Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 44 (3.11.1938)
- Date
- 1938-11-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 6 C.-V.-Zeitung Nr. 44 * 3. November 1938 Ich komme nie ohne Ansprache nach Hause.-Ich gehe still und eifrig vor mich hin, warte an Straßenecken auf Busse, suche Hausnummern, gehe in Geschäftshäuser, und es gelingt mir nicht, Unterhaltungen zu vermeiden. In dieser als hastig und nervös verschrienen Stadt steht man da auf der Straße und schwatzt...! Nein, es ist kaum zu glauben. Ich komme z. B. aus dem Hause heraus und werde prompt von einer älteren Dame angesprochen: „Entschuldigen Sie ... ist das ein tmgewöhnlich heißer Tag heute?" Ich gebe die nicht sehr erschöpfende Auskunft: „Well..." Sagt sie: „Ich fühle mich nämlich nicht wohl; deshalb dachte ich, strengt mich die Hitze besonders an. Ich fühle mich schon seit einigen Tagen nicht wohl..— Und so weiter. Endlos. Mit vielen good-byes und all good wishes verabschieden wir uns schließlich. Oder: ich habe ein Köfferchen in der Hand und warte auf den Bus. Kommt ein Junge: ob ich ein Taxi will? — Ich will keins. — Sagt eine Dame: „Was wollte er?" Ich §ebe Auskunft. — „Oh, ach so, er dachte, ie wollen out of town, weil Sie das Köfferchen haben. Warten Sie auch auf Nr. 7?" — Wir fahren zusammen. Heißer Tag, nicht? — Langer Schwatz bis nach Hause, Winken, Lächeln ... Oder: ich ziehe einen Zettel aus der Handtasche,, um mich der Straße und Hausnummer zu vergewissern. Kommt ein Arbeiter angestürzt: „Haben Sie sich verlaufen? Wo wollen Sie hin?" — Wir zerbrechen uns gemeinsam den Kopf, wie ich am besten dahinkäme. Many thanks! Good luck to you! Don't get lost. Er zieht vergnügt ab, ich auch. Wenn man ein Kind an der Hand hat, ist überhaupt kein Weiterkommen. Da führt die Unterhaltung über „isn't that a cute child" ... und „oh, your English is marvellous" . .. unweigerlich bis zum Adressenaustausch. Auf diese Weise waren wir bei einer sehr netten Familie in New Jersey zu Gast. Aber lassen wir das Kind beiseite; es bieibt zu Hause, basta. Bei wem bleibt es zu Hause? Der Vater hat bestimmt eine wichtige Verabredung, wenn die Mutter ihrerseits auch eine hat; auf den Vater ist nicht zu rechnen. Von den Großmüttern und Tanten trennt uns der Ozean. Das Kind bleibt beim elevator-man. Beim Hausmeister. Bei Leuten im Hause. Bei flüchtig " Bekannten. Bei ... nun irgendwo in New York bei irgendwem ... Ich habe aber von kleinen Kindern gehört, die nicht bleiben, die ein großes Geheule beginnen und die Eltern entsetzlich hindern. Deshalb, liebe Eltern, gehört es zur Auswanderungsvorbereitung, daß man seine Kinder von sich unabhängig macht. Natürlich ist Amerika kinderlieb, und eine so gute Visitenkarte ein Kind bei einem privaten Besuch sein kann, so störend kann es bei einer geschäftlichen Besprechung wirken. Und damit sind wir bei den geschäftlichen Besprechungen, und die sind eigentlich, wie überall auf der Welt, unangenehm. Aber hier in diesem Lande sind sie vielleicht doch um einen Grad weniger unangenehm als anderwärts. Der Amerikaner hat einen gewissen Freimut in seinem Benehmen, eine liebenswürdige Art und Weise, die jeder Besprechung sofort eine private Atmosphäre gibt. Er ist höflich, neugierig, stets bereit zu Unterhaltungen. Natürlich ist man zunächst immer an der falschen Stelle. Man wird weitergeschickt, bekommt Empfehlungsbriefe, ist wieder an falscher Stelle. An dieser falschen Stelle ist aber zufällig ein Mann, der sich vielleicht für unsere Arbeit interessiert. Man