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Central-Verein-Zeitung · 1938-11-03 · 44 (3.11.1938) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
44 (3.11.1938)
Date
1938-11-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 4 C.-V.-Ze Itun (3 Nr. 44 * 3. November 1938 QsmesndemitgSieder! Denkt an die derbst- und. '%infer8>ep?ianzungen Moosbeete zum Preise von RM 10.-, 12.-, 15.-, 20.- und RM 25.-, grüne Beete RM 7.50, Winterschmuckauflagen von RM 2.50 bis 10.- für den Hügel. Tannendecken aus Rottanne: Im Erbbegräbnis: Großer Hügel RM 6.-, Doppelhügel RM 12.- Im Grabfeldc: Großer Hügel RM 4.-, Doppelhügel RM 7.50 Tannendeeksn für Gräber mit Steinumrandung: Im Erbbegräbnis: Großer Hü?el RM 2.-, Doopelhügel RM4„- Im Grabfelde: Großer Hügel RM 1.50, Doppelhügel RM 2.50 Wenden Sie sich bitte an die FriedhoSsgärteerei der Jüdischen Gemeinde Beriin-WeißeDSse, LoÜiriGgenstr. 22 / Tel.: 564036 Schriftliche und telefonische Auskünfte bereitwilligrat anziehurig eines mit den Bedürfnissen der Landwirtschaft vertrauten handwerklichen Arbeiterstammes. Es kommt hinzu, daß es unter den jüdischen Jugendlichen auch so ausgesprochen handwerkliche 'Begabungen gibt, daß es schade wäre, sie gewaltsam auf den landwirtschaftlichen Beruf abzudrängen. Das darf nicht so mißverstanden werden, als ob die Berufswahl des Einzelnen sich lediglich nach solchen Begabungen zu richten hätte. Gerade die Ludwig Tietz-Schule kann aber den gebotenen Ausgleich zwischen den Berufsmenschen des Einzelnen und den Notwendigkeiten des Landes herbeiführen helfen. Was verbindet die Schule und die in ihr lebenden Jugendlichen heute mit Ludwig Tietz? Vielen der Jugendlichen sagt dieser Name zunächst nichts. Sie spüren nichts von dem Zusammenhang, der zwischen dem Leben dieses Mannes und dieser Schule auf die Dauer besteht. Sie nehmen ihn hin als etwas Gegebenes, als eine Aufschrift über der Tür, als eine sachliche Bezeichnung. Man bemüht sich, diese Beziehung lebendig zu machen, zu zeigen, wie diese Schule die Verwirklichung vieler Ideen darstellt, die Ludwig Tietz Zeit seines Lebens für die jüdische Jugend gehabt hat, daß sich hier das Wunder vollzogen hat, daß ein Mensch, auch nachdem er nicht mehr am Leben war, durch seinen Namen hat Lebendiges schaffen helfen. Für die Jugendlichen ist es nicht immer leicht, diesen Zusammenhang ganz zu begreifen, auch wenn das Büd von Ludwig Tietz im Eingang zu den Werkstätten in seiner Lebendigkeit zu ihnen spricht. Ludwig Tietz hat nicht in Palästina gelebt, sein Leben war nicht das eines Arbeiters, das als Ideal dem Leben dieser Jugend vorschweben könnte. Und doch kann dieser Jugend der Zusammenhang zwischen ihrem Leben und dem Leben von Ludwig Tietz erschlossen werden, indem ihr die Gemeinsamkeit des Wollens klargemacht wird, die sie und ihn miteinander verbindet. Er ist für diese Jugend das Beispiel eines Juden, der im Kampfe für die jüdische Jugend und im Dienste für sein Volk sein Leben eingesetzt hat. Am Tage der fünften Wiederkehr seines Todes, am 5. November 1938, wird in einer Feier der Schule dieser Zusammenhang allen Jugendlichen und allen Mitarbeitern aufs neue lebendig werden. Auslandsnachrleliteii ^en in Verbindung setzen. Das Ergebnis dieses Schrittes steht noch nicht fest. Neu-Kaledonien Dr. M. Lasersohn, Genf, ein Mitglied der Exekutive von ORT-OSE, hat im Auftrag der Gesellschaft eine Studienreise nach Neukaledonien, Neuseeland und Australien unternommen. Nach Neukaledonien, eine dem australischen Festland vorgelagerte Insel, so berichtet er bei seiner Rückkehr, sei die Einwanderung von