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Central-Verein-Zeitung · 1938-11-03 · 44 (3.11.1938) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
44 (3.11.1938)
Date
1938-11-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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BeÜage der G-V.-Zeitung Mitteilungen aus dem Hilfsverein der Juden in Deutschfand Lateinanicdkanisclie Wirtschaft HHd diC USA* / Von Dr. Erich Gottfeld Verfolgt man die letzten Wirtschafts- Berichte über die nord-, süd- und mittelamerikanische Binnenwirtschaft», so ergibt sich immer deutlicher eine Verstärkung der Werbung der Vereinigten Staaten im lateinamerikanischen Wirts ehartsraum. Die schon 1934 zum Ausbau der Handels- Beziehungen zwischen Nordamerika auf der einen und Süd- und Mittalamerika auf der anderen Seite gegründete nordamerikanische Export-Importbank, von deren. Tätigkeit man lange Zeit nichts hörte, rückt in den nordamerikanischen Wirtschaftsberichten immer mehr in den Vordergrund. Diese Bank soll vor allem IIIGAiR.EN W§IP | Frankfurt/Main, Zeil 49 |Ss*©fl» und SSaeiR verkauf | Versand ab Mk. 20.- frei Haus die Aufgabe haben, den Export Nordamerikas .nach den lateinamerikanischen Ländern zu finanzieren. Umfassende Finanzpiäne sollen, wie berichtet wird, zu diesem Zweck bereits aufgestellt worden sein. In diesem Zusammenhang wird u. a. von Millionen kr editen aus USA. für den Ausbau des brasilianischen Verkehrswesens gesprochen. Auch' für die mittelamerikanisehen Länder sind Kredite teilweise auch in Form von Exportbevorschussungen vorgesehen. Die Werbung der USA. in den lateinamerikanischen Ländern nimmt zu. U. a. sind, ständige nordamerikanische Mustermessen in wichtigen süd- und mittelamerikanischen Handelsplätzen geplant. In Pu-, erto Rico soll eine solche .Messe bereits in diesem Herbst stattfinden, und ein ständiger nordamerikanischer Informationsdienst über die Lage auf den süd- .und mittelamerikanischen Märkten soll eingerichtet und ausgebaut werden. Schon im ersten Vierteljahr 1938 stieg die Einfuhr Brasiliens aus USA. gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres von 2,18 auf 2,41 Millionen Gold-Pfund, und die Einfuhr Chiles von 54 auf 76 Millionen Pesos. Der" Einfuhrbedarf der großen südamerikanischen Staaten ist in letzter Zeit überhaupt im ganzen gestiegen — eine Situation, die USA. jetzt auszunutzen Beginnt. Da aber der Außenhandel rückläufig war, ist es fraglich, oB nicht auch die Einfuhr der südamerikanischen Staaten in nächster Zeit gedrosselt werden wird. Die argentinische Ausfuhr ist in der ersten Hälfte des Jahres 1938 gegenüber dem ersten Halbjahr 1937 von 1409,3 auf *712,2 Millionen Pesos gesunken, — aber die Einfuhr von 669,1 auf 747,3 Millionen Pesos gestiegen; 1937 bestand noch ein Ausfuhrüberschuß von fast 750 Millionen Pesos. Infolge der durch diese Situation bedingten Devisenlage soll Argentinien in der Schweiz und in Holland bereits Anleihen aufgenommen haben. Mit USA. wird in gleicher Richtung verhandelt. Als Gründe für die Verschlechterung der Außenhandelslage Argentiniens werden einmal die schlechten Weizen- und Maisernten bezeichnet, zum anderen der Rückgang der Weltmarktpreise für Getreide und Leinsaat. Vergleiche mit früheren Jahren lassen jedoch erkennen, daß diese Außenhandelslage durchaus nicht be* sorgniserregend ist. Die Binnenkonjunktur ist nach wie vor gut, und im Vergleich zu früheren Jahren ist auch der Außenhandel nicht als anormal zu bezeichnen. Lediglich gegenüber dem Vorjahre, das besonders günstig war, ist das Gesamtbild verschlechtert. Die erwähnte Einfuhrsteigerung ist deshalb ein günstiges Zeichen, weil sie immerhin eine stabilgebliebene Kaufbereitschaft des argentinischen Marktes dartut. Für die nächste Zukunft wird alles davon abhängen, ob