Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 44 (3.11.1938)
- Date
- 1938-11-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 \ . C-V.-Zeitung Nr. 44 * 3. November 1938 75 Jahre Umschichtung Bei der jetzt so großen Bedeutung der Umschichtung von Juden dürften die Anfänge solcher Bemühungen auch anderweitig von Interesse sein. Einer der ersten tätigen Pioniere des Umschichtungsgedankens war. Mordechai Se^w B. e r n s t e i n, geboren 1777 in Brody. Bernstein war. ein wohlhabender Kaufmann, der in Odessa lebte. Als er etwa 50 Jahre alt war, begann er, den Gedanken der Umschichtung zu verwirklichen, die ihm um so dringlicher erscheinen mußte, als die Mehrzahl der Juden in Odessa, und meist im Osten, wirtschaftlich und berufsständisch gesehen, jSLuftmenschen" waren und als besonders die Jugend außer der üblichen jüdischen Erziehung keine praktisch verwertbare Bildung genoß. Es gab allerdings eine Fülle von jüdischen Handwerkern, die aber eben wegen der mangelhaften, regellosen Ausbildung weder leistungsnoch eigentlich erwerbsfähig waren. Bernstein wandte sich also an die russische Regierung mit seinem Plan, eine Handwerkerschule großen Stils für Juden in Odessa zu gründen. Er hatte damit nicht nur keinen Erfolg, sondern man verwies ihm als einem Oesterreicher die Einmischung in interne Angelegenheiten und entzog ihm das Wohnrecht. Darauf wandte er sich mit dem gleichen Plan im Juni 1828 an Fürst Lobkowitz, den Gouverneur von Galizien, erhielt einen Monat darauf die begeistert zustimmende und Hilfe versprechende Antwort des Fürsten, liquidierte seine Geschäfte in Odessa, zog nach Lemberg, kaufte in Lemberg ein großes Haus für 7000 Gulden, in dem die Handwerkerschule untergebracht werden sollte, und stiftete einen Fonds zur Unterstützung jüdischer Handwerker, der in Anspruch genommen werden sollte, sobald die Zinsen davon mindestens 900 Gulden jährlich betrugen. Indessen verschob sich die Ausführung des Planes, weil die österreichische Regierung infolge des polnischen Aufstandes 1830 die Bestätigung des Unternehmens von Jahr zu Jahr verschob. Bernstein soilte die Eröffnung seiner Gründung nicht mehr erleben, er starb, 72 Jahre alt, im April 1849. In seinem Testament vermachte Bernstein der Stiftung, für jüdische Handwerker noch 13 000 Gulden mit der Bedingung, daß erstens eine Schule für jüdische Knaben geschaffen werden sollte, die ein Handwerk erlernen wollten; die Hauptfächer des Unterrichts sollten Deutsch und Polnisch sein, zweitens ein Fonds zur Unterstützung jüdischer wandernder Gesellen und drittens eine Baumwollspinnerei geschaffen werden sollte. Die Spinnerei konnte wegen Bedenken der österreichischen Regierung nicht geschaffen werden. Die Handwerkerschule wurde im Februar i&64^.fünfzehn Jahre nach Bernsteins Tod, ecölfnet, und hatte anfangs 21 Schüler. Das Kapital war inzwischen gewachsen und betrug 34 000 Gulden. Es gab nun einige neue Bedingungen: jeder Schüler mußte in Galizien geboren sein und ein Gesundheitszeugnis beibringen; Gesellen, die den Fonds in Anspruch nahmen, mußten sich verpflichten, sich am Ende ihrer Wanderzeit nirgends als in Lemberg niederzulassen und eigene Werkstätten zu gründen; die Unterstützung war auch auf Gesellen der Handwerke beschränkt, die Juden in Galizien sonst nicht ausübten wie Wagenbau und Stellmacherei, Schlosserei, Maurerei, Faßbänderei, Töpferei