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Central-Verein-Zeitung · 1936-10-01 · 40 (1.10.1936) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
40 (1.10.1936)
Date
1936-10-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Die Königin von Saba. . Gemälde von Hans Holbein d.~J. ' ~ . Schritt imb beendete dienoch unter Tnvid -. übliche Gepflogenheit, Gott inr Zelt zu verehren. Aber treu bleibt er der Tradition'in der Betonimg der Bildlosigkeit: Ter Herr hat ° geredet, cr^-wolle im Tunkel wohnen." Sehr eindrucksvoll kommtdiese^EMerlosigkeit in der Halb e iw s ch nt ' Holzschiitttdibe'l zur (Geltung, wo gerade der leers: Raum, durch ' einfache, klare Liuien änfgebaut, die. Weihestinunung vermittelt. TarstelliingeiVtzes Tempetbans ivird man 'immer Herangehen, wenn; _man sich für die Entwicklung des- Arbeiter- . bildes interessiert.- Tenn es gibt eine gute (Gelegenheit, den— Banvorgang zu - schildern, mühevolles Schleppen, sorgsames Znsainmenfügen und wagendes Messen. Als gutes Beispiel kann hier Raffaels Tempelbau in -den . Loggien dienen. . , Um seine nu^dernen Bauten dnrchznführen und feinemilitärische Technik, u. a. durch Einführung, von Kriegsivagen und Kriegs- - rossen zu modernisieren, knüpft Salomo mit' Weitblick großzügige Handelsbeziehungen an. Shmbvlisiert wird dieser Schritt zum Welthandel,.der ihm die Herrlichkeiten fremder Länder bringt, durch die Begegnung mit der M ö n i g i n v o n S a b a. Tie- Königin kommt, mit Schäden reich beladen, .um sich von Salomos'-Klugheit und Weisheit zu überzeugen.-Er kann alle ihre Fragen beantworten, -und sie beugt sich bewundernd vor feiner überlegenen Weisheit. Dieses Thema ist von der christlichen Kunst in typolvgischer Weise ausgewertet und vielfach als' direktes Gegenstück zur Anbetung der Könige-dargestellt worden. So finden sich Salomo und die Königin von Saba als Eiuzelfrguren ein den Portallaibuugen in Frankreich und Tentschlaud; besonders gut präsentieren sie/ sich in antikischer Schönheit- und edlem Standmotiv an der -Freiberger . „Goldenen Pforte". Noch in anderem Zusammenhang findet sich Salomo im großen ikonographischen Kathedralenprogrämm: er gehört zu den Borfahren Christi. die im Geschlechtsregister des Nlatthäns-E'vangelinms ansgeführt werden. Sein Name stellt in den genial ten Stammbäumen — die beste, ornamental gut - gelungene Lösung dieses an —fiel) unkünstlerischen Motivs ist an der Decke von St. Michael in Hildesheim — und in den Statuenreihen der Vorfahren Christi au.den Kirchenwänden. Auch in den großen Weltaeiichten hat ' Salomo seinen ' Platz mit ' David, oft als Gegenstück zu Pen Stamm-, .elkeim.' Die aeistigen lind leiblichen Bor- - saluen -Elirlsti - gibtanch"Micbelange!van der- Sirtini-schen- Decke in Wandlunetten und Gewol.bckappe.n,' aber er gibt Deinehistoriiifjelt Persönlichkeiten, sondern unpersönliche Repräsentanten des -erlosungsbedürstigeir . Volkes,- die den Weissagungen der Proplicten und. Shbillcn lauschen._ — Tic reicliste , Ansgesfaltnng erhält das Thema „Ter Besuch der Konigin-von Saba" in späterer Feit - unabhängig von der gleiclmishasken Beziehung -zum Neuen Testament. Ta es den Anlaß zu großer Dekoration gibt-, verwendet man es mit Vorliebe an Stätten der Repräsentgtiom an Wänden und/Decken von. Festsälen, auf prunkvollen Waiidteppichen. Tie verschiedensten Möglichkeiten von Forinengebnng, Gruppierung^ inhaltlicher Interpretierung kann man demonstrieren, wenn man das Thema durch die Jahrhunderte verfolgt, angefgngen mit den Italienern des Quattrocento, mit Gozzoli, der im Campo Santo in Pisa die zeitgenössischen HonDratioren in die Gefolgschaft versetzt, mit Pie.ro della Francescch-der in Arezzo hauptsächlich . eine reiche Modellierung der kubischen Form durch Licht und Schatten anstrebt, mit Ghi-; ' berti, der an der Baytisteriumspforte in Florenz — von Michelangelo als Parädiesespsorte bezeichnet — seine künstlerischen Ambitionen' bezgl. fruchtbarer Einzeln!otive' Wohllaut der 'Lime, perspektivischer Naumwirknng in einem . Bühnenbild größten Stils zusammcnsaßt. In kunstvoller Schichtung stehen die zwöi Hauptpersonen in der Mitte, zu Seiten die Gefolge ' - mit je drei Chorführern. vorn die. ünbetcilig- - , ten Zuschauer: einleuchtender und feierlicher laßt sich das Thema kaum darstellen. Tie Hochrenaissance, die alles Geschehen en dnrchorganisierte Bewegung umsetzt/ gibt ein vollendetes Zusammcnspiel aufeinander bezogener Kesten. Bei Raffael springt Saldmo vom /Thron auf und eilt der die Stufen hinauseilenden Königin entgegen.- Immer wichtiger wird die Darstellung des Gefolges und der Schätze: erotische Bedienstete schleppen prunkvolle Geräte, Plünzen liegen verstreut ans dem Boden. Bon Hans Holbern d. I. eristiert ein Miniatnrcntwnrf vermutlich für ein Wandbild, in dem er Heinrich VIII. als Oberhaupt der englischen Kirche huldigt.^Er gibt Salo-I mo den Thp Heinrichs Vlsl., setzt seineanimalisch-strotzende, selbstbewußte Körperlichkeit mit nnvvrnehm gespreizten Beinen und gestemmten Hüsten aus den Thron als Mittelpunkt einer großzügigen, durchsichtigen Zen- . tralkomposition. Der Barock ^schmückt das Thema noch weiter aus, gibt eine Vorgeschichte: die Einschiffung der Königin von Saba wird ein heiteres, niederländisches Hafenbild; hei Claude Lorrain ist es ein Seestück mit reizvollen Wasser- und Lichtessekten. Ein Palazzo als Vordergrundskuliße suggeriert die Weiträumigkeit, die handelnden Per- - sonen sind kleine Skassagefignren. nur durch die beigegebene Unterschrift hn richtigen Sinne zu deuten. — Eigentlich ist es.nur der Oberdeutsche Conrad Witz, der sich bemüht, -der inneren -Stimmnng- und der Gesnhlssituation des Themas gerecht zn werden- Denn es ist sa nicht nur der Reichtum; sondern auch die Weisheit Salomos, die durch die. Erzählung symbolisiert wird. Er reduziert die sonst so groß .ausgebaute- Szene 'zu eine'rZweisigurengruppe.-. die Fülle der Geschenke aus einen Pokal und lenkt so nicht von der Haupt- Handlung ah, von der „sahta i-oiivprsaziono", die die beiden Könige mit den verschlossenen -Bnrgergcni'htcrn miteinander'snhreiv- ---Ter-„weise Salomo" ivird am dessen und hänsigsten - dargestellt in dem -s a l c> in 0 - n i s ch e-n.-U r te i l.. ..Zivei Biütter haben im - .gleichen Hanse, am gleichen Tage-einen Sohn geboren: ein Kind sNrbtt-di-o-Aklitttr-stcviten. " io cm das überlebende Kind.gehörtt -Salomo - entscheidet, das lebendige Kind in zwei Half- - ten zn teilen. ' Taraufhin osfeubart sich dies -<schte -Mntter-liebe,- die bereit ist, gnf das .Kind; zn verzichten, um die' grausame Tötung zn' vermeiden. Dieses Thema findet sich in der- ' pompejanischen Wandmalerei, in der früh- - christlichen Kunst aus Fresken und lttnrgischen Gegenständen, ans Reliqnienkästchen - und Psalteriendeckeln, später an repräsentativen stellen des bürgerlichen Geineinwesens....'