Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 44 (3.11.1938)
- Date
- 1938-11-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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C.-V.-Zeitung Nr. 44 » 3. November 1938 1 Die gepflegte ü3gsie im niesten B ■ y. nur 3 Minuten von der Tauentzienstr. 1 li-sssf üerssfoiteaS 1 Privat-Miiiagu. Abendtisch Sj Marburger Straße 9, an der Augsburger Straße H Telefon 24 87 51 u. 24 65 44 Tageszeitungen m Geöffnet tägl. 11—20 Uhr Gedecke RM -,80 bis 1,50 H ' Sonn-und Feiertag II—16 Uhr einem neuen Gesetz, das die ärztliche Ausbildung zum Inhalt hat und insofern wichtig ist, als auf dieser Gesetzesgrundlage vielleicht in beschränktem Umfange für jüdische Aerzte aus Deutschland und Oesterreich Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden. Nach einem Gesetz aus dem Jahre 1915 darf in Neu-Süd-Wales kein deutscher oder österreichischer Arzt praktizieren oder an der Sydneyer Universität studieren. Die nicht wenigen jüdischen Aerzte aus Deutschland, die sich bereits hier befinden, haben bis jetzt nicht praktizieren können. Nun soll die Möglichkeit geschaffen werden, daß in anderen Ländern zugelassen gewesene Aerzte nach einer dreijährigen Tätigkeit an einem australischen Hospital oder Forschungsinstitut sich niederlassen können. Das Gesetz ist noch nicht verabschiedet. Die Parlamentsdebatte hat gezeigt, daß die Ansichten über dieses Gesetz sehr auseinandergehen. Der Minister hat darauf hingewiesen, daß in Sydney, gegenwärtig 800—900 Medizinstudenten die Universität besuchen, andererseits wurde darauf hingewiesen, daß es für qualifizierte Aerzte mit gutem europäischen Namen eine Zumutung sei, drei Jahre wie ein Anfänger zu arbeiten, zumal eine ganze Zahl australischer Aerzte selbst in Europa Schüler dieser Männer gewesen seien. Für den Standpunkt der Regierung ist wichtig, auf die Bemerkung des Gesundheitsministers Fitzsimons hinzuweisen, daß in keinem Lande der Welt ein höherer Standard der Medizinischen Wissenschaft vorhanden sei als an der der Sydneyer Universität. Es ist zu hoffen, mEGmasctiinenfatiriK Ericn Gimpel ABU: aufzöge - BERLIN SW — Sam.-N.-. 66 23 75/6 daß trotzdem einigen qualifizierten Spezialärzten aus Deutschland und Oesterreich eine Lebensmöglichkeit in ihrem früheren Beruf geschaffen werden wird. Sprungbretter der Diaspora III. Antike Piaspoi'a (Fortsetzung) Nach der Zerstörung des Perserreiches durch den Zug Alexanders des Großen hat die jüdische Diaspora im Gefolge der antiken Weltbewegung des Hellenismus ungewöhnliche Dimensionen angenommen. Das völkerverbindende Prinzip des Hellenismus hat die Ausbreitung des Judentums über die mediterrane Südwelt entschieden begünstigt. Indem der Hellenismus die Völker des Altertums zu einer Einheit zusammenfassen wollte, zog er auch die Juden in das Geflecht des damaligen Welthandels hinein und förderte eine Entwicklung, in deren Verlaufe aus Uebersee-Kleidung Leinen-SaüSfo und Efoss am. Stoff) angefertigt um so — •:. o -j> Konfektionsverarbeitung FraSil&nSlein & SOHn, Herrenschneider -—--■-Berna W15, Kurfurstendamm 54755 Lieferong^ann bei Größen-od.MaBangabe auch nach außerh. erfolgen gelegentlichen kommerziellen Beziehungen dauernde Niederlassungen hervorgingen. Die starke Anziehungskraft, die der Hellenismus als geistige Bewegung auf die gesamte antike "Welt ausübte, tat ein übriges-. Die gräzisierenden Stimmungen eines sich „modern" dünkenden Reformjudentums waren ein Sprungbrett zu der Diaspora-Existenz in der hellenistischen Einheitskultur. Die zahlreichen Städtegründungen, die unter den Nachfolgern des großen - Alexander namentlich die Herrscher des sjnrischen Großreiches, die Seleukiden, bewirkten, leistete jener Diasporabildung Vorschub. Die Juden der Diaspora sprachen vielfach Griechisch, ahmten griechische Sitten nach und wandelten ihre Namen in griechenähnlich klingende um. P h i 1 o, als Denker und Persönlichkeit das charakteristische Paradigma dieser Diaspora, berichtet uns, daß zu seiner Zeit — der ersten Periode des römischen Kaisertums — in Aegypten ungefähr