Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 44 (3.11.1938)
- Date
- 1938-11-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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NEUE FOLGE : *m DER JODISCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG BEILAGE DER C.-V.-ZEITUNG Seite 13 Jüdische Gemeinde Nr. 44 4. Beiblatt 3. Nov. 1938 Jüdische Arbeit in Breslau Von Kurt Schwerin Die Festtagswochen bildeten den großen Einschnitt in der jüdischen Arbeit des Jahres und" erlauben eine kurze Pause des Rückblicks und Ausblicks. Der Sommer ist gegangen3 die Aufgaben der Winterarbeit rücken näher. Die Synagogen und Zweiggottesdienste waren gefüllt. Nach wie vor steht die Synagogengemeinde Breslau mit 16 000 Seelen an hervorragender Stelle unter den jüdischen Gemeinden Deutschlands. Sie ist nach Wien, Inneres der Neuen Synagoge Berlin und Frankfurt a. M. die viertgröß.fce Gemeinde des Reiches. Im Juni 1933 zählte sie 19 800 Seelen, bis Juni 1936 war sie auf 18 000 Mitglieder zurückgegangen. Außer in den beiden Gemeindesynagogen betete man dieses Jahr in acht Zweiggottesdiensten, die erstmalig in ausschließlich jüdischen Räumen abgehalten wurden. Mehrere Kandidaten des Jüdisch - Theologischen Seminars wurden für einige der Gottesdienste aushilfsweise mit den Rabbinatsfunktionen betraut. Daneben waren wie von altersher viele Andächtige in den zahlreichen eng mit dem Werden der Breslauer Gemeinde verbundenen Privatsynagogen, u. a. Synagoge zum Tempel, Landschul, Sklowerschul, Alt-Glogauerschul, Pinchas- Schul und in den Betsälen des Krankenhauses und der Heime versammelt, von denen einige im vergangenen Jahr überholt bzw. neugestaltet worden sind. Der größte für die Zweiggottesdienste benutzte Saal, der große Saal in dem von der Gemeinde gemieteten Gebäude der „Gesellschaft der Freunde", kurz der „Freunde-Saal" genannt, dient gewöhnlich den großen kulturellen Veranstaltungen der Breslauer Juden. Die Gemeinde hat ihn im Sommer auf Vorschlag des Jüdischen Kulturbundes einer gründlichen Erneuerung unterziehen lassen. An Stelle der früheren Stühle sind bequeme Klappsitze getreten, in deren dunkler Farbtönung auch das rund um den Saal laufende Paneel gehalten ist, während der obere Teil der Wände und die Decke eine helle Farbtönung erhielten. Ein über die ganze Breite des Saales reichender Vorhang aus kirschrotem Samt trennt die Bühne vom Zuschauerraum. An Stelle des bisherigen Podiums ist eine fahrbare Bühne eingerichtet worden, für die eine neue Beleuchtungsanlage geschaffen wurde. Die Garderobeneinrichtungen wurden so modernisiert, daß eine leichte Abwicklung ermöglicht wird. Bei musikalischen Veranstaltungen können Bühne und Vorhang entfernt werden. Dann ist der Saal durch eine Orchestermuschel abgeschlossen, und alle tonhemmenden Hindernisse fallen fort. - Auch organisatorisch trat mit dem 1. Oktober eine wichtige Aenderung im Breslauer Jüdischen Kulturbund ein. Von diesem Zeitpunkt ist der Jüdische Musikverein eine reine Chor- und Orehestervereinigung geworden, der nur ausübende Mitglieder angehören. Die übrigen Mitglieder traten in den Kulturbund über, der nunmehr auch als Veranstalter der Konzerte auftritt, die er vom Musikverein übernimmt. Der Musikverein wird sich jetzt ausschließlich den rein künstlerischen Aufgaben widmen können. Das Orchester hat trotz gewisser Abwanderungen, denen aber auch Neuzutritte gegenüberstehen, seinen Bestand nicht wesentlich verändert. Für die kommende Spielzeit hat der Kulturbund den Musikverein für zwei Orehesterkonzerte im November und März, die Berthold Sander (Berlin) und Intendant Dr. Kurt Singer dirigieren werden, verpflichtet. Für Januar ist ein Chorkonzert unter Leitung von Werner Sander (Breslau) geplant, in dem Händeis „Acis und Galathea" aufgeführt werden soll. Der Chor studiert außerdem Hillers Oratorium „Die Zerstörung Jerusalems" ein. In der Theaterabteilung sind etwa 'fünf Aufführungen geplant. Die Theaterspielzeit wurde am 25. Oktober mit einem Gastspiel des Hamburger Kulturbundes (Fodors Lustspiel „Arm wie eine Kirchenmaus") eröffnet. Weiter sind Solistenkonzerte, Vorträge und Kleinkunstabende geplant. Die Spielzeit eröffnete Alexander K i p n i s mit einem Liederabend am 6. Oktober. Für einen großen Kreis von Bedürftigen sind die