stürzt hin, der Mann ist auch falsch. Es ist ein großer Betrieb, ich drehe mich wie ein Kreisel, um den Fahrstuhl zu finden, und prompt komme ich zu meiner Ansprache: „Wo wollen Sie hin? Was wollen Sie verkaufen? Aber Sie sind an falscher Stelle I —" Wir stehen da und schwatzen. Adressenaustausch. Man hat mir gesagt, um in New York einen „job" zu finden, müsse man elegant, jung und hübsch sein und verstehen, arrogant aufzutreten. Wenn Ihr mir schwört, das Folgende streng vertraulich zu behandeln, dürft ihr weiterlesen: es ist mir nie gelungen, elegant zu wirken, obgleich es mir vor Jahren gelang, jung zu sein ... aber was Hübsch-und-arrogant-sein anbelangt, bin ich ein völliger Mißerfolg. Sorry. Und übrigens ist all das glatter Unsinn.'Ich habe den Eindruck, daß der Amerikaner einen gewissen Spürsinn dafür hat, ob die Arbeit, die ihm angeboten wird, gut ist oder nicht. Er prüft die Fähigkeiten sehr genau, und wenn man überhaupt einen Rat geben darf, wie man auftreten soll, so möchte ich sagen, daß man höflich und sicher sein soll und nach Möglichkeit in dem eigenen Berufsfach einen „job" suchen sollte. Es ist besser, nicht als Bittsteller aufzutreten. Die Leistung, die man anbietet, ist ja schließlich etwas wert, und „the European background" wird durchaus geschätzt. Natürlich ist es schwer, wenn man an zehn falschen Stellen war, bei der elften noch höflich und sicher zu sein, und es ist ärgerlich, zu sehen, daß man Inserate beantwortet hat, für die man gar nicht in Frage kommt. Man möchte immer wieder die Freunde, die noch drüben sind, bitten, nicht allzu viel zu erwarten. Denken wir doch an unsere Anfänge zurück, als wir noch :— vor einigen Jahren — jung waren, war es denn leicht? Es war doch auch mühsam, sich durchzusetzen. Unterdes treibt man also durch New York und lernt ..., daß man sich am Telephon zunächst nach dem Ergehen der ganzen Familie erkundigen muß und Auskunft über die eigene zu geben hat, ehe man das Sachliche besprechen kann. Das heißt, man muß einen beschaulichen Schwatz machen. Der Amerikaner hat die Ruhe weg, wie wir sagen, er lacht gern, und er hat neben dem so bezeichnenden Ausdruck „take it easy" einen zweiten, für seine Wesensart ebenso bezeichnenden „forget about it". Vergiß diesen Aerger. Vergiß ihn, vergiß! Wir sind viel schwerfälliger, vieJ. mehr an Sicherungen aller Art gewöhnt. Aber der Amerikaner ist an Ueberraschungen gewöhnt, keineswegs an Sicherungen. Er ist eigentlich seines Lebens nicht so recht sicher, wenn man an die „kidnapping"-Affären denkt oder an dieses übertriebene Wetter, das Amerika kürzlich mit einem hurricane überraschte, der viele, viele Menschenleben kostete ... Es gibt noch eine Redensart hier: „You'll be surprised", Sie werden überrascht sein. Und das waren wir, als wir in New York förmlich im Regen ersoffen. ... Forget-about it. Der Amerikaner kann das, der Europäer kann das zunächst nicht. Es ist eben eine große Verschiedenheit der Mentalität da, der Lebensauffassung überhaupt. Wenn du krank bist, bietet dir jeder Amerikaner sein spezielles Heilmittel an, mit der Bitte, deinem Doktor nichts davon zu sagen. Er bringt dir gleich ein Fläschchen mit,' und das mußt du einnehmen, armes Wurm. So verlassen wie du meinst, bist du überhaupt nicht, wenn du krank bist. Erstens sorgen alle eingewanderten Aerzte vorbildlich für dich, wie überhaupt die Hilfsbereitschaft der Refugees untereinander sehr groß ist (You'll be surprised ...!). Zweitens sorgt der elevator-man dafür, daß das Haus davon erfährt. Als ich