Kolonisten, Handwerkern und Kleinindustriellen in beschränktem Maß möglieh, und auf Grund seiner mit den Behörden geführten Unterhaltungen glaube er auch nicht, daß mit besonderen Schwierigkeiten bei der Einreise zu rechnen sei. Für Australien berichtete er von gewissen Chancen für junge Menschen in technischen und handwerklichen Berufen. Rumänien Nach den Verhandlungen, die der Präsident der Union rumänischer Juden Dr. Wilhelm Fildermann kürzlich mit dem Kommissar für die Minderheiten Silviu D r a g o m i r geführt hatte, hatte er jetzt auch eine Aussprache Uhren HERBErFkäTZ Goidwaren Ankauf G. B. II. 48548. W 30, Barbarossastr. 14. Tel. 26 21 32 mit dem Arbeitsminister R a 1 e a. Er übergab ihm im Anschluß an die Unterhaltung ein Memorandum, das sich besonders mit der Lage der Handwerker und Kleingewerbetreibenden befaßt. Der Minister versprach, die Denkschrift und ihre Vorschläge zu prüfen. Vereinigte Staaten Unter dem Vorsitz von Nicolas Murray Butler, dem Präsidenten der Columbia University in New York, hat sich ein besonderes Komitee zur Hilfe für Auswanderer aus der 1 Tschecho-Slowakei gebildet. Die aufgebrachten Beträge sollen vom Roten Kreuz verwaltet und verteilt werden. ScUmkt elf* M&HHetnmi auf die C.-V.-Zeitung sie schlägt Brücken zwischen euch und euren Freunden und Verwandten im Inland und im Ausland. Wir liefern Geschenk - Exemplare für m 3,— im mim®, m 6.— im fiusiausi für 6 Monate einschiießüch Porto Ueberweisen Sie den Betrag auf unser Postscheckkonto: Berlin 70344, und vermerken Sie auf dem Postscheckabschnitt genau Ihre Adresse und die des Empfängers oder senden Sie uns den folgenden Abschnitt ein. Australien Bei einem Flugzeugunglück kam Leonhard Abrahams, eine der führenden jüdischen Persönlichkeiten des Landes, Anwalt in Melbourne, im 51. Jahr ums Leben. Danzig Die jüdischen Aerzte haben eine Mitteilung erhalten, wonach sie ihre Tätigkeit zum Ende des Jahres einstellen müssen. England Außenminister Lord Halifax empfing am 26. Oktober Neville Laski, Six Robert Waü -..es e8 bi © € ü Isurse Sei t Total-Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe F. EHllE^IFiLD, Frankfurt a. Main, Zeil 104 ley-Cohen und A. G. Brotman als Vertreter des Board of Deputies of British Jewa zu einer Aussprache. Frankreich Zur Beisetzung Sir Robert Ludwig Monds (vgl. C.-V.-Zeitung Nr. 43 vom 27. Oktober) hatte sich auf dem Pere Laehaise eine große Trauergemeinde eingefunden. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Bauer, als Vertreter der Regierung war Minister Chappedelaine erschienen. Außerdem waren u. a. Abordnungen, der Aeademie Francaise, des Chemischen Instituts der Universität und der Studentenhilfe anwesend. Irland Der Erzbischof von Dublin hielt eine Ansprache, in der er ausführlich auf das Wanderungsproblem einging. Er regte an, Schritte zu unternehmen, um jüdische Kinder aus Deutschland einschließlich Oesterreich solange im Land aufzunehmen, bis ihre Eltern eine Möglichkeit zur Auswanderung und zur Existenzgründung gefunden hätten. Italien Mit der Einrichtung von Sonderabteilungen in den Volksschulen, in denen nur jüdische Schüler unterrichtet werden, ist begonnen worden. Lehrpläne und Lehrbücher stimmen mit denen der übrigen Schulen überein, lediglich für den Religionsunterricht sind besondere Richtlinien vorgesehen. Mit staatlicher Erlaubnis können jüdische Gemeinden auch eigene Volksschulen eröffnen, in diesem Falle sind aber die Kosten von den Gemeinden zu tragen. Mexiko Vierzehn Einwanderer, die auf Touristenvisa ins Land gekommen waren, sind von der Ausweisung bedroht. Mr. I. D. Wolf,' ein Mitglied des General Council for Jewish Rights, der zufällig zu Besuch in Mexiko war, hat bei dem amerikanischen Botschafter in Mexiko, Daniels, mit der Bitte interveniert, er möge sich mit den mexikanischen Behörden wegen Rücknahme der Ausweisun- Afosehied Aus dem Kreise der Mitarbeiter der C.