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Central-Verein-Zeitung · 1936-10-01 · 40 (1.10.1936) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
40 (1.10.1936)
Date
1936-10-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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2. Beiblatt - Nr/ 40 1. Oktober 1936 in König Salomo steht als fest umrisiene Per- ^sönlichkeit vor uns'. ^Was die Geschichte von - ihm berichtet und was die Legende ergänzt, die am besten die Ausstrahlung einer Persönlichkeit im Gedächtnis des Volkes spiegelt, schließt sich znm abgerundeten Bilde. Ter „weise Salomo" und der „reiche Saloiiw?" sind sprichwörtlich geworden. Ter junge König Salomo bittet Gott um „ein gehör.»-" sames Herz, -daß er das Volk richten möge und verstehen, was gut und böse ist." Und Gott gefiel die Bitte; er gewährte ihnnein weises und verständiges Herz und dazu das. was er nicht erbeten hatte. „Reichtum und GH re." So führt Salomo einen glänzenden' Hvfhalt mit grvßein,Lnrns: eine neue glanzvolle Epoche für Israel bisher unbekannt wird mit seinem prunkvollen Regierungsantritt eingeleitet, «ralvino ist der reiche Erbe - im' Gegensatz zu seinem Vater David, der den ' inärchenhasten Aufstieg vom Hirtenknaben genommen hat. Davids Persönlichkeit ist von Romantik umkleidet/ er ist. der genial Intuitive. er ist auch der Dichter, der gott- . begnadete königliche Sänger, während Salomo der Vertreter des Intellektnalismns ist, tler überaus kluge Staatsmann und der Ver- .... fasser von weisen Sprüchen, Lebensregcln und Parabeln. , ' Ueber Salomos Leben sind wir durch viele Einzelheiten unterrichtet und ein. großer Teil dieser Begebenheiten ist auch in den Bibelillustrationen vom 9. Jahrhundert an bild» lich wicdergegcben. Es beginnt schon mil der Palastintrige, ans Grund derer Salomo ans den Thron kömmt: Bathseba und der Prophet - Nathan überreden David, Salomo zum Nachfolger einznsetzen; dann wird berichtet von dem Tod des rechtmäßigen Thronfolgers Adonia, von Salomos Regierungsantritt und Salbung durch den Propheten Sadok, von. seinen, Zwiesprachen mit Gott, von Städtebesestignng und Tempelban, von Ver- . Handlungen mit dem thrischen König Hiram zwecks Materiallieferung.^ von dem Befehl an - Fürsten und Vornehme'und von der Tempel- Weihe, und man verschweigt Mich nicht seinen gelegentlichen Abfall znm Götzendienst. Dieses Die Königin i Saba, dem König Salomo Geschenke darbringend. Berlin, Kaiser-Friedrich-Museum Gemälde von Konrad Witz, alles wird mit einer naiven Erzählerfrende - berichtet in einer naiven Darstellnngssorm.; —fn^divrtne-Grschein»lng Salomos als Bilder» bnchkonig — iinmer mit der Kroneans dem. \ K o hl" cha ra k terist i sch ist. - , . " Im allgemeinen sind es dann drei Themen, die die bildende Kunst bevorzugt, und zwar, Ttzemen. die-die' wichtigsten Zuge in Wesen" und Wirken Salomos charakterisieren. Zunächst sehen wir Salomo als Erbauer des T e in p e'l s. Der Tempelbau ist unr ein Teil' der-ckkiglichen, l'anlicl,en ttuteriichinnn. gen. bei weitem nicht so bedeutend und. so nuifaiigreicli wie die Umwallnng Jerusalems und die Befestignng anderer Städte, aber der ■ Tembelbau als ideelles Shmbol der Macht sprntzt am stärksten zur Valksphäntasie und regt zur Le«zeildenbildnng an/Jedenfalls erschien schon der .frühchristlichen Knust das Bisd der Tempeleimveihiiug als ivürdiger Gegenstand für eine neu geweihte christliche; Knche. Wir haben im Biich der Könige eine ansfuhrlichc Beschreibung des Tempels, aber/ man kann sich kaum'mehr als den Grundriß kmistruieren. Alles weitere bleibt der Phantasie überlassen. die nur noch angeregt wird, sich den Bau besonders mächtig vorzustellen, wo- ' bei zu berücksichtigen ist. diiß in primitiven Kultürstadien groß identisch mit,schön ist'.