und Müllerei. Die Handwerkerschule besteht noch heute in Lemberg, und es ist nicht abzuschätzen, wieviel Nutzen sie inzwischen gebracht hat. Der Bernstein-Fonds allerdings, der aus Wertpapieren bestand, wurde im Laufe des Weltkriegs völlig wertlos, ist dann aber durch die Ica und mit Hilfe der polnischen Regierung regeneriert worden. H. ist, verhelfen diesen Bildern dazu, daß sie voll Leben sind, und daß jedes von ihnen sich anders, persönlich ausnimmt. Dr. O. B. Jüdisches Lehen — jüdischer Geist Hamburg Das Jüdische Lehr haus (Franz Rosenzweig- Gedächtnis-Stiftung) gibt in Gemeinschaft mit dem Bildungsausschuß des Jüdischen ReUgionsverbandes seinen Arbeitsplan für den Herbst heraus. . Wie in den Vorjahren enthält er vor allem wertvolle Arbeitsgemeinschaften und Vorträge über religiöse, religionsphilosophische und religionsgeschichtliche Themen: Oberrabbiner' Dr. Josef G axleb a ch über „Die Bibel, das Lebensbuch der" Juden"; ■ Rabbiner ■ Dr. Paul Hölzer .„Propheten Arnos"; B. S. J a c o b s o n „Gesetz und Brauch des jüdischen All- . tags". An zwei Abenden wird, sich Rabbiner. Dr. Wiener,. Berlin, mit dem Thema „Judentum.' als volkhafte und persönliche Religion" befassen. Rabbiner Dr. Eschelbacher, Düsseldorf, wird unter dem Thema „Die Geheimnisse der" Schöpfung" in den Sohar, das Grundbuch der Schöpfung'einführen. Neben diesen religiösen Arbeitsgemeinschaften behandeln einige Themen Geschichte und Länderkunde, so die Abende von Dr. Walter Bacher über „Ausgewählte Kapitel aus der griechischen Kulturgeschichte mit Lichtbildern"; sowie .die Vorträge von Dr. Alberto Jonas über „Die jüdische Diaspora in der Weltgeschichte" und die Vorträge über die „Wirtschaftsgeographie der La Plata-Staaten" von Dr. Hugo Mandelbaum. Zwei Arbeitsgemeinschaften sind der Kunstbetrachtung gewidmet, eine von Dr. Rosa S chapira geführte über „Aegyptens Kultur und Kunst" und eine von Oberkantor Leon Korniizer über „Analytische .Betrachtungen musikalischer Meisterwerke in Anlehnung an die Konzertprogramme des Jüdischen Kulturbundes". S. E. Berlin In den Wandelgängen des Berliner Kulturbundth^aters zeigt Gertrud Ochs (Berlin) Proben ihres photographischen Könnens^ Das Porträt des Vaters, des Dirigenten Siegfried Ochs, mit den markanten, unvergeßlichen Gesichtszügen hängt neben den Bildhissen jüdischer Frauen aus allen Schichten, neben vielen Kinderbildern. Da sieht man lachende und weinende Gesichter von Kleinen und Kleinsten. Die verschiedene Verteilung von Licht und Schatten und der rechte Sinn und gutes Gefühl für Nuancen, das so wertvoll für den anerkannten Photographen Die jüdische Winterhilfe Berlin Am 6. November kommen die ehrenamtlichen Sammler, um die November - E i n t o p f s p e n d e entgegenzunehmen. Die Sammler legitimieren sich Zeichnung für die C.-V.-Zeitung von H. Isaak. Schleswig-Holstein gehören, in denen fast jeder dritte Jude (30—32 o/o) die Unterstützung der Winterhilfe in Anspruch nehmen mußte. Mit Recht weist der Bericht in seiner Einleitung darauf hin, daß durch die zahlenmäßige Verringerung der Unterstützungsfälligen auf der einen und das Anwachsen der Not auf der andern Seite die Durchführung" der diesjährigen Jüdischen Winterhilfe in gesteigertem Maße von der Opferbereitschaft jedes einzelnen jüdischen Menschen abhängt. Rck. durch unterstempelten und unterschriebenen