-V.-Zeitung sind in diesen Tagen Herbert und Gretel Wiesenthal ausgeschieden, um nach USA. auszuwandern. Wir nehmen von ihnen Abschied mit jener Gefühlsmischung, die uns erfüllt, wenn liebe und wertvolle Menschen, mit denen wir täglich zusammengearbeitet haben, und mit deren Arbeit und Persönlichkeit sich zahllose Erinnerungen der eigenen Arbeit verknüpfen, gehen, um fern von uns neu ins Leben zu starten. Der Berichterstatterstab der C.-V.-Zeitung aus USA. erfährt . . durch beide gerade auf Gebieten, die bisher weniger stark in unserer Bericht- Hirsch-Pelze auch Reparaturen Tauentzäenstr. 4. Telefon: 246200 erstattung Berücksichtigung fanden, eine dankenswerte Erweiterung. Wir danken Herbert und Gretel Wiesenthal in diesem Augenblick des Abschieds von Herzen für den Fleiß, die Zuverlässigkeit und die Leistung, die sie unserem Verlag in allen seinen Abteilungen gewidmet haben und wünschen ihnen die Möglichkeit, ihre vielseitige Begabung drüben bald unter Beweis stellen zu können. A. H. still ging er an seine Arbeit. Seine aufgewTühiten Gedanken fanden immer wieder zum Flußufer; auch das stetige Schaffen gab ihm nicht die Ruhe zurück. Immer wieder sah er das tote Gesicht vor sich. Das Gefühl einer großen Sinnlosigkeit, der Fragwürdigkeit alles Lebens bedrückte ihn, den frommen Juden, der bis heute die Heiligkeit und Unantastbarkeit des Lebens über alles gestellt hatte. Warum nur, warum dies alles? Wie konnte es sein, daß der Tod stärker war, als das starke Leben, daß das übermächtige Leben ©inen Menschen in den Tod trieb! Wars nicht Sünde, das verliehene, von Gott verliehene Leben wegzuwerfen und ein anderes dazu? Wegzuwerfen? Konnte man nicht auch sagen: zurückzugeben! Wenn da einer war, der Leben gab, dann nahm er wohl auch wieder an, voller Gnade, voller Güte! Gedanken, nur Gedanken; wo war Sicherheit, Gewißheit? Unruhig ging er in den schmalen Nebenraum, wo die Bahre - stand. Er wollte noch einmal das Gesicht der Toten betrachten, vor diesem Anblick zur Ruhe kommen. Sie lag verhüllt, aus der wollenen Decke strömte der Geruch nach Stall und Pferd, gesund und zuverlässig, da scheute er davor zurück, die Decke zu heben, den Frieden zu stören. Gegen Abend kamen die Leute, bei denen die Tote gewohnt hatte, ein magerer jüdischer Schneider und seine Frau. Sie holten die Leiche mit einem geliehenen Wagen; der Schneider ging vorsichtig neben dem Pferd her, hielt fast ängstlich die Zügel und trachtete danach, dem schweren wuchtigen Ackergaul, der hinter dem kleinen verhutzelten Mann gewaltig und braunglänzend aufwuchs, ja nicht zu nahe zu kommen. Mit roten, verquollenen Gesichtern gingen sie fort, die Tränen troffen aus ihren Augen, daß die Wangen wie gebadet schienen; man hätte ihren vertrockneten Gesichtern eine solche. Fülle von Empfindungen, einen solchen Tränenreichtum, nicht zugetraut. Sores Gesicht war ganz aufgeschwollen vom Weinen, als sie dies alles Joskel berichtete, der am Nachmittag Werkzeuge aufs Gut getragen hatte, um seinen Gedanken zu entfliehen, und nun froh war, daß er diese Betrübnis nicht hatte mitansehen müssen. Wie alle kräftigen, großen Männer wurde er weich von Tränen und schmolz in Trauer hin, während sich seine Scham vor solcher Betrübnis empörte. Aber auch jetzt, da sie die Leiche geholt hatten, wurde ihm