Abende der Toynbeehalle der ,,S o - zialen Gruppe erwerbstätiger jüdischer Frauen und Mädchen" unentbehrlich geworden. Im letzten Winterhalbjahr fanden insgesamt 49 Veranstaltungen statt, die durch künstlerische Darbietungen und Vorträge abwechslungsreich gestaltet werden konnten. Dem kulturellen Leben der Breslauer Juden dienen ferner die Vortrags- Aus dem Jüdischen Museum Megilla, Silber und Pergament (Lemberger Arbeit, IS. Jahrh.) reihen und Arbeitsgemeinschaften des Jüdischen Lehrhauses, das seine Winterarbeit vorbereitet, die reichhaltige Gemeindebibliothek und das weit über die Grenzen Breslaus bekannte Jüdische Museum. In ihm sind wertvolle Kultgeräte und Kunstgegenstände und zahlreiche Dokumente aus der jüdischen Geschichte aufbewahrt. Leider muß das Museum in Kürze seine bisherigen Räume in der Israelitischen Waisen-Verpflegungs-Anstalt aufgeben. Es wäre zu wünschen, daß sich Mittel und Wege finden, um dem Museum die im Interesse der jüdischen Kultur notwendige Weiterarbeit zu ermöglichen. Auch das Wirken der Schlesischen Arbeitsgemeinschaft der Gesellschaft für jüdische Familienforschung in Breslau ist für alle Juden Deutschlands von Bedeutung. Sie veranstaltet regelmäßige Vortragsabende und hat sich in den letzten Jahren mit besonderem Eifer der Inventarisierung alter jüdischer Friedhöfe in Schlesien angenommen. Hier arbeitet die Gruppe zum Teil mit dem Archiv der Synagogengemeinde zusammen (Archivleiter: Rabbiner Dr. H e p p n e r, Archivar: Rabbiner Bernhard Brilling), das neben der vermehrten Arbeit, die durch die Beschaffung und Ausstellung von Urkunden und Verwandtenforschung entstanden ist, auch wissenschaftliche Arbeiten zur Geschichte der Juden in Schlesien leistet. Die Akten aller wichtigen Gemeinden Schlesiens — mit Ausnahme von Glogau — sind im Breslauer Archiv gesammelt und gesichtet. Auch die Friedhof sauf nahmen (bisher u. a. Breslau- Friedhof, Claassenstraße, Zülz, Prausnitz, Festenberg) werden hier aufbewahrt. Gegenwärtig wird an der Inventarisierung des Friedhofes Städtel bei Namslau gearbeitet. Bei den Inventarisierungen steht dem Archiv die Mitarbeit der Studenten des Jüdisch - Theologischen Seminars (Fränckelsche Stiftung) zur Verfügung, dessen Wirken nach wie vor das gesamte jüdische Leben Breslaus befruchtet. Seine Dozenten und Lehrbeauftragten (Professor Dr. Heinem a n n, Dr. Albert Lewkowitz, Dr. S. Ochs, Dr. Ephraim Urbach, Dr. N.W ahrmann, Dr. Willy Cohn u. a.) sind neben den Gemeinderabbinern (Dr. Vogelstein und Dr. Hoffmann) bei der Fortbildung der jüdischen Lehrkräfte tätig und haben an der Arbeit des Lehrhauses führenden AnteiL Dem Seminar sind die in Palästina anerkannten Vorbereitungskurse für die palästinensischen Lehrerseminare angegliedert, und sein schlichtes, stilles Gebäude beherbergt auch die Hebräische Sprachschule. Die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums wird seit Gründung von Dozenten des Breslauer Seminars herausgegeben. Es steht an der Spitze der Jüdischen Bildungsanstalten der Stadt, die der jüdischen Jugend vielfältige Ausbildungs- ■mösrlichkeiten gewähren. Die Syna^ogenge- Jädisch-Theologisches Seminar (Fränckel'sche Stiftung), Gartenpartie meinde unterhält zwei ReKgions-Unterrichtsanstalten. Am Rehdigerplatz sind die Schulen des 1920 gegründeten (alten) Jüdischen Schulvereins untergebracht. Die Private Jüdische Oberschule (Leiter: Dr. Abt) ist voll ausgebaut, besitzt alle Einrichtungen einer höheren Schule und hat die Berechtigung zur Ausstellung vollgültiger Reifezeugnisse. Die Anstalt hat erstmalig Ostern 1938 die Abiturientenprüfung in ihren Räumen abgehalten. Die von der Schule eingerichtete, gut ausgestattete Werkstatt für Mechanik ist Ostern von der Beratungsstelle der Synagogengemeinde als Lehrwerkstatt übernommen worden. Die Private Jüdische Volksschule, Rehdigerplatz andWa 11- BRESLAU luswanderer Möbel Doppelbett- Couch, Kombinations - Möbel, Stahl- Couches,farbig u. verchromt, Wandklappbetten,Klapptische USW. Unverbindliche Beratung! §. BRANDT & Co., BRESLAU nur Ohlauer Straße 45, Ecke Promenade Peole QlHopnsiiiunosschiile (Berufsfachschule) it lütHTWl des jüdischen Frauenbundes Breslau e. V. Gründl. Ausbildung in allen Zweigen der Hauswirtschaft, Gartenbau. 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