eine Million Juden gelebt hätten. Eine solche Entfaltung war durch die judenfreundliche Haltung der ägyptischen Dynastie der Ptolemäer möglich geworden. Die jüdischen Gemeinden Aegyptens wuchsen zur Ptolemäerzeit dureh eine beträchtliche Zuwanderung aus Palästina immer mehr an. Besonders die Großgemeinde in Alexandria hatte kaum ihresgleichen. Sie stand vor der Metropole in Jerusalem nicht zurück. Wie Strabo mitteilt, erfreute sie sich einer weitgehenden Selbständigkeit. Ein Ethnarch stand ihr vor, entschied die Rechtsstreitigkeiten und traf eigene Verfügungen. Die wundervolle Doppelhalle ihrer großen Synagoge legte von dem Wohlstand der Gemeinde Zeugnis ab. In ihr war jeder Handwerkergilde ein eigener Raum zugeteilt. Ohne ghettomäßigen Zwang lebten die Juden in besonderen Wohnvierteln. Dort konnte man neben den Goldschmieden und Juwelieren begüterte Großkaufleute und Schiffsreeder finden. Das geistige Leben dieser wohlsituierten Gemeinschaft bewegte sich im Kielwasser des Hellenismus. Dem entsprach die' Tendenz der wissenschaftlichen Leistung, die aus ihrer Mitte hervorging. Die Kenntnis der hebräischen Sprache war nur noch sehr gering verbreitet. Die Septuaginta, die Uebersetzung - der Heiligen Schrift ins Griechische, sollte die Gegengabe des Judentums an die Welt des Hellenismus sein. Die sog. „synkretistische" Tendenz der hellenistischen Kulturpropaganda, welche die einzelnen nationalen Religionssysteme zu einer universalen Vernunftreligion zerschmelzen wollte,, war sogar imstande, das festgefügte Glaubensgebäude des Judentums vorübergehend zu erschüttern. Die soziale Einordnung der jüdischen Diaspora in die heidnische Antike wurde dadurch erleichtert, daß der hellenistische Rationalismus die Exklusivität des jüdischen Glaubens zu mildern suchte, indem er ihre Tradition und ihr Ritual allegorisch umdeutete. Damit war dem Bedürfnisse der „aufgeklärten" Kreise unter den Juden und Heiden Genüge getan. Ja, das Judentum übte durch seine hellenistische Modernisierung sogar eine außerordentliche Wirkung aus. Nicht nur eine aktive Glaubenspropaganda konnte reiche Erfolge verbuchen, sondern auch aus freien Stücken nahmen viele Menschen des heidnischen Altertums den jüdischen Glauben an. Bloß durch den Zustrom dieser Proselyten wird es verständlich, daß die jüdische Diaspara der antiken Welt nicht weniger als fünf Millionen Juden umfaßt haben soll. Die römischen Schriftsteller berichten uns von der Anziehungskraft, welche die jüdische Religion und Theologie auf die intellektuellen Schichten der römischen Gesellschaft ausgeübt hat. In wie hohe Regionen diese Bewegung empordrang, erhellt die sensationelle Tatsache, daß die Gemahlin des Kaisers Nero, Poppaea Sabina, eine eifrige Bekennerin und Beschützerin des jüdischen Glaubens gewesen ist. Ein weiteres Beispiel für viele gab das am oberen Lauf des Tigris residierende Königshaus von Adiabene, das wenige Jahrzehnte nach der üblichen Zeitrechnung zum Judentum' offiziell übertrat. Die Situation des antiken Diaspora-Judentums ist daher zunächst verhältnismäßig günstig gewesen. Wie in Alexandria, so durften auch in der übrigen antiken Polis-Kultur Juden sowohl als Kaufleute, Zwischenhändler wie als Handwerker tätig sein. Ihrer agrarischen Volkstradition entsprechend haben außerdem viele jüdische Landpächter vom Ertrag des Bodens gelebt. In dieser Zeit des Einvernehmens wurde die Existenz der jüdischen Diaspora-Gruppen durch Privilem Altmann & Gerson SSSSSS Berlin-Weissensee, Lothringenstr. 