nicht leichter zumute. Spürte Sore gar nichts von dem, was ihn bedrängte? Mußte sie wieder die Hand zu ihm schieben, als sie in der Dunkelheit in ihren Betten lagen; er rührte sich nicht, stellte sich schlafend. Leise erhob er sich nach einiger Zeit, schlüpfte in seine Kleider; sie schwieg, auch, als er fortging. Es zog ihn hinab zum Fluß, er ging in die Dunkelheit hinein. Zuerst zögernd in der vollkommenen Schwärze der mondlosen Nacht, die ihn umfing, als er die letzten Lichter des Dorfes hinter sich hatte; er setzte Fuß vor Fuß, fast prüfend, als könne sich unerwartet ein Abgrund auftun und ihn verschlingen, ja, so war ihm auch zumute, ausgeliefert zu sein, an Gewalten und Mächte, die seinen gewohnten Gebeten unerreichbar schienen. Niemals war er so spät in der Nacht ins Freie gegangen, ohne Sinn, wie er glaubte; nach der Arbeit des Tages fiel der traumlose Schlaf über ihn her, oft rascher, als ihm lieb war. Allmählich ging er sicherer, unterschied sein Auge Umrisse. Die Kirschbäume begleiteten seinen Weg, höher und wuchtiger als je am Tage, sie schienen nicht mehr kahl und verkrüppelt, nein, lebendiger als zur Blütezeit. Feuchte wehte vom Fluß herauf, ein sanftes Rauschen, ab und zu leichtes Plätschern, leises Rascheln im Ufergebtisch. Er blieb stehen; die Nacht umgab ihn lind und mit großer Ruhe, das stetige Rauschen des Flusses verebbte in seinem Blut; das ängstliche Pochen verging vor diesem Gleichmaß. Die Schwärze wischte die quälenden Bilder vor seinen Augen hinweg, löschte gewissermaßen ihn selbst aus. Er verging zu einem Schatten vor etwas Größerem, Niegefühltem. Der Atem -der Nacht erfüllte ihn, oder sog ihn ihr Hauch ein, er wußte es nicht. Er unterschied nicht mehr zwischen Tod und Leben, Grauen oder Beglückung, eins ging ins andere über, stetig war nur dje Verwandlung, gleichgültig das Gesicht, das sie zeigte, nur das Wesen trug Bedeutung. Was war, was lebte, mochte vergehen; was vergangen war, kehrte wohl verwandelt wieder: Hauch der Nacht, Welle des Flusses, Blatt des Baumes, Körper des Menschen, vielfältige Gesichter eines Lebens, vielfältige Gefäße einer Seele. Gott war in allem und jedem. Er sah das Mädchen vor sich, wie sie zum Fluß hinabging; sie ließ sich gleiten; ob aus Schwäche, ob aus der Kraft, die der Entschluß verlieh, er wollte nicht mehr fragen. Was war, war gut wie es war, gleichgültig, ob der Sinn klar zutage trat, oder sich erst später erwies. Wie erlöst ging er nach Hause, da lag sie, Sore. War es möglich, daß sie ihm heute* lästig gewesen, daß er Haß gefühlt hatte gegen sie? War sie nicht auch ein Teil von ihm, wie sie eins waren; die Nacht, der Tod, das Leben, der Mensch! Er hörte sie leise schluchzen, sein Herz wurde weit, er zog sie^ an sich. Noch einmal glaubte er das Pochen des Vogelherzens zu spüren, als das Herz der Frau an dem seinen schlug; dann trug ihn die Kraft des Lebens über die Not des Tages hinweg, und ihm war, als erlöse er in seinem Weibe die Seele der Toten, deren Ruhelosigkeit sein Blut erfüllt hatte. Senden Sie bis auf Widerruf die C.-V.-ZEITUNG an: Senden Sie die RECHNUNG an: Bitte genau ausfüllen und deutlich schreiben Mit 3 Pfg; frankiert im Umschlag senden an: C.-V.