blaß und schwankend wieder erschien, fand er mich „okay". Vorher aber rief auf seine Veranlassung eine völlig unbekannte Dame an, sir wohne über uns, und was sie tun könne? Erschien mit Heilmittel und Kuchen — langer Schwatz. Und was für ein Schwatz, auf Englisch, mit Fieber! Das Kind nahm man uns ab. Das muß noch mit der Angewiesenheit auf gegenseitige Hilfe aus der Pionierzeit zusammenhängen. Die Amerikaner geben immer Hilfestellung. Jemand sagte mir einmal: wir Amerikaner sind wie eine große Familie. Daran ist viel Wahres. Daher der Schwatz auf der Straße; daher auch die familiäre, persönliche Form der Zeitungsberichterstattung. In einem Bericht, der über uns in einer St. Louiser Zeitung stand, schrieb der Interviewer, er hätte uns in unserer netten Zweizimmer-Wohnung vorgefunden, als wir gerade auf die Rückkehr unseres Töchterchens aus dem Kindergarten warteten. Diese Einleitung eines Interviews ist bezeichnend; sie stellt die persönliche, private, familiäre Beziehung her: Eltern, die auf ihr Kind warten. — Beschaulich. — Von den Fliegern Hughes und Corrigan wurde genau berichtet, wie sie angezogen waren, ob sie-müde aussahen oder lächelten. Kurz, die Zeitungen machen einen Schwatz. Die Amerikaner lesen enorm viel Zeitung. In der überfüllten subway hängen sie in den unbequemsten Stellungen' an den Griffen und lesen Zeitung, während wir schon zu Hause auf dem Sofa die größte Mühe mit dem Riesenformat haben. Die Berichterstattung ist natürlich glänzend. Tatsächlich wird man über die Vorgänge der ganzen Welt orientiert, aber immer gi\>t es einen kleinen Abstecher in das Persönliche, z. B. wird berichtet, daß Herr Chamberlain seinen Regenschirm vergessen hatte, und daß er einen Frühstückskorb mitbekam, als er in das Flugzeug stieg. Dies alles ist es, was ich in der Wesensart des Amerikaners als beschaulich bezeichne, und das Bild der smarten Herren, die nur „business" sprechen, ist mir davongeflogen ... Besonders, wenn ich mit ihnen gemeinsam am Battery-Place stehe, dem Hafen, und über den Hudson schaue. — weit, weit hinüber bis dorthin; HEUBS&T LIEBENTHAL. Spedition Umzugstransporte nach allen Erdteilen Berlin W 8, Kronenstr. 33 Fernruf 16 37 40 wo man nur noch Himmel und Wasser sieht — gen Osten, wo weit über dem Meer Europa liegt. Und dann drehe ich mich um, und steil aufgetürmt, stolz und uneinnehmbar steht vor mir die Stadt New York. L Malkiel: Einführung ins Spanische für jüdische Auswanderer. Varia- Verlagsauslieferung, Berlin 1938, Ein Fachmann, der ein neuerschienenes Lehrbuch auf seine Brauchbarkeit zu prüfen hat, sollte sich in der Hauptsache folgende Fragen zur Beantwortung vorlegen: 1. Ist die Erklärung der Aussprache auch dem Laien und Alleinlerner genau verständlich? 2. Baut sich die Grammatik methodisch geschickt auf? 3. Wird der gebotene Wortschatz den besonderen Bedürfnissen des Lernenden gerecht? 4. Bieten die Texte Anregung und Gelegenheit zu Sprechübungen? Dieses vor kurzem veröffentlichte Werkchen wird den oben gestellten Forderungen durchaus gerecht. Es führt den ungeschulten Laien in leichter Form in die (an sich ja nicht allzu schwere) spanische Aussprache ein, wobei die geringen Abweichungen des südamerikanischen Idioms berücksichtigt werden. Der grammatische Aufbau ist mustergültig; die Vermittlung des Wortschatzes erfolgt derart, daß der Lernende eine Anzahl zusammengehöriger Wörter, etwa die Ausdrücke, die in der Landwirtschaft benötigt werdet:, in kleinen „Dosen" verabfolgt bekommt, *o daß es ihm nicht allzu schwer fallen