gelben Lichtbildausweis. Für jeden Betrag erhält der Spender eine blaufarbene Quittung, auf der der erhaltene Wert aufgedruckt ist,. In der Gegend Wilmersdorf-Friedenau, Bayerischer Platz, Fehrbelliner Platz, Schmargendorf und Dahlem, " auch in der - südlichen Gegend (Spittelmarkt, Kottbusser .Damm, Treptow) fehlen noch einige ehrenamtliche Sammlerinnen für die Pfundspende. Schriftliche Meldungen bei der Jüdischen Winterhilfe, Abt Pfundspende, Berlin C 2, Rosenstar. -2-4, oder telephonisch (41 67 11, App. 50). Po-techeri-Junto: Berlin 03 446. . * Die. Jüdische Winterhilfe legt in einem ausfuhrlichen Bericht Rechenschaft über ihre Tätigkeit während des Winters i 9 3 7 bis 13 38. Den Ausführungen ist zu entnehmen, daß sich die Aufwendungen während der Berichtszeit auf mehr als 3,3 Millionen Reichsmark beliefen. Aus der regionalen Aufteilung der Einnahmen. und Ausgaben ergibt sich, daß zu den besonderen Notstandsgebieten Pommern, Grenzmark und Aus den Familien Magdalene Blum, geb. Baum, feierte am 30. Oktober ihren 70. Geburtstag. — Julie Gerstel (Oberglogau O.-S.), wurde am 2. November 80 Jahre alt — Max Hirschberg (Berlin W 30, früher Posen), vollendet am 3. November sein 75. Lebensjahr. — Jacob Zobel {Berlin-Charlottenbur begeht am 4. November seinen 70. Geburtstag. — Frau Jettchen Emmerich (Arnsberg), vollendet am T.November ihr 80. Lebensjahr. — Joseph Friedländer (Berlin W 35) . wird am 9. November 75 Jahre alt — Isa Rothschild und Frau, geb. Meyer (Herne i. W.), feierten im Oktober ihre Goldene Hochzeit — Fritz C o p p e 1 und Frau Minima, geb. Reese (Bad Pyrmont), feiern am 6. November ihre Silberne Hochzeit. Jüdisches Museum, Berlin. Die Ausstellung „Jüdische Künstler erleben die Bibel" muß verschoben werden. Deshalb wird die zeitweise Schließung des Museums rückgängig gemacht Das Museum ist bis auf weiteres täglich (außer Sonnabend) 10—14 Uhr geöffnet Wann und wo finden Sie Rat? 1/inksrh.ein Köln Aachen Koblenz Montag—Freitag-,10—ISUhr, Agrippinahaus, Breitestraße 92/96, III, Zimmer 76/78 8. und 22. November, 16^—^8 Uhr, Gemeindehaus, Promenadenstr.21 15. November, 16—173/4 Uhr, Gemeindehaus, Florinsmarkt 11 Mitteldeuts cnland Dresden 9.November,16—183^Uhr,Jüd. Wirtschaftshilfe, ZcughausstraSe 3 ptr. JSorddeutschland Hannover Mittwoch, 16—18 Uhr, Landschaft, straße 6 ptr. (Bankhaus Meyer- •stein). Vorherige Anmeldung erbeten (Tel.: 21015). UiliUllllllllinililiniillllliiniHIIIIIIIIMtliililiHhMIMIIIIIIlllliiiiuuiihiliiiiihiiiiiiiaMiiniiniim Mm .11-13 UU findet die Sprechstunde der Be rdfundsstelle des jüdischen Centraf- Vereins, Berlin W 15, Emser Str. 42, IV, statt. Sprechtage sind AAorftag bis Freitag, für Mitglieder des Centrai-Vereins auch außerhalb der angegebenen Sprechstunde nach vorheriger telephonischer Vereinbarung. , SCHÜBE und LEDER Hausschuhe sind weltbekannt! J. & C A. Schneider Schuhfabriken Frankfurt a.M. Anzeigen-Werbung — Beste Werbung Mttd&ctyA.fy Schuhgroßhandiung 1UNCHEN, Landwehrstraße 34 I seit 1877 l Verlangen Sie den echten Pullmann Cosg-Hausschi SfeiMehmamt&Co. Krawattenfabrik Krefeld — Berlin C 2, Rosenstrasse 1 Gegründet 1882 TEXTILIE N'^-P^ TOoritj Herrmann Allein. Hersteller: Theodor Simon & Co., Berlin SO 16, Köpenicker Straße 74. EST BEKLEIDUNG Nathan Rüben Kleiderfabrik / Lübbecke i. W. 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