-So kommt es. daß das 17. Jahrhundert emen prunkvollen Bgrvckban und das Hi. Iahrhnü-; dert emen edlen Renaissancebau darstellt: besonders reizend naiv gibt eine ^französische^'' Miniatur von Fonguet einen gotischen Kirchonban mit der ganzen Uebersüllc der g» tisclieii Dekoration. Auch über den Bronzegnß an Tempel und Thron berichtet die Bibel ausfuhrlich, aber auch hier versagt'die rekonstruierende. Phantasie. die der Hppcrtrophie der künstlerischen Konzeption ^nicht folgen kann. .Aber ivir erfahren, daß-,Salomo den Anstoß, zur Bearbeitung von Edelmetallen gegeben hat. daß er answärtige ArchitMe-n und Metallgießer heranzog. Er war kliltnr- und knnstfreudig, allem Neuen aufgeschlossen, modern im Verhältnis zur Kultur, modern auch in seinem Verhältnis zur Religion. Denn einen festen Tempel als. religiösen Mittelpunkt des Landes zn bauen war ein entscheidend neuer Von Hillel zu Meir Nach Talmud und Midrasch von Rabbiner Dr. R ud?" B ra sch . 'Anderthalb.Iopchmiderte indischen Denkens . und Erlebens, sie sollen in -diesen "Zetten gezeichnet weiden. allein durch die Gestalten, deren. , ,, Geist geprägt wurde durch ihre Zeit, die aber dann ivicdernm die Generationen beeinflußten -und beeindruckten. Durch Gleichnisse, Begebnisie und Legenden, von ihnen erlebt oder,^ durch sie erzählt, sollen die Probleme, Gedanken und Erlebnisse des.Damals sprechen zum Heute.1 Hill e b. der den Grundsatz ausgestellt hatte: .Mer seinen Namenzu verbreiten -sucht, verliertseinen Namen".^ ist bekannt durch seine Bescheidenheit.' lmd 'seine Sanftmut.,-..Zn seiner 'Zeit schlossen sich häufig Heiden dem Judentum an. - So kam . ein solcher eiunial zu ihm. um durch ihn aus» , genommen zu . werden. - Aber e i n e Bedingung stellte dieser Heide: Hillel müsse ihln - in der ZeitFin der er auf einem Beine zn steheit vermag.-dic Lehre des Judentums beibringen. Hillel erzürnte hierüber nicht, son- - dern sprach: „W a s d. u n i ch t will st. d aß m a ndi r t u c . d a s tuea uch k e i - n e m andere n. Men s ch e n! — Das ist die ganze Lehre, alles übrige ist nur die Er- - klärung hierzu." Ein Schüler des Hillel war I och a n a n ben Sakkai. Ihm starh ein-Sohn, und dieser Große. „Vater der Weisheit" genannt. - wurde dadurch schwer niedergcbeugt und erschüttert. Viele-seiner Freunde und Jünger kamen'-zn ih'm. um ihn zn trösten. Man wies hin auf Hiob. Aaron und David, die.einst ein gleiches Schicksal.betroffen hatte. Aber Jochanan lelptte, diesen' Trost ab: „Wie vermag .f r e m d e s Leid meinen Schmerz,zu lindern?" * V Als , I o ch a n a n b e n Sakkai er- . kannte, daß das von den Römern belagerte Jerusalem dem Untergänge entgegenging, da versuchte er seine Vvlksgeuoffeu zu tiber- -zeugen, daß die Alömer nur die Niederlage d e r W a f f e n verlangten, -aber u i ch t d i e ' Religion vernichten ivvllteii. Als inan aber auf seine Worte nicht hörte, ließ er sich von seineil Schül-eru in einem Sarge, als scheinbare --Leiche aus der Stadt tragen und begab sich zu'Vespauan. der das römische Heer besehligte. Von. diesem erhält er die Erlaubnis, in Iabueh iImnuia) eine Akademie zm gründen.- llnd diese uuschein-, bare,Tat bedeutete dcm Wiederaufbau des Illdentums. Denn während Jerusalem, fiel . und damit der jüdische Staat zerstört'.wurde, erstand in Iabneh das neue Zent,rnm, von dem nun .die Lehre-ausgil-ig und das Wort Gottes: „Denn nicht.durch Macht und nicht durch Kraft, sondern, durch deii. Geist des Ewigen" lebt Israel! Als Ivchanan..-der so zum Neubegrüilder der jüdischen/U eligiv n niach dem Ilutergangc des jüdischeil S t a äck e s . geworden war, auf dem Sterbebett lag. da kamen seine Schüler zu ilim und fanden ihn weinend 'an/ der sich nicht vor dem Tode, wohl aber vor - dem elvigen Richter fürchtete. Als sie -ihm - cntgegneten: er. dieser. Edle, Fromme nud Schuldlosehatte keine Ursache, und keinen Grund, - sich zu fürchten, da antwortete er: „Wollte Gott, daß eNre Gvttessprcht eurer Furcht vor Niensche.n gleichkommt!" Aber die Menschenfurcht ist ja größer/als die Gvttesfu^l)t! . / ■ . -- ~ Im Lehrhause des Rabbi Jochanan wider " den WiIleu" der Seineli nnlgewachsuii, auu-otT Elieser ben Hyrkanos ein Weiser, der.