kann, sie schon aus dem Zusammenhang herauszu behalten. Zudem hat er sogleich danach Gelegenheit, dieselben Wörter in einem zusammenhängenden Lese- und Uebersetzungsstück praktisch angewandt zu lesen und in Sprechübungen sich zu eigen zu machen. Ganz allgemein ist also diese Neuersehel-" nung sehr zu begrüßen, insbesondere da sie,- äuch dem Kursleiter in Kleingemeinden, der meist über gute persönliche Sprachkenntnisse, nicht aber über Lehrerfahrung' verfügt, ausgezeichnete Anleitungen für seinen Unterricht bietet. Wenn es erlaubt ist, dem Verfasser für eine etwaige Neuauflage einige aus eigener Lehrerfahrung gewonnene Hinweise und Verbesserungsvorschläge zu machen, so sei noch hinzugefügt, daß ein angehängtes Wörterverzeichnis für Deutsch-Spanisch und Spänisch-Deutsch, eine Erweiterung des Arbeitsstoffes durch weitere Texte, eine Verstärkung der Attraktivität durch Einfügung leichter Anekdoten sowie eventuell die Anfertigung eines sogenannten „Schlüssels" für die Alleinlernenden zur Kontrolle das an sich so brauchbare Büchlein noch empfehlenswerter machen würde. Heinz Cohn Rund um Rosch- Haschana in Chicago Chicago (III.), Ende September Und es begab sich im Monat September, daß ich in einer Cafeteria „downtown", d. h. in dem Geschäftszentrum, gerade zur Lunchzeit versuchte, noch einen Platz an einem Tisch zu erwischen, an dem ich mein Tablett abladen könnte. Und ich landete an einem Tisch, an dem drei Mädchen bereits ihr Mittagsmahl verzehrten. Nachdem ich meinen Teller mit Fisch und Kartoffeln, mein Schüsselchen mit Kompott, meinen Teller mit Brot und Butter, meinen Eis-Tee und mein Besteck hübsch aufgebaut hatte, bat ich meine Nachbarin um den Zucker. Wonld you pass the sugar, please! Ich süßte meinen Tee und fing an zu essen. Als ich zufällig mal aufblickte, sah mich meine Nachbarin mit großen Augen an. Ich wußte nicht, wie ich es auffassen sollte, und aß weiter. Später, als ich wieder aufblickte, sah sie mich immer noch erstaunt an und sprach: Are you a German? Do you speak Jewish or Hebrew? What are you doing? How do you like it here? Ich stand getreulich Rede und Antwort, hatte aber auch einige Gegenfragen, so z. B.: Finden Sie immer so, schnell Fremde heraus? Woran haben Sie mich denn erkannt? Und nun kam's! An der Sprache natürlich, an der Aussprache! Aber dann sagte sie, sie wolle mich mit ihren Brüdern bekannt machen, die mich bestimmt gut leiden könnten. Ich hielt es in diesem Augenblick für unpassend, für verfrüht und vor allem für überflüssig, zu fragen: And how about yoji? (Und Sie?). Diese Geschichte erzählte ich meinem Freund Henry, mit dem ich abends zusammen esse. Der meinte, du wirst zwar vielleicht deinen Haarschnitt verlieren, aber nie deinen Sprachklang. So darf es nicht verwundern, daß ich mir eine Karte zu dem Gottesdienst besorgte, der für die Juden aus Deutschland im Gemeindehaus der Sinai-Gemeinde auf der Südseite Chicagos eingerichtet worden ist. Ich hatte einer Amerikanerin versprochen, sie am Samstagabend auf der Westseite, im Jewish People's Institute, abzuholen, wo sie bis 9 Uhr einen Klub leitet. Dieses Institut ist eine Volkshochschule mitten im jüdischen Distrikt, der auf einer Quadrat-Meile 100 000 Juden beherbergt. Daß hier zahlreiche Synagogen, alle hell erleuchtet, mit großen Schildern zum Besuch .einladen, dürfte niemand in Erstaunen versetzen. Wir aber gingen in die Hauptstraße, in der alle Geschäfte offen waren, und betrachteten die neuen Herbstmodelle. Diese Nacht war ohne Zweifel Hauptgeschäftszeit, Frauen