. a^s- Relief am .Togenpalast in Venedig und am Rathaus in Amsterdam. Auch hier sind die verschiederisten Darstellungsmöglichkciten abgcwandelt: Salomo als niilitärisch-rönu'-' scher Kaiser oder als üppig-schöner Höfling.- Tie Frauen.einmal im typischen Weiberstreit, am Togenpalast rein ^repräsentativ, in''' Rassaels- Loggienbildnur Objekte für schönes Stehen- (Zehen, sich Bewegen, bei- Rubens lebenslnsttg-weltliche Frauen in Prächtiger" Seide.. Ser 'Bardck schivclgt in den Möglichkeiten der Brutalität: der beauftragte Soldat wird znm Henker mit-unbekleidetem Ober- . korper nnd schlächterhastem Gebahren, der das lebende-'Kindl an einem Beinchen brutal hochzcrrt; der Gegensatz" des toten und des lebenden, Kinderkörpers wird formal und stimmilllgSmäßig ansgewcrtet. Nach Betrachtnng der Tärstellung'in dieser veräußerlichten Form tut man gnt.vsich noch einmal auf den Kern /des Geschehens zu besinnen: and man kaNn^ich-dabei von Rästael leiten lassen, der-dvs'Sv.lomonnche Urteil neben einer allegvrischcn. Figur des Reelltes an"die Decke der - Stnnza.Lella Segnatnr'a gemalthat-.'Hier in der Nachbarschaft-der^Tispnta und.der Schnle vqn-Athen, der beiden Pttmiimentalgemälde, in denen'es sich um Glanb-ensioahrheit iind philosophische Erkenntnis.handelt, wächst das Thema '-über seine novellistische, - episodische Bedeutunghincnrs. Es wird damit ausgesagt. daß dgs Urteil .-- nichtnach dem ge- 'schriebenen Gesetz, gefällt -v-- vonjemandem erteilt ivird, dem diirch-göttliche Gnade höchste Bernimft.znte.il geworden ist. Tie mittelalterliche Theologie .hat Salomo auch; in diesem Lichte gesellen.. Christns wird geleaentlich der Nene Salomo genannt und als.Wcltenrichter zn ihm in.Beziehung gesetzt: der scü.vmvnische Thron gilt als-Ehrenplatz, — An der Straßburger Alnnstersassnde-sitzt Sa-- lvinv ans dem. Thron, dey, Vvn ü'2 Löwen bewacht. dem in der Bibel geschilderten Thron entspricht. Ter Löwe M. das Smnbild der Macht nnd die Zahl zwölf entspricht der Zahl der Stämme Israels.' Tie Beiordnung der Gestaltung der Tngendeu deutet auf eine legeiidarische Ansschlnncknng imd Steiaernng seines Pichteramts. nach dem ihm die.Schlichtilng' eines Streites zlvisch^nden Tugenden zngeschrieben wurde. ' vr. Karxarete Ktrchberx-Vreslau. Barrm Potor Hatva.ny fe«*storhen. In Birda-. Pest slarb der Grvßink>»strislle Baron Peter »atvann an den Helgen einer.Blinddarmentzündung Wenige Stunden vor seinem Tode^tieß er den ' Präsidenten des Budapestcr Israelitischen Knaben-' ivaisenllalises, LbMausmitglicd Bida, zn sich kommen und teilte ibm mit-, daß er den größten Teil seines Vermögens den Waisenkindern vermache. - - Urteil Salomos. Gemälde von Peter Paul Rubens, Kopenhagener Kgl. Galerie Wie Felix Mendelssohn ein Läubhiittenfest erlebte Nach einem Bericht der „Gartenlaube** aus dem Jahre 1868 Es war in Leipzig zi^r Messezeit. Ans dein Brühl wimmelte es von-Kanflenten ans aller Welt. Aber der Mann, der sich soeben durch das Gewühl hindurchwand. war nicht znm Kalifen iind nicht-gum Berkanfen dort, ivennleich seine Ware, die er im. Geivandlians seilot, einen gnten Klang hatte und viele BleNschen anzog. . - Es war der -berühinte Kvinponist Felir -Mendetssohn-Barlyoldn. Plötzlich heininte ch seine Schritte. Irgend, elivas fesselte.seine Ansmerksantteit. Cs ivar