der Rückgang der Ausfuhr aufhört oder nicht. Aus den Berichten und Statistiken geht indes deutlich hervor, daß sich die argentinische Binnenkonjunktur tatsächlich weiter gut entwickelt. Das Bauprogrammund der Ausbau der Verkehrswege werden, wie vorgesehen, ohne Verzögerung durchgeführt. Im kommenden Etat sind weitere Erhöhungen zur Durchführung der Wirtschaftsplanungen vorgesehen. Aus diesen und anderen Gründen sehen daher Kenner der argentinischen Wirtschaft den Rückgang der Ausfuhr als vorübergehende Erscheinung an und sagen auch der argentinischen Binnen Wirtschaft einen weiteren Aufschwung voraus. Ein ähnliches Bild zeigt die Außenhandelslage Brasiliens. Im ersten Vierteljahr 1938 ging die Ausfuhr um 2,09 Millionen Gold-Pfund zurück, während die Einfuhr um 1,87 Millionen stieg. Der Ausfuhrüberschuß des Jahres 1937 (1,61 Millionen) hat sich demgemäß 1938 in einen Einfuhrüberschuß von 2,31 Millionen Pfund Sterlingverwandelt, wobei die erhebliche Einfuhr aus USA. eine besondere Rolle spielt. Gleiches gilt für die chilenische Wirtschaft. Auch hier wird eine Erhöhung des Imports und ein gewisser Ausfuhrrückgang verzeichnet, der sieh zwar auf dem Binnenmarkt in gewissem Umfang (Kupferbergbau) ausgewirkt, jedoch andere Gebiete, besonders innerhalb der Konsumgüterindustrien, keineswegs betroffen hat. Somit ist der erwähnte Verlust im ganzen wettgemacht worden. Im übrigen zeigt die chilenische Arbeitslosenstatistik, daß sich die gute Binnenkonjunktur weiter halten konnte. Angesichts der sich in zunehmendem Maße bemerkbar machenden Aufschwungstendenzen in den Vereinigten Staaten dürfte der chilenische Kupferexport wieder bessere Aussichten haben. So ist, wenn nicht alle Anzeichen trügen, für die nächste Zukunft mit einer Belebung der Wirtschaft sowohl im südals auch im mittelainerikanischen Wirtschaftsraum zu rechnen. You'll be surprised ... / Von Lessie Sacks-Wagner Von der Wesensart des New Yorkers Meine Lieben, Ihr dürft mich keinesfalls steinigen für das, was ich Euch jetzt sagen will: nach meinen Beobachtungen ist New York eine ____ soll ich das Wort wagen? — eine beschauliche Stadt. Nicht das Stadtbild, meine Herrschaften, nein, das Stadtbild ist großartig, mit einem Schwung und Unternehmungsgeist sondergleichen ist diese Stadt gebaut. Da ist keine Spur von beschaulich ... aber eben, ... wenn man z. B. einkaufen geht. Man kauft also sein Pfund Aepfel, sein Brot, Fleisch und sechs Eier — alles in einem Geschäft. Da mußt Du Zeit haben; denn so schnell kommst Du aus dem Laden * nicht heraus, wie Du vielleicht möchtest, und wenn Du die Platze kriegst, nervöser Europäer. Warum nicht? Weil der Verkäufer sich mit Dir unterhält. Der Verkäufer heißt Steve oder Harry, und Steve oder Harry wollen wissen, wie Dir das Wetter heute gefällt. Es geht lang und breit über das Wetter. Dann schenkt man Dir einen Riesenknochen zum Rindfleisch und dem Kinde einen Pfirsich. Dann geht es lang und breit über dieses Kind im besonderen, ferner über sein Kind, dann über Kinder im allgemeinen, dann über die Zeiten, und wenn es allmählich doch dazu kommt, daß er Dich fertig bedient und Du mit dem Eroberten abziehen willst, so erlaubt er das nicht. Mit der Grandezza eines Edelmannes lehnt er es ab, daß Du es trägst. Es wird geschickt. Frauen mit einem Kind an der Hand sind überhaupt gut daran in dieser Stadt. Man leidet es nicht, daß Mutter und Kind in der überfüllten Subway stehen müssen. Für Mutter und Kind wird ein Platz freigemacht, das ist eines von den ungeschriebenen Gesetzen. Wenn man in New York den Schutzmann um den Weg fragt, denkt er nach, dann setzt er die Pfeife an den Mund, um den Verkehr freizugeben, dann pfeift er nicht, weil ihm indessen eingefallen ist, wie Du an Dein Ziel gelangst, dann erklärt er es Dir, dann