eilten mit großen Papiertüten aus Metzger- und Bäckerläden, und Schuhe und Ledertaschen schienen ein besonders begehrter Artikel zu sein. In den Konfektionsgeschäften sah man Kunden Anzüge und Kleider probieren. Hochbetrieb hatten die Papier Warengeschäfte, die New Year Cards verkauften. Ich sah mir diese Karten genau an: es waren Dreifarbenkarten, die auf der Innenseite ein Gedicht enthielten. In einem Karton lagen Karten für den Vater, im nächsten die für Mutter, Großvater, Großtautter bestimmten. Schließlich entdeckten wir solche für boyfriends and, sweethearts. „Hier sind wir richtig", meinte ich zu meiner Begleiterin. Da das aber auch die' Verkäufer hörten, war meine Begleiterin ein wenig schockiert, und wir verließen den Laden schnell. Leider hatte ich nur 10 cent in der Tasche und konnte so die Karte nicht kaufen, in der das Mädchen seinem boyfriend u. a. versichert: „I am always keen about you". Die Amerikanerin konnte sich über diesen Slangausdruck kaum beruhigen, ich aber fand ihn klar und deshalb sehr lobenswert. Am Erew Rosch Haschana war ich pünktlich auf dem Weg zum Gottesdienst; -je mehr sich die Straßenbahn dem Gemeindehaus näherte, um so mehr füllte sie sich mit Juden, die alle zur Synagoge wollten. Zu Beginn des Gottesdienstes wurden in feierlichem Zuge vier Torarollen in den Saal getragen, die vor kurzem aus Deutschland hierher gebracht wurden. Der junge, aus Deutschland kommende Rabbinatskandidat, hob die Bedeutung dieses Geschehens hervor. Später wurden Glückwünsche zwischen dem amerika- . nischen Beschützer dieser neuen Gemeinde und dem Vorstand ausgetauscht. Der Rabbiner behandelte in der Predigt die Bedeutung des Friedens für das Schicksal des Judentums. Als wir das Gemeindehaus verließen, gingen die amerikanischen Brüder in den Tempel, der in unmittelbarer Nähe liegt. Auf dem Weg^nach Hause entspann sich zwischen mir und der 16jährigen Tochter meiner Freunde folgendes Gespräch, das nur auf englisch echt klingt. Es macht die Schnelligkeit der Eingewöhnung und den Gegensatz zwischen Eltern und Kindern, der sich zuweilen daraus ergibt, deutlich. Sie: „The Rabbi is a very goodlooking man, he looks very distinguished. Does he speak English?" Ich: „Sure,- He is already here since 1933!" Sie: „Oh, I am here since 1933 too!" Ich: „But you are too late, nevertheless! I think, he is -already engaged." Sie: „But engaged is not married!" Der Vater: „Sei doch nicht so kindisch! Mach dich doch nicht lächerlich!" Sie: „Where does he live?" Ich: „In Cincinnati!" Sie: „Daddy, why didn't we take him home!" Der Vater: „Ich kann deine dummen Reden nicht mehr mit anhören!" Was schon am So„.i Lagabend offenbar geworden war, bestätigte sich am ersten Rosch Hasel a .a-Tage: die Schwierigkeit, diejenigen Nigunim auszuwählen, die den meisten vertraut waren, war im großen und ganzen gut gelöst. Man könnte aber auf Grund der Mitgliederlisten die Herkunft genau ermitteln und dann zu noch besseren Resultaten kommen. Da es sich in hohem Maße um Menschen handelt, die in den Klein- und Mittelgemeinden Südwestdeutschlands sehr aktiv am Gottesdienst teilzunehmen gewöhnt waren, kam es zwischen Gemeinde und Chor manchmal zu Unstimmigkeiten. Sollte man nicht diese einzigartige Gelegenheit, wo alles noch im Werden ist und die Menschen geneigt sind, auf Neuerungen einzugehen, die Frage der Gottesdienstreform neu aufwerfen und zu neuen — vielleicht auch zu alten — Formen zurückkommen, jedenfalls zu Formen, die der kulturellen Herkunft der Beter genau entsprechen? E. R.