ei'ue Szeue. -die diirch ihren -malerisciien R'eiz niäit nur sein ächheti?;.schesEmpsinden ans-pracli, svnderii auch irgend , etwas; tief in seiner Seele Sclilniittnerndes sonderbar errelzle. ' ' ' .Ein wenig abseits vom Gedränge sah er einen alten -iveißbärtigen In den, Du langem» Kaitan. der segnend die Hände ans das Haupt eines Knaben legte. Fetir.nähe-rte sich den beiden-und kam bald in ein Gespräch mit demwürdigen Alteiiv' ' ' . ' ..Wir-' feiern!,eilte das Lanhhütteittest". erklärte, dieser. ..und da. wir l)ier fremd und 7nr^vrrMiede'nrai - Onavtieren nntergebraäit sind, mußte i;li dein,Knaben den Segen auf der Straße erteibeti.^ - .. , ' Mendels'vhn fragte.: ..Warum haben Sie diesen sänvächlichen Kttraben mit ans die Reise genommen?" 1- „Damit er ein Men'ch. wch'den soll, lieber Herr, was bei den Berhäliniüen. iinter denen wir im Innern Rußlands leben, nullt möglich - ist. CT i>t mein-Enkel, ein strebsames Kind.- aber bei. uns geht alle Lan't imC Liebe-znm Lernen verlvrillr. Ich will ihn nach -Berli-n bringen oder nach Fra.nksn.rt am Blain. Dort sind reiche und wohltätige Inden, die sich seiner ännehincn werden. Er soll ein Lehrer werden und zur Verbreitung von Bildung rinter den-russischen Inden beitragen. Gewiß, . er ist schwächlich, aber Imt nicht auch einst der große Moses .Mendelssohn als armseliger blasser Junge seine Lanfbahn^in Berlin begonnen?" i Nach diesen Worten wandte sich der Alte znm Gehen: aber Felix hielt ihn zurück. Die letzte Bemerkiing des rlisnschen Inden hatte ihn so tief erregt, daß er sich unter keinen Umständen jktzt von ihnr trennen wollte. „Kommen.Sie mit mir", sprach er, „hier in; Gedränge ist nicht gnt.reden: gehen ivir dort in den Park. Sie müssen mir noch einige Fragen beantworten." Und nun wollte Felir vor allen-Dingen erfahren, was der jüdische Mann im Innern Rußlands von Mose^ Pt.endelssohn gehört- „Nicht nur gehört habe ich von ihm. gewesen habe ich alle seine Schristeü. die.hebräischen wie die deutschen, und habe mich an ihnen herangehildett - Schon vor vielen Jahren bat mein Großvater Mendelssohns Werke, und die seines großen .Freundes Len'ing ans Deutschland mit- ''--gebracht. Diese Schriften sind ein Erbstück unserer Familie^ - n-i-Fer—köstlichster Schatz. Ich kann Ihnen aber noch mehr erzählen: Mein Großvater hat an einem Laiibliüttensest in Gesellschaft Lesnngs als Gast am Tische des Weltweisen geseüen und ihn über die Macht der fortschreitenden Pikdung be.- Wbeirtlmde Worte sprcchenchören." - W Der Mann sprach in reinem Deutsch.mit - rnsnschem Akzent, -aber mit einer Ueberzengnng des Herzens, die-seinen Zuhörer'mit Achtung erfüllte. .Wie ein Prophet erschien ihm der Greis, der.da im langen fchivarzen Gewand, ans das der silberweiße Bart wallte, im. Mondschein stand und'- mit Begeisterung -von. dem Großen sprach, dessen 'Geisteslicht seinem Volke-auf! dem Wege zur Bildung vor-' .anleuchtete.- . - V 7 -. Und' er fuhr fort: „Ich habe diesen Knaben Nach Dessau initgcnvrnmen und habe ihm das Stühchen gezeigt, in dein einst der dritte Atoses seines Volkes geboren wurde." „Sie haben 'wirklich das Gebitttshaus Mendelssohns besucht?" ... '■ „Es ist ein.elendes armseliges Stübchen,' wie cs wohl selbst in jenen Zeiten nur die -.Aermsten bewohnt haben werden; llllwer- . ändert steht es da seit mehr als hundert Jahren." „Um so mehr ist es zn. verwundern," sprach Felir, „wie.ans. solchem Kreise und bei soviel äußerem Druck .Charaktere wie Moses Vcen-' delssohn erstehen konnten." „Der Vater unseres Moses war ein Thora- - schkeiber und ein würdiger', Vertreter dieses heiiigen Bernfes. Er schrieb 'Thorärollen aus Pergament und Gebetbücher für den^Gvttesdienft. Diese Arbeiten erfordern — mehr als man'weiß — Kenntnisse imd Fertigkeiten und künstlerischen Geschmack.-.-Zudem-- muß' ein ' Thorafchreiber ein frommer Mann sein. Der ° alte Plendel in Dessausoll in jeder Beziehung ein vorbildlicher Soser — wie wir diese Schreiber nennen — gewesen sein. Sollte nicht, von dem Künstlertum'und' dem Schönheitssinn des Paters sowie von seiner unendlichen Geduld, die sein'Berus ebenfalls erforderte, ein Teil in die Denkungsart uüd-das Wesen des Sohnes übergegangen'-sein, der uns in . seinen Schriften soviel 'Feines und Anmutiges überliesert hat?". ' "^"Nöch gab Felir sich nicht zu erkenncn: denn "cDM^üw^-k^afr-der 9Htc dann nicht' mehr so niibesangen weitererzählen 'würde. Cr er- .widerte ihm: „Es ist eine weite Gedankenreihe, die Sie inir-da erüsfnen. und-sie bewegt mein Herz tiefer als Sie ahnen können. Abersagen Sie mir:. Glauben Sie denn wirklich, daß dein I.ildentum in Europa durch das von, Bcendels-iohn entfachte Bildungsstreben s eine Znknnft beschieden ist?" . - ' - ' l .-„Ich gläkibe es mit all den Hunderttansenden jüdischer Brüder und Schwestern, die heute mit mir das Laubljüttenfest feiern. In jeder Stadt, ja im kleinsten Dörfchen, wo nur eine jüdische Gemeinde ist, können Sie sehen, daß das Judcntumlebt, und daß seine Wurzeln nicht abgestorben sind." . Der Tondichter ergriff die Hand des alten Juden und hielt sie syst in der seinen: „Sie haben mir eine wunderbare Stunde bereitet. Ich kanu Ihnen wohl am besten durch die Mitteilung danken, daß der Enkel Moses Mendelssohn es ist, mit dem-Sie gesprochen haben." lind indem er dem Erstaunten eiüe Karte in die Hand drückte,-schloß er: „Kommen. Sie morgen zu mir." — Damit wandte er sich ans dem mondbeleuchteten TetEA^es Parkes in die dünkleren Windungen der An- Am anderen Tage erschien der Greis in der Wohnung des 'Meisters, der sich noch viel . von ihm erzählen ließ. Er versprach dem Alten eine große Summe für die Ausbildnng seines Enkels in. Berlin und gab ihm Empfehlungsbriefe an wohlhabende nnd ' wohltätige Juden der Hauptstadt mit. Der russische Knabe erhielt dort eine vorzügliche Ausbildüng und eine vortrefsliche Erziehung. Seine Neigungen schlugen zwar eine andere Nichtnng ein als-chie von feinem Großvater gedachte. Er wurde' kein Lehrer und kein Erzieher seiner nisnschen Glaubensbrüder,, sonderir ein bedeutender Arzt, der sich im einer deutschen Stadt wegen seiner Tüchtigkeit und seiner Menschenfreundlichkeit großer Beliebtheit ersrente. Aber seine russischen Glaubensgenossen wergaß er deshalb nicht: er verwandte Zeit und Kraft' und ' einen—große«- Teil seinessBermögens für ihre Unterstützung, ihre Belehrung und Erziehung. Und jedes Jahr, wenn das.Hüttenfest wiederkehrte und er mit seiner Familie beim feiertäglichen Mahle versamnielb war, gedachte er der schicksalhaften Wendung seines Lebens, die an -jenem Snkkotabend in Leipzig dem Festfegen .de? Großvaters, der nün längst nicht mehr unter den Lebenden weilte, entsprosien war. Xsctlsrrätilt von..B. Gut, Frankfurt a. JVL

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