pfeift er, und die Autos sausen los. Meiner kleinen Dorothee flog das Hütchen vom Kopf, als wir fast über dem Fahrdamm waren. In demselben Augenblick wurde das Signal grün, die Autos ^j.GufKind&Go. sä Berlin - Schiineberg, Martin - Luther - Str. 26 / Telefon 77 20 20 Ausland-Uebersee fuhren an, und ich entfloh mit dem Kind, aber ohne Hütchen. Was tat der Schutzmann? Er stoppte alle Autos ab, rettete das Hütchen, überbrachte es, ging zurück und gab das Signal zum Weiterfahren. Die Signale wechseln hier etwa alle zwei Minuten, in großen Abständen also. Der Chauffeur sieht: rot, hält und starrt das Signal an. Dann vergißt er das. Das Signal ist längst grün, er hält. Er hat ein bißchen geträumt. Das habe ich in der Nähe der 72. Street und der Columbus Ave wiederholt beobachtet. Der Chauffeur weicht einem auf dem Fahrdamm rollenden Kinderball in weitem Bogen aus. Gelächter, Amüsement! Ich weiß nicht, ob es an mir liegt oder an der ... beschaulichen Stadt. Die 15 Dollar Wochen - Budget in USA« Oft wird dem Einwanderer nach USA. die Frage vorgelegt, wie er mit den 15 Dollar Wo eh engehalt, die er vielleicht am Anfang in New York verdient, auskommt. Wir wollen das an einem praktischen Beispiel erläutern und mit der Tatsache rechnen, daß man in New York mit 10 Dollar, die noch vom Taschengeld übrig sind, oder sonst vor irgend jemand zur Verfugung gestellt wurden, an Land geht. Die ersten Ausgaben, wie Gepäckträger und die Beförderung der Koffer zum Hotel oder zu dem von Freunden gemieteten Zimmer werden gewöhnlich von den uns erwartenden Bekannten ausgelegt, da wir uns mit dem neuen fremden Geld doch nicht zurecht finden würden. Das Leben in den ersten Wochen, bevor man sich für eine Stellung interessiert, ist gewöhnlich sehr teuer. Von keinem ist wohl anzunehmen und auch niemandem zu raten, bereits nach wenigen Tagen, selbst wenn man eine Stellung angeboten bekommt, diese sofort anzunehmen. Es mag vielleicht ein wenig sonderlich klingen, aber wir alle haben es selbst an uns bemerkt: die ersten Tage in New York bringen so viel Neues und Unvorstellbares, daß wir unwillkürlich an unsere Kindheit erinnert werden, als wir zum erstenmal eine Theatervorstellung sahen. Wir waren benommen von den Eindrücken und wußten vor Verwunderung kein Wort zu sagen. So ungefähr geht es uns auch hier. Wir sehen uns die Riesenstadt an, betrachten die Menschen, fahren mit 60 km Geschwindigkeit mit der Subway, besteigen das Empire State Building mit seinen 102 Stockwerke^ gehen in Restaurants und Cafeteria. Wir kommen nach Harlem, nach Chinatown, überqueren den Hudson, um ein Bild von Jersey zu bekommen, dann zurück nach Brooklyn, bis wir wieder an die Küste des Atlantischen Ozeans ge- Unsere Freunde haben sich in der Zwischenzeit bemüht, uns irgendwo unterzubringen, und wir sind ihnen dankbar, daß sie uns zu einem 15 Dollar-job verholfen haben. Hier beginnt das New Yorker Leben, wir sind auf uns selbst angewiesen. Ein kleiner Kostenanschlag für das tägliche Leben wird schnell gemacht; doch wir wollen sehen, was die Praxis ergibt. Wir mieten also zunächst ein Zimmer. So sehr man auch nach dem günstigsten sucht; 4,50 Dollar wöchentlich ist das Minimum. In der Gegend zwischen der 70. und 100. Straße auf der West Manhattan-Seite sind sog. Rooming- und Boardinghäuser, die viele einzelne möblierte Zimmer zu vermieten haben, und dieses ist auch die Gegend, wo sich im Laufe der letzten drei Jahre eine kleine Kolonie von Juden aus Deutschland gebildet hat. Die Untergrundbahnfahrt nach Downtown, wo sich das Geschäftsviertel befindet, nimmt ungefähr 15 bis 20 Minuten Fahrt in Anspruch, und wer die 5 cent Fahrgeld sparen will, muß sich auf einen Zweistundenweg gefaßt machen. Also bleibt uns nichts weiter übrig, als die 10 cent für die Hin- und