23 5« 31 54. gien geschützt. Sie besaßen eine selbständige Gemeindeverwaltung und Gerichtsbarkeit, eigene Wohnviertel und Begräbnisstätten, sowie das Recht einer vollständig freien Religionsausübung. Trotz dieser tolerierenden Tendenz hat das für den Bestand des Judentums unerläßliche Festhalten am überlieferten Glauben eine absolute Gleichstellung der jüdischen Diaspora-Gruppen verhindert. Denn in der antiken Polis war die Befolgung der heidnischen Kultvorschriften die Voraussetz^ing für das uneingeschränkte Bürgerrecht. Die. Gefahr, um dieser Voraussetzung willen den- Zusammenhang mit dem Judentum zu verlieren, war gewiß sehr groß. Aus diesem Grunde hat die mächtige pharisäische Glaubensbewegung es sich angelegen sein lassen, den Zusammenhalt des Judentums Altpapier — Adolf Naftantel Berlin NW 87, Wullenweberstraße 2. Tel.: 39 78 02 sicherzustellen. Sie sorgte dafür, daß das Band zwischen den Gemeinden in der Diaspora und dem Zentrum in Jerusalem nicht abriß. So ist die jüdische DiaspoTa der Antike ein Opfer ihrer Treue zum Judentum geworden. Als der römische Kaiser Gaius Caligula das Ansinnen stellte, in den Synagogen die Göttlichkeit seiner Person zu feiern, brach unter anderem, und nicht nur aus diesem Anlaß, die Katastrophe über die blühende Großgemeinde in Alexandria herein. Im Jahre 38 n. Chr. fügte eine schwere Verfolgung der dortigen Judenschaft unermeßlichen Schaden an Gut und Blut zu. Vergeblich ist Philo beim Kaiser Caligula für seine jüdischen Mitbürger eingetreten. Nur das jähe Ende des Kaisers (er erlag dem Mordstahl seiner eigenen Leibgarde) bewahrte sie vor einem noch schlimmeren Geschick. Der unglückliche Verlauf der Religionskriege, die das jüdische Volk in seinem eigenen Lande gegen die Römer führte, hat natürlich die Stellung der jüdischen Diaspora aufs schwerste erschüttert. Im Jahre 70 n. Chr. war der Tempel zu Jerusalem in Schutt und Asche gesunken. Noch nicht ein halbes Jahrhun- Karterueichnung für die C.-V.-Zeitung von Konrad Fließ. dert nach der Bezwingung des Mutterlandes erhob das jüdische Volk in der Diaspora die Waffen gegendie Römer (115—117 n. Ch.). Ueber diesen großen Aufstand, der in die Regierungszeit des Kaisers Trajan fiel, liegen nur sehr unzureichende Nachrichten vor. Die Wucht des Aufstandes, verbunden mit der parallelen Aktion anderer unterworfener Völker, hat dem römischen Reichsgefüge einen harten Stoß versetzt. Auf beiden Seiten wurde erbittert gefochten. Die Ausdehnung der Erhebung kann man daraus [ ermessen, daß sowohl in Aegypten, in Cyrene, auf der Insel Cypern und in Mesopotamien Kämpfe stattgefunden haben sollen. Endlich trug die militärische Ueberiegenheit der Römer den Sieg davon. Schrecklich waren die Folgen des unglücklichen Aufstandes. U. a. soll, wie der Geschichtsschreiber A p p i a n berichtet, die Gemeinde von Alexandria nahezu vernichtet worden sein. Immerhin besaß die aufs schwerste getroffene Diaspora noch die Kraft, der folgenden nationalen ELISE K0H Damenhaft hat liquidiert. Restbestände sehr preiswert bei Erhebung desBar Kochba (132—135 n. Ch.) ihre Unterstützung zu leihen. An der inneren Unmöglichkeit, dem Hellenismus zu geben, was des Hellenismus ist, mußte die jüdische Diaspora in der Antike scheitern. Deshalb schlug die anfängliche Sympathie, die der Mensch der heidnischen Antike dem Judentum bezeugt hatte, allmählich in Abneigung um. Gerade bei prominenten römischen Schriftstellern, wie Tacitus, bricht sie deutlich hervor. Diese Abneigung war ein Ergebnis der pharisäischen Theopolitik, des Festhaltens am Anders-sem. Die nicht nur äußere Bedrohung der jüdischen Existenz in der Diaspora war zum erstenmal in der Antike offenbar geworden. Der Hellenismus war gewiß ein Sprungbrett zur Diaspora; aber es war, sobald durch die Annäherung an die fremde Welt eine Preisgabe der eigenen drohte, ein Sprung ins Leere. (Im weiteren Verlaufe der Studie wird die Gestaltung der jüdischen Diaspora auf der iberischen Halbinsel, im slawischen O s t e n und ihre Neubildung in Ueber- . see behandelt.) Chefredakteur: Dr. Alfred Hirschbesg, Stellvertretender Chefredakteur: Dr. Ernst G. Löwenthal. Verantwortlich für Wanderungsfragen, Aufnahme von Bildern und Sport: "Dr. Ernst G. Löwenthal, für Feuilleton: Hans Oppenheim e r. Sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Freiumschlag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA. III. Vj. 39 519. PL 6. Verlag: Jüdischer Central-Verein e. V., Berlin W 15, Emser Straße 42. Druck: Max Lichtwitz, vormals Druckereibetriebe Mas Lichtwitz und Siegfried Scholem, Berlin SW 68. ^onltitidiAt* GEDECKTE TISCH » J^€^H4ddluH^äHmm Uni* ^trck