bis hinunter in die kleinsten und elegantesten Mausefallen — „Nur in die Lewis-Falle!" sagt die entzückende kleine Maus aus dem eindrucksvöllsten Reklamebild der Firma — verhängnisvoll auswirken sollte. Als der erste Chock halbwegs überstanden war, legte Frau- Lewis, die immer noch nicht so hieß, Herrn Lewis die banzze Frage vor. Und wann werden wir heiraten? Und Herr Lewis sägte: Bald, wenn die Bcausefallen sich nur ein wenig erholt haben. Nun hatten sich zwar die Bvrscnkätastrophen und der Tollarkurs unter den Atänsen in demVereinigtcn Staaten bestimmt nicht hernmgesprochen. im.Gegenteil, ihnen gings gut, sie waren fruchtbar lind mehrten sich, und Herr Lewis legte sich sogar noch einige' Patente zur Ratten- und Schlangenvertilgnng zu, sicherlich in der lobenswerten Erwartung, auf dieser Basis eine baldige Ehe eingehen zn können, aber die Tiere nahmen zu, die Fallen nahmen zu, und die Dollars nahmen ab, und die M,utter der Braut iveinte, und die Braut selbst wurde auch nicht jünger, und wenn sie mit Herrn Lewis vom Heiraten sprechend wollte, so schlug er ihr vor, lieber ins Kino zu gehen oder sich anders abzü- - lenken, denn die Geschäfte . . . ach, die Geschäfte ... Wenn es aber irgendeinem Idioten, sagte er, einfallcn sollte, an seinem guten Willen zn zweifeln,' dem würde er, sagt er — und weiter sagte er kein WortTstnrdern nahm die Pfeife aus dem Mund^nnd zeigte sein Gebiß, das jedem Bullenbeißer Angst einjagen konnte, und schob sich didMermel hoch, denn im Boxen steht Herr Lewis seinen Mann, und mit Baer war er sogar zeitweise befreundet. Vor fünf Jahren siedelte Herr Lewis nach Tel Aviv über. Sowie ich da eine standes-, gemäße Basis geschaffen habe, sagte er beim Abschieden Mutter und Tochter, kommt ihr nach, und das Heiraten kann losgehen. Nun, wie das so geht, im ersten Jahr war die Prosperitt) noctpinclskJcOkmMdem Lansenden. un-dman mußte sich auch erst einleben. Im zweiten Jahb kam sie ins Rollen, aber man mußte erst seine Erfahrungen machen. Imdritten Jahr hatte Herr Lewis ans verschiedenen Gebieten seine Erfahrungen gemacht und wußte nun ganz genau, was alles man' nicht machen

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