Rückfahrt? zu opfern. Beinah hätten wir das Frühstück vergessen. Dieses ist natürlich nicht in unserer Zimmermiete inbegriffen, und das nächstliegende Cafeteria zieht uns herein. Wir lesen an den Schildern, die über dem Buffett angebracht sind: Spezial Nr. 1: Orange, Coffee, Toast: 10 cent; Nr. 2: Orange, Oatmeal (Haferflocken) oder Farina ((Grießbrei) Coffee and 2 Doughouts (Gebäck mit Zucker und Zimt): ,15. cent; Nr. 3: Orange- oder Tomato-Juice, Coffee, Tea oder Milch, 1 Ei und Toast: 20 cent; und so gibt es noch fünf verschiedene Spezial-Breakfasts bis zu 40 cent. Wir nehmen Nr. 2, bezahlen beim Herausgehen 15 cent und springen mit der Morgenzeitung bewaffnet, für die wir 2 cent bezahlen, in die U-Bahn. Bevor wir ün Geschäft sind, haben wir also schon 17 cent ausgegeben, und um es rund zu machen, wollen wir gleich die Abendzeitung mit einkalkulieren, für die wir diesmal 3 cent bezahlen. 20 cent sind bereits weg. Nun haben wir Zeit bis zur Lunchtime. Wir überlegen: Restaurant, Cafeteria oder Hot-Dog-Stand (Würstchen-Bude). Well; das letzte klingt preiswert, aber nicht sättigend. Cafeteria heißt bei Selbstbedienung 30 bis 35 cent mehr, aber ausreichend; während wir im Restaurant unter 70 cent mit Trinkgeld nicht wegkommen. Also: hinein ins Cafeteria. Vorspeise oder Suppe: 10 cent. Hauptgang, ohne Fleisch, also verschiedene Gemüse, Fisch oder Kartoffelpuffer etc.: 25 cent, und der Nachtisch, ein Stück Kuchen oder Pudding kostet nochmals 10 cent. Für Fleischgänge müssen wir 40 cent opfern, aber dann wird man garantiert satt.. Butter und Brot gibt essowieso zu. Mit etwa 40 bis 45 cent weniger in der Tasche verlassen wir das Cafeteria. Nachdem wir nun satt sind, fällt uns ein, daß uns ein Eiscremsoda und ein Sandwich für zusammen 20 cent doch genügt hätte. Doch wie gesagt, der Gedanke kommt uns erst, wenn wir gesättigt herauskommen. Auf den Soda oder Kaffee am Nachmittag können wir nicht verzichten, und so gehen wieder 15 cent weg. Unsere Tagesausgabe stellt sich bereits auf 75 cent. Zum Abendbrot genügen uns zwei Sandwichs und ein Glas Milch für zusammen ungefähr 25. bis 30 cent, und nachdem wir wieder zu Hause angelangt sind, stellen wir fest, daß wir einen Dollar ausgegeben haben. Wir haben nun noch einen Brief zu schreiben und das Telefongespräch, das wir schon gestern machen wollten, kann nicht mehr verschoben werden. Das heißt: 5 cent Briefmarke, 5 cent Telefongespräch; Summa: 10 cent. Wir könnten nun schlafen gehen, and call it a day. Aber ehrlich, New Yorker: wie oft machen wir das? Zweimal die. Woche. Ich will schon hoch greifen und sagen, viermal wöchentlich bleiben wir nach getaner Arbeit zu Hause for a good night sleep. Da bleiben immer noch drei Tage übrig, an denen wir ausgehen: für einige Drinks, das Kino oder eine sportliche Veranstaltung müssen wir 40 cent rechnen, und nicht selten kommt es vor, daß wir einen guten Freund oder eine Freundin einladen müssen. Diese und ähnliche Ausgaben wollen wir täglich mit 25 cent einsetzen. Alle acht Tage ist die Wäsche fällig: 2 cent kostet ein Taschentuch, 5 cent ein Paar Strümpfe (mit Stopfen) und 10 cent ein Oberhemd waschen. Klingt gut; aber zusammengerechnet wöchentlich 80 cent. Was, schon wieder neue Absätze für die Schuhe? Und auch der Anzug muß aufgebügelt werden? Morgen kommt wieder der Friseur dran. Nun, da ist ja der Dollar weg, den ich mir eigentlich diese Woche sparen wollte! Aber da hilft nichts. Hier ist es schwarz auf weiß: Miete wöchentlich.......S 4.50 Essen täglich S 1.—; wöchentlich . S 7.— Fahrgelder, Zeitungen, Briefmarken, Telefonate........ . S 1.— Unterhaltung, Vergnügen.....S 1.20 Wäsche...........S 0.80 Sonstiges...........S 0.50 Zusammen......15.— Chas. H. Fraenkelt New York

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