Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 40 (1.10.1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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. u- Beiblatt * Nr. 40 1. Ok'tob Westöstliche Seelenführurig 4 Von Ludwig. Feuchtwanger, München - ' Unser jederzeit -sehr ausgeprägte jüdische Sinn, „ höchst „unpraktisch" vud abstrakt nach den Infammcnyüngen aller Tinge zu fragen nndeinen Zu» gang zu dem schöpferischen und ^inngebenden Zentrum in der menschlichen Seele zu suchen — auch mitten im Sturm, wenn es kn« unserepraktische Eristenz von. heute und morgen gehr —, erlaubt uns, auf n e u e, selten betretene Wege der Seelenforschung und Seelenführung aufmerksam zu machen. ' ' Im „ E r a n o s - I a h r b'ü ch vereinigen sich (im Jahr l'.rjtz zum dritten Aläle) Arbeiten erklusivcr Forschung, deren (rrgebnissc der Menschheit ein rvvhltätigc-s Gleichgeivieht.geben konnten. Es sind, in der--sdairssischsie. 2tbha.ndlungen der vergleichenden Religionswissenschaft und der Psychotherapie, ivvrin sich über das rein Forsckyingsmäßige uird Wissenschaftliche hinaus ein „Heils- . weg der Seele" ösinet. Tiefe Arbeiten sind die meist erweiterten Vorträge, die nur der Tagung m Ascona ti.—^2. -August Ill.'iö gehalten rvurden. Alythos -und Snmbvlik des Sstens nebst ihren - -unterirdischen Zusammenhängen mit unserer . eignen Welt von Zeichen, und Mythen werden mitz saubersten westlictien Alethoden affektfrei, kiihl und gäheimiiislvs studiert, und diele wjssinschaflliche - .austere" Foruluiug wird bedeutungsvoll ergänzt Ziurch die crpcrimentelle „innere" Forschung der /seelstck)ett Welkster Gegemvart. In dem starken, wegen, schtchSeiten iimiassenden ncnestcn „Eranvs- Iahrlutel)" (herausgegeb^t von Llga ,F r o b e K. a ptey n) ist' eine, erstaunliche - bunte Reihe lauterster Eelehrtenachbeit geboten, die auch, jede für sich ein Studium lrihnen. An der Spitze steht der umfassende (121 Seiten starke) Beitragdes Züricher Psychologen E. Jung „Traumstunbvle des Indipidnationsprozesses. (Zur . Kenntnis der in den Träumen sich kundgebenden Vorgänge des Unbewußten.)" Aus dem Material - von über l.OOOferäumen- und visuellen- Einbrüchen eines wissenschastlich gebildeten jüngeren Mannes sind die 400 ersten Träume bearbeitet, wobei, es keineswegs unl „Kuriositäten" oder Sonderbarkeiten. sondern um ^Regelmäßigkeiten" geht, die Vergleichsmöglichkeitenmit den geistigen Pro- / dnkten aus allen Zeiten und aus allen Richtungen der Windrose gestatten. Es folgt die ertragreiche Studie des Münche-' »er Psychotherapeuten Heyer „Pom Umgangs mit sich selbst". Alles andere wie sine amüsante Plauderei! Man könnte vereinfachender- und. trivialisierenderweise von Rezepten über die Erfassung des richtigen psychologischen Moments" sprechen — „sei's. nun, daß man" Blütenblätter zupft oder die Karten..' legt, in ein Buch. mit der Radel sticht oder auf ,Zcichcn' wartet usw." r) E r a n o Z - I a h r b u ch 1 9 3 "> — W e st - v gliche S e et e n i ü b r u n g. .£> erausgege - b e n v v n L. l g ci F-r öde - S\ a p t e y n. R 1) e i n V c r l a g Z ü r i ch' (ö -1 6 S. eite n) 1 9-3 Es geht -ilwWahrheit -nin nichts anderes als um e i nee rn stha steBe s p re ch u n g der-valtuugen zu allen . Zeiten und in allen AtuHurfvciicn, die - aus ein „Ahnen" hinauslausen, daß es bestimiut-charakteriüerte Phasen gibt, die. iiberpersonlich und irrational über die Möglichkeiten bzw. Uiilnoglichkeiten des Moments weitgehend entschcideii". .