-den - Beinamen Hagadol. der.Große, erwarb. Sein ^WahlsprÜch taulete: „Bekehte dich einen Tag vor deinem. Tode." Ta der Mensch nun aber - -diesen Tag nicht kenne, müsse er stets auf deii Tod-gefaßt, alle Tage seiue Sünden bekennen. Hierzu erzählte er.ein Gleichnis: Ein König -ließ ein Mahl bereiten und die Gäste dazu; -Ov '• ‘ ■ :/' ' eiuladeu. Er ließ' ihnen sagen: „Schmücket euch sestlich nud haltet euch bereit zum Ni'nhl." Er bestimmte ihneu aber nicl)t die Stunde, in , der sie znm Niülil.e .kominen'sollten. Die Klugen/schmückten sich und warteten auf den. Rns des.Königs^ die -Törichten aber acliteten der Ailkündigniig: .-Wenn die Stlinde des Ncäliles gekommen sei,'wäre noch Zeit genug, sich, vvrz'nbepeilen. - Plötzlich aber erging der. Nlnf,daß iivfiu-t ein jeder ersclieinen solle, olpie Zögerung.l Da kamen jene in.ihren festlnhen Geivändcrii, diese.aber in beschinntzten Kleidern." Mi-8z.Freude empfing der König die einen, da sie auf seine LLorte geachtet hatten, den anderen aber zürnete er und verivies sie ans seinem Palaste. Sie sollten die Sclimach ihrer Torheit fühlen! — Tie Ervhernng Zeriualeins durch Titlis, der Urit/rgang des . jüdischen--Staates hatte viele jeglicher Hvssiiinig beraubt. Zn.m Zeichen..- der Trauer enthielt inän sich jeglichem FleischundTüeingennsses. Als. aber Ios.ua beu Ehäuauja - von. dem sein LehrepZvchanau ben Sakkai einmal gesagt hatte: „Heil .. der--Nl-utter/'die ilgi geboren!" — bemerkte, dich die Askese vvu Tag zu Tag zuuahm, begab er sich zu dcii 'Führern der nchAo Kasteienden lind fragte, warum sie sich des Weines'uiid /Fleisches gerade entsagten. Ncan erwiderte: „Weißr du denn ilicht. daß das Fleisch ans dem- Altar geopfert,' der Wein dem Ewigen darg'ebracl)t wurde? Nun ist der Altar, der Tempel zerstört: -sollten wir da Fleisch essennnd Wein trinken?"'. Zvsna aber entgegnete, dann -inünteip sie, aucki ieälichen Rrotqennß neiden — denn auch M.-cht.gehorke zu'dett '! nicht mehr möglichen Spferu, 'und keine . Früchte und — -kein Wasser wäre ihnen daun erlaubt, denn sie alle wurden einst dem Ervigen dargebracht. Als er hieraus die -llaU lvsigkeit cheiner Brüder gewahrte, sprach er: - „Fern sei es mir. .euch zu raten, die Trauer ilin den Untergalig linkeres Heiligtums zn . unterlassen. Aber ein Uebermaß der Trauer,. nne dieeu-rige. kann ich iveder gut heißen n och als gottgefällig betrachten, da sie nur - inlsereil Fortbestand gefährdet." — Damals ivurde es dnrcli Fvsna eingeführt, beim Neubau eines Hanses beim Tünchen der Wände eine Stelle lingetüncht zn lassen:- znm--Kndenken an die Zerstörung IerüsMms.' — Neben jenem Asketeutlim aber bildete sich eine Partei der Zeloten: Heißsporne, die zum vsseueii Kampf gegen Rom hetzten. Ivsua ben Ehaiia.nja iviEde gewählt, um dös aiifgewühlte Volk zn beriihigen niid ans feinen Platz zu weisen, lrud dies -gelang ihm, Er bezwaug die Erregung des Volkes durch eine Fabel: Ein Löwe^ha.tte einst, einen Knochen verschluckt, der ihm im Rachen steckenblicb. Ilin Uvii.ihm befreit zu werden, ließ.er überall verkündigen, daß er demjenigen, dem dies gelänge, eine königliche Belohnung zuteil werden lasse. Eine langhalsige Schnepfe erbot sich dazu, und es gelang ihr. Als sie aber die .vel-jprvchene Belohnung 'verlangte, da '-sprach dcr Löwe:./.Geh' hin n»d-.verkünde überall, daß d» so glücklich ans dem Nachen des-Löwen heransgekvmmcn bist.- in den du hineiiigeraten warst.". --- Freuen wir Juden uns doch, daß »vir den Römer» — wenn auch als Staat, so doch nicht als Religion bot- »iätzig wiirdc»! Ter Kaiser höhnte den Zv-sna: Er glaube . nicht an die Eristen.z des Gottcszn dem die Iildeii beteten. Tenn gäbe es diesen, so müßte man ihn sehen, kölinen. Ta führte Ivsim den Kaiser hinaus auf ein Feld — es ^w.ic iiN Hmhsumm'^ iltihdie AtitkmMrnide — und bat ihn, seinen Blick auf die Sonne zu richtem Was,er dabei-erkenne. Als über die Augen durch den Glanz geblendet wurden, da sprach Iosna: Tn willst Gott schauen und kanlht mit deinen Augen noch nicht einmal die Soniie erkennen, die nur ein Abglanz, ein' Geschöpf Gottes Ist - ' (Fortsetzung folgt.)

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