-Zeitung, Vertrieb, Berlin W15, Emser Str. 42, IV Heinemann Stern: Didaktik der jüdischen Schule. Vortrupp, Jüdischer Buchverlag, Berlin 1938. Intensivere jüdische Bildungsarbeit in der Schulstube, Erziehung und Unterricht in jüdischem Geiste sind die Losungsworte, die seit einer Reihe von Jahren in besonders scharfen Umrissen auf die Fahnen der jüdischen Lehrer geschrieben sind. So ist es denn sowohl seitens der jüdischen Lehrerschaft als auch von vielen anderen Menschen unserer jüdischen Gegenwart als eine große Lücke empfunden worden, daß eine Didaktik der jüdischen Schule unserer Zeit noch' nicht geschrieben war. Vielleicht war bis jetzt die Zeit noch nicht reif dazu! Wir begrüßen daher diese durch die Mithilfe der Reichsvertretung und des Preußischen Landesverbandes ermöglichte Neuerscheinung. Das Werk ist in einen allgemeinen und einen speziellen Teil gegliedert. Das allgemeine Bildungsproblem, das jüdische Bildungsproblem, die Organisation und Planung des Unterrichts in einer Großstadtschule und gtfales*ar Reiften / David Friedmann Berlin W15, Paderborner Str. 9. 37 25 65. der Schule einer kleineren jüdischen Gemeinde, die pädagogischen - und Organisator^ sehen Grundsätze zur Durchführung des neunten Schuljahres für Knaben und Mädchen sowie die allgemeinen methodischen Grundsätze bilden den Inhalt des ersten Teiles, der nicht nur die jüdische Lehrerschaft, sondern einen jeden Juden in Deutschland, vor allem aber auch die jüdische Elternschaft, angeht. Die theoretische Grundlegung der Bildungs¬ und Erziehungsarbeit wird in ausgezeichneter Weise von H. Stern bearbeitet. „Die jüdische Schule soll von einem sich selbst begreifenden jüdischen Geiste durchdrungen sein." (Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen, herausgegeben von der Reichsvertretung.) So ist es denn selbstverständlich, daß in einer jeden jüdischen Schule die Fachgebiete Hebräisch, Religion und jüdische Geschichte den inneren Kreis der jüdischen Bildungsarbeit darstellen. Aber damit noch nicht geschlossen ist „der Kreis der Bildungsgüter und Bildungswerte, die jüdische Bildung im vollen Sinne des Begriffs fordert und braucht ... Wenn wir in unseren Schulen alle im Bereich des Jüdischen fließenden Bildungsquellen erschließen, können wir auch weiterhin die im außerjüdischen Kreis erwachsenen Kultur- und Bildungswerte, die wir ''für notwendig und erstrebenswert halten, unserem Bildungsplan einverleiben, ohne der Grundidee jüdischer Bildung untreu zu werden." Es wird daher die Zustimmung aller jüdischen Menschen unserer Zeit finden, wenn der Verfasser sich für eine geistige" Bildung um ihrer selbst willen entscheidet. Im zweiten Teil werden eingehend die Fachgebiete behandelt, die im Mittelpunkt der täglichen Schularbeit stehen: Biblische Geschichte, Hebräisch, Deutsch, Geschichte, Palästinakunde, Abstammungs- und Erbhygiene, Musik und Kunstunterricht. Hier wird vor allem für den Fachmann an einer Reihe von Uebungsbeispielen gezeigt, in^ welcher Weise allgemein pädagogische Grundsätze mit dem Willen zur Vertiefung der jüdischen Bildungsgüter in Einklang gebracht werden können. Besonders der jüdische Lehrer in der Kleingemeinde, der die sachliche und räumliche Isoliertheit seiner Arbeit doppelt schwer empfindet, wird in den fachlichen Einzeldarstellungen viel vAnregung finden. „Geschlossenheit der Bildungsinhalte", das ist die Forderung, die auch wir mit H. Stern stellen müssen. Der Versuch, „die Diskrepanz zwischen der Bildungswirklichkeit und der späteren Lebenswirklichl<eit unserer Schülergeneration zu beseitigen", wird kaum gelingen können. „Wer heute nach Brasilien gehen will, muß morgen nach USA. wandern; wer heute Spanisch lernt, erkennt morgen, daß ihm Portugiesisch nötiger ist." Es kommt daher auf die echte Bildung an, die „organisch gewachsenes Wissen, Verstehen und Können aus dem Lebensraum, dem auch-.das Kind angehört", darstellt. Dr. Hermann Weil, Frankfurt a. M.

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