„Wie oft vergessen mir die Gezeiten -des° Aue- -tragens", also daß'Energie und zielstrebiges Ichwvllen immer nur die eine Hälfte des gesamten Lebensivesens ausmacht! Wir haben allen Eirund und auch Gelegenheit. darüber heute recht grundlich nachziidenken. Das ewig llngeduldige. Ick,-, hatte,-Tüchtige.und- Zielbeiviißte in uns m doch wobt-von - uns.-allen zu sehr angespaiint^worden: jetzt,inilssen wir vielleicht die. andere..-„Hemisphäre" (man nenne es ..Wurschtigkeit" oder „Gelöstheit") mehr gelten lassen. „Zur Kunst des Umgangs mit. lieh leibst gehört es. diese Tninpsheit nicht mit Tilipmheit zil verwechseln." Wahrlich nicht nur. um „iiunvtige" Verzweiflungen und Leiden -zu' ersparen! ' . -Ti^- Voriirteile des - Seelenar-ztes -Heyer gegen .„das Erbe mosaischer Mentalität im Ehriüe.ntum" bleiben allerdings ein Kapitel lnr sich. Er ist entzückt über die alten Weisheit-Mucher der Ehinesen mit rhrcn Angaben...die den Rhlithinus und den Sinn des richtigen Augenblicks, der rechten Zeit, in weisen Winken andeuten. Aber istes nicht, das ilM^rgüngliche dritte Kapitel unseres ,.Predigers"zstes Weisheitsbuche-:' ,-,Kvhebet" aus der Bibel., wo der „Eeschästigc" und . „Tüchtige" mit seineig Beniühungen belächelt nnd dagegen wie nirgknds vorher oder nachher „der richtige Augenblick" („Alles hat seine Zeit") 'und das Gewäyrcnlassen .in das richtige Licht gestellt werden? - . ' . ** Den Abhandlungen von Jung und ^>eyer. folgt das Essay „Lau - dscks Gang durch Seele, Geschichte und Welt" von Erwin R v u s s e Ile. Lau du ist ein Typ altchinefischer Weisheit,- aljchinesisck)cr Güte und al.tchinesischen Humors, einer Persönlichkeit, deren Geheimnis eine eigentümliche Verbindung von Tiefe und Geistesklarheit, von myftischer Ergrifsercheit sind völliger Bewußtheit.' ist. „Diese. Verbindung aber ist das göttliche Kennzeichen von Weltüberlcgeiiheit und zugleich Weltnähe." >Auch Lau-dsi's Weisheit stammt, wie uns geläuftgcre Namen, au^ dem fünften vorchristlichen Jahrhundert. Wie Konfuzius kommt Lau - dsi aus altem Adelsgeschlecht. Unter Bevbachtung der hiodcrnen, Textkritik und nach dem ältesten Klang der Worte hat der Sinologe Rvusselle die chinesischen. Sätze übersetzt. Unübersetzbares ' übersetzt, wie lvenn man fremde Menschen. Tiere und.Pflanzen in liniere Zonen, Tier- und bota- ' nische Gärten verpflanzt, wo sie nickst mehr 'sie selbst sein können und zu Schaustücken herabsinken. Pie^ deutschen Worte können deshalb nur ein matter Abglanz des ursprünglich Geincäiten. und' der uralten Klange 'ein, . . ' - An Rvusselles Essai, schließt sich em Thema aus der 'Lsteltdes ..Biiddhismus mu. . V! r s, R h v § Tavi d's bietet einen Einblick in"die geschicht- - I.,che Entivicklung -ziveier buddhi.ilin-hcr.-Vegri.iie-. - . Ter ll'tciischz^die Suche »ud Nirvana " - Prvic''or R-. We°r ii v.u i l l i gibt .in zlvei durch viele. Bilder stinterüntzteii Vortragen einen Uebexblick - über die Grundelcnnmte der Alchi-iiiie »»d. über deren bildliche Tarstellniig: er dringt durch - all. den historischen Mißbranch dieser -schwarzen-Kunst ' und zeigt in ihrem Spiegel seelische Entwicklililgen. Ein hesvnderes Kapitel ividmet.er dabei einem Ausschnitt ans dein Titelknpfer zu Knorr von :>l'osenrvths Werk über die Kabbala.mit der Tarneilmig der zehn göttlichen Grnndkrätte (Sephirot) nach dein „Sepher Jezirah".. Tie ziveite größere -L>alite des iingenwhiilich ' rei-che.ii- Bändes- -füllen die religioiisioissen-schasl.- lichen Beitrage: Tie erste.-der beiden- Stiidieuvon .Professor Eciieito B n o n a i n t i l.Roin) behandelte'das vorkonstaiitiiiische Ehristeiitliin, die bekannien Erscheinungen sein'er Dellenislerung - und Srientalinerung. das heißt soviel wie seiner Ent-. ' iiidnug. Das Ehristentum hätlc nicht so rasch lind, w ersolgreick, anstseincm geistigen Eroberniigszug _ voranschreiieii können, iveiin es diee-mfache jü- - dikche Sekte un Stadiinn des Urchristeutiinis -geblieben -wäre und seine euiihchen Rcken tRcuiigiing,. dnrck, die Tanke als Si>nibol der inue-ren Erueuerung und eucharistiiches Liebcswahl' als lluterpiaud verplliclsten'der Bruderliebe .und messiaiiischer SetigkeitZ nickst forteutwickelt hätte. Tie .zn'cite Studie Professor Buonanitis besaßt sich mit -der geistigeu - Pädagogik, -und Seeleiiführung des Ignatius von' Lbstoia, mit '.feinen berühmten „Ererzitien". — Weitausdie umfangreichste. Arbeit Hai Robert E i s l e r . .der Bersa/ssr des - großen, viel nnstlritieuen.'lsterkers „ckeins Basii lens", beigesteiieit. Neben der ttirzeren Schlußabhandlnng von Tr. med. I. B. L a » g über „Pauliuische niid aiiaUstisclie Seelensührli-ng" führt der. - fast -ZU«, Seiten uinsassende gelehrte Traktat von. Eisler über „Das Rätsel. des Jvhaniiesevaugeliums". auch mitten in svezikisch' jüdisckie Frageste-ituchgen'hinesn. Nicht die jüdische Ethik der drei synvptischeii-Eva-ngelien- (Matthäus — Marcus — Lucas). sondern das vierte Evaiigeliilm.birgt die vom Ziidciituin. Unterscheidenden imd sckxirt trennenden Ansbauelemente des Ehristlichen. Während bei den Synoptikern als Feinde Jesu die gegnerischen Pi-irteigriippicrillige» unter den Juden — Hochpriester. Herodiaiier., - Pharisäer, Sadduzäer. Schristgelehrte --- abgehoben, werben von den Blassen des jüdischen Volkes, die Jesus begeistert Zilgejubelt imd ihn zum lilegsianischen König aiisgeruscn Haben — wenn auch das „C r li c i f i g e!1 . der ivaiikeliiiütigen Blenge il)rem .chwsiatinali!" rasch yiif dem Fuß folgte -- sind für den zöch an n ei s ch e n Jesus, ivie für das Ehristentnm in der Folge, „die Juden" schleckstyin dieiinversöhiilichcn Feinde des Erlösers, .insgesamt- Lugner und Söhne des^Tenfels. Tie Entdeckungen Eiscers über die Entstehnng des vierten Evangklinms' können hiev auch nickst, einmal skizzenhaft , wiedergegeben werden. - . - Hier tvar mir ein: iwtivendig siunni'arischex ' IlellerbNck der ..Eranos.Arbeit" im ällgciiiemcn ZU gebeiz.: .lle bezieht .stch inder.-Tat. io unpopnlav-- das sein mag. ans ein Altge.ineiugut. der Menschen; :-an dieiein 'B.egegiiiingsort fallen die Schranken - zwischen.. Andersgläubigen und Andersrassigen. ' Das ..Eranos-Iah'rbnch' ist eine, wirltiche Bege.ginln'gsüätte. ist,-, »die die.-verai!sgel'eri.>l Un Geleitivvrt ansinchrt. „das Zelt der Begkgnnng". ein Punkt, ivo Sst und Weit, stch tre-üen.-ein Ruhepilnkt inmitten luly geneniatzlichcu. Kraitehier ist . in .Wirklichkeit' eme -Alisciiiandersetziiiig möglich. . Me'rtin Buher: Die Stunde und^^ jdie ' Erkenntnis. Reden .und Aufsätze 1933 bis 1935. SchockenJVerlag Berlin 1936. - Blartui Bnber hat seine' Reden n»d Anfsätze .. Nils den letzten Ißhren gcsainineU der Lessentlichkelt übergeben. Ta-> ErUe. ioas iiotlnt. so fordert er, ist-eckste ernsstsie Beiiiiiiiing. Tie cilten üsterte. die den einzelnen-ans Zeinen iiberkoiiimenen' Ziisam-. - -inenliaiigen loslötten nud ilui - als eivzelnen! — der leweilige» >»Umgebung aiizugleickien suchten, fielen, und. eine .»ene Srdniuig muß gcichasstnloerden, die ilire «vulligkeit nickst-ans einer immer io jeder rclativierbare» 2 stell beziclnc sondern die .auf den Grund des Indiscl,e».zliriickgelit. -d , In dieser fordernde» Erkenntnis liegt wohl das. ^Haiirügeioicht von Blibers Wvrleii. T.enn die padck». - gogiiche Benuilmizg itoßt heule überall ans die große Sichwierigkeit. daß einZlstcrtckaiion selstt. Woiiiaii ailck,. an-setzt-. übern» zeigt sic«, Leere und Ent- ' täuschliiig. Zn dem ^Wandelbaren des Geschehens, in aller Relativität der Umwelt das llinoaiidelbare,'Statische, dvcl, sich stels Tarbietende. de»t- ) lieh ' zu'machen,- es zur Erialirijiig des eigenen ' - Lel'eils eniporzlilteigeni imd :u gestalten, ist die große erzieherische Ausgabe. ..Ter »>ie'isck>uttcrlick^ Grund", der nur ivarlet. daß ick, -mich.auf ihn stelle".- jene llrjorm indischen Lebens muß der >,,,- * zuverlässiggewordenen st stell' gegeiiilbergestellt. , iverden. Das.Krastreserovir Israels ist Bubers Lehre. In der Zeit dc-r stlot und der SckM'äche greift inan stärker aus sie zurück und sucht, sie in Tat 'lim» zuietzen. Lehre ist Begs»,,..Lernen-stlusgatie. Jenen, „die'ivähnen-, jenseits'der iLehre Iilde» .sein und. jüdisch lebe» zu können", gilt der Kamp's. So ist es dann selbstverständlich, daß Bn.berin-Ze-mewZchussätzen zu iviederholtcn Plaleii von. der Lehre und"- ihrer Wirkung spricht, daß sich neben de» grundsätzlickien Tarlegiinge.il programmatische Aufzeich» liiingen für Lehrhäuier lind Kurse finden. Tie Pädagogik.'ist keine abgeschlossene Provinz, sondern sie llinfaßt alle Gebiete »ienschlickx',1 Geistes und ist- 'mit allen Lcbensregiiiigeii verbunden. „Tie Bil- - dungsarbeit. die ich lüeine. ist Fuhriing zur Wirklichkeit und Berwirklichnng". »nd 'in dem Worte ..Führung"- ist aiisgesprvcl»eii, worauf es aiikonnnt: Erziehen 'und Formen. Bul'er spürt, „in. jedem --Gegenüber' mit liemache, vilaiizenhast seinem Instinkt zur stErantivorliclikeit den Keim von Bilbiliigsinöglichkeit" 'lGiindols über fie»_unO -er ——\ o - 1,6. KU ' durch dlo iGdisch. Buchh. oder di« Buchhandlung Edmund Meyer Berlin W90,BambergerStr.6l,Poiticheckt81509 2tuzt*IBäe$e,i 1,40 Schülerfahrt durchs hebräische Wörterbuch Erste hebräische Stunde. T.er Schüler, alt und ergraut wie die Piehrzahl seiner Mitschüler, hing wie diese an den Lippen des noch"jungen Lehrers. Nicht andächtiger, nicht erwartungsvoller -licrtte er vor sünfnndvierzig.Jahren vor dein geschlossenen Vorhang des Theaters, gesessen, das ihn die Wunder der Welt des T ramas zyin erstenmal sollte erblicken lassen. Als die Stunde beendet war, hatte er zwei Worte .kennengelernt: hatalmid, der ' Schüler, lind hamoräli, der Lehrer. Das erste trug, er-getrost nach Hause, denn es erinnerte ihn srciindlich an ein anderes: Täl- .mnd; das zweite sah ihn fremd und geheimitisvoll an. Wer bist du. woher kommst du? hätte er das Wort fragen mögen. . Ter-Schüler erinnerte-sich seines alten Lateinlestrers, des Professors-. Nake; er sahwieder das glänzende weiße Haar, das über der chohen Stirn stand und-^n sanft geschwungenen .'Wellen sich stiber die Schläfen wand, er sah wieder, hie rosige Haut der schmalen Hände und des Gesichts mit dem strengen , und doch ni-cht ungütigen, ein wenig schmerzlichen Ausdruck des. Mundes imd der Angen, Und er hörte noch einmal-die Mahnung: forschet, rvenn ihr in den Geist.der Sprache ' dringen wollt,, nach der Grundbedeutung jedes. Wortes; pickt euch nicht ans dem Wörterbnche die gerade passende Bedeutung' ^heraus, sondern studiert das Wort von der Wurzel .bis zur Krone. Denn Worte leben. Sie wachsen und entwickeln sich, sie können krank werden und verkümmern, aber ein Wort kann auch ein Wald, ja eine Welt werden! - ._Ter alte, Schüler, chie^alte. Mahnung im. Herzen, nahm Fin wenig zaghaft und unsicher das hebräische Wörterbuch zur Hand - und suchte „liamoräll". Er. hatte das Wörterbuch vor wenigen Tagen bei einem srenndlichen Antiquar erstande.n: Tavid Cassel, Breslau 1801. - i Tas Wörterbuchantwortete: liamoiäli, . das ist' im Lande Kanaan ein Hain, da .mußte Abraham hindurch. Ter Schüler wußte ivvhl, daß Cäsar über den Nnbikon, daß Hannibal über , die Alpen - gezogen war, aber von Abrahams Wande- -rungen wußte er wenig oder nichts. Das Wörterbuch, fuhr fort: hamoräli i|t auch eine Form des Verbums mural, und ^bedeutet dann: ein Ungehorsamer, ein Widerspenstiger. Ter Schüler war 'ärgerlich. Wollte-das - Buch ihn foppen? -Ld'cr sollte die neue hebräische Sprache, solche« tollen Sprünge sich erlaubt haben, um ans einem „Ungehorsamen" der-biblischen Zeit einen „Lehrer'"zu machen-? Nein! - ' Tas Wörterbuch war zu weiteren Ans- . künften. für diesmal .nicht zu bewegen. Nn- ' mutig legte der Schüler es fort. 'Tage, Wochen vergingen. Man lernte in . dieser Zeit bedächtig, was Tisch lind Stuhl. . Hans und Cfen, Sonne und Regen imd manches andere uns hebräisch heißt. -Man. , machte Spazierfahrten durch das hebräische - Wörterbuch und. kehrte manchmal erfreut und erfrischt heim, aber nicht, seltdn verzweifelt. wenn das Buch geschwiegen oder zu falschen - Lnellen .geführt .hatte, wie beim ersten Versuch. .. Aber dann kamein guter Tag. Oesehom ja rack hatte mau lernpn-uMsen-: Re.qen siel herab. ) Tas Wörterbuch, über ja rastbefragt, schien in' freundlicher Plaudcrlaune, j.a, der Schüler mußte alsbald vor der Fülle der Bilder) die es vor ihm aufsteigen ließ,' die Augen» schließen. " ,. , Ta crblickre er Gott. wie.'er ans den rauchenden Gipiel des. Sinai ..hinäbsnhr.) ljarack): er begleitete die bekümmerten Brüder Josephs, da sie, mit Benjamin nach Aegypten „hinabzogen": er sah die.Toten ..in die Tiefe fahren", und er sah in Augen, deren Wasser „herabströmten", um -sieh in Tränen zu sämnieln. und zuletzt erblickte er ein Wunder: die Wasser des Jördan, des ..herabfließenden", die. „von den Höhen kamen", wurden am Weitersließen gehemmt.-als Josuas.Priester die heilige Lade dnrclp den Strom trugen. . lst. Most 1U, 18: 1. Bios. 44, 26; Ps. 1J.1, .17; Klaget, ck, 16; Jos. ch 16.) c Aber es ivad.nvch nicht genug. Als der -.-'Schüler,' "noch venvirrt und geblendet, die stlugen wieder auftat, da entdeckten sie in dein Wörterbnche' das lange vergeblich gesuchte haiutträli, der Lelzrer. als eine Form des' Verbums jaräli. "Aber was mußte er dir nickst, alles erblicken! liainmMh, der Lehrer, hämoräh, der Bogenschütze, hainorali, bpr Frühregen. Halt, halt! Konnte sein Auge nirgend, mehr -ruhig veriveilens Tanzten die Buchstaben) Saß er vor einem ehrwürdigen gelehrten Buche - oder - vor einein buntschillernden Knnstgewebe) , : Tas Auge fand Rühe Z Cs sah ein gewaltiges Bild: Ter Herr sprach ztl Bl ose: -steig den Berg empor z>« mir. n-nd-sei dort.' ^stjch will dir die Steintastln geben,-die Weisung imd das Gebot, jene zu unterweisen ilckioratluiini'. L. Plof. rl. Ich Uebersetznng: Bnber-.'sto'enzweig.). ' - . Aber tvnrdenicht diesesl'horotham. -in - der Grundbedeutung anfgefaßt, lnieder- -iverfen, l,erabichießen. herabströinen'.. dem ' Bilde einer-von oben, herab sieh ergießenoen Krait entsprechend „Ich ivill dir die Weisung geben'-und das (stebo-t.-" sie über jene - ansznschütteu 'iivie'Pieilej, sie über jene.-?n .ergießen lwie befruchtenden Deegen)." Ter .'-Schüler glaubte zu begreifen. Cr sah ja das ' ge>valtfge--Bild; die Lehre der ersten Tasetn und die Beigljölie.' die, von iljr nnzertrenn? lich ist. io erblickte wohl das Sprachgefülst de.s -Hebräers die „Lehre" und den „Lehrer" als die: -von-den Höhen -Herabwirkenden, die zermalmen k-omcken wie, körperliche Gesichon'e. erwärmen und befruchten wie samter ,yrnhregen. , ° . Tas srenltdliche Wörterbuch, rinn selber fast zu einein „inaräli" geworden..-wies dem Schüler noch zu jener inerkivürdigen. .Bibel-- stelle. Joel ll. cki. den Zlsteg. sn welcher das Wort moral) kurz hintereinander zweimal gebraucht wird. Freut euch, sagt der Prophet«' denn Gott gab enrh . . elli hamoräli liz’ dakali, - und er ließ / . {jesch'<*'nT~moräh ’ über eure Felder niederskröme». Ter Schüler stand, daß die Bibelübersetzer <so Luther-, Jacob Auerbach, Züriicher Cvangelisckie Ge- ^s.ellschast, inoräli beide '.Rialemit. 'Regen st'iedergabeu: „de»» er gab euch heilsaineu -Regen, träufelt auch Regen-herab. Frulfregen, und Spätregen in Einem" «Lnttzerj. Tiese- Uebersetzer nwichten recht haben/ da der. Pn)- phet hier überall "'nur von landmirtschalk, lichen Tingen spricht-und.den-Bauern gutr Tinge.verlieißt; lvas sollte l,ier Plötzlich der „Lehrer für die Gerenstigkeit"-. «wie es in der hebräisch-dentsche» Bibet-des 'Verlags Adolf -Holzhansen, Lllien 1»04, ubersetzt ist,, be* Aber lvas verinvcchte liier alle Kunst der llebersetzniigund ,,lte Pl>ilvlvanck .kmince inan ziveiseln. daß'die. welelje .den Propheten ljörten. das-Spiel inik dem Lnnrt'-. >e, dem doppelten,, oe.rstaiiden/ Rnlnnle. 'de, Prophet doch vsseiibar deir Gott, der beides von den hiinmliscl'.eii -Hö!,en - herabgie-ßt.: die das- -Herz und de» Geist euvarmende. benetzende.. besru'chteiide Lehre, ans der Gerechtigkeit und Güte (/.'clastab) ljertzorspr-ießen, und den er* wärnienden, . benetzenden. befriickfteitden Alle Ihre Bücher _ _ Buchhandlung am Zoo Fritz Ring *' CharloHenburg, Joachimsihaler Str. 43-44 MHfllled der» tfld;*scheo fl-niclnde Telefon, ßltmorck